Test: Jamo X-Serie
16.10.2001 (cr)
Es gibt Heimkino- und Musikliebhaber, die wünschen sich
Lautsprecher, die kaum auffallen und optimal in den Raum integriert sind. Es
gibt Heimkino- und Musikliebhaber, die auf ein konservativ-klassisches
Erscheinungsbild sowie ein natürlichen, unaufdringlichen Klang Wert legen. Und
dann gibt es eine nicht kleine Fraktion derer, bei denen sehr große
Pegelfestigkeit, ein effektgeladener, aber immer sauberer Klang und eine voluminöse,
jedoch trotzdem präzise Basswiedergabe im Vordergrund beim Lautsprecherkauf
stehen.
Kraftpaket: Die
Jamo-Standbox X870
Das Ganze noch kombiniert mit einem technischen, progressiven
Design. Der Wünsche dieser Fraktion nahm man sich beim dänischen
Boxen-Experten Jamo mit besonderer Liebe zum Detail an und schuf die X-Serie,
deren "ausDRUCKsvollste" Vertreter bei uns im AREA DVD Hardware-Test
waren. Die Freude begann gleich am Anfang des Testlaufs: Sofort nach dem Auspacken
gefielen die Lautsprecher durch ihre bis ins Detail hochwertige und durchdachte Verarbeitung. Hier bekommt der Kunde für den Kaufpreis ein makelloses Finish, das
sich von sauberer Kantenverarbeitung über die sehr solide Bespannung bis zum
wertigen Anschlussterminal auch im Detail nachvollziehen lässt. Wahlweise kann
der Besitzer bei allen Lautsprechern die "herkömmlichen"
Front-Schutzgitter aufstecken oder aber die mitgelieferten knallgelben, optisch
auffälligen und soliden Schutzbügel montieren, was sich innerhalb kurzer Zeit
bewerkstelligen lässt. Der optische Eindruck, der dann entsteht, ist aber
Geschmackssache - der eine findet es technisch-cool, der andere eher zu
auffällig.
Regalbox X830, Center und Subwoofer
Das komplette X-Serie-Paket kostet 5847,93 DM.
Darin enthalten sind die beiden Frontlautsprecher, der Center, die zwei
Surroundboxen und der aktive Subwoofer. Alternativ können, möchte man mit der
Stereowiedergabe beginnen, die beiden Standboxen X-870 zu einem Stückpreis von 1251,73 DM erworben werden. Später kann man dann mit der
Surround-Erweiterungspackage, bestehend aus dem Center, den zwei
Surroundlautsprechern und dem aktiven Subwoofer (zusammen 3344,47 DM), das Set
komplettieren.
Unsere Testkandidaten:
-
Für die Frontbeschallung sorgen 2 X870 (3-Weg Bassreflex-Box,
4 Ohm, Frequenzgang 32 bis 20.000 Hz, 200 Watt langfristige Belastbarkeit, 280 W
kurzfristige Belastbarkeit Maße H x B x T in mm 963 x 211 x 371, Gewicht
21,5 kg). Die Konstruktion weist eine Besonderheit auf: Sie sind mit einem
an der Seite angebrachten Tieftöner ausgerüstet. Jamo empfiehlt, für eine
optimale Bass-Performance diese Tieftöner in Richtung der Raumecken zu
richten. Wir empfehlen zusätzlich noch ein ausgewogenes Verhältnis zu den
Nachbarn. Denn bei unseren ausführlichen Testläufen mit Heimkino- und
Musikmaterial boten die Lautsprecher (angeschlossen an einen Kenwood
KRF-X7775 und einen Yamaha
DSP-AX1) eine grandiose Leistung und zeigten schon ohne zusätzlichen
aktiven Subwoofer ein beeindruckendes Leistungsprofil: An den Werten für
die Belastbarkeit kommen jedenfalls zu keiner Zeit Zweifel auf. Ein
klarer, sauberer, aber ungemein heftiger Bass zeichnet die X870 ebenso aus
wie eine große Pegelfestigkeit und ein Klangbild, das trotz der
bassfreundlichen Auslegung nicht einfach basslastigen Krach darstellt - im
Gegenteil: Selbst klassische Musik lässt problemlos hören (wenn man nicht
highfidele Ansprüche an eine differenzierte Hochtonwiedergabe stellt), und
die Wiedergabe schwierig zu handelnder Dynamiksprünge sowie das
eindrucksvolle Herüberbringen eines kraftvollen Orchestereinsatzes sind die
Domänen dieser Box. Mitgeliefert werden sehr einfach zu montierende
Boxen-Untersätze, die unterwünschte Vibrationen recht wirksam unterbinden.
