HDTV-Special - HDTV-Technik und HDTV-Praxis
12.04.2005 Autor: Karsten Serck
Die Entwicklung des Fernsehens von PAL/NTSC zu HDTV
Die heute immer noch weltweit im Fernsehen gebräuchlichen Formate NTSC und PAL wurden in den Fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelt. Kaum eine Technologie hat sich über einen solch langen Zeitraum behauptet. Wenn man einmal den rasanten Wandel der Audio-Technik von der Schallplatte, der Kompakt-Kassette, der Compact Disc, dem Digital Audio Tape (DAT) bis zu den aktuellen High End-Formaten DVD-Audio und SACD betrachtet, so vollzogen sich die Entwicklungen in der Videotechnik
in Richtung HDTV vergleichsweise gemächlich. Dies liegt unter anderem daran, dass Fortentwicklungen bislang immer den Anspruch haben sollten, auch zu alten TV-Geräten kompatibel zu sein. Zwar konnte man mit der PAL-Technologie den bewegten Bildern mit 576 Zeilen in Europa auch nachträglich Farbe verpassen und 1995 auch noch mit Hilfe des (sich am Massenmarkt nicht durchgesetzten) PALplus-Verfahrens sogar eine
16:9-Darstellung mit 576 Zeilen erreichen, doch damit fanden die Verbesserungen des analogen Fernsehens zunächst ein Ende.
Dabei wurde bereits Ende der Achtziger Jahre in Europa ein Versuch gestartet, auch dem Fernsehen mehr Glanz zu geben. Auslöser des
HDTV-Projekts waren unter anderem auch wirtschaftspolitische Interessen: Durch die Entwicklung einer eigenen europäischen TV-Technologie sollte die europäische TV-Geräte-Industrie gegenüber den japanischen Herstellern gestärkt werden. Das halbdigitale "D2-MAC"-Verfahren sollte hierzu den Weg ebnen und als "HD-MAC" mit 1250 Zeilen und 50 Hz nach Willen der EG der europäische Standard für HDTV werden. Doch nach einer Technik-Demonstration im Rahmen der Olympischen Spiele 1992 in Barcelona unter weitgehendem Ausschluss der Öffentlichkeit wurde es schnell wieder ruhig um HD-MAC. Durch ein Veto Großbritanniens wurde die EG-Förderung für HDTV im Dezember 1992 beendet.

Eine der ältesten regelmäßigen HDTV-Übertragungen
in den USA: Die "Tonight Show" mit Jay Leno auf NBC
Unabhängig davon gingen auch die ursprünglichen Konzepte
nicht auf: Die Übertragung der Programme sowie die Zuführung in die Kabelnetze sollte über DBS-Satelliten sehr hoher Sendeleistung erfolgen, die von Deutschland und Frankreich eigens ins All geschossen wurden. In einer Richtlinie legte die EG zwar fest, dass nicht voll digitale HDTV-Programme
über Satellit in HD-MAC auszustrahlen seien, doch der Markt entwickelte sich ganz anders, als es sich die Politik vorgestellt hatte. Denn der Markt des Satellitendirektempfangs entglitt zunehmend staatlicher Kontrolle. Die Satelliten TV-Sat 2 (Deutschland) und TDF 1 & 2 (Frankreich) boten zwar eine hohe Sendeleistung, allerdings nur Kapazität für jeweils 5 Kanäle pro Satellit. Zudem hatte Deutschland durch den
misslungenen Start des ersten TV-Sat ein Jahr verloren und 1989 bereits Konkurrenz durch das private Astra-Satellitensystem der
luxenburgischen SES erhalten. Für den Astra-Empfang waren zwar geringfügig größere Antennen erforderlich, doch dafür bot der Satellit direkt Kapazität für 16 analoge TV-Programme. Und die zunächst überwiegend privaten Programmanbieter, welche Ausgaben in neues
Broadcast-Equipment scheuten, sendeten über Astra nicht in HDTV sondern in PAL. HD-MAC blieb außer für
technisch Interessierte für den Großteil der Bevölkerung nicht zuletzt wegen fehlender Inhalte vollkommen unbekannt und Empfangsgeräte mit der Technik blieben ebenfalls rar und teuer. Sowohl die Technik in den LNBs für den
TV Sat-SAT-Empfang als auch die der Receiver unterschied sich grundsätzlich von dem immer billiger werdenden Equipment für den
Astra-SAT-Empfang. Zudem waren zu der damaligen Zeit großformatige Wiedergabegeräte wie Flachdisplays oder Videoprojektoren mit hohen Auflösungen noch nicht am Markt verfügbar, so dass für die HDTV-Wiedergabe auch die nötigen Wiedergabegeräte, die die hohe Auflösung zur Geltung bringen, nicht erhältlich waren. Lediglich in Skandinavien
wird die einfache D2-MAC-Variante auch heute noch ganz selten für Satellitenübertragungen genutzt. Mit einem normalen SAT-Receiver lassen sich die D2-MAC-Programme nicht empfangen. Man sieht
lediglich ein zerhacktes Schwarz-Weiß-Bild.
Die Investition vieler Millionen Steuergelder in das HD-MAC-Projekt hatte Europa in eine Sackgasse geführt, was
über viele Jahre zur Folge hatte, dass das Thema HDTV insbesondere in Europa skeptisch betrachtet
wurde. Bei der späteren Einführung des Digitalfernsehens DVB spielte HDTV in der Praxis keine Rolle, obwohl DVB auch
für die Übertragung von HDTV-Signalen ausgelegt war. Die im Handel erhältlichen Digital-TV-Receiver für DVB
erlaubten allerdings nur den Empfang von Programmen mit PAL-Auflösung. Die TV-Sender nutzen bis heute die neue Technik insbesondere dafür, möglichst wenig Bandbreite für viele Programme in Anspruch zu nehmen, weswegen aufgrund der starken MPEG2-Kompression und teilweise sogar noch reduzierter Auflösung die Bildqualität des
Digitalfernsehens sogar oft schlechter ist als die des analogen TVs unter guten Empfangsbedingungen.
In Japan kam die HDTV-Entwicklung in der zweiten Hälfte der Neunziger Jahre im Gegensatz zu Europa richtig in Gang. In Japan wurde HDTV zunächst mit analoger Technik unter dem Namen "HiVision" mit 1035 Zeilen in den Markt eingeführt. 1991
fiel der Startschuss für das interessierte Publikum mit zunächst acht Stunden Programm. 1994 wurden nach dem "MUSE"-Verfahren bereits täglich 10 Stunden Programm in HDTV über Satellit übertragen. Für die breite Öffentlichkeit entwickelte sich HDTV zur Jahrtausendwende zum Thema: Am 1. Dezember 2000 ging "BS Digital" über das Satellitensystem BSAT auf Sendung. Seitdem kann man in Japan sieben HDTV-Programme digital über Satellit empfangen. Gesendet wird in 1080i (1920 x 1080
Pixel als Interlaced-Halbbilder) mit 60 Hz. Im Technik-Wunderland Japan sind nicht nur die öffentlich-rechtliche NHK sondern auch verschiedene Privatsender mit HDTV-Programmen auf Sendung. Selbst Laserdiscs mit "HiVision"-Programmen sind in Japan erhältlich.
Am 1. Dezember 2003 begann in den drei Großräumen Tokyo, Osaka und Nagoya die terrestrische Ausstrahlung von Digitalfernsehen, zu einem großen Teil auch in HDTV. Das japanische ISDB-T-System arbeitet mit MPEG2-Kompression und ermöglicht neben der Übertragung von TV- und Radioprogrammen auch die Übertragung reiner Datendienste. Die Terrestrik hat in Japan noch eine hohe Bedeutung, da rund 3/4 der Haushalte in Japan ihre Programme immer noch über Antenne empfangen. Landesweit soll in Japan Digitalfernsehen über Antenne bis 2006 empfangbar sein.
Neben Japan ist HDTV auch bereits in anderen asiatischen Ländern wie Südkorea und sogar schon mit ersten Tests in China verfügbar. Auch in Australien, eines der klassischen PAL-Länder, gibt es bereits in einigen Regionen HDTV-Übertragungen im DVB-T-Standard.

