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Test: Pioneer VSX-1015 (2/2)

25.07.2005 (cr)

Anschlüsse

Gutes Anschlussangebot: Der Pioneer VSX-1015 von hinten

Hier fällt auf dass direkt drei Komponenteneingänge (und ein Monitor-Komponentenausgang) vorhanden sind, ein löbliches Angebot, denn wenn ein analoger Videoverbindungsstandard noch einige Bedeutung mitbringt, dann ist es die YUV-Komponentenverbindung, durch die drei Eingänge kann der Anwender z.B. einen DVD-Recorder, einen DVD-Player und eine Set Top-Box an den VSX-1015 mittels Komponente anschließen und den Pioneer-Receiver als AV-Schaltzentrale nutzen. Leider ist als kleine Einschränkung anzugeben, dass die Komponentenverbindungen nur eine Bandbreite vn 40 MHz haben, was bedeutet, dass zwar 720p Signale, nicht aber 1.080i Signale ohne jegliche Signalverluste durchgeschliffen werden können. Das geht besser, so haben z.B. die neuen Denon AVR-2106/190/1706 allesamt 100 MHz-geeignete YUV-Terminals, was locker auch für 1.080i ausreicht. Yamaha stattet seine Modelle mit Komponentenanschlüssen für max. 60 MHz Bandbreite aus, was auch für 1.080i Signale genügt. 

Die sonstige Anschlussauswahl ist angemessen reichhaltig. Es finden sich drei optische Digitaleingänge, zwei koaxiale Digitaleingänge und einen optischen Digitalausgang - für überdurchschnittliche Bewertungen reicht diese Bestückung nicht, aber für gute Zensuren ist sie allemal ausreichend. Des Weiteren ist beim Pioneer auf der Rückseite ein sehr ordentlich gemachtes Speaker-Anschlussterminal mit Schraubverschlüssen zu finden, die Verschlüsse sind leichtgängig und groß genug ausgeführt. Es gibt ferner einen kompletten 7.1 Preout. Der Front AV-Eingang ist S-Video-beschaltet und mit einem optischen Digitaleingang versehen. 

Bewertung 
Bedienung

Kleines LC-Display auf der Fernbedienung 

Gut unterbrachtes Navigationskreuz, darunter rechts ist die Lautstärkereglung zu sehen

Pioneer setzt auch beim VSX-1015 auf ein gut zu durchschauendes Bedienkonzept. Nach kurzem Studium der ordentlichen Bedienungsanleitung ist es somit möglich, alle betriebsrelevanten Funktionen des Siebenkanalreceivers nutzen zu können. Die Fernbedienung bringt zwar eine recht üppige Anzahl von Tasten mit, nach etwas Eingewöhnung jedoch ist die Bedienung mittels des gut in der Hand liegenden IR-Controllers problemlos möglich. Ein kleines LC-Display zeigt die gerade aktivierte Funktionsebene an, das Navigationskreuz ist ebenso gut zu erreichen wie die Wipptaste für die Erhöhnung oder Senkung der Lautstärke. Die Fernbedienung ist, sehr löblich, sowohl vorprogrammiert als auch lernfähig, sollte der entsprechende Code einer Komponente sich nicht im vorprogrammierten Code-Umfang befinden. Nicht perfekt: Für die Tasten fehlt eine Beleuchtungsmöglichkeit, dies ist ein Mangel, den wir immer wieder feststellen, im abgedunkelten Home Cinema Raum ist dies ein wirklicher Nachteil. Ein gut strukturiertes OSD sorgt für weitere Pluspunkte.

Das Basis-OSD-Setup. Von hier aus kommt man in die einzelnen Untermenüs

Zunächst überprüft MCACC den Pegel der Umgebungsgeräusche (darf nicht zu hoch sein), den korrekten Anschluss des Mikrophons sowie die vorhandenen Lautsprecher

Später werden die Größe, die Entfernung sowie der Pegel der Lautsprecher festgelegt. In einem weiteren Arbeitsschritt nimmt sich ein 5-Band-Grafik-EQ jeder Box an

Dank des automatisch arbeitenden MCACC und dem übersichtlichen On Screen Display ist der Bedienkomfort als gelungen einzustufen. MCACC sorgt in der Praxis für wenig Ärger, weil die Messpräzision ordentlich und die Betriebssicherheit hoch ist. Sicherlich gibt es noch präzisere und schneller einmessende, neuere Systeme, aber ernsthaften Anlass zur Klage gibt es bei MCACC nicht. 