-
Als Centerspeaker fungiert der X8Cen (2-Weg Bassreflex-Box, 6
Ohm, Frequenzgang 45 bis 20.000 Hz, 100 Watt langfristige Belastbarkeit, 140 W
kurzfristige Belastbarkeit, Maße H x B x T in mm 184 x 494 x 228, Gewicht
7,0 kg), der mit einer voluminösen Stimmwiedergabe bei gleichzeitig hoher
Belastbarkeit begeistern konnte.
-
Für die Surround-Klangwiedergabe sind die auch als
Front-Regalboxen nutzbaren X830 (3-Weg Bassreflex-Box, 6 Ohm, Frequenzgang 45 bis
20.000 Hz, 100 Watt langfristige Belastbarkeit, 140 W kurzfristige
Belastbarkeit, Maße H x B x T in mm 374 x 212 x 234, Gewicht 14,5 kg) zuständig.
Aufgrund ihres beachtlichen Volumens können sie auch tieffrequentere Töne
tadellos wiedergeben. Zudem gefällt auch an der X-830 die voluminöse,
dabei gleichzeitig dynamische und präzise Wiedergabe.
-
Ergänzt wird unser Set durch den aktiven Subwoofer X8Sub, der
mit einer 200 W-Endstufe antritt (Frequenzgang 30-150 Hz, Maße H x B x T in
mm 671 x 374 x 437, Gewicht 23,4 kg). In der Praxis dürfte die Werkangabe
bezüglich der Leistung eher untertrieben sein, denn was der große aktive
Basslautsprecher leistet, ist schlichtweg Extraklasse: Ein stets präziser,
ungemein kräftiger und voluminöser Bass, der jederzeit in der Lage ist,
die LFE-Tonspur einer gut abgemischten Dolby Digital- oder DTS-DVD optimal
umzusetzen. Die erreichbaren Pegel sind extrem hoch, ohne dass der Subwoofer
zum Durchschlagen neigt. Auch hier sorgen mitgelieferte Untersätze für
einen korrekten Stand des Woofers auf dem Boden.
Ausführliche Klangeindrücke:
Die X-Lautsprecherserie, angeschlossen an einen Yamaha
DSP-AX1 und an einen Kenwood KRF-X7775,
konnte bei den Heimkino-Testläufen für Begeisterung beim Zuhörer sorgen. Bei
der "Mumie" beispielsweise brillierte das Lautsprecher-Set mit einer
absolut präzisen und fülligen Effektwiedergabe. Herausragend: Durch die
exzellente Basswiedergabe der beiden X870-Hauptboxen musste der Subwoofer erst
bei wirklich niedrigen Frequenzen (unter 80 Hz) eingreifen, also in Regionen, wo
das menschliche Gehör die Bässe nicht mehr exakt orten kann. Somit stellte
sich ein ungeheuer voluminöser, harmonischer Klangeindruck ein, der, und das
überraschte tatsächlich, auch bei hohen Pegeln (Yamaha
DSP-AX1 fast 3/4 der Maximallautstärke) immer noch präzise und nie
unsauber-verzerrt zur Zuhörerschaft getragen wurde. Dies zeigt, dass die
angegebenen Belastungswerte der Boxen sehr vorsichtig gewählt wurden, in der
Praxis verarbeitet die X-Serie nach unseren Erfahrungen sogar noch deutlich
mehr. Und die Klangqualität überzeugt: Selbst im Hochtonbereich ist das
Ergebnis in Anbetracht der betont bassstarken Auslegung der Lautsprecherserie
noch vollauf befriedigend. Die gezeigten Leistungen zeichneten sich durch eine
gute Transparenz und eine recht frische Wiedergabe aus. Selbst aus nicht
optimalem Ausgangsmaterial holen die Jamo-Lautsprecher noch eine Menge heraus,
vorausgesetzt, das übrige Equipment stimmt: Bei "Top Gun" (Code 2)
konnte die deutsche, lediglich in Dolby Surround vorliegende Fassung mit einem
beachtlichen Klangvolumen aufwarten. Zuspieler war hier der Kenwood
KRF-X7775, Modus Dolby ProLogic II Cinema. Als DVD-Player stand ein Sony
DVP-NS900V zur Verfügung. Spitzenmäßig bringt das belastungsfähige
Boxenset die Verfolgungsjagden im Action-Spektakel "Ronin" zur
Geltung. Die quietschenden Reifen, die hochdrehenden Motoren, die heftigen
Explosionen und die effektgeladenen Schusswechsel, aus allem holen die
Lautsprecher das Maximum heraus. Immer wieder beeindruckt
der massive Bass des großen Aktivsubwoofers, dessen Leistungsgrenze derart
weit oben ist, dass selbst bei heftigen mehrstündigen Heimkino-Sessions immer
noch genug Reserven vorhanden sein dürften.
