Test: Gelingt Harman Kardon mit dem HKTS-11 der Einstand im LS-Business?

26.08.2004 (cr)
Harman International macht Druck auf dem Lautsprechermarkt -
neben den Labeln Infinity und JBL, beides bekannte Marken und renommierte
Boxen-Anbieter, wird seit kurzer Zeit auch die Harman Kardon-Produktschiene
genutzt, um
Lautsprechersysteme anzubieten. Das Produktportfolio umfasst momentan mit
dem HKTS-11 (599 EUR) und dem HKTS-7 (499 EUR) zwei Subwoofer-/Satellitensysteme in 5.1
Konfiguration. Um die Möglichkeit für einen 7.1 Ausbau
zu bieten, verkauft Harman Kardon die Satelliten zu beiden Paketen (Satellit HKS
3 zu HKTS-7, Paarpreis 99 EUR, HKS-4 zu HKTS-11, Paarpreis 119 EUR) auch
als Paar. Ebenfalls sind Aluminium-Standsäulen für die Satelliten paarweise als Zubehör erhältlich. Wir haben nun das teurere und leistungsfähigere Set HKTS-11
unter die Lupe genommen und überprüft, ob Harman Kardon einen gelungenen
Einstand als Lautsprecheranbieter feiert und ein empfehlenswertes Paket für
anspruchsvolle Einsteiger geschnürt hat.
Progressiv und elegant: Satelliten des HKTS-11
Sauber: Eingearbeitetes Harman-Logo
Die Vorzeichen für ein tadelloses Debüt stehen nicht schlecht,
denn lobenswert in dieser Preisklasse ist zweifelsohne, dass die
Gehäuse der schicken, schnörkellos-eleganten Satelliten aus echtem Metall bestehen, was neben optischen und
haptischen Vorteilen auch Vorzüge im Zusammenhang mit der akustischen
Gesamtleistung mit sich bringen dürfte. Die Gehäuseverarbeitung ist auch im
Detail ohne Fehl und Tadel, der hochwertige Gesamteindruck wird nur durch die
Klemmverschlüsse, die an der Unterseite der Satelliten beheimatet sind, etwas
gestört. Der Fairness halber merken wir aber an, dass für diese Preisklasse
und die dort in der Regel herrschenden Ansprüche die Anschlussterminals
ausreichen.
Von einfacher Natur: Die Anschlussterminals
Der aktive Subwoofer versteht es sehr gut, den edlen Eindruck,
den bereits die Satelliten hinterlassen, weiter zu verstärken. Schon seine
ungewöhnliche Form hebt ihn von anderen "Gesinnungsgenossen" ab, die
blaue LED, die andeutet, dass der Basslautsprecher in Betrieb ist, sieht schick
aus - wenngleich sich an der Einarbeitung der LED ins Gehäuse leichte
Verarbeitungsmängel zeigen, allzu sauber fällt die Passung nicht aus. Das Bedienboard auf der Rückseite bietet alles, was man von einem aktiven
Subwoofer erwarten kann, also einen Regler für die Übernahmefrequenz, einen
Phasen- und einen Pegelregler sowie eine Einschaltautomatik.
Bass in schicker Schale: Harman Kardon-Aktivsubwoofer
Alle Lautsprecher sind magnetisch
geschirmt und somit für die Unterbringung in unmittelbarer Nähe eines
Röhrenfernsehgeräts geeignet. Die Nennimpedanz beträgt 8
Ohm, der Wirkungsgrad der Satelliten und des Centers liegt bei 86 dB (2,83
V/1m). Durch die D´Appolito-Anordnung der Lautsprecher-Chassis im Center-Lautsprecher sowie in den Satelliten des HKTS 11 wird
laut Harman ein sehr ausgewogenes Klangbild auch bei höheren Schallpegeln erreicht. Der
aktive Subwoofer ist als
nach unten abstrahlende Downfire-Basslautsprecher ausgelegt.
Das serienmäßige Zubehör umfasst von den schwenkbaren Halterungen für die Wandmontage über schraubbare Regalstellfüße bis hin zu den Lautsprecherkabeln alles, was für
die rasche Inbetriebnahme notwendig ist.
Die Satelliten bringen einen Frequenzgang von 105 Hz bis 20 kHz
mit, die empfohlene Verstärkerleistung beziffert Harman mit 10 bis
120 Watt. Ein 19 mm Hochtöner mit titanbeschichteter Kalotte wird hier nun von
zwei 75 mm Mitteltöner flankiert, die Maße (H x B x T) der Satelliten betragen
243 x 100 x 92 mm. Das Gewicht liegt bei 1 kg pro Satellit. Der
Centerlautsprecher bringt einen
Frequenzgang von 105 Hz bis 20 kHz mit, ist mit einem 19 mm Hochtöner und mit
zwei 75 mm Mitteltönern ausgestattet. Er wiegt ein Kilo und hat folgende
Abmessungen (H x B x T): 102 x 241 x 92 mm. Der aktive Subwoofer liefert eine RMS-Leistung von 200 Watt und eine
untere Grenzfrequenz von 25 Hz. Ein 250 mm Tiefbass ist auch hier eingebaut. Der
Woofer wiegt 15 kg und ist 479 mm hoch, 340 mm breit und 340 mm tief.
