ANGA: Kabelnetzbetreiber fordern DVB-T-Ausbau-Stopp
15.11.2005 (ks)
Die Entscheidung der EU-Kommission aus der letzten Woche, dass private
TV-Sender öffentliche Fördermittel für die DVB-T-Ausstrahlung in Berlin
zurückzahlen müssen, weckt beim Verband Privater Kabelnetzbetreiber ANGA
Wünsche, die ungeliebte frei empfangbare Konkurrenz zum teuren Kabelfernsehen
nicht noch in weiteren Regionen etablieren zu lassen. So möchte die ANGA jetzt,
dass sich auch die öffentlich-rechtlichen TV-Sender von ihren weiteren
DVB-T-Planungen verabschieden. ARD und ZDF sollen die Pläne einer flächendeckenden Einführung von DVB-T
auf Eis legen. Dazu ANGA-Präsident Thomas Braun: „Ein rein öffentlich-rechtliches DVB-T-Angebot ginge völlig an der Erwartungshaltung der Zuschauer vorbei und wäre aufgrund der exorbitant hohen Kosten eine beispiellose Verschwendung von Rundfunkgebühren. Mit den offensichtlich bereits eingeplanten Mitteln sollten sich die öffentlich-rechtlichen Anstalten vielmehr beim zukunftsträchtigen HDTV
engagieren." DVB-T habe weder den Zuschauern noch den Programmveranstaltern einen nachhaltigen Mehrwert
gebracht und sollte schnellstmöglich durch innovative Angebote für die mobile Nutzung über den DVB-H-Standard abgelöst werden“.
Dies würde praktisch auf eine Abschaffung des frei empfangbaren
Antennenfernsehens hinauslaufen.
Die ANGA führt aber auch qualitative Gründe gegen DVB-T vor: „Die Nutzung der DVB-T-Frequenzen für herkömmliche Fernsehprogramme
führt auch in technologischer Hinsicht in die Sackgasse, denn für den Fernsehstandard der Zukunft, das hochauflösende HDTV, fehlt es an der notwendigen Bandbreite“, so
Thomas Braun. Schon heute biete DVB-T aufgrund seiner geringen Bitraten gerade auf den neuen, großflächigen LCD- und Plasmafernsehschirmen ein gegenüber dem digitalen Kabelempfang schlechteres Bild. Mit dem rasant wachsenden Absatz dieser Geräte werde dieses Manko für die Zuschauer erheblich an Bedeutung gewinnen."
Die scharfen Töne der Kabelnetzbetreiber könnte auch die Politik darauf
aufmerksam machen, dass es hier um wesentlich mehr geht als um eine
vermeintliche technologieneutrale Förderung des Digitalfernsehens. Die
Medienanstalt Berlin-Brandenburg hatte bereits in der letzten Woche nach der
Entscheidung der EU-Kommission erklärt: "Die Beschwerde der Kabelverbände in Brüssel zeigt, wie aktuell die Prüfung verbraucherrechtlicher Fragen
ist..: Gerade in Berlin wird das Kabel bei einem Großteil der Haushalte über die Miete abgerechnet, ohne dass die Haushalte eine reale Wahlmöglichkeit haben. Dieses beschränkt nicht nur die Zahl der terrestrischen Haushalte, sondern erschwert auch die künftige Entwicklung von Fernsehen im Internetstandard über DSL-Leitungen."
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