Test: Klipsch Sub-/Sat-System Quintet
01.04.2003 (cr)

Wir danken unserem Kooperationspartner HiFi-Regler
für das Bereitstellen der Hörräume
Wer Lautsprecher mit einer besonderen Dynamik, insbesondere im
Hochtonbereich, suchte, war beim US-amerikanischen Anbieter Klipsch in vielen Fällen
richtig aufgehoben. Durch die ausdrucksstarken Horn-Hochtöner boten und bieten
die Klipsch-Boxen eine sehr klare, lebendige Akustik im Hochtonbereich - stark
harmoniebedürftigen Zeitgenossen waren diese Klangerlebnisse manchmal schon
etwas zuviel des Guten. Trotzdem, nicht wenige Hörer legen Wert auf die
Merkmale, die Klipsch-Lautsprechersysteme bieten. Wer das Ganze anstatt in Form
ausgewachsener Standboxen lieber in kleiner Ausführung genießen möchte, wird
sich für das Klipsch Subwoofer-/Satellitensystem Quintet interessieren, das zu
einem Preis von 1125 EUR offeriert wird.

Die Leistungsdaten lesen sich folgendermaßen: Die 4 Satelliten
und der Center (mit einem größeren Gehäuse ausgestattet) bringen eine
Belastbarkeit von 100 Watt (maximal 200 Watt) mit, während die Satelliten mit
einem 89 mm-Tieftöner ausgeliefert werden, ist der Center mit zwei 89 mm-Tieftönern
ausstaffiert. Satelliten und Center erzeugen einen maximalen Schalldruck von 90
dB (1 W/1 m). Die Frequenzgänge: Satelliten 100 Hz bis 20 kHz, Center 120 Hz
bis 20 kHz, die Impedanz beträgt 8 Ohm. Durch den beachtlich guten Wirkungsgrad
eignen sich die Klipsch-Lautsprecher auch dann sehr gut, wenn ein nicht allzu
leistungsstarker AV-Receiver angeschlossen wird.
Erfreulicherweise
sind Satelliten und Center mit soliden Schraubverschlüssen ausgestattet, was
die Einführung auch von Lautsprecherkabeln mit größerem Querschnitt möglich
macht. Die Verarbeitung wirkt routiniert, typisch amerikanisch - mit anderen
Worten: Wer von seinen Lautsprechern nicht allzu viel Design erwartet, liegt
hier richtig, wer Hochwertigkeit bis ins Detail und eine schicke optische
Gestaltung für die Anschaffung eines neuen Sub-/Sat-Systems ganz oben im
Lastenheft stehen hat, dürfte mit der Klipsch-Lösung nicht unbedingt wunschlos
glücklich werden. Die Stoffabdeckungen über den Lautsprechern wirken nicht
besonders hochwertig, der Korpus der Satelliten und des Centers hingegen agiert
nach dem Motto "mehr Sein als Schein": Das Material wirkt qualitativ
überzeugend, lediglich die triste schwarze Farbgebung verhindert einen besseren
Gesamteindruck. Mittels eines Drehgelenkes, das zwischen Lautsprecher und
Lautsprecherfuß sitzt, lassen sich die Satelliten individuell aufstellen, der
Gummischutz, der über die Gelenke gezogen wurde, ist bezüglich der
qualitativen Anmutung jedoch nicht vom Feinsten.
Ebenso schlicht wie die Satelliten und der Centerlautsprecher
wirkt der mitgelieferte aktive Subwoofer, der nach dem Downfire-Prinzip arbeitet
und solide Standfüße mitbringt. Das Anschlusspaneel auf der Rückseite des
Basslautsprechers ist sehr gut verarbeitet, auch hier gibt es Schraubverschlüsse
für den Anschluss von Lautsprechern. Einem hochwertigen Gesamteindruck zuträglich
ist auch der Anschluss für einen Kaltgeräte-Stecker. Weniger lobenswert ist,
dass kein Kaltgeräte-Netzkabel im Lieferumfang enthalten ist. Die Verstärkerleistung
der eingebauten Endstufe für den Sub fällt mit 55 Watt (Impuls 225 Watt)
zumindest auf dem Papier eher bescheiden aus, der Frequenzgang des Woofers
reicht von 29 Hz bis 120 Hz. Eine Aus-/Einschaltautomatik bietet der aktive
Subwoofer ebenfalls, 15 Minuten Zeitverzögerung beim Ausschalten und zwei
Sekunden Zeitverzögerung beim Einschalten lauten hier die Eckdaten. Wer auf
eine solche Funktion keinen Wert legt, kann den Sub selbstverständlich auch
manuell aktivieren bzw. deaktivieren.

