INFO: Teuer oder günstig - wo liegen die Unterschiede ?
29. März 2005 (cr)
69 € oder 4.500 € für einen DVD-Player, 200 € oder 5.900 € für
einen AV-Receiver, 250 € oder 10.000 € für ein Lautsprechersystem - wo
liegen eigentlich die Unterschiede? Was macht teure Komponenten so teuer
beziehungsweise wieso kann man bereits so günstig Heimkino-Komponenten
einkaufen?
Oft denken Käufer bei sehr günstigen Modellen: Irgendwo muss doch
hier der Haken sein, anders kann ich mir den Preis kaum erklären. Nicht anders
verhält es sich bei sehr teuren Gerätschaften: Irgendwo verdient der
Hersteller hier bestimmt massig Geld. Es kann wohl kaum sein, dass diese
Komponente das 20-fache eines günstigen Angebots kostet. Da stimmt doch etwas
mit den Verhältnissen nicht.
Eines wollen wir gleich vorausschicken: In einigen Fällen tragen dunkle
Vorahnungen zumindest einen Teil Wahrheit in sich. Will heißen: Eine sehr
günstige Offerte kann selbst diesen billigen Kaufpreis nicht Wert sein. Oder:
Bei einem sehr teuren Angebot verdient der Hersteller über Gebühr viel. Doch
man muss auch zugeben: Viele edle Komponenten sind nicht ohne Grund so teuer.
Oftmals stecken hohe Entwicklungskosten und aufwändige Baugruppen dahinter, die
den Kaufpreis für Enthusiasten rechtfertigen. Um auf den Gegensatz zu sprechen
zu kommen, es finden sich ebenso günstige Offerten auf dem Markt, die
tatsächlich Schnäppchen sind. Weil sie schlicht und einfach genau das bieten,
was der viel zitierte "Otto Normalverbraucher" von einem Gerät
erwartet. Kurzum, sie sind praxisgerecht, in dem sie die Prioritäten der
Zielgruppe recht genau erfüllen.
Und hier sind wir gleich beim nächsten Thema: Den eigenen Prioritäten. Man
muss hier sich selbst hinterfragen, ob man eher ein Nutzer mit normalem Anspruch
- Musik wird gern am Sonntag Morgen zum Frühstück gehört, ab und zu kommen
die Nachbarn zu einem gemütlichen Filmeabend, dazu schaut man täglich seine
Lieblingsserie im Fernsehen - oder aber ein versierter Anwender ist, der es gern
im größeren Hörraum richtig "krachen" lassen und echtes
Kino-Feeling realisieren möchte. Oder man ist anspruchsvoller Musikhörer,
Theater-, Opern- und Konzertbesucher und verfügt über viel Hörerfahrung, so
dass man auch zuhause genau das Richtige "auf die Ohren" bekommen
möchte.
Wer normale Ansprüche hat, dies steht fest, muss nicht mehr Unsummen
ausgeben. Aufgrund der Verarbeitungsqualität, Betriebssicherheit und der
einfachen Bedienung raten wir aber auch hier von
"Super-Billig-Offerten" ab. Oft kommt das böse Erwachen erst
hinterher, wenn die neue AV-Anlage bereits nach kurzer Zeit ihren Dienst versagt
oder so schlecht klingt, dass sich selbst der Laie wundert. Gute Qualität im Einsteigersektor ist also auch hier die richtige
Entscheidung. Aufsteiger haben ebenfalls eine breite Auswahl an fair
kalkulierten Komponenten, die bereits deutlich reichhaltiger ausgestattet und
akustisch erwachsener sind. Sehr ambitionierten Hörern bleibt dann nur der
tiefe Griff ins Portemonnaie übrig, denn es war schon immer ein wenig teurer,
einen exklusiven Geschmack zu haben und nach dem Besten zu
verlangen. Aber: Auch zwischen einem tiefen Griff in den Geldbeutel und
einer Großinvestition liegt noch viel. Unbezahlbar müssen selbst Top-Anlagen
nicht mehr sein.
