|
Test: AV-Verstärker Pioneer
VSA-E08

Wir danken Karsten
Becker (www.dvdplayer.de) für die Bereitstellung von Testräumen und Equipment
Finish, Features und Anschlüsse
Der VSA-E08 repräsentiert im aktuellen
Pioneer-Sortiment
die Spitze des Receiver- und Vollverstärkerprogramms. Für 5000 DM
bekommt der Käufer im Vergleich zum 1500 DM günstigeren
Receiver-Spitzenmodell VSX-909RDS
zunächst einmal noch mehr Watt: An 6 Ohm (Klirr 1 %, gemessen bei 1
kHz, Leistung pro Kanal) liegen 130 Watt an. Ebenso liegt dem
Top-Verstärker eine aufwendige Tocuh-Screen-LCD-Fernbedienung bei,
die sich schon allein durch ihre Größe hervortut. Im Inneren sorgen
noch sorgfältiger selektierte Bauteile für ein noch besseres
klangliches Feintuning. Ansonsten ähnelt sich die Ausstattung: Wie
auch der VSX-909RDS besitzt
der VSA-E08 ein
THX-Ultra-Zertifikat und die Möglichkeit, THX Surround EX zu
decodieren. Wer die THX Surround EX-Funktion allerdings in der Praxis nutzen möchte,
muss für die zwei zusätzlichen Lautsprecher
im Back Surround-Bereich (über die das identische Signal des via Matrix
erzeugten Back Surround-Kanals wiedergegeben wird), noch eine passende
Zweikanal-Endstufe dazukaufen. Pioneer bietet zwei Alternativen an:

Für THX Surround EX
erforderlich: Zusatzendstufe M-10X für 699 DM
Entweder die in gold für 699 DM
erhältliche Zusatzendstufe M-10X (2 x 120 W an 4 Ohm, 2 x 75 W an 8 Ohm) oder der
schwarze Zusatzverstärker A-509R (2 x 90 W an 4 Ohm, 2 x 60 W an 8 Ohm, inklusive
Fernbedienung) für 599 DM. Keine der beiden Lösungen ist übrigens
THX-zertifiziert, was aber nur den besonders peniblen Heimkino-Freund
ernsthaft stören dürfte. Was uns hingegen etwas stört, ist die
Tatsache, dass man für den immensen Kaufpreis die Endstufen auch
eigentlich mit ins Gerät hätte integrieren können. Hier wurde am
falschen Ende gespart, denn eine solche Ausstattung mit Lücken passt
nicht zum sonstigen Habitus des VSA-E08.
Ansonsten kann der
Verstärker auch DTS ES Compatible 6.1 decodieren. Er verfügt noch nicht über die
weiterentwickelte Matrix für DTS ES Matrix 6.1 und auch nicht über die Möglichkeit, DTS
ES Discrete 6.1 wiederzugeben. Ansonsten beherrscht der VSA-E08 viele
Formen der Wiedergabe, denn neben Home
THX-Programmen bietet Pioneer auch spezielle DSP- und Advanced
Theater-Soundprogramme an. Die Bestückung ist identisch mit der des VSX-909RDS.
