Test Yamaha RX-V1200
29.11.2001 (cr)
Finish, Features und Anschlüsse
Yamaha bietet seit kurzem den ersten AV-Receiver des Hauses an, der DTS ES
Discrete 6.1 decodiert und zudem noch mit Dolby ProLogic II in Vollversion sowie
mit DTS NEO:6 ausgestattet ist. Die Leistung ist nicht knapp bemessen: Nach
DIN-Norm stehen 6 x 135 W (1 kHz, 0,7 % Klirr, 4 Ohm) zur Verfügung. Das Ganze
wird zu einem überaus fairen Preis von 2000 DM offeriert. Grund genug für uns,
dieses sehr verlockend erscheinende Angebot genauer unter die Lupe zu nehmen.
Der erste Eindruck ist überaus positiv. Unser Testgerät in der edlen
Gehäusefarbe Titan (alternativ wird auch klassisches Schwarz angeboten)
begeistert mit einer absolut mustergültigen Verarbeitung, die auch einige
Preisklassen darüber noch Eindruck schinden könnte. Schon beispielsweise
Details wie der sehr hochwertig anmutende Lautstärkeregler am Gerät, die
massive Klappe, hinter der weniger oft benutzte Bedienelemente untergebracht
sind, die fein
gebürstete, massive Frontplatte oder das großflächige, bernsteinfarbene
DOT-Matrix-Display lassen zusammen mit der ebenfalls sehr gut verarbeiteten
Fernbedienung fast vergessen, dass beim Kaufpreis nicht mehr vom Konto
abgezweigt werden musste. Ordentlich ist die Bestückung mit Anschlüssen, so
stehen auf der Geräterückseite beispielsweise 2 optische Digitalausgänge
sowie 6 Digitaleingänge (4 x optisch, 2 x koaxial) zur Verfügung, auch gibt es
ein komplettes Set an Pre-Outs für die Ansteuerung externer Endstufen. Zwei
Komponenten-Videoeingänge fehlen ebenso wenig wie ein Komponenten-Videoausgang.
Erfreuliches findet sich auch auf der Gerätefront: Unter der schon erwähnten
Klappe befindet sich ein bestens bestückter Front-AV-Eingang mit
S-Video-Beschaltung und einem optischen Digitaleingang. Schön: Problemlos
finden auch Bananenstecker Anschluss am Lautsprecherkabel-Schraubterminal auf
der Rückseite - das ging bei Yamaha-Geräten nicht immer so tadellos.
Zwei Komponenten-Video-Eingänge sowie ein Komponenten-Videoausgänge finden
sich ebenso auf der Rückseite. Wie es sich für ein Yamaha-Gerät gehört, tritt auch der RX-V1200 mit
verschiedenen HiFi-und Cinema-DSP-Programmen an. Hier der Überblick:
HiFi-DSP:
- Concert Hall: Große Konzerthalle mit reichen Klangeffekten. Ausgeprägte
Reflexionen von allen Richtungen. Virtueller Sitz des Zuhörers unmittelbar
vor der Bühne.
- Church: Simuliert große Kirche mit einem hohen Dom und tragenden Säulen
an beiden Seiten. Nachhallverzögerung sehr lange, frühe Reflexionen
kleiner als bei anderen DSPs. Vorsicht: Mit einigen Orgel-CDs exzellente
Erfolge (sogar besser als PLII Music), aber bei vielen Aufnahmen, auch mit
Musik, die in Kirchen aufgenommen wurde, zu ausgeprägtes Hallverhalten.
Hier hilft nur intensives Probe hören - die akustischen Bedingungen müssen
genau stimmen.
- Jazz Club: Soundfeld der Bühe von "The Bottom Line", Jazz Club
in New York mit Plätzen für 300 Personen. Klang recht natürlich, für
einige Jazz-Aufnahmen geeignet. Auf jeden Fall aber, je nach Gusto, in
normalem Stereo oder PLII Music gegen hören.