Dies liegt auch daran, dass man auch als anspruchsvoller Nutzer so mancher "alten
Weisheit" nicht mehr verfallen muss - Beispiel: 1/3 der AV-Anlage sollte die
Elektronik, 2/3 sollten die Lautsprecher ausmachen. Wer so kauft, landet nicht
selten bei völlig überteuerten, angeblichen "Highend"-Schallwandlern,
bei denen der "Name mit Tradition"in Bezug auf die Preisgestaltung zu
wenig Zurückhaltung "verpflichtet" - und
das muss nicht sein. Es gibt erstaunlich leistungsfähige und dabei gleichzeitig
finanzierbare Boxen, die stark gehobene Ansprüche problemlos erfüllen - dies
bestätigt unsere Testpraxis immer wieder.
Im folgenden Text stellen wir nun die Unterschiede vor, die zwischen
günstigen und teuren Geräten existieren, ohne Anspruch auf Vollständigkeit
und mit dem Zusatz versehen, dass natürlich nicht immer bei jeder Komponente
grundsätzlich alles zutreffen muss.
AV-Receiver und -Verstärker
- Chassis/Gehäuse: Günstige Geräte haben einen simplen Aufbau. Hier steht
die kostengünstige Produktion und nicht eine optimale Trennung der
verschiedenen Sektionen im Vordergrund. So gibt es im Geräteinneren meist
nur eine "Abteilung" und nicht verschiedene, sorgfältig
voneinander abgeschirmte Sektionen. Das Chassis preiswerter Modelle ist
einlagig (bei Nobel-Geräten mehrlagig) ausgeführt,
während teure Komponenten durch den hochwertigen Aufbau viel effektiver
Vibrationen und Resonanzen vorbeugen. Bereits von außen sind deutliche
"Klassenunterschiede" auszumachen: Geräteseitenteile, der Deckel,
die Geräterückseite und natürlich die Gerätefront verraten oft (aber
nicht immer!) die Preisklassenzugehörigkeit.
- Baugruppen: Ob D/A-Wandler, Transformator, Endstufeneinheiten oder
A/D-Wandler - bei den Baugruppen, die eigentlich in jedem AV-Receiver oder
-Verstärker stecken, gibt es deutliche Unterschiede. 192
kHz/24-Bit D/A-Wandler haben bereits günstige Modelle, allein die Aussage
über die prinzipielle Möglichkeit, diese Samplingfrequenz mit dieser
Genauigkeit zu verarbeiten, sagt noch nicht viel über die Güte des
Wandlers aus. Selektierte Bauteile mit hochwertigem Aufbau, die eine
möglichst reine, rauscharme Signalreproduktion ermöglichen, kosten Geld
und stecken nur in teuren Komponenten. Die Frage ist ferner, wie viele
Wandler denn im Gerät verbaut sind, so mehr installiert sind, umso besser,
umso präziser ist die Arbeit. Unterschiede finden sich auch in der
DSP-Sektion, dem Herzstück der digitalen Signalverarbeitung. Hier hängt
vieles von der Rechenleistung, der Geschwindigkeit und dem Aufbau des
DSP-Prozessors ab. Hochwertige Modelle kommen gleich mit zwei oder noch mehr
Prozessoren, um dem mannigfaltigen Nachbearbeitungsfunktionen Herr zu
werden. THX-Geräte beispielsweise haben eigens für die THX-Nachbearbeitung einen 2.
Prozessor. Auch wichtig: Die Gerätekühlung (große Kühlkörper zur
passiven Kühlung, leise Ventilatoren bei zusätzlicher aktiver Kühlung in
Extremsituationen). Nur teurere Modelle verfügen über leistungsfähige
Kondensatoren und Trafos. Der Grund dafür ist einfach: Beides kostet in
performance-starker Ausführung viel, daran wird sich auch in Zukunft nichts
ändern. Die Hochstromfähigkeit der Endstufen, die Fähigkeit, auch mit
niedrigen Impedanzen zurecht zu kommen, ist erst (und selbst da nicht in
allen Fällen) bei Komponenten jenseits der 1.000 € in größerem Umfang
gegeben. Es befinden sich zwar bereits zwischen 700 und 1.000 €
AV-Receiver mit beachtlicher Leistungsfähigkeit auf dem Markt, doch zaubern
können auch diese Anbieter nicht, will heißen: Bei äußerst
anspruchsvollen Anwendungen ist schnell das Ende der Fahnenstange erreicht.
