Philips: Neues Maß in der Bildqualität mit Pixel Plus?
11.04.2002 (cr)

Nicht selten werfen technische Neuerungen ihren Schatten weit voraus - so zum
Beispiel bei Philips' neuer "Pixel Plus"-Technologie, die in den neuen
Top-Fernsehern zum Einsatz kommt und über die in Fachkreisen eine heftige
"Pro- und Contra"-Diskussion läuft. Wir hatten nun die Gelegenheit, zwei
Philips-TVs (32PW 9617 2.399,99 Euro, 36PW 9767 3.899,99 Euro) mit diesem
neuen Bildverbesserer im DVD-Einsatz ausgiebig Probe zu sehen. Bevor wir unsere
Eindrücke aus der Praxis schildern, zunächst einmal etwas
"Background" zu Pixel Plus:
Was ist Pixel Plus?
Pixel Plus erhöht die Bildauflösung folgendermaßen:
- Pro Zeile anstatt 1024 nun 2048 Bildpunkte (Steigerung 100 %)
- Pro Spalte anstatt 625 nun 833 Zeilen (Steigerung 33 %)
Philips sieht Pixel Plus als "Universalwaffe": Es soll die
Bildqualität von Videos, Spielen, Filmen, DVDs und digitalen TV-Signalen
verbessern. Pixel Plus generiert aus allen analogen Signalen in
Standard-PAL-Auflösung und aus digitalen Signalquellen - im TV-Gerät
selber - hochauflösende und gleichzeitig flimmerfreie Bilder (im Gegensatz zu anderen Systemen bleibt die 100 Hz Bilddarstellung
auch bei der erhöhten Auflösung erhalten): Das Ergebnis soll durch die mehr als
verdoppelte Bildauflösung (> 1.700.000 Bildpunkte gegenüber 640.000)
dreidimensionaler, anfassbarer, kurzum natürlicher und "realer" wirken. Pixel Plus ist grundsätzlich gekoppelt
mit dem Philips-eigenen System zur Bewegungsoptimierung "Digital Natural
Motion", kurz "DNR". Pixel Plus ohne DNR ist nicht möglich. Ein
neu entwickelter Microchip namens "Eeagle" ist die "geistige
Kommandozentrale" von Pixel Plus: Er bewirkt die Erhöhung der
Bildauflösung, indem er die Luminanzwerte der empfangenen Pixel errechnet und interpoliert. Die Zusammenarbeit mit dem DNR-Prozssor geht "Hand in
Hand" vonstatten: Es werden mehrer Bilder interpoliert, um Bewegungen
vorherzusagen und zu glätten. Vorteil für das Anschauen von TV-Sendungen: Auch
Filme, die im TV gezeigt werden, können ohne das typische Zittern dargestellt
werden.
Für die Fernsehgeräte, die Pixel Plus eingebaut haben, stehen für die
Bildwiedergabe folgende Modi bereit:
- Pixel Plus (inkl. DNR)
- 100 Hz Digital Scan (normale Auflösung in 100 Hz)
- Double Lines (Verdopplung der Zeilenanzahl bei gleichzeitigem Schalten in
den 50 Hz Betriebsmodus)
Alle Pixel-Plus-TVs verfügen über einen Demo-Modus, in dem via Split Screen
die Pixel-Plus-Bildqualität mit dem normalen Bild verglichen werden kann.
Pixel Plus im DVD-Betrieb
DVD-Player:
Kenwood DVF-R9050, geräteinterner Videoequalizer neutral
eingestellt
Software:
- Die Mumie (Code 2)
- Planet der Affen (Code 2)
- Air Force One (Code 2)
- Gladiator (Code 2)
Eindrücke: Pixel Plus hat in der Praxis seine Vor- und Nachteile: Während
bei "Gladiator" die gebotene Detailtreue wahrlich enorm ist und das
Bild natürlicher wirkt durch die Abwesenheit störender Linien (Verdienst der
hohen Auflösung), gibt es aber auch Kritik: Zum einen wird dem Bild ein Teil
der gewonnen Natürlichkeit durch einen leichten Digitalisierungseffekt, der
sich besonders bei diffizil darstellbaren Flächen (z.B. großformatig im
Bildmittelpunkt stehendes Gesicht eines Schauspielers) störend auswirkt
(Beispiel "Gladiator"), wieder entzogen. Ebenfalls fallen durch die
Auflösungserhöhung selbst bei gut gemachten DVDs die je nach Komprimierung
mehr oder minder gut zu sehenden Verluste der MPEG2 Videokomprimierung stark
auf, mit anderen Worten: Das Bild zeigt messerscharf alle Kompressionsartefakte,
was gerade über die Distanz eines ganzen Films durchaus das Filmvergnügen
schmälern kann. Sehr gut harmonierte Pixel Plus mit der Code 2-DVD von der
"Mumie": Hier stellte sich in der Anfangsszene im Inneren des Palasts
des Pharaos auch gut der von Philips versprochene 3 D-Effekt ein: In einer
Szene, als die hereinstürmenden Wächter über Imhotep und dessen Geliebte
herfallen wollen, sieht man sehr deutlich den räumlichen Unterschied der vorn
im Bild stehenden Personen und den im Hintergrund durch die güldene Eingangstür
stürmenden Mitgliedern der Leibgarde des Pharaos. Gerade was diese
Räumlichkeit angeht, muss man sich an diesen Effekt aber auch zunächst erst
einmal gewöhnen, da er zunächst ungewöhnlich erscheint. Hier ist also eine Verbesserung gegenüber dem normalen Bild, das platter und weniger zum Anfassen
wirkt, festzustellen. Positiv macht sich bei der "Mumie", das zeigt sich an der
detaillierten Ausschmückung der Pharaonengemächer, ebenfalls der gestiegene
Detailreichtum bemerkbar. Auch die Gesamtbildschärfe steigt an, und die
"Mumie" wirkt auch nicht so unnatürlich-überschärft, wie es
stellenweise bei "Gladiator" der Fall war. Es deutet sich also hier
bereits an, dass der Erfolg bei der Qualitätsverbesserung im Gesamten bei Pixel
Plus stark von der verwendeten Software abhängt. Was Pixel Plus hervorragend
gelingt: Das System erkennt nach wenigen Sekunden, wenn der Benutzer auf
"Pause" drückt und auf dem TV-Screen ein Standbild erscheint. Dann
nämlich bügelt die Elektronik effektiv partiell vorhandenes Zeilenflimmern des
Standbildes aus. So wird praktisch Fotoqualität erreicht, und gerade wer z.B.