- Rock Concert: Für dynamische Rockmusik geeignet. Die Daten stammen aus
Rock-Club aus L.A. Virtueller Sitz des Hörers: In der Mitte der Halle
- Entertainment/Disco: Der Sound ist dicht und stark konzentriert - so
schreibt es Yamaha. Leider ist das Hallverhalten zu ausgeprägt. Daher
bevorzugen wir für Disco-Feeling ProLogicII Music und für die Privatparty
Sechskanal-Stereo
- Entertainment/Sechskanal-Stereo: Das richtige Programm für die
Privatparty
Cinema-DSP:
- Movie Theater 1: Spectacle, weites Soundfeld eines 70 mm Filmtheaters wird
kreiert. Besonders gut geeignet für Actionfilme mit vielen Effektsequenzen.
Hier rangiert die hervorragende Effektwiedergabe vor der Gesamtharmonie,
letztere ist aber immer noch sehr gut . Effektiv arbeitender Bassbereich mit
großem Volumen und beachtlicher Präzision
- Movie Theater 1: Sci-Fi, wirkt noch eine Spur weitläufiger als Spectacle,
dafür z.B. bei Schusswechseln nicht ganz so explosiv.
- Movie Theater 2: Adventure, Sehr guter Kompromiss aus kräftiger
Effektwiedergabe und hervorragender Gesamtharmonie. Voluminöser, voller
Klang mit großer Dichte
- Movie Theater 2: General, nicht unbedingt das beste Soundfeld. Manche
älteren Produktionen klingen damit eine Spur harmonischer, vielleicht auch
die ein oder andere Komödie. Ansonsten kaum Verbesserungen gegenüber der
"normalen" DD/DTS/ProLogic-Wiedergabe.
- Enhanced Mode (DD/DTS/ProLogic): Dieses DSP simuliert die Multi
Surround-Lautsprechersysteme von Kinos für 35 mm-Filme. Ohne Verlust
der Ortung des Originalsklangs soll eine gute Effektwiedergabe garantiert
sein. Bei einigen Filmen Verbesserung des Volumens des Surround-Klangfelds
Nur für Audio/Video-Quellen in 2-Kanal:
- Entertainment/Game: Tiefe und Raumgefühl für Computerspiele. In der
Praxis lieber PLII Movie verwenden
- TV Sports
- Mono Movie
Für den wahren Heimkino-Fan mit einigem Sachverständnis bietet Yamaha
auch noch verschiedene Nachbearbeitungsfunktionen für die DSP-Programme:
- INIT.DLY (Initial Delay = Anfängliche Verzögerung): Mit
dieser Funktion kann der wahrgenommene Abstand vom Quellensound verändert
werden: Die Verzögerung zwischen dem direkten Klangbild und der ersten
wahrgenommenen Reflektion kann hier in einem Steuerungsbereich von 1 bis 99
Millisekunden eingestellt werden. Je kleiner der Wert ist, umso näher
scheint der Quellenklang akustisch am Hörer zu liegen, bei einem großen
Wert entfernt sich der Quellenklang akustisch weiter. Ein kleiner Wert ist für
einen kleinen Hörraum, ein großer für einen großen Hörraum zu empfehlen
- ROOM SIZE: Dieser Parameter stellt die wahrnehmbare Größe
des Surround-Soundfeldes ein. Je größer der Wert, umso größer wird das
Surround-Soundfeld. Einstellbereich: 0,1 bis 2,0. Da der Klang wiederholt in
einem Raum reflektiert wird, kommt es mit zunehmender Größe der Halle
dazu, dass die Zeit zwischen dem ursprünglich reflektierten Sound und den
nachfolgenden Reflexionen zunimmt. Durch die Möglichkeit der Steuerung der
Zeit zwischen den reflektierten Sounds kann man die wahrnehmbare Größe des