Kommen wir zu den Bedienelementen direkt auf der Gerätevorderseite. Hier stechen besonders die beiden großen Drehregler für Lautstärke und für verschiedene andere Geräteeinstellungen ins Auge, die sogar, nicht selbstverständlich in diesen Preisgefilden, aus Aluminium gefertigt sind. Beide Drehregler sind tadellos zu bedienen und sind ausreichend präzise geführt. Wer ganz genau ins Detail geht, wird hier trotz aller gebotenen Qualität Unterschiede zu höheren Preisklassen ausfindig machen, bei sehr edlen Modellen ist die präzise Rasterung und die sehr genaue Führung des Drehreglers dann nochmals besser. Direkt unterhalb des Lautstärkedrehreglers sind die Eingangswahltasten griffgünstig untergebracht. 

Gut ablesbares Punktmatrix-Display

Hinter der Alu-beplankten Frontklappe befinden sich die weniger oft verwendeten Bedienelemente, hier sind die Knöpfe teilweise ein wenig klein geraten, eine Beobachtung, die wir auch bei fast allen Kontrahenten schon gemacht haben. Gut: Das tadellos ablesbare Display hat gleich einen vierstufigen Dimmer (oft finden sich nur drei Dimmerstufen). 

Kurzfazit

Pro:

  • Griffsympathische, große Drehregler

  • Sehr gutes Display

  • Fernbedienung mit kleinem LC-Display

Contra:

  • Fernbedienung ohne Beleuchtung

  • Sehr umfangreiche Beschriftung der Fernbedienung

Bewertung
Ton

Testequipment

Pegelfestigkeit

Zunächst, typisch für die aktuelle Pioneer-Gerätegeneration, sehr zu loben ist die hohe Pegelfestigkeit, selbst wenige Minuten bei Maximallautstärke konnten dem VSX-1015 nichts anhaben. Die früher sehr sensiblen Schutzschaltungen der Pioneer AV-Receiver gehören der Vergangenheit an, der 1015 hat sich zwar auch abgeschaltet, aber erst, nachdem wir ihn durch brutale Explosionsszenen aus "Master & Commander" sowie aus "Star Wars Episode II" deutlich aus der Reserve gelockt haben. Auch in Verbindung mit hohen Pegeln bleibt stets eine sehr gute Verständlichkeit erhalten der VSX-1015 hat nicht mit einer gepressten, angestrengten Akustik zu kämpfen. Die Erhitzung des Gerätes bewegt sich unseren Erkenntnissen nach auf dem Level des Pioneer VSX-1014, ist also zwar spürbar, nimmt aber bei korrekter Aufstellung keine bedrohlichen Ausmaße an.

Wie steht der VSX-1015 im Vergleich zur Konkurrenz da? Die Antwort: Ausgezeichnet. Auf etwa dem identischen Level spielt der Yamaha RX-V757, der ebenfalls auch bei sehr hohen Pegeln und OHNE die Unterstützung eines zusätzlichen aktiven Subwoofers mit hervorragenden Leistungen dienen konnte. Vorteil des Pioneer für Pegelfanatiker, die sehr belastbare Front L/R-Lautsprecher einsetzen: Wem 5.1 reicht, der kann die Bi-Amping-Funktion des VSX-1015 nutzen und so auch sehr hochwertige Front-LS eindrucksvoll mit Power versorgen. Die Endstufen des Pioneer sind so leistungsfähig und bieten eine so klare, lebendige Wiedergabe, dass man den Bi-Amping-Modus ohne weiteres empfehlen kann. 

