Test KEF XQ Three
20.10.2004 (cr)

Wir danken unserem Kooperationspartner HIFI-REGLER
für das Bereitstellen der Hörräume und des Testequipments
Oft werden wir von unseren Lesern gefragt, was für Lautsprecher
in Frage kommen, wenn nicht eine bombastische, effektgeladene
Multichannel-Filmtonwiedergabe, sondern eine feinfühlig-sensible Darstellung im
Fokus des Interesses steht. Des Weiteren soll der Lautsprecher nicht nur auf die
Einbindung in Multichannel-Anlagen hin optimiert sein, sondern sein volles
akustisches Aroma im Stereobetrieb facettenreich entfalten können.
Selbstverständlich ist es möglich, solche Schallwandler auf dem Markt
ausfindig zu machen - nur in Anbetracht der Preisgestaltung solcher
Ausnahmelautsprecher geht selbst bei anspruchsvollen Anwendern nicht selten das
Interesse verloren. Unsummen möchte man schließlich doch nicht ausgeben. Was
also tun, wenn man audiophil angehauchter Musikliebhaber ist, den Blick aber
trotzdem auch auf Bezahlbarkeit und ein gutes Preis-/Leistungsverhältnis
richtet? KEF, seines Zeichens angesehene britische Lautsprecherschmiede, hat
für solche Fälle eine auf den Namen XQ Three hörende Lösung im
Produktportfolio parat, die höchste klangliche Genüsse zu einem vertretbaren
Preis sicherstellen soll: 799 EUR pro Stück wechseln hier den Besitzer. Man
kann sich prinzipiell viele Einsatzmöglichkeiten für die XQ Three vorstellen,
so z.B. die Verwendung als reines Stereo-Boxenpaar oder aber auch eine
Surroundanlage aus vier XQ Three und einem passenden Center.
Typisch KEF: Edle Materialien und bestmögliche Verarbeitung
Was erhält der Kunde nun für knapp 800 EUR pro Lautsprecher?
Zunächst einmal eine Optik und eine Verarbeitung, die die Sonderstellung dieses
Lautsprechers nachdrücklich dokumentieren. KEF hat an keinem Detail gespart und
ließ überall ein Maximum an Sorgfalt walten. Ganz gleich, ob es die höchst
penibel verarbeiteten Gehäusekanten sind oder das hochwertige Anschlussterminal
- überall wird deutlich, dass Boxenbau hier mit Liebe betrieben wird. Die
Anschlussfelder sind besonders gelungen, das verwendete Material besticht durch
Solidität und exklusive Anmutung. Selbstverständlich sind die
KEF-Schallwandler bi-wiring- und bi-amping-geeignet. Die
Mehrschicht-Lackierung der Box begeistert ebenfalls, in noblem Schwarz
erstrahlen unsere Testexemplare und lassen vermuten, dass hier noch deutlich
mehr Geld den Besitzer gewechselt hat, als dies tatsächlich der Fall war. Auch
der auf der Box montierte Super-Hochtöner bietet eine überragende
Verarbeitungsgüte.
Imposant: Das exzellente Anschlussterminal der KEF passt am
besten zu hochwertigen Lautsprecherkabeln
Doch auch wenn die XQ Three die Anmutung eines edlen Möbelstücks hat - in
erster Linie soll sie auch bestechend klingen. Um dieses Ziel gemäß der
KEF-Firmenphilosophie zu erreichen, hat KEF einen hohen Aufwand betrieben. Die highendige
KEF Reference-Serie und die beliebte Q-Serie stellen sozusagen die
technische Entwicklungsbasis der XQ-Serie dar. Besonderes Augenmerk schenkt KEF einer
ausgezeichneten Hochtonwiedergabe, die XQ Three ist durch ihren bis 55 kHz reichenden
Frequenzgang problemlos DVD Audio- und SACD-geeignet. Um eine DVD Audio- und
SACD-Wiedergabequalität erreichen zu können, die auch konzerterfahrenen Musikliebhabern voll gerecht wird, haben die KEF-Entwickler einen separat auf
dem Gehäuse montierten "Hyper Tweeter", optisch unverwechselbares
Kennzeichen auch der Reference-Serie, zum Einsatz gebracht. Dieser
Super-Hochtöner mit Titankalotte sorgt dafür, dass sich die XQ Three mit einer
sehr charismatischen, natürlichen Hochtondarstellung in Szene setzen kann -
unsere Hörtestreihen belegen dies eindrucksvoll. Auch
verfügt die XQ Three über KEFs UNI-Q-Technologie: Der Hochtöner sitzt im
Mitteltöner. Vorteile dieser Technik: Da alle Membranbestandteile des Mitteltöners
in einem Stück gefertigt werden, gibt es keine nicht-linearen Verzerrungen des
Hochtons. Da nur der Frequenzbereich des Mitteltons verarbeitet werden muss,
sind die Membranauslenkungen des UNI-Q-Treibers so gering, dass praktisch kaum
noch Verzerrungen bei der Interaktion mit dem Hochtöner auftreten.