virtuellen Saales ändern. Wenn der Parameter von 1 auf zwei verdoppelt
wird, verdoppelt sich die wahrzunehmende Länge des Raumes
- LIVENESS (Lebendigkeit): Dieses Tool stellt das
Reflexionsvermögen der virtuellen Wände in der Halle ein, indem die
Abklingrate der frühzeitigen Reflexionen geändert wird. Einstellbereich 0
bis 10. Einsatzbereich dieser Funktion: Da die frühzeitigen Reflexionen
einer Klangquelle in einem Raum mit hoher Akustikabsorbation viel schneller
abklingen als in einem Raum mit stark reflektierenden Wänden, kann mit dem
LIVENESS-Parameter die Abklingrate der frühzeitigen Reflexionen von
einem "toten" Raum (Raum mit hoher Absorbationsrate) zu einem
"lebendigen Raum (Raum mit stark reflektierenden Wänden) verändert
werden
- S.DLY (Surround Delay = Surround-Verzögerung): Wie die
Funktionen zuvor, diesmal geht es um die Verzögerung zwischen dem direkten
Klang und der ersten Reflexion in einem Surround-Soundfeld. Einstellbereich
0 bis 49 Millisekunden, abhängig vom Digitalformat
- S.INIT.DELAY: Anfängliche Surround-Verzögerung, Regelbereich 1 -
49 ms. Einstellung der Verzögerung zwischen dem direkten Klang und der
ersten Reflexion auf der Surround-Seite des Klangfeldes
- S.ROOM SIZE: Dieser Parameter stellt die anscheinende Größe des
Surround-Soundfeldes ein (Regelbereich 0,1 - 2,0)
- S.LIVENESS (Surround-Lebendigkeit): Einstellmöglichkeit
von 0 bis 10 für das wahrnehmbare Reflexionsvermögen der virtuellen Wände
im Surround-Soundfeld. Je größer der Wert, umso reflektierender werden die
Wände des Surround-Soundfeldes
- RC.INIT.DLY (Rear Surround Center Initial Delay = Anfängliche
Verzögerung des hinteren Center-Sound-Feldes): Wie Funktion davor, nur geht
es diesmal um das hintere Center-Surround-Soundfeld. Einstellbereich: 1 bis
49 Millisekunden
- RC ROOM SIZE (Rear Center Room Size): Einstellmöglichkeit
für die wahrnehmbare Größe des hinteren Center-Surround-Soundfeldes.
Einstellbereich 0,1 bis 2,0, je größer der Wert, umso größer die
Reflektion der Wände des Presence-Soundfeldes. Eine leichte Anhebung kann,
zusammen mit S.Liveness, je nach Reflexionsverhalten, für eine leicht
weiträumigeres Klangfeld sorgen.
- RC.LIVENESS (Hintere Center-Lebendigkeit) siehe Funktion
zuvor, diesmal für den Rear Surround Center
- REV.TIME (Reverbation Time = Widerhallzeit): Stellt
die Zeitspanne ein, die für das Abklingen des dichten, nachfolgenden
Widerhall-Sounds um 60dB (bei 1 kHz) benötigt wird. Folge: Die wahrnehmbare
Größe des akustischen Umfeldes wird über einen sehr weiten Bereich geändert.
Einstellbereich: 1,0 bis 5,0 Sekunden. Empfehlung: Bei "toten"
Signalquellen und/oder Hörräumen längere Widerhallzeit, bei
"lebendigen" Signalfelder und/oder Hörräumen eine kürzere, denn
zuviel Widerhall sorgt genauso für eine unnatürliche Klangkulisse wie
zuviel. Hier sollte man zunächst genauere Untersuchungen über die
akustischen Eigenschaften des Hörraums anstellen. (Material der Wände?
Wenig/viele Möbel? Teppichboden oder Parkett? usw.)
