Test: Die Playstation 2
als DVD-Player und Spielekonsole

Einleitung
Bereits lange vor Veröffentlichung der Playstation 2 in
Europa konnte man sich dem Hype kaum entziehen, der mit den
Geschichten vom Erstverkaufstag in Japan vor rund einem halben Jahr
und dramatischen Schilderungen von müden Teenagern, die vor
Geschäften die ganze Nacht ausgeharrt hatten, um am ersten Tag eine Playstation 2 zu
erhalten, von Asien aus seinen Lauf nahm. Im Vergleich dazu gestaltete
sich der Verkauf in Deutschland weitaus ruhiger. Die Euphorie wurde durch den hohen Preis von 869 DM
ein wenig gebremst, der trotz ungünstigem Euro-Kurs sogar noch rund 200 DM über dem US-Verkaufspreis von 299
Dollar liegt. Damit ist die Playstation 2 als erste Spielekonsole, die
zusätzlich auch noch eine Abspielfunktion für DVDs mitbringt, nicht
automatisch ein Schnäppchen, denn für diesen Preis bekommt man
bereits ohne Probleme auch Sega´s Dreamcast und einen einzelnen
DVD-Player aus der Preisklasse um die 500 DM. Daher soll dieser Test
klären, ob die Playstation 2 trotz des recht
hohen Preises eine sinnvolle Anschaffung ist.
Technische Features
Neben den Playstation 2-Spielen, die die
technischen Möglichkeiten der neuen Konsole mit ihren
enormen Grafikqualitäten ausnutzen, lassen sich auch
die alten Playstation-Spiele auf der PS2 abspielen - freilich nur
in der altbekannten und inzwischen nicht mehr zeitgemäßen Qualität.
Durch eine optional zuschaltbare Grafikglättung wird die
Bildqualität zumindest ein wenig aufgepeppt. Auch das alte Zubehör
wie Kabel und Controller können weiterhin verwendet werden. Eine
Ausnahme bilden lediglich die Memory-Cards, die nur für alte
Playstation-Spiele nutzbar sind. Playstation 2-Spiele können nur auf
der neuen, 8 MB Speicher fassenden, Memory-Card abgespeichert werden.
Für Multiplayer-Games ist außerdem ein neuer Adapter namens "Multitap
2" erforderlich, der insgesamt vier Controller-Pads Anschluss
bietet. Der neue "Dualschock 2"-Controller wurde um analoge
Buttons ergänzt, die jetzt z.B. bei Autorennen eine präzisere Steuerung der
Beschleunigung ermöglichen, abhängig davon, ob schwach oder fest auf
die Knöpfe gedrückt wird. Erforderlich ist, dass die Spiele diese
Funktion auch unterstützen. Sie lässt sich, wenn nicht erwünscht,
aber auch abschalten. Der Sony-Controller ist zwar keine Schönheit,
ermöglicht aber durch seine kompakte Bauweise ein einfaches Handling
der Spiele. Negativ fällt allerdings das mit zwei Metern Länge recht
kurze Kabel auf. Wer ohnehin noch ein zweites Pad benötigt, sollte am
besten zu den Angeboten von speziellen Zubehörfirmen greifen, deren
Kabel oft länger sind.
Highlight der Playstation 2 ist zweifelsohne der
integrierte DVD-Player, für den im Gegensatz zur japanischen
Playstation 2 nicht noch ein Software-Treiber auf die Memory-Card
installiert werden muss. Wie bei jedem DVD-Player zwingend
vorgeschrieben, ist auch die Playstation 2 ab Werk mit dem Ländercode 2
versehen. US-DVDs mit Regionalcode 1 laufen also nicht. Entgegen der
Informationen aus der Bedienungsanleitung können aber durchaus DVDs mit den
NTSC-typischen 525 Zeilen und 60 Hz abgespielt
werden, z.B. japanische Code 2-DVDs oder solche, die für alle
Ländercodes freigegeben sind. Die Bildausgabe erfolgt hierbei in
NTSC. Ein PAL 60-Modus steht nicht zur Auswahl. Das Laufwerk der Playstation 2 liest neben
DVDs auch Musik-CDs und CD-Rs und hat damit sogar der aktuellen
Sony DVD-Player-Serie DVP-S 335, 535 und 735 etwas voraus. Die zum
Start verfügbaren Playstation 2-Spiele werden noch nicht auf DVDs,
sondern auf CDs ausgeliefert und übrigens im von DVDs bekannten
Amaray-Case verpackt, welches eine zusätzliche Mulde für eine
Memory-Card aufweist.