Erstaunlich gut im direkten Vergleich schlägt sich der kleinere Bruder VSX-915, nur, wenn der Hörraum über 30 Quadratmeter misst, zieht der 1015 schnell vorbei. Besonders die exzellente Verständlichkeit und die tadellose Detaillierung kann der 399 € kostende VSX-915 dann nicht bieten. Er wirkt angestrengter, wenn es dauerhaft mit heftigen Pegeln voran gehen soll. Gerade für die Nutzer kleinerer Hörräume bis rund 25 Quadratmeter ist der kleine 915 aber zumindest eine Alternative - wenngleich der monetär potentere Heimkinofan auch im kleinen Raum zum 1015 greifen kann, denn er trägt einfach alles mit mehr Souveränität und besserer Durchdringung vor. Auch der 379 € kostende Kenwood KRF-V7090D schlägt sich im direkten Vergleich sehr achtbar, lange bleibt der KRF-V7090D souverän. Der VSX-1015 zeigt dann jedoch bei sehr hohen Lautstärken, dass sein erreichbarer Maximalpegel für den Kenwood außer Reichweite liegt. Der Vorgänger VSX-1014 hatte nominell schwächere Endstufen, was sich im Direktvergleich mit dem Nachfolger 1015 aber nicht als wirklich hörbarer Nachteil entpuppte. Wir können beim 1015 im Vergleich zum 1014 keinen in der Praxis verwertbaren Anstieg der Pegelfestigkeit ausmachen. Der 1015 bleibt somit auf dem bereits sehr lobenswerten Level des 1014. 

Ein harter Konkurrent ist der Marantz SR-5500, der ebenfalls mit sehr belastbaren Endstufen antritt und direkt hinter dem Pioneer-Duo 10915/1015 und dem Yamaha RX-V757 den dritten Rang erobert. Nicht an diese Spitzengruppe heran kommen der Denon AVR-2105 und der Onkyo TX-SR602E sowie der Harman Kardon AVR-235, wobei es letzterem eigentlich nicht an Kraft fehlt, nur wirkt er bei hohen Pegeln etwas lustlos, was subjektiv für ein schlapperes Empfinden sorgt. Von ganz anderem Schlag ist der AVR-335, der mit 799 € zwar noch 100 € über dem VSX-1015 liegt und sogar 200 € über dem Yamaha RX-V757, dafür aber lässt es der 335 auch gewaltig krachen und ist gerade bei dauerhaft hohen Pegeln voll in seinem Element. Fazit: Sehr gute Leistung des VSX-1015, der 100 € günstigere RX-V757 ist praktisch ebenbürtig. Der AVR-335 von Harman Kardon ist bei extremer Pegelsucht in diesen Preisgefilden erste Wahl, mit 799 € aber auch teurer. Bilanzierend kann man festhalten, dass Vertreter wie der Harman Kardon AVR-335, der Pioneer VSX-1015 oder der Yamaha RX-V757 so manchem 1.000 €-Gerät gefährlich nahe rücken. Hier muss man schon zu den Top-Offerten der 1.000 € Klasse wie dem Harman Kardon AVR-435 greifen, um den nötigen Respektabstand wieder herzustellen. 

Dynamisch und pegelfest: Der VSX-1015 im Einsatz

Filmton
  • Material: Star Wars Episode I und II, die Mumie I und II, Master & Commander, 007: Stirb an einem anderen Tag, Gladiator, THX EX Ultimate Demo DVD, Harry Potter und der Gefangene von Askaban

Der VSX-1015 erfreute in allen Testreihen mit seinem frischen, transparenten Hochtonbereich, der auch großen Lautstärken noch viel Hörspaß verspricht. Allerdings ist der 1015 nicht zurückhaltend ausgelegt, das heißt, dass der obere Teil des Frequenzspektrums dann schon mit deutlicher Akzentuierung vorgetragen wird: Beispiele finden sich z.B. bei den Schwertkämpfen in "Gladiator", hier, beim klirrenden Aufeinander treffen der Schwerter, sollten die Lautsprecher schon einiges an Hochton-Nachdruck vertragen können. Auch im dritten Teil von Harry Potter, als in einer Szene der "Kopflose Nick" durch eine Glasscheibe springt, hört man die sehr klare Hochtonwiedergabe des VSX-1015. Daher sollte sich der Anwender sich vergewissern, dass er Lautsprecher besitzt, die mit dieser, sehr frischen, dynamischen Auslegung klar kommen. Es mag aber AV-Receiver geben, die noch verbindlicher, noch harmonischer bei hohen Pegeln wiedergeben - dann allerdings ist ein etwas zurückhaltender Sound die Folge, was mancher Hörer dann schon als etwas "undefiniert" betrachten dürfte. Hervorragend macht es der Yamaha RX-V757: Er ist eine Spur verbindlicher als der Pioneer, dämpft kleine, schrille Anteile noch etwas effektiver ab, ohne hörbar weniger Dynamik zu bieten. Meister der kontrollierten Hochtonwiedergabe bleibt der AVR-335 aus dem Hause HK, der auch bei sehr hohen Pegeln alles richtig macht: Eine mitreißende Wiedergabe, der aber praktisch jeder aggressive Touch komplett abgeht. Gleichzeitig aber wirkt der 335er stets direkt und stellt mit lobenswerter Frische dar, nie erhält der Hörende den Eindruck, dass über dem Hochtonbereich ein leichter Vorhang läge. Alle drei, Yamaha, Pioneer und Harman Kardon, beweisen, wie gut es inzwischen selbst bei Offerten zwischen 600 und 800 € um die Hochtonwiedergabe bestellt ist: Wer es sehr frisch, sehr akzentuiert mag, nimmt den Pioneer, wer größten Wert auf klare Wiedergabe bei großen Pegeln legt, greift zum HK, und wer einen sehr gelungenen Kompromiss aus Verbindlichkeit und Dynamik haben möchte, kauft den Yamaha. 