Genug Reserven sind auch zweifellos da, um bei der nächsten Privatparty für
Furore zu sorgen. Wenn die absolute Klangreinheit zugunsten höherer Pegel und kräftiger
Bassabmischung in den Hintergrund rückt, trumpft die X-Serie erneut auf: Bei bassstarker
Techno- oder HipHop-Musik sind ohne weiteres Lautstärken möglich,
die dafür sorgen, dass die nette Party nicht nur im geladenen Freundeskreis,
sondern auch in der
Nachbarschaft noch länger in Erinnerung bleibt - je nach Musikgeschmack und
"interner Pegelfestigkeit" in guter oder in schlechter.
Den Boxen macht es nicht viel aus, souverän erzeugen sie ein
kraftvoll-räumliches Klangbild, unterstützt von den Tiefbassattacken des
Subwoofers, dessen Endstufe auch nicht vor mehrstündiger Dauerhatz
kollabiert. Bei "VH-1 - Divas Live" zeigt das Jamo-Set aber,
dass es auch qualitativ hochwertige Aufnahmen sehr gut wiedergeben kann: Schön warm und
gut akzentuiert klingt Mariah Careys Stimme bei "Make It Happen",
homogen ist die Instrumentalbegleitung eingearbeitet. Natürlich kann auch hier
der Subwoofer wieder mit seinem runden, vollen Bass punkten. Nun, für den
Freund sehr differenzierter klassischer Musik schuf Jamo diese Boxenserie
bestimmt nicht. Aber selbst bei Mahlers 2. Symphonie auf der 3. DTS Demo-DVD ist
die gebotene Leistung für ein auf Basseinsatz und Effektwiedergabe ausgelegten
Lautsprechersatz erstaunlich: Denn es wird nicht einfach ein undifferenziertes und detailarmes Klangbild geboten, im Gegenteil: Die klangliche
Harmonie ist gut, selbst kleine Zwischentöne werden zufriedenstellend
wiedergegeben. Natürlich dürfen hier nicht die Maßstäbe eines auf streng
natürlichen Klang ausgelegten Lautsprechersystems angelegt werden - aber die
Charakteristik eines Boxensets ist schließlich immer individuell und für jede
Auslegungsart finden sich Liebhaber. Somit ergibt sich auch bei der
Bewertung der Musikalität eine klare Bewertung: Echte Schwächen leistet sich
Jamos X-Serie nicht, dafür scheinen viele Stärken durch: Hohe Pegelfestigkeit,
ein sehr runder, voluminöser Bass, der es trotzdem nicht an Präzision fehlen
lässt.
Fazit
Glückwunsch an Jamo: Ein extrem pegelfestes, überragend verarbeitetes
Lautsprechersystem für die Fans bassstarker und effektgeladener Wiedergabe, das
trotzdem kein undifferenziertes oder unausgewogenes Gesamtklangbild aufweist.
Dazu noch universell einzusetzen, denn sowohl im Film- als im Musikbetrieb
konnten die Vertreter der X-Serie überzeugen. Lobenswert auch, dass in Anbetracht
der Leistungen die Preise für die progressiv gestylten Lautsprecher voll
in Ordnung gehen. Somit ist die X-Serie ein Volltreffer - viele weitaus teuere,
THX-zertifizierte Lautsprechersets haben keine Chance bezüglich der Pegel, die
das Jamo-Set ohne Probleme fährt. Für die X-Serie spricht aber zusätzlich,
dass man mit diesen Boxen nicht nur im Heimkinoeinsatz hochzufrieden sein kann,,
sondern dass man auch bei der nächsten privaten Techno-Party eine gute
Figur abgibt.
Extreme Pegelfestigkeit und universelle
Verwendungsmöglichkeiten zum fairen Preis

Oberklasse
Pro:
-
Exzellente Pegelfestigkeit
-
Hervorragender aktiver Subwoofer
-
Überragende Verarbeitung
-
Sehr gute Eignung für Musik und Heimkino
-
Fairer Preis
Contra:
16. Oktober 2001 Test: Carsten
Rampacher
HOME
> HARDWARE-TESTS > ZURÜCK
<
|