Test: AV-Receiver Kenwood KRF-V6070D
12.04.2004 (cr)

Wir danken unserem Kooperationspartner HiFi-REGLER
für das Bereitstellen der Hörräume
Ausstattung
Die neuen AV-Receiver sind bald im Handel erhältlich - aber noch ist die
letztjährige Produktpalette von Kenwoods AV-Receivern auf dem Markt vertreten. Für 459 EUR hat man bei Kenwood
gleich zwei Modelle zur Auswahl, denn für den identischen Betrag kann man zwischen dem
nun getesteten KRF-V6070D und dem KRF-V7070D
wählen. In Bezug auf die serienmäßige Ausstattung
mit Endstufen hat der 6070er die Nase vorn, denn er bringt sechs Endstufen, die
sechste davon für den Back Surround-Kanal im Dolby Digital 5.1 EX-Betrieb, mit,
der 7070er hingegen nur fünf. Eine zusätzliche Endstufe für den Back Surround
Kanal - auch der KRF-V7070D ist in der Lage, Dolby Digital 5.1 EX zu decodieren
- muss mittels des dafür vorgesehenen Pre-Outs auf der Geräterückseite
angeschlossen werden. Die Leistung der Endstufen fällt bei beiden
Geräten mit 100 Watt (nach RMS) pro Kanal identisch aus. Was die technische
Performance der Endstufeneinheit angeht, verbucht der KRF-V7070D
Pluspunkte,
denn das Endstufenlayout fällt hier aufwändiger aus. Zudem bringt der
KRF-V7070D die besonders leistungsfähige Linear Trait-Transistortechnik mit.
Doch auch sonst gibt es bei der Ausstattung Unterschiede: So verfügt der
KRF-V7070D über eine Surround-Speaker-Remix-Funktion und Speaker EQ, ein
hilfreiches Feature zur Abstimmung des AV-Receiver auf das verwendete
Lautsprecherequipment. Über Active EQ, das ebenso dazu beitragen soll, die
Anpassung an Subwoofer-/Satellitenlautsprechersysteme zu erleichtern sowie den
Klang zu verbessern, verfügen 7070 und 6070. Wer übrigens einen größeren Gerätepark an anzuschließenden
Zuspielern sein Eigen nennt, wird sich eher mit dem 7070er anfreunden können,
denn er offeriert ein größeres Angebot an Verbindungsmöglichkeiten. So bringt
der KRF-V7070D zusätzlich einen voll beschalteten Front-AV-Eingang mit, ebenso
einen dritten Video-Eingang. Die Anschluss-Vielfalt, die der KRF-V6070D bietet,
wirkt dagegen nicht allzu reichhaltig. Besonders zu beklagen ist, dass die
Video-Sektion nur in FBAS und nicht in S-Video ausgeführt ist. Beim 7070er
hingegen gibt es S-Video-Hosidenbuchsen auf der Geräterückseite.

Zu guter Letzt auch noch die optische Anmutung und das komplette Gehäuse unterschiedlich, denn während der KRF-V6070D eine Frontplatte aus Kunststoff
besitzt, verfügt der 7070er über eine Aluminium-Frontplatte. Ebenfalls
wirkt der befriedigend verarbeitete 6070er durch sein flacheres Gehäuse
deutlich weniger imposant als er nobel anmutende KRF-V7070D. Die Anzahl der decodierten Formate
stimmt bei den preisgleichen Kenwood-Brüdern vollkommen überein,
beide haben Decoder für Dolby Digital 5.1, DTS 5.1 und Dolby Digital 5.1 EX mit
an Bord. Ergänzt wird die Palette von Decodern für Smart Circle Surround 2 und
Dolby Pro Logic 2. Eine Decoding-Möglichkeit für DTS ES Discrete/Matrix 6.1
fehlt bei beiden Modellen. Fehlen tun beim KRF-V6070D ausführlichere
Setup-Möglichkeiten zur Lautsprechereinstellung bedauerlicherweise ebenso wie
Schraubverschlüsse für sämtliche Lautsprecher-Verbindungen - noch nicht
einmal für den Center und die beiden Frontlautsprecher sind Schraubterminals
verfügbar. Beim KRF-V7070D gibt es diese
hochwertigeren und praxisgerechteren Anschlüsse wenigstens für den Center und
die Frontlautsprecher.