In der nun folgenden Tabelle sind die einzelnen Möglichkeiten
aufgeführt:
| Home THX: |
| THX Cinema: Wiedergabe von THX-Klang ohne Einbeziehung der Back
Surround-Kanäle |
| THX Surround EX: Wiedergabe von THX-Klang unter Einbeziehung
der zwei Back Surround-Lautsprecher |
| ADVANCED THEATER-Betriebsarten
(Advanced Theater soll die Klangwiedergabe bei Filmsoundtracks und anderen AV-Quellen
verbessern. Dolby Digital und DTS sind in die Klangbearbeitung mit einbezogen. Alle vier
unten aufgezählten Advanced Theater-Programme arbeiten zusammen mit dem integrierten DSP) |
| Musical: Soll Musik ein größeres Maß an Räumlichkeit
verleihen. Die Verzögerungszeit des Schalls ist groß bemessen, was zu einer Akustik
ähnlich der in einem Konzertsaal mit resonantem Klang führt |
| Drama: Für dialogreiche Spielfilme, die Dialoganteile werden
hervorgehoben, was zu einem realistischeren Klangbild der Stimmen beitragen soll. Die
dynamische Reichweite des Klangs wird etwas komprimiert, um sicherzustellen, dass die
lauten Klanganteile die leiseren nicht überdecken |
| Action: Für Filme mit hohem Anteil an Special Effects. Laute
und leise Parameter werden exakter wiedergegeben |
| 5/7-D Theater: Besonders geeignet, um Stereo-Signalquellen mehr
Klangtiefe zu verleihen. Resultat bei aktiviertem Programm soll ein dynamischer und
breiter Klangraum sein. Zweikanalsignale sollen somit klanglich in die Nähe eines
5-Lautsprecher-Systems gehoben werden |
| Normale DSP-Betriebsarten: |
| Hall 1: Simulation der akustischen Effekte eines großen
Konzertsaals mit besonderer Eignung für klassische Musik. Lange Verzögerungszeit des
reflektierten Klangs wird mit Nachhalleffekten kombiniert und soll so eine
Klangcharakteristik wie in einem Konzertsaal mit einer kraftvollen
Orchesteraufführung erzeugen |
| Hall 2: Simulation eines äußerst resonanzreichen Konzertsaals |
| Jazz: Simulation eines Jazzclubs. Geringe Reflexionsschall-Zeit
erhöht den Live-Band-Effekt |
| Dance: Reflexionsschallzeit nochmals kürzer, Bässe stark
betont |
| Theater 1/Theater 2: Kinosaal-Akustik-Simulationen. Von der
Auslegung her ähnlich |
| 5/7 Channel Stereo: Stereosimulation unter Nutzung aller
angeschlossenen Lautsprecher |
Was uns gut gefallen hat: Wie auch beim VSX-909RDS
kann für jede einzelne Lautsprechergruppe die Bass- und die
Höhenreglung getrennt eingestellt werden. An Anschlüssen herrscht zwar
kein echter Mangel, die Bestückung ist aber nicht übertrieben reichhaltig. Einige Konkurrenten
bieten in dieser Preisregion deutlich mehr Auswahl. Das gesamte
Anschlussterminal auf der Geräterückseite ist mit dem des VSX-909RDS
identisch, nur sind beim VSA-E08 die kompletten Anschlüsse
vergoldet. An Ausgängen und Eingängen sind vorhanden: Zwei optische
Digitalausgänge, zwei koaxiale
und drei optische Eingänge, alle sind frei zuweisbar. Für den Anschluss externer Decoder
steht ein 7.1-Cinch-In zur Verfügung. Fünf Paar Audio-Zweikanaleingänge
warten auf Anschluss, auf der Ausgangsseite sind es vier Paar REC Outs sowie einen 7.1-Pre Out. Fünf
FBAS Ein- und vier FBAS-Ausgänge gibt es auf der Videoseite, hinzu kommen zwei
Komponenteneingänge und ein Komponentenausgang sowie fünf S-Video-Ein- und drei
S-Video-Ausgänge.
Insgesamt überzeugt der VSA-E08 mit
durchdachter Ausstattung und einem tadellosen Finish. Anschlüsse
könnte er allerdings durchaus mehr haben, ebenfalls wäre in
Anbetracht des nicht gerade niedrigen Preises die Mitlieferung der
beiden Endstufen für den Back Surround-Bereich wünschenswert
gewesen.
Bedienung
Das Bedienkonzept des VSA-E08 ist
sehr gut gelungen. Das liegt an vielen einzelnen Faktoren. Da wäre
zunächst die Touch Panel-LCD-Fernbedienung, die zwar sehr groß
geraten ist, im Punkt Bedienbarkeit aber der Konkurrenz zeigt, wie übersichtlich
man auch die vielfältigen Funktionen eines reichhaltig ausstaffierten
Verstärkers unterbringen kann. Übersichtlich und eindeutig die
Kennzeichnung der Symbole, perfekt gelöst das Lautsprecher-Setup,
welches man direkt auf dem Toch Screen vornehmen kann und das
innerhalb kürzester Zeit erledigt ist. Um die optimale Delay-Time zu
berechnen, gibt man einfach die Distanz vom Hörplatz zu jedem
einzelnen Lautsprecher ein. Auch andere Einstellungen, wie zum
Beispiel die Anwahl der DSP-Programme oder die Zuweisung der frei programmierbaren
Digitalein- und -ausgänge lassen sich schnell erledigen.