Die Bildausgabe der Playstation 2 erfolgt wahlweise in
Composite-Video, S-Video, RGB oder als YUV-Komponenten-Signal. Wie genau
das Bild nun auf dem Fernseher erscheint, hängt davon ab, welches
Adapter-Kabel verwendet wird, das Bild und Ton von dem schmalen Multi AV-Anschluss der Playstation 2 auf das gewollte Videoformat und seinen
spezifischen Steckern umleitet. Großer Haken hierbei: Die
RGB-Wiedergabe von DVDs ist selbst mit RGB-Kabel nicht möglich, da
trotz Selektion zwischen von RGB in der Systemkonfiguration bei
DVDs immer YUV am Videoausgang der Playstation 2 anliegt. Das Bild hat
dann bei Anschluss via SCART einen deutlichen Grünstich. Die
RGB-Wiedergabe ist nur bei Spielen möglich.
Eine andere Möglichkeit hat sich zwischenzeitlich
ergeben, indem auf der Platine der Playstation 2 zwei Lötstellen
miteinander verbunden werden. Dann gibt die Playstation 2 auch bei
DVDs RGB anstelle von YUV aus. Eine Beschreibung dieser Modifikation
findet man unter anderem auf www.gamefreax.de.
Obwohl diese Modifikation recht simpel ist, weil nicht zusätzliche
"Mod-Chips" oder Ahnliches eingebaut werden müssen, sollten
nur geübte Techniker sich hier mit dem Lötkolben versuchen. Die
Garantie geht bei dieser Modifikation verloren. Von daher sollte man
vor dem Eingriff wirklich überlegen, ob man persönlich wirklich RGB
braucht, denn bereits mit S-Video bekommt man ein sehr gutes Bild, das
je nach Fernseh-Typ durch RGB nicht auf jeden Fall besser sein muß.
Der Ton hingegen kann so
wiedergegeben werden, wie er vom Soundchip produziert wird, nämlich
digital: Neben Stereo via Cinch lässt sich die Playstation 2
via Lichtleiterkabel auch direkt mit einem Digital-Verstärker
verbinden. Bei Spielen bekommt man bislang aber nur PCM-Ton zu hören.
Ob auch Spiele eines Tages mit Dolby Digital 5.1-Mehrkanalton kommen
werden, lässt sich derzeit noch nicht sagen.
Lieferumfang
Im blauen Karton der Playstation 2 findet man neben der
Spielekonsole selbst noch folgendes Zubehör:
1 Dualschock
2-Controller
AV-Kabel mit Cinch-Leitung für Video
(Composite) und Stereo
SCART-Adapter für AV-Kabel
Demo-CD mit Videos und spielbaren
Demos
Wichtiges Zubehör
Prinzipiell ist die Playstation 2 damit bereits
startklar, doch unbedingt sollte noch folgendes Zubehör verwendet
werden, da sonst die Playstation 2 nur wenig Freude bereiten wird:
8 MB-Memory-Card (ca.
80 DM)
RGB-Scart-Adapter (nur für Spiele,
ab 15 DM)
S-Video-Adapter (für Spiele und DVD,
ab 15 DM)
noch besser: S-Video-Adapter via
SCART, damit die automatische Selektion des AV-Eingangs und die
16:9-Umschaltung immer funktioniert, nach unserem Kenntnisstand
allerdings noch nicht erhältlich, als Notlösung ein Adapterstecker für
Hosiden auf SCART (ab ca. 15 DM)
TOSLINK-Lichtleiterkabel für
Mehrkanalton von DVD (ab ca. 20 DM)
.....sowie natürlich ein Spiel, ca. 100-120 DM
Optionales Zubehör
Für weiteres Zubehör sind natürlich keine Grenzen
gesetzt. Features wie Internetzugang oder eine Festplatte stehen erst
für die Zukunft auf dem Plan, lassen sich aber später über den
freien Slot auf der Rückseite in die Konsole integrieren. Bereits
jetzt gibt es natürlich das typische Konsolenzubehör, darunter auch Unsinniges wie eine Stütze für die Konsole im
PS2-Design, die allerdings mit der Ausnahme, das Sony rund 20 DM daran
verdient, keinen praktischen Nutzen hat. Bis auf wenige Ausnahmen ist
ohnehin das offizielle Zubehör von Sony in vielen Fällen teurer als
das von Drittanbietern, die oftmals auch noch weitere Funktionen in
ihre Produkte einbauen. Sehr sinnvoll ist vor allem eine Fernbedienung zur Steuerung des
DVD-Players, die
allerdings bislang auch nur von Fremdanbietern wie z.B. Saitek für rund 50
DM angeboten wird. Auf diese Fernbedienung gehen wir auch im DVD-Test
noch näher ein. Im Gegensatz zu vielen anderen Anbietern von Zubehör
setzt Saitek auf dezente Farben und ein eher elegantes und
professionell wirkendes Design, welches bei der Playstation 2 auch
optisch genau zu der Konsole passt. Gut gefallen hat uns von Saitek
auch das dazugehörige rund 129 DM teure Playstation 2-Lenkrad für
Racing-Spiele wie "Ridge Racer V", welches recht ergonomisch
in der Hand liegt und so solide verarbeitet ist, dass es auch kleinere
Wutanfälle abkann, ohne Schaden zu nehmen. Möglich sind auch dezente
Force Feedback-Effekte, sofern die Software dies unterstützt. Für
rund 60 DM gibt´s vom gleichen Hersteller ein Controller Pad, welches
zum gleichen Preis des offiziellen Sony-Controllers ein weitaus
längeres Kabel hat, was schon einmal den Kauf einer Verlängerung
erspart. Außerdem gibt´s für Ballerspiele zusätzlich eine
Dauerfeuer-Funktion und ein Drehrad mit Schubregler, welches bei
Rennspielen zum Gasgeben gut geeignet ist.
Design und Verarbeitung
Der Playstation 2 sieht man eigentlich gar nicht an, dass sie eine Spielekonsole sein
soll. Mit ihrem sehr technisch-eleganten, kantigen und asymmetrischen Design wirkt die
Konsole eher wie ein Mini-Webserver oder PC. Von der Größe passt sie problemlos in einen
Schuhkarton. Das Design macht bereits deutlich, dass Sony mit der Playstation 2 über die
Zielgruppe der Teenies und Dauer-Daddler hinaus auch noch eine größere Klientel
erreichen will. Nicht nur das Design ist ein Fortschritt gegenüber der billig wirkenden
Playstation mit dem "Ich war einmal ein Joghurtbecher" - Look and
Feel. Durch das elegante
Design buhlt die Playstation 2 auch um Akzeptanz in Haushalten, in
denen nach Willen des Bewohners oder seines Lebensabschnittsbegleiters normalerweise technisches Equipment möglichst verschwinden
soll. Auch
die Verarbeitung wirkt zumindest von außen deutlich besser: Der verwendete Kunststoff ist
solide und sorgt für einen hochwertigen Eindruck. Neu ist auch die Schubladen-Technik zum
Laden der Spiele und DVDs. Die Schublade ist allerdings ein wenig
labberig, aber dafür wenigstens recht flink.
Damit die Playstation 2 auch hochkant aufgestellt werden kann, besitzt
die Schublade eine Haltevorrichtung, die verhindert, dass die CD aus
der Lade herausfällt. Allerdings ist bei einigen Spielen die
senkrechte Aufstellung mit beträchtlichen Geräuschentwicklungen
während der Ladeintervalle verbunden, weswegen die waagerechte
Aufstellung, vorzuziehen ist, sofern der Platz dies erlaubt.
