Preview: Pioneer VSA-AX10Ai-S
16.03.2005 (cr)
Der Kampf im AV-Boliden-Business um die Krone des weltbesten
AV-Receivers/-Verstärkers tobt momentan mehr denn je. Vor kurzem spitzte sich die
Situation weiter zu, denn der Onkyo TX-NR5000E
agierte im Megatest wie ein wahrer Champion und hat vorerst die Krone inne. Unsere
Leser warten bereits jetzt auf unser Boliden-Round-Up, was sich aufgrund des
Aufwandes noch bis Mai hinziehen wird. Als Hauptkonkurrent des Onkyo wird von
den Experten eigentlich ausschließlich der Denon
AVC-A1XV gesehen, dabei gibt es auch noch weitere Boliden, die keinesfalls
unterschätzt werden dürfen. Einer von diesen sehr ernstzunehmenden
Kontrahenten kommt aus dem Hause Pioneer und hört auf den Namen VSA-AX10Ai-S.
5.300 € wechseln hier den Besitzer, ein stolzer Preis, der von einem gewissen
Selbstbewusstsein zeugt.
Zweizeiliges Display, edle Anmutung der Gerätefront
Doch wie stehen die Chancen wirklich? An der Optik und der
Verarbeitung sollte ein erfreuliches Abschneiden des großen Pioneer schon
einmal nicht scheitern, denn das Finish macht einen rundherum hochwertigen
Eindruck. Die massive TAOC Bodenplatte sieht allerdings nicht sonderlich gut
aus, die Struktur des verwendeten Materials bietet einen gewöhnungsbedürftigen
Anblick. Die TAOC-Basis dient der Stabilität und der Klanggüte und kommt von
der gleichnamigen Manufaktur, die bekannt ist als High Quality Audio Zubehörmarke mit viel Erfahrung im
Bereich der Resonanzdämmung. Die 4 kg schwere Grundplatte ist aus einem
speziellen Anti-Resonanz-Material gefertigt und erhöht die Festigkeit und Stabilität des
Chassis deutlich. Extern auf die Elektronik einwirkende Vibrationen werden
effektiv ausgeschaltet, da das Material 10-mal so resonanzhemmend ist wie
Stahl. Zusätzlich verstärkt die neue 3-D Rahmenkonstruktion die physikalische Stabilität.
Im Gegensatz zu konventionellen Rahmen sind alle Teile mit mehreren Winkeln am
Rahmen befestigt. Das Gerät ist so massiv ausgelegt, dass es den 10kg schweren
Transformator ohne mechanische Beeinträchtigungen verkraften kann. Das
doppellagige Chassis bildet eine extrem feste Basis für den 3-D Rahmen.
Darüber hinaus wurde das Chassis verkupfert, um Signalinterferenzen zwischen
den Schaltkreisen und Baugruppen auszuschließen.
Hochwertiges Detail: Massive Klappe
Auch bei optischen und haptischen Details ging Pioneer
sorgfältig vor. Sehr gut gefällt uns die
vollmassive Klappe auf der aus gebürstetem Aluminium bestehenden Gerätefront -
hier bietet selbst der ansonsten perfekt verarbeitete Onkyo TX-NR5000E
nur eine innen hohle Klappe. Auch die beiden großen Drehregler sind qualitativ
überzeugend, im direkten Vergleich wirkt der Lautstärkedrehregler des Onkyo
aber nochmals "highendiger". Das Display des VSA-AX10Ai-S ist
zweizeilig und passt mit seinem guten Kontrast prima zu diesem Boliden. Auch die
Gehäuseseitenteile und der massive Gehäusedeckel bieten eine erstklassige
Material- und Verarbeitungsqualität. Des Denons wunden Punkt, die nicht ganz zum Anspruch des Hauptgerätes passende
Fernbedienung, ist beim Pioneer kein Thema. Die noble und nicht zu klobig
geratene Touchscreen-Fernbedienung in PDA-Optik wird zweifelsohne höchsten
Ansprüchen gerecht und stellt eine absolut angemessene Remote-Kontrolleinheit
für einen derartig exklusiven Boliden dar.
Die Ausstattung des Pioneer VSA-AX10Ai-S fällt reichlich aus.