HDTV-Promo von ESPN
In den USA wurden die Weichen für eine Einführung von HDTV in den letzten Jahren des 20. Jahrhunderts gestellt. Jahrzehntelang galt das NTSC-System mit 480 Zeilen (gerne auch als "Never Twice the Same Colour" bespöttelt) dem insbesondere in Europa verwendeten PAL mit 576
Zeilen als unterlegen. Daher sollte die Einführung des Digitalfernsehens in den USA auch gleichzeitig eine Verbesserung der Bildqualität mit sich bringen. Von staatlicher Seite bestand das Interesse, einen möglichst schnellen Umstieg bis Ende 2006 zu erzielen, um die freiwerdenden terrestrischen Frequenzen für andere Dienste nutzen zu können. Das alte "NTSC" soll per Gesetz durch "ATSC" abgelöst werden, ein digitales Verfahren mit MPEG2-Kompression,
welches insgesamt 18 verschiedene Bildübertragungsvarianten kennt. Für die terrestrische Übertragung nutzt man nicht das in Europa verbreitete DVB-T, sondern setzt auf das Modulationsverfahren 8-VSB. Während in Japan überwiegend 1080i
(1920 x 1080 Pixel als Interlaced-Halbbilder) mit 60 Hz zum Einsatz kommt, sind gemäß ATSC auch 720p
(1280 x 720 Pixel als Progressive-Vollbilder) und sogar 1080p (1920 x 1080 Pixel
als Progressive-Vollbilder) theoretisch mit Bildwiederholungsraten von 24, 30 oder 60 Hz möglich, wobei
aufgrund der hohen erforderlichen Bandbreite 1080p bislang noch nicht genutzt wird. Neben 1080i und 720p gibt es aber weiterhin auch die herkömmlichen NTSC-Auflösung 720 x
480 Pixel, die auch als progressives Bildsignal (480p) dargestellt werden kann.
Erste HDTV-Empfangsgeräte sind in den USA seit 1998 im Handel erhältlich. Die großen Networks ABC, CBS, NBC und Fox wurden per Gesetz dazu gezwungen, bis November 1999 mit ersten Digitalausstrahlungen zu beginnen. Hierfür bekamen die TV-Stationen zu ihren bestehenden Analog-Frequenzen noch einen digitalen Kanal von der Regierung zur Verfügung gestellt. Allerdings haben die Sender
durchaus ihre Freiheiten, zu bestimmen, ob sie einfach nur digital oder auch in HDTV senden. So bieten heute zwar ABC (720p), CBS (1080i) und NBC (1080i) einen Großteil ihres Primetime TV-Programms in HDTV an. Fox hingegen beschränkte sich
lange Zeit auf 480p im 16:9-Format (EDTV - Enhanced
Digital Television) und kündigte erst rechts spät für die zweite Jahreshälfte 2004
Ausstrahlungen in 720p an. Aufgrund der sehr regionalisierten Struktur der
amerikanischen TV-Landschaft ist eine landesweite Verbreitung nicht
selbstverständlich, da dies der jeweilige lokale Affiliate-Sender zu
entscheiden hat. Über Satellit und Kabel sind aber auch Pay TV-HDTV-Pakete wie
"DirecTV" oder "DISH Network" verfügbar.
Auch Spezialkanäle wie der Sportkanal ESPN und der Pay-TV-Sender HBO übertragen inzwischen spezielle
HDTV-Programme. Ohnehin gehören Spielfilme und Sport-Events in den USA zu den großen Rennern im amerikanischen HDTV-Markt. Unter dem Namen "Voom"
startete der amerikanische Telekommunikationsanbieter Cablevision im Oktober 2003 einen neuen Satellitenservice in den USA, der voll und ganz im Zeichen von HDTV steht. "Voom"
versprach insgesamt 39 HDTV-Programme die über den Satelliten "Rainbow 1" von der Position 61 Grad West übertragen
werden. 21 HD-Kanäle werden vom Satellitenbetreiber dem Kunden exklusiv zur Verfügung gestellt. Hier gibt es neben zehn Spielfilmkanälen noch verschiedene
Spartenprogramme wie z.B. Sport oder sogar einen Nachrichtenkanal in HDTV. Die weiteren Programme erhält Cablevision von Anbietern wie HBO oder dem Discovery Channel. Das
Beispiel "Voom" zeigt aber auch, dass HDTV nicht automatisch zu einem
erfolgreichen Geschäftsmodelle werden muss. Denn "Voom" hatte es sehr
schwer, in den USA gegen die beiden Schwergewichte "DirecTV" und
"DISH Network" zu bestehen und konnte nur weniger als 50.000
Abonnenten in den USA finden. Nach einem Verkauf des Satelliten an "DISH Network"
wurde für den 30. April 2005 die Einstellung von "Voom" angekündigt.
Die Technik hinter HDTV
HDTV steht für "High Definition Television", also "Hochauflösendes Fernsehen". Während die Auflösung von NTSC bei 720 x 480 Bildpunkten und die des europäischen PAL-Systems bei 720 x 576 Bildpunkten liegt, ist die Auflösung von HDTV um ein vielfaches höher. Unter HDTV versteht man heute Bildauflösungen mit den Bezeichnungen "720p" (1280 x 720 Pixel bei progressiver Wiedergabe) oder "1080i" (1920 x 1080 Pixel" bei
Interlaced-Wiedergabe). HDTV ist ein reines 16:9-Format und entspricht damit mehr den menschlichen Sehgewohnheiten als herkömmliches 4:3-TV. Bildformate mit einem Seitenverhältnis von 4:3 sind bei HDTV nicht vorgesehen. Bei der Übernahme von 4:3-Material oder Werbung erscheinen links und rechts schwarze Balken.
HDTV bietet in 1920 x 1080 eine gegenüber PAL fünfmal so hohe Auflösung. Bei 1280 x 720 ist die Auflösung immerhin noch um den Faktor 2.2 höher. Selbst XGA mit 1024 x 768 Pixeln übertrifft die PAL-Auflösung immer noch um den Faktor 1.9. Meistens wird HDTV in den Ländern, wo es bereits eingesetzt wird, in der Auflösung von 1920 x 1080 mit 60 Halbbildern gesendet. Eher seltener kommt 1280 x 720 (720p) zum Einsatz. 1080p ist bislang nur im Film-Bereich im Einsatz, wird dort aufgrund der Bildwiederholungsrate von 24 Frames pro Sekunde auch meist als "24p" bezeichnet.

HDTV vs. PAL: Das Bild demonstriert die Relationen zwischen 1080i und PAL (links oben)
Die höhere Auflösung ergibt vor allem mehr Detail. Während man beim Betrachten von normalem PAL-Fernsehen immer auf den ersten Blick erkennt, dass man nur Bilder sieht, die aus der weiten Ferne übertragen werden, besitzt HDTV einen regelrechten Live-Charakter. Wer eine Digitalkamera mit 4 Megapixeln oder mehr besitzt, sollte einfach mal zur Veranschaulichung ein paar Photos machen und diese betrachten. Denn die Auflösung der Digitalkameras ist längst auf HDTV-Niveau, nur eben, dass es sich bei HDTV zusätzlich um bewegte Bilder handelt. Der visuelle Effekt von HDTV lässt sich wesentlich besser demonstrieren als beschreiben. Selbst ein technischer Laie sollte im Direktvergleich den Unterschied zwischen einem normalen Fernsehbild und einer HDTV-Ausstrahlung erkennen. Während die Tonformate DVD-Audio und SACD schon eher etwas für Leute mit sehr feinem Gehör sind, bedarf es keiner besonders stark ausgeprägten Sehschärfe, um auf Anhieb die Vorteile von HDTV erkennen zu können.
HDTV kann auf herkömmlichen TV-Geräten nicht wiedergegeben werden. Zwar hat man in den letzten Jahren die Auflösung der Fernseher mit Bildverbesserern wie "Pixel Plus" nachträglich künstlich erhöht und kommt damit schon in den Bereich von HDTV-Auflösungen, allerdings betrifft dies nur die interne Signalverarbeitung, die das Bild von PAL hochrechnet. Da sich HDTV nicht über Composite oder S-Video, sondern nur über breitbandige Anschlüsse wie YUV oder DVI und HDMI übertragen lässt, gibt es bei den meisten TV-Geräten nicht einmal die Möglichkeit, an diese eine HDTV-Quelle anzuschließen. Während die Röhren vielfach prinzipiell in der Lage wären, die höhere Ablenkfrequenz der Bildröhre mit 32 kHz für HDTV zu verarbeiten, spielt hier auch meist die Elektronik nicht mit. JVC bietet mit den beiden 16:9-Fernsehern HV-32P37 (1799 EUR) und HV-36P38 (2299 EUR) einige der wenigen Fernseher in Deutschland an, die über YUV HDTV verarbeiten können.