Zur Zeit
außer Konkurrenz: Exzellente Touch-Panel-Fernbedienung des VSA-E08
Da passen die
übersichtlichen, logisch aufgebauten On-Screen-Menüs gut dazu.
Insgesamt bietet Pioneer beim VSA-E08 das zurzeit wohl beste realisierbare
Bedienkonzept. Durch die überragende Fernbedienung übertrifft der Verstärker
sogar noch den ebenfalls mustergültig einfach zu bedienenden Onkyo
TX-DS989 und seine beiden "Receiverkollegen" VSX-859RDS
und VSX-909RDS aus gleichem
Hause. Hält das vorbildliche Gesamtniveau: Das große
Display des Verstärkers, das mit seiner DOT-Matrix-Darstellung auch noch schön anzusehen
ist. Fazit: In der Bedienungsdisziplin erreicht der VSA-E08
Referenzstatus.
Ton
| Die eingebauten fünf Endstufen des Pioneer
VSA-E08 wurden für den Frontkanäle, den Center und die Surround-Kanäle verwendet. |
| Ein Parasound Sechskanalendstufe vom Typ HCA-806
kam für die beiden Back-Surround-Lautsprecher zum Einsatz |
| Für die komplette rückwärtige
Surroundbeschallung sorgten vier Boston Acoustics-Dipole vom Typ VRS-PRO mit
THX-Zertifikat |
| Ein THX-zertifizierter Center vom Typ Boston Acoustics VR-14
und zwei Frontlautsprecher vom Typ Boston Acoustics VR-35 mit THX-Zertifikat kümmerten
sich um die Frontbeschallung. Zusätzlich kam ein selbst konstruierter Subwoofer mit
kraftvoller 180 Watt-Endstufe und zwei 25-cm-Visaton-Tieftonlautsprechern mit
Glasfasermembran zum Einsatz |
| Die Konfiguration wurde mit verschiedenen DVD-Playern getestet:
Einem Pioneer DV-737, einem JVC XV-511 und einem Toshiba SD-9000 Reference |
Zum Soundcheck trat folgende Software an:
| Dolby Digital 5.1 :
Terminator 2 Ultimate Edition (DD 5.1EX, Code 1), Titanic (Code
2), Independence Day (Code 2), VH1: Divas Live (Code 0), Antonio Vivaldi:
The Four Seasons (Herbert v. Karajan + Berliner Philharmoniker, Sony Classical, Code 1 -
6). Denon Ambience: Ludwig van Beethoven/Frédéric Chopin: Beethovens
"Egmond"-Ouvertüre |
| THX Surround EX: THX Demo DVD |
| DTS: DTS Demo DVD Vol. 3:
Mahler, Symphonie Nr. 2, DTS Logo Nr. 1, Galaxy Quest (Code 1),
Mission To Mars (DTS ES Discrete 6.1, Code 2), Die Maske (DTS ES
Discrete 6.1, Code 2), Bach: Violinenkonzerte (Naxos-DTS 5.1-DVD,
Code 0) |
| Audio-CD: Dance Now!, Vol. 11, Beethovens
Violinenkonzerte (Emi DDD-CD) |
Der Pioneer VSA-E08 konnte im Hörtest mit seiner
Ausgewogenheit punkten. Sowohl bei der Film- als auch bei der
Musikwiedergabe wartete er mit sehr guten Leistungen auf. Die
Standfestigkeit gab nie den geringsten Anlass zur Klage. Die deutlich
spürbare Erwärmung des Geräts war in Anbetracht des vier Stunden
dauernden "Power-Laufs" im Filmbetrieb völlig normal. Die
Leistungsmessungen ergaben ebenfalls erfreuliche Werte.