Der Ein/Aus-Schalter, der die
Konsole vom Netz trennt, ist auf der Rückseite der
Konsole platziert, was verhindert, dass man diese bequem in einem Regal verschwinden
lassen kann, wenn diese nicht im Standby-Betrieb Strom verbrauchen soll.
An der Gehäusefront befindet sich lediglich ein beleuchteter
Tastschalter, der durch kurzes Drücken einen Reset verursacht und
durch längeres Drücken die Konsole in den Standby-Betrieb
versetzt.
Einstellmöglichkeiten
Nach
dem Einschalten meldet sich die Playstation 2 mit dem abgebildeten Startmenü mit einer
kleinen Animation. Über die "Systemkonfiguration" lassen
sich Basis-Einstellungen wie Bildformat, Sprache, Uhrzeit und die Konfiguration des Videoausgangs
erledigen.
Für Besitzer von Videoprojektoren nicht uninteressant ist die
Möglichkeit der Bildausgabe als YUV-Komponentensignal, welches in den
USA und Japan anstelle von RGB verwendet wird. Die Playstation 2 ist
damit derzeit einer der günstigsten DVD-Player, die diese Art der
Bildwiedergabe ermöglichen. Um so peinlicher ist es allerdings, dass selbst bei selektiertem
RGB-Output DVDs nur mit Komponentensignal abgespielt werden können,
wovon aufgrund der geringen Verbreitung eigentlich nur
Projektoren-Besitzer Nutzen ziehen können. RGB hingegen ist inzwischen selbst bei Billig-Fernsehern
Standard. Als Alternative steht somit für die beste Bildqualität nur
S-Video zur Verfügung. Zwischen RGB und S-Video sind zwar meistens
nur Unterschiede in kaum relevanten Nuancen festzustellen, das Problem
liegt allerdings vielmehr auf einer praktischen Seite: Durch den
RGB-Verzicht können Besitzer von preiswerten Fernsehern, die
üblicherweise nur eine SCART-Buchse haben, welche mit RGB und nicht
S-Video beschaltet ist, DVDs nur in eingeschränkter Qualität über
Composite Video sehen. Da bei Verwendung eines SCART-RGB-Kabels am
RGB-Eingang jedoch durchaus ein Signal vorliegt (in VUV), schaltet der
Fernseher intern von Composite auf RGB, wo dann aber nur ein
grünstichiges Bild zu sehen ist. Verwendet man, um dies zu
verhindern, hingegen das mitgelieferte AV-Kabel, so können nicht
einmal Spiele in RGB betrachtet werden, obwohl dies von der
Playstation 2 unterstützt wird. Und ständig zwischen beiden Kabeln
zu wechseln, kann man eigentlich niemandem zumuten.
Mit einem Komfortverlust ist selbst bei
Nutzung des S-Video-Signals zu rechnen, denn im Gegensatz zum
RGB-Adapter verwenden praktisch alle S-Video-Adapter für die
Playstation 2 nicht SCART, sondern den Hosiden-Anschluss, was
bedeutet, dass nicht automatisch beim Einschalten der Konsole auf den
richtigen AV-Eingang umgeschaltet wird und auch die 16:9-Umschaltung
bei Spielen nicht automatisch erfolgt.
Der DVD-Player

Wird eine Video-DVD in die
Playstation 2 eingelegt, so startet die Konsole automatisch den
eingebauten DVD-Player - zumindest im Idealfall. In der Praxis passiert
es allerdings auch sehr oft, dass zunächst ein Browser-Menü auftaucht
und die DVD-Wiedergabe nochmals bestätigt werden muss. Die Ladezeiten
liegen über denen, die man von einem normalen DVD-Player gewohnt ist.
Es dauert im Schnitt rund 10 Sekunden, bis das erste Bild einer DVD auf
dem Bildschirm auftaucht.