JVC HV-36P38: HDTV-tauglicher Röhren-TV
In den USA und Japan gibt es HDTV-fähige Röhrenfernseher von allen
bekannten Marken bereits
ab 1000 US-Dollar. Man bezahlt in den etablierten HDTV-Märkten für solche Fernseher mit besseren technischen Möglichkeiten auch nicht mehr als hierzulande für PAL-TV-Geräte mit 100 Hz-Technik. Allerdings werden diese HDTV-Modelle hier nicht verkauft. Stattdessen sind HDTV-fähige Wiedergabegeräte hierzulande überwiegend Flachbildschirme. Angesichts des zunehmenden Preisverfalls und steigender Auflösungen insbesondere bei LCD-Displays (etwas langsamer auch bei
Plasma-Bildschirmen) werden HDTV-taugliche Bildwiedergabegeräte immer erschwinglicher und werden schon bald nicht teurer sein als vergleichbare Röhrenfernseher. Der Discounter ALDI bot bereits zu Weihnachten 2003 einen LCD-Bildschirm mit 30 Zoll Durchmesser und einer Auflösung von 1280 x 768 Pixeln zum Preis von 1999 EUR an. Knapp
ein Jahr später waren solche Geräte von einigen No Name-Herstellern sogar schon ab
1000 EUR zu erhalten. Aufgrund dieses Preisverfalls ist davon auszugehen, dass
Flachbildschirme langfristig die Röhrentechnik ablösen werden. Doch
solange Röhren-TVs noch bessere Kontrast- und Farbwerte bieten und dafür im
Vergleich auch meist noch preiswerter als Flachbildschirme sind, sollte man die
Röhre noch nicht ganz abschreiben: Samsung stellte auf der CeBIT 2005 mit dem WS-32Z308P
das erste Modell der neuen "SlimFit"-Röhren-TV-Generation
zum Preis von 1000 EUR vor, die mit ihren neuen "Vixlim"-Röhren eine Bautiefe von nur
noch 40 cm haben. Der 81 cm-Fernseher soll über einen YUV-Eingang auch in der Lage sein, europäische HDTV-Signale wiederzugeben und einen Kontrast von 5000:1 bei einer Leuchtstärke von 800 cd/m erreichen.
Flach-Displays, die wirklich das Maximum von 1920 x 1080 Pixeln ohne Skalierung darstellen können, sind bislang noch sehr selten und teuer. So langsam kommen sie aber auch in den Markt: Sony bietet mit dem "Qualia 004" in Japan für die betuchte Kundschaft bereits einen Videoprojektor mit 1920 x 1080 Pixeln für umgerechnet rund 18.000 EUR an.
Und Sharp hat seit Oktober 2004 mit dem LC-45 GD1E einen "Full
HD"-LCD-Fernseher mit 114 cm Bilddiagonale im Angebot, der inzwischen zu
Preisen im Bereich von 7000 EUR erhältlich ist.
Bei Epson, dem weltweit größten Hersteller von LCD-Panels für
Videoprojektoren, ist man inzwischen ebenso mit der Entwicklung bei "echten" HDTV-Panels
angelangt wie beim DLP-Erfinder Texas Instruments. Die DLP-Technologie mit
1080p-Auflösung wird bislang vor allem bei den in den USA sehr populären
Rückprojektions-Fernsehern eingesetzt. Epson will ab Mai mit der
Massenproduktion seiner neuen "D5"-Panelgeneration mit 1920 x 1080
Pixeln beginnen. Erste Geräte mit diesen hochauflösenden LCD-Panels könnten
dann ab der zweiten Jahreshälfte 2005 angeboten werden, wurden bislang aber
noch nicht angekündigt.
Bei aller technischen Begeisterung schadet es allerdings auch nicht, ein
wenig auf dem Teppich zu bleiben. Selbst wenn ein Display mit 1920 x 1080 Pixeln noch eine um den Faktor 2,25 höhere Auflösung gegenüber einem Display mit
"nur" 1280 x 720 Pixeln bietet, so bedeutet dies nicht, dass sich auch die sichtbare Bildqualität hier noch einmal verdoppelt.
Tests der britischen BBC haben ergeben, dass die nochmalige Erhöhung der
Auflösung nur noch von sehr wenigen Zuschauern überhaupt erkannt wird. Den HDTV-typischen "Wow"-Effekt erlebt man sogar schon ansatzweise bei XGA mit 1024 x 768
Pixeln. Die Pixel sind bereits so fein im Vergleich zur recht groben PAL-Auflösung, dass eine nochmalige Erhöhung der Bildauflösung für das Auge kaum noch wahrnehmbar ist, zumal man bereits bei 1280 x 720 Pixeln aus einem normalen Betrachtungsabstand kaum noch die einzelnen Bildpixel erkennen kann. In der Praxis reichen also Auflösungen ab 1280 x 720 Pixeln für HDTV aus, mit minimalen Abstrichen auch 1024 x 768, eine Auflösung, die häufiger bei 42 Zoll-Plasmabildschirmen im 16:9-Format zu finden ist. Insbesondere LCD-Videoprojektoren sind seit Winter 2003 eine preiswerte Option für HDTV mit großer Bildfläche
geworden. Die Zeiten, in denen
Videoprojektoren in erster Linie für die Office-Präsentation auf Helligkeit
getrimmt wurden und für die Filmwiedergabe lange und kompliziert genau
abgestimmt werden mussten, sind zum Glück auch schon lange vorbei, da die
Hersteller den Trend zum Heimkino erkannt haben und viele Geräte anbieten, die
für die Heimkino-Wiedergabe bereits ab Werk schon sehr gut optimiert sind. Der Sanyo PLV-Z3
sowie der Panasonic PT-AE700 stehen an der Spitze dieses Trends: Sie sind ab 1400 EUR
erhältlich und bieten eine Auflösung von 1280 x 720 Pixeln. Da mit Videoprojektoren recht einfach Bilder von 2,50 m Breite
und mehr dargestellt werden können, sind sie vom Preis/Bildgrößenverhältnis
praktisch unschlagbar gegenüber den Flachbildschirmen.
Die Königsklasse bei den Flachbildschirmen bilden Plasma-Displays mit 50 Zoll und mehr Diagonale, die aber immer noch mehr als
5000 EUR kosten. In den nächsten Jahren wird bei diesen
Geräten von allen Herstellern aufgrund der steigenden Massenproduktion aber von einem deutlichen Preisverfall ausgegangen.

Panasonic PT-AE500: Preiswerter HDTV-LCD-Projektor für weniger als 2000 EUR
Egal was man sich heute für ein HDTV-Gerät kauft, sollte man beachten, dass diese möglich zukunftssicher sind. Dies lässt sich zwar bei Unterhaltungselektronik ohnehin immer nur für einen begrenzten Zeitraum sagen. Auf Sicht der nächsten Jahre ist es aber vor allem wichtig, dass ein Bildschirm oder Display auch Anschluss an ein kopiergeschütztes Wiedergabegerät findet. Denn insbesondere die Filmindustrie wird ihre Produktionen nicht ohne Kopierschutz auf den Markt bringen. Daher sollte man darauf achten, dass ein Gerät bereits mit einem DVI- oder sogar HDMI-Anschluss ausgestattet ist, der den HDCP-Kopierschutz unterstützt. Die bislang meist verwendeten YUV-Komponenteneingänge ermöglichen zwar auch eine Übertragung von HDTV-Signalen, unterstützen dabei aber keine hardwareseitige Verschlüsselung.
In diesem Zusammenhang bietet das Anfang 2005 eingeführte "HD
ready"-Logo eine Hilfe beim Kauf: Mit diesem Logo sollen Displays
gekennzeichnet werden, die in der Lage sind, HDTV-Signale in der richtigen Auflösung korrekt darzustellen. Hierfür wurden in Zusammenarbeit von Broadcastern und Unterhaltungselektronikherstellern Mindestkriterien festgelegt, die ein Gerät erfüllen muss, um das "HD ready"-Logo tragen zu dürfen. Unterstützt und mitgetragen wird das "HD ready"-Logo auch von der European Broadcasting Union (EBU), dem Zusammenschluss der TV-Anstalten Europas sowie dem Satellitenbetreiber ASTRA. Mit dem "HD ready"-Signet gekennzeichnete Displays sollen folgende Kriterien erfüllen:
* Native Mindestauflösung mit 720 Bildzeilen
* Wiedergabe von HDTV Signalquellen über die Schnittstellen YUV (analog) sowie DVI oder HDMI (digital, mit
HDCP-Kopierschutz)
* Die HDTV-tauglichen Video-Eingänge sind in der Lage, folgende Signale darzustellen:
- 720p: 1280 x 720 mit 50 Hz und 60 Hz (progressive)
- 1080i: 1920 x 1080 mit 50 Hz und 60 Hz (interlaced)
Das "HD ready"-Logo wird ausschließlich für Displays (auch Videoprojektoren) verwendet. Es bringt Sicherheit beim
Kauf, da selbst die Herstellerangaben vieler Geräte leider nur selten einen konkreten Hinweis darauf geben, ob 720p und 1080i unterstützt werden. Viele Geräte können dies zwar in 60 Hz, da HDTV in Europa aber erst im Kommen ist, sind bisher noch nicht alle Geräte in der Lage, HDTV auch mit 50 Hz darzustellen. Zudem wird mit dem Logo auch eindeutig die Spreu vom Weizen getrennt, da nicht nur die Möglichkeit, HDTV-Signale wiederzugeben als Kriterium gilt, sondern auch eine native Mindestauflösung mit 720 Bildzeilen verlangt wird. Derzeit sind nämlich gerade im unteren Preissegment noch eine Menge Displays im Handel, die gerade einmal 480 Zeilen haben, also nicht einmal PAL-Auflösung erreichen.