Klang
Wer sich für ein Lautsprechersystem der 600 EUR-Klasse
interessiert, wird nicht unbedingt zu der Gruppe Multichannel-Fans gehören, die
größte Pegel in extensiv ausfallenden Lokalitäten bevorzugen. Hier geht es
eher um einen ausgewogenen, runden und harmonischen Klang im Wohnzimmer, wo sich
das Harman Kardon-System aufgrund seiner gefälligen Optik auch sehr gut macht -
und auch akustisch erfüllt das Ensemble die Erwartungen, denn, ganz gleich, ob
Heimkino- oder Mehrkanal-Musik-Quelle, immer steht ein ausgeglichenes, homogenes
Klangbild im Vordergrund. So bei der DTS 96/24-DVD "Brasilian Bossa",
wo das HKTS-11 selbst bei Pegeln deutlich über Zimmerlautstärke noch rund und
sauber klang. Der aktive Subwoofer stellt, wie sich auch bei Ludwig van
Beethovens "Pastorale" nachvollziehen ließ, ein erstaunlich gutes
Volumen zur Verfügung, ohne dabei aufdringlich und aggressiv anzutreten. Ein so
harmonisches und gelungenes Agieren des aktiven Subwoofers haben wir bei
günstigen Systemen bislang noch kaum heraushören können - und das bei
klassischer Musik, wo gerade preiswertere Woofer oft komplett versagen: Dreht
man so auf, dass man Bassdruck erhält, dröhnt und kracht es aus der Richtung
des aktiven Basslautsprechers, was ein absolutes K.O.-Kriterium für die
Liebhaber klassischer Musik ist, oder aber man hält sich mit dem Sub-Pegel
zurück, dann aber merkt man gar nichts von irgendwelchen tieffrequenten
"Truppenbewegungen", der Bassist scheint sich direkt beleidigt in die
Warteschleife verzogen zu haben. Ein solides, natürliches Volumen verleihendes
Fundament war in günstigeren Preisregionen kaum zu bekommen. Der Harman-Subwoofer zeigt aber, dass sich die Zeiten geändert
haben, denn er liefert genau das, was Musikfreunde erwarten: Einen runden,
gefälligen Klang, er zeigt Präsenz, aber keine Überbetonung.
Dass das Harman Kardon-Set so empfehlenswert ist, liegt auch am
harmonischen Übergang zwischen der unteren Grenzfrequenz der Satelliten und dem
Eingreifpunkt des aktiven Subwoofers. Hier ließen sich sonst, selbst bei recht
teuren Offerten, Schwächen heraushören, denn das Klangbild wirkte
unvollständig und inhomogen. Das HKTS-11 liefert hingegen eine reife Leistung mit runden,
stimmigen Übergängen ab. Bei moderaten Pegeln stellt sich so schon fast der
Eindruck ein, dass große Lautsprecher vorn arbeiten, so in sich geschlossen
arbeitet das Harman-System. Dass der aktive Subwoofer bei Bedarf auch ordentlich
hinlangen kann, stellt er beispielsweise beim Film "Training Day"
unter Beweis, wo er sich mit überraschender Kraft an die Ausmodellierung
heftiger Effekte macht. Nur bei harten Kickbässen sowie bei wirklich sehr
kräftigen Pegeln stößt der Woofer ans Ende seiner Leistungsfähigkeit, das
sich durch Anschlagen und leichte Verzerrungen ankündigt.
Beim "Chronos"-Trailer auf der siebten DTS Demo-DVD
blamiert sich Harmans Subwoofer-/Satellitenkombi ebenfalls nicht - im
Gegenteil: Die gesamte Wiedergabe war von der ordentlichen Basskraft des
Subwoofers und vom homogenen Klangfeldaufbau der Satelliten geprägt. Die
diffizile Einarbeitung der vielschichtigen Soundwelt des Trailers erfolgt mit
voll befriedigenden Resultaten, maximale Genauigkeit kann man bei einer solchen
Offerte natürlich preisklassengemäß nicht erwarten. Überhaupt: Eine in
höchstem Maße transparente, extrem feinfühlige Hochtonwiedergabe ist nicht
die Domäne des HKTS-11, hier liegt klar ein runder, angenehmer Klang im
Vordergrund, der zwar eine gefällige, nicht aber eine auf maximale
Akzentuierung ausgelegte Wiedergabe hoher Frequenzen ermöglicht. Gerade für
die Ansprüche normaler Hörer ist die Auslegung aber keinesfalls falsch, denn
man muss sich auch vor Augen führen, mit welchen anderen Komponenten eine
Wiedergabekette der Preisregionen bestückt ist, in der ein System wie das
Harman Kardon zum Einsatz kommt: Ein meist eher günstiger AV-Receiver, der sich
nicht unbedingt dazu eignet, die letzte hochfrequente Facette brillant
einzuarbeiten, fungiert hier als AV-Kommandozentrale.