Etwas Wichtiges zum Schluss: Nur, wenn nirgendwo gespart wurde, ist die
Leistungsfähigkeit der Komponente entsprechend groß.
- Ausstattung: Hier sind wichtige Unterscheidungen zu treffen, denn gewisse
Ausstattungsmerkmale lassen sich günstig realisieren, andere kosten richtig
Geld. Ebenfalls gibt es Ausstattungsmerkmale, die man in völlig
verschiedenen Qualitätsstufen integrieren kann, von "netter
Zusatzfunktion" bis zu einem beinahe schon professionell nutzbaren Tool
ist hier alles möglich. Wir geben für alle Gruppen Beispiele und beginnen
mit einem Feature, das momentan ganz groß im Trend liegt, dem automatischen
Lautsprecher-Einmesssystem. Hier haben günstige Geräte meist nur eine
recht einfache Version an Bord. Diese kümmert sich nur um Größe,
Entfernung und Pegel der angeschlossenen Lautsprecher. Ein Equalizing für
jede Box wird nicht vorgenommen. Ebenso ist es mit der Präzision nicht
allzu weit her, so dass diese Einmesssysteme, gemäß der
Geräte-Preisklasse, eher für Anwender mit völlig normalen Ansprüchen
ausgelegt sind. Selbst allerdings in so manchem kostspieligeren Modell
steckt ein System, welches zwar über eine Vielzahl an Funktionen verfügt,
im Endeffekt die Justagearbeit aber trotzdem nicht absolut sauber
vornimmt. Trost: Oftmals kann der erfahrene Anwender manuell nachjustieren,
was manchmal genau das Erwünschte möglich macht. Weiter geht es mit
dem Thema DSP-Programme. Praktisch jeder AV-Receiver oder -Verstärker
verfügt über digitale Klangfelder mit so schwungvollen Namen wie
"Opera", "Concert Hall" oder "Jazz Club" -
aber nur sehr wenige DSP-Modi halten wirklich die mit dem jeweiligen Namen
assoziierten Versprechungen. Die teureren Yamaha-Modelle sind hier
insbesondere zu nennen, die eine DSP-Sektion haben, die tatsächlichen
Nutzen bringt, denn: Yamaha koppelt die DSPs noch an einen umfangreichen
Nachbearbeitungstrakt, so dass der Nutzer individuelle Anpassungen an den
eigenen Hörgeschmack und die Lokalitäten vor Ort vornehmen kann.
Nächstes Thema: Die aktuellen Highspeed-Digitalinterfaces wie HDMI oder
i.link. Hier ist festzuhalten, dass die Implantierung dieser
Ausstattungsmerkmale momentan noch mit einem beträchtlichen finanziellen
Aufwand verbunden ist. Wie jedoch Einzelfälle zeigen, sinken auch hier die
Kosten, so dass in absehbarer Zeit damit zu rechnen ist, dass auch
Mittelklasse-Modelle mit diesen Schnittstellen ausgestattet werden.
Nicht besonders aufwändig zu integrieren, doch trotzdem gerade bei
einfachen Geräten nicht mit dabei ist eine Lip Sync- oder Audio
Delay-Funktion, die Laufzeitunterschiede zwischen Audio- und Videosignal
ausgleicht, die durch eine zeitintensive Bearbeitung (De-Interlacing z.B.)
des Videosignals entstehen können. Generell gilt für die
Anschlussbestückung: Wer über einen umfangreichen Gerätepark verfügt,
kann die AV-Receiver-Angebote der Einsteiger-Liga gleich vergessen, denn vor
allem auch die Bestückung mit digitalen Anschlüssen ist eher dürftig.