Zunächst ist zu bemerken, dass der Verstärker genauso wie der Vorgänger eine
i.link-Schnittstelle für die digitale Übertragung hochauflösender Tondaten
mitbringt und dass das Ai-S-Modell über die weiterentwickelte MCACC-Version
"Advanced MCACC" verfügt, die ein präziseres Einmessen unter der
Berücksichtigung von noch mehr Parametern ermöglicht. Das System arbeitet mit einer neuartigen 3D-Kalibrierungsmethode. Mit Advanced MCACC wird jeglicher Nachhall im Raum berücksichtigt, wodurch eine noch genauere Kalibrierung ermöglicht wird. Dabei fließt der Faktor Zeit als dritte Dimension
(daher 3-D) bei der Kalibrierung mit ein. Zusätzlich zur automatischen Einmessung kann man sich, ist man
entsprechend versiert, auch noch manuell zur Genüge betätigen. Der Pioneer hat
hier eine Vielfalt an Funktionen, die beinahe unbegrenzte Möglichkeiten
inklusive Datenübertragung zum PC mittels RS232-Schnittstelle beinhaltet. Das
Mikrophon, welches zur Messung verwendet wird, macht einen sehr soliden und
hochwertigen Eindruck.
An Decodern wird alles Marktübliche aufgeboten, in der
Bolidenklasse ist auch e in THX Ultra II-Zertifikat eher normales
Ausstattungsmerkmal als purer Luxus. Hervor tut sich der Pioneer durch die Air
Studios-Klangoptimierung. Wer hinter den Air Studios eine Soundtuning-Dependance
der Lufthansa vermutet, liegt komplett falsch, denn es handelt sich um ein
englisches Unternehmen von Weltruf, das in einer alten Kirche residiert und in
dessen Studios schon legendäre Musiker ihre Platten aufnahmen.
Ein sehr interessantes, zukunftsträchtiges Ausstattungsmerkmal:
Der VSA-AX10Ai-S kann das von Microsoft entwickelte WMA9 Pro
(der zukünftige Mehrkanal-Standard im Internet) decodieren. Unter Verwendung eines mehrkanalfähigen PC steht hoch auflösendes Stereo (96kHz/24-Bit) oder diskreter 5.1 Surround-Ton mit Kompressionsraten von 128kbps bis 768kbps zur Verfügung.
Bei allen Bitraten liefert die Wiedergabe mit WMA9 Pro dank neuester Audio-Codec-Technik eine höhere Klangtreue als andere Komprimierungsalgorithmen.
Die ersten DVD-ROM mit Windows Media 9 High Definition Video in Verbindung mit WMA9 Pro sind bereits erschienen und eröffnen ein neues Zeitalter mit exzellenter Audio- & Videoqualität.
Erwähnenswert gerade in diesem Zusammenhang ist auch die
multichannel-fähige USB-Schnittstelle. Sie unterstützt die
folgenden Formate: DVD-Video, VCD 2.0, SVCD, Audio-CD, DVD-RAM & DVD-RW (VR Mode),
Video Datei mit Endung ASF, ASX, AVI, MPG, MPEG, M2V, VOB, DAT, Audio Datei mit Endung AC3, DAT, M2A, M2P,
MPG, MPEG, MP3, M3U. Doch zurück zu "bodenständigen"
und in Bezug auf ihre Funktionsweise hinlänglich bekannten Baugruppen. Die D/A-Wandlung wird im VSA-AX10Ai-S
von streng selektierten 192 kHz/24-Bit D/A-Wandlern von Burr Brown
vorgenommen, die für jeden der acht Kanäle separat arbeiten. Die besonders hochwertigen Multibit-Wandler vom Typ PCM1704 werden
in hochwertigen Consumer-Produkten und professionellen Studiogeräten eingesetzt und erreichen einen exzellenten Signal-/Rauschabstand. Auch
integriert in den Verstärker ist ein Audio Scaler, der sich für jede digitale
Programmquelle eignet, insbesondere jedoch für datenreduzierte Formate wie MP3, ATRAC
(MiniDisc, Memory Stick) sowie für DTS und Dolby Digital.
In Verbindung mit den 192 kHz / 24-Bit D/A-Wandlern erreichen so selbst stark komprimierte Musikdaten eine hohe Wiedergabequalität.
Die Hi-Bit Wandlung erweitert zunächst die reduzierten Linear PCM-Signale auf eine Wortlänge von 24 Bit.