- REV.DELAY (Reverbation Delay = Widerhallverzögerung):
Einstellmöglichkeit von 0 bis 250 Millisekunden für die Zeitdifferenz
zwischen dem Beginn des direkten Klangs und dem Beginn des Widerhalls. Je größer
der Wert, umso später beginnt der Widerhall. Ein späterer Beginn des
Widerhalls erzeugt ein Klangfeld, das den Eindruck vermittelt, in einem größeren
akustischen Umfeld zu sein. Vorsicht bei der Einstellung: Wer es zu gut
meint, erreicht nur einen unnatürlichen Klangeindruck, der weder zum
Hörraum noch zum wiedergegebenen Material passt.
- REV.LEVEL (Reverbation Level = Widerhallpegel): Stellt die
Lautstärke des Widerhalls ein (0 bis 100 %), je höher der Wert, umso
lauter der Widerhall
Mini-Exkurs: Die Soundfeld-Bilder eines DSP-Programms
Jedes der Cinema-DSP-Programme ist vom Charakter der verschiedenen
vorkommenden Soundfelder her unterschiedlich. Alle Daten beruhen, wie schon erwähnt,
auf realen Messungen, zum Beispiel in großen Kinosälen. Bei den Soundfeldern
unterscheidet Yamaha zwischen dem Presence-Soundfeld (das Soundfeld, welches
sich vorne hinter den Lautsprechern ausbreitet) und den linken und rechten
Surround-Soundfeld sowie dem Nachhall. Zusätzlich kreiert die DSP-Elektronik im
RX-V1200 noch ein weiteres Soundfeld und den Back Surround-Lautsprecher, damit
eine möglichst homogene und zugleich exakte klangliche Ausleuchtung möglich
wird. Die Presence- und
Surround-Soundfeld-Daten finden ihren Ausdruck in der Verteilung der virtuellen
Klangquellen und der Echomuster. Da jedoch die zwei unterschiedlichen
Soundfeld-Typen mit komplexen Elementen wie zum Beispiel der Energiebalance und
den Signalmischverhältnissen ausgedrückt verarbeitet werden, werden sie als
ein auf dem Wahrnehmungsvermögen der Zuhörer beruhendes Soundfeld ausgedrückt
- was sich in der Praxis vor allem durch einen harmonisches, rundes Klangbild,
eine kräftige Effektwiedergabe und eine hohe Klangdichte bemerkbar macht - auch
wenn dies nicht für alle DSP-Programme gleichermaßen gilt. So ist ProLogic II
summa summarum den meisten HiFi-DSPs überlegen, vor allem die sinnvollen
Einstellmöglichkeiten, kombiniert mit dem natürlichen Klangbild ohne den
Einfluss störenden Halls, sorgt für universelle Einsatzmöglichkeiten. Einige
der Cinema-DSPs hingegen beeindrucken mit einer gelungenen Filmtonwiedergabe.
Mehr dazu im Kapitel "Ton".
Weitere nützliche Ausstattungmerkmale:
-
Als wertvolles Feature verfügt der Yamaha RX-V1200RDS auch
noch über einen Equalizer für die Anpassung des vorderen Centers. Dieser
ermöglicht es, die Klangcharakteristik des vorderen Center-Speakers der der
Hauptlautsprecher anzupassen (Regelbereich -6 bis +6 dB). Fünf Frequenzbänder
(100 Hz, 300 Hz, 1 kHz, 3 kHz und 10 kHz) ermöglichen eine präzise
Anpassung im gesamten Frequenzspektrum. Die Vorzüge in der Praxis: Wer
einen Center mit klanglichen Eigenschaften verwendet, die sich von denen der
Hauptlautsprecher unterschieden (das ist der Fall, wenn der Center von einer
anderen Marke als die Hauptlautsprecher sind oder von der gleichen Marke,
aber aus einer anderen Serie und daher mit anderer Klangcharakteristik
versehen). Gleichzeitig kann mit Hilfe des Grafik-Entzerrers die oftmals zu
mittenbetonte Charakteristik des Center-Speakers korrigiert werden.
