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Test: Yamaha Surround-System Serie NS 

Einführung

Wer sich nach einen kompletten heimkinotauglichen Boxensystem, das mit einem ordentlichen Preis-/Leistungsverhältnis aufwarten kann, umschaut, wird auch in der aktuellen Angebotsliste von Yamaha fündig. Viele Heimkino-Freaks bezweifeln zwar, dies zeigen die Beiträge in den unterschiedlichen Foren im Internet sehr gut, ob Firmen, deren traditioneller Schwerpunkt nicht im Boxenbau liegt, überhaupt in der Lage sind, etwas Brauchbares anzubieten - wir wollten es genau wissen und testeten einmal ein voll ausgebautes Surroundsystem von Yamaha. Als Verstärker diente der Yamaha DSP-AX1, ein Gerät aus einer für Vollverstärker durchaus hohen Preisliga. 

Doch gerade dies kann als Herausforderung für das Boxensystem gesehen werden, das komplett etwa soviel kostet wie der DSP-AX1, und der Test dieser Konstellation soll auch ein Signal gegen eine Gewichtung bei der Auswahl der Heimkinokomponenten sein, die bei Kaufberatungen zunehmend an Bedeutung gewinnt: Zu Receivern der 1000 DM-Preisklasse empfehlen viele Experten Boxensysteme, bei denen allein schon eine Hauptbox mehr als der ganze Receiver kostet. Eine solche Lautsprecherauswahl macht nicht unbedingt Sinn, denn kaum ein 1000 DM-Receiver wird in der Lage sein, einem solch hochpreisigen Boxensystem als qualitativ gleichwertiger Zuspieler zur Verfügung zu stehen - was der Käufer in Anbetracht des moderaten Kaufpreises des Receivers auch nicht erwarten kann. 

Anders herum ist es dem Heimkinofreund vergönnt, auch bei überschaubaren Ausgaben mit den ausgewählten Boxen Glück zu haben: Wenn man ein wenig sucht, gibt es durchaus Surround-Lautsprechersysteme, die preislich attraktiv sind, und, wenn man nicht der absolute Pegelfanatiker ist und dazu einen 70-Quadratmeter- Raum zu beschallen hat, auch zu teureren Verstärkern/Receivern eine klanglich für viele Einsatzzwecke passende Ergänzung darstellen. Ob dies auch auf die Yamaha-Konfiguration zutrifft, soll dieser Test klären.

 

Die einzelnen Komponenten

Vorne kamen als Hauptboxen die schlanken NS-150 zum Einsatz, unten im Bild zu sehen. Stückpreis pro Box 475 DM. Bei der NS-150 handelt es sich um eine Bassreflexbox, die einzelnen Treiber sind ein zwei 13 cm-LF-Konuswoofer, die sich den Mittelton- und Bassbereich teilen sowie ein 3 cm-Kuppeltweeter. Die Nennimpedanz liegt bei 6 Ohm, der Frequenzgang reicht von 40 Hz bis 35 kHz. Die Nenneingangsleistung wird mit 100 W angegeben, die Maximalbelastbarkeit mit etwas optimistisch wirkenden 300 W. 

Schlanke Form: Dreiwege-Standbox NS-150

Als Center Verwendung fand der NS-C200, der zu einem Kaufpreis von 299 DM angeboten wird. Wie die anderen Lautsprecher auch, ist er wahlweise in schwarz oder im warmen Farbton Kirsche lieferbar. In dem Zweiwege-Bassreflexcenter mit drei Lautsprechern kommen zwei 13 cm-Konuswoofer und ein 3 cm Kuppeltweeter zum Einsatz.  Nenn- und Maximalleistung sind ebenso wie die Nennimpendanz identisch mit den Daten der NS-150. Der Frequenzgang reicht von 57 Hz bis 35 kHz.

Der passende Center: Yamaha NS-C200 für 299 DM

Für den Surroundbereich kommen noch zwei Regalboxen vom Typ NS-90 hinzu, die mit einem Konuswoofer mit 13 cm Durchmesser und einem 3 cm-Kuppeltweeter bestückt sind. Die Nennbelastbarkeit liegt bei 60, die Maximalbelastbarkeit bei 200 Watt.  Stückpreis der Box mit einem Frequenzgang von 60 Hz bis 35 kHz: 249 DM. 

Regalbox für Surround- und Fronteffektkanäle: NS-90

Dieselben Boxen kommen auch für die zwei vorderen Effektkanäle (siehe auch THX versus Yamaha DSP), eine Yamaha-typische Spezialität, zum Einsatz. Versorgt werden muss nun noch der Back Surround-Kanal, der, via Matrix erzeugt, auch noch passend wiedergegeben werden will. Wir verwendeten einfach noch einen NS-C200, damit einer guten klanglichen Harmonie nichts im Wege steht.  