Bewertung      
Bedienung
Der
KRF-V6070D lässt sich insgesamt leicht bedienen - was auch daran liegt, dass
sich das Setup insgesamt äußerst spärlich ausmacht. So sind die
Lautsprechereinstellungen sehr rasch getroffen, die mitgelieferte Fernbedienung
liegt einigermaßen gut in der Hand, wirkt aber durch die vielen kleinen Tasten
etwas unruhig und unübersichtlich. Wenigstens ist die "Volume"-Taste
groß genug und zentral untergebracht. Das Gerätedisplay ist gut ablesbar, der
Drehregler für die Eingangswahl ist sehr praxisgerecht, ausreichend groß und
griffig.

Bewertung      
Ton
Testequipment:
Pegelfestigkeit
Vom KRF-V7070D waren wir in dieser
Disziplin überdurchschnittlich gute Leistungen gewohnt. Mit erstaunlicher
Souveränität, gerade in Anbetracht des zivilen Preises, ging der 7070er mit
hohen Lautstärken um. Er sorgte nie für Verdruss, sondern erbrachte selbst in
Kombination mit großen Standlautsprechern ohne die hilfreiche Unterstützung
eines aktiven Subwoofers höchst beachtliche Resultate. Leider kann der
KRF-V6070D mit diesem ausgezeichneten Performance-Profil nicht mithalten.
Mehrfach schaltete sich das Gerät im hochpegeligen Bereich ab - bei
Lautstärken, die ein zum direkten Vergleich angeschlossener Pioneer VSX-D512
noch locker mitging. Und dem KRF-V7070D
hätten diese Pegel allenfalls ein leichtes Lächeln entlockt. Auch, wenn sich
der 6070er nicht abgeschaltete, wirkte er zu angestrengt und verbreitete nicht
die beruhigende Souveränität des KRF-V7070D,
der immer noch einer der pegelfestesten AV-Receiver in den Preisregionen bis
500,-- EUR ist.
Filmton
Bei der Filmtonwiedergabe fragt man sich beim KRF-V6070D oft, ob er mit
"angezogener Handbremse" an den Start geht. Vom KRF-V7070D
ist man eine frische, vor Dynamik sprühende Wiedergabe gewöhnt, das Gerät
macht einfach Spaß und geht bei allen Arten von Effekten ausgezeichnet mit.
Wenn man sich den 6070er im direkten Vergleich anhört, ist es, übertrieben
ausgedrückt, so als würde man vom Nebenraum zuhören. Der 6070 schafft es
nicht, Atmosphäre aufkommen zu lassen - was dem KRF-V7070D
ganz hervorragend gelingt. Der KRF-V7070D
ist trotz seiner älteren Grundkonzeption immer noch voll auf der Höhe der Zeit
und muss sich keinesfalls hinter aktuelleren Konkurrenten verstecken.
Natürlich, wirklich schlecht klingt auch der KRF-V6070D nicht. Wenn man aber
den Fehler macht und hört zuvor den 7070er, dann wird man trotz der
zusätzlichen Endstufe, die der 6070 mitbringt, kaum noch Lust verspüren,
dieses Modell zu kaufen. Der Bassbereich ist zwar auch beim KRF-V6070D mit einem
guten Volumen versehen, was die Präzision und den Nachdruck angeht, legt der KRF-V7070D
aber problemlos einige Schippen nach und eineilt 6070er. Die Stimmwiedergabe ist
beim 6070er an sich recht gut gelungen, jedoch kommt auch hier bei genauerem
Hinhören der Eindruck eines etwas zu sorglosen Umgangs mit kleinen Details auf.
Der KRF-V7070D wirkt im direkten
Hörvergleich erwachsener und kompletter, er stellt Stimmen charismatisch und
frisch dar, kombiniert mit einem stets passenden Volumen.
