Test: Pioneer DV-380
11.05.2005 (cr)
Overview
Die Preise auch für Marken-DVD-Player sinken weiter - so kostet
der nagelneue Pioneer DV-380 nur noch 99 € (UVP), der Marktpreis wird sogar
nochmals etwas darunter liegen. Die Käufer wollen es so - das Gros der Kunden
bevorzugt Geräte zu günstigen Preisen, der Markt für technisch und
verarbeitungsseitig aufwändige DVD-Player ist im Vergleich zum Massenmarkt mit
Billigprodukten sehr gering. Neben Käufern, die einfach ihren DVD-Player
an ihren 10 Jahre alten Röhren-TV anschließen möchten, gehören aber auch
Heimkino-Interessierte mit niedrigem Budget zu der Klientel, die einen solchen
Player wie den DV-380 ins Auge fassen. Hier sind die Beweggründe für den Kauf
völlig andere: Während es "Otto Normalverbraucher" schlicht egal
ist, ob nun die Bildqualität nur befriedigend oder sogar sehr gut ist, möchte
der Heimkino-Freund ohne größeres finanzielles Potential möglichst viel
Bildqualität fürs Geld. Während der normale Durchschnittskunde durchaus mehr
Geld zur Verfügung HÄTTE, um einen DVD-Spieler zu kaufen, eine höhere Ausgabe
aber schlicht und einfach nicht einsieht, liegt es beim Heimkino-Freund, der oft
Schüler, Student oder Auszubildender ist, eher daran, dass einfach nicht mehr
Geld vorhanden ist - sonst würde man durchaus zu einem größeren Modell
greifen.
Der neue DV-380 ist sehr flach und daher leicht zu integrieren
Pioneer möchte auch der heimkinoaffinen Zielgruppe ein Modell
anbieten, das ihren Ansprüchen genügt, daher greift man selbst beim
Einsteigermodell auf einen 108 MHz/12-Bit Video-D/A-Wandler zurück, der ein
scharfes und detailreiches Bild garantieren soll. Natürlich ist der DV-380 auch
PAL Progressive-fähig (allerdings kein separater Film Mode, sondern nur
Automatik-Betrieb) und verfügt über umfassende multimediale Eigenschaften, zu
denen auch eine DivX-Wiedergabe gehört. Bei uns erhalten Sie nun die Antwort,
wie sich der Pioneer-Player im harten Testbetrieb geschlagen hat.
Verarbeitung

Das Design soll vielen gefallen - schlicht, aber attraktiv
aussehend, dürfte dem DV-380 diese Mission gelingen
Natürlich kann man in dieser Preisklasse nur eine
Kunststofffront erwarten - diese ist beim DV-380 aber qualitativ überzeugend
ausgeführt. Der große Standby-Knopf (leider kein richtiger Netzschalter) ist
einfach zu ertasten und optisch tadellos integriert. Öffnet man die Laufwerkslade, so
fällt zuerst eine Klappe nach unten, ehe dann die Lade herausfährt - viel
Aufwand bei einem so günstigen Gerät, das sehen wir gerne.

Saubere Lösung: Erst fährt die Klappe herunter, dann kommt
die Laufwerkslade heraus

Billiglösung: Die mickrigen Gerätestandfüße
Nicht überzeugend sind die arg mickrigen Gerätestandfüße,
die wir gern durch zumindest etwas höherwertige Exemplare ersetzt sähen. Dann
nämlich könnte der optische Gesamteindruck ohne Einschränkung überzeugen.
Erfreulicherweise aber stellen die Füße den einzigen echten Kritikpunkt dar.
Das Display ist für die Preisklasse absolut und Ordnung und verdient keine
Kritik.

Die Displayauflösung ist tadellos für ein 99 €-Gerät
Auch die Geräterückseite offenbart mit gut eingepassten
Anschlüssen keine Verarbeitungsmängel, und selbst ein Öffnen des Geräts
fördert kein qualitatives Desaster ans Tageslicht. Natürlich ist alles sehr
einfach gehalten, so fehlt dem Laufwerk jegliche Art von Dämmung, was sich
darin niederschlägt, dass es besonders beim Einlesen recht laut agiert, aber
die Verkabelung und das Platinenlayout sind von professionellem Zuschnitt. Hier
merkt man, dass Pioneer auch bei sehr preiswerten Modellen nicht auf
Bastelbuden-Niveau absinkt.

