Mega-Test: Pioneer VSA-AX10Ai-S mit extragroßem Verstärkertechnik-Teil! (3/5)
24.05.2005 (cr)
Zu Punkt 4: Advanced Multi-Channel Acoustic
Calibration System mit grafischem Equalizer
Momentan liegen sie groß im Trend - die Rede ist von
automatisierten Lautsprecher-Einmesssystemen. Mittels eines Messmikrophons, das,
am Hörplatz aufgestellt, an den AV-Verstärker oder -Receiver angeschlossen
wird, holt sich die geräteinterne Elektronik die benötigten Werte. Zu
unterscheiden sind verschiedene Systeme:
-
Die Einfachlösung. Hier wird lediglich ein Basis-Setup
ermittelt, das aus der Berechnung von drei Parametern besteht:
Lautsprechergröße (small/large), Distanz der einzelnen Box vom Hörplatz
sowie Pegelabgleich an der Hörposition
-
Die Komplettlösung. Zusätzlich zu den Basis-Parametern
wird noch von jeder einzelnen Box ein Equalizing durchgeführt, um sie
akustisch optimal anzupassen. Je nach Modell kann der EQ unterschiedlich
viele Bänder aufweisen und parametrisch oder grafisch arbeiten.
-
Die Luxuslösung. Zusätzlich zur vollautomatischen
Kalibrierung ist noch eine vollständige manuelle Eingriffsmöglichkeit für
den Anwender gegeben. Er kann dann, sollten die Messergebnisse nicht seinen
Vorstellungen entsprechen, manuell optimieren. Dabei steht ihm der
vollständige EQ, der von der Automatik verwendet wird, zur manuellen
Verfügung.
Einen besonders aufwändigen Weg geht Denon beim AVC-A1XV
und auch beim neuen AVC-A11XV
mit dem LS-Einmesssystem Audyssey MultEQ X, denn hier besteht die Möglichkeit
zur gleichzeitigen Korrektur der raumabhängigen Frequenzgänge der Lautsprecher
für 6 bis 8 Positionen, das heißt, der enge Spot, auf den das optimale
Klangerlebnis bei einer normalen Messung an einer Hörposition beschränkt ist,
wird durch die Messung an weiteren Hörpositionen wesentlich erweitert.
Auch wenn Pioneer diese Möglichkeit zum Einmessen an
verschiedenen Hörpositionen noch nicht bietet, so repräsentiert auch das beim
VSA-AX10Ai-S eingesetzte Advanced MCACC einen sehr hohen Standard, der immer
noch locker ausreicht, um ganz vorn mit dabei zu sein. In den nächsten
Abschnitten beschäftigen wir uns mit den Grundlagen, die Pioneer für die
Entwicklung von MCACC und Advanced MCACC als Basis nimmt.
In diesem Abschnitt stellen wir folgende Themen vor:
-
Die Weiterentwicklung der Mehrkanal-Kalibrierung
-
Grundlagen MCACC & Advanced MCACC
-
3-D Kalibrierungsverfahren
-
Automatische Anpassung an die Raumgröße
-
Ausgabemöglichkeit für den PC
Grundlagen für optimalen Surround-Sound:
Alle Lautsprecher müssen unter identischen Bedingungen am Hörplatz
wahrgenommen werden, Unterschiede sind auszugleichen. Die Parameter:
1) Schallpegel
2) Verzögerung
3) Frequenzgang
Eine maßvolle Anpassung der Frequenzgänge während der Kalibrierung einzelner
Kanäle ist notwendig. Der EQ sollte am besten 9, aber mindestens 5 Bänder und
ein Regelbereich von +/- 12 (6) dB aufweisen, um Phasendrehungen zu vermeiden.
Da eine Messung und Kalibrierung der Parameter per Gehör in der Regel unmöglich,
jedoch mindestens ungenau ist, wird die Hilfe eines Messinstruments notwendig.
Dieses Instrument muss im Verstärker enthalten, einfach zu bedienen und mit
einer Assistenten-Funktion versehen sein um im Wohnraum das gewünschte,
optimale Resultat zu erzielen. Dies führte zur Entwicklung von Pioneer MCACC.
MCACC - Multi-Channel Acoustic Calibration System
MCACC adaptiert die akustischen Eigenschaften eines Kinos oder Konzertsaals auf
die Größe eines Wohnzimmers. Mit Hilfe des mitgelieferten Messmikrofons, das
an den Verstärker angeschlossen wird, erfasst MCACC die Raumumgebung und misst
die Akustik des Raums; anschließend werden die verschiedenen Parameter für
jeden Kanal einzeln automatisch angepasst, so dass die Akustik im Raum komplett
kompensiert wird. Eine manuelle Nachbearbeitung jedes automatisch ermittelten
Parameters zur persönlichen Abstimmung ist möglich.
MCACC – Parameter der Kalibrierung
-
Analyse der angeschlossenen Lautsprecher
-
Analyse der Lautsprechergröße
-