HDTV in Europa?
Nachdem sich HDTV weltweit verbreitet hat, sprachen Spötter lange Zeit gerne davon, dass es praktisch weltweit HDTV gebe, nur nicht auf zwei Kontinenten: Afrika und Europa. Nachdem in den letzten Jahren
öffentlich kaum etwas passiert ist, haben sich die Rahmenbedingungen für einen erneuten HDTV-Startversuch
seit dem Jahr 2003 entscheidend verbessert. Anfang 2003 kündigte der belgische Broadcasting-Dienstleister Alfacam an, im Januar 2004 einen HDTV-Sender via Satellit starten zu wollen. Alfacam kann mit dem Sender Euro1080 das selbst produzierte Material
zweitverwerten, denn die in der Öffentlichkeit kaum bekannte Firma ist bereits seit mehreren Jahren Spezialist für die technische Produktion und Übertragung von
Live-Events, die inzwischen zunehmend direkt in HDTV produziert werden, um dieses Material auch auf dem amerikanischen und asiatischen Markt
anbieten zu können.
Im Broadcasting-Bereich wird ohnehin schon seit mehreren Jahren vielfach in HDTV produziert. Ein Großteil neuer TV-Serien wird in den USA bereits in HDTV gedreht. Und selbst in Europa drehen einige TV-Sender schon in HDTV. Die BBC produziert schon seit längerer Zeit einen Großteil ihrer Dokumentationen in HDTV, um diese über die kommerzielle Tochter "BBC Worldwide" auch anderen TV-Sendern anbieten zu können. Und selbst in Deutschland wird schon eifrig in HDTV gedreht: So produzierte z.B. die Firma broadview.tv die vom ZDF in Auftrag gegebenen Dokumentationen "Stalingrad" und "Das Wunder von Bern" mit Sony
HD-CAMs. Die Produktionskosten sind zwar derzeit noch höher als im bislang üblichen Beta Digital mit SD-Auflösung, sollen aber bereits unter den Produktionskosten mit 35 mm-Film liegen. Auch RTL sowie der Bayerische Rundfunk und der MDR
produzieren
vereinzelt schon in HDTV. Anfang 2004 kaufte der WDR bei Sony zwei HDW-750 HDCAMs ein, die zukünftig für hochwertige TV-Produktionen eingesetzt werden sollen. Diese Kamera ist speziell für den europäischen TV-Markt gedacht und kann sowohl mit 25 Progressive-Frames als auch 50 Halbbildern aufnehmen.
Euro 1080/HD1
Euro1080, der erste via Satellit empfangbare europäische HDTV-Sender ging zunächst unverschlüsselt am 1. Januar 2004 auf Sendung. Die Übertragung des Programms erfolgt über einen ASTRA-Satellitentransponder im DVB-Verfahren mit MPEG2-Codierung in 1080i mit 50 Hz.
Ab der zweiten Jahreshälfte 2004 wurden immer größere Programmanteile nur
noch verschlüsselt ausgestrahlt. Smartcards zur Entschlüsselung des in Irdeto verschlüsselten Programms
kosten rund 200 EUR. Der erste Sat-Receiver, mit dem sich Euro1080 empfangen
ließ, war der mit einem integrierten Irdeto-Entschlüsselungsmodul
ausgestattete "Quali-tv QS1080IR" zum Preis von 460 EUR (ca. 660 EUR
inklusive Karte). Mit dem einmaligen Erwerb der Smart-Card soll das Programm bis auf Weiteres ohne zusätzliche Zahlungen zu empfangen sein. Monatliche oder jährliche Abo-Gebühren plant Euro1080 bislang nicht. Das
zunächst vorwiegend aus Musik und Sportinhalten bestehende Programm wurde in
der zweiten Jahreshälfte 2004 um weitere Themenbereiche und auch aktuelle Inhalte erweitert.
Zugleich erfolgte eine Umbenennung des Senders von "Euro1080" in
"HD1". 2005 wird sich noch einiges bei dem Sender tun. Zunächst soll mit HD2 der
bisher ausschließlich in Kinos vermarktete Event-Kanal umgestaltet werden und ausgewählte Live-Events gegen Einzelbezahlung auch von
einfachen Abonnenten betrachtet werden können. Die Abo-Verkäufe liegen indes hinter den Erwartungen der Programmbetreiber: Zwar wurden
bis zum Februar 2005 rund 62.000 Karten an den Handel verkauft, davon allerdings
bis zu diesem Zeitpunkt nur 20.000 aktiviert.
Langfristig beabsichtigt man bei Alfacam eine größere Senderfamilie: Ab 2008 soll es bei den neuen Sendern HD1 Sport, bei HD3 Musik und
"Trends/Explore" bei HD4 geben. Mit HD5 soll es bereits ab Juni 2005 einen HDTV-Demo-Kanal geben, der zum Teil unverschlüsselt Informationsprogramme zum Thema HDTV sowie verschiedene Demo-Inhalte präsentieren wird. Laut Alfacam sollen es andere Demo-Kanäle mit dem Start von HD5 nicht mehr auf Astra geben. Dafür soll die Programmverbreitung langfristig auch auf andere Satelliten wie Hellas
Sat, Arabsat und Turksat ausgeweitet werden. Dabei beabsichtigt Alfacam auch eine Regionalisierung der Ausstrahlung, um z.B. Werbung zielgerichteter anbieten zu können und
möchte auch mehrere Sprachoptionen zu bieten.

Euro 1080 - der erste HDTV-Kanal in Europa
Der Start von Euro1080 war schon einmal ein Anfang, den kaum jemand in so kurzer Zeit für möglich gehalten hatte. Freilich ist Euro1080 aufgrund des bislang aus vielen Wiederholungen bestehenden Musik- und Sportprogramms nicht die Killerapplikation für HDTV, aber immerhin kann sich die Firma rühmen, den Anfang gemacht zu haben, den sich sonst bislang niemand getraut hat.
HDTV-Pläne von Premiere
Der erste deutsche Programmanbieter, der sich in Sachen HDTV engagierte, war der Pay
TV-Sender Premiere. Zu einer Zeit, wo außer Euro1080 noch kein Sender
ernsthafte
HDTV-Pläne für Deutschland auf dem Tisch hatte, arrangierte Premiere im Berliner
Cinestar-Kino am Potsdamer Platz zusammen mit Sony eine Übertragung des NFL-Superbowls aus den USA in HDTV, die in der Nacht vom 1. auf den 2. Februar 2003 wohl als erste öffentliche Live-Übertragung eines deutschen TV-Senders in HDTV bezeichnet werden
kann, wenn auch nur für eine geringe Anzahl von Auserwählten: Denn bis auf die
wenigen geladenen Gäste konnte nur eine Handvoll von Satelliten-Freaks, die
bereits einen HDTV-fähigen Sat-Receiver hatten, den Superbowl in HDTV mitverfolgen. Am
nächsten Tag war in der Presse auch weniger HDTV das Thema, sondern vielmehr
die für wenige Sekunden zu sehende unverhüllte Brust von Janet Jackson das
Tagesgespräch.
Während dieses HDTV-Events und in den Monaten danach war nur sehr wenig
von Premiere über konkrete Absichten zu hören, auch ein richtiges HDTV-Angebot
auf die Beine zu stellen, doch dann ließ Premiere-Chef Georg Kofler am Rande
der Fachmesse IBC im September 2004 die Katze aus dem Sack und kündigte für den 1.
November 2005 den Start eines Premiere HDTV-Angebots mit drei Kanälen an.
Geplant sind ein Programm für Spielfilme, eines für Sport und der dritte Kanal
für Dokumentationen. Während aktuelle Hollywood-Filme in HDTV in Massen
für den Spielfilmkanal zur Verfügung stehen, setzt man beim Sport vor allem auf die in Deutschland
stattfindende Fußball-WM 2006 als Zugpferd. Denn diese wird nach dem Willen der
FIFA ohnehin komplett in HDTV produziert. Premiere beabsichtigt, alle 64 WM-Spiele
in HDTV zu übertragen. Auf dem Dokumentationskanal wird man wahrscheinlich vor
allem Dokumentationen des amerikanischen Discovery Channel sehen, der seinen HD
Channel zukünftig auch außerhalb der USA anbieten möchte und bereits über
die Premiere-Plattform die deutsche Version des Discovery Channel sowie den
Sender Discovery Geschichte vermarktet.