Nett gemacht: Für die bescheidene Preisklasse sieht der
DV-380 von Innen sehr ordentlich aus

Hochwertiges Platinenmaterial im Inneren des Pioneer

Alles wirkt aufgeräumt im Inneren

Wenige, recht sauber verlegte Kabelstränge
Bleibt die Fernbedienung - hier setzt man bei Pioneer auf
Vertrautes und legt den IR-Commander bei, der bereits seit Generationen bekannt
ist und qualitativ perfekt zum Niveau des Gesamtgerätes passt.
Bilanzierend bleibt ein positiver Gesamteindruck - bis auf die unbefriedigenden
Gerätestandfüße haben wir keinerlei echte Mängel entdecken können.
Bewertung      
Ausstattung(Anschlüsse

Der akustische EQ sollte am besten auf "Off" bleiben
Die Ausstattung des Pioneer enthält sogar einige
"Sonderposten" - zu nennen wäre hier ein kleiner akustischer EQ mit
verschiedenen Programmen, der aber in der Praxis eine eher abschreckende
Klangveränderung erzielt hat. Also - wir raten, ihn lieber auszuschalten.
Wesentlich besser gefallen hat uns der kleine Video-EQ, durchaus nicht
selbstverständlich bei einem so günstigen Gerät. Ein separater
Progressive-Film Mode fehlt, bei der Anschlussbestückung vermissen wir einen
optischen Digitalausgang, lediglich ein koaxialer ist vorhanden. Dies ist
insofern etwas kritisch, weil einige, vor allem ältere Einsteiger-AV-Receiver,
an die ein Gerät wie der DV-380 in der Praxis des Öfteren angeschlossen wird,
nur optische, nicht aber koaxiale Eingänge aufweisen. Nobel für die
Preisklasse ist der 108 MHz/12-Bit-Wandler, vor noch nicht allzu langer Zeit
waren solche Wandler noch in Playern wie dem Pioneer DV-757Ai
zu finden. Audioseitig sind zwar 192 kHz/24-Bit D/A-Wandler vorhanden, die
Peripherie allerdings ist in Bezug auf die Baugruppen schlicht, so dass man den
DV-380 lieber digital anschließen sollte.
Was fehlt, ist ein optischer Digitalausgang
Insgesamt eine ordentliche Ausstattung, die sogar einen gewissen
Qualitätsanspruch, sonst eher unüblich in solchen Preisklassen, mitbringt -
fünf Sterne für den DV-380.
Bewertung      
Multimedia
Insgesamt bietet der DV-380 sehr gute Multimedia-Qualitäten - die Übersicht:
-
DVD+R, DVD-R und DVD-RW (Video Mode) kein Problem. Auch Wiedergabe von DVD-RWs im VR
Mode, im VR-Mode erzeugte DVD-Medien haben nur eine etwas längere
Einlesezeit.
-
DVD-Rs mit MP3-Dateien nimmt der DV-380 sogar mit recht
kurzer Einlesezeit entgegen.
-
CDs mit jpeg-Dateien und MP3-Inhalten: Natürlich ist auch
die Wiedergabe von kombinierten jpeg/MP3-CD-Rs möglich. Die Klangqualität
im MP3-Betrieb ist sehr gut, Aussetzer kommen kaum vor, und der
jpeg-Bildbetrachter gefällt mit blitzschnellem Aufbau selbst bei größeren
Dateien und lobenswerter Bildqualität.
-
SVCDs nimmt der DV-380 bereits nach sehr kurzer Einlesezeit
entgegen.
-
DVD-Video/Audio-CD: Recht kurze Einlesezeiten, allerdings
wird das Laufwerk recht laut
Prima Zensuren für den DV-380: Anstandslose Wiedergabe vieler
stark nachgefragter Formate, kurze Einlesezeiten (Ausnahme: DVD-RW im VR Mode). Bewertung      
Laufwerk

Das Laufwerk überzeugte durch hervorragende Zuverlässigkeit
und eine exzellente Fehlerkorrektur
Der einzige Nachteil: Durch die fehlende Dämmung und die recht
hohe Auslesegeschwindigkeit ist das Laufwerk nicht eben ein Leisetreter und
besonders beim Einlesen deutlich zu vernehmen. Ansonsten gibt es nur Positives
zu berichten, anfangen wollen wir mit dem praktisch nicht mehr sichtbaren
Layerwechsel bei unserem Testgerät (Bei Top Gun, RC 2 nachgeprüft). Zu ganz großer Form läuft der DV-380 dann bei der Bewertung der Fehlerkorrektur auf:
ALLE 30 Tracks unserer Fehlerkorrektur-DVD hat der DV-380 ohne jedes Problem
erkannt, selbst bei Track 30 konnten wir keine Pixelbildung und keinen Aussetzer
ausfindig machen. Vergleicht man solche Resultate mit den Ergebnissen unserer
beiden Top-DVD-Boliden (Denon
DVD-A1XV, Onkyo DV-SP1000E), dann kommt man schon ins Grübeln. Die Fehler
zum Check der Laufwerksfehlerkorrektur sind durch einen größer werden Keil auf
unserer Test-DVD (Burosch Professional Test-CD) simuliert. Bei Track 2 startet
es mit 0 mm und endet bei Track 30 mit 4,5 mm (ungefähr 0,16 mm-Schritte). Auch
sonst leistete sich der DV-380 keinen einzigen Absturz während des Betriebs,
was verdeutlicht, dass Pioneer-DVD-Player in Punkto Zuverlässigkeit nach wie
vor führend sind - auch wenn es da, wie bei jedem technischen Gerät, ebenfalls
Einzelfälle mit Grund zur Beanstandung gibt, so fällt die Problemquote doch
recht gering aus.
Bewertung      
Bedienung