Von diesem Standpunkt aus betrachtet war es nur
konsequent, ein System wie das HKTS-11 auf den Markt zu bringen - ein solide
klingendes Surround-Paket für einen vertretbaren Betrag, das akustisch
problemlos ist und daher mit vielen gängigen Einsteigerreceivern, harmoniert.
Obwohl der aktive Subwoofer als nach unten abstrahlender Downfire ausgelegt ist,
stellt eine akkurate Aufstellung keine Schwierigkeit dar. Passend zum gesamten
Charakter des Systems bringt auch der aktive Sub genau das Profil mit, was sich
viele Firmen svon ihren Mitarbeiter wünschen: Er arbeitet hart, aber ist nicht
anspruchsvoll.
Fazit
Harman Kardon feiert dem HKTS-11 einen gelungenen Einstand als
Lautsprecher-Anbieter - was nicht allzu sehr verwundert, schließlich gehören
die renommierten Boxenbauer von JBL und Infinity ebenfalls zum Mutterkonzern
Harman International, somit konnte man sich, was das nötige Know-How angeht,
gleich an der richtigen Stelle kundig machen. Für die knapp 600 EUR, die das
System kostet, bekommt gerade der Hörer, der ein günstiges System mit
Allround-Talenten einkaufen möchte, eine Menge geboten, denn besonders die
akustische Ausgeglichenheit im Mehrkanal-Musik- und im Heimkino-Betrieb zeichnet
das HKTS-11 aus. Nirgendwo schleichen sich Züge von Aggressivität ins
Klangbild ein. Bemerkenswert gut gelang den HK-Technikern der bei
Subwoofer-/Satellitensystem gefürchtete Übergang vom Übertragungsbereich der
Satelliten in den Wirkungsbereich des aktiven Subwoofers. Gerade bei normalen
Lautstärken, die die mit dieser Offerte anvisierte Zielgruppe auch bevorzugt
aufsuchen dürften, begeistert das kostengünstige Ensemble mit einem sehr
harmonischen, runden und stimmigen Übergang. Dies ist schon verwunderlich, denn
der Harmonie deutlich schadende Klanglöcher waren sonst immer negative Begleiterscheinungen beim Einsatz
preisgünstiger Sub-/Sat-Systeme. Der aktive Subwoofer erzielt ein sehr
gutes Volumen und einen erstaunlichen Tiefgang. Die Satelliten sind selbst bei
höheren Lautstärken nicht aus der Ruhe zu bringen, was für einen souveränen
Auftritt sorgt. Nur, wenn es richtig laut wird, merkt man doch, dass man
hier ein Subwoofer-/Satellitensystem der 600 EUR-Liga vor sich hat, denn dann
wirkt das Klangbild nicht mehr druckvoll genug, sondern hinterlässt einen etwas
gepressten Eindruck. Die Verarbeitung aller
Komponenten ist gediegen, sehr lobenswert ist die
Tatsache, dass Harman als Material für die Gehäuse der Satelliten echtes
Aluminium und keinen preiswerten Kunststoff einsetzt.
Gelungener Einstand - das HKTS-11 präsentiert als
ausgewogenes Multitalent

Einsteigerklasse
Test 26. August 2004
Preis-/Leistungsverhältnis     
Pro:
-
Sehr harmonische Abstimmung von Subwoofer und Satelliten
-
Für Mehrkanal-Musik- und für Heimkinobetrieb geeignet
-
Homogener und sehr angenehmer Klang
-
Hochwertige Verarbeitung
-
Günstiger Preis
Contra:
Datenblatt
-
Subwoofer-/Satellitensystem
-
Frequenzgang gesamtes System: 25 Hz bis 20 kHz (bei - 6 dB)
-
Satellitenlautsprecher: Hochtöner 19 mm, magnetisch
geschirmt, Mitteltöner 2 x 75 mm, magnetisch geschirmt, Impedanz 8 Ohm,
Empfindlichkeit 86 dB (1 W/1 m), empfohlene Verstärkerleistung 10 bis 120
W, Abmessungen (H x B x T in mm): 243 x 100 x 92, Gewicht pro Satellit 1 kg
-
Centerlautsprecher: Hochtöner 19 mm, magnetisch geschirmt,
Mitteltöner 2 x 75 mm, magnetisch geschirmt, Impedanz 8 Ohm,
Empfindlichkeit 86 dB (1 W/1 m), empfohlene Verstärkerleistung 10 bis 120
W, Abmessungen (H x B x T in mm) 102 x 241 x 92, Gewicht 1 kg
-
Aktiver Subwoofer: Bassreflex-Subwoofer mit 250
mm-Tieftöner, Endstufe mit 200 Watt, einstellbare Phase und
Übernahmefrequenz, Einschaltautomatik, Abmessungen (H x B x T in mm) 479 x
340 x 340
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Farbe: Silbern
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Preis 599 EUR (UVP)
Test: Carsten Rampacher
26. August 2004
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