Der
DVD-Player besitzt zusätzlich noch einmal ein eigenes Setup, welches im Umfang mit dem
eines normalen DVD-Players vergleichbar ist. Dieses bietet im Grunde genommen die
wichtigsten Features, die auch die Standalone DVD-Player von Sony haben. Neben Standards
wie die Wahl der Bildformate oder Tonausgabe gibt es sogar noch eine digitale
Video-Rauschunterdrückung und eine Schärfekorrektur. Sehr praktisch
ist auch die Möglichkeit, dass der Player automatisch die erste
Tonspur mit Mehrkanalton auswählt, was bei einigen DVDs, die auf der
ersten Tonspur lediglich Dolby Surround bieten, sehr sinnvoll ist.
Unterstützt werden die gängigen Tonformate Dolby Digital, DTS und
das inzwischen ausgestorbene MPEG2 Multichannel und auch Audio-DVDs mit 24
Bit und 96 KHz Samplingrate. Weil die Playstation 2 aber
zunächst in der Werkseinstellung nur PCM-Ton ausgibt, muss man für die Wiedergabe von Dolby Digital oder DTS
schon ins Setup gehen.

Großer Haken der Playstation 2 im Vergleich zu einem
normalen DVD-Player: Die Konsole besitzt kein Display am Gerät,
welches Informationen wie Laufzeit, Kapitel oder Tonformat anzeigt.
Die gesamte Benutzerführung erfolgt über ein halbtransparentes On
Screen Display, welches wahlweise an zwei verschiedenen Positionen des
Bildschirms angezeigt werden kann. Obwohl es dabei im mittleren
Bereich des Bildes angebracht ist, stört es nicht. Allerdings sind
die verwendeten Icons und Ziffern etwas zu klein geraten, so dass man
bei einigen Icons schon raten muss, welche Funktion sich dahinter
verbirgt. Aber auch am Bildschirm ist keine Anzeige von Laufzeit oder dem
verwendeten Tonformat möglich. Informationen werden auf Wunsch lediglich zum laufenden Kapitel oder
der gewählten Sprache herausgegeben.
Bedienen lässt sich die Playstation 2
zunächst über den Dual Shock 2-Controller. Dies ist allerdings etwas
gewöhnungsbedürftig. Obwohl man sich aber schnell an die Zuweisung
der Funktion der verschiedenen Tasten gewöhnt, sollte jeder, der die
Playstation 2 auch häufig als DVD-Player verwenden will, lieber
sofort zu einer speziellen Fernbedienung greifen, die von einigen
Fremdanbietern direkt zum PS2-Start angeboten wird.
Zum Test verwendet haben wir die
rund 50 DM teure Fernbedienung von Saitek. Die Infrarot-Fernbedienung
ist sehr schmal und bietet alle Funktionen auf Knopfdruck, die der
Controller unterstützt. Die
Fernbedienung liegt gut in der Hand. Die Auswahl der Befehle erfolgt
über kleine, aber griffige Tasten. Für die Steuerung durch
DVD-Menüs gibt es in der Mitte ein kreisrundes Navigationskreuz.
Leider wurde in dieses der Select-Button nicht integriert, der sich
etwas außerhalb des Kreises befindet. Die Benutzer-Ergonomie ist
trotzdem gut und auch weitaus besser als die einiger Fernbedienungen
von Standalone-Playern. Die Infrarot-Befehle werden über einen
Empfänger angenommen, der an den ersten Controller-Port der
Playstation 2 gesteckt werden muss. Aufgrund des Designs verdeckt die
Sende/Empfangseinheit, wenn Sie an den zweiten Port gesteckt wird, den
ersten Port, so dass an diesen kein Controller mehr angeschlossen
werden kann. Damit der Port, an den die kleine Empfangseinheit
gesteckt wird, auch weiter zu nutzen ist, besitzt diese selbst noch
eine eigene Anschlussbuchse, die den Parallelbetrieb von Fernbedienung
und Dual Schock 2-Controller erlaubt. Im Test zeigte sich der
Infrarotempfänger allerdings auch für die Infrarotsignale anderer
Geräte empfänglich, was mitunter durch kurzzeitiges Vorspulen der
DVD quittiert wurde.
