Test Mordaunt-Short Sub-/Sat-System Premiere
12.06.2003 (cr)
Wir danken unserem Kooperationspartner HiFi-Regler
für das Bereitstellen der Hörräume und des Testequipments
"Fernsehen war gestern - heute ist Premiere!" lautete
ein gern zitierter Werbspruch des Pay TV-Anbieters in Deutschland.
"Günstige schlecht klingende oder zu teure gut klingende Sub-/sat-Sets gab
es gestern -heute ist Premiere" - so hätten die Entwickler der
Lautsprecherschmiede Mordaunt-Short diesen Slogan gern. Denn das Suib-/Sat-Package
"Premiere", soll ein tadelloses Surround-Feeling zum fairen Kaufpreis
ermöglichen: 824 EUR wechseln laut Liste den Besitzer.

Dafür erhält man vier identische Satelliten für die Front-
und die Surroundbeschallung, einen etwas größeren Center und einen aktiven
Subwoofer mit eingebauter 80 Watt-Endstufe. Die Satelliten und der Center,
allesamt 4-Ohm-Lautsprecher, sind für Verstärkerleistungen von 15 bis 80 Watt
ausgelegt - normale Werte. Die 80 Watt der Endstufe des aktiven Subwoofers sind
zwar in Ordnung, reißen uns aber nicht vom Hocker. Doch grau ist alle Theorie,
unsere Praxistest-Reihen bescheinigen dem Sub eine für diese Preisklasse
hervorragende Performance. Die Verarbeitung des wahlweise in graphit, kirsche
oder schwarz lieferbaren Premiere (der aktive Subwoofer ist grundsätzlich nur
in graphit erhältlich) ist sehr gut, die LS-Gehäuse sind sauber
gefertigt, auch Details stimmen, wie z.B. die Verarbeitung der Kanten zeigt. Das
Anschlussfeld auf der Lautsprecherrückseite gefällt mit vergoldeten
Schraubverschlüssen.

Nicht vollends zufrieden waren wir aber mit der Güte der
Lautsprecher-Abdeckungen. Auch wenn dies "Peanuts" sind, kann der
Käufer für diesen Kaufpreis trotzdem einigermaßen ansprechend aussehende
Schutzgitter erwarten. Die Abdeckungen, die unserem Test-Set beilagen, waren
schon im Neuzustand leicht wellig, was nicht gerade für überragende Langzeit-
und Anfassqualitäten spricht. Der aktive Subwoofer, der nach dem
Downfire-Prinzip arbeitet, ist von sehr guter Qualität, dies gilt auch für das
rückseitige Anschlussterminal. Mitgeliefert werden hochwertige Standfüße, die
vor der Inbetriebnahme befestigt werden müssen. Für die Satelliten gibt es
optional für 79 EUR pro Paar die passenden Ständer.

Bei unseren Klangtestreihen entpuppte sich das Premiere-Ensemble
als sehr angenehmer Partner für eine stimmige Filmtonwiedergabe. Sehr gut
agierte der aktive Subwoofer mit sehr kompakten Gehäusemaßen, er brachte bei
entsprechender Software auch Effektgewitter mit einem beachtlichen Druck
zustande. In kleineren Hörräumen sorgt diese Wiedergabecharakteristik für
einen raumfüllenden, kraftvollen Bass, und selbst im 20 Quadratmeter-Hörraum
ist das, was der Downfire-Woofer an Bassgewalt absondert, noch problemlos
ausreichend, um empfindlicheren Zeitgenossen wohldosierte Stöße in die
Magengrube zu versetzen. Somit eignet sich das Mordaunt-Short-Angebot sehr gut
auch für Action- und Sci-Fi-Spektakel, da der aktive Bassist nicht schon bei
jedem zweiten größeren Effekt kapituliert. Doch auch die übrigen Komponenten
überzeugen mit ihrer Leistungsbereitschaft - besonders, wenn die
Übernahmefrequenz des aktiven Subwoofers sich bei maximal 120 Hz einpendelt.
Gerade dann erzielen die Satelliten ein akkurates Klangbild von guter
Präzision, gepaart mit einer akustisch angenehmen Auslegung. Dies führt dazu,
dass ohne größere Angriffe auf die Qualität des Hörvergnügens auch
größere Lautstärken zu realisieren sind. Dass effektreiche Filme in so hoher
Güte in den Hörraum getragen werden, liegt auch an der dynamischen
Surround-Soundkulisse. Alle Arten von Effektkombinationen werden präzise,
schnell und facettenreich durch den Hörraum gejagt, dies führt zu einer sehr
lebendigen und realitätsnahen Wiedergabe. Die Detaileinarbeitung des
Premiere-Sets ist für ein Sub-/Sat-Set dieser Preisklasse außerordentlich gut.
Gerade auch im Hochtonbereich stellt das System viele kleine Feinheiten, die
gute DD- oder DTS-Tonspuren bereithalten, in angemessener Art und Weise dar. Die
Stimmwiedergabe gefällt ebenfalls, hier ist es, den identischen Höreindruck
bekamen wir auch (siehe weiter unten) bei der Mehrkanal-Musikwiedergabe,
besonders die sehr gute Einarbeitung spezieller Charakteristika der jeweiligen
Stimme, die uns überzeugte.