Leistungsmessung
| Zwei Kanäle ausgesteuert
(Stereobetrieb), 8 Ohm, 1 % Klirr bei 1 kHz: Rechter Kanal 108,
34 W, linker Kanal 107,97 W |
| Alle 5 Kanäle ausgesteuert, 8 Ohm, 1 %
Klirr bei 1 kHz: nachgemessen Front links 98, 56 W, Front rechts
100, 82 W |
Die Beobachtungen im einzelnen:
a) Filme und Filmsequenzen
THX Surround EX:
Eine souveräne Leistung, die Pioneers Topliner hier bot. Kraftvoller Antritt beim Broadway 2000-Trailer, der, über den VSA-E08
wiedergegeben, besonders rund und ohne die geringste Verzerrung
erklang. Auch bei heftigen Lautstärkepegeln mit 3/4 voll aufgedrehtem
Regler brachte der Verstärker noch außergewöhnlich gute Resultate
zustanden. Einbrüche waren keine spürbar. Beim THX TEX
Trailer gefiel der VSA-E08 mit präziser Effektortung auch im Back
Surround-Bereich. Der Antritt im Bassbereich ist von kraftvoller
Leichtigkeit geprägt, es scheint so, als gingen all diese Übungen dem
Verstärker sehr leicht von der Hand. Dass er auch
Filigranarbeit leisten kann, beweist Pioneers Spitzenmodell beim
Audio-Track "Jungle Sounds" auf der Demo-Disc. Das sich
langsam aufschaukelnde Vogelgeschrei gibt er mit sehr guter Dynamik
und Detaillierung wieder.
Dolby Digital 5.1 Der
Gesamteindruck bei Dolby Digital 5.1-Tracks ist besonders bei Aktivierung
des THX-Modus beachtlich. Die Klangwiedergabe ist stets von
hoher Homogenität und klaren, aber nicht zu aggressiven Höhen geprägt.
Wer viel Wert auf einen guten Raumeindruck legt und dabei auf das letzte
Prozent Exaktheit bei der Effektpositionierung gern verzichten kann,
sollte auch bei normalen 5.1-Filmen die Back Surround-Matrix in
Betrieb nehmen. Der Pioneer bietet drei Betriebsarten: 7.1-Betrieb mit
zugeschalteter Back Surround-Matrix, den normalen 5.1-Modus sowie
einen Auto-Modus mit automatischer Zuschaltung der Back Surrund-Matrix,
wenn die Kennung im Bitstream mitgeliefert wird. Der Auto-Modus macht aber bei der momentanen Softwaresituation nur
bedingt Sinn, denn man muss sich mit folgendem Problem
auseinander setzen: Bei DTS ES-codierten Filmen klappt es zwar ohne
Schwierigkeiten, das Flag für die Matrixaktivierung mit in den
Bitstream zu integrieren (bei DTS ES Discrete 6.1-DVDs ist immer auch
noch eine ES Matrix-Version mit an Bord), bei Dolby Digital
EX-codiertem Material sieht es aber anders aus:
Prinzipiell kann man zwar auch da einen zusätzliche Kennung für die
Aktivierung des Back Surround-Kanals mit in den Datenstrom einfügen,
aber kein zurzeit gebräuchlicher Decoder weiß mit dieser
Zusatzinformation etwas anzufangen. Das heißt: Bei DD EX-Filmen muss
der Benutzer die Matrix manuell aktivieren.
Doch wieder
zurück zum Testgerät. Bei der T2 Ultimate Edition konnte der VSA-E08
mit seinem raschen Antrittsvermögen Punkte sammeln. Bei den
zahlreichen Verfolgungsjagden und Schießereien fiel die sehr gute
Dynamik besonders im Bassbereich positiv auf. Immer sauber und
verzerrungsfrei, kam der Pioneer mit Bassattacken jeder Art problemlos
zurecht. Die jederzeit genau mögliche Ortbarkeit der Effekte tat ihr
übriges dazu, so dass das Resultat gerade bei T2 sehr gut war.