-
Als ebenfalls nützliches Tool zum Anpassen des Equipments
stellt sich die Low Frequency Test-Funktion heraus. Hiermit kann die Lautstärke
des Front-Subwoofers an die Lautstärke der anderen Lautsprecher angepasst
werden, damit keine Über- oder Unterbetonung und somit ein unausgeglichenes
Klangbild die Folge ist.
Insgesamt kann der RX-V1200 mit tadelloser Ausstattung und eine
äußerst gediegenen Verarbeitung punkten. Mehr kann man für 2000 DM nicht
erwarten.
Bewertung     
Bedienung      
Und der 15 Kilo schwere Yamaha kann weiter Pluspunkte sammeln, denn trotz der
reichhaltigen Ausstattung mit DSP-Programmen
ist die Bedienung einfach. Mittels des umfangreichen, aber dennoch
übersichtlichen OSDs und der hervorragend in der Hand liegenden Fernbedienung
mit beleuchtetem Mini-Display für die Funktionswahlanzeige sind die
Grundeinstellungen schnell erledigt - genauso so stellt man sich ein gutes
Bedienkonzept vor. Vorprogrammiert und programmierbar, erfüllt die
Fernbedienung auch gehobene Komfortansprüche und kann zudem mit einem guten
Druckpunkt der Tasten und einer ordentlichen Reichweite punkten. Mit einer
hervorragenden Haptik können die Bedienelemente am Gerät selber punkten.
Hervorzuheben wären die präzisen Drehregler für die Lautstärke sowie für
die Bass- und Höheneinstellung, aber auch die unter der Klappe verborgenen
kleineren Funktionstasten sind einwandfrei zu bedienen. Nicht zuletzt verdient
auch das Display in ansprechender DOT-Matrix-Auflösung einige Worte der
Anerkennung: Alle wesentlichen Informationen werden anzeigt, dazu ist die
Schriftgröße perfekt gewählt und die Farbe angenehm.
Ton
Lautsprecher:
- Front L/R: Boston Acoustics VR-35
(Musikbetrieb Yamaha NS-150)
- Center: Boston Acoustics VR-14 (Musikbetrieb Yamaha NS-C200)
- Surround: Boston Acoustics VRS-Pro (Musikbetrieb Yamaha NS-90)
- Back Surround: Boston Acoustics VRS-Pro
- Subwoofer: Selbst konstruierter Subwoofer mit 180 Watt-Endstufe und
zwei 25-cm-Visaton-Tieftonlautsprechern mit Glasfasermembran/Yamaha
YST-SW800
- Test-DVD-Player: Arcam DV-27
Software:
- The Rock Special Edition (Code 2)
- A View To A Kill (Code 1)
- Chicken Run (Code 1)
- Die Mumie (Code 2)
- Ronin (Code 2)
- Wild Wild West (Code 2)
- DTS Demo DVDs 3 & 5
- VH-1: Divas Live
- Elton John: One Night Only
- Freddie Mercury: The Video Collection
- P. Tschaikowsky: 1812 Ouvertüre
- Mark Knopfler: Sailing To Philadelphia
- Genesis: Turn It On Again
Bei unseren Testläufen konnte
der Yamaha bezüglich der akustischen Qualitäten mit exzellenten Leistungen
aufwarten. Was hier an Leistungsreserven geboten wird, ist hervorragend - für die Preisliga
auf jeden Fall. Selbst bei schon beachtlich hohen Pegeln
gibt es an den Leistungsreserven nichts auszusetzen, wenn ein mittelgroßer Raum
beschallt werden soll. Nur wer sich im Keller ein richtiges, über 50
Quadratmeter großes Heimkino installiert hat, sollte sich bezüglich einer
geeigneten Schaltzentrale einige Klassen höher umschauen. Bei der
"Mumie", unter Verwendung des "6.1 Adventure"-DSPs, bot der
Yamaha eine Performance, die man einem Gerät dieser Preisliga kaum zugetraut
hätte. Satt und mit viel Volumen erklingt der Bassbereich, die Übergänge sind
harmonisch, der Raumeindruck ist von vorzüglicher Güte, und, wie von
