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Test: DVD Audio-Player JVC XV-723GD

 

Finish, Features und Anschlüsse

JVC bietet dem Kunden auf dem deutschen Markt einen relativ günstigen Einstieg in die DVD Audio-Welt an: 1699 DM wechseln den Besitzer, wählt der Kunde das in schwarz (XV-723BK) oder gold (XV-723GD) lieferbare, reichhaltig ausgestattete Topmodell des Hauses. Die Verarbeitung des ungewöhnlich, aber elegant gestylten Geräts ist gut und der Preisklasse angemessen. Dasselbe lässt sich auch von der Fernbedienung sagen. Features bringt der Topliner von JVC einige mit: So einen gut ausstaffierten Videoequalizer und ein sehr gutes Setup für den internen Decoder (siehe Seite 2). In das grafisch vorbildlich schön aufbereitete GUI ist auch eine Bitratenanzeige mit integriert. An Anschlüssen gibt es das Standardprogramm: Einmal Scart (mit RGB), einmal S-Video-Hosiden, einmal FBAS sowie einen Cinch-Sechskanalausgang für den internen DD/DTS-Decoder und für die DVD Audio-Wiedergabe. Ergänzt wird die Audioseite von einem optischen und einem koaxialen Digitalausgang.

Der Fehlerkorrektur-Check

Burosch Audio-/Video-Technik hat eine neue DVD entwickelt, mit deren Hilfe sich Rückschlüsse über die Qualität der Fehlerkorrektur bei Laufwerken von DVD-Playern ziehen lassen. Auf der Disc befinden sich verschiedene Tracks, die, mit identischem Testbild, nacheinander durchlaufen. Für die Realisierung dieser DVD waren umfangreiche mathematische Berechnungen erforderlich, um jeden einzelnen Prüfsektor (= Track) entsprechend des mathematischen Zusammenhangs um einen bestimmten Faktor länger als den ihm Vorausgehenden zu machen. In der Praxis geschieht dies nun durch insgesamt 30 Tracks, die in Schritten von 0,1 mm linear breiter werden, insgesamt also von 0,1 mm (Track 1) bis 3 mm (Track 30). Die Sequenz am Anfang ist somit kurz, gegen den Außenrand der DVD wird die Laufzeit des einzelnen Tracks expotentiell größer. Optisch sieht man einen von innen nach außen größer werdenden schwarzen Keil auf der Oberfläche der DVD.

Für uns hat die DVD den Vorteil, dass man dem DVD-Player auf dem Zahn fühlen kann, auch wenn das Endergebnis kein absolutes in Form eines Zahlenwertes in einer physikalisch gebräuchlichen Einheit ist. Technisch läuft das folgendermaßen ab, wenn ein Fehler beim Abtasten erkannt wird: Der DVD-Player befördert die Daten nach Erkennung des Fehlers in einen Zwischenspeicher. Dies geschieht meist mit sichtbarer zeitlicher Verzögerung, tritt der Fehler erstmals auf, kommt es kurzzeitig zu Artefakte- und Mosaikbildungen, dann läuft das Bild wieder normal weiter - in diesem Moment kommt der Zwischenspeicher zum Einsatz: Nach und nach wird dieser entleert, auf der anderen Seite müssen vom Laser wieder Daten in den Speicher fließen - und zwar so, dass der Speicherinhalt immer auf dem gleichen Niveau bleibt. Sinkt das Niveau ab, kommt es erneut zur Artefaktebildung. Daher muss das Zusammenspiel Laser-Zwischenspeicher perfekt funktionieren, das heißt der Laser muss weiter gleichmäßig Daten auslesen und in den Zwischenspeicher abgeben, dieser wiederum "interpoliert" die Daten  und sorgt für die Herstellung eines fehlerfreien, artefaktelosen Bildes (in dem die fehlerhaften Bildteile durch gespeicherte Wert aus dem Zwischenspeicher ersetzt werden). Ob dieses Zusammenspiel funktioniert, kann diese DVD nachprüfen. 

