Test: AV-Receiver Pioneer VSX-D811

Ausstattung
Die Decodierung von Extended Surround Tonformaten, sechs eingebaute Endstufen
und ein reichhaltiges Setup sind längst nicht mehr Kennzeichen nur sehr teurer
AV-Receiver. Immer mehr Firmen folgen dem Trend, für durchaus bezahlbare Preise
voll ausgestattete, universell einsetzbare Heimkino-Maschinen anzubieten. Auch
Pioneer mit dem wahlweise in silberner oder in schwarzer Version lieferbaren
VSX-D811 für 649 EUR ein solches Gerät im Programm. Das Ausstattungspaket,
dass Pioneer geschnürt hat, ist komplett: Nicht nur, dass das Multitalent Dolby
Digital EX, DTS ES Matrix/Discrete 6.1 sowie Dolby Pro Logic II (leider ohne
Einstellmöglichkeiten im Music Mode) und DTS Neo:6 decodiert, auch die 6.
Endstufe, wie die anderen fünf 100 Watt (DIN, 1 kHz, 8 Ohm) stark, wird
mitgeliefert. Und mit dieser Endstufe hat es, genauso wie auch beim Denon
AVR-1803, eine besondere Bewandtnis: Denn man kann an das Gerät 2 Back Surround
Lautsprecher anschließen, die Anschlüsse dafür sind vorhanden. Die Endstufe
lässt sich somit "splitten" und damit ist der Pioneer auch für den
7.1-Betrieb gerüstet. Die Ausstattung wird ergänzt durch verschiedene Advanced
Surround-Programme, darunter auch ein "Virtual Surround Back"-Programm
und ein 6-Kanal-Stereo-Modus. Der Pioneer besitzt auch mit eine wählbare
Subwoofer-Übernahmefrequenz (100/150/200 Hz), hier wünscht sich der
anspruchsvollere Heimcineast aber eine feinere Abstufung.

Das Design des Gerätes mit im oberen Bereich angeschrägter Frontplatte
zeigt die neue Stilrichtung des Hauses und wirkt sehr gefällig. Obwohl die
Frontplatte des VSX-D811 lediglich aus Kunststoff ist, ist der optische Eindruck
gut, ebenso die Anfassqualität, wenngleich nicht verschwiegen werden
soll, dass manche Konkurrenten wie z.B. der Kenwood KRF-X9060D oder der Denon
AVR-1803 mit ihren edlen Metallfronten noch hochwertiger wirken. Aufgeräumt
aber sieht der Pioneer auf jeden Fall aus, was auch daran liegt, dass die
Pioneer-Entwickler weniger oft benötigte, kleine Funktionstasten hinter eine
befriedigende verarbeitete Klappe verbannt haben. Dort findet sich auch ein
kompletter Front AV-Anschluss inklusive S-Video-Hosidenbuchse und optischem
Digitaleingang. Die mitgelieferte, vorprogrammierte und programmierbare
Fernbedienung ist ebenfalls von ordentlicher Qualität.
Der VSX-D811 ist, wie ein Blick auf die Geräterückseite zeigt,
gut mit Anschlüssen bestückt. So findet sich auch ein komplettes Set an
Pre-Outs für alle Kanäle. Selbstverständlich ist der AV-Receiver
S-Video-beschaltet, leider aber fehlen Komponentenanschlüsse. Für alle
Lautsprecher stehen solide Schraubverschlüsse zur Verfügung, es können zwei
Hauptlautsprecher-Paare (A und B) angeschlossen werden. Insgesamt gefällt der
VSX-D811 mit sehr guter Ausstattung und vielfältigen Anschlussmöglichkeiten.
Für die Zukunft wünschenswert wäre eine Metallfrontplatte und wieder
YUV-Anschlüsse, die der Vorgänger VSX-D810 mitbrachte.
