Verbraucherzentrale NRW warnt vor HDTV-Tücken - Zu Recht?
05.12.2006 (ks)
Die Verbraucherzentrale NRW gibt in einem Rundschreiben einige
"Tipps" beim Kauf von Plasma- und LCD-Fernsehern mit dem Hinweis
"Warum sich Warten für viele lohnen kann" und kommt in einem Fazit zu
dem Schluss "Es wird noch eine Weile dauern, bis ein Großteil der Sendungen im neuen HD-Glanz ausgestrahlt wird. Bis dahin kann die Wartezeit mit einem guten und preiswerten Röhren-Fernseher überbrückt
werden". Die Empfehlungen der Verbraucherzentrale sehen wie folgt aus:
1. Wenn der Handel für Flachbildschirme wirbt, wird fast immer verschwiegen, dass bis auf weiteres das Angebot an HDTV-Sendungen sehr gering ist. Für einen Durchschnittszuschauer mit digitalem Satelliten-Empfang beträgt derzeit der Anteil an HDTV-Sendungen gerade mal zehn Prozent. Die wenigen Digital-Kabelkunden können erst im Laufe des Jahres 2007 auf erste HDTV-Sendungen zappen. Den DVB-T-Antennenzuschauern wird HDTV sogar immer verborgen bleiben.
2. Weiteres Manko: Fernsehbilder in der Standardauflösung (PAL) können auf den hochauflösenden Flachbildschirmen mitunter weniger gut aussehen als auf konventionellen Röhrengeräten.
3. Beim Vergleich von Plasma- und LCD-Bildschirmen im Laden sollten deshalb nicht nur HDTV-Demoprogramme betrachtet werden. Der Händler sollte auch Standard-TV-Sendungen zeigen: am besten über den Zugang, den der Verbraucher auch zu Hause verwendet.
4. Auf jeden Fall sollten Käufer eines Flachbildschirmes auf das “HD ready”-Logo achten. Alle anderen HD-Beschreibungen können später zu Empfangsproblemen führen. Das Logo ist aber kein Qualitätsmerkmal, sondern sichert nur bestimmte Mindeststandards zu.
Die Ratschläge der Verbraucherzentrale sind sicherlich gut gemeint, können
aber auch nicht ohne Kommentierung so stehen bleiben, weil sie zwar den
Verbraucher für die Besonderheiten von Digital-Displays sensibilisieren, die
manche Werbe-Slogans nicht erwähnen, demjenigen, der konkret vor der
Entscheidung steht, einen solchen Fernseher zu kaufen, aber auch nicht richtig
weiterhelfen, zumal Flachbildschirme wegen ihres höheren "Woman Acceptance
Factors" auch vielfach vor allem deswegen in der Auswahl stehen, weil sie
eben flach sind.
Zu Punkt 1: Bislang strahlen in der Tat nur sehr wenige Sender
HDTV-Programme aus. Wie hoch der Anteil an HDTV-Sendungen ist, kann aber jeder
selbst beeinflussen und hängt stark von den individuellen Präferenzen ab.
Schließlich bietet Premiere auf zwei Kanälen ein HDTV-Vollprogramm, welches zu
Preisen ab 9,99 EUR im Monat (pro Kanal) sogar recht erschwinglich ist. Via Satellit gibt es
außerdem eine stetig wachsende Anzahl an HDTV-Programmen (eine komplette
Übersicht der in Deutschland empfangbaren Sender finden Sie unserem Special "Kostenloses HDTV aus ganz Europa: Diese Sender können Sie via Satellit empfangen").
Und auch in den meisten Netzen der großen Kabelnetzbetreiber gibt es bereits seit Mitte
2006 immerhin Premiere HD (in Baden-Württemberg sogar noch ProSieben HD und
Sat.1 HD). Allerdings gibt es beim NRW-Kabelnetzbetreiber ISH noch nicht einmal
Premiere HD.