Der schon legendäre Music Score von "Titanic" stellte den
Verstärker ebenfalls nicht vor unlösbare Aufgaben, zu bedenken
ist nur, dass sich Musik generell im THX-Betrieb nicht so
differenziert klingt, wie es der Musikliebhaber gerne hätte. Im
Rahmen der Möglichkeiten aber überzeugte das Ergebnis auf der ganzen
Linie - das traf auch auf die Effektwiedergabe zu, hier wurden auch schwer darstellbare, fein abgestufte Geräusche wie das
Rauschen des Meeres und die tosenden Wellen mit guter
Natürlichkeit wiedergegeben. Richtig ablegen konnte der Pioneer dann noch mal
bei ID4: Die Schlachten zwischen den bösartigen Aliens und den verzweifelt
um ihre Existenz kämpfenden Erdenbürgern manifestierten die schon
bei "T2" gemachten Beobachtungen nachhaltig: Eine räumliche
Klangkulisse mit einer exzellenten, kräftigen Bass- und
Effektwiedergabe.
DTS 5.1:
Zwar decodiert der VSA-E08, wie schon gesagt, kein DTS ES Discrete
6.1, was dazu führt, dass die ebenfalls auf den Test-DVDs enthaltene
Matrix-Fassung abgespielt wird, die Resultate können aber trotzdem
überzeugen. Vor allem dann, wenn man den "Action 7.1"-Modus
aus der Programmreihe "Advenced Theater" einsetzt, ist das
Klangbild sehr weiträumig, die Effekte haben eine explosive
Durchschlagskraft. Wenn Jim Carey in "Die Maske" durch den
Raum wirbelt und seine abgedrehten Späßchen treibt, dann kommt beim
Zuhörer Freunde auf. Nur im direkten Vergleich fällt das noch
dynamischere Back Surround-Klangfeld bei reinrassiger DTS ES Discrete
6.1-Wiedergabe auf. Sehr gut gibt der Pioneer den klangstarken Music
Score von "Mission To Mars" wieder, doch auch die heftigen
Stürme und Wirbelwinde auf dem Roten Planeten bereiten dem Kraftpaket keine Sorgen. Wenn am
Ende des Films das Alien-Raumschiff mit Gary Sinise an Bord
vorbeischießt, hat der Verstärker ein tadelloses akustisches
Feuerwerk abgebrannt, bei dem vor allem der füllige Klang zu gefallen
weiß. Dies ist auch bei "Galaxy Quest" der Fall. Der in DTS
5.1 abgemischte Film startet mit eingeschalteter Back Surround-Matrix
voll durch und sorgt besonders mit seinem Dynamikumfang, der vom
VSA-E08 einwandfrei reproduziert wird, für heftige
Effektgewitter im Hörraum.
b) Musik
Dolby Digital 5.1 und DTS 5.1: Hier zeigt sich der Hauptunterschied zwischen dem VSX-909RDS und dem VSA-E08: Der teuere Verstärker klingt im mehrkanaligen Musikbetrieb natürlicher und modelliert feine Details plastischer heraus. Für den Musikliebhaber ist also der saftige Mehrpreis gegenüber dem Receiver nicht schlecht angelegt. Eine Glanzvorstellung lieferte das Gerät bei Vivaldis "Vier Jahreszeiten" ab. Der Zuhörer sollte bei dieser DD 5.1-Aufnahme allerdings zwei Dinge nicht tun: Die Back Surround Matrix aktivieren und mit den Tonreglern für die Einzelreglung jeder Boxengruppe herumfuhrwerken. Beides ist nämlich einem natürlichen und prägnanten Klangbild nicht eben zuträglich. Besonders die Back Surround Matrix sorgt für ein schwammiges und unpräzises Klangbild, das Details verwischen lässt. Daher: Lieber "pur" genießen, und auch die DSP-Programme, die von ihren klangvollen Namen ("3 D-Theater", "Hall 1", "Hall 2") zwar verheißungsvoll klingen, in der Praxis aber die musikalische Darbietung eher vom Ursprünglichen weg entfremden. Dies ist allerdings kein Manko des VSA-E08, sondern eine generelle Feststellung: Gerade mehrkanalige klassische Musik klingt in den meisten Fällen am besten, wenn man mit möglichst wenig "Zubehör" agiert, um eine größtmögliche Klangreinheit sicherzustellen. Fazit: Wenn mal aber den normalen "Standard 5.1"-Modus anwählt, brilliert der VSA-E08 mit einem harmonischen, runden und ausdrucksstarken Klangbild. Ähnliches lässt sich auch nach dem Anhören der DTS-DVD mit Bachs Violinenkonzerten sagen, die der VSA-E08 mit guter Detailtreue und hoher klanglicher Harmonie wiederzugeben wusste. Nur an wenigen Stellen hätten die Streicher im Hochtonbereich mit noch mehr Transparenz aufwarten können.
