Sony Clié 625: Ein Organizer als AV-Fernbedienung?
26.06.2002 (ks)
Erfahrungsbericht
Sony bietet mit dem neuen Organizer-Modell Clié 625, dass derzeit rund 380
EURO kostet, eine Software namens "Clié Remote-Commander" an, die
den Palm-basierten Organizer zu einer Multifunktionsfernbedienung
umfunktionieren soll. Das ist für Palm-Besitzer nicht unbedingt neu, denn
bereits seit Jahren bietet die Firma Pacific
Neotec mit "Omniremote" eine Software an, die genau den gleichen
Zweck erfüllt. Der Clié-Organizer bietet zumindest den Vorteil, dass er mit
seinem 320 x 320 TFT-Display eine weitaus höhere Auflösung als andere
Palm-Organizer bietet und die Software ansprechend das Design einer richtigen
Fernbedienung auf den Bildschirm zaubert, während Omniremote eher spartanisch
aussieht. Außerdem wurde der sonst primär für Infrarotverbindungen mit Handy
und PC ausgelegte Infrarot-Port des Clié gegenüber Sony-Vorgängern
verstärkt, so dass er auch problemlos über mehrere Meter Entfernung noch
Befehle senden kann. Soweit zur Theorie. In der Praxis allerdings erscheint das
Konzept noch nicht sonderlich durchdacht: In der Version 1.0 bietet der Remote
Commander lediglich vorgegebene IR-Codes aus den drei Gerätegruppen TV, Video
und DVD an. Auch kleinere Hersteller sind dabei, so dass hier keine Probleme
bestehen sollten, den richtigen Code zu finden. Das Potential des Palm wird aber
nicht ausgenutzt, da die Software nicht in der Lage ist, neue Codes zu lernen
und auch die statische Anordnung der Bedienelemente nicht verändert werden
kann. Bislang kann man sich lediglich neue Definitionsdateien aus dem Internet
laden. Mit diesem sehr eingeschränkten Umfang eignet sich der Organizer kaum
als Ersatz für eine Multifunktionsfernbedienung. Hier sollte Sony noch einmal
die Software deutlich überarbeiten und neben einer Lernfunktion auch die
Möglichkeit zur freien Gestaltung der Bedienelemente integrieren. Erst dann
hätte dieser Organizer durchaus Hit-Potential.
Ansonsten dürfte der Clié 625 der schönste Organizer sein, der jemals mit
dem Palm-Betriebssystem auf den Markt gekommen ist. Beim Display ergibt sich
eine geteilte Meinung: Mit Hintergrundbeleuchtung ist das Bild sehr lichtstark
und detailreich, höchstens die Farben sind etwas blass. Ohne Hintergrundbeleuchtung ist das Farbdisplay
aber praktisch
nicht zu gebrauchen, da es einfach zu dunkel ist. Nur bei sehr starkem
Umgebungslicht lässt sich das Display ablesen. Ansonsten muss die
Hintergrundbeleuchtung aktiviert werden, die im Alltagsgebrauch die Akkus im
Nullkommanix aufbrauchen. Im
Praxisgebrauch zeigte sich, dass das Gerät bereits nach rund 5 Tagen neu aufgeladen werden musste, obwohl außer Adressen- und
Terminverwaltung nur wenige Programme ausgeführt wurden. Da sehnt man sich
doch noch an die Zeiten zurück, in denen ein Palm IIIxe fast einen Monat mit
einem Satz Akkus lief, nicht zuletzt deswegen, weil das Display so gut war, dass
die Hintergrundbeleuchtung kaum eingeschaltet werden musste. Doch davon will
natürlich heutzutage niemand mehr etwas hören, schließlich soll alles bunt
und multimedial sein. Und da die meisten
Organizer heutzutage nur noch mit fest eingebauten Akkus ausgeliefert werden,
lassen diese sich auch nicht mal eben schnell auswechseln, so dass man unterwegs
ohne Docking-Station aufgeschmissen ist, sofern man sich nicht als
Sonderzubehör einen USB-Lader kauft. Ausgeliefert wird der Clié mit vielen
bunten Spielereien, die man am besten direkt wieder deinstallieren sollte, um
Platz für wichtigere Sachen freizumachen: Software zum Abspielen von Videoclips
auf einem Palm-Display ist z.B. ebenso hochgradiger Unfug wie ein
Bildbearbeitungsprogramm oder eine Software zur Bearbeitung von Alarmtönen und
dürfte höchstens Berufsgruppen wie Manager von Mobilfunkanbietern begeistern, die unter dem
Stichwort UMTS ähnlich bizarre Ideen unters Volk bringen wollen. Sinnvoller ist da
neben "Documents To Go" schon die
Software zur Datenübertragung zwischen PC und Organizer: Denn der Sony ist mit
einem Memory Stick-Slot ausgestattet und eignet sich daher auch hervorragend als
Docking-Station zum Übertragen von Photos auf den PC - sofern man eine
Sony-Digitalkamera mit Memory Stick hat. Wer nicht mit Memory-Sticks arbeitet,
wird natürlich mit dieser Schnittstelle kaum etwas anfangen können. Die Dragonball-CPU erscheint mit der
derzeit noch üblichen Taktfrequenz von 33 Mhz nicht sonderlich schnell. Etwas
ressourcenhungrigere Programme wie Avantgo oder der Acrobat Reader benötigen
immer ein wenig Zeit, bis sie Daten anzeigen. In den USA wurde die
Clié-Produktpalette bereits um ein ähnliches Gerät mit 66 Mhz ausgeweitet,
welches hier Abhilfe schaffen dürfte. Für die wichtigsten Anwendungen wie
Terminkalender, Notizen und Termine sowie auch den Remote Commander reicht die
Performance aber aus. Hier sind kaum Verzögerungen zu bemerken. Der Speicher
von 16 MB bietet Platz für die wichtigsten Anwendungen und
lässt sich zur Not eben auch mit Memory Sticks erweitern.