Bewertung      
Bedienung
Hier
überzeugt der VSX-D811 durch Problemlosigkeit - besonders interessant: Im
Bedienungshandbuch ist eine Extrarubrik "5-Minuten-Anleitung"
enthalten, die für diejenigen gedacht ist, die es nach dem Auspacken ihres
neuen AV-Receivers kaum erwarten können, endlich ihre erste DVD oder CD
anzuhören. Und tatsächlich funktioniert diese Schnellkonfiguration in der
Praxis sehr einfach: Der Anwender muss nur eingeben, welche
Lautsprecheraufstellung er einsetzt (z.B. 7.1 oder 5.1), damit die
Delay-Time-Berechnung auch einigermaßen funktioniert und somit der Ton an allen
Lautsprechern auch in etwa gleichzeitig ankommt, hat Pioneer 3 verschiedene
"Room Size"-Programme erstellt, in denen die einzelnen
Lautsprechergruppen jeweils unterschiedliche Entfernungen zum Hörplatz
aufweisen: Small = "S" (Front 3,6 m, Center 3,0 m, Surround 1,8 m,
Surround Back 0,9 m), Medium = "M" (Front 3,6 m, Center 3,0 m,
Surround 2,1 m, Surround Back 1,5 m) und Large = "L" (Front 3,6 m,
Center 3,0 m, Surround 2,7 m, Surround Back 2,1 m). Natürlich besteht genauso
die Möglichkeit, im ebenfalls einfach zu handhabenden ausführlichen Setup die
Abstände der Lautsprecher zum Hörplatz den eigenen Bedingungen gemäß in
Metern einzustellen. Für die Größen der einzelnen Lautsprecher hält Pioneer
verschiedene vorgefertigte Konstellationen bereit, die auch praktisch alle in
der Praxis sinnvollen Zusammenstellungen beinhalten, so z.B. "FS-CS-SS", was dann heißt: Front
Large, Center Small, Surround Small, oder
"FL-C*-SL", was dann heißt: Front Large, Center nicht vorhanden
(dafür steht das Sternchen), Surround Large. Bedauerlicherweise steht für das
Setup kein On Screen Display zur Verfügung, mittels des ausreichend
dimensionierten, ansprechend auflösenden Gerätedisplays arten die
Einstellarbeiten aber trotzdem nicht in nervtötende Prozesse aus. So ist
die Zuweisung der Digitalein- und -ausgänge ebenso einfach wie das Einpegeln
mittels des recht ordentlich arbeitenden Testtongenerators. Die
Fernbedienung gefällt mit dem groß dimensionierten Navigationskreuz mit in der
Mitte platzierter Enter-Taste ebenso wie mit der sinnvollen Anzahl an Tasten,
dem großen Lautstärkeregler und der guten Reichweite. Nur eine Beleuchtung,
zumindest für die wichtigsten Funktionselemente, wird vermisst.
Bewertung      
Ton
Testequipment:
Klang Film
Hier kann der Pioneer VSX-D811 in einer Art und Weise auftrumpfen, die selbst
die etablierte und in der Summe ihrer Eigenschaften ebenfalls hervorragende
Konkurrenz erblassen lässt: Grund ist der extrem heftige Antritt des Pioneer
AV-Receivers, der bei "The Perfect Storm" für Gänsehaut beim
Zuhörer sorgt: Die krachenden Wellen, die die Schiffe wie Spielzeuge durch die
Luft fliegen lassen, überträgt der VSX-D811 grandios in den Hörraum. Wir
wählten bewusst das Wort "grandios", weil es zwar sicherlich
AV-Verstärker oder -Receiver gibt, die hier mit noch mehr Volumen und
Effektkraft aufwarten können, diese Geräte sind aber in anderen Preisklassen
zuhause. Besonders hervorzuheben ist, dass der Pioneer auch ohne angeschlossenen
aktiven Subwoofer zu einer Basswiedergabe in der Lage ist, die uns nur staunen
lässt: Anführen können wir verschiedene Szenen in "Star Wars Episode 1 -
The Phantom Menace", wo der AV-Receiver z.B. bei der Landung der
Besatzungstruppen auf dem Planenten Naboo mit einer überdurchschnittlich
voluminösen, gleichzeitig aber auch präzisen Basswiedergabe punkten kann. Was
die Kraftausbrüche ohne aktiven Subwoofer angeht, kann der Pioneer problemlos
an die Spitze der Klasse stürmen und sich diese Position mit dem Harman Kardon
AVR-3550 teilen, der zwar von der Auslegung her natürlicher klingt und nicht so
voluminös wie der Pioneer, aber bei Bedarf auch ohne aktiven Basslautsprecher
gnadenlos zupacken kann. Der Kenwood KRF-X9060D folgt mit nur minimalem Abstand.