Audio-CD: Bei normalen Audio-CDs konnte der VSA-E08 mit völlig verschiedenen Talenten auftrumpfen. Was den Veranstalter von ausgiebigen Privatparties im heimischen Keller freuen dürfte, ist der leicht-lockere Umgang, den der bärenstarke Verstärker mit der "Dance Now 11"-CD pflegte. Als für Parties - wo die klangliche Präzision eine nicht allzu große Rolle spielt - sehr empfehlenswert bot sich der Siebenkanal-Stereo-Modus an. Dazu kann man noch, bei Bedarf und bei entsprechend tanz- und pegelwütigen Gästen - zu den Bass- und Treble-Reglern für jede einzelne Lautsprechergruppe greifen und beide Parameter nach persönlichem Geschmack nachregeln. Wer auch schon bei nachbarnverträglichen Lautstärken ein volles Klangbild erzielen möchte, kann die sehr effektiv arbeitende Loudness-Schaltung in Betrieb nehmen.
Wenn der Liebhaber von Audio-CDs mit klassischen Musikaufnahmen nun denkt, dass ein solches partytaugliches Gerät für ihn keinesfalls in Frage kommt, dann kennt der noch nicht das zweite Gesicht des VSA-E08. Dieses zeigt sich am besten, wenn man den "Direct"-Modus aktiviert und damit erst mal die gesammelte Mannschaft der Klangbeeinflusser in die Warteschleife schickt. Dann zeigt der Verstärker seine beeindruckende Musikalität, die sich in einem harmonischen, detailreichen und natürlichen Klangbild wiederspiegelt. Nur Liebhaber eher analytischer Wiedergabe werden nicht hundertprozentig glücklich mit dem Pioneer, denn ihnen dürfte er insgesamt ein etwas zu rundes und warmes Klangbild haben, das vielleicht durch seine Auslegung bei Streichersoli das letzte bisschen Schliff vermissen lässt. Dafür besitzt der VSA-E08 einen höchst angenehmen Klang, niemals zu hart und zu scharf.
Fazit
Die große Stärke des
Pioneer-Flaggschiffs ist seine Ausgeglichenheit. Er spricht mit seinen
klanglichen Leistungen sowohl den Musik- als auch den Filmfreund an
und kommt mit jeder Art von Software prima zurecht. Dazu verfügt der
Verstärker über ein in allen Punkten überzeugendes Bedienkonzept,
das praktisch kaum noch zu verbessern ist und als Vorbild für eine
gelungene Benutzeroberfläche gelten kann. Die Verarbeitung ist ohne
Einschränkung exzellent zu nennen, obwohl mal sagen muss, dass es nur
wenig Unterschiede zu dem 1500 DM günstigeren VSX-909RDS gibt. Nicht
ganz überzeugen kann die Ausstattung. Bei einem 5000 DM-Gerät keine
Endstufen für den Back Surround-Bereich mitzuliefern, zeugt nicht
gerade von Großzügigkeit. Ebenso könnte der VSA-E08 noch den einen
oder anderen Anschluss mehr vertragen, denn wer jede Menge Zuspieler
zuhause hat, erwartet bei dem Preis auch, dass alle Anschluss finden.