MPEG4 und DVB-S2 - Technische Voraussetzungen für HDTV
Seit dem Sendestart von Euro1080 hat sich bei den technischen
Übertragungsformaten für HDTV viel getan. Inzwischen sind verbesserte
Video-Codecs und Übertragungsverfahren verfügbar, die weitaus effektiver als
das bislang genutzte DVB mit MPEG2-Kompression arbeiten und damit auf der
Sendeseite auch weniger Bandbreite beanspruchen, weswegen die TV-Sender ein
hohes Interesse daran haben, diese Technologien auch einsetzen zu können. Da
für HDTV ohnehin ein neues Empfangsgerät erforderlich ist, kann man sich
diesen Luxus gönnen und direkt mit der gewünschten Technik starten, weil nicht das
Problem besteht, auf Kunden Rücksicht nehmen zu müssen, die älteres
Empfangs-Equipment nutzen.
Die Bandbreite von HDTV-Ausstrahlungen ist bei Verwendung von MPEG2-Kompression
ziemlich hoch.
Während für normales PAL-TV je nach verwendetem Encoder eine Videobitrate von
4-5 Mbps erforderlich ist, um ein Bild in guter bis sehr guter Qualität
darzustellen (in der Praxis liegen die Bitraten meist aber darunter), sind für
HDTV im Schnitt 14 Mbps nötig für eine saubere Darstellung - in den USA werden
häufig sogar um die 19 Mbps eingesetzt. Und selbst bei diesen hohen Bitraten sieht man mitunter noch leichtes Blockrauschen. Weiterentwickelte Codecs
wie MPEG4-AVC bieten die gleiche Qualität selbst noch bei der halbierten Videobitrate.
Das Programm von HD1 soll voraussichtlich bereits ab
dem 1. Juni im MPEG4-Kompressionsformat ausgestrahlt werden. Sowohl die MPEG4-Übertragung als auch die Buchung von einzelnen Events soll mit der gleichen Irdeto-Smartcard möglich sein, die für den HD1-Empfang benötigt wird.
Wer noch einen alten Receiver besitzt, wird vorerst beruhigt: Mit der parallelen MPEG2-Übertragung von HD1 über Astra soll nach Aussage des Senders mindestens bis zum 1. Januar 2008 fortgefahren werden.
Für den Premiere-HDTV-Start im November soll auch der neue
Modulations-Standard DVB-S2 bei der Satelliten-Übertragung eingesetzt werden.
Dieses soll bei unveränderten Empfangsbedienungen die effektiv nutzbare Signalbandbreite um 30 Prozent erhöhen.
Im Zusammenspiel ermöglichen es MPEG4 und DVB-S2, dass ein
Satelliten-Transponder wesentlich effektiver ausgenutzt werden kann. Dadurch
erhöht sich die für HDTV-Übertragungen erforderliche Transponder-Kapazität
nur geringfügig.
Gleich mehrere Hersteller planen, zum Premiere-Start im November
Empfangsgeräte für MPEG4/DVB-S2 anzubieten. Entsprechende Ankündigungen gibt
es bereits von Humax, Pace und Philips. Ob der
Zeitplan wirklich einzuhalten ist, ist noch nicht wirklich sicher, da die gerade
entwickelten MPEG4-Decoder-Chips zunächst für die Hersteller in ausreichenden
Serien-Stückzahlen verfügbar sein müssen.
Zunächst sind nur reine HDTV-Empfänger ohne Aufnahmefunktion geplant.
Der ursprünglich auch bei Premiere geäußerte Wunsch, möglichst direkt zum Start
auch Geräte mit integrierter Festplatte anbieten, wurde erst einmal nach hinten
gestellt.
Wer schon seit längerer Zeit einen HDTV-fähigen Projektor oder ein Display
mit HD-Auflösung besitzt, wird möglicherweise sogar nicht einmal die
HDTV-Bilder von Premiere sehen können. Denn die Hollywood-Studios wollen die
HDTV-Bildausgabe kontrollieren und drängen gerade in Europa darauf, dass
HDTV-Bilder nur über HDCP-verschlüsselte Digitalverbindungen wie DVI und HDMI
und nicht die analoge YUV-Verbindung, welche bei älteren Geräten meist die
einzige HDTV-Eingangsquelle darstellt, übertragen werden können. In den USA
wird dies zwar ebenfalls beabsichtigt, da dort die HDTV-Entwicklung aber schon
vor Jahren begann, als es noch gar keine Digitalschnittstellen wie DVI und HDMI
gab, ist hier der Wiederstand von der Verbraucherseite auch massiver. Da es
Geräte mit HDCP-Unterstützung erst seit etwas mehr als einem Jahr auf dem
Markt gibt, würde man einen Großteil der HDTV-Nutzer plötzlich vom
HDTV-Angebot aussperren. Wie sich die Premiere-Empfänger bei der
YUV-HDTV-Wiedergabe verhalten werden, ist derzeit noch nicht ganz klar. Es kann
aber durchaus möglich werden, dass einzelne oder vielleicht sogar alle
HDTV-Inhalte entweder gar nicht oder nur in auf PAL reduzierter Auflösung via
YUV ausgegeben werden. Da Premiere-Empfänger von Premiere zertifiziert werden
müssen, um einheitliche Kriterien wie u.a. auch die Jugendschutzkontrolle zu
unterstützen, darf man hier auch nicht darauf hoffen, dass es alternative
Empfänger geben wird, die sich nicht an diese Vorgaben halten. Zwar gibt es
derzeit die (von Premiere in den AGB untersagte) Möglichkeit, auch mit einem
nicht von Premiere zertifzierten Empfänger mit einer gültigen Abo-Karte und
einem Alphacrypt-Modul Premiere zu empfangen, da der Sender wegen der immer noch
weit verbreiteten D-Boxen der ersten Generation das neue Verschlüsselungs-System
Nagravision so überträgt, dass es "untertunnelt" auch in Boxen mit
dem Betacrypt-Verfahren funktioniert. Da für das HDTV-Angebot aber
auf jeden Fall neue Receiver erforderlich sind, ist eine solche Rücksichtnahme
hier nicht erforderlich, so dass kein Weg an einem der Premiere-zertifizierten
HDTV-Empfänger mit "embedded" Nagravision vorbeigeht.
Hinzu kommen natürlich auch noch die Abo-Gebühren, die Premiere von seinen
Kunden für das neue HDTV-Angebot haben möchte. Der Sender beabsichtigt
zunächst die Vermarktung der drei HDTV-Kanäle als ein Upgrade auf die
bisherigen Premiere-Standard-Pakete. Die Preisangaben sind noch etwas vage: Man
geht bei Premiere von zusätzlich anfallenden Kosten
im Bereich von 15 EUR aus. Genaue Aussagen zu den Modalitäten der
Vertragsgestaltung und Angaben zu genauen Preisen gibt es von Premiere knapp ein
halbes Jahr vor dem anvisierten Start im November aber noch nicht.
Verbreitetet wird das Premiere HDTV-Angebot zunächst auf jeden Fall über
das Astra-Satellitensystem. Kabel-Kunden haben es nicht ganz so einfach, denn
ohne Einspeise-Vertrag mit den verschiedenen Kabelnetzbetreibern wird man
Premiere in HDTV nicht so schnell im Kabel sehen können. Auf das Kabel
verzichten kann Premiere aber auch nicht, da auf diesem Wege ungefähr die
Hälfte der Kundschaft Premiere empfängt. Die Kabelnetzbetreiber haben das
Thema HDTV inzwischen auch schon zum Teil erkannt, welches auf der Fachmesse
Anga Cable im Mai 2005 auch einen Schwerpunkt bilden wird und speisen teilweise schon HD1 ins Kabel ein, beim Netzbetreiber ISH in NRW sogar für eine
befristete Zeit komplett unverschlüsselt. Allerdings wird auch die Entwicklung
der Receiver zunächst vor allem in Richtung Satelliten-Empfang forciert,
weswegen es im Moment auch noch gar nicht klar ist, ob zum HDTV-Start überhaupt
HDTV-taugliche und Premiere-zertifizierte Kabel-Receiver auf dem Markt
erhältlich sein werden.
HDTV-Pläne weiterer TV-Sender in Deutschland
Ab der dritten Jahreshälfte 2004 engagierte sich in Deutschland vor allem die Sendergruppe
ProSieben/Sat.1
für HDTV. Sie machte sich hierbei die Unterstützung des Satellitenbetreibers
Astra zunutze, der neben einem HDTV-Promokanal auch vereinzelt für Sender Übertragungskapazität zur Übertragung von bestimmten Events in HDTV via Astra
zur Verfügung stellte. Über Kosten spricht hier niemand offen, aber da der
Satellitenbetreiber natürlich langfristig von Angeboten mit mehr Bandbreite
profitiert, kann man davon ausgehen, dass Astra den Sender für diese Events
nicht übermäßig belasten wird. Pro Sieben feierte sein HDTV-Debüt mit der BBC-Dokumentation "Pride - Gesetz" der Savanne, die am 14.