Auch die Stimmwiedergabe hat in diesen Preisregionen einen hohen Standard erreicht. Klare, natürliche, charismatisch klingende Stimmen bietet der VSX-1015, so dass es eine Freude ist, auch längeren Dialogsequenzen aufmerksam zu folgen. Die Trennung der Stimmen vom Rest der akustischen Kulisse gelingt dem Pioneer höchst überzeugend. Sehr beeindruckend ist, wie klar und natürlich auch hohe oder zarte Frauenstimmen klingen. 

Sehr brauchbar sind unserer Meinung nach die THX Select 2-Programme, die auch aus 5.1 Quellen sehr authentischen und dichten 7.1 Sound herausholen.  Select 2 Cinema bringt ausgezeichnete Ergebnisse in Form einer sehr dreidimensionalen Klangkulisse, welche den Zuhörer sehr schön umgibt. Man fühlt sich absolut eingeschlossen vom Geschehen, zudem ist auch die gebotenen Dynamik hervorragend, wenngleich in Bezug auf den Gesamteindruck einer dynamischen Darbietung keine Vorteile gegenüber dem Vorgänger auszumachen sind, bereits der  Pioneer VSX-1014 erfüllte hier sehr hohe Ansprüche, die nach wie vor dazu angetan sind, an der Klassenspitze mitzuspielen. Sehr gut stellt der VSX-1015 zum einen sehr effektstarke Szenen dar. Zu nennen wäre beispielsweise das legendäre "Pod Race" von Star Wars Episode 1, die über die unwirtliche Wüstenlandschaft Tattuins donnernden Pod Racer werden mit beinahe ungefiltertem Nachdruck dargestellt, erst bei sehr hohen Pegeln merkt man dann doch, dass der 1015 kein Bolide ist, der praktisch Leistung nach Wunsch liefern kann. Gerade in dieser Szene spielt sich in unserem Kopf noch immer ab, was der Denon AVC-A11XV für ein immenses Spektakel veranstaltet hatte, ein direkter Vergleich ist hier allerdings wegen der großen Preisdifferenz unfair. Wieder zeigte sich übringes der AVC-A11XV anders ausgelegt als bisherige Denon AV-Receiver, jegliche Zurückhaltung geht dem AVC-A11XV völlig ab, er tritt mit unglaublicher Dynamik, exzellenter Nachdrücklichkeit und einer begeisternden, direkten Natürlichkeit an.  

Doch für 700 € macht der Pioneer seine Sache extrem gut. Das beweisen auch die Startszenen in Episode II, als das Raumschiff mit Senatorin Amidalas Doppelgängerin an Bord auf Couscant landet: Der Bassdruck hüllt den Zuhörer ein, nur bei extemen Pegeln können die Endstufen - wie übrigens auch bei den leistungsstärksten Klassenkonkurrenten - nicht mehr ganz mit. Wer die offensichtlich hervorragenden Decoder des Pioneer trotzdem nutzen möchte, der kann einfach eine externe Endstufe anschließen, dann kann man auch solche Szenen mit THX Select 2 Cinema bei sehr hohen Lautstärken genießen. Selbst für gehobene Ansprüche dürfte die lobenswerte Performance der internen Endstufeneinheiten aber ausreichen, nur der sehr versierte Heimcineast wird nochmals deutlich höhere Leistungsansprüche haben. Die kurz auf die Landung, direkt noch am Landeplatz folgende Explosion gibt der VSX-1015 mit Nachdruck und Dynamik wieder, fast noch eindrucksvoller ist jedoch die erstaunliche Detaillierung, als die Überlebenden kurz darauf durchs Trümmerfeld waten. Übrigens: Genau diese akustische Beobachtung zeigt einen Unterschied zwischen VSX-1014 und VSX-1015 auf: Der 1015 hat nicht mehr diesen extremen Schub im Bassbereich, dafür detailliert er präziser. Nicht, dass es dem 1015 an Basskraft fehlt, aber diese nachdrückliche Schieben tieffrequenter Anteile durch den Hörraum bietet der 1015 nicht mehr im selben Umfang. 

