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Test: Harman Kardon AVR-435 (2/2)
Bedienung

Sehr gutes Handling: Die großen Funktionselemente auf der Fernbedienung sind einfach in der Handhabung

Übersichtliche Anwahl der Quellen: Oberer Teil der Fernbedienung im Detail

Der AVR-435 gefällt mit vorprogrammierter und lernfähiger Fernbedienung, die zudem so ausgelegt ist, dass eine komfortable Bedienung unter allen Bedingungen gewährleistet ist. Die On Screen Menüs sind zwar grafisch keine Augenweide, dafür aber gut strukturiert und bieten somit keinen Anlass zur Kritik. In alle Submenüs kommt man schnell hinein und findet auf übersichtliche Art und Weise seinen Weg zur optimal passenden Einstellung. Das großformatige Gerätedisplay ist unter allen Umständen sehr gut ablesbar und bietet ausgezeichnete Kontrastwerte. Der komplett bestückte Front AV-Eingang ermöglicht den problemlosen Anschluss vieler Peripheriegeräte. Sehr praktisch ist die schnelle Zuweisung verschiedener Parameter für einen Eingang mittels des OSD (siehe Bild unten).

Möchte man nun mit dem Einmessen beginnen, so ist es sehr zu begrüßen, dass HK auch eine vernünftige Befestigung des Mikrophons auf einer stabilen Metallstange bietet. Diese Metallstange wird dann auf ein Fotostativ geschraubt, so dass man mit erfolgversprechenden Ergebnissen beginnen kann, einzumessen. 

Harman Kardon liefert auch eine Metallstange zur Befestigung des Mikrophons mit. Das Ganze wird dann wiederum auf einem Fotostativ montiert. 

Doch genau an diesem Punkt beginnen die Schwierigkeiten. Der AVR-435 verlangt nach ausgesprochen präziser Aufstellung des Messmikrophons, was gewünscht ist, wird mittels OSD beschrieben. Wenn man nur geringfügig von den angegebenen Werten abweicht, dann gibt es gleich als Quittung eine Fehlermeldung. Hierzu unsere Kommentierung. Natürlich ist es prinzipiell sehr zu loben, einen gewissen Rahmen für die Messungen vorzugeben. Dadurch wird nämlich verhindert, dass der Anwender durch unsinnige Mikrophonaufstellung absolut untaugliche Ergebnisse erhält. Jedoch sollte der Fehlertoleranzrahmen größer ausfallen, damit ein Hauptvorteil eines solchen Einmesssystems, der vor allem für den durchschnittlichen Anwender wichtig ist, im vollen Umfang erhalten bleibt: Der Prozess sollte rasch vonstatten gehen und keine zu perfekte Aufstellung des Mikros vom Benutzer verlangen. 

Auswahl zwischen manuellem und automatischem Einmessen

Funktionsbeschreibung via OSD

Klare Warnung an etwaige Zuhörer

Anweisungen für die zuerst kommende Far Field-Messung, die auf jeden Fall präzise befolgt werden müssen, sollen die Messreihen erfolgreich und nicht mit einer "Error"-Meldung enden

Aufstehen, bitte: Mit dem Mikrophon muss man sich nun zu den Lautsprechern bewegen

Hier kann man den einzumessenden Lautsprecher auswählen

Auch nicht sonderlich komfortabel ist die Unterteilung in verschiedene Messfelder (Nah- und Fern-Messfeld), zur Datenermittlung fürs Nahmessfeld in unmittelbarer Lautsprechernähe muss der Anwender mit dem Mikrophon und der damit verbundenen Aufstellungsmimik vor den Lautsprechern herumwandern - dies verläuft bei der Konkurrenz (Denon, Yamaha, Pioneer) doch deutlich einfacher und praxisnäher. Sinn der Near Field-Messung: EzSet/EQ soll nun mit seinem parametrischen Equalizer für optimalen Frequenzgang bei den beiden Front-Lautsprechern und dem Center sorgen – und zwar sowohl im Bass- als auch im Hochtonbereich Diese Messungen ähneln denen bei der Far Field-Messung. Nur diesmal nimmt sich der Receiver jeden Lautsprecher einzeln vor, anstatt Testtöne durch alle Lautsprecher „rotieren“ zu lassen.