Im praktischen Betrieb fällt das
Laufwerk der Playstation 2 unangenehm auf: Während DVD-Player mit Computerlaufwerken mit schnellen
Zugriffszeiten und einem butterweichen Layer-Wechsel glänzen, lahmt
das Playstation 2-Laufwerk irgendwie vor sich hin, bis es z.B. auf den
Befehl zum Wechsel eines Kapitels reagiert. Keine Offenbarung ist
auch der Layer-Wechsel: Die Playstation 2 benötigt hierfür
annähernd zwei Sekunden, was bedeutet, dass der Wechsel praktisch nie
zu übersehen ist. Im normalen DVD-Betrieb fällt die
Playstation 2 wenigstens nicht durch ein unangenehmes
Laufwerksgeräusch auf. Dafür stört allerdings gerade bei Filmen mit
viel Dialog das laute Lüftergeräusch des eingebauten Ventilators,
der die Konsole vor Überhitzung schützen soll. Bei Action-Filmen und
Spielen mit vielen Effekten fällt dies zum Glück weniger auf.
Der Bildtest
Bereits beim Test der japanischen Playstation 2 vor rund
einem halben Jahr waren wir von der außerordentlichen Bildqualität
bei der Wiedergabe von DVDs beeindruckt. Jetzt musste sich
zeigen, ob auch die geringfügig veränderte PAL-Playstation 2 die
gleiche Leistung bietet. Doch zunächst waren einige Schwierigkeiten
zu bewältigen: Denn damit, dass die Playstation 2 überraschend kein
RGB bei der DVD-Wiedergabe unterstützt, hatten wir nicht gerechnet.
Offensichtlich auch nicht die Händler, denn vor Ort waren zwar
RGB-Kabel, aber keine S-Video-Kabel zu erhalten. Mit ein wenig Glück
und Unterstützung der Firma Denon erhielten wir dann über Nacht eines
der ersten Exemplare des speziellen S-Video-Kabels für die
Playstation 2 vom amerikanischen Kabel-Spezialisten Monster Cable,
die in Deutschland über Denon vertrieben werden, welches mit einem großzügig bemessenen Kabel-Durchschnitt, einer
hochwertigen Verarbeitung und vergoldeten Steckern für Hosiden sowie
die beiden Stereo-Kanäle aufwarten kann. Beim Direktvergleich
zwischen dem Monster S-Video-Kabel und einem Standard RGB-Kabel für
die Playstation 2 lag das Monster-Kabel bereits bei Spielegrafiken eindeutig vorn, weil es
weitaus mehr Detail und Schärfe zeigt, als das RGB-Kabel, welches
beim genauen Hinsehen auch leichte Schatten warf, die auf eine
unzureichende Isolierung vor Störeinflüssen hindeuten.

Das Ergebnis des anschliessenden DVD-Tests lag schnell fest:
Die Playstation 2
brilliert mit einem DVD-Bild, welches kaum ein DVD-Player in dieser
Preisklasse liefert. Mit ihrer hervorragenden Schärfe und Detailauflösung
ist die Playstation 2 sogar noch vielen teureren DVD-Playern überlegen.
Auch die Farbwiedergabe ist sehr gut. Bilder von "Toy Story 2" oder
die Testsequenzen der
Burosch "Referenz-DVD" werden ohne Verfälschungen und mit viel Detail
wiedergegeben. Aber auch Spielfilme wie "Star Trek - Treffen der
Generationen" oder "Magnolia" glänzen mit tiefem
Kontrast und harmonischer Detailwiedergabe. Der Gesamteindruck ist beachtlich: Die Bilder werden so
scharf und plastisch dargestellt, wie man es auf nur wenigen Playern erlebt. Dabei taucht
natürlich auch wieder ein altbekanntes Problem auf: Durch die enorme Detailauflösung
kennt die Playstation 2 auch keine Gnade vor Rauschen in der Kompression oder einer
unsauberen Filmvorlage. Auf erstklassigen DVDs bietet die Playstation 2 aber auch ein
erstklassiges Bild, welchem wir ohne Zögern die Note "Sehr Gut" vergeben.