Das Ergebnis ist eine erhöhte Präzision. Gleichzeitig erweitert High Sampling (Legato Link) den Frequenzgang, wodurch die Klangfarben und Gesamtbalance des Originals
weitgehend wiederhergestellt werden. Natürlich bringt der
VSA-AX10Ai-S auch eine Lip Sync-Funktion mit. Einige Projektoren, Plasma-Displays oder externe Video-Scaler geben Bildinformationen
aufgrund des aufwändigen Video Processings (z.B. Progressive Scan
Signalverarbeitung, Upscaling) mit einer kurzen Verzögerung wieder, sodass der Ton nicht vollständig mit dem Bild synchronisiert ist.
Der Pioneer VSA-AX10Ai-S verfügt über eine Anpassung der Verzögerungszeit im Bereich
von 0,0 bis 6,0 Frames, einstellbar in Schritten zu 0,1 Frames. Ein
weiteres, für diesen Boliden typisches Feature ist der sogenannte Bi-Surround-Modus. Rechteckige Räume stellen eine besondere Herausforderung dar,
da der Schall einen weit größeren Bereich von vorn nach hinten zurücklegen muss.
Im Bi-Surround Modus werden zwei Surround-Lautsprecherpaare von verschiedenen Verstärkern angetrieben; zwei dieser Lautsprecher werden von den Surround Back-Verstärkern angetrieben.
Das Ergebnis: Der gesamte Raum wird in diffusen Surroundton eingehüllt. Was
fehlt in der Ausstattungsliste? Spontan fallen uns Multiroom-Funktionen ein, die
immer wichtiger werden, da mehr und mehr Käufer mit einem Highend-Boliden zwei
oder drei Hörzonen versorgen möchten. Hier bietet Pioneer nur eine
A/B-Lautsprecherumschaltung. Auch vermissen wir HDMI-Interfaces, die Pioneer als
HDMI-Spezialist aber bestimmt beim Nachfolger mitliefert. Auch einen internen
Scaler hat der VSA-AX10Ai-S nicht, ob man diesen allerdings unbedingt benötigt,
sei einmal dahingestellt. Was wirklich fehlt, ist ein zumindest
teilmodularer Aufbau. Die aktuellen AV-Boliden sind derart teuer geworden, dass
man sie nicht nach 1,5 Jahren schon wieder mit riesigem Verlust verkaufen oder
aber ein technische veraltetes Gerät nutzen möchte. Daher sollten edle
Boliden auf jeden Fall auf möglichst einfache Art und Weise upgradefähig sein.
Wie so etwas geht, beweist der Onkyo TX-NR5000E.
Hier sollten sich alle Hersteller Gedanken machen, wie die Boliden lange Zeit
auf dem neusten Stand gehalten werden können - nur so stellt sich dauerhaft
Kundenzufriedenheit ein, denn dass sich Kunden "alle Jahre wieder" einen neuen
Highendboliden kaufen - davon ist eher nicht auszugehen. Und, zum Thema
"Geld verdienen": Dies kann man auch mit gut gemachten Upgrades zu
fairen Preisen, die dann ein Großteil der Käufer erstehen. 
Übersichtlich
und elegant: Touchscreen-Fernbedienung des VSA-AX10Ai-S Kommen
wir zur Bedienbarkeit - Pioneer hat es hier geschafft, im Rahmen der
Möglichkeiten die beste uns bekannte Touchscreenfernbedienung zu konzipieren.
Warum dieses große Lob? Nun, die Größe ist angenehm, Pioneer hat es
geschafft, eine recht schlanke und nicht zu dicke Fernbedienung zu bauen, die
man auch mit einer Hand bedienen kann. So spontan und intuitiv wie eine
gut gemachte tastenbasierte Fernbedienung ist eine
2-Wege-Touchscreen-Kontrolleinheit zwar nicht zu handhaben, aber die
Reaktionszeiten sind absolut in Ordnung. Außerdem ist der
berührungsempfindliche Bildschirm nicht überfrachtet mit Symbolen, sondern
klar strukturiert. Der tadellose Kontrast (zusätzlich an der Seite individuell
einstellbar) tut sein Übriges dazu, die Fernbedienung in sehr gutem Licht
dastehen zu lassen. Die Bedienelemente am AV-Verstärker selber sind gut
zu handhaben, die Tasten unter der Klappe aber teilweise zu klein. Die extrem
vielfältigen Einstelloptionen in Bezug auf die Lautsprecher-Optimierung muss
man sich in aller Ruhe und mit viel Zeit einverleiben. Hier hat Pioneer ein
ideales Betätigungsfeld für Hobbyakustiker geschaffen, ohne durch
sinnlosen technischen Overkill negativ aufzufallen. Die
Frage, die brennend interessiert, ist natürlich nun: Wie klingt denn der
VSA-AX10Ai-S? Wer sich einen schnellen Einmessvorgang mittels
Advanced MCACC gegönnt hat, wird zunächst vielleicht etwas enttäuscht sein.