Aufpassen muss der, der einen Plattenspieler anschließen möchte, denn
einen Phono-Eingang haben günstige Modelle selten. Hier hilft dann nur die
Anschaffung eines Phono-Vorverstärkers. Wer daran denkt, aktive
Lautsprecher oder separate, leistungsstärkere Endstufen einzusetzen, sollte
sich unbedingt vergewissern, dass der AV-Receiver entsprechende
Vorverstärkerausgänge (Pre-Outs) aufweist. Weitere Ausstattungsmerkmale edler
AV-Boliden: Ein Videoscaler (sehr selten momentan noch), ein interner
De-Interlacer, umfangreiche Möglichkeiten zur Multiroom-Installation
(Beschallung von bis zu 4 Hörzonen, Weiterleitung digitaler Audiosignale in
andere Hörzonen außerhalb der Haupt-Hörzone, DSP-Funktionen in Zone 2,
Weiterleitung von Videosignalen). Einige Hersteller bieten bereits
günstigere Komponenten mit umfangreichen Multiroom-Optionen an.
- Einzelheiten bei Verarbeitung/Optik/Haptik/Nutzen: Hier wären
beispielsweise zu nennen:
Sauberkeit der Gehäuseverarbeitung, Lautsprecher-Anschlüsse auf der
Geräterückseite, Geräterückseite mit vergoldeten Anschlüssen oder
nicht, Display (DOT-Matrix, ein- oder zweizeilig), massive Klappe auf
Gerätefront, die weniger oft benötigte Bedienelemente verbirgt,
Lautstärkedrehregler (präzise geführt oder nicht, Kunststoff oder
Metall), Gerätestandfüße (billig oder massiv ausgeführt), Tasten mit
schwammigem oder exaktem Druckpunkt
- Fernbedienung: Wer denkt, bei einem teureren Modell liege automatisch auch
eine hochwertigere Fernbedienung bei, wird in der Praxis manchmal
enttäuscht sein, denn selbst einige teure AV-Receiver oder -Verstärker
haben eine Fernbedienung beiliegen, die nicht zur Anmutung des Hauptgerätes
passt. Es gibt aber auch Gegenbeispiele, nämlich AV-Boliden mit extrem
hochwertiger IR-Kontrolleinheit oder günstigere Modelle, die schon
erstaunlich hochwertige Fernbedienungen mitbringen.
DVD-Player
- Chassis/Gehäuse: Auch bei DVD-Playern gilt: Günstige Geräte haben einen simplen Aufbau. Hier steht
die kostengünstige Produktion und nicht eine optimale Trennung der
verschiedenen Sektionen im Vordergrund. So gibt es im Geräteinneren meist
nur eine "Abteilung" und nicht verschiedene, gegeneinander
abgeschirmte Sektionen. Das Chassis ist einlagig (bei Edel-Komponenten mehrlagig) ausgeführt,
während teure Komponenten durch den hochwertigen Aufbau viel effektiver
Vibrationen und Resonanzen vorbeugen. Bereits von außen sind deutliche
"Klassenunterschiede" auszumachen: Geräteseitenteile, der Deckel,
die Geräterückseite und natürlich die Gerätefront verraten oft (aber
nicht immer!) die Preisklassenzugehörigkeit.
- Laufwerk: Wer automatisch denkt, dass ein teurer DVD-Player auch ein
besonders hochklassiges Laufwerk mitbringt, liegt oft richtig - aber nicht
immer. Denn leider konnten wir schon feststellen, dass sich im
Geräteinneren zwar eine hochwertige Peripherie befindet, das Laufwerk
selbst jedoch erreichte kein akzeptables Niveau.
- Baugruppen: Besonders hochwertige D/A-Wandler finden sich meist in
hochpreisigen Modellen. WICHTIG: Wer den DVD-Player digital an den
AV-Receiver anschließt, benötigt die D/A-Wandler des DVD-Spielers nicht.
Wer über einen AV-Receiver und einen DVD-Player mit i.link verfügt, kann
auch DVD-Audio- und SACD-Signale digital übertragen. In diesem Zusammenhang
erwähnenswert ist aber, dass die hochwertigen DVD-Spieler mit i.link meist
auch sehr noble D/A-Wandler mitbringen. Nächstes Beispiel: Video-D/A-Wandler.