Fotos im jpeg Format auf einer CD abgelegt hat, kann diese in seinen DVD Player
(z.B. die neuen Denon DVD-A1 und DVD-3800 können CDs mit jpeg Bildern darauf
abspielen) einlegen und auf den neuen Philips Pixel Plus TVs in makelloser
Qualität anschauen. Zurück jedoch zu den bewegten Bildern unserer Test-DVDs.
Dass Air Force One zwar auf den ersten Blick ein recht gutes, auf den genauen
Blick jedoch lediglich ein zufrieden stellendes Bild bereit stellt, wird mittels
"Pixel Plus" sehr deutlich: Doppelkonturen, Artefakte und eine nur
durchschnittliche Detailtreue lassen Spielraum für mehr Bildgüte. Schön
plastisch, detailtreu und klar wirkte das Bild beim "Planet der
Affen". Was noch auffiel: Der mehrstufig via OSD schaltbare Rauschfilter
ist selbst in der "Aus"-Position nicht vollständig aus dem
Signalkreislauf entfernt. Hinweise darauf sind dei vereinzelt auftretenden
Nachzieheffekte bei schnellen Bewegungen und Kameraschwenks sowie ein minimaler
Brillanzverlust der Farben. In manchen Szenen wirkt es so, als läge ein
leichter, milchiger Schleier über dem Bild. Noch ein Wort zum Split
Screen Modus, der auf der linken Seite des TV-Screens das Bild ohne die Pixel
Plus-Bearbeitung und auf der rechten Seite das Bild mit aktivierter Pixel Plus
Funktion zeigt: Zum Direktvergleich ist dieser Modus nicht geeignet, da es so
aussieht, als ob gleichzeitig auf der linken Seite ein wenig die Schärfe
reduziert wird, wodurch der Vorteil von Pixel Plus deutlicher erscheint, als er
in der Praxis bemerkbar wird.
Anmerkungen: In den Punkten Natürlichkeit und
Bildharmonie, gepaart mit sehr lobenswerter Bildschärfe, schnitt der im OSD
anwählbare "Double Line"-Modus sehr gut ab, der zwar die Auflösung
erhöht, aber auf Digital Natural Motion verzichtet. Bei mancher Software ist
er, da störende Fehler und Digitalisierungseffekte hier nicht das Bild negativ
beeinflussen, der Pixel Plus-Einstellung vorzuziehen. Leider schaltet der
Fernseher in diesem Modus aber auf 50 Hz zurück und flimmert daher.
Fazit:
Bei DVDs mit überragender Komprimierung bringt Pixel Plus eine
sichtbare Steigerung des DVD-Vergnügens, bei Software mit weniger guter
Komprimierung hingegen stört die deutliche Herausarbeitung der Artefakte.
Wichtig ist ein vorsichtiger Umgang mit dem Schärferegler, denn das Bild kann
leicht überschärft wirken. Die Plastizität gewinnt spürbar, während man an
der Rauschfilter-Abstimmung noch arbeiten sollte: Wenn er aus ist, sollte man
nichts mehr davon merken, Gerade bei TVs dieser Preisregionen sollte der
Hersteller dieser Sache höchste Aufmerksamkeit widmen. Wünschenswert
wäre ferner eine leicht verbesserte Einstellung der Bildgeometrie bereits ab
Werk. So muss erst der Fachmann den TV optimal justieren, damit jeder Parameter
für ein exzellentes Sehvergnügen richtig eingestellt ist. Dieses Manko
betrifft aber keinesfalls Philips alleine, sondern auch einen Großteil der
Konkurrenz. Was auch nicht außer Acht gelassen werden sollte: Zwar ist Pixel
Plus durchaus ein brauchbares Feature, aber die Preisklassen, in denen die auch
ansonsten voll (mit vielen Dingen, die der DVD- und Heimkino-Fan nicht braucht,
z.B. den größten Teil der Tonfeatures inklusive dem internem Verstärker)
ausgestatteten Fernseher antreten, sind für viele mit keinem riesengroßen
Budget unerschwinglich. So ist es aber meist bei neuen Features: Erst kommt es
in die Topmodelle, später dann auch in die Geräte der mittleren Preisregionen
- und dann könnte es wirklich interessant werden. Noch interessanter wäre
es allerdings, wenn sich endlich einmal mehr TV-Hersteller dazu durchringen
könnten, VGA-Eingänge und YUV-Anschlüsse für Progressive Scan anzubieten,
damit man die Möglichkeiten, die bereits heute viele DVD-Player bieten, auch am
Fernseher nutzen kann.
Preise der Philips Matchline TVs mit Pixel Plus:
- 32PW 9617: Real Flat Bildröhre mit 82 cm Diagonale, 2.399,99 Euro
- 32PW 9767 : Real Flat Bildröhre mit 82 cm Diagonale, 2.699,99 Euro
- 36PW 9767: Real Flat Bildröhre mit 92 cm Diagonale, 3.899,99 Euro
|