Besonders, dass das System dazu neigt, nicht oder nur eingeschränkt
basstaugliche Lautsprecher als "large" einzustufen, stört doch ein
wenig. Auch die zu niedrige Einpegelung des aktiven Subwoofers ist zu nennen, so
dass nach dem Einmessvorgang der Klang kaum Bassanteile aufweist. Wer sich
jedoch die Mühe macht, manuell nachoptimiert und tiefer in die Justagelogik des
Ai-S einsteigt, wird nachhaltig belohnt. Denn was der Bolide dann aus so
manchem Lautsprechersystem holt, ist schlichtweg beeindruckend (als Beispiel
dient hier z.B. ein kompaktes Jamo D4-Set). Die
Lautsprecher spielen danach vehement und dynamisch auf, die Übergänge zwischen
den einzelnen Frequenzbereichen passen hervorragend. Und wie sieht der
Pioneer im Vergleich zur Bolidenkonkurrenz aus? Bereits die ersten Testläufe
endeten vielversprechend. Zwar, so prognostizieren wir, wird er den im höchsten
Maße ausgeglichenen TX-NR5000E nicht
vom Thron stürzen können, aber der Pioneer hat mit seiner sehr kräftigen,
nachdrücklichen Auslegung ein gewichtiges Wörtchen im Bolidenbusiness
mitzureden. Besonders als Maschine für stark effektlastige
Actionspektakel wird er sich im Bolidenvergleichstest ein knallhartes Rennen mit
dem Denon liefern - einfach wird der Pioneer nicht zu schlagen sein, denn er
prescht mit seinem wuchtigen, zugleich aber schnellen Bass mächtig nach vorne. Das
Herausragende am Bass des VSA-AX10Ai-S ist vor allem, dass er trotz seiner
immensen Durchschlagskraft nicht oberflächlich oder krawallartig wirkt.
Vielmehr sind die Kraftausbrüche des Pioneer von tadelloser Struktur durchwirkt
(Test-DVDs: Die Mumie 2, Gladiator, Stirb an einem anderen Tag). Der
Mitteltonbereich präsentiert sich ausgewogen und klar, die praktisch perfekte
Akzentuierung des TX-NR5000E erreicht
der von seiner Konstruktion her auch ältere Pioneer nicht ganz. Stimmen wirken
beim Onkyo noch etwas ausdrucksstärker und filigraner. Die massive Kraft, mit
der der Pioneer anschiebt, merkt man aber auch im Mitteltonbereich jederzeit.
Die Hochtonwiedergabe betreffend ist der Pioneer zurückhaltender ausgelegt als
der höchst brillante und zugleich höchst angenehm-homogene Onkyo. Das hat auch
seinen guten Grund: Durch den brutalen Bass animiert der VSA-AX10Ai-S zum
absolut hemmungslosen Dreh am Lautstärkeregler. Und, das muss man dem Pioneer
lassen, durch die etwas geringere Transparenz und Strahlkraft im Hochtonbereich
bietet der Pioneer eine kinosoundähnliche Auslegung (auch im Kino wird ein Teil
der Hochtontransparenz zu Gunsten kräftiger Pegeltreiberei geopfert), die
praktisch alle Pegel mitgeht - besonders im THX Modus mit ins Postprocessing
integrierter Höhenanpassung, bei höchsten Pegeln ein zusätzliches probates
Mittel, um die Souveränität des VSA-AX10Ai-S in vollem Umfang zu erhalten.
Und, Hand aufs Herz: Bei einer Lautstärke, bei der der Funfaktor klar im
Vordergrund steht, gehen audiophile Detailliebhaber sowieso lieber nach Hause. Im
Musikbetrieb bleibt sich der Pioneer treu und präsentiert sich als AV-Maschine,
die ständig animiert, den Pegel zu erhöhen. Er ist extrem dynamisch, die
Effekte schleudern quer durch den Hörraum, so dass der Hörer einfach mitgehen
muss - der Pioneer begeistert durch seine Unmittelbarkeit, seinen Druck und
seine Spielfreude. Mehr Höreindrücke können Sie im bald erscheinenden
ausführlichen Test lesen. Preview: Carsten Rampacher
16. März 2005
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