Zu einem voluminösen Klangbild gehört natürlich noch der passende Subwoofer. Yamaha empfiehlt, bei einem kompletten Cinema DSP-System auch zwischen die Surroundlautsprecher noch einen aktiven Basslautsprecher einzuschleifen (siehe auch THX versus Yamaha DSP).  Für den "normalen" Subwoofer-Kanal verwendeten wir den 1549 DM teuren Yamaha Top-Woofer Yamaha YST-SW800 mit einer Verstärkerleistung von 800 Watt an 6 Ohm. Zwischen den hinteren Surroundlautsprechern tat der  Mittelklasse-Subwoofer YST-SW320, der zu einem Listenpreis von 999 DM angeboten wird, mit integriertem 250 Watt-Verstärker (am 5 Ohm) seinen Dienst. Beide Subwoofer bieten einen stufenlos regelbaren Tiefpassfilter (40 bis 140 Hz) und einen Phasenumkehr-Schalter. Wahlweise kann der Film- oder der Musikmodus aktiviert werden.

Neue Optik: Kompakt sind YST-SW800 und YST-SW320 (im Bild) beide in Anbetracht ihrer Leistungsdaten

Allen Yamaha-Boxen gemein ist die sehr saubere Verarbeitung. Solide Lautsprecher-Anschlussterminals gehören da genauso dazu wie ein wertig anmutendes Gehäuse. Dazu kommt eine solide Stoffabdeckung bei den Frontboxen, den Effektlautsprechern und den Centern. Bei diesen Lautsprechern sollte man lediglich bei den Maximal-Belastungswerten nicht zu sehr an den auf dem Gehäuse und in der Betriebsanleitung angegeben Daten hängen - denn die dort angegebenen Werte erscheinen doch leicht zu hoch.  


Klangeigenschaften

Hier sorgte das Yamaha-Set für eine Überraschung - denn es klang gerade im Filmbetrieb sehr harmonisch und rund. Die schlanken Hauptboxen vorne erfreuten mit einer spritzigen und vollen Wiedergabe, zum guten Gesamtbild ergänzte der Center seine natürliche Stimmwiedergabe mit leicht warmer Tendenz. Die NS-90 sorgten in Verbindung mit dem zweiten NS-C200 im Surroundbereich für ein Klangbild mit guter Dynamik und sehr guter Räumlichkeit. Dem Tester gefielen besonders die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten: In Kombination mit den beiden kraftvollen Subwoofern und dem DSP-AX1 konnte das Surround-Boxensystem bei Effektspektakeln wie "Independence Day", Perferct Storm" oder "The World Is Not Enough" genauso punkten wie bei eher dialogorientierten Filmen. Bei Action-Filmen konnte die klangliche Performance durch die vorderen Effekt-Lautsprecher durch noch weniger Klanglöcher gesteigert werden.  Die NS-90 zeigten als Surroundlautsprecher beachtliche klangliche Talente und zeigten sich auch von ungemein dynamischen Effekten nicht überfordert.

Vorsicht ist nur geboten beim Aufdrehen der beiden Subwoofer: Hier sollte nicht übertrieben werden, da es zwar schon beeindruckend ist, zu welchen Basspegeln sich die zwei Aktivwoofer aufschwingen können, im Sinne der klanglichen Harmonie sollte man aber mit etwas Zurückhaltung agieren, besonders wenn der sowieso sehr satt klingende Movie-Modus verwendet wird. Zu diesem ist im Filmbetrieb aber auf jeden Fall zu raten, der die Verwendung des "Music"-Modus gerade bei bassgewaltigen Filmen ein nicht ganz passendes, zu schlankes und damit zu wenig voluminöses Klangbild in den Hörraum projiziert. Was die Subwoofer-Übernahmefrequenz betrifft, so sollten die 100 Hz nicht überschritten werden, da ansonsten die Basslautsprecher akustisch zu orten sind - und damit ist der füllige Raumeindruck ohne hörbare Bassortung verschwunden. 

Im Musikbetrieb offenbarten die Lautsprecher ebenfalls beachtliche Talente - vor allem in Relation zum Anschaffungspreis: So klang selbst klassische mehrkanalige Musik wie zum Beispiel Antonio Vivaldis "Four Seasons" schön plastisch und unverfälscht, lediglich bei den diffizil darstellbaren Streichersoli zeigten sich minimale Schwächen in Form einer zu wenig prägnanten Herausmodellierung einzelner Details. Auch ertönte der Hochtonbereich nicht so glasklar, wie es der Klassikliebhaber meist bevorzugt. Gut meisterte das Boxenset die Wiedergabe von Orgelmusik auf einer normalen Audio-CD: (Simon Preston: Bach/Organ Works/4D-CD): Im Kombination mit den zwei Subwoofern entstand ein von großer Weitläufigkeit geprägter Klangeindruck. 