Mehrkanal-Musik
Im Mehrkanal-Musikbetrieb muss sich der KRF-V6070D dem KRF-V7070D
ebenfalls hörbar geschlagen geben. Während der 7070er eine Dynamik produziert,
die in dieser Preisklasse immer noch zum Besten gehört, was zu kriegen ist,
erbringt der KRF-V6070D keine herausragenden Leistungen. Nicht, dass das
Gebotene schlecht wäre, aber über durchschnittliche Ergebnisse kommt der
AV-Receiver nicht hinaus. Das gesamte Klangbild wirkt zwar ausreichend homogen
und weist auch eine ordentliche Struktur auf. Richtiges Multichannel-Flair will
aber nicht aufkommen, dazu agiert der KRF-V6070D nicht emotional und nicht
zupackend genug. Die Endstufen schaffen es nicht, größere Dynamiksprünge
entschlossen anzugehen, sie wirken hier etwas zu antrittsschwach. Vor allem,
wenn man sich vergleichenderweise vor Augen - oder besser "vor Ohren"
führt, zu welchen Leistungen der antrittsstarke, kraftvolle KRF-V7070D
fähig ist, enttäuschen die Ergebnisse. Leicht und locker schüttelt er seine
Leistung aus dem Ärmel, und er wirkt auch bei forcierten Pegeln nie
überfordert. Auch, was die Ergebnisse im Mehrkanal-Musikbetrieb angeht, heißt
der Sieger im Kenwood-Duell klar KRF-V7070D.
Während letzterer trotz vor der Tür stehender "Wachablösung" immer
noch zu den besten Offerten in diesem Preissegment gehört, kommt der gleich
teure KRF-V6070D über eine Außenseiterrolle nicht hinaus.
Dolby Pro Logic II
Dolby Pro Logic II ist ordentlich integriert. Das Klangbild gefällt mit
Music- und im Movie-Modus durch die gut aufgebaute Surround-Klangkulisse und den
insgesamt weitläufigen Raumeindruck. Die Stimmwiedergabe ist sowohl im Music-
als auch im Movie-Betrieb gelungen. Die Basswiedergabe erfolgt rund und
homogen, trotzdem kommt die Präzision nicht zu kurz. Im Vergleich agiert der KRF-V7070D
aber spritziger, mit einem frischeren, transparenteren Hochtonbereich. Dies
zeigt erneut die Überlegenheit des auf hohem Niveau ausgewogenen 7070ers.
Stereoklang
Die Stereoklangqualität liegt ebenfalls klar unter dem Niveau, das man vom KRF-V7070D
kennt und schätzt. Die guten Werte in Bezug auf die Klarheit, die Frische und
die Dynamik kann der KRF-V6070D nicht bieten. Zwar ist das Klangbild bei
normalen Lautstärken recht homogen und gefällig, besondere Sorgfalt bei der
Detaileinarbeitung sollte man aber nicht erwarten. So entsteht insgesamt eine
etwas oberflächlich erscheinende Akustik, die den besonderen Reiz, das Charisma
vieler Musikstücke nur ausreichend herausarbeitet. Hier bietet nicht nur der
7070er, sondern auch die Konkurrenz deutlich mehr. Selbst der preiswerte Pioneer VSX-D512
bietet im direkten Vergleich mehr Hörspaß - wir hoffen, dass die bald
erscheinenden Nachfolgemodelle mehr bieten. Dass Kenwood es deutlich besser
kann, beweisen bereits der KRF-V7070D und
der KRF-V9070D.