Diese drei Geräte begeistern mit ihren basskräftigen, antrittsstarken
Endstufen und zeigen, dass selbst diejenigen, die nicht sofort mit einem aktiven
Subwoofer ihr Heimkino bestücken wollen oder können, trotzdem eine recht
eindrucksvolle Basspower genießen können. Denon AVR-1803 und Yamaha RX-V630,
beides Geräte, die in Anbetracht ihrer Ausstattung besonders preisgünstig
sind, zeigen aber auch tadellose Leistungen in dieser Disziplin. Unterschiede
hört man erst bei extremen Pegeln und bei sehr bassgewaltigen Filmsequenzen,
und dies auch erst dann, wenn man die Geräte alle klanglich kennt. Wer also
einen Yamahas RX-V630 oder einen Denon AVR-1803 kauft, ohne über einige Stunden
einem Pioneer VSX-D811 gelauscht zu haben, wird nichts wirklich vermissen. Ein
hochwertiger aktiver Subwoofer bringt natürlich trotzdem noch eine deutliche
Steigerung des Hörvergnügens, der maximal mögliche Bassdruck wächst
beträchtlich, die maximal fahrbaren Pegel steigen ebenso an wie die
Dauer-Performance, da der aktive Subwoofer den Endstufen Arbeit im
leistungsintensiven Bassbereich abnimmt. Unbedingt nötig ist ein aktiver
Subwoofer direkt am Anfang aber nicht. Dies zeigt, welch hohes Niveau inzwischen
auch in bezahlbaren Regionen herrscht, und dies straft vor allem diejenigen
Kritiker Lügen, die behaupten, es würde immer mehr gespart, und gerade in
Bezug auf die Performance der Endstufen wären immer weitere Verschlechterungen
feststellbar. Viel früher, da fand man vielleicht in Stereoverstärkern, damals
genau so teuer wie heute ein guter AV-Receiver und technisch im Vergleich zu
heutigen AV-Maschinen auf Steinzeitniveau, dickere Trafos und hochwertigere
Kondensatoren, diese Geräte jedoch waren auch nur für die Stereowiedergabe
geeignet und von der multifunktionalen Einsatzfähigkeit eines AV-Receivers
unserer Tage so weit entfernt wie Japan von Holland. Es mehrkanalig so gekonnt
krachen zu lassen, wie es der Pioneer in unseren Testreihen vormacht, das war
damals noch in weiter Ferne, mit seiner unglaublich weitläufigen, voluminösen
Surround-Klangkulisse markiert der Pioneer aber auch im Vergleich zur modernern
Mehrkanal-Konkurrenz seiner Preisklasse Spitzenwerte: Die durchs Weltall
fliegenden Raumschiffe in "The Phantom Menace" sind jederzeit exakt
ortbar und dröhnen mit unbändiger Kraft quer durch den Hörraum. Mit einer
hervorragenden, spritzigen und kraftvollen Wiedergabe auch bidirektionaler
Effektkombinationen werden alle Schlachten und Laserschwert-Gefechte zu einem
echten Erlebnis. Zur Auslegung des Pioneer passen Dipol-Lautsprecher für
Surround- und Back Surround-Betrieb hervorragend, ein räumlich dichter,
stimmiger und homogener Gesamteindruck ist die Folge. Da wir gerade beim
Thema Lautsprecher sind: Hier müssen wir eine kleine Kritik anbringen, denn die
3 Stufen (100, 150 und 200 Hz) für die einstellbare Übernahmefrequenz des
Subwoofers sind nicht unbedingt sehr reichhaltig. Wer einigermaßen brauchbare
Lautsprecher verwendet, sollte auf jeden Fall auf die 100 Hz-Einstellung
zurückgreifen, mit der sehr gute Resultate erzielt werden können. Natürlich, so argumentiert