Im
Mehrkanal-Musikbetrieb fallen die Leistungen gegenüber der Filmtonwertung nicht
ab. Dies sichert dem Mordaunt-Short-System schon einmal eine sehr gute
Bewertung, denn gerade in Bezug auf die Musikalität wird in diesen
Preisregionen häufig eher eine bescheidene Performance geboten. Getragen wird
das gefällige Klangbild vom soliden, klaren Bass des kompakten aktiven
Subwoofers, der kräftig zupackt und eine erstaunlich hohe Präzision
ermöglicht. Nur kurze, sehr trockene Bässe mag er nicht so gern, bei
höheren Pegeln gerät der Woofer dann schon mal an seine Belastungsgrenzen. Mit
der frischen Wiedergabecharakteristik im Hochtonbereich und der angenehmen
Tonqualität vor allem im oberen Mitteltonbereich fügen sich die vier
Satelliten und der Centerlautsprecher nahtlos ein. Hierbei fällt auf, dass
selbst anspruchsvolle klassische Musik oder Jazz- bzw. Blues-Stücke problemlos
mit dem Premiere wiedergegeben werden können. Das oftmals gehörte emotionslose
Darstellen gerade sehr dynamischer Passagen, das dem jeweiligen Musikstück viel
von seinem Reiz nimmt, ist dem Mordaunt-Short-Ensemble nicht eigen. Hier werden
Werte erreicht, die sich auch noch in der 1000 EUR-Liga gut machen würden. Zur
Pegelfestigkeit: In der Praxis ist es kein Problem, im 20 Quadratmeter-Hörraum
auch kräftige Lautstärken zu fahren, ohne dass Verzerrungen und
Dynamikeinbußen sofort ein Ende der Fahnenstange ankündigen. Die
Stimmwiedergabe durch den im Vergleich zu den Satelliten etwas größer
dimensionierten Center ist auch sehr gelungen, das Volumen ist gut, mehr als
dieses beeindruckt jedoch die Klarheit im Hochtonbereich und die erstaunlich
exakte Detaillierung auch schwierig darzustellender Gesangsstimmen männlicher
wie weiblicher Akteure.