Oktober 2004 ausgestrahlt wurde. Am 29. und 30. November folgte der
Sat.1-Zweiteiler "Die Nibelungen" in HDTV. Anfang 2005 wurden dann
auch erstmals Spielfilme in HDTV gezeigt, wie z.B. "Spider-Man" am 13. März 2005 sowie
"Panic Room" oder "Men in Black II". Über diese Events
hinaus hat es von Pro Sieben bislang noch keine offizielle Ankündigung eines
regulären HDTV-Kanals gegeben. Mit dem Engagement setzt der Sender aber
natürlich ein Zeichen, weswegen es sehr wahrscheinlich ist, dass ProSieben
irgendwann der erste Free TV-Sender aus der ersten Liga mit einem eigenen
HDTV-Kanal werden könnte. Bislang ist HDTV in erster Linie Image-Werbung
und im Gegensatz zu Premiere, wo man sich HDTV von den Abonnenten bezahlen
lässt ist die Entwicklung eines Geschäftsmodells für einen Free TV-Sender zur
Zeit noch eine heikle Sache. Ob die Werbekunden z.B. dauerhaft bereit sein
werden, für HDTV auch höhere Spot-Preise zu zahlen, muss sich erst noch
zeigen.
Andere private TV-Sender verhalten sich bei HDTV bislang sehr zurückhaltend.
Von der RTL-Gruppe z.B. gibt es bis heute keine Ankündigung von
HDTV-Übertragungen, und sei es auch nur testweise. Das verwundert nicht
unbedingt, denn bereits in der Vergangenheit war gerade Pro Sieben bei
technischen Innovationen der Zeit etwas voraus. Features wie Dolby Digital-Ton
gibt es hingegen bei RTL bis heute nicht.
Die deutschen Öffentlich-Rechtlichen TV-Sender konzentrieren sich im
Augenblick erst einmal auf den Ausbau des terrestrischen Digitalfernsehens
DVB-T. HDTV ist bislang weder bei ARD noch ZDF ein akutes Thema. Ginge es nach
den Technikern, so würde es sicherlich auch hier etwas mehr Tempo geben. Derzeit
allerdings beobachtet man den Markt erst einmal. Das ZDF zieht immerhin die Ausstrahlung von Programmen in HDTV ab 2008-2010 in Betracht. Laut Eckhard
Matzel, dem für technische Grundsatzangelegenheiten Verantwortlichen beim ZDF sind aber zunächst die Einführung von MPEG4 als Kompressionsformat und DVB-S2 als Modulationsverfahren erforderlich, um zu wirtschaftlich vertretbaren Bedingungen HDTV-Signale zu übertragen - zunächst allerdings nur via Satellit. Beim ZDF möchte man vor der Ausstrahlung von HDTV
erst einmal die technische Qualität der herkömmlichen DVB-PAL-Übertragungen verbessern. Hierzu soll die Bitrate der im Satelliten-TV-Bouquet ZDF Vision ausgestrahlten TV-Programme erhöht werden. Außerdem soll der 16:9-Anteil im ZDF erhöht werden. Neben mehr Fremd- und Eigenproduktionen
setzt man hier beim ZDF u.a. auch auf mehr Fußball im 16:9-Format, um eventuell auch die WM 2006 im 16:9-Format zu zeigen.
Ob nicht wenigstens testweise auch bei ARD und ZDF ein paar HDTV-Bilder von der
Fußball-WM 2006 zu sehen sein werden, ist derzeit noch reine Spekulation.
HDTV-Pläne weiterer TV-Sender in Europa
Auch in den europäischen Nachbarländern ist HDTV seit dem Start von
Euro1080 im Jahre 2004 langsam zum Thema geworden. Insbesondere in England und
Frankreich ist man bereits weit fortgeschritten und plant noch im Verlauf
2005/2006 erste HDTV-Angebote. Auch in diesen Ländern ist es in erster Linie
das Pay-TV, bei dem man sich durch HDTV neue Abonnenten und höhere Einnahmen
erhofft.
In Großbritannien wird das digitale Fernsehen vor allem durch das von Rubert
Murdoch aufgebaute "British Sky Broadcasting" (BSkyB) dominiert. BSkyB plant für 2006 ein umfassendes HDTV-Angebot auf seiner per Satellit empfangbaren Sky Digital-Plattform.
Sky will mit einem HDTV-Angebot aus Sport, Filmen, Dokumentationen und Unterhaltungsprogrammen an den Start gehen. Neben einer Auswahl von speziellen HDTV-Kanälen sollen auch ausgewählte Events in HDTV übertragen werden. Sky bietet auch anderen TV-Anbietern die Sky Digital-Plattform zur Übertragung von HDTV-Programmen an.
BSkyB will direkt zum Start bereits Empfangsgeräte mit Festplatten-Aufnahmefunktion anbieten. Bereits seit langer Zeit können Sky-Kunden mit der
"Sky+"-Box die TV-Programme des Pay-TV-Anbieters auch aufnehmen. Die HDTV-Variante der
"Sky+"-Box soll von Thomson produziert werden. Sky setzt bei der HDTV-Ausstrahlung auf die Formate 720p und 1080i, stellt es aber den Programmanbietern frei, für welches Format sie sich entscheiden. Als Kompressionsformat wird MPEG4 zum Einsatz kommen. Die Sky-Box wird mit einer HDMI-Schnittstelle ausgestattet sein. Die HDTV-Ausgabe über YUV ist derzeit nicht vorgesehen.
In Frankreich haben sich 2004 verschiedene Unterhaltungselektronikanbieter, TV-Sender und Handelshäuser zusammengeschlossen, um die Einführung von HDTV in Frankreich zu koordinieren. Das "HD FORUM" soll zunächst vor allem viel Öffentlichkeitsarbeit betreiben, um die Endverbraucher über HDTV zu informieren. Möglichst
noch in 2005 möchte man HDTV in Frankreich nicht nur über Satellit und Kabel, sondern auch über Antenne und DSL anbieten. Neben Hardware-Anbietern wie Thomson, Panasonic,
Sagem, Samsung oder Sony gehört auch der Satellitenbetreiber Eutelsat zu den Mitgliedern des "HD FORUMS".
Ein HDTV-Demo-Programm ist zeitweise auf verschiedenen Satelliten wie Hotbird zu
empfangen. Möglichst schnell sollen Standards für die HDTV-Verbreitung in Frankreich erarbeitet werden. Schließlich möchte der Pay TV-Anbieter TPS
noch 2005 mit einem HDTV-Angebot starten und setzt hierbei
auch auf MPEG4 als Kompressionsverfahren. Sofern Kapazitäten vorhanden sind, möchte TPS-Chef Emmanuel Florent sein HDTV-Angebot auch terrestrisch verbreiten.
Zwar starteten die ersten DVB-T-Ausstrahlungen Ende März 2005 noch in MPEG2,
doch soll es voraussichtlich ab Herbst auch schon Pay-TV-Programme in MPEG4
geben, zu denen eventuell auch schon einzelne HDTV-Angebote gehören.
Bereits nutzbare HDTV-Quellen
Zwar gibt es bis auf "Euro1080" im Augenblick noch keinen TV-Sender in Europa, der in HDTV sendet, doch mit ein wenig Anstrengung kann man sich bereits heute auch in Europa schon HDTV ins Haus holen.
Zwar lassen sich die amerikanischen Satelliten, die HDTV-Programme ausstrahlen, nicht hierzulande empfangen, weil diese aus unserer Sicht hinter dem Horizont stehen. Aber mehrere Hollywood-Studios bieten in den USA bereits Filme in HDTV-Auflösung an. Diese werden auf D-VHS-Bändern abgespeichert. Das D-VHS-System, welches auf VHS-Bändern digital aufzeichnet, konnte sich in Deutschland nicht durchsetzen, obwohl es noch vor den ersten DVD-Recordern auf den Markt kam und auch mit 28 Mbps eine deutlich höhere Datenrate als DVD-Recorder bietet. In den USA genießt D-VHS zumindest ein Nischendasein, da sich mit diesem Format auch über Firewire in HDTV aufzeichnen lässt. JVC entwickelt mit dem "D-Theater"-System auch einen für die Hollywood-Studios ausreichenden Kopierschutz, der zumindest die Unterstützung von Größen wie Universal, Fox und weiteren kleineren Anbietern wie Artisan
einbrachte.