Yamaha-Geräten gewohnt, ist der Heimkinoklang von hoher Homogenität
geprägt. Klar und präzise ertönen die Effekte, die Positionierung ist
einwandfrei. Die Einarbeitung des Music Score gelingt dem Receiver ebenfalls
überdurchschnittlich gut, noch besser übrigens als im zum Vergleich
herangezogenen "Spectacle"-DSP, das hier minimal unausgewogener wirkt. Und selbst bei Software, die nicht so gute akustische
Voraussetzungen mitbringt - der RX-V1200 kennt keine Gnade: Auch bei "A View To A Kill", mit nachträglich angefertigtem englischen DD 5.1-Mix,
bringt der Yamaha die Eröffnungssequenz explosiv zum Zuhörer: Besonders die
Explosion des Helikopters gegen Ende des Bond-spezifischen
Eröffnungs-Abenteuers lässt den Hörraum erbeben, und dies trotz einer nicht
übertriebenen Abmischung auf der DVD. Aber der RX-V1200 im Adventure-Modus "peppt" diese
DVD in einer Art und Weise auf, die wirklich erstaunlich ist. Besonders anstrengen musste sich der Yamaha während der
Testläufe nicht - die Erwärmung war sehr maßvoll, erst bei fast Volllast
erlaubte sich der RX-V1200 eine deutlicher spürbare Hitzeentwicklung.
Heiß ging es auch bei "The
Rock - Special Edition" zu, wo der RX-V1200 in beeindruckender Art und Weise
die Szene wiedergab, in der der von der US-Regierung enttäuschte General Hummel
(Ed Harris) die VX-Gasraketen entwendet: Mit einer hohen Klangplastizität
(Modus: Spectacle mit aktivierter Back Surround Matrix) und einem voluminösen
Klangbild, durch die aktivierte Matrix praktisch ohne störende Klanglöcher im
Surround-Soundfeld, wird zweierlei deutlich: Zum einen "pusht" das
Spectacle-DSP den Raumeindruck spürbar im Vergleich zum normalen DD-Modus. Zum
zweiten wird dieser Eindruck bei zugeschalteter Back Surround-Matrix nochmals
intensiviert. Bei Filmen, die eine aktive Surround-Klangkulisse haben, kann
daher das Aktivieren der Matrix eine reichhaltigere Surround-Soundkulisse ohne
großen Präzisionsverlust herbeiführen. Dasselbe gilt bei "Ronin",
wo es der RX-V1200 sehr gut verstand, die wilden Auto-Verfolgungsjagden rund um
Nizza und die teilweise heftigen Schusswechsel und Explosionen herauszuarbeiten:
Ale Beispiel diene die Szene, als Robert De Niro mit einer Panzerfaust aus dem
Schiebedach des alten S-Klasse-Mercedes, der von Jean Reno gesteuert wird, ein
Begleitfahrzeug der Gegner abschießt. Mit großer Wucht donnert das getroffene,
brennende Auto durch den Hörraum. Hervorragend schlägt sich der Yamaha
bei der Wiedergabe der DTS ES Discrete 6.1-Sequenz von "Gladiator" auf
der 5. DTS Demo DVD - vor allem die lebendige und transparente
Surround-Klangkulisse überzeugt, die Effekte haben eine sehr gute
Durchschlagskraft. Sicherlich, hier ist noch mehr möglich, wer sich diese Szene
beispielsweise auf einem Denon AVC-A11SR
oder einem Kenwood KRF-X7775 anhört,
stellt fest, dass hier noch mehr Power im Spiel ist. Aber in Relation zum
Preis-/Leistungsverhältnis ist das Gebotene dem möglichen Optimum nahe. Selbst
aus dem eher fade abgemischten "Chicken Run" (Code 1, DTS ES Discrete
6.1) holt der AV-Receiver Erstaunliches heraus und stellt eine ordentliche
Effektwiedergabe ebenso sicher wie eine harmonische Einarbeitung der Stimmen und
der Umgebungsgeräusche.