Insgesamt aber bleibt ein sehr erfreulicher Eindruck vom Topliner aus
dem Hause Pioneer zurück, weil er sich keine ernsthaften Schwächen
in der Klang- und Bedienungsdisziplin leistet, aber viele Stärken
besitzt.
AREA DVD-Tipp: Zur
klanglichen Ausgewogenheit kommt ein mustergültiges
Bedienkonzept

Pro & Contra
 |
Sehr guter Klang bei Film- und
Musikwiedergabe |
 |
Große Leistungsreserven |
 |
Erstklassige Touc-Screen-Fernbedienung
und tadellose Bedienung |
 |
Überragende Verarbeitung |
|
|
 |
Keine Endstufen für den Back Surround-Bereich |
 |
Hoher Aufpreis gegenüber dem VSX-909RDS |
Seite 3: Informationen über THX
Surround EX sowie die technischen Daten des Pioneer VSA-E08
THX Surround EX und technische Daten des
VSA-E08
Im THX-Prozessor findet eine umfangreiche
Klangnachbearbeitung statt. Die einzelnen Parameter der Home-THX-Nachbearbeitung:
Re-Equalization:
Wird ein Filmsoundtrack auf der Heimkinoanlage wiedergegeben, kann der Gesamteindruck von
einem zu grellen, unnatürlichen Klangbild negativ beeinflusst werden, da die Soundtracks
für die Wiedergabe in großen Kinosälen mit ganz anderen Klangvoraussetzungen konzipiert
sind. Das THX Re-Equalizing soll von daher die Adaption vom großen Kinosaal ins kleinere
Heimkino vornehmen, damit der Klang auch dort mit einer natürlichen Kulisse aufwarten
kann
|
Timbre Matching: Je
nachdem, aus welcher Richtung das menschliche Ohr Klänge wahrnimmt, ändert es seine
Klangwahrnehmung. Im Kino sind von daher viele Lautsprecher um die Zuschauer herum
montiert, um ein möglichst reales Klangbild ohne Klanglöcher zu realisieren. Im Heimkino
finden nur zwei Surroundlautsprecher bei herkömmlichen DD- oder DTS-5.1 beziehungsweise 4
Surroundlautsprecher bei THX EX Verwendung. Timbre Matching filtert die zu den
Surroundlautsprechern transportierte Klanginformation, um so eine optimale Anpassung des
Toncharakters von den Front- und den Surroundlautsprechern zu erreichen, was zu einem
natürlichen und harmonischen Klangbild beitragen soll.
|
| Adaptive Decorrelation:
Oftmals ist zu beobachten, dass das Klangbild aus den Surroundlautsprechern zu dünn,
wenig plastisch und dadurch unharmonisch wirkt. Dieser Effekt verstärkt sich noch,
wenn sich der Zuhörer von der exakt mittleren Sitzposition entfernt. Diesen
Negativmerkmalen soll die "Adaptive Decorrelation" entgegen wirken: Die
Zeitdauer des einen Surroundkanals und das Phasenverhältnis bezüglich des anderen
Surroundkanals wird verändert. Damit wird zweierlei erreicht: Zum ersten ein ausgewogenes
Klangbild auch abseits der genau mittig angeordneten Hörposition, zum zweiten ein
voluminöserer Eindruck des Klanganteils aus den Surroundlautsprechern. |
| Bass Peak Level Manager:
Soll den bei einigen Film-Soundtracks enthaltenen Bass-Spitzen, die zu unangenehmen
Verzerrungen im Klangbild oder zu Durchschlagen des Subwoofers führen können, entgegen
wirken. Der maximale Bass-Spitzenpegel, bei dem das Equipment noch ein störungsfreies
Klangbild wiedergibt, kann angegeben werden. |
| Loudspeaker
Position Time Synchronization: Kompensierung des unterschiedlichen Abstands der
Lautsprecher von der individuellen Hörposition. Durch diese Funktion wird ein exakt