Hier liegt die Problematik ähnlich wie beim Audio-D/A-Konverter. Sehr
hochwertige DVD-Spieler der aktuellen Generation bringen neben Spitzen-D/A-Wandlern
für die Konvertierung des Videosignals von der digitalen in die analoge
Ebene auch noch ein DVI- und/oder HDMI-Interface für die digitale
Video-Signalausgabe mit. Wer ein entsprechendes Bildwiedergabegerät mit
DVI/HDMI-Eingang nutzt, benötigt den Video-D/A-Wandler im DVD-Player nicht
mehr. Wer sich den Aufbau von günstigen und teuren DVD-Playern genau
anschaut, wird oft nicht schlecht staunen: Im 70 €-Player sitzt eine
einzige Platine, darauf ist alles enthalten, was der Player können soll. In
teuren, edlen Modellen hingegen findet sich für alles eine separate
Platine, was Störungen minimiert und die Effizienz, mit der gearbeitet
wird, deutlich steigert. Im Extremfall kann das so aussehen: Extra-Platine
fürs De-Interlacing, für die analoge Videosignalverarbeitung, für die
digitale Videoverarbeitung, für den internen Scaler, für die analoge und
die digitale Audioverarbeitung und eine Kernplatine für alle Laufwerks- und
Kontrollfunktionen. Bei Billigplayern ist alles hochintegriert und "on
board", dadurch sinken die Herstellungskosten massiv, leider aber auch
die Güte vor allem bei aufwändigen Arbeitsprozessen (z.B. De-Interlacing).
- Ausstattungsmerkmale: Interne Scaler gehören meist (bis auf wenige
Ausnahmen, z.B. von Denon/Samsung) zu teureren Modellen. Ebenso verhält es
sich mit den Video-Equalizern: Bei günstigen DVD-Playern sind sie eher ein
nettes zusätzliches Ausstattungsmerkmal ohne richtigen Nutzen, dazu sind
die Einstellmöglichkeiten oft zu gering und die Effizienz unzureichend. Bei
edlen Playern hingegen bewirkt der Video-EQ deutlich mehr, ist feiner
justierbar und mit mehr Funktionen ausgestattet. Wer auf einen teuren
Universal-Spieler setzt und diesen per analoger Cinchverbindung mit seinem
AV-Receiver verbindet, kann sich ebenfalls freuen, denn für die DVD-Audio-
und SACD-Wiedergabe stehen in vielen Fällen mehr Optionen in Bezug auf die
Lautsprechereinstellungen zur Verfügung. Nicht nur, dass ein Bassmanagement
für DVD-Audio und SACD geboten wird (eine Laufzeitanpassung/Time Alignment
wird aus technischen Gründen oft nur für DVD-A eingesetzt), auch die
Abstufungen der einzelnen Einstellparameter sind in vielen Fällen feiner.
So mancher "Edelplayer" aus der "Highendschmiede" jedoch
ist auch manchmal - schließlich lieben es einige audiophile Experten lieber
"puristisch" - eher spärlich ausstaffiert.
- Stichwort Multimedia-Fähigkeiten: Hier sollte man nicht den Denkfehler
begehen und vermuten, dass teure DVD-Spieler auch besonders umfangreich
ausgerüstet sind in Bezug auf abspielbare Formate. Das Gegenteil ist oft
der Fall, und billige Offerten < 100 € sind den teuren Modellen
deutlich überlegen. Hintergrund: Edle Player sind dafür gedacht,
DVD-Videos, DVD-Audios, SACDs und auch CDs höchst präzise
wiederzugeben. Formate wie Ogg Vorbis, MP3 Pro oder DivX in allen
Variationen steht nicht auf dem Menüplan. Wer also mit einem hochwertigen
Gerät liebäugelt, zugleich aber Formatliebhaber ist, sollte sich noch
einen günstigen "Allesfresser" mit dazu kaufen.
- DVD-Spieler als CD-Player-Ersatz: Günstige Player taugen aufgrund ihrer
bescheidenen akustischen Fähigkeiten nur selten als Ersatz für den
CD-Player, wenn man einen gehobenen Höranspruch hat. Im Zweifel den alten
CD-Player für CDs weiterverwenden, wenn es ein günstiger DVD-Spieler sein
soll.