Der AVR-435 erkennt sogar die Größe des im Subwoofer verbauten Basschassis. Die korrekte Größe stellte der 435 aber erst im 2. Anlauf fest

Die Messergebnisse an sich sind in Bezug auf die Basiswerte (Pegel, Distanz) gut. Die Lautsprechergröße wurde bis auf den Center (Hier wählte der 435 die unpassende "large"-Konfiguration) richtig erkannt. Zusätzlich nimmt der Harman Kardon noch eine Klassifizierung des Subwoofers, ausgehend von der Chassisgröße (25 cm z.B.) vor, die in unseren Testreihen aber auch erst nach dem zweiten Durchlauf stimmte. Bilanzierend jedoch kann man dem System noch eine befriedigende Zensur geben, wenngleich sich im Detail noch einige Optimierungsmöglichkeiten finden. 

Bedienung Vor- und Nachteile in der Übersicht:

Pro:

  • Sehr gut ablesbares DOT-Matrix-Display

  • Hochwertige und bedienungsfreundliche Fernbedienung 

  • Sehr gut zu überschauende, aber dennoch vielfältige OSD-Funktionen

  • Einmessung endet mit brauchbaren Ergebnissen 

Contra:

  • EZPlus etwas zeitaufwändig durch verschiedene Bedienschritte

  • Wenig Toleranz bei der Mikrophonaufstellung 

  • Subwoofergröße nicht direkt korrekt erkannt bei Einmessung

Bewertung
Testequipment:
Klang

Pegelfestigkeit

Der AVR-435 bietet ohne Einschränkung superbe Leistungen. Beginnen wir mit der Pegelfestigkeit. Hier zieht Harman Kardon der 1.000 €-Konkurrenz davon, denn zu welchen Pegeln der 435 befähigt ist, selbst im großen, über 50 Quadratmeter messenden Hörraum, hat uns tief beeindruckt. Hier wäre allerdings gleich hinzuzufügen, dass der 435 für sehr empfindsame Naturen vielleicht nicht der optimale Begleiter ist, weil diese sich durch das Lüftergeräusch gestört fühlen könnten - bei sehr hoher Belastung schaltet sich der Lüfter für rd. eine Minute zu, und wenn nach der effektgewaltigen Szene, die diese hohe Belastung hervorgerufen hat, eine sehr ruhige Sequenz folgt, dann hört man eben, besonders, wenn man in der Nähe des Gerätes sitzt, den Lüfter doch recht deutlich. Wir nehmen diesen Nachteil allerdings gern in Kauf, denn mit dem 435 kann man Filme in wirklicher Kinolautstärke und ohne jegliche Dynamik- und Basskrafteinbußen genießen: Wenn es um die schiere Kraft und Ausdauer geht, kommt dem HK keiner bei.

Selbst ein anerkannt pegelfester Onkyo TX-SR702'E zieht bei sehr hohen Pegeln, kombiniert mit effektlastigen Sequenzen gegen den 435 den kürzeren. Der Onkyo schaltet sich nicht direkt ab, aber er agiert zurückhaltender, er sorgt nicht für eine weitere merkliche Erhöhung des Pegels, sind rund 80 Prozent der maximal möglichen Lautstärke mal erreicht. Der HK legt hingegen nochmals ein paar Briketts nach und zieht hier allen davon, weil er einfach lauter klingt, ohne einzubrechen oder zu verzerren. Diese herausragende Pegelfestigkeit hat für den HK-Betreiber aber auch nachhaltige Konsequenzen in Bezug auf die Auswahl des Rests seiner Wiedergabekette: Denn mit einem günstigen Lautsprechersystem ist dieses Gerät maßlos unterfordert bzw. das Lautsprechersystem maßlos überfordert. Ideal sind für den HK sehr belastbare Lautsprecher, vor allem wichtig ist ein großer Center, der alle Arten von Stimmen und Effekten, die vorn aus der  Mitte kommen, auch bei großen Pegeln problemlos handhaben kann. Der Yamaha RX-V2500 kann dem HK ebenfalls nicht folgen, er wirkt bei hohen Lautstärken zugeknöpfter. Er wird zwar mit beträchtlichen Pegeln problemlos fertig, auch im Dauerbetrieb, spielt aber weniger offen und weiträumig. 

Kommen wir nun zu den weiteren Konkurrenzbeobachtungen: So gut, wie ein Yamaha RX-V757 oder ein Pioneer VSX-1015 (Test folgt) aus der 600 bis 700 €-Liga auch ohne Frage