Einstellung der Verzögerungszeit
-
Pegeleinstellung der Lautsprechersysteme
-
Automatische Entzerrung der Lautsprechersysteme
MCACC - Multi-Channel Acoustic Calibration System
Zunächst stellt das System mit dem mitgelieferten Mikrofon automatisch die Verfügbarkeit
und die Größe der Lautsprecher fest. Dann erfasst es einige vom Verstärker
abgegebene Testtöne, um die Entfernung zwischen den Lautsprechern (Kanalverzögerung)
im Verhältnis zur Hörposition innerhalb von jeweils 5 cm, den Kanalpegel in
0,5-dB-Schritten und das Frequenzspektrum mit Hilfe der "Envelope
Calibration Method" von Pioneer anpassen zu können. Mit diesem Verfahren
kann der Frequenzgang ohne Rücksicht auf Spitzen und Senken maßvoll angepasst
werden. Damit wird eine Phasenverschiebung verhindert, die die gleichmäßige
Klangbühne zwischen den Lautsprechern beeinträchtigt. In fünfjähriger
Forschung wurde im Pioneer Entwicklungszentrum bestätigt, dass der 9-stufige
Equalizer des VSA-AX10Ai-S bei der "Envelope Calibration Method" die
besten Ergebnisse erzielt. In zwei Speichern können individuelle manuelle
Einstellungen abgelegt werden.
Akustische Vorteile von MCACC:
-
Das Klangbild ist breit und tief gestaffelt.
-
Harmonische, natürliche Abbildung des Klangbildes.
-
Verbesserte Ortung von Details, besonders in den hinteren
Kanälen.
-
Abbildung der natürlichen Nachhallzeiten wie bei der
Original-Aufnahme.
-
Darstellung aller Details & Informationen ohne Verfärbungen
und Maskierungen.
Weitere Features:
Im “Front Align” Modus korrigiert MCACC keine Frequenzgänge
der Front-Lautsprecher links und rechts. Diese Einstellung ermöglicht dem
Nutzer die Beibehaltung einer speziell
für den Stereo-Betrieb gefundener, individueller Lautsprecherabstimmung.
Advanced MCACC - Multi-Channel Acoustic Calibration
System
Die neue, weiterentwickelte 3-D Kalibrierungsmethode des Advanced MCACC berücksichtigt die Nachhalleffekte im Raum und ermöglicht
dadurch eine noch genauere Messung. Direkte und indirekte Schallanteile werden
gleichzeitig kalibriert. Advanced MCACC verwirklicht - laut Pioneer als
erstes System - die Kalibrierung mit Schwerpunkt auf der harmonischen
Gesamtabbildung und erzielt damit eine nochmalige Verbesserung. Wir konnten beim
Test des VSX-AX5Ai-S nicht
hundertprozentig mit den Ergebnissen zufrieden sein, während dieser
Testkandidat hier sich bedeutend besser schlug. Zunächst einmal ein Vergleich
zwischen dem einfacheren, älteren MCACC (wie es z.B. im Pioneer VSX-1014
zum Einsatz kommt) und dem neueren, aufwändigeren Advanced MCACC:
MCACC – Parameter der Kalibrierung:
-
Analyse der angeschlossenen Lautsprecher
-
Analyse der Lautsprechergröße
-
Einstellung der Verzögerungszeit
-
Pegeleinstellung der Lautsprechersysteme
-
Automatische Entzerrung der Lautsprechersysteme
Advanced MCACC – zusätzliche Parameter der Kalibrierung:
-
3-D Kalibrierung mit Analyse des Timings
-
Ausgabe der Nachhall-Charakteristik auf den PC
-
Automatische Korrektur im Verhältnis zur Raumgröße (X-Curve)
Bedingt durch Hindernisse im Hörraum oder durch die räumliche Akustik weicht
der Frequenzgang eines indirekten, reflektierten Signals vom direkten Signal ab.
Das Gehirn des Menschen analysiert und bestätigt die Klanginformation viel eher
auf Grundlage des direkten und indirekten Schalls, der durch die klangliche
Balance, die Position jeden Lautsprechers und des gemeinsam von allen
Lautsprechern erzeugten Klangfelds entsteht.
-
Fakt 1: Das menschliche Gehör kann zwischen direktem und
indirektem Schall unterscheiden.
-
Fakt 2:Das menschliche Gehirn analysiert und bewertet den
wahrgenommenen Schall
und seine tonale Balance eher mit den Elementen des Direktschalls.
-
Fakt 3: Ein Kernelement bei der Wahrnehmung einer
dreidimensionalen Klangbühne
ist die stabile Position einer Schallquelle.
Standard-MCACC korrigiert die tonale Balance von direktem und
indirektem Schall. Akustisch „lebendige“ Räume mit langen Nachhallzeiten können
jedoch nicht korrekt kalibriert werden. Hier der Vergleich beider Systeme:

Advanced MCACC: Hochpräzise Kalibrierung

Nahe am idealen Klangfeld

In Bezug auf die Parameter-Optimierung vorn: Advanced MCACC
Vorteile von Advanced MCACC:
-
Klare Ortung der Schallquellen
-
Wiedergabe aller Details & Nuancen
-
Natürliche & räumliche Wiedergabe
Advanced MCACC via OSD

Basis-OSD
fürs Auto Surround Setup mittels Advanced MCACC 
Nichts
für lautstarke Zeitgenossen: Während MCACC aktiv ist, sollte es leise sein im
Hörraum 
Wie
üblich startet auch Advanced MCACC mit einer Überprüfung von
Umgebungsgeräuschen und dem Mikrophon sowie den Lautsprechern 
Die
in Bezug auf die Konfiguration ermittelten Werte werden zwecks Überprüfung
durch den Anwender auf dem OSD angezeigt 
Dann
startet die genaue Analyse, nicht nur Entfernung und Pegel werden eingestellt,
sondern auch alle EQ-Einstellungen getroffen 
Der
Anwender kann mittels dem OSD die einzelnen Pegelwerte überprüfen 
Auch
die Distanz jeder Box zum Hörplatz kann überprüft werden 
Was
hat der EQ getrieben? Anhand des OSD Diagramms kann alles für jede einzelne
Box, hier die vordere linke, nachgeprüft werden. Bei Bedarf ist der Anwender in
der Lage, manuell zu korrigieren 
Der
Anwender kann auch manuell die Kurve einstellen
„X-Curve“ – Korrektur der Raumgröße
Das Gehirn eines Menschen nimmt einen linearen Frequenzgang als subjektives
Phänomen wahr, das von der Entfernung zwischen dem Hörer und der
Klangquelle abhängt. Diese Wahrnehmung verändert sich mit der Größe des
Raums. Wissenschaftliche Forschungen haben ergeben, dass die hohen
Frequenzspektren in einem großen Raum aufgrund eines
psycho-akustischen Effekts stärker abnehmen als tiefe Frequenzspektren. Der
VSA-AX10Ai-S kompensiert diesen Unterschied je nach Raumgröße automatisch
durch Anwendung der „X-Kurve“. Diese “X-Kurve” wird bei der akustischen
Auslegung von Kinosälen und Synchronisationsstudios angewendet
und als internationale ISO-Norm 2969 verbindlich anerkannt.
X-Kurve: “X-curve” steht für "extended," dem
Pendant zur "N" (normal) Kurve. Die "X" Kurve ist auch
bekannt als "wide-range curve," und wurde nach ISO-Norm 2969
verbindlich festgelegt. Die Spezifikationen beschreiben ein Testsignal (pink
noise), eine Hörposition in einem Aufnahmestudio oder einen Platz im hinteren
Drittel der Sitzreihen in einem großen Kino. Hier soll der Frequenzgang linear
bis 2 kHz verlaufen und anschließend mit 3 dB pro Oktave abfallen. Die “X”-Kurve
findet Verwendung in annähernd allen Multiplex-Kinos und Aufnahmestudios
weltweit.


Übersichtsdiagramm über die X-Curve im OSD

OSD-Menü zur Auswahl der geeigneten Nachbearbeitung der
X-Curve

Mittels OSD kann man die X-Curve auch manuell bearbeiten

Weitergehende Kalibrierungsmöglichkeiten mit der
mitgelieferten Calibration Disc
Zum Lieferumfang des VSA-AX10Ai-S gehört eine Reference
Calibration Disc, mit deren Hilfe der Anwender die Positionierung seiner
Lautsprecher gemäß ITU-Norm
(Empfehlung für professionelle Aufnahmestudios) optimieren kann. Diese
DVD-Video enthält zwei Arten von
Signalen im DTS-Format:
- Feintrimmung der Lautsprecherdistanz
- Feintrimmung des Lautsprecherwinkels.

ITU-Lautsprecheraufstellung

Feintrimmung des Lautsprecherwinkels
Mit der Feintrimmung der Lautsprecherdistanz kann die Entfernung
zwischen den Lautsprechern durch Hören auf die Testtöne mit einer Genauigkeit
von unter 1 cm festgelegt werden. Der vordere linke Lautsprecher dient als
Referenzlautsprecher, und die anderen Lautsprecher werden jeweils so bewegt,
dass der Testton genau in der Mitte zwischen ihnen abgestrahlt wird. Die
Feintrimmung des Lautsprecherwinkels arbeitet mit einer Stimme, die sich in
30-Grad-Schritten um die Hörposition herum bewegt – wie die Stundenzeiger auf
einem Zifferblatt -, so dass der Lautsprecherwinkel auf die ideale Richtung
eingestellt werden kann, die sich der Toningenieur vorgestellt hat (bei der
Kontrolle von Mehrkanalmusik wird der ITU-R-Standard verwendet).
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