synchrones Arbeiten des Lautsprechersystems erreicht. |
| THX, Home THX, THX
Surround EX, Re-Equalization, Timbre Matching, Adaptive Decorrelation, Bass Peak Level
Manager und Loudspeaker Position Time Synchronization sind Warenzeichen von Lucasfilm Ltd. |
THX Surround EX 1999, gleichzeitig mit der Uraufführung
von "Star Wars - Episode 1", war ein neues System geboren: Dolby Digital
Ex, 6.1-Sound, abgemischt mit einem zusätzlichen Kanal für den Rear Center, der in
der Mitte hinter den normalen Surroundlautsprechern aufgestellt wird. Die THX-Variante
verfügt sogar über ein zusätzliches Rear-Lautsprecher-Paar, das - wie schon beschrieben
- mittels des einen zusätzlichen Kanals versorgt wird. Bei der THX-Spezifikation werden
die beiden Back-Surroundlautsprecher in kurzer Distanz untereinander aufgestellt. Doch was
ist mit der Kompatibilität zu den bisherigen 5.1-Systemen? Ein 6.1- oder 7.1-Soundtrack
soll, so war die Zielsetzung, auch auf bisherigem 5.1-Equipment laufen. Also entschloss
man sich in beiden Fällen für ein simples und abwärtskompatibles Verfahren, welches in
ähnlicher Art und Weise bereits bei Dolby Surround für die Generierung eines dritten
Kanals aus einem Stereosignal angewendet wurde: Das dem Rear Center zugedachte Signal wird
durch eine Matrix geschleift und auf die beiden Surround-Lautsprecher gleichmäßig
verteilt. Ein Zusatzdecoder extrahiert dann aus dem gematrixten Signal für die
Surroundspeaker wieder die Signale für die Links/Rechts-Surroundlautsprecher und für den
oder die Back Surround Speaker. Im Dolby Digital-Bitstream wird im Falle einer
Kennzeichnung der DVD als THX Surround EX-codiert eine zusätzliche Information
mitgeliefert, die dem digitalen 6.1-Decoder die Anweisung gibt, das Signal der beiden
hinteren Kanäle durch eine Matrix-Schaltung zu ziehen und das Center-Signal zu erzeugen.
Ist die Zusatzinformation nicht vorhanden, muss die Matrix manuell aktiviert werden. Ein
herkömmlicher 5.1-Decoder, der nicht über eine Matrix für das Abspielen des
zusätzlichen Kanals verfügt, gibt wie gehabt, nur ein Stereo-Signal auf den hinteren
Kanälen wieder, in dem auf beiden Kanälen das Signal des zusätzlichen Back
Surround-Kanals vorhanden ist.
Technische Daten
| Decodiert THX Surround EX, Dolby Digital 5.1, Dolby Pro Logic,
DTS ES Compatible 6.1, DTS 5.1 |
| Nenn-Ausgangsleistung (DIN): Surround: 5 x
130 Watt (6 Ohm, 1 kHz mit
1 % Klirrfaktor) |
| Frequenzgang (CD, Tunrer, Aux, Tape): 5 -
100000 Hz |
| Verschiedene 7.1- und DSP-Modi |
| 5 Paar Audio-Analogeingänge |
| AV-Input auf der Frontplatte |
| 7.1-Kanal-Analog-Externeingang |
| 7.1-Kanal-Analog-Pre-Ausgänge |
| 4 paar Analog-REC-Ausgänge |
| 3 optische, 2 koaxiale Digitaleingänge, 2 Digitalausgänge
(optisch) |
| 1 Dolby Digital RF Eingang |
| 2 Component Video-Eingänge, 1 Component Video-Ausgang |
| 5 Composite Eingänge, 4 Composite Ausgänge |
| 5 S-Video-Eingänge, 3 S-Video Ausgänge |
| LCD-Touch-Screen-Fernbedienung,
vorprogrammiert und lernfähig |
| Leistungsaufnahme: 500 W |
| Netzteil:230 V, 50 Hz |
| Abmessungen (B x H x T in mm): 420 x 173
x 470 |
| Gewicht 18 kg |
| Gehäusefarbe: gold |
| Preis: 5000 DM |
Test von: Carsten Rampacher
05.02. 2001
HOME
> HARDWARE-TESTS > ZURÜCK
<
|