- Einzelheiten bei Verarbeitung/Optik/Haptik/Nutzen: Hier wären zu nennen:
Sauberkeit der Gehäuseverarbeitung, Ausführung der Anschlüsse auf der
Geräterückseite, Geräterückseite mit vergoldeten Anschlüssen oder
nicht, Display (DOT-Matrix oder nicht), DVD/CD-Lade (billig gemacht oder
aufwändig verarbeitet), Gerätestandfüße (billig oder massiv ausgeführt), Tasten mit
schwammigem oder exaktem Druckpunkt. Ein grafisch schön gemachtes Menü ist
übrigens nicht vom Kaufpreis abhängig. Günstige Einsteigermodelle der
renommierten Anbieter haben hier oft Besseres mit an Bord als so mancher
Edel-Player mit Schlicht-Menü.
- Fernbedienung: Wer denkt, bei einem teureren Modell liegt automatisch auch
eine hochwertigere Fernbedienung bei, wird auch bei DVD-Spielern in der
Praxis manchmal enttäuscht sein, denn selbst einige teure DVD-Player haben
eine Fernbedienung beiliegen, die nicht zur Anmutung des Hauptgerätes
passt. Es gibt aber auch Gegenbeispiele, nämlich Edel-Player mit extrem
hochwertiger IR-Kontrolleinheit oder günstigere Modelle, die schon
erstaunlich hochwertige Fernbedienungen mitbringen.
Lautsprecher
- Bereits die Optik und die Haptik signalisieren deutliche Unterschiede
zwischen preiswerten und edlen Lautsprechern. So bringen teure Schallwandler
meist ein sauber verarbeitetes Echtholzfunier mit oder, sind sie z.B.
silbern lackiert, ein aufwändiges Oberflächenfinish. Günstigere Boxen
haben oft nur eine Folien-Oberfläche, die sich bei genauerem Hinsehen
deutlich von echtem Holz unterscheidet. Wer sich für ein
Subwoofer-/Satellitensystem entscheidet, wird feststellen, dass selbst
günstigere Offerten mehr und mehr echte Aluminiumgehäuse mitbringen. Bei
teuren Sub/Sat-Kombis ist dieses Qualitätsmerkmal Pflicht.
- Detailverarbeitung: Einpassung Chassis, Kanten-Finish etc.
- Der Gehäuseaufbau unterscheidet sich stark, teure Modelle haben meist
aufwändig versteifte Gehäuse, die eine exakte Wiedergabe
begünstigen.
- Chassisbestückung: Bei den Top-Baureihen verwenden namhafte
Lautsprecherhersteller besonders hochwertige Chassis mit ausgezeichneten
akustischen Eigenschaften.
- Weitere Unterschiede zwischen teuren und günstigen Lautsprechern:
Frequenzweiche ist bei teuren Modellen oft aufwändiger ausgeführt, was der
klanglichen Reinheit und der akustischen Präzision zuträglich ist. Für
DVD-Audio und SACD sind ebenfalls teurere Systeme aufgrund ihrer
konstruktiven Merkmale besser geeignet. Verschiedene Edel-Boxen haben einen
eigenen Hochtöner (Superhochtöner) für den erweiterten Hochtonbereich von
DVD-A und vor allem von SACD. Dieser Superhochtöner ist aufwändig
konstruiert, sehr klein und beginnt mit der Übertragung, wo der
"herkömmliche" Hochtöner aufhört.
- Anschlussterminal: Bereits recht günstige Stand- und großvolumige
Regallautsprecher verfügen mittlerweile über bi-wiring-fähige
Anschluss-Schraubterminals. Bei sehr edlen Lautsprechern sind diese jedoch
nochmals hochwertiger, haltbarer und praxisgerechter (große
Kabelquerschnitte sind einfacher einzuführen) verarbeitet.
- Wer mit seinen Lautsprechern mit normalen Pegeln und auf normalem Level
Musik und Filmton genießen möchte, muss nicht mehr Unmengen Geld
investieren. Zwischen 500 und 1.000 € sind, je nach Anspruch und
Raumgröße, anzulegen. WICHTIG: Hörer mit gesteigertem Anspruch werden mit
diesen Offerten nicht glücklich, denn wer Wert auf höchste Pegelfestigkeit
oder liebevoll aufbereiteten Detailreichtum legt, muss mehr investieren.
