DVB: Beck will Digital-TV-Umstieg per Gesetz
21.10.2002
Digital TV nach dem DVB-Standard gibt es in Deutschland inzwischen schon seit
vielen Jahren über Kabel und Satellit und in wenigen Regionen wie Berlin auch
als DVB-T über Antenne. Nur bislang genießt das Digital-TV eher ein
Schattendasein und wird meist auch nur im Zusammenhang mit "Premiere"
erwähnt. Während Berlin bis 2003 den kompletten Umstieg vom analogen aufs
Digital-TV erreichen möchte, fehlen solch eindeutige Regelungen bislang in
anderen Ländern. Auch die 1997 gegründete Initiative Digitaler Rundfunk (IDR),
die eine Abschaltung des analogen TV bis 2010 beabsichtigt, ist bislang eine
freiwillige Kooperation zwischen Regierung, Geräteindustrie und
Programmveranstaltern. Gesetzliche Vorgaben wie z.B. in den USA oder Australien,
die den Umstieg aufs Um Planungssicherheit für Industrie und Verbraucher zu
schaffen, möchte der Rheinland-Pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck jetzt
ein Gesetz erarbeiten lassen, welches die Abschaltung der analogen Sender bis
zum Ende des Jahrzehnts vorsieht. Dies kündigte Beck, der die Medienpolitik der
Länder koordiniert, gegenüber der Süddeutschen Zeitung an. Dieses Gesetz
solle bis zur Mitte des Jahrzehnts ausgearbeitet werden. Beck sieht eine
Übergangszeit von mehreren Jahren für erforderlich an, da die Abschaltung des analogen Fernsehens
einen „enteignungsgleichen Eingriff“ darstelle. Dieser Weg ist konträr zu dem
harten Schnitt in Berlin, wo nach einer kurzen Übergangsphase das Analog-TV
abgeschaltet wird, um schnellstens möglichst viele freie Frequenzen für DVB-T
nutzen zu können. Beck erhofft sich aber, dass durch frühe Vorgaben durch die
Politik sowohl Verbraucher als auch Wirtschaft Planungssicherheit bekommen. Beck
setzt dabei auch darauf, dass die Industrie verstärkt entsprechende
Empfangsgeräte produziert und diese auch in Fernseher integriert. Bei einer
größeren Produktion ist davon auszugehen, dass die Preise für diese Geräte
schnell sinken werden. Gesetzliche Regelungen alleine dürften aber nicht
reichen, um dem Digital-TV zum Erfolg zu helfen. Denn gleichzeitig braucht der
Endverbraucher handfeste Vorteile, die den Erwerb der im Schnitt noch mindestens
200 EURO teuren Empfangsgeräte lohnenswert machen. Mit technologischen
Vorteilen kann man nicht dienen, da es hierzulande kein HDTV wie in den USA
geben wird. Dies dürfte von der breiten Masse aber auch weniger verlangt werden
als weitere Programmangebote. Von dieser Programmvielfalt profitiert man bislang
eigentlich nur über Satellit, während DVB-C im Kabel ein Trauerspiel ist, da
bis auf Premiere dort meist keine digitalen Privat-Programme zu empfangen sind.
Allerdings bringt es auch niemandem etwas, wenn ARD und ZDF in ihren
Digital-Bouquets interessante Zusatzdienste wie den ZDF-Dokukanal anbieten, die
jeweiligen PR-Abteilungen diese aber schlichtweg ignorieren und man meist nur
durch Zufall auf diese Programme aufmerksam wird. Daher ist vor allem eine
Informationskampagne vonnöten, die in Werbung und Berichterstattung offensiver
auf die neuen Technologie und Angebote aufmerksam macht.
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