In Bezug auf die Stereoqualitäten ist das Resultat erstaunlich
gut. So funktioniert die Zusammenarbeit zwischen den beiden kompakten
Frontsatelliten und dem aktiven Subwoofer ausgezeichnet, was sich in einem
homogenen, harmonischen Klangbild zeigt. Nie stören unschöne Klanglöcher das
Hörvergnügen, für ein Subwoofer-/Satellitensystehort-Set dieser Preisklasse
ist dies eine sehr gute Leistung. Doch auch sonst weiß das Premiere zu
überzeugen. So beispielsweise mit einer klaren und lebendigen Spielweise. Nie
wirkt die Wiedergabe lustlos, sondern immer spritzig und mit dem nötigen Esprit
versehen. Nicht, dass Missverständnisse aufkommen: Gute
Mittelklasse-Standboxen, mit Sorgfalt ausgesucht, liefern nochmals bessere
Ergebnisse. Diese Lautsprecher jedoch kommen meist auch teurer und sind zudem
gerade in kleineren Hörräumen schwieriger unterzubringen. Was die
Detaileinarbeitung angeht, können wir dem Mordaunt-Short-Set ebenfalls gute
Zensuren ausstellen. Das System geht nicht achtlos über kleine musikalische
Feinheiten hinweg, sondern schafft es, sie mit voll befriedigender Detailtreue
und einer ordentlichen Akzentuierung zu integrieren. Prima gefallen hat uns auch
die ausgewogene Instrumental- und Stimmdarstellung, nie tönt das Premiere-Set
zu aggressiv oder in anderer Form unangemessen. Für denjenigen Hörer, der ab
und zu Musik in Stereo hören möchte, ist das System daher eine gute Wahl -
andere Offerten dieser Preisklassen bieten nicht selten einen weitaus weniger
mitreißenden Klang.

Im
Vergleich zur Konkurrenz muss man festhalten, dass unter gewissen Prämissen das
Premiere eine besondere Empfehlung Wert ist, denn die hohe Ausgewogenheit ist
der große Pluspunkt des Mordaunt-Short-Angebots. Gerade, wer nicht allzu große
Hörräume akustisch klar und angenehm beschallen möchte und sich als
Spielpartner einen passenden AV-Receiver wie den Marantz SR-4300
oder den Denon AVR-1603 besorgt, wird von der
hohen Klanggüte sehr angetan sein. Gerade auch die Homogenität der gesamten
Vorstellung überzeugt, der kompakte Downfire-Sub macht trotz seines
Arbeitsprinzips kaum Schwierigkeiten bei der Aufstellung. Nur in eine Raumecke
quetschen sollte man den Basslautsprecher nicht. Zur Konkurrenz: Das Infinity
Alpha 5 HCS 2 bringt zwar den nochmals voluminöseren aktiven
Subwoofer mit, durch die etwas belegt und nicht allzu lebendige
Hochtondarstellung jedoch sind die Qualitäten gerade im Mehrkanal-Musikbetrieb
nicht so gut wie die des Premiere. Und auch im Heimkinoeinsatz kann das
Mordaunt-Short-Set mindestens gleich ziehen, denn das etwas geringere Volumen
des Subwoofers machen die bessere Detailarbeit und die frischere
Gesamtwiedergabe wett. Wer auch größere Hörräume effektiv beschallen, dabei
aber nicht auf große Boxen zurückgreifen möchte, kann sich ein besonders
leistungsstarkes Sub-/Sat-Set zulegen - die höheren Kosten dürfen aber dann
nicht gescheut werden. Unser besonderer Tipp: Das Infinity Oreus
begeistert mit überragenden Qualitäten, kostet aber auch 1199 EUR. Auch sehr
empfehlenswert und etwas günstiger ist das Quadral 2100 Aktiv
für 999 EUR, das nochmals etwas präziser klingt, bei hohen Pegeln im
Hochtonbereich manchem aber etwas zu dominant sein könnte. Wer extrem
futuristisches Design und viel Sub-Power schätzt, sollte sich auf jeden Fall
das mit 799 EUR sehr günstige Mission m7s-AV
anhören. Die "spacige" Optik ist vielleicht nicht jedermanns
Geschmack, die gelungene Akustik dürfte aber dafür viele Freunde
finden.
Fazit
Für die 800 EUR-Preisklasse sind die Leistungen des Premiere
schlichtweg überragend. Der aktive Subwoofer begeistert durch Dynamik und
Durchsetzungskraft, in Hörräumen bis knapp 20 Quadratmeter liefert er auch bei
höheren Pegeln eine sehr gute Performance ab. Der Tiefgang des kompakten Bauteils überzeugte im Test ebenso
wie das erstaunlich solide Volumen. Doch dies ist noch nicht alles, selbst im
Musikbetrieb "brabbelt" der aktive Bassist nicht nur unpräzise vor
sich hin, sondern offeriert ein beachtliches Maß an exakter Darstellung. Die
vier identischen Satelliten und der größer dimensionierte Center wollen bei
solchen Leistungen, die ihr "tieffrequenter Partner" vollbringt,
natürlich keinesfalls zurückstehen und vervollständigen den hervorragenden
Gesamteindruck durch ihre hohe klangliche Homogenität. Störende Klanglöcher,
wie man sie bei nicht allzu teuren Subwoofer-/Satelliten-Kombinationen häufiger
heraushört, sind dem Premiere fremd, es wird ein so kompletter
Klangeindruck geboten, als täten größervolumige Regallautsprecher ihren
Dienst und nicht die doch recht kompakten Mordaunt-Short-Satelliten. Erfreulich
auch die Darbietung im Hochtonbereich, hier spielen die Komponenten frei auf und
ohne das vielen günstigeren Systemen eigene leicht belegte Klangbild. Selbst
bei hohen Pegeln ist der Klang, vorausgesetzt der Hörraum ist nicht zu groß,
noch klar und sauber. Bliebe zu ergänzen, dass auch die Verarbeitung des Sets
unsere Zustimmung findet - mit einer kleinen Ausnahme: Die
Lautsprecher-Bespannungen wirken weder besonders hochwertig noch besonders
haltbar, schon im Neuzustand werfen sie leichte Wellen. Doch dieses kleine Manko
ändert nichts daran, dass es Mordant-Short geschafft hat, zum vergleichsweise
sehr bescheidenen Preis ein vollwertiges Sub-/Sat-System auf die Beine zu
stellen, das nicht nur im Heimkino- sondern auch im Mehrkanalmusik-Betrieb sehr
brauchbar klingt. Nicht zu vergessen: Selbst im Stereoeinsatz sind die
Leistungen gut - die Homogenität stimmt auch hier, der Sub überzeugt durch
passenden Einsatz.
Hervorragende Homogenität und flexible
Einsatzmöglichkeiten zum kleinen Preis