Bewertung Pegelfestigkeit      
Bewertung Klang Film      
Bewertung Klang Mehrkanal-Musik      
Bewertung Klang Dolby PLII      
Bewertung Klang Stereo      
Fazit
Eine klare Empfehlung an alle Kaufinteressenten: Der KRF-V7070D
ist zum identischen Preis die entschieden bessere Wahl im Vergleich zum
KRF-V6070D. Diese Aussage fußt auf vielen Gründen: Zunächst spricht die
exzellente Pegelfestigkeit für den mit hochwertigen Endstufen ausgestatteten
7070er. Während der KRF-V7070D in dieser Wertung überdurchschnittlich gute
Werte erreicht, bringt es der mit anderen Endstufeneinheiten bestückte
KRF-V6070 gerade mal auf noch befriedigende Ergebnisse. Für den Einsatz mit
größeren Standlautsprechern und für Liebhaber größerer Pegel ist der
KRF-V6070 somit nur eingeschränkt geeignet. Aber auch fernab hoher Lautstärken
liegen deutlich hörbare Unterschiede zwischen den beiden gleich teuren
Geräten. Der KRF-V7070D klingt klarer, souveräner, macht zudem mehr Druck und
produziert ein Klangbild, das einfach für Freude beim Auditorium sorgt. Die
weitaus hochwertigere Anmutung spricht ebenfalls für den KRF-V7070D. Die Optik,
Haptik und somit die gesamte Anmutung des KRF-V6070D kommt an den nobleren
Bruder nicht heran. Die spärliche Ausstattung - als Beispiel seien die für
diese Preisklasse nicht akzeptablen Klemmanschlüsse für alle Lautsprecher und
das dürftige Setup genannt - macht das Gesamtergebnis auch nicht rosiger.
Insgesamt ist der KRF-V6070D somit ein nur durchschnittlicher AV-Receiver - wer
unbedingt sechs Endstufen möchte, sollte lieber zum KRF-V8070D oder zum
KRF-V9070D greifen. In diesem Zusammenhang interessant: Die neue Baureihe
steht vor der Tür, dadurch könnten bei den auslaufenden Modellen besonders
günstige Preise möglich sein. Ein 7070er, 8070er oder 9070er zum günstigen
Kaufpreis ist auf jeden Fall noch immer eine sehr verlockende Alternative.
Der KRF-V6070D steht klar im Schatten des überragenden
KRF-V7070D - daher lautet die Empfehlung: Den edlen "Bruder" kaufen!

Mittelklasse
Preis-/Leistung:      
Pro:
-
Harmonisches Klangbild bei normalen Pegeln
-
Active EQ mit zusätzlichem Nutzwert
-
Gute Dolby PLII-Integration
Contra:
-
Pegelfestigkeit lässt zu Wünschen übrig
-
Nur Klemmverschlüsse für alle Lautsprecher
-
Dürftige Ausstattung
-
Im Vergleich zum KRF-V7070D unbefriedigendes Preis-/Leistungsverhältnis
Technische Daten:
-
AV-Receiver
-
Decodiert DD/DTS 5.1, Dolby Digital 5.1 EX, Dolby Pro Logic
2
-
6 x 100 Watt (nach RMS)
-
32 Bit "Melody" DSP
-
5 DSP-Modi
-
RDS-Tuner mit 40 Stationsspeichern
-
Energiesparender Standby-Trafo ( > 1 W)
-
2 geschaltete Netzausgangsbuchsen
-
Active EQ
-
5 Stereo-DSP-Programme: Arena, Jazz Club, Theater, Disco, Stadium
-
Wahlmöglichkeit des Lautsprecher-Typs (z.B.
Zweiwege-System)
-
Subwoofer Remix-Funktion
-
Eingänge analog Audio: Tape /MD, CD/DVD, Phono MM, Video1, Video2, 6-Kanal-Eingang
Eingänge Video: Video1 (FBAS), Video2 (FBAS und S-Video), DVD (FBAS und S-Video)
Eingänge digital: 1 x optisch, 2 x koaxial (24 Bit, 96 kHz)
Ausgänge analog Audio: Tape/MD, Video1
Ausgänge Video: Video1 (FBAS), Monitor (FBAS und S-Video)
Vorverstärkerausgang für Subwoofer
-
Source Mode Memory speichert Wiedergabemodus und Eingangspegel für jeden Audio- und Videoeingang
-
Vorprogrammierte Fernbedienung
-
Abmessungen (BxHxT in mm): 440 x 143 x 303
-
Gewicht: 8,5 kg
-
Farben: Schwarz und Silbern
-
Preis 459 EUR
Test: Carsten
Rampacher
Testassistenz: Matthias Walther-Richters
12.04.2004
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