Als direkter Konkurrent tritt wieder einmal der Yamaha RX-V757 in Erscheinung, der vor allem mit den ausgezeichneten Cinema DSP-Programmen "Sci-Fi", "Adventure" und "Spectacle" effektvolle Verfeinerungen im Detail zulässt. Der AVR-335 von Harman Kardon hat zwar weder THX Select 2 noch aufwändige DSPs, er kann einfach mit einer überaus gelungenen Grundabstimmung aufwarten und immer wieder seine bärenstarken Endstufen in die Waagschale werfen. Da er jedoch 100 € mehr kostet als der Pioneer, kann man auch eine Darbietung auf hohem Level erwarten - in der Filmtonwertung schafft es der HK im Endeffekt nicht, am Pioneer vorbeizuziehen - der VSX-1015 hält sich zusammen mit dem Yamaha RX-V757 hier an der Klassenspitze auf. Wie gut diese beiden Modelle sind, zeigen folgende Ergebnisse: Weder der Yamaha RX-V1500 noch der Marantz SR-7500, 849 bzw. 999 € teuer, können wirklich erheblich mehr als diese beiden überragenden Vertreter der 600 bis 700 €-Liga aufbieten. Und auch der Denon AVR-2805 ist durch seine zurückhaltendere Auslegung nicht in der Lage, VSX-1015 und RX-V757 zu übertrumpfen. gerade, wer eine effektvolle, umfassende Surroundwiedergabe schätzt, kommt am Pioneer oder am Yamaha nicht vorbei. Hier muss man dann schon unseren Leader der 1.000 €-Liga, den erstklassigen Harman Kardon AVR-435, heranziehen, der mit beispielloser Konsequenz zeigt, wo der Hammer hängt: Bei hohen Pegeln zieht er RX-V757 und VSX-1015 gnadenlos davon, nicht anders ergeht es der Konkurrenz des AVR-435 aus seiner Preisklasse. Seine 1.000 € Kaufpreis ist der atmosphärisch dicht und extrem dynamisch, dabei aber stets höchst kontrolliert darstellende HK absolut Wert. Der 435 ist die momentan preisgünstigste Möglichkeit, akustisch bereits in die Oberklasse einzusteigen, auch wenn das Gerät optisch nicht allzu viel hermacht.  

Mehrkanal-Musikwiedergabe

Auch bei Musikalischem konnte der VSX-1015 überzeugen. Ludwig van Beethovens "Pastorale" stellte er sehr charismatisch dar, was in Anbetracht der Preisliga doch verwunderte - schließlich ist der VSX-1015 durchaus noch als preislich bodenständig zu bezeichnen. Allerdings stellt der VSX-1015 diese Symphonie auf seine Art und Weise dar, und man muss die Auslegung schon mögen, soll wahre Begeisterung geweckt werden. Wie wir schon bei der Filmtonwertung erkannt haben, ist der Pioneer sehr frisch und klar ausgelegt, so lebt auch die Beethoven-Interpretation von der sehr unmittelbaren, schon fast kristallklaren Wiedergabe. Der VSX-1015, das wird hier deutlich, schiebt weniger druckvoll im Bassbereich im Vergleich zum Pioneer VSX-1014, aber auch im Vergleich zum Yamaha RX-V757. Dieses "Schieben" ist bei der Pastorale allerdings auch nicht gefragt, daher liefert der 1015 mit seinem natürlichen Klangbild hier schon eine sehr erfreuliche Leistung ab. Wer allerdings - auch solche Klassikliebhaber soll es geben - einen leicht warmen, sehr gehaltvoll-ausgeschmückten Klang erleben möchte, liegt hier ebenfalls falsch. Dazu ist der 1015 zu prägnant, zu unverblümt im oberen Mittelton- und Hochtonbereich, er lässt die Musik von Klarheit und Dynamik leben und nicht von größtmöglicher Wärme und Harmonie.  Dass die Endstufen auch problemlos für SACD und DVD-Audio geeignet sind, bewies uns der Pioneer bei "Frankie goes to Hollywood: Rage Hard, the Sonic Collection" (SACD) und bei "Eric Clapton, Reptile" (DVD-A). Bei "Relax" von Frankie goes to Hollywood fiel die sehr gute Stimm-/Instrumentaltrennung ebenso auf wie die tadellose Klarheit bei der Hochtonwiedergabe. Die kleinen Nuancen, die der VSX-1015 eindrucksvoll präzise einarbeitet, sorgten für den kompletten Klangeindruck bei "Reptile". Der VSX-1015 zeigte auch bei diesen beiden Beispielen seinen erfrischend authentischen Charakter, den Endstufen ist eine von verschiedenen Hörern bevorzugten neutrale Wiedergabe gar nicht so fern, für die Preisklasse machen sie ihre Sache wirklich überraschend gut. 