Doch ein kleiner Seitenhieb muss am Rande auch sein: Bei der Entwicklung ihrer
eigenen DVD-Player sollten die Techniker von Sony vielleicht
zukünftig einmal bei ihren Kollegen von Sony Computer Entertainment
vorbeischauen, denn die Playstation 2 überholt mit ihrer
Bildqualität ohne Probleme die
aktuellen Sony-Modelle aus der x35-Serie, von denen selbst das
Spitzenmodell DVP-S 735 unangenehm durch sein leicht unscharfes Bild auffällt.
Spiele-Check

Fast hätten wir vergessen, dass
man schließlich mit der Playstation 2 auch spielen kann. Die Auswahl
der verfügbaren Spiele zum Launch-Day ist allerdings etwas
enttäuschend: Es fehlen wirklich innovative Spielideen, die echte
"Must Have"-Qualitäten haben. Ein Problem, welches im
letzten Jahr bei Sega´s Start der Dreamcast auch auftauchte. Die
beiden Zugpferde sind zum einen "Tekken Tag Tournament", das
allerdings nur bei Freunden von Prügelspielen, die sich gerne auf dem
Pad die Finger wundkloppen, Anklang finden dürfte, und das Rennspiel
"Ridge Racer V". Letzteres enttäuscht durch seine Grafik,
die zwar viel Detail zeigt, aber durch Verlust auf Anti-Aliasing deutliche Treppenmuster aufweist. Zudem ist die
PAL-Anpassung recht lieblos: Dicke schwarze Balken oben und unten
beschränken den sichtbaren Bildbereich. Trotz fehlendem 60 Hz-Modus
sind die Animationen aber recht schnell und ruckelfrei. "Ridge
Racer V" überzeugt ungeachtet der nicht optimalen
technischen Qualität durch die gute Spielbarkeit: Durch die meisten
Kurven fährt man, indem kurzzeitig vom Gas gegangen wird, wodurch die
Wagen dann sanft um die Ecke schleudern. Nach kurzer Einübung gelingt
dies sehr gut und dank guter Steuerbarkeit der Wagen und interessanter
Strecken auf breiten Fahrbahnen sorgt das Spiel für lang anhaltende
Motivation.

Witzig und sehr einfach zu spielen ist auch die
Snowboard-Simulation "SSX". Dieses Spiel bietet auch schon
eine sehr gute Grafik mit viel Detail und flüssigen Animationen. Dank
Kantenglättung treten hier auch nicht die häßlichen Treppenmuster
von "Ridge Racer V" auf. Im Direktvergleich mit ähnlichen
Spielen für Segas Dreamcast bietet die Playstation 2 hier einen
hauchdünnen Vorteil, weil die Landschaften noch etwas plastischer
wirken. Auch die Fussballsimulation "FIFA 2001" bietet
bereits einen ähnlichen Wow-Effekt. Ob die Playstation 2 aber wirklich deutlich besser ist, wird
sich erst zeigen, wenn die Spieleprogrammierer sich die Feinheiten und
Kniffe der Programmierung für die neue Konsole verinnerlicht haben.
Nach dem was wir bislang gesehen haben, bietet die Playstation 2 nicht
unbedingt sichtbar viel mehr, als die Dreamcast auch leistet, die
bereits ein Jahr auf dem Markt ist. Die Bilder wirken durchaus etwas
plastischer, aber nicht unbedingt so revolutionär, wie man es
angesichts des Hypes umbedingt erwartet hätte. Angeblich, so heißt es in einigen Spielemagazinen, würden die
Grafik-Qualitäten der Playstation 2 von den bisher erhältlichen
Spielen nur zu rund 20 Prozent ausgenutzt. Ob die Playstation 2 aber
wirklich die "bessere" Konsole ist, wird sich sicherlich
auch daran entscheiden, ob Sony oder Sega mit den interessanteren
Titeln aufwarten kann. Segas Dreamcast hat den Vorteil, dass
es bereits seit rund einem Jahr eine große Auswahl an interessanten
Titeln gibt, darunter tolle Spiele wie "Crazy Taxi" oder
"Virtua Tennis" oder das neue "Metropolis Street Racing".