man mit einigem Recht bei Pioneer, gibt es gerade bei Käufern von AV-Receivern
dieser Preisliga nicht allzu viele, die Lautsprechersysteme einsetzen, bei denen
die Frontlautsprecher z.B. problemlos Bässe bis 60 oder 80 Hz übertragen
könnten, aber zumindest die Chance sollte gegeben sein, solche Boxen sinnvoll
basstechnisch zu managen. Unser Vorschlag: Beim Nachfolgemodell eine feiner
gestufte und tiefer im Frequenzspektrum heruntergehende Einstellmöglichkeit,
z.B. in 10er-Schritten von 60 bis 150 Hz. Die 200 Hz-Einstellung ist in unseren
Augen überflüssig, denn ein klanglich so minderwertiges Sub-/Sat-System, bei
dem der aktive Subwoofer bereits bei 200 Hz ins Geschehen eingreifen muss, passt
nicht zu einem so erwachsenen AV-Receiver wie dem VSX-D811.
Doch ansonsten herrscht gerade in der Filmton-Wertung eitel Sonnenschein: Denn,
um echtes Heimkino-Feeling genießen zu können, darf der Hörraum auch ruhig
größer sein: Selbst in unserem 40 Quadratmeter-Testraum kam nie der Eindruck
von Kraftlosigkeit auf, selbst bei hohen Pegeln blieb die gesamte Dynamik
erhalten, weder Leistungseinbrüche noch Dynamikkompression konnten
herausgehört werden. Exzellent waren auch unsere Eindrücke von der klanglichen
Vorstellung, die der Pioneer bei "Mission To Mars" (Tonspur DTS ES
Discrete 6.1) zum besten gab. Hier war es, wie übrigens auch in unseren anderen
Filmbeispielen, klar heraushörbar, dass man mit zwei Back Surround
Lautsprechern eine noch homogenere, dichtere Surround-Klangkulisse erhält.
Durch die Möglichkeit, die eine Endstufe für den Back Surround Betrieb zu
splitten (der Denon AVR-1803 besitzt auch dieses Feature), können zwei
Lautsprecher an einer Endstufe betrieben werden. Natürlich können Entfernung
und Pegel aus diesen Gründen nur einmal eingestellt werden und nicht für jeden
der beiden Boxen getrennt, da sich die beiden Back Surround Lautsprecher aber
sowieso untereinander nicht in einem größeren Abstand befinden sollten, wirkt
sich dies nicht weiter nachteilig aus. Die Stimmwiedergabe ist, wie war es
anderes zu erwarten, sehr voluminös, homogen und gefällig, was die
Natürlichkeit angeht, muss sich der Pioneer aber dem Denon AVR-1803 und dem
Harman Kardon AVR-3550 geschlagen geben, wenn auch nur knapp. Sehr gut gab der
VSX-D811 den eindrucksvollen Music Score wieder, vor allem die Dynamiksprünge
und die klanggewaltigen Teile konnten gefallen. bezüglich der Detailgenauigkeit
gibt es jedoch noch präziser und facettenreicher agierende Geräte - der
Pioneer ist eben der "Kraftprotz" unter den AV-Receivern seiner
Preisklasse, und überragende Filigranarbeit überlässt er anderen. "Noboby
is Perfect", jeder setzt andere Schwerpunkte. Wer eine AV-Maschine sucht,
die alles kann, die feinfühlig ist bis ins letzte Detail, und gleichzeitig vor
Kratz strotzt, muss diese universellen Eigenschaften auch mit einem deutlich
höheren Kaufpreis bezahlen. Die insgesamt aber weit überdurchschnittlichen
Heimkino-Qualitäten des VSX-D811 werden auch belohnt: Erstmals erhält ein so
preisgünstiges Gerät sechs Sterne im Filmklang.
