Jugendschutz soll drastisch verschärft werden
07.05.2002
Bundeskanzler Gerhard Schröder und die Ministerpräsidenten der sechzehn
Bundesländer haben sich bei einem Treffen im Kanzleramt am gestrigen Abend auf
Änderungen im Jugendschutzrecht verständigt, die nach dem Tenor der Runde eine
drastische Verschärfung der ohnehin im europäischen Vergleich bereits strengen
deutschen Jugendschutzbestimmungen mit sich bringen dürften. Das Jugendschutzrecht soll noch
vor den Bundestagswahlen im Herbst erweitert und vereinheitlicht werden. Die
bestehenden Indizierungs- und Verbotsmöglichkeiten für Gewaltdarstellungen
sollen zukünftig auch auf die neuen Medien wie das Internet ausgedehnt werden.
Dazu soll schon in der nächsten Woche ein Gesetzesentwurf im Bundeskabinett
beschlossen werden.
Vorgesehen ist auch eine Eindämmung gewaltverherrlichender Video- und Computerspiele:
Der saarländische Ministerpräsident Müller bestätigte eine weitgehende
Übereinstimmung der Runde über die Richtung der erforderlichen Maßnahmen.
Müller sprach auf der gemeinsamen Pressekonferenz des Bundeskanzlers und der
Ministerpräsidenten nach dem Treffen, dass man weitergekommen sei in der Frage
der Verbreitung von "Gewaltvideos" und gewaltverherrlichenden
Computerspielen. Es gebe eine Übereinstimmung, dass die Verbreitung von
Spielen, die in besonderer Weise jugendgefährdend sind, untersagt werden soll,
und zwar nicht nur im Blick auf Jugendliche, sondern auch mit Blick auf
Erwachsene. Man habe sich bereits darüber geeinigt, konkretisierte Müller
heute Morgen in einem Interview des Deutschlandfunks, dass es besonders
gewaltdarstellende und jugendgefährdende Videospiele und Filme zukünftig nicht
mehr geben soll und deren Verbreitung und Verleihung verboten und unterbunden
werden soll. Dies solle auch für Erwachsene gelten, damit diese nicht die
Möglichkeit haben, entsprechende Filme und Spiele an Jugendliche weiterzugeben.
Bundesinnenminister Otto Schily betonte im ARD-Morgenmagazin, dass Gewalt in
den Medien reduziert werden müsse. "Wir können Kinder und Jugendliche
nicht Tag für Tag mit brutalsten Gewaltszenen konfrontieren", sagte Schily.
Die bisherige gesetzliche Regelung, die die Produktion von
gewaltverherrlichenden Videos und Schriftstücken verbietet, sei unzulänglich.
Schröder sagte, er stimme einem Vorschlag aus dem Kreis der Ministerpräsidenten zu, über den gesamten Themenkomplex auch eine offene Diskussion im Deutschen Bundestag nach dem Vorbild der Bio-Ethik-Debatte zu führen.
Beim nächsten Gespräch des Bundeskanzlers mit den Ministerpräsidenten im Juni soll im einzelnen geklärt werden, wie Gewaltdarstellungen in den Medien auf ein Mindestmaß begrenzt werden können.
Laut einer aktuellen Umfrage des Stern spricht sich eine Mehrheit der
Bundesbürger für ein Verbot der sogenannten "Gewaltspiele" und
"Gewaltvideos" aus: Bei der Forsa-Umfrage von stern und RTL wurden am
2. und 3. Mai 1003 Bundesbürger gefragt: "Sollten Gewaltspiele und
Gewaltvideos verboten werden?" Dabei stimmten zwar mehr als Zweidrittel der
Befragten (67 Prozent) für ein Verbot, es zeigten sich jedoch große
Unterschiede bei den verschiedenen Altersstufen. Stimmten bei der Gruppe
"60 Jahre und älter" eine überwältigende Mehrheit von 91 Prozent für
ein Verbot, waren es bei den "18- bis 29-Jährigen" nur eine
Minderheit von 41 Prozent.
Anmerkung: Die wirkliche Tragweite der möglichen Änderungen lässt sich
noch nicht beurteilen, da in der gesamten Diskussion meist nur schwammige
Begriffe wie "Gewaltvideos" und "Gewaltspiele" verwendet
werden, aber bislang noch nicht konkret gesagt wurde, was damit genau gemeint
sei. Ist ein Film bereits "Gewaltvideo", wenn er Szenen mit
Gewaltdarstellung enthält, oder sind hierzu noch weitere Kriterien wie eine
FSK-Freigabe ab 18 Jahren erforderlich? Bei enger Auslegung könnte man ja
selbst Tom & Jerry als Gewaltvideo auslegen und entsprechend verbieten.
Um die Meinung unserer Besucher zu dem Thema zu untersuchen, stellen wir
einmal die gleiche Frage aus der Forsa-Umfrage mit einer kleinen Erweiterung: Sollen
Gewaltvideos und Gewaltspiele sowohl für Jugendliche als auch Erwachsene
verboten werden?
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