Dolby Pro Logic IIx/DTS Neo:6

Sehr gut kam der VSX-1015 mit der "Cult of Snap"-CD des HipHop/Eurodance Projekts Snap zurecht. Bei "The Power", "Oops up" und "Mary had a little Boy" beeindruckte die gelungene, dynamische Aufbereitung im Neo:6 Music-Modus, der frischer und natürlicher wirkte als PLIIx, die Dolby Konkurrenz bietet jedoch mehr Nachdruck, der Bass wirkt intensiver und die Surroundklangkulisse bietet mehr Volumen. Sehr gut managt der Pioneer die Basswiedergabe: Gerade bei "the Power" lässt der Pioneer die harten Kickbassanteile gnadenlos durch den Hörraum brettern, hier erreicht er das Niveau des Vorgängers, während er im tieffrequenten Bassbereich, dies merken wir auch in dieser Teilwertung, nicht mehr ganz den intensiven Schub aufbaut wie der VSX-1014.. Bei "Blank & Jones in the Mix", Volume 3, einer sehr gut abgemischten Trance-CD, konnte uns der VSX-1015 überzeugen - er legt den Klangteppich noch eine Spur sensibler über das Auditorium als der VSX-1014,  auch er konnte mit seiner Spontaneität und seiner Lockerheit im Hochtonbereich punkten. Der sauber strukturierte Mitteltonbereich passt hervorragend dazu. Im Vergleich kann sich nur der Yamaha RX-V757 noch etwas besser in Szene setzen. Während der Vorgänger RX-V750 eine etwas zu "lange Leitung" hatte und eher zurückhaltend und leicht verzögert zu Werke ging, macht der 757 alles besser - und nicht nur seinen Vorläufer schlägt er, sondern auch den VSX-1015, wenn auch nur knapp - aber der Yamaha schiebt noch nachdrücklicher an, lässt die Effekte mit noch mehr Dynamik durch den Hörraum fegen. Nicht, dass wir uns falsch verstehen, wir reden hier von Nuancen, aber interessant ist schon, wie unterschiedlich Entwicklungsprozesse ablaufen können: Während der VSX-1015 aufs Gesamte gesehen auf dem Level seines Vorgängers bleibt, haben die Yamaha-Entwickler für einen kräftigen Entwicklungsschub gesorgt und mit dem RX-V757 ein besonders gelungenes Paket für die Saison 2005 zusammen gestellt. Und die Konkurrenz? Wie zu erwarten war, bereitet es dem teureren AVR-335 von HK wenig Mühe, den beiden Modellen von Yamaha und Pioneer zu folgen, allerdings: Er schafft es nicht, den 200 € günstigeren Yamaha hörbar zu distanzieren, selbst im PLIIx Music Direktvergleich zieht der HK nicht weg. Auch interessant: Der Yamaha klingt in PLIIx deutlich besser als in Neo:6, der Pioneer schafft bei Neo:6 und PLIIx ähnliche, jedoch unterschiedlich ausgelegte Resultate, und der HK beeindruckte nicht bei Verwendung des z.B. beim größeren Bruder Harman Kardon AVR-435 exzellent klingenden Logic 7 Music am meisten, sondern auch in PLIIx Music.  Zurück zum VSX-1015. Verwendet man PLIIx Movie, kann man sehr zufrieden sein mit den Ergebnissen. Die sehr gut gestaffelte Effektkulisse und die ausgezeichnete Ortungsmöglichkeit auch bei schwierigen Effektkombinationen deutet an, dass PLIIx als echtes Siebenkanal-System hier wieder exzellente Dienste tut. DTS Neo:6 kommt hier als ernsthafte Alternative kaum in Frage.