Etwas klein: Bedienelemente auf der Player-Front
Die Bedienung ist Pioneer-typisch kein Problem. Schnell
finden sich auch Neueinsteiger zurecht, den intuitiv bedienbaren On
Screen-Menüs sei Dank. Die Fernbedienung ist einem komfortablen Handling
ebenfalls nicht im Wege, sondern unterstützt eine einfache Handhabung durch den
guten Tastendruckpunkt und das zentral positionierte Navigationskreuz. Etwas
klein geraten sind lediglich verschiedene Bedienelemente (siehe Bild oben)
direkt auf der Gerätefront. Der wichtige "Play"-Knopf hingegen ist
extra groß ausgeführt und so auf der Gerätefrontplatte gut zu erreichen. Das
Laufwerk kommt auf Anforderung recht schnell herausgefahren, das Kapitel
springen im Betrieb funktioniert gut, zu loben ist, dass der gerade aktuelle
Titel auch via OSD angezeigt wird. Das Display überzeugt mit guter Auflösung,
nur bei großer Entfernung des Anwenders vom Gerät sind die einzelnen Zeichen
nicht mehr perfekt zu erkennen.

Bekannte und bewährte Pioneer-Fernbedienung
Bewertung      
Testequipment
Bild
Wir starteten unsere Bild-Testreihen mit Sequenzen von der Burosch
Professional Test-DVD. Natürlich darf man von
einem 99 €-Player hier keine visuelle Perfektion erwarten, schon gar nicht, wenn es
um Faktoren wie perfektes De-Interlacing und absolute Bildreinheit ohne jegliche
Doppelkonturen und Farbsäume geht. Selbst mehr als dreifach so teure Modelle
sind hier noch nicht in jedem Punkt optimal. Der einzige Player überhaupt, dem
man bescheinigen kann, visuell praktisch perfekt zu sein, ist der Denon
DVD-A1XV - und der kostet 3.500 €. Fangen wir von vorn an: Bei
Auflösungs-Testbildern zeigt der DV-380 eine reife Leistung, die den günstigen
Preis visuell praktisch vergessen macht.
Die Auflösung ist auch im hohen
Frequenzbereich sauber, das Bild ist scharf - Respekt. Weiter geht es mit einem
Testbild, welches karogemusterten Stoff zeigt, gern wird hier des Öfteren eine
deutlich sichtbare Bildunruhe erzeugt. Leichtes Flimmern ist zwar auch beim
380er festzustellen, aber in einem wirklich vertretbaren, geringen Umfang. Auch
sieht man bereits bei diesem Bild, dass der DV-380 sehr gute Kontrastwerte
erreicht. Weitere Pluspunkte sammelt der Pioneer-Player beim Testbild mit den
erntefrischen Erdbeeren, wo auch die satte, tiefe Farbgebung überzeugen kann.
Die Detaillierung der Oberfläche der Erdbeeren ist für die Preisliga des
DV-380 sehr fein ausgefallen, selbst einige Player der 200 €-Klasse erreichen
solche Werte nicht ohne Weiteres. Das Gleiche gilt auch für das Testbild zur
Beurteilung des Kontrastes, auf dem eine attraktive junge Dame im weißen Kleid
vor einer weißen Wand entlang geht. Beide Weiß-Töne können selbst unter
ungünstigen externen Lichtverhältnissen gut unterschieden werden.
Bei bewegten Testsequenzen fiel die saubere, klare
Bewegungsdarstellung auf, die nur bei genauem Hinsehen zeigt, dass teurere,
aufwändig konstruierte Player hier für visuell Anspruchsvolle noch sichtbar
mehr bieten. Nur leichte Bewegungsunschärfen und leichtes Ausfransen bzw.
leichte Treppenstufen waren auszumachen. Bei unseren Test-DVDs "Asterix und
Obelix: Mission Cleopatra! sowie "Gladiator" vervollständigte sich
der beachtliche Bildeindruck. Bei "Mission Cleopatra" störten das
erfahrene Auge nur ab und zu leichte Farbsäume, dafür gefielen der gute
Kontrast, die echt wirkenden Farben, die tadellose Detailwiedergabe sowie die