Klang Mehrkanal-Musik
Bei Ludwig van Beethovens Symphonie Nr. 8., vorgetragen von den Berliner
Philharmonikern unter Daniel Barenboim in der Staatsoper unter den Linden 1998 (DVD
in DD 5.1), überzeugt der starke AV-Receiver mit seinem dynamischen Antritt,
gerade die Orchestereinsätze bekommen so einiges an Brillanz und spontaner
Kraft mit auf den Weg. Auch hier also bleibt der Pioneer seiner Auslegung treu
und zeigt eindrucksvoll, wie groß seine Reserven sind. Wer also in hohen Pegeln
und in einem größeren Hörraum Musik genießen möchte, wird sich mit dieser
Charakteristik gern anfreunden, zudem offeriert der Pioneer, wenn er im 7.1
Modus läuft (selbstverständlich ist auch eine Einstellung im Setup anwählbar,
die es ermöglicht, die Back Surround Matrix permanent einzusetzen), eine sehr
dichte Surround-Klangkulisse. Für den, der dies mag, ist das ein entscheidender
Vorteil, Freunde eines exakter zu ortenden Klangs sollten lieber in
5.1-Einstellung hören. Immer jedoch ist das gesamte Klangbild von der
Souveränität des Antritts des VSX-D811 und den eindrucksvollen Orchestereinsätzen
geprägt. Ohne die Musik in ihren Grundzügen negativ zu beeinflussen, drückt
der bärenstarke Pioneer ihr seinen eigenen Stempel auf - wer hier behauptet,
AV-Receiver wären nicht gesoundet und alles hinge ausschließlich von den
Lautsprechern und von der Akustik des Hörraums (beide Faktoren haben
zweifelsohne sehr große Einflüsse auf den Klang, aber es sind nicht die
einzigen einflussnehmenden Größen!) ab, der sollte mal zum AV-Händler seines Vertrauens gehen
und ausgiebig Probe hören. Mit diesen Eigenschaften empfiehlt sich der Pioneer
nur nicht ganz für diejenigen Klassikfans, denen ein absolut natürliches
Klangbild und eine extreme Präzision bei der Detaileinarbeitung sehr wichtig
sind. Wer mit in dieser Preisklasse höchstmöglicher Transparenz im
Hochtonbereich und mit größtmöglichem Feingefühl mehrkanalige Klassik-DVDs
anhören möchte, sollte sich den Denon AVR-1803 oder den Harman Kardon AVR-3550
genauer ansehen. Kraftvolle Rockmusik und der VSX-D811 - das müsste eigentlich
gut zusammenpassen. Tut es auch, wie unsere Praxiserfahrungen mit der
Scorpions-Live-DVD "Acoustica" belegen: Das Live-Gefühl ist
großartig, man wähnt sich mitten im Konzert - so realistisch erklingen die
Beifallsbekundungen des Publikums. Die Wiedergabe der Instrument zeigt einmal
mehr, dass der VSX-D811 höchst souverän agiert, man kann getrost hohe Pegel
fahren, die Wiedergabe ist von größtmöglicher Dynamik und Antrittsstärke
bestimmt. Gut arbeitet der Pioneer die charakteristische Stimme des Sängers
heraus, die Verteilung Stimme/Instrumente wirkt gekonnt und harmonisch. Mit
sattem Bass, der ein solides Fundament für eine voluminöse Wiedergabe schafft,
dabei aber nicht unangenehm den gesamten Klang dominiert, spielt sich der
VSX-D811 bei der Wiedergabe des Steely Dan-Stücks "Cousin Dupree"
(auf der 5. DTS Demo-DVD) in unserer Gunst nach oben.