Außerdem kann man mit einem HDTV-Display auch noch weitaus mehr
machen, als nur fernzusehen: HDTV-Bilder gibt z.B. auch die Spielekonsole Xbox 360 aus und
auch hochauflösende Fotos kann man auf einem HD-Display
betrachten. Außerdem kommen mit Blu-ray Disc und HD DVD in diesem
Weihnachtsgeschäft auch gleich noch zwei weitere HDTV-Bildquellen dazu, für
Besitzer der Xbox 360 mit dem Xbox 360 HD DVD-Player sogar zu einem günstigen
Preis von gerade einmal rund 200 EUR.
Zu Punkt 2 & 3: Richtig, Fernsehbilder in Standardauflösung können
auf Flachbildschirmen mitunter weniger gut aussehen als auf konventionellen
Röhrengeräten, sie müssen es aber nicht. Dies war jahrelang ein
wirkliches Problem vieler Flachdisplays, doch immer mehr Flachbildschirme von Markenherstellern sind inzwischen soweit technisch
entwickelt, dass sie in vielen Fällen die gute alte Röhre qualitativ selbst
dann übertrumpfen, wenn nur normales PAL-Fernsehen betrachtet wird. Da die
Technik wesentlich komplexer ist als das in Jahrzehnten bewährte
Kathodenstrahlverfahren, ist für eine gute Bilddarstellung aber vor allem eine
gute Elektronik erforderlich, die das TV-Bild auf die Auflösung des Displays
skaliert, ohne dabei Störungen und Unschärfen zu produzieren und auch in der
Lage ist, die Halbbilder des Fernsehens korrekt zusammenzusetzen (De-Interlacing).
Hierauf sollte man beim Kauf achten und dies im Geschäft überprüfen, im
Idealfall mit einer geeigneten Test-DVD wie z.B. der "DVD-Discovery"
und einer Spielfilm-DVD, die man besonders gut kennt. Beachtet werden sollte
auch, dass viele Verkaufsräume sehr hell ausgeleuchtet werden, während es
Abends vor dem heimischen Fernseher im Wohnzimmer eher dunkel ist. Die Qualität
eines Fernsehers im Verkaufsraum muss nicht identisch mit der Qualität in den
eigenen vier Wänden sein. Zudem ist häufig zu beobachten, dass der Kontrast
der Displays extrem hochgedreht wird, damit die Bilder möglichst hell leuchten.
Im Wohnzimmer ist aber weniger die absolute Helligkeit entscheidend, sondern
vielmehr der Schwarzwert, der darüber entscheidet, ob dunkle Szenen wirklich
dunkel sind oder nur grau schimmern. Der Schwarzwert ist für den visuellen
Gesamteindruck des Bildes wesentlich entscheidender als Kontrastwerte im
fünfstelligen Bereich auf dem Datenblatt und lässt sich nur unter
abgedunkelten Bedingungen wirklich mit dem Auge überprüfen. Im Zweifelsfall sollte man mit dem
Händler vor dem Kauf also ein Umtauschrecht vereinbaren, falls das Gerät
zuhause nicht die gewünschte Performance bietet.
Zu Punkt 4: "HD ready" bietet eine gute Orientierungshilfe, ist
aber inzwischen selbst bei No Name-Herstellern so weit verbreitet, dass zum
Glück nur noch wenige Auslaufmodelle ohne "HD ready"-Logo auskommen. Wichtig ist es, auch einmal hinter das Gerät zu schauen, um zu überprüfen, ob
der Fernseher auch ausreichend Anschlüsse bietet. Viele SCART-Buchsen mögen
heute noch für die meisten Haushalte wichtig sein, doch für die Zukunft ist
die Anzahl der HDMI- und YUV-Schnittstellen wesentlich wichtiger. Auch wenn
Röhrenfernseher im Vergleich zu Flachbildschirmen deutlich günstiger sind, so
bieten die meisten Modelle doch nur eine geringe Zukunftssicherheit, weil nur
wenige hierzulande verkaufte Röhrenfernseher überhaupt in der Lage sind,
HDTV-Bilder darzustellen. Wer sich aufgrund des Preises für einen Röhren-TV
entscheidet, sollte möglichst zu einem der beiden getesteten Modelle Samsung WS-32Z409T
oder Philips 32PW9551
greifen, die beide HDTV-Signale über HDMI und YUV darstellen können.
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