Bei unseren Klangtestreihen überzeugte das Klipsch-Set mit
einer sehr lebendigen, dynamischem Wiedergabe. Bei der Darstellung von
Mehrkanal-Musikstücken war die Klangcharakteristik geprägt vom ungeheuer
spontanen Antritt der Satellitenlautsprecher und des Centers. Die Detailtreue
befindet sich auf ordentlichem, aber nicht auf überragendem Level. Hier bietet
z.B. das KEF KHT 2005 mehr, gerade bei der Einarbeitung kleiner musikalischer
Details wirkt die Vorstellung des KEF überzeugender, da die Akzentuierung und
die Durchstrukturierung besser gelungen ist. Dafür erreicht das Klipsch-Set bei
spontanen Dynamiksprüngen hervorragenden Zensuren, hier spielt das Quintet sehr
lebhaft auf und vermittelt so ungefiltert die Spielfreude der beteiligten
Musiker. Die Surround-Klangkulisse passt in dieses Bild, sehr frisch und
lebhaft, die gebotene Präzision ist gut. Der Center komplettiert den
erfreulichen Gesamteindruck mit seiner natürlichen, präzisen Stimmwiedergabe.
Bei
unseren Filmton-Checks gefiel wiederum die sehr hohe mögliche Dynamik, ebenso
die sehr klare Surround-Klangkulisse, die zudem noch ein brauchbares Volumen
aufbieten konnte. Der aktive Subwoofer neigt erst bei sehr hohen Pegeln zum
Durchschlagen, ansonsten bietet er einen guten Tiefgang und einen raschen
Antritt. Das Bassvolumen ist beachtlich, die Aufstellung des Sub sollte so
vorgenommen werden, dass er nach allen Seiten genug Platz hat. Bei einem
Downfire-Subwoofer sollte man grundsätzlich davon Abstand nehmen, ihn in eine
Raumecke zu zwängen. Durch die soliden Standfüße des Klipsch-Woofers ist
sichergestellt, dass ein "Respektabstand" zwischen Membran und
Bodenbelag entsteht, bei Parkett- oder Marmor-Boden sollte man mit einem
Downfire-Sub aber trotzdem vorsichtig agieren. Rasch melden sich unschöne
Resonanzen und Vibrationen zu Wort, die den Filmgenuss dann doch merklich schmälern.
Die Präzision des aktiven Basslautsprechers konnte gefallen, nie wirkte der
Bass zu unpräzise und verwaschen, immer war der Basseinsatz ordentlich
strukturiert und in sich stimmig. Vergleicht man die Leistungen des
Klipsch-Systems mit denen der Konkurrenz, so landet das Package direkt hinter
der Spitzengruppe, die sich aus dem Engery Take 5.2, dem Infinity Modulus und
natürlich unserer besonderen Empfehlung, dem KEF KHT 2005, zusammen setzt. Im
Vergleich zu den genannten Offerten wirkt das Klipsch-Angebot tonal nicht so
angenehm und ausgeglichen, überzeugt dafür mit einer makellosen Dynamik und
einem sehr spontanen Ansprechen. Der Klang im Hochtonbereich ist sehr klar, die
Brillanz ist ebenso lobenswert. Wer einem stets harmonischen Klangbild ohne
irgendwelche akustischen Überbetonungen höchste Beachtung schenkt, wird bei
der manchmal sehr dominanten Darstellung im obersten Frequenzbereich vielleicht
doch etwas nachdenklich - die Auslegung der Klipsch-LS mit dem
charakteristischen Horn ist eben, wie so vieles andere auch, Geschmackssache.
Auf jeden Fall raten wir zum umfangreichen Probe hören, denn wer eine sehr
klare, messerscharfe und dynamisch-frische Auslegung bevorzugt, erwirbt mit dem
Quitet ein in keinster Weise langweilig klingendes Sub-/Sat-Set. Erst bei
wirklich hohen Pegeln merkt man an hörbaren Verzerrungen und Dynamikeinbrüchen,
dass die kompakten Satellitenlautsprecher an ihre Grenzen stoßen. Bedingt durch
das etwas größer ausgefallene Gehäusevolumen könnte der Center prinzipiell
noch etwas höher belastet werden.
Erstaunlich gut schlägt sich das Ensemble im Stereobetrieb. Wer
eine müde, farblose Wiedergabe, die so manchem auch teureren Sub-/Sat-Set eigen
ist, erwartet, sieht sich sehr angenehm enttäuscht: Selbst bei akustisch
anspruchsvoller klassischer Musik ist das Klangbild erfreulich exakt, besonders
hervorzuheben ist die stimmige Zusammenarbeit zwischen dem aktiven Subwoofer,
dessen auf dem Papier eher bescheidene Leistung bestens für die Beschallung von
Hörräumen bis rund 20 Quadratmeter ausreicht, und den auch hier dynamisch
aufspielenden Satelliten. Der Hochtonbereich mit seiner starken Akzentuierung
ist allerdings Geschmackssache, manchem Hörer dürfte das Gebotene etwas zu
scharf und dominant erscheinen. Dieser Eindruck macht sich besonders dann
bemerkbar, wenn man das System über mehrere Stunden laufen lässt. Daher raten
wir jedem potentiellen Kaufinteressenten, sich vor dem Kauf eines solchen
Lautsprechersets, welches Hörner als Hochtöner verwendet, mit dem
Horn-typischen Klangverhalten auseinander zu setzen - denn nur so ist
sichergestellt, dass sich nach dem Kauf auch die gewünschte Begeisterung und
keine Enttäuschung breit macht. Wer den Sound von Hörnern mag, erwirbt mit dem
Klipsch-Set aber auf jeden Fall ein kompaktes Sub-/Sat-System, das auch im
Stereobetrieb nicht enttäuscht. Nochmals hörbar besser klangen nur das KEF
KHT-2005 und das Infinity Modulus.