- Die alte Weisheit, dass Lautsprecher deutlich teurer sein müssen als der
Rest der Anlage, stimmt so nicht mehr. Natürlich macht es wenig Sinn, einen
5.000 €-Boliden am 1.000 €-Satellitensystem zu betreiben, man sollte
schon auf eine entsprechende Dimensionierung achten. Gleich jedoch ein
15.000 €-Lautsprecherensemble einzukaufen, macht aber auch keinen Sinn.
- Bezugnehmend auf den Punkt 5) weisen wir nachdrücklich darauf hin, dass
gerade teure, extrem detailreich darstellende Highendboxen nicht unbedingt
für diejenige Käuferschicht interessant sind, die sich einen extrem
leistungsfähigen Boliden ins Haus holen und viel Wert auf höchste
Pegelfestigkeit der Lautsprecher bei heimkinoorientierten Anwendungen legen.
Diese Home Theatre-Enthusiasten sind unter Umständen anderen Lautsprechern,
die extrem belastbar sind, dabei Werte wie Präzision und Brillanz aber
keinesfalls außer Acht lassen, besser bedient. Wer als audiophiler Gourmet
in höchster klanglicher Reinheit bei moderater Lautstärke schwelgen
möchte, sollte sich hingegen umschauen nach noblen
"Feingeistern". Diese sind nie günstig zu bekommen, da gerade
gewisse Anbieter auch von ihrem Ruf profitieren, musikalisch Bestmögliches
feil zu bieten. Bei genauer Recherche jedoch kann man auch hier Unterschiede
ausfindig machen. Hier wäre aber noch zu ergänzen, dass dieser
Anwenderkreis auch bei der Wahl der Verstärkereinheit nicht unbedingt einen
AV-Boliden, sondern vielleicht eher eine grazil darstellende
Vor-/Endstufenkombi auswählen sollte. Plan B: Ein günstigeres
Heimkinosystem und ein separates System für den Stereogenuss in
Reinkultur.
- AUFPASSEN auf den Wirkungsgrad! Wer wild und ohne System AV-Receiver und
Lautsprecher miteinander kombiniert, wundert sich hinterher, wieso er
mächtig aufdrehen muss, damit endlich richtiger Druck aus den
Schallwandlern kommt. Nicht selten streicht der AV-Receiver, ist er ein in
Bezug auf den Preis eher "bürgerliches" Modell, schon bei
moderaten Pegeln die Segel. Dieses Verhalten liegt im Wirkungsgrad der
jeweiligen Lautsprecher begründet. Darum sollten diejenigen, die einen
normal dimensionierten AV-Receiver einsetzen, auf einen guten Wirkungsgrad
bei den ins Auge gefassten Boxen denken.
Ratschläge zum Schluss
- Selber testen. Am besten die beiden "Favoriten" oder die beiden
ins Auge gefassten Kombinationen selber ausgiebig hören. Dazu gilt: Sich
viel Zeit nehmen und auch das Handling selber überprüfen.
- Die gesamte Kette ist so gut wie das schwächste Glied. Also am besten
Geräte nehmen, die in Bezug auf das Leistungsniveau zusammen passen.
- Das Thema Verkabelung Ernst nehmen - und zwar auf die richtige Art und
Weise, das heißt, Kabel mit gutem Preis-/Leistungsverhältnis und
hochwertiger Verarbeitung wählen. Billigstrippen oder angebliche
Highendkabel zu Mondpreisen bringen nur Frust.
- Generell gilt: Vergleichen. Beim Internetanbieter oder beim Händler
sollte man sich nach verschiedenen Faktoren und deren geeigneter
"Mischung" richten: a) Vernünftiger Kaufpreis und b)
überzeugender Service. Die günstigsten Preise sind oft an
unzureichenden Service gekoppelt, und mancher Händler lässt sich seinen
Service fürstlich honorieren. Auch hier heißt es: Vergleichen, entscheiden
und - an die Zukunft denken. Beispiel: Der seriöse Internet-Händler ist
auch noch nach Jahren für Sie da, während der Billiganbieter mit
Marktschreier-Preisen vielleicht schon dann nicht mehr auffindbar ist, wenn
Sie nach sechs Monaten einen Garantiefall haben.
29. März 2005
Text: Carsten Rampacher
|