Erste vorbespielte D-Theater-Tapes gibt es in den USA bereits seit 2002. Von Fox gibt es z.B. Blockbuster wie "X-Men 2" oder "Daredevil" in 1080i. Sofern man einen Versender findet, der auch nach Europa verschickt,
bekam man den ersten D-Theater-Recorder von JVC, den HM-DH30000, schon für rund
500 US-Dollar. Vorbespielte D-VHS-Bänder kosten ungefähr 35 US-Dollar. Das
inzwischen schon ab ungefähr 400 US-Dollar in den USA erhältliche Nachfolgemodell JVC HM-DH40000 ermöglicht es auch, Bänder mit DTS-Ton abzuspielen. D-VHS wird sich allerdings langfristig gegenüber Disc-basierten HD-Medien kaum durchsetzen, weswegen ein solches Gerät auch nur eine Investition auf Zeit ist. Zudem produzieren die digital bespielten D-VHS-Bänder mitunter Aussetzer, was sich bei bandbasierten Medien nie ganz vermeiden lässt. Wer aber auf der Suche nach viel Demo-Material in HDTV ist, für den stellt das D-Theater-System
derzeit die beste Wahl dar. D-Theater arbeitet ähnlich wie DVDs mit Regionalcodes. Außer den USA gibt es aber bislang nur in Japan D-Theater-Recorder.

JVC HM-DH30000: D-VHS-Recorder für D-Theater-Tapes
Recht überraschend hat sich der Software-Gigant Microsoft im Jahr 2003 auf den HDTV-Markt begeben. Mit der Version 9 des Windows Media Players integrierte Microsoft auch die Möglichkeit zur Wiedergabe von HDTV-Clips in die Multimedia-Software. Im Vergleich zu MPEG2 sind die Windows Media-Dateien deutlich kleiner und werden weitaus effektiver komprimiert. Die Ambitionen von Microsoft in diesem Bereich gehen aber noch über den PC hinaus: Microsoft gewann den DVD-Anbieter Artisan für die Idee, auch DVDs mit Filmen in Windows Media 9 anzubieten. Die erste DVD, die in diesem Format auf den Markt kam, war der Dokumentarfilm "Standing in the Shadows of Motown", allerdings nur mit einer Auflösung von 1024 x 576
Pixeln. Der erste Spielfilm in HDTV im Windows Media 9-Format war "Terminator 2" mit der etwas ungewöhnlichen Auflösung von 1440 x 816
Pixeln. Da der Film im Cinemascope-Format 2,35:1 vorliegt, wurden die bei DVDs normalerweise sichtbaren schwarzen Streifen erst gar nicht
encoded, wodurch Speicherplatz gespart werden konnte. Allerdings kam bei dieser DVD Microsofts Digital Rights Management-Technik zum Einsatz, die vor dem Abspielen eine Online-Registrierung der DVD erforderte. Diese war allerdings nur möglich, sofern man sich über eine Internetverbindung innerhalb der USA oder Kanadas einwählte.
Mit der
Bezeichnung "WMV HD" betont Microsoft seit Januar 2004 verstärkt die HDTV-Möglichkeiten des
Video-Codecs. Im Verlauf des Frühjahrs 2004 wurden gleich 16 Filme auf DVD im neuen HD-Format
angekündigt. Die Filme wurden als 2 DVD-Set verkauft, welches eine normale DVD für den DVD-Player und die Windows Media 9-Version auf einer zweiten Disc enthält. Neben Artisan kann Microsoft auf die Unterstützung der IMAX-Filmer MacGillivray Freeman Films und auch National Geographic setzen, die mehre Dokumentationen in HDTV
veröffentlicht haben. Auch die Windows Media 9-Version bietet 5.1-Mehrkanalton, allerdings in Microsofts eigenem
Audio-Format, das bislang nur von wenigen AV-Receiver-Herstellern (z.B. Pioneer)
unterstützt wird.
Mehrere deutsche DVD-Anbieter bieten seit Herbst 2004 ebenfalls DVDs im "WMV
HD"-Format an. Besonders Concorde Home Entertainment gelang hier ein
Glücksgriff. Die Muttergesellschaft Tele München ist auch als Filmproduzent
aktiv und beteiligt sich an vielen Filmproduktionen, die in den USA von
Paramount vermarktet werden. Dadurch hatte Concorde Home Entertainment Zugriff
auf interessante Produktionen wie die beiden "Tomb Raider"-Filme oder
"Time Line". Insgesamt acht Titel wurden Ende 2004 als WMVHD-DVD von
Concorde veröffentlicht.
"WMW HD" bietet die einfachste Möglichkeit, sich selbst von den Qualitäten von HDTV einen Eindruck verschaffen zu können. Im Internet findet man unter der Adresse www.wmvhd.com zahlreiche Demo-Clips von Microsoft in HDTV, die auf schnellen PCs auch flüssig wiedergegeben werden.
Windows Media 9 ist bislang nur ein Format für den PC. Von der dänischen
Firma Kiss wurde auf
der CeBIT 2004 für den deutschen Markt ein DVD-Player mit Windows
Media-Unterstützung angekündigt, dessen Markteinführung sich allerdings immer
wieder verzögerte. Auf der CeBIT 2005 wurde schließlich angekündigt,
HD-taugliche Geräte sollten im April oder Mai erhältlich sein. In Asien sind bereits einige
No Name-Geräte erhältlich, die "WMV HD"-Material abspielen können.

Windows Media 9-Demo "The Magic Of Flight"
Blu-ray Disc und HD-DVD
WMV-HD ist bislang das beste zur Marktreife entwickelte HDTV-System. Dennoch
wird es nur ein Übergangs-Medium sein, welches sich in erster Linie zur
Technik-Demonstration eignet. Denn es fehlt an der Unterstützung durch die großen Hollywood-Studios,
die sich nicht dafür gewinnen ließen, die Filme in besserer Qualität auf
normalen DVDs zu veröffentlichen. In Hollywood setzt man gleich auf neue
Datenträger-Formate, bei denen die Daten mit einem blauen Laser mit kürzerer
Wellenlänge im Vergleich zum roten Laser der DVD ausgelesen werden und somit
eine deutlich höhere Datendichte auf 12 cm-Scheiben ermöglichen.
Gleich zwei Formate konkurrieren um die Nachfolge der DVD: Neben der von Toshiba
und NEC entwickelten "HD-DVD", die eine Kapazität von 15 GB bietet
und den Vorteil haben soll, sich ohne großen Aufwand auf bestehenden
Duplikationsanlagen für DVDs relativ preiswert herstellen zu lassen, gibt es
noch die "Blu-ray-Disc" mit einer weitaus größeren Kapazität von derzeit
25 GB. Blu-ray wird von den meisten großen Herstellern der
Unterhaltungselektronikindustrie unterstützt: Hitachi, LG Electronics, Matsushita (Panasonic), Pioneer, Philips, Samsung, Sharp, Sony und Thomson
gehören zu den Entwicklern. Als im Februar 2002 die ersten Spezifikationen für
die "Blu-ray Disc" vorgestellt wurden, konnte man zunächst den
Eindruck gewinnen, als ob sich die Industrie einig über den zukünftigen
DVD-Nachfolger wäre. Doch Toshiba und NEC gelang es, im DVD-Forum, dem auch die
Hollywood-Studios angehören, eine Mehrheit für die HD-DVD zu gewinnen, die
zunächst unter dem Namen "Advanced Optical Disc" entwickelt worden
war.
In Japan kann man sich bereits seit April 2003 den ersten Blu-ray-Recorder BDZ-S77 von Sony für ca. 3500 EUR kaufen. Dieses Blu-Ray-Gerät ist ein reiner Recorder, mit dem sich vorbespielte
Blu-ray-Medien, sofern sie irgendwann in den Handel kommen sollten, nicht
werden abspielen lassen. Dies gilt ebenso für die Blu-Ray-Disc-Recorder-Modelle
von Panasonic und Sharp. Das Gerät ist in seiner derzeitigen Form auch speziell für die HDTV-Ansprüche des japanischen Marktes ausgelegt, daher
wird dieses Gerät nicht auf dem europäischen und wahrscheinlich auch nicht auf dem amerikanischen Markt später erhältlich
sein, sondern wurde bislang nur auf Messen vorgeführt.