Gesambewertung:     
Fazit: Schickes Design und viele Multimedia-Spielereien sind nicht alles. Als
Fernbedienung taugt das Gerät aufgrund der undurchdachten Software derzeit nur
wenig und fällt noch unangenehmer durch das ohne Beleuchtung kaum brauchbare
Display und den hohen Stromverbrauch auf. Sofern man diesen ignorieren kann,
bekommt man mit dem Clié 625 aber eines der bestauflösendsten Displays
geboten, die derzeit in Geräten für die Palm-Plattform zu finden sind.
Pro:
-
Mit Hintergrundbeleuchtung sehr gutes Bild dank kontraststarkem
und detailreichem TFT-Display
-
Gerät eignet sich auch als Memory Stick-Reader
-
Elegantes Design und ansprechende optische Gestaltung der
IR-Software
Contra:
-
Organizer ist ohne Hintergrundbeleuchtung aufgrund des geringen
Kontrasts kaum zu gebrauchen
-
Nur drei Gerätegruppen vorprogrammiert
-
fehlende Lernfunktion für den Remote Commander
-
hoher Stromverbrauch
-
keine austauschbaren Akkus
Verantwortlich für den Test: Karsten
Serck
Ausstattung und technische Daten
| Modell |
Sony PEG-T625C |
| BETRIEBSSYSTEM |
Palm OS® Version 4.1 |
| PROZESSOR |
Dragonball VZ (33 MHz) |
| SPEICHER |
16 MB (DRAM) / 4 MB (Flashspeicher) |
| ANSCHLÜSSE |
USB-Docking Station, Memory Stick-Steckplatz, Infrarotanschluss (IrDA
1.2), Infrarotanschluss für AV-Steuerung, Jog Dial, Rücktaste |
| ANWENDUNGSTASTEN |
Kalender, Adressen, Aufgaben, Merkzettel, rauf/runter |
| FUNKTIONEN |
Scheduler mit Alarmoption und Vibrationsalarm |
| GRAFFITI-SCHREIBBEREICH |
Startseite, Menü, Suche, Taschenrechner |
| DISPLAY |
TFT-Farbdisplay mit Hintergrundbeleuchtung
320 x 320 Pixel, 65.536 Farben
|
| ABMESSUNGEN (B x H x T) |
71,8 x 118 x 12,5 mm |
| GEWICHT |
138 g (inklusive Stylus) |
| LITHIUM-IONEN-AKKU |
Bis zu 12 Tage (die tatsächliche Akkulebensdauer kann je nach
Verwendung unterschiedlich sein) |
| SONY SOFTWARE |
PictureGear‘ Pocket 2.0, Picture Gear‘ 4.4Lite, MS Gate, MS Import,
MS Export, MS Backup, MS Autorun, Photostand, World Alarm Clock, CLIÉ
Remote Commander, Sound Utility und Sound Converter, CLIÉ Paint |
| PALM‘ ORGANISER-ANWENDUNGEN |
Kalender, Adressen, Mail, Aufgaben, Merkzettel, Taschenrechner, HotSync,
Karteninfo |
| PALM‘ DESKTOP ORGANISER SOFTWARE |
Palm‘ Desktop-Software 4.01 |
| ZUSÄTZLICHE SOFTWARE |
AvantGo 4.0‘, Intellisync© Lite 4.0, gMovie‘, Documents To Go® 4.0
Standard Edition, gMovie |
| EINGEBAUTE LAUTSPRECHER |
Mono |
| MITGELIEFERTES ZUBEHÖR |
USB-Docking Station, Netzadapter, Stylus, Desktop-Installations-CD,
Schutzabdeckung |
|
|
| GARANTIE |
1 Jahr ab Kaufdatum |
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