Fazit
Wer viel Wert auf eine lebendige, im Hochtonbereich sehr klare
und brillante, manchmal aber an der Grenze zur Überbetonung liegenden
Darstellung legt und zudem einen gelungenen aktiven Subwoofer mit tadellosen Präzisions-
und Volumenwerten sucht, wird beim preislich fair kalkulierten Klipsch Quintet fündig.
Die Belastbarkeitswerte der Satelliten und des Centers liegen hoch, der
Wirkungsgrad ist beachtlich - somit kann das Klipsch-Ensemble problemlos auch an
weniger leistungsstarken Receivern und Verstärkern betrieben werden. Doch das
Quintet kann noch mit mehr Vorzügen dienen: Das akustische Volumen ist gut, der
Aufbau der Surround-Klangkulisse sehr lebendig und mitreißend. Mit dem Infinity
Modulus, dem Engery Take 5.2 und dem KEF KHT 2005 hat das Klipsch-Set aber sehr
starke Konkurrenz, deren Trumpf vor allem die tonal nochmals ausgewogenere
Wiedergabe ist. Bei allen genannten Konkurrenten macht außerdem, gerade bei
hohen Pegeln, der aktive Subwoofer einen nochmals belastbareren Eindruck. Der
Klipsch-Woofer, bei normalen bis höheren Lautstärken angenehm präzise und
doch voluminös aufspielend, verliert sein ausgeglichenes und sehr gefälliges
Naturell dann, wenn nachbarnverträgliche Pegel keine Rolle mehr spielen. Hier wäre
eine größer dimensionierte Endstufe ein probates Mittel, den aktiven Bassisten
noch besser auf Trab zu bringen. Die Ausstattung des Klipsch-Ensembles ist
ansonsten sehr gut und praxisgerecht, die Verarbeitung routiniert, aber nicht überdurchschnittlich
hochwertig.
Klanglich sehr frisches und klares Sub-/Sat-System
zum fairen Preis

Obere Mittelklasse
Test 10.03.2003
Preis-/Leistungsverhältnis      
Pro:
-
Erfreulich frischer, brillanter Klang im Hochtonbereich
-
Bei normalen bis etwas höheren Pegeln sehr gut
aufspielender aktiver Subwoofer
-
Surround-Klangkulisse mit lebendigem Sound und guter
Präzision
-
Aktiver Subwoofer mit hervorragender Verarbeitung
-
Satelliten mit sehr guten Belastungswerten
-
Größer dimensionierter Center mit ausgewogener
Stimmwiedergabe
Contra:
Technische Daten
- Quintet Satellite: Frequenzgang 100 Hz bis 20 kHz, Übernahmefrequenz 4900
Hz, Impedanz 8 Ohm, Wirkungsgrad (1 W/1 m) 90 dB, Belastbarkeit 100 W (200 W
maximal), Tieftonlautsprecher mit 89 mm Durchmesser,
Karbon-Graphit-verstärkte Polypropylen-Membrane, 19 mm Hochtöner,
Polypropylen-Kalotte mit Tractix-Horn, Gehäuseoberflächen Graphitgrau oder
Mattweiß, Abmessungen mit Fuß (B x H x T in mm): 106 x 143 x 164, Gewicht
1,6 kg
- Quintet Center: Frequenzgang 120 Hz bis 20 kHz, Übernahmefrequenz 4900
Hz, Impedanz 8 Ohm, Wirkungsgrad (1 W/1 m) 90 dB, Belastbarkeit 100 W (200 W
maximal), 2 Tieftonlautsprecher mit je 89 mm Durchmesser,
Karbon-Graphit-verstärkte Polypropylen-Membrane, 19 mm Hochtöner,
Polypropylen-Kalotte mit Tractix-Horn, Gehäuseoberflächen Graphitgrau oder
Mattweiß, Abmessungen mit Fuß (B x H x T in mm): 302 x 143 x 108, Gewicht
2,7 kg
- Subwoofer KSW-10: Aktiver Downfire-Subwoofer, integrierte 55 Watt-Endstufe
(Impulsbelastbarkeit 225 W) und 254 mm Tieftöner, Tiefpassfilter 40 bis 120
Hz, einstellbare Phase 0/180 Grad, Gewicht 13,2 kg, 29 bis 120 Hz, maximaler
Schalldruck 110 dB, Abmessungen B x H x T in mm 343 x 343 x 394, Farbe
Mattschwarz
- Preis (UVP): 1125 EUR
Test: Carsten
Rampacher
01. April 2003
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