So stellt sich heraus, ob die Laufwerkselektronik in der Lage ist, größere Interpolierungen problemlos auszuführen. Dabei ist zu bedenken: Der Speicher muss groß genug für den flexibel gehaltenen Datenstrom einer DVD sein und mit allen Datentransferraten zurecht kommen. Um die Elektronik richtig zu fordern, wurde auf der Test-DVD jeder Track mit der maximalen Datenrate 9.8 Mbit/s aufgezeichnet. 

Der JVC XV-GD723 streicht bei der Wertung die Höchstpunktzahl ein. Er spielt alle 30 Tracks auf der DVD ab, ohne auch nur ansatzweise Klötzchenbildung zu zeigen, die darauf hinweisen, dass die Fehlerkorrektur die Segel streichen muss. Im Test überzeugte der JVC zudem durch keinerlei Einleseprobleme bei DVDs, einen Absturz leistete er sich ebenfalls nicht.

Fehlerkorrektur: 100%

Dieses Ergebnis passt ins gute Gesamtbild in der ersten Disziplin. Eine gute Verbeitung und eine reichhaltige Ausstattung inklusive komplettem Decoder-Setup und Videoequalizer, ein außergewöhnlich leises Laufwerk mit hoher Einlesegeschwindigkeit sichern dem JVC sechs Sterne. Dass der Player keine CD-Rs liest und keine zweite Scart-Buchse mitbringt, zeigt aber, dass noch minimal Spielraum für Verbesserungen gegeben ist.

Finish, Features insgesamt


Bedienung

Der JVC-Player kann mit einem schön anzusehenden und gut strukturierten Graphical User Interface aufwarten, nur wenige in den verschiedenen Untermenüs gewählten Abkürzungen für die Aktivierung oder die Deaktivierung von Funktionen erfordern das Nachschlagen in der Bedienungsanleitung. Die Fernbedienung hat zwar minimal zu klein geratene Tasten, werden diese aber gedrückt, setzt der Player umgehend und ohne Verzögerung den IR-Befehl in die Tat um. Der Druckpunkt der Tasten ist zudem klar definiert. 

Die Fernbedienung des XV-723GD

Das Jog Shuttle funktioniert sehr gut. Zwei Dinge allerdings stören ein wenig die Qualität der Bedienung, wenn es sich auch zugegebenermaßen nicht  um elementar wichtige "Basics" handelt: Zum einen wurden wichtige Tasten (darunter auch die Menü-Taste) auf der Fernbedienung mit grüner Schrift ÜBER der Taste versehen - diese kann man leider nur erschwert lesen (siehe Foto). Ebenso fehlen der Fernbedienung eine Beleuchtung beziehungsweise phosphoreszierende Tasten. Letzter Kritikpunkt: Was die Scart-Buchse ausgeben soll, muss der Benutzer an einem Schalter hinten am Gerät einstellen. Das geht auch eleganter - nämlich via OSD.

Bewertung

Bild

Das Bild des JVC ist ohne Fehl und Tadel. Bei den Testbildern der BUROSCH Referenz-DVD gefiel der via RGB an das Bildausgabegerät angeschlossene XV-723GD mit einer sehr sauberen Farbdekompression, die auch mit satten Blau-, Gelb- oder Rottönen keinerlei Probleme hat. Die Farben gibt der Player natürlich, mit einem leichten, aber keinesfalls störenden Hang zur kräftigen Sättigung wieder. Sehr gut sieht so die Sonnenblume bei den 16:9-Testbildern auf der Referenz-DVD aus. Ebenfalls stellt der XV-723GD schwarze Bildflächen fehlerfrei sowie diffizil darstellbare Grauabstufungen in sehr guter Qualität dar. Dazu gesellen sich eine sehr erfreuliche Detailwiedergabe und eine tadellose Gesamtbildschärfe, was man zum Beispiel beim Früchtestillleben oder dem weißen Seeadler der Referenz-DVD sehen kann. Bei der Code-2-DVD von "The Mummy" konnte das Gerät mit einem knackig-scharfen und farblich brillanten Bild für Behagen sorgen - bei "Sleepy Hollow" zeigte der Player sein Können bei hohen grauen und schwarzen Bildanteilen. 

