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Fraunhofer-Institut präsentiert neues Surround-System auf der CeBIT

21.02.2003 (ks)

Die Forscher des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen in Ilmenau sorgten bereits durch die Erfindung des MP3-Formats für weltweite Bekanntheit. In den letzten Jahren beschäftigte sich die von Karlheinz Brandenburg geleitete "Arbeitsgruppe Elektronische Medientechnologie" (AEMT) mit Verbesserungen der räumlichen Wiedergabe von Filmen und Musik, die inzwischen konkrete Formen angenommen haben: Die Forscher haben ein neues Soundsystem entwickelt, das hervorragenden Klang in jedem Raum und auf jedem Platz bringen sollt. Die neue Technologie wurde am 19. Februar in den Ilmenauer »Lindenlichtspielen« zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt und soll auch auf der CeBIT(12.-19. März in Hannover) zu hören sein. Während herkömmliche Surround-Systeme mit nur wenigen Lautsprechern arbeiten, arbeitet die Anlage aus Ilmenau mit fast 200 Lautsprechern, die rund um den Zuschauer herum im Raum aufgestellt werden und soll so eine extrem realistische Audiowiedergabe in beliebigen Räumen ermöglichen. Das Hörerlebnis basiert auf dem Prinzip der Klangfeldsynthese, das an der TU Delft (Niederlande) erfunden wurde. Anders als bei bereits existierenden Verfahren wie zum Beispiel bei der 5.1-Surround-Technologie kann ein neues Aufnahmeverfahren verwendet werden: Nicht nur den Ton an sich, sondern auch die Schallcharakteristik des umgebenden Raums und Informationen über die räumliche Anordnung der Schallquellen werden aufgezeichnet. Der besondere Vorteil ist, dass ein natürlicher räumlicher Klangeindruck über einen großen Bereich des Filmtheaters möglich ist. Unabhängig von der Sitzposition sollen Effekte und Dialoge immer aus der richtigen Richtung zu hören sein.

Doch auch mit herkömmlich aufgezeichnetem Filmmaterial lässt sich nach Angaben der Ilmenauer Forscher eine deutliche Qualitätsverbesserung verzeichnen: "Bei der 5.1-kompatiblen Wiedergabe ist der optimale Klangeindruck nicht wie bisher auf einen kleinen Teil des Kinosaals, den »Sweet Spot«, beschränkt. Eine ausgeklügelte Computertechnik und fast 200 im Raum verteilte Lautsprecher sorgen in den Ilmenauer »Lindenlichtspielen« für einen beeindruckenden Sound. Damit wird jeder Film zu einem besonderen Hörgenuss - egal, ob der Besucher in der ersten Reihe links außen, in der Mitte oder ganz rechts in der letzten Reihe sitzt" heis. Dieses Kino ist weltweit das erste, in dem ein System eingesetzt wird, das auf der Klangfeldsynthese basiert", betont Sandra Brix. Noch in diesem Jahr sollen weitere Filmtheater in Deutschland und in Übersee mit dem neuen System ausgerüstet werden. Das neue System kann aber auch bei Konzerten, Theateraufführungen oder Open-Air-Events genutzt werden.

»Das innovative System verbessert den Kinosound deutlich. Der Qualitätssprung ist größer als der Schritt von der Mono- zur Stereo-Wiedergabe«, so Karlheinz Brandenburg. »Die Veranstaltung im Ilmenauer Kino ist der Startschuss für die aktive Vermarktung. Wir haben hier in Thüringen als erste den Schritt von >science fiction< und >Laboraufbauten< zu einem in der Praxis anwendbaren Produkt bewältigt.«

Nicht nur im Kino, sondern auch zu Hause soll nach den Vorstellungen der Ilmenauer Forscher die Technologie zukünftig eingesetzt werden. Ein entsprechendes Consumer-System ist inzwischen bereits in der Erforschung. Hier allerdings dürfte nicht nur die starke Lobby der surroundsystemverachtenden Ehefrauen für Schwierigkeiten sorgen, sondern selbst Surround-Enthusiasten ohne solche Handicaps vor eine Herausforderung gestellt werden, wenn sie noch mehr Lautsprecher in ihrer Wohnung unterbringen sollen.

 

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