Sony Blu-ray-Disc-Recorder BDZ-S77: Für ca. 3500 EUR in Japan erhältlich
Es lassen sich mit dem Sony-Recorder sowohl Sendungen über Antenne und Kabel als auch Aufnahmen der japanischen
"BS Digital" Hi Vision-Programme vornehmen, die in Japan zum Großteil in 1080i ausgestrahlt werden und 5.1-Ton im AAC-Format bieten. Blu-ray arbeitet mit MPEG2-Kompression. Aufnahmemedium sind zunächst einseitige Blu-ray-Discs mit 23 GB Speicherkapazität. Leermedien von Sony sollen 3500 Yen (ca. 27 EURO) kosten. In 1080i oder 720p sind Aufnahmen mit einer Datenrate von 24 Mbps möglich. Dies soll für zwei Stunden reichen. In 480p wird mit 12 Mbps für maximal 4 Stunden aufgezeichnet, in 480i sind es bei 11 Mbps maximal 4.4 Stunden. Außerdem besitzt der Recorder auch noch die Aufnahmemodi HR (16 Mbps/3h), SR (8 Mbps/6h) und LR (4 Mbps/12h). Mit diesen Aufnahmezeiten bietet der Recorder auch bei Standard-Auflösungen ein Vielfaches der Aufnahmedauer herkömmlicher DVD-Recorder. Der Recorder bietet eine Firewire-Schnittstelle (In/Out) für digitale Aufnahmen von
Videocameras. Trotz der bei Blu-ray eingesetzten Technik mit blauem Laser soll der BDZ-S77 auch als Abspielgerät für normale DVDs und auch DVD-R und DVD-RW geeignet sein.
Im Profi-Bereich kommt die Blu-ray-Disc inzwischen auch schon zum Einsatz: Sony hat für TV-Sender das XDCAM-System entwickelt, welches auf Blu-Ray-Medien mit Bitraten bis zu 50 Mbps aufnimmt.
Erst 2004 kristallisierte sich heraus, welche Features HD-DVD und
Blu-ray-Disc bei vorbespielten Scheiben bieten werden. Diese unterscheiden sich
nur sehr geringfügig. Bei beiden Formaten kommen gleich mehrere Audio- und
Videoformate optional zum Einsatz, die von Abspielgeräten unterstützt werden
müssen. Dies hat für die Hollywood-Studios den Vorteil, dass sie die Auswahl
zwischen verschiedenen Lizenzgebern haben und somit auch die Preise drücken
können, die pro DVD gezahlt werden müssen. Als Videoformate sind neben MPEG2
das verbesserte MPEG4-AVC sowie auch Microsofts WMV-HD-Codec erlaubt, der unter
der Bezeichnung "VC-1" standardisiert wurde. VC-1 ist eine offene Version von Microsofts Windows Media 9, die zusammen mit der Society of Motion Picture and Television Engineers
(SMPTE) entwickelt wurde.
Bei den Audio-Codecs liegen bislang nur zur HD-DVD genaue Informationen vor. Sowohl Dolby als auch DTS werden bei der HD-DVD gleichwertig behandelt werden. Deren verbesserte Kompressionscodecs
"DD+" bzw. "DTS++" müssen von jedem HD-DVD-Gerät unterstützt werden. Bislang sind bei der herkömmlichen DVD nur Dolby Digital und MPEG2-Audio zwingend vorgegeben, weswegen eine DVD mit DTS-Ton mindestens noch eine Dolby Digital oder eine MPEG2-Audio-Tonspur haben muss. Zukünftig steht es den DVD-Anbietern frei,
"DD+" oder "DTS++" beliebig einzusetzen. Als weiteres obligatorisches Tonformat ist
"Meridian Lossless Packaging" (MLP) vorgesehen, die verlustfreie Kompression, die bereits bei DVD-Audio eingesetzt wird. DTS wird aber auch bei der HD-DVD wieder mit einem weiteren optionalen Tonformat dabei sein: "DTS++"
(inzwischen als "DTS HD" bezeichnet) gibt es auch in einer Lossless-Version ohne verlustbehaftete Kompression.
Die Audio-Spezifikationen der Blu-ray Disc wurden noch nicht festgelegt. Es
ist davon auszugehen, dass neben den verbesserten Formaten von Dolby und DTS
ebenfalls noch weitere unkomprimierte Audio-Formate unterstützt werden sollen.
Die meisten großen Hollywood-Studios haben inzwischen bekann gegeben, Filme
in HDTV anbieten zu wollen. Schon lange deutete sich ein Konflikt an,
denn während einige Filmstudios schon frühzeitig Signale aussendeten, dass sie
die HD-DVD unterstützen würden, war es von vornherein klar, dass Columbia als
die Film-Tochter
des Sony-Konzerns sich für Blu-ray engagieren wird. Durch den Aufkauf von MGM
hat Sony seine Position auch noch verbessert, da jetzt Zugriff auf ein riesiges Filmarchiv
besteht, welches sich ebenso auf
Blu-ray auswerten lässt.
Der Start der Blu-ray-Disc wird für Ende 2005 / Anfang 2006 prognostiziert.
Konkrete Ankündigungen gibt es aber bislang noch nicht. Auf der CES 2005 in Las Vegas
kündigten die Studios
Warner/New Line, Paramount und Universal an, ab dem 4. Quartal
voraussichtlich rund 80 verschiedene Titel in den USA auf HD-DVD anbieten zu
wollen. Hingegen haben sich die Disney-Studios vorerst für die Blu-ray Disc
entschieden. Lediglich 20th Century Fox, sowohl Mitglied des DVD-Forums als auch
der Blu-ray Disc Association, hat bislang noch kein Votum für das eine oder andere DVD-Format abgegeben.
Vorerst beschränken sich diese Ankündigungen erst einmal auf die
USA. Lediglich Universal hat angekündigt, eventuell ab dem Frühjahr 2006 auch
in Europa HD-DVDs anbieten zu wollen. Sollte es tatsächlich nicht noch eine
Einigung auf ein einheitliches Format geben und der Formatstreit zur Kauf-Zurückhaltung
bei den amerikanischen Verbrauchern führen, so würde dies sicherlich auch
negative Auswirkungen auf die Markteinführung in Europa haben.
HDTV für den Heimgebrauch

JVC GR-HD1 - Die erste HDTV-Kamera für Hobbyfilmer
Bei HDTV denkt man wohl zunächst an Fernsehen und Hollywood-Filme. Doch ein weiteres Argument für den Einsatz dieser Technologie liefern Digital-Kameras und Camcorder. Bereits jetzt verfügen viele Flachbildschirme über die Möglichkeit, sich Digital-Photos direkt über einen Kartenleser anzuschauen. Sofern die Auflösung des Displays groß genug ist, wird man auf diesem Wege die Photos mit einer noch höheren Brillanz erleben können als es mit einfachen Photo-Abzügen möglich ist. Vor allem ist es weitaus praktischer, die Bilder direkt ohne Umweg auf seinem Fernseher ansehen zu können. Geht es nach dem Willen von JVC, Canon, Sharp und Sony, so wird man schon in Kürze auch bewegte Bilder selbst in HDTV produzieren können.
Dies macht der neue HDV-Standard möglich, der Aufnahmen auf DV-Bändern in HDTV-Auflösung
mit bis zu 1440 x 1080 Pixeln erlaubt. Die Spezifikationen wurden bereits Ende
2003 festgelegt und JVC bietet in den USA sogar schon seit Anfang 2003 die HDTV-Consumer-Kamera GR-HD1
an, die dort für rund 1700 USD zu haben ist. Für die seit Ende 2004 in
Deutschland erhältliche HDV-Kamera Sony HDR-FX1 muss man knapp 3000 EUR
bezahlen.
Neue Spielekonsolengeneration mit HDTV
Im Jahresverlauf 2005/2006 kündigt sich auch der Generationswechsel bei den
Spielekonsolen an. Microsoft hatte bereits die US-Version der Xbox mit einer
HDTV-Bildausgabe ausgestattet, die von einigen Spielen unterstützt wurde. Die
Xbox 2, welche 2006 oder eventuell sogar schon zum Weihnachtsgeschäft 2005 auf
den Markt kommen soll, wird laut einer ersten deutschen Pressemitteilung jetzt
auch eine "High Definition"-Darstellung bieten. Weitere Informationen
zur Xbox 2 wird Microsoft am 13. Mai in einer Werbepräsentation auf dem
Musiksender MTV bekannt geben.
Sony hat schon vor längerer Zeit angekündigt, dass die die nächste Playstation-Konsole
mit einem BD-ROM-Laufwerk für Blu-ray-Discs ausgestattet sein soll. Sony wies
in dieser ersten Mitteilung zur Playstation 3 auch schon auf die Möglichkeit hin, Video-Inhalte in HDTV auf Blu-ray-Medien abspielen zu können.
Möglicherweise wird die Playstation 3 also auch in der Lage sein, Filme von
Blu-ray Discs zu zeigen. Dies würde Sony im Wettbewerb mit der HD-DVD schon ein
gewisses Gewicht verleihen, allerdings gehört Microsoft auch zu den
Unterstützern der HD-DVD und könnte ebenso die Xbox 2 mit einem
HD-DVD-Laufwerk ausstatten.
Erstellt: 11.02.2004
Letzte Überarbeitung: 13.04.2005
Verantwortlich für den Text: Karsten Serck
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