Klang Dolby Pro Logic II
Hier kann der "Kraftmeier" bei der Scooter-Doppel-DVD "Encore
- The Whole Story" zeigen, wo seine Talente liegen: Wie auch in den anderen
Testwertungen bringt der VSX-D811 einen unglaublich heftigen Bass heraus, obwohl
die Abmischung der DVD alles andere als übermäßig kraftvoll ist. Dem Pioneer
scheint es gleich zu sein, er "pusht" die Tracks mit der hohen
BPM-Zahl problemlos bis auf discotaugliche Lautstärken. Betrüblicherweise
schlug an einer nicht ganz passenden Stelle der Rotstift der Pioneer-Entwickler
zu: Denn Einstellmöglichkeiten im PLII Music Mode finden sich keine, so dass
man nicht die Klangverteilung Front/Surround ("Dimension Control")
sowie Front/Center ("Center Width Control") beeinflussen kann, sondern
sich mit der einprogrammierten Einstellung zufrieden geben muss. Dies geht zwar
zugegebenermaßen recht gut, aber je nach Software und/oder Equipment kann der
Sound schon einmal zu center- oder zu frontlastig sein, dann muss man sich eben
damit abfinden. Bei Toni Braxtons CD "Secrets" zeigte der Pioneer,
dass seine Wiedergabequalitäten im PLII Modus trotz fehlender Justageoptionen
bei dieser CD sehr ordentlich sind: Das Volumen konnte ebenso überzeugen wie
die Einarbeitung der Stimme. Bezüglich der Detailtreue erreicht der Pioneer
gute, aber nicht überdurchschnittliche Leistungen.
Klang Stereo
Bei der Bewertung der Stereo-Klanggüte kann der VSX-D811 voll befriedigende
Ergebnisse erzielen. Bei dieser überragenden Leistung im Heimkinobetrieb, die
der Pioneer während unserer Testprozedur zeigte, und den extrem dynamischen
Talenten im Mehrkanal-Musikeinsatz muss man dem preisgünstigen Gerät auch
einmal ein Ergebnis zugestehen, das nicht so brillant sind wie in den anderen
Teildisziplinen der Tonwertung. Schlecht ist der Klang aber auf keinen Fall, nur
das ist eben das Los des Gerätes, das in anderen Wertungen Maßstäbe setzt:
Wenn es mal nicht so gut abschneidet, hört dies das geschulte Ohr sofort. Das
Volumen des Klangs ist sehr gut, aber der Esprit und die Spielfreude, die z.B.
der Harman Kardon AVR-3550 und auch der Yamaha RX-V630 und der Denon AVR-1803 in
den Hörraum transportieren, kommt hier nicht so gekonnt zur Geltung. Der Klang
wirkt verhaltener, minimal bedeckter und nicht ganz so lebendig. Die
Plastizität ist ebenso voll befriedigend wie die Detaileinarbeitung.