Auch das klanglich Anspruchsvollste, sprich DVD Audio, hörte der Tester Probe - sicherlich ist diese Lösung kein Referenzsystem für DVD Audio-Wiedergabe, aber man muss trotzdem vor der Leistung den Hut ziehen: Ein deutlich hörbarer Unterschied zur normalen Audio-CD oder auch zu einer Dolby Digital- oder DTS 5.1-Musik-DVD war zu vernehmen (DVD Audio-Player: Kenwood DVF-9030; Test-Software: Teldec-DVD Audio-Discs, Barenboim/Beethoven: Symphonien Nr. 3, 4/5, Sechskanal-96 kHz/24-Bit). Besonders überraschend war, wie gut sich vor allem die kleinen und preisgünstigen Regalboxen (168 x 310 x 177 mm) schlugen: Ein sauberer Klang von guter Natürlichkeit und befriedigender Detaillierung.

Bei den Subwoofern sollte der Klassikfan auf jeden Fall bei Software jeder Art den präziseren und zurückhaltenderen "Music Mode" anwählen, der mit guter Feinfühligkeit für eine stimmige Räumlichkeit sorgt. Die beiden Hauptboxen konnten sich mit einer guten plastischen Darstellung auch feiner Zwischentöne angemessen in Szene setzen. Ohne Fehl und Tadel auch die Stimmwiedergabe bei Opern-Arien, die für das Equipment immer eine Herausforderung darstellen (Königin der Nacht: Cheryl Studer singt Mozart, DDD-CD), die vor allem durch ihre Homogenität und den nicht überspitzte Klangcharakteristik überzeugen konnte.

Für Filme jeglicher Coleur ist der Boxensatz also wirklich zu empfehlen, im Musikbetrieb sind die Leistungen ebenfalls gut zu nennen. Dass hinten für den Filmbetrieb keine Dipole zum Einsatz kommen, ist für Verwender von Yamaha- Receivern oder -Verstärkern unproblematisch. Denn die Klangverbesserungen (in Form eines diffusen, realen Surround-Klangfeldes), die Dipole je nach der räumlichen Situation mit sich bringen, werden bei Yamaha im DSP-Prozessor bereits erzeugt. Ob man mit diesem Klangbild zufrieden ist, bleibt letztendlich auch eine Frage des persönlichen Geschmacks - genau wie andere Grundvorstellungen auch. Wer eher ein schlankes und analytisches Klangbild, das auch das letzte Detail nicht verschweigt, bevorzugt, sollte sich andere Boxensysteme anhören. Wer allerdings keinen Hörraum hat, der deutlich größer als 30 Quadratmeter ist und zudem Wert legt auf ein hohes Maß an klanglicher Harmonie, der kann zu den niemals aggressiv antretenden Yamaha-Lautsprechern greifen. Nur zu groß sollte der Hörraum nicht sein, denn in Anbetracht des Kaufpreises ist bei den Boxen ab einem bestimmten Lautstärkepegel Feierabend.

 

Fazit

Zu einem fairen Kaufpreis bietet das Yamaha-System eine gediegene Verarbeitung und vor allem im Filmbetrieb überzeugende klangliche Darbietungen. In Kombination mit den Subwoofern kommt so richtiges Kinofeeling auf, das in mittelgroßen Hörräumen für ein intensives Hörerlebnis sorgt. Wer Wert legt auf ein ins Warme tendierendes Klangbild, wird auch im Musikbetrieb seine Freude an den Boxen haben. Insgesamt bleibt als Fazit, dass es Yamaha auf jeden Fall geschafft hat, den Kritikern zu beweisen, dass man durchaus in der Lage ist, Boxen zu bauen, die keinen Vergleich mit renommierten Produkten zu scheuen brauchen.

 

 

Preis Komplettsystem:

2 x NS-150 als Frontlautsprecher 950 DM
2 x NS-C200 als Front- und als Back Surround-Center  598 DM
4 x NS-90 als Surroundlautsprecher und Fronteffektbox  996 DM
1 x YST-SW320 999 DM
1 x YST-SW800 1549 DM

Gesamtpreis 5092 DM

Test: Carsten Rampacher
Test-Verstärker:Yamaha DSP-AX1
DVD-Player: Kenwood DVF-R9030


06.02.2001

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