Hochtonkünstler: Brillante Wiedergabe danke Hypertweeter
Die technischen Eigenschaften lassen aufhorchen: Die XQ Three
ist eine hochentwickelte Vierwegebox, die für Verstärker mit Leistungen
zwischen 15 und 120 Watt ausgelegt ist. Der Frequenzgang von 55 Hz bis 55 kHz
verdeutlicht, dass der Lautsprecher für Klassik- und Jazzfreunde ohne die
Unterstützung eines aktiven Subwoofers auskommt, wer jedoch im Bassbereich
druckvolle Musik oder Multichannel-Filmton mit einem KEF-Set, bestehend aus vier
XQ Three und einem XQ Two Center, hören möchte, sollte sich tatkräftige
Unterstützung in Form eines kräftigen aktiven Bassisten ins Haus holen. Der
maximale Schalldruck fällt mit 110 dB ordentlich aus, die 8 Ohm Impedanz
empfehlen den Lautsprecher als Parter für viele Verstärker und Receiver.
Magnetisch abgeschirmt sind die mit 14,5 kg erstaunlich schwergewichtigen
Lautsprecher ebenfalls, was die Platzierung deutlich flexibler gestaltet.
Klang
Testequipment:
-
Marantz PS-17
-
Marantz DR-17
-
Verkabelung von Oehlbach
Klang
Wer oft und gern klassische Musik hört, weiß genau, wie
diffizil eine ansprechende Wiedergabe ist - sehr differenziert und feinfühlig
muss die Wiedergabekette zu Werke gehen, soll das Ergebnis passen. Besondere
Verantwortung übernehmen die Lautsprecher, die einen großen Teil dazu
beitragen, ob man die Musikstücke in Konzertsaal- oder in
Kaufhaus-Anlagen-Qualität vernehmen darf. Oftmals sind herausragende
Qualitäten in Bezug auf die Boxen leider mit ebenso herausragenden Kaufpreisen
verbunden - die XQ Three macht hier eine lobenswerte Ausnahme und bietet, wie
unsere Testreihen zeigten, eine Menge für ihren Preis: Bei Ludwig van
Beethovens berühmter 5. Symphonie beeindruckt das Einfühlungsvermögen, das
die KEF-Box an den Tag legt. Nie liegt sie auch nur eine Nuance daneben, mit
traumwandlerischer Sicherheit ermöglicht sie dem Zuhörer tiefe Einblicke in
das virtuose Spiel der Instrumentalisten. Mit großartiger Akribie, aber
gleichzeitig einer beschwingten Dynamik werden Streicher und Flöten
dargestellt, die nicht nur einfach im Hochfrequenzbereich ohne Akzentuierung
durch den Hörraum geschickt werden, sondern mit Brillanz und Lebensfreude
erklingen.
Auch die "Pastorale", nach Ansicht des Autors
Beethovens schönste Symphonie, meistert die KEF mit ihrer großartigen
Spielfreude auf eindrucksvolle Art und Weise. Das Eintauchen ohne Limit, das
Spüren jeder Facette, kurzum, die Gefühle, die Klassikliebhaber so sehr
schätzen, ermöglicht die KEF für ihre Preisklasse auf praktisch
unvergleichlichem Level. Für kompromisslose Pegeltreiber ist die XQ Three
hingegen nicht das optimale Werkzeug - zwar ist sie schon hoch belastbar, diese
wunderbare, feinnervige Ausgewogenheit geht aber bei sehr kräftigen Pegeln
verloren. Etwas gehobene Lautstärke, genauso laut, dass der virtuose
Bühnenaufbau nicht nur hör- sondern schon fast spürbar wird: Das ist die Welt
der KEF. Am besten harmoniert sie verständlicherweise mit einer
Verstärkereinheit, die nicht auf maximalen Output, sondern auf maximale
klangliche Reinheit optimiert ist. Natürlich, eine gewisse Wattzahl sollte der
Verstärker schon mitbringen, damit das Gesamtklangbild nicht ärmlich
verhungert. Aber Wattriesen mit "Durchblascharakter", die die Bilder
von den Wänden brettern, passen nicht zur stimmungsvollen KEF.