Wer das schon werksseitig tadellose Bild an seinen eigenen Geschmack anpassen kann, dem steht zum einen ein vorprogrammiertes "Kino"-Bildfeld zur Verfügung (Gesamtbild-Helligkeit ist geringfügig geringer, die Gammakorrektur ist höher eingestellt) - oder er kann zum integrierten Videoequalizer mit zwei abspeicherbaren Benutzereinstellungen greifen. Interessant: In der Werkseinstellung "Normal" ist die Schärfe schon voll hochgezogen - wer es etwas "softer" mag, kann die Schärfe leicht herunterregeln - aber vorsichtig: Denn in den unteren Stufen sieht das Bild so verschwommen aus, als würde man es mit Wasser in den Augen beobachten. Eine Gammakorrektur, ein Helligkeits- und ein Schärferegler ist ebenso vorhanden wie eine Einstellmöglichkeit für Farbsättigung, Farbton (Tint) und Y-Zeitfehlerkorrektur.  

Insgesamt setzt sich der JVC mit einem absolut fehlerfreien Bild an die Spitze seiner Klasse, auch wenn der Layerwechsel mit kurzem Bildstopp und einem hörbaren Tonaussetzer noch zu verbessern ist. Ein kleiner, aber sichtbarer Unterschied ist erst zu deutlich teureren DVD-Playern Toshiba SD-900E (3299 DM), Pioneer DV-737 (2199 DM) oder dem Kenwood DVF-R9030 (2499 DM) sichtbar - die genannten Player bieten in verschiedenen Disziplinen noch etwas mehr: eine noch plastischere Herausmodellierung auch kleiner Details im Zusammenspiel mit einer perfekter Farbwiedergabe (Toshiba), eine große Anzahl an sehr gut justierbaren Parametern für eine Perfektionierung des Bildes in allen Belangen (Pioneer) beziehungsweise eine nochmals gesteigerte Bildharmonie (Kenwood). In der Preisklasse bis 2000 DM gibt es aber einen neuen "Leader" in Sachen Bildqualität - und der heißt JVC XV-723GD. 

Bewertung


Ton

Der Ton bei DVD Audio gefällt mit einem spritzigen und harmonischen Klangbild. Bei den Beethoven-Symphonien 3, 4 und 5 bewies der JVC-Player sein Können mit einer transparenten und klarer Detaillierung im Hochtonbereich, die nie angestrengt-aggressiv wirkte. Die Streicher-Soli gab der XV-723GD gut wieder, noch besser klappte es mit dem Antritt des Orchesters: Kraftvoll und mit hoher Musikalität spielte der XV-721GD auf, so dass man in Anbetracht seiner Darbietung gleich auf einen weitaus höheren Kaufpreis getippt hätte. 

Den schon sehr guten Eindruck untermauert der eingebaute Decoder für Dolby Digital und DTS. Er bietet im 5.1-Betrieb zwei Betriebsarten: Den  Modus "5.1" für den Einsteiger, der sich nicht mit Parametern wie der Delay-Zeit oder dem Pegel der einzelnen Lautsprecher beschäftigen möchte - hier ist alles vorab eingestellt. Empfehlenswert ist aber auf jeden Fall, sich mit dem zweiten 5.1-Modus auseinander zu setzen: Die Betriebsart "Experte", die neben bekannten Features wie der Pegeleinstellung und der Verzögerungszeit (Delay) für die jeweiligen Lautsprechergruppen auch noch über eine Sonderfunktion verfügt, die sich hinter dem Begriff "Bass" (= Bassumleitung) versteckt: Wenn man irgendwo in der Lautsprecher- Konfiguration kleine Boxen (zum Beispiel im Surround-Bereich) verwendet, die aufgrund ihres kleinen Gehäusevolumens nicht den gesamten tieffrequenten Bereich abdecken können, hat der Benutzer die Möglichkeit, über die Bass-Einstellung entweder den Bassbereich der Frontboxen (Einstellung L/R) oder des Subwoofers (Einstellung S-Woofer) zusätzlich zu betonen, um diesem Manko entgegen zu wirken. 

Zusätzlich gibt es im Audio-Menü noch eine Bassteuerung für den DTS-Betrieb. Wird sie aktiviert, ist die oben beschriebene Bassumleitung bei der Wiedergabe von DTS-Software in Aktion. In "Aus"-Stellung ignoriert die Elektronik beim Abspielen von DTS-DVDs die im Lautsprecher-Setup getroffenen "Klein"-Einstellungen bezüglich der Boxengröße. An alle Lautsprecher werden die Signale mit ungeschnittenem Frequenzbereich ausgegeben (also alle Lautsprecher werden intern auf "Groß" gestellt). 