Mit
Musikalischem kommt der AV-Receiver auch prima zurecht: So mit Freddie Mercurys
"The Video Collection"-DVD, wo er mit seiner druckvollen und räumlich
dichten Wiedergabe erneut punkten konnte. Die Präzision bei der Stimmwiedergabe
konnte gefallen. Zum Einsatz kam hier der normale DD 5.1-Modus, dass die Stimm-
und Instrumentalwiedergabe im Hochtonbereich keine hohen Ansprüche befriedigen
kann, geht auf das Konto der Software und nicht auf das Konto des
RX-V1200. Mit einem runden, kraftvollen Bassbereich und einer präzisen
und pointierten Stimmwiedergabe begeistert der Yamaha bei "VH 1-Divas
live", angehört haben wir "My All" und "Make It
Happen" von Mariah Carey. Einzig dem musikalisch brillanten
Onkyo TX-DS696 gelang dieser Part noch besser, da er unglaublich fein
detailliert und der Stimme eine in diesem Preissegment unschlagbar hohe
Plastizität verleiht. Elton Johns "I'm still standing" trug der
Receiver ebenfalls tadellos in den Hörraum: Dass der Bassbereich eher schlank
geriet, liegt an der Abmischung der DVD, aber in der Stimmwiedergabe und der
Einarbeitung der Instrumente kann der RX-V1200 voll punkten.
Gespannt waren wir natürlich auf den Klang im Dolby ProLogic
II Modus - und auch hier muss man den Yamaha-Ingenieuren höchstes Lob zollen:
Das neue Feature wurde ausgezeichnet integriert, bei Mark Knopflers "Sailing
To Philiadelphia"-CD begeisterte uns der Yamaha mit einer sehr klaren
Wiedergabe, mit sehr guter Präzision der Stimme und einer tadellosen
Raumwirkung. Dieser Eindruck setzte sich bei "Land Of Confusion" von
der Genesis-"Turn It On Again"-CD nahtlos fort: Die Ausdruckskraft,
die in diesem schon fast legendären Song steckt, arbeitete der RX-V1200
hervorragend heraus, auffällig war der kraftvolle, rund Bassbereich und die
hohe akustische Homogenität. Tschaikowskys "1812 Ouvertüre"
wurde mit einer höchst angenehmen, homogenen Räumlichkeit mit einem
erstaunlich transparenten Hochtonbereich wiedergegeben. Beachtlich war die
Präzision der Streicher, zwar gibt es nach wie vor einen Unterschied zur reinen
Stereowiedergabe, dass aber bei einem Surround-Nachbearbeitungsprogramm eine
derart gute Wiedergabe erzielt wird, überrascht. Hier war auch ein deutlicher
Unterschied zum Betrieb im DTS NEO:6-Modus hörbar, unpräziser, schwammiger und
mit etwas zu dominanter Hallbeimengung kann der DTS
Stereo-To-Surround-Aufpolierer nicht ganz das Leistungsprofil des neueren
Konkurrenten von Dolby bieten. Der Stereoklang konnte bei unserem Testexemplar überzeugen.
Im Vergleich zu früheren Yamaha-Modellen war er nicht mehr so schlank und
spitz, sondern weitaus ausgewogener und homogener. Dazu gestellte sich eine
erfreuliche Lebendigkeit, die er beim Abspielen von Peter Tschaikowskys
"1812 Ouvertüre" und der "Hamlet-Ouvertüre" unter Beweis
stellen konnte. Eine gelungene Wiedergabe, mit gutem Handling der
Dynamiksprünge und einem tadellosen Raumgefühl.