Stereoklang

Klar und frisch klingt der VSX-1015 im Stereobetrieb

In dieser Wertung haben wir in Bezug auf die Zensuren angezogen und tragen damit dem Fakt Rechnung, dass Stereo wieder verstärkt in Mode kommt und daher die Stereowiedergabe wichtiger wird und nach einer intensiven akustischen Beobachtung verlangt. Daraus resultiert ein Stern der fehlenden 1,5 Sterne in der Stereowertung im Vergleich zum Pioneer VSX-1014, bei der nun gültigen Bewertung hätte der 1014 also noch fünf Sterne erhalten. Aber es fehlt immer noch ein halber Stern, und dieser ist auf die etwas verloren gegangene akustische Harmonie zurückzuführen. Der 1015 detailliert sogar besser als der 1014, durch den sehr klaren, prägnanten Hochtonbereich jedoch, der auf Dauer etwas mehr Nervosität ausstrahlt als der gelassener auftretende VSX-1014, gewinnt das Gerät nicht nur, sondern, je nach Anspruch, verliert auch an Attraktivität. Natürlich, es gibt nicht wenige Klassik- und Jazzfans, die diese sehr klare Ausarbeitung im Hochtonbereich schätzen. Wer dem VSX-1015 gerade bei sehr guten Aufnahmen aufmerksam zuhört und wer diese Art der sehr direkten, akzentuierten Darstellung schätzt, wird sehr zufrieden sein mit den Leistungen. Zudem schafft es der Pioneer gut, den Klang vom Lautsprecher zu lösen, was für einen feinen, gut verteilten akustischen Gesamteindruck sorgt. Nur, wer eine möglichst problemlose, angenehme Wiedergabe bei jeglicher Art von Ausgangsmaterial in den Fokus seiner Erwägungen zieht, könnte ein wenig enttäuscht sein, denn bei durchschnittlich aufgenommenen CDs mag kein rechtes "Feeling" aufkommen. Wer eine leicht warme und sehr harmonische Klangcharakteristik schätzt, sollte sich für den Stereobetrieb ebenfalls nach Alternativen mit anderer Auslegung umhören. 

Bewertung Pegelfestigkeit
Bewertung Klang Film
Bewertung Klang Mehrkanal-Musik
Bewertung Klang Surround-Aufpolierer
Bewertung Klang Stereo
Fazit