Mittelklasse
Test 28.05.2003
Preis-/Leistungsverhältnis      
Pro:
-
Für Filmton- und Mehrkanalmusikwiedergabe gleichermaßen
gut geeignet
-
In Räumen bis knapp 20 Quadratmeter hohe Pegelfestigkeit
-
Klare, präzise Hochtonwiedergabe
-
Sehr gute Gehäuseverarbeitung
-
Aktiver Subwofer ermöglicht sauberen und druckvollen Bass
-
Exzellentes Preis-/Leistungsverhältnis
Contra:
Technische Daten
Komponenten des Mordaunt-Short Premiere 5.1:
Satelliten:
Mordaunt-Short MS 302 Satelliten Front/Surround:
2-Wege Lautsprecher
Frequenz: 100-20000 Hz
Wirkungsgrad: 86 dB
Impendanz: 4 Ohm
Membran: 90mm Mittel/Tieftöner, 25mm Hochtöner, Aluminium
Für Verstärkerleistungen von 15 bis 80 Watt
Magnetische Abschirmung
Abmessungen: 180x112x130mm
Gewicht: 2Kg
Center:
Technische Daten des Mordaunt-Short Center 304:
Center-Lautsprecher
Übergangsfrequenz: 100-20000 Hz
Wirkungsgrad: 87 dB
Impendanz: 4 Ohm
Membran: 90mm Mittel/Tieftöner, 25mm Hochtöner, Aluminium
Für Verstärkerleistung von 15 bis 80 Watt
Magnetische Abschirmung
Abmessungen: 180x278x130mm
Gewicht: 6,6 Kg
Mordaunt-Short 308 Sub:
Aktiver Subwoofer
Frequenzbereich: 30-150 000 Hz
Membran: 90mm Mittel/Tieftöner, 25mm Hochtöner, Aluminium
Nenn/Musikbelastbarkeit: 80 Watt, Aktiv
Magnetische Abschirmung
Abmessungen: 305x305x305mm
Gewicht: 9,4Kg
Farben: Graphit
Optional lieferbar: Lautsprecherständer MS-302P/Paarpreis 79
EUR
Test: Carsten
Rampacher
Testassistenz: Matthias Walther-Richters
12. Juni 2003
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