Bewertung Klang insgesamt      
Bewertung Klang Preis/Leistung      
Bewertung Klang Musik      
Bewertung Klang Film     
Fazit
Yamaha hat mit dem RX-V1200 ein beeindruckendes Produkt auf
die Beine gestellt, das in jeder Hinsicht überzeugen kann: Zunächst ist da der
ausgezeichnete, voluminöse und doch präzise Heimkinoklang zu nennen, der
Filmvergnügen auf hohem Niveau sicherstellt. Hier sind einige der
mitgelieferten DSP-Programme bestens geeignet, das Hörvergnügen noch weiter zu
steigern. Doch auch musikalische Talente besitzt der Yamaha zur Genüge,
hier sticht besonders die exzellente Wiedergabe im Dolby ProLogicII-Betrieb und
die deutlich hörbare Verbesserung im Stereoklang heraus. Voll und homogen ist
der PLII Music-Klang, viel weniger schlank und spitz als bei früheren
Yamaha-Modellen präsentiert sich der Stereoklang: Lebendig und höchst angenehm
- hier kann man wirklich nur lobende Worte finden. Das gilt auch für die
Bedienung. Das sinnvoll strukturierte OSD macht es auch dem Heimkino-Neuling
relativ leicht, den RX-V1200 einzustellen, dazu passt der sehr gut arbeitende
Testtongenerator. Aber auch der versierte Heimcineast hat seine Freude am
Receiver, denn die DSP-Programme lassen sich vielfältig editieren.
Überragend ist die Verarbeitung, hier zeigt der Yamaha ein Niveau, das auch
einem doppelt so teuren Gerät noch gut zu Gesicht stünde. Die Ausstattung mit
Anschlüssen ist ebenfalls in Ordnung, so dass man dem Yamaha eigentlich kaum
etwas ernsthaft ankreiden kann - vielleicht wäre im Sinne eines nochmals
homogeneren Klangbilds (wenn man zu mehr Personen Filme anschaut) eine zweite
Endstufe für den Back Surround-Bereich noch ein Wunsch, aber das kann am
hervorragenden Gesamteindruck nichts ändern. Vor allem in Anbetracht des
Preises sind die Leistungen überragend - genauso wie das Testurteil.
Der RX-V1200 besticht durch sein momentan
unschlagbares Preis-/Leistungsverhältnis

Obere Mittelklasse
Pro:
- Für die Preisklasse überragender Heimkino- und Musikklang
- Exzellente Verarbeitung
- Sehr gute Ausstattung
- Übersichtliche OSDs
Contra:
- Nur eine Endstufe für den Back Surround-Bereich
Die technischen Grunddaten:
-
DD/DTS-Receiver mit DTS ES Discrete/Matrix 6.1-Decodierung
-
Decodiert Dolby Digital EX-codiertes Material
-
Dolby ProLogic II in Vollversion und DTS NEO:6
-
96 kHz/24-Bit Audio-DACs und 6 x 135 W (4 Ohm, 1 kHz, DIN)
-
22 verschiedene DSP-Programme mit umfangreichen
Editiermöglichkeiten
-
On Screen-Menü
-
6 frei zuweisbare Digitaleingänge (4 x optisch, 2 x
koaxial)
-
2 Digitalausgänge (2 x optisch)
-
2 Komponentenvideoeingänge, 1 Komponentenvideoausgang
-
5.1-Eingang (DVD Audio-tauglich)
-
6.1-Preout
-
3 Audio- und 5 Audio/Video-Eingänge (alle
S-Video-beschaltet)
-
2 Audio- und 2 AV-Ausgänge (AV-Ausgänge S-Video-beschaltet)
-
Monitor Out (S-Video/FBAS)
-
Front AV-Eingang mit S-Video-Beschaltung und optischem
Digitaleingang
-
Phono-Eingang
-
RDS-Tuner mit 40 Stationsspeichern
-
Beleuchtete, lern- und macrofähige Fernbedienung
-
Gewicht 15 kg
-
Maße (B x H x T in mm): 435 x 171 x 432
-
Farben: Schwarz, Titan
-
Preis: 2000 DM
Test: Carsten
Rampacher
30. November 2001
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