Blu-ray-Disc-Lizensierung startet am 17. Februar
14.02.2003 (ks)

Blu-ray-Disc-Prototyp von Pioneer
Am 17. Februar starten die hinter der "Blu-ray-Disc" stehenden
Unternehmen Hitachi, LG, Matsushita, Pioneer, Philips, Samsung, Sharp, Sony und
Thomson mit der Lizensierung der neuen DVD-Technologie. Unternehmen, die "Blu-ray"-Geräte
herstellen möchten, müssen dafür zunächst mindestens 20.000 USD-Dollar auf
das Konto der Lizenzgeber überweisen, um die genauen Spezifikationen zu
erhalten. Die Blu-ray-Disc soll zunächst auf einer 12cm großen Scheibe eine
Kapazität von 27 GB fassen, deren Daten mit einem blauen Laser ausgelesen
werden. Während im DVD-Forum noch kein offizieller Standard verabschiedet wurde
und dort noch diskutiert wird, ob der DVD-Nachfolger MPEG2 oder eine verbesserte
Kompressionstechnik verwenden soll, haben sich die Blu-ray-Anbieter zunächst
einmal auf MPEG2 festgelegt, welches mit einer maximalen Videobitrate von 36
Mbps angewendet werden soll.
Der Start der Lizensierung der Blu-ray Disc macht jetzt rund ein Jahr nach
der ersten Vorstellung den Weg frei für eine neue Technologie mit noch besserer
Bild- und Tonqualität. Zwar fehlt hier bislang noch der offizielle Segen des
DVD-Forums, doch das Konkurrenz-Format "AOD" wird von vielen
Branchen-Beobachtern vornehmlich als Versuch betrachtet, die nicht an der
Blu-ray-Disc beteiligten Unternehmen Toshiba und NEC noch mit ins Boot der
Lizenzgeber zu holen und durch die Integrierung eigener Patente an den Einnahmen
zu beteiligen, die später jedes verkaufte Gerät erbringen wird. Vorbespielte
Blu-ray Discs werden freilich erst dann erhältlich sein, sofern neben den
technischen Details insbesondere ein möglichst sicherer Kopierschutz vorliegt
und nach dem Dilemma mit dem schnell geknackten CSS wird sich die Filmindustrie
hier sicher noch einige Zeit lassen.
Erste Consumer Blu-ray-Geräte sind zunächst in vielleicht einem Jahr auf dem japanischen und
später auch dem US-Markt zu erwarten. Bis Blu-ray nach Europa kommt, dürfte
noch einige Zeit ins Land gehen. Denn Blu-ray dient vornehmlich als
Datenspeicher für HDTV und bekanntlich hat Europa in diesem Gebiet bislang noch
den Status eines Entwicklungslands. Der in vielen Medienberichten vermittelte
Eindruck, hier ginge es um eine schnelle Ablösung der DVD, ist vollkommen
falsch. Blu-ray wird sich zur DVD erst einmal ähnlich verhalten wie z.B.
DVD-Audio und SACD zur CD. Die DVD wird für die nächsten Jahre das
Video-Format für den Massenmarkt bleiben, denn um das Potential der Blu-ray
Disc nutzen zu können, benötigt man zunächst einmal TV-Geräte,
Videoprojektoren oder Plasma-Displays die mindestens 1280 x 720 Pixel auflösen
können. Und die kosten derzeit noch weitaus mehr als ein herkömmliches
TV-Gerät. Während Projektoren und Plasmas meist sogar in der Lage sind,
zumindest auf niedrigere Auflösungen das Bild herunterzurechnen, sollten sich
aber auch die Hersteller von TV-Geräten endlich einmal dazu durchringen,
Geräte mit YUV-Eingängen für HDTV auf den Markt zu bringen. Denn die
Bildröhren selbst sind angesichts der hochgerechneten Auflösungen, die
Bildverbesserer wie z.B. Pixel Plus ermöglichen, theoretisch durchaus in der
Lage, diese hohen Auflösungen auch direkt von Wiedergabegeräten zu
verarbeiten. Nur fehlt bislang mangels HDTV-Quellen in Europa der Anlass, auch
die Elektronik und Videoeingänge für HDTV anzupassen. Es wäre erbärmlich,
wenn solche Hindernisse den Bedenkenträgern Auftrieb geben und HDTV
schließlich gänzlich in Europa scheitern würde. Das Thema sollte eher
optimistisch angegangen werden: Genauso wie die DVD für einen Boom bei
zusätzlichen Heimkinokomponenten wie AV-Receiver und
Mehrkanal-Lautsprechersysteme ausgelöst hat, weil es plötzlich die
Möglichkeit gab, den gleichen Sound aus dem Kino auch zuhause erleben zu
können, bietet auch die Software mit Filmen in HDTV die Chance für eine
verstärkte Nachfrage nach hochauflösenden Videogeräten.
Bis die Blu-ray hoffentlich
auch nach Europa kommt, sollten die DVD-Anbieter aber zunächst einmal damit
anfangen, die DVD-Technologie wirklich auszureizen, denn die Bildqualität
vieler Neuveröffentlichungen auf DVD ist nicht zuletzt aufgrund zu starker
Kompression in der der letzten Zeit stellenweise deutlich zurückgegangen.
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