Neben genug Einstellmöglichkeiten kann der Decoder mit fehlerlosen Leistungen  in der Testpraxis aufwarten: Bei den Sequenzen von der THX Surround EX Demo DVD  zeigte er ein erstaunliches Können im Bassbereich mit geradezu wuchtigem Antritt. Bei den lautstarken Untaten des untoten Hohepriesters in der "Mumie" sowie die explosiven Schlachten zwischen den Erdenbürgern und den außerirdischen Angreifern in "ID4" zeigte der XV-723GD ebenso seine Fähigkeiten wie beim Kampf gegen den kopflosen Reiter in "Sleepy Hollow". Gerade hier haben viele interne Decoder, auch wenn sie sonst mit ordentlichen Qualitäten aufwarten können, ein Manko. Das sucht man beim XV-723GD auch in den anderen Teildisziplinen vergeblich: Mit guter Dynamik im Hochtonbereich und einer sauberen Effektortung verweist er manchen Receiver der unteren Mittelklasse in die Schranken.

Da passt es ins Bild, dass auch der Digitalton restlos überzeugt, mit glasklarem Klang ohne die geringsten Störgeräusche und einer feinen Abstufung kann der XV-723GD auch digital angeschlossen voll punkten. Das gilt auch für die Gesamtwertung: Sechs Sterne für den JVC.

Bewertung


Fazit

Mit dem XV-723GD ist JVC nicht nur ein guter, sondern ein hervorragender Wurf gelungen. Der erste DVD-Universal-Player des Hauses überzeugt mit einem erstklassigen Preis-/Leistungsverhältnis. Seine tonalen Qualitäten sind in Anbetracht des Preises mehr als beachtlich: Ein spritziger, harmonischer Klang bei DVD Audio-Software, ein tadelloser Digitalklang - und als Highlight einen der besten internen DD/DTS-Decoder, die es überhaupt zurzeit am Markt gibt: Mit sehr guter Effektortung und einer ebensolchen Basswiedergabe brilliert der JVC.  Im Bildbereich kann der XV-723GD mit einer kräftigen, fehlerlosen Farbwiedergabe und einem scharfen, kontrastreichen Bild mit hoher Detailgenauigkeit gefallen. Das Graphical User Interface ist optisch schön anzusehen, beim Test der Laufwerk- Fehlerkorrektur erreicht der Player die maximal mögliche Punktzahl ohne jegliche Probleme. Da fallen die wenigen kleinen Schwächen bei der Bedienung unter die Rubrik "Peanuts", auch  die fehlende Wiedergabemöglichkeit für CD-Rs und den nicht perfekten Layerwechsel können wir dem JVC verzeihen - einen besseren DVD-Player für unter 2000 DM gibt es zurzeit nicht. 

AREA DVD-Tipp: Für den der Film- und Musikliebhaber ist der JVC in der Preisklasse bis 2000 DM erste Wahl

Pro & Contra

Tadelloser Ton in allen Disziplinen
Sehr gutes Bild
Laufwerk mit optimaler Fehlerkorrektur
Preis-/Leistungsverhältnis überragend
Optisch gut aufbereitetes GUI
Keine CD-R-Wiedergabe
Layerwechsel zu ruckartig

Technische Daten

Die Anschlussmöglichkeiten am JVC XV-723GD

DVD Audio/Video-Player
Integrierter Dolby Digital-/DTS-Decoder
Videoausgänge: 1x SCART (mit RGB), 1 x Hosiden (S-Video), 1 x Cinch (Composite)
Audioausgänge: Digital 1 x optisch,  1 x koaxial, 1 x Cinch 2-Kanal Downmix, 1 x Sechskanal-Out für DVD Audio und internen DD/DTS-Decoder
Farbe: schwarz (XV-721BK), gold (XV723GD)
Maße (B x H x T): 435 x 112,5 x 334 mm
Gewicht: 3,7 kg
Preis: 1699 DM (UVP)

13. Februar 2001

Test: Carsten Rampacher

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