Bewertung Klang Film      
Bewertung Klang Mehrkanal-Musik      
Bewertung Klang Dolby PLII      
Bewertung Klang Stereo      
Fazit
Mit dem VSX-D811 liefert Pioneer den eindeutigen Beweis dafür ab, dass eine
gewaltige Beschallung auch größerer Heimkinos um die 40 Quadratmeter
problemlos auch mit einem günstigeren AV-Receiver möglich ist - denn die Kraft
und das Antrittsvermögen der Endstufen können begeistern. Gerade bei Action-
oder Science-Fiktion-Spektakeln, die hochgradig "effekthaltig" sind,
kommt der Heimcineast voll auf seine Kosten. Im Vergleich zur starken Konkurrenz
setzt der Pioneer klare Prioritäten: Er bietet gewaltige Effektspektakel und
Kraftausbrüche wie kein zweites Gerät dieser Klasse, "feingeistige"
Arbeit wie die Darstellung feiner Nuancen im Musikbetrieb z.B. ist hingegen
nicht so ganz sein Ding. Damit stellt er die logische Fortsetzung des bereits
beim Vorgänger VSX-D810 in Mittelpunkt stehenden Konzepts dar. Am engsten
klanglich verwandt von
den Konkurrenzreceivern ist noch der Kenwood KRF-V9060D: Er tritt ähnlich
dynamisch an, wenngleich ihn der Pioneer nochmals leicht übertreffen kann, und
bietet ebenfalls viel Kraft. Doch auch hier hat er im Pioneer seinen Meister
gefunden, der gerade im Einsatz auch ohne aktiven Subwoofer oder in großen
Hörräumen einen nochmals energiegeladeneren Eindruck hinterlässt -
gerade in Anbetracht seines günstigen Kaufpreises ist es erstaunlich, welche
Heimkinoqualitäten der VSX-D811 mitbringt, denn der Pioneer kann auch mit
seiner überdurchschnittlich weitläufigen, voluminösen Surround-Klangkulisse
aufwarten. Damit empfiehlt sich dieses Gerät auch für den Einsatz von Dipolen
im Surroundbereich, weil diese die Auslegung des Pioneer wirkungsvoll
unterstützen. Der Kenwood bleibt trotzdem ebenfalls an der Klassenspitze, er ist,
eigentlich auch kein typischer "Feingeist", arbeitet kleine Nuancen
jedoch mit mehr Gefühl heraus und kontert mit der im Hochtonbereich noch etwas
transparenteren Auflösung sowie seinen exzellenten Surround-Aufpolierern, deren
Integration mit vielfältigen Einstellparamtern nochmals etwas besser gelungen ist als beim Pioneer. So ergibt sich
zwischen beiden Geräten summa summarum eine Patt-Situation, beide Male gibt es
vollausgestattete AV-Receiver, beim KRF-X9060D sogar noch mit THX-Zertifikat,
für faire Kaufpreise. Doch der Markt hält noch andere höchst interessante
Alternativen bereit: Der Denon AVR-1803, mit 599 EUR nochmals preisgünstiger
als der Pioneer, kann mit seiner herausragenden Detaileinarbeitung, seinem
klaren Hochtonbereich und seiner überdurchschnittlichen Stimmwiedergabe
punkten, dazu wirkt der Denon besonders nobel verarbeitet, bringt eine
ausgezeichnete Fernbedienung mit und kann, wenn es denn erforderlich ist, mit
sehr guten Kraftreserven aufwarten. Bezüglich der Ausstattung erfreut auch der
AVR-1803 mit viel Reichhaltigkeit, in den Punkten Dynamik, kraftvoller
Effektkulisse und Bassperformance, besonders im Heimkinobetrieb, behält der
Pioneer aber seine Führungsposition. Mit größtmöglicher klanglicher
Harmonie, einer sehr guten Verarbeitung und aufwändig programmierten DSPs sowie
seinem günstigen Preis (549 EUR) sichert der ebenfalls sehr empfehlenswerte
Yamaha RX-V630 in dieser Top-Gruppe einen Platz. Das Gerät mit besonders
hochwertigen, gerade im Dauereinsatz extrem leistungsfähigen Endstufen, einem
betont natürlichen Klangbild und der besten Stereowiedergabe dieser Klasse ist
nach wie vor der Harman Kardon AVR-3550. Scxhon gespannt sind wir auf die
bald zu testenden Marantz SR-4300 und Onkyo TX-SR600E - es gibt immer noch
Eigenschaftskombinationen, mit denen sich weitere, hervorragende Geräte bestens
positionieren können. So bietet diese Preisregion inzwischen
ein sehr breites Angebot an tadellosen AV-Receivern - alle hier genannten
Geräte weisen verschiedene überdurchschnittliche Leistungsmerkmale auf, die
auch innerhalb starker Konkurrenz in diesen einzelnen Disziplinen für eine
Sonderstellung sorgen. So muss sich der Käufer vor der Kaufentscheidung
überlegen, welchen Merkmalen er höchste Priorität beimisst, denn nur so kann
unter der Vielzahl der überragenden AV-Receiver dasjenige Gerät gefunden
werden, das auch auf die individuellen Bedürfnisse am besten zugeschnitten ist.