Der VSX-1015 gehört zu den besten Vertretern in der hart umkämpfen Klasse bis 800 €. Er überzeugt ganz besonders durch seinen konkurrenzlos noblen Eindruck, der ihm die Aura eines kleinen Boliden verleiht. Was die gesamte äußere Verarbeitung angeht, setzt der 1015 Maßstäbe. Auch innen zeigt sich der Siebenkanalreceiver als durchdacht aufgebaut. Als einzigen Kritikpunkt müssen wir hier die Blech-Kühlkörper nennen. Ausgestattet ist der Pioneer reichhaltig, aber nicht komplett. So finden sich an Pluspunkten das neue THX Select 2-Zertifikat, die Nutzungsmöglichkeiten der Back Surround-Endstufen für Multiroom oder Front L/R Bi-Amping, das On Screen Display sowie eine ordentliche DSP-Sektion und MCACC inklusive Equalizing. Als Nachteile führen wir das Fehlen weiter gehender Multiroom-Optionen (z.B. Support einer 3. Hörzone) sowie vor allem die Abwesenheit einer einstellbaren Audio Delay-Funktion an. Auch die Komponentenverbindungen sind nicht perfekt, da die Bandbreite von 40 MHz lediglich für 720p, nicht aber für höher auflösende HDTV Signale ausreicht. Die Bedienung des VSX-1015 ist summa summarum einfach, es fehlt uns aber eine Beleuchtungsmöglichkeit für die Fernbedienung. Sehr gut arbeitet immer noch das "klassische" MCACC, Konkurrenzsysteme sind zwar schneller, aber die Betriebssicherheit sowie die Präzision verdienen sich immer noch prima Zensuren. Akustisch liegt der VSX-1015 kaum über dem Vorgänger VSX-1014, was kein allzu großes Wunder ist, da der VSX-1014 ein besonders gut gelungener AV-Receiver war und ist. Nur die superbe THX Select Cinema-Integration sorgt für Furore, allerdings vor allem bei sehr hochwertigem Quellmaterial. Vor knapp einem Jahr konnte der VSX-1014 noch Maßstäbe setzen, dem Nachfolger gelingt dies nicht ganz, da er knallhart vom Yamaha RX-V757 von unten (599 €) und von oben vom HK AVR-335 (799 €) in de Zange genommen wird. Ganz besonders der Yamaha dürfte für viel Aufregung bei der Konkurrenz sorgen, da er für knapp 600 € momentan konkurrenzlos ist und mit seinen ohne jede Einschränkung begeisternden Klangqualitäten selbst dem deutlich teureren "Hauskameraden" RX-V1500 auf den Pelz rückt. Insgesamt ist der pegelfeste, dynamisch und agil klingende VSX-1015 nach wie vor ein exzellenter AV-Receiver, der besonders für diejenigen Käufer interessant ist, die sehr ansprechende akustische Qualitäten mit eindrucksvoller Optik zu einem fairen Kaufpreis kombiniert haben möchten.

Kleiner Bolide: Mit starkem optischen Auftritt und dynamischen klanglichen Antritt ist der VSX-1015 ganz vorn mit dabei
Gesamturteil:
 
Mittelklasse
Test 26. Juli 2005
Preis-/Leistungsverhältnis:
Pro:
  • Eindrucksvoller optischer Auftritt

  • Hochwertige Detaillösungen (Runde Gehäusekanten, Gerätestandfüße)

  • Sauberer, konsequenter innerer Aufbau

  • Sehr gute Pegelfestigkeit

  • Ausgezeichnete Dynamik

  • Klare Trennung von Stimmen und Effekten bzw. Stimmen und Instrumenten

  • Überragende Kickbasswiedergabe

  • Klarer, harmonischer und frischer Stereoklang

  • Hervorragend integrierte Surroundaufpolierer

  • THX Select 2-Lizenz mit effektvollen Surround-Modi

  • Insgesamt einfache Bedienung

  • Tadelloses Preis-/Leistungsverhältnis

  • Vorprogrammierte und lernfähige Fernbedienung

Contra:
  • Kein Audio Delay

  • Wenig Multiroom-Optionen

  • Fernbedienung ohne Beleuchtung

  • Subwoofer-Übernahmefrequenz nur mit 30 Hz-Schritten

  • Komponentenanschlüsse nur mit 40 MHz Bandbreite

Die technischen Daten
  • A/V-Receiver Pioneer VSX-1015
    Leistung: : 7 x 150 Watt (6 Ohm) 
    Ausstattung: THX Select 2-Zertifikat, Decoder für THX Surround EX, Dolby Digital EX, dts ES Matrix/Discrete 6.1, dts 96/24, Pro Logic IIx, dts Neo:6, MCACC, 192 kHz/24-Bit D/A-Wandler, hochwertiger DSP-Prozessor, einstellbare Subwoofer-Übernahmefrequenz,, Fernbedienung mit LC-Display: Vorprogrammiert und lernfähig, DOT-Matrix-Display, Metallfrontplatte
    Eingänge Audio: 5.1-Kanal-Eingang, 6 x Digital (4 x optisch, 2 x koaxial, inkl. Front), Audioeingang, 7 Stereo-Cinch (inkl. Front)
    Eingänge Video: 3 x YUV, 5 x FBAS/S-Video 
    Ausgänge Audio: digital optisch, 7.1 Preout, 2 x Stereo-Cinch
    Ausgänge Video: YUV, S-Video/FBAS, Monitor S-Video/FBAS 
    Maße (B x H x T) 420 x 173 x 465 mm
    Gewicht: 15,4 kg
    erhältl. Farben: Silber, Schwarz 
    Preis: € 699,–

26. Juli 2005
Test: Carsten Rampacher

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