Wer auf´s Geld achtet, der wird ohnehin bei der Dreamcast besser
bedient: Denn während die Playstation 2-Spiele im Schnitt 110-120 DM
kosten, bekommt man die meisten Dreamcast-Spiele bereits für 90-100
DM. Und die Dreamcast ermöglicht bereits heute Online-Spiele via
Internet, während der für die Playstation 2 geplante Internet-Zugang
via Breitband-Dienste bislang lediglich in grober Planung ist.
Fazit
Dieser Test begann und endete mit
einem zwiespältigem Eindruck. Zunächst weckte der hohe Preis der
Playstation 2 einige Vorbehalte, was sich dann auf dem zweiten Blick relativierte: Denn zum Preis von 869 DM bekommt man bislang
kaum einen DVD-Player, der ein gleich gutes Bild liefert und auch noch
YUV ausgeben kann. Wer sich da lieber zum gleichen Preis eine
Dreamcast und einen Yamakawa-Player kauft, der zieht eindeutig den
kürzeren - und bestimmt nicht wegen der Dreamcast. Auch die
DVD-Player von Sony aus dieser Preisregion bieten nicht annähernd die
Bildqualität der Playstation 2. Doch wenn man die Playstation 2 als
DVD-Player nutzen will, muss man auf so einiges an Komfort und
Ausstattung verzichten, den man von Standalone DVD-Playern kennt. Dies
beginnt mit dem unverständlichen Verzicht auf die RGB-Bildausgabe und
der fehlenden Laufzeitanzeige am Gerät oder dem etwas zu klein
geratenen On Screen-Display. Obendrein hinterlässt das Laufwerk einen
schlechten Eindruck, weil es zu langsam ist und beim Layer-Wechsel
außerordentlich lange Pausen einlegt. Auch sollte man sich darum
bemühen, die Playstation 2 irgendwo gut zu verstecken, wo der Lärm
des eingebauten Lüfters nicht zu hören ist, der bei Spielfilmen
schon deutlich stören kann. Ungewiss ist außerdem noch, ob es
jemandem gelingen wird, einen Codefree-Umbau für die Playstation 2
anzubieten. Wer noch keinen DVD-Player hat und auch in den USA DVDs
bestellen will, ist daher momentan mit der Playstation 2 noch schlecht
beraten.
Obwohl die Playstation 2 wirklich
nicht billig ist, ist sie ihr Geld trotz der genannten Mängel wert,
denn schließlich bekommt man eine Spielkonsole auf dem neuesten
Stand der Technik mit hervorragender Bildqualität bei der Wiedergabe
von DVDs. Die letzten Zweifel könnte Sony allerdings erst dann
beseitigen, wenn es ein Update der DVD-Player-Firmware mit besserer
Benutzerführung und RGB-Output sowie ein schnelleres DVD-Laufwerk geben würde.
Pro & Contra
 |
Exzellente Bildqualität bei DVD-Wiedergabe |
 |
YUV-Bildausgabe (Komponentensignal) |
 |
CD-R-Wiedergabe |
 |
Automatische Auswahl von 5.1-Tracks (optional) |
 |
Sehr gute Spielegrafik bei entsprechender
Software |
 |
Keine RGB-Bildausgabe bei DVDs |
 |
Keine Zeitanzeige am Gerät oder On
Screen-Display |
 |
Schlechtes Laufwerk mit langen Zugriffszeiten
und Layer-Wechsel |
 |
DVDs werden nicht immer sofort nach Einlegen
gestartet |
 |
Lange Ladedauer bei DVD-Videos |
 |
Bei Dialogszenen in Filmen störendes
Lüftergeräusch |
Test: Karsten Serck
27.11.2000
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