Wir raten auch immer wieder: Wer die Möglichkeit hat, sollte sich die ins Auge
gefassten Geräte auf jeden Fall ausgiebig anhören, am besten zu Hause im
eigenen Hörraum. Doch zurück zum Pioneer, der nicht nur im Heimkinoeinsatz
seine Muskeln spielen lässt, sondern auch mit einem hervorragenden
Bedienkonzept zu gefallen weiß. Viele nützliche Funktionen finden sich, die es
sowohl dem Einsteiger als auch dem erfahrenen Heimcineasten leicht möglich
machen, den VSX-D811 effektiv zu justieren. Die Ausstattung ist reichhaltig, nur
YUV Ein- und Ausgänge werden vermisst, und die Subwoofer-Übernahmefrequenz
sollte mehr Einstellmöglichkeiten, gerade in den tiefen Frequenzbereichen,
bieten. Die Verarbeitung des Pioneer ist sehr gut, das ganze Gerät macht einen
erwachsenen Eindruck, so dass als Resümee zu Buche steht: Eine klangstarke
Heimkinomaschine mit einfacher Bedienbarkeit zum günstigen Preis.
Der Heimkino-Hammer seiner Preisklasse

Mittelklasse
Test 07.10.2002
Preis-/Leistungsverhältnis:      
Pro:
- Überragende Heimkinoperformance
- Sehr kraftvolle Endstufen
- Auch ohne aktiven Subwoofer sehr gute Basswiedergabe
- Für die Beschallung von Hörräumen bis 40 Quadratmeter geeignet
- Reichhaltige und sinnvolle Ausstattung
- Einfache Bedienung
- Gute Verarbeitung
Contra:
Die technischen Daten:
6 x 100 Watt Ausgangsleistung (DIN, 1 kHz, 8 Ohm)
Integrierte Endstufe für Surround-Back-Channel
Integrierter Decoder für: Dolby Digital EX, Dolby ProLogic II
DTS-ES Discrete 6.1, DTS Neo:6
Tunerteil
RDS mit PS / PTY / RT
RDS-EON (News, Traffic) / EON-Link / Alarm
30 Stationsspeicher
DSP-Merkmale
5 Advanced Theater-Betriebsarten (u.a. Virtual Surround Back / 6-ch Stereo)
96 kHz / 24-Bit D/A-Wandler
Ausstattungsmerkmale
Quick Setup (Lautsprecher-Konfiguration & Raumgröße)
Klangregler & Balance (elektronisch)
Midnight Mode
Source Direct
Loudness
Muting-Schaltung
Punktmatrix-Display mit Dimmer
Volumenregler mit LED
Anschlussmöglichkeiten
Front AV-Eingang inkl. S-Video & opt. Digitaleingang
7.1-Kanal-Eingang für DVD-Audio & SACD
Digital-Eingänge: 2x koaxial, 2x optisch, 1x Front-AV
Audio-/Video-Eingänge: 4AV / 4A
Audio-/Video-Ausgänge: 1A / 1AV / 1V
Digital-Ausgang: 1x optisch
Alle Video-Eingänge & Ausgänge in Y/C und FBAS
Vorverstärkerausgang für alle Kanäle
Lautsprecherausgang für Surround-Back in Stereo/Mono
Lautsprecheranschlüsse geeignet für Bananen-Stecker
Lautsprecher A/B oder A+B (parallel)
Fernbedienung (vorprogrammiert & lernfähig)
Abmessungen
(B x H x T) in mm: 420 x 158 x 401
Gewicht: 10,0 kg
Farbe: Schwarz, Silbern
Preis: 649 EUR
Test: Carsten
Rampacher
07. Oktober 2002
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