Mit exzellenter Sorgfalt nehmen sich die britischen Boxen auch
den Titelmelodien zu den James Bond-Filmen an. Die HDCD, auf der diese
Soundtracks abgelegt sind, begeistert mit ihrem ausdrucksstarken Klang, einfach
überragend das Spiel der Prager Symphoniker, die bei dieser Aufnahme von 1997
alle Register ihres Könnens ziehen. Und wenn man dann Spielpartner wie die KEFs
hat, steht einem hochprozentigen Musikgenuss nichts mehr im Wege: Fein
detailliert und sehr plastisch lebt die Titelmusik zu "from Russia with
Love" richtig auf. Das souveräne Handling der Streicher beeindruckt zu
Beginn des Songs zu "You only live twice". Selbst kleinste
Einzelheiten werden mit mikroskopischer Genauigkeit von den KEF erfasst und
geben der Gesamtdarstellung viel Tiefe und Struktur. Besonders deutlich wird
dies bei "A View to a Kill", wo auch hartgesottene Zuhörer in
Anbetracht der hier waltenden Emotionen sentimental werden könnten. geht es um
die ausdrucksstarke Einbindung kleiner Einzelheiten, spielen die KEFs einfach in
einer eigenen Liga, selbst viele doppelt so teure Lautsprecher würden hier im
Direktvergleich den Kürzeren ziehen. Bei Peter Tschaikowskys "1812
Ouvertüre" meistern die XQ Three die teils heftigen Dynamiksprünge sehr
gut - für jegliche Spielart bei klassischen Melodien sind die KEFs zu
haben und garantieren stets höchstes Hörvergnügen.
Moderne Musikrichtungen wie Hip Hop, Trance oder House sind
hingegen nicht die geeigneten Quellen, um die Qualitäten der KEF besonders
vorteilhaft erscheinen zu lassen. Hier sind sie zu filigran, zu detailverliebt
und bringen zu wenig Bassdruck. Daher die klare Empfehlung: Wer solche Musik
bevorzugt, sollte sich andere Lautsprecher zulegen. Auch für die Wiedergabe von
actiongeladenen Blockbustern als Heimkino-Frontlautsprecher ist die KEF nicht
optimal geeignet - Vorwürfe kann man der KEF-Box nicht machen, denn für 799
EUR kann man noch keine perfekten Universalisten erwarten, die im Home
Theatre-Betrieb die Fetzen fliegen lassen können, dass das Auditorium vor
Ehrfurcht erbebt, gleichzeitig aber so hochmusikalisch sind, dass selbst
Star-Dirigenten sich diese Schallwandler in die eigenen vier Wände holen
würden. Insgesamt brillieren die KEF mit ihrer außerordentlichen Musikalität,
was sie auch für hochwertige SACD- und DVD-Audio-Ketten empfiehlt. Im Vergleich
zur XQ One sind erstaunlicherweise deutliche
Unterschiede heraushörbar, so hatte die vom Volumen her kleinere Box hörbar
mehr Druck im Bassbereich, dafür bietet die XQ Three noch mehr Sensibilität
und Frische bei der Musikwiedergabe.
Fazit
Bei KEF bekommt der Musikliebhaber noch etwas geboten für sein
Geld, und diese Feststellung ist ohne Zweifel etwas Besonderes. Gerade Klassik-
oder Jazzfreunde werden oft gnadenlos ausgenommen, um angeblich für die
horrenden Beträge dann brillant und natürlich klingende Schallwandler zu
erhalten. Wer die Nase voll hat von dieser Preistreiberei, kann sich getrost KEF
anvertrauen, denn was man hier für einen Stückpreis von 799 EUR bekommt, ist
außerordentlich gut: Eine sehr feinfühlige, unglaublich differenzierte
Hochtonwiedergabe, eine natürlich, sehr gut gestufte Stimmdarstellung und einen
präzisen Bass. Durch die aufwändige und kostspielige Konstruktion ist die XQ3
auch bestens für den DVD-Audio- und den SACD-Betrieb geeignet. Die langlebige,
bis ins kleinste Detail sorgsame Verarbeitung und die überragende
Materialqualität garantieren einen langen Lebenszyklus. Daher unsere Bilanz:
Kompakte Traumbox für versierte Stereohörer, die überwiegend Klassik
und/oder Jazz genießen. Für den Mehrkanaleinsatz eignet sich die KEF sehr gut
für hochwertige DVD-A- und SACD-Installationen. Eins ist aber klar: Ein
Lautsprecher, bei dem es mächtig vorangeht, ist die XQ3 nicht. Hier stehen eher
Sensibilität und Brillanz im Vordergrund als heftiger Druck und ein voluminöser
Bassbereich. Daher ist die XQ3 für die Filmtonwiedergabe und die Darstellung
von sehr druckvoller Musik nur im Zusammenspiel mit einem aktiven Subwoofer
geeignet - und auch dann zeigt sich immer wieder, dass
"grobschlächtige" Aktionen nicht ganz ihr Ding sind - lieber Mozart
als Mission Impossible.
Preislich faire, audiophil anspruchsvolle Box
für Klassik- und Jazzliebhaber

Oberklasse
Test 20.10.2004
Preis-/Leistungsverhältnis      
Pro:
-
Extrem brillanter, feinfühliger Hochtonbereich
-
Exzellente Eignung für DVD Audio und SACD
-
Natürliche, sehr differenzierte Stimmwiedergabe
-
Gute Pegelfestigkeit
-
Referenz-Verarbeitung
-
Fairer Kaufpreis
Contra:
Test: Carsten Rampacher
20. Oktober 2004
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