überzeugende Bewegungsdarstellung. Kaum Unschärfen oder Ruckler waren auch bei
schnellen Kameraschwenks zu sehen.
Bei "Gladiator" konnten die Ergebnisse ebenfalls
gefallen. Im Kapitel 9 ist zwar bei schrägen Linien ein leichter Kantenversatz
feststellbar, sonst lassen sich jedoch keine echten Schwächen finden, im
Gegenteil: So ist die Detaillierung von Crowes Gesicht in dieser Sequenz
erstaunlich feinfühlig. Auffällig ist ferner die sehr gute Wiedergabe der
Hauttöne. Im 16. Kapitel erscheinen die Kampfszenen, teils mit extrem schnellen
Bewegungen, bildqualitativ absolut überzeugend. Nur leichte
Bewegungsunschärfen geben Zeugnis über die Preisklasse des Pioneer DV-380
ab. Insgesamt eine höchst überzeugende Vorstellung des Pioneer, denn die
De-Interlacing-Automatik schlägt sich auch bei Videomaterial wacker. Nur ein
minimales Ausfransen von Objekträndern und ab und zu leichtes Ruckeln sind zu
beobachten, gröbere Schnitzer wie auffällige Pixelbildungen sucht man hingegen
vergeblich. Unser Urteil: Für 99 € ein schon fast unverschämt gutes Bild.
Garatulation.
Bewertung     
Ton
Der Digitalklang ist absolut fehlerfrei, löst gut auf, hat
einen voluminösen Bassbereich und sorgt für eine homogene Akustik. Für den
analogen Anschluss hingegen empfiehlt sich der DV-380 nur bedingt. Der Bass
wirkt platter, die Gesamtcharakteristik ertönt weniger frisch, was zu einem
noch befriedigen Gesamtergebnis bei der Bewertung des analogen Klangs sorgt.
Dass man von einem 99 €-Gerät hier keine Wunder erwarten kann - gerade in
Anbetracht der sehr lobenswerten Bildqualität, das Geld kann eben nur einmal
ausgegeben werden - sollte aber dem potentiellen Käufer eigentlich klar
sein. Auf Besitzer ausladender CD-Sammlungen, die ihren guten CD-Player
gleich mit ersetzen möchten, zielt der DV-380 konzeptionell nicht ab.
Bewertung     
Fazit
99 € - allzu viel kann man für diesen Betrag bestimmt nicht
erwarten, dachten wir vor dem Test. Doch Pioneer bewies uns nachdrücklich das
Gegenteil: Für diesen schmalen Betrag ist es nämlich möglich, einen
vollwertigen DVD-Spieler anzubieten, der nirgendwo ein beklagenswertes Niveau
offeriert, sondern mit seinem klaren und scharfen Bild, der hohen
Betriebssicherheit und der simplen Bedienung durchweg auf einem hohen Level zu
Hause ist und beispielsweise bei der Güte der Fehlerkorrektur oder der
Detaillierung des Bildes deutlich teurere Player so locker schlägt, dass man
nur überrascht sein kann. Selbst die Verarbeitungsqualität ist bis auf die
unbefriedigenden Gerätestandfüße sauber, so dass man nicht nur "Otto
Normalverbraucher", sondern auch ganz besonders dem Heimkinofreund mit
geringen finanziellen Möglichkeiten den rundherum überzeugenden DV-380 wärmstens empfehlen kann - mehr DVD-Player fürs Geld wird sich kaum finden
lassen.
Fast eine kleine Sensation: Insgesamt hervorragendes
Qualitätsniveau und absolute Vollwertigkeit für den kleinen Geldbeutel

Einsteigerklasse
Test 11. Mai 2005
Preis-/Leistungsverhältnis:      
Pro:
-
Erstklassiges Preis-/Leistungsverhältnis
-
Hochwertiger Video-D/A-Wandler sorgt für klares und
scharfes Bild
-
Trotz einfachen De-Interlacers gute
Progressive-Eigenschaften
-
Laufwerk mit hervorragender Fehlerkorrektur und
ausgezeichneter Betriebssicherheit
-
Tadellose Multimedia-Fähigkeiten
-
Fürs Geld saubere Verarbeitung
-
Sehr einfaches Handling
Contra:
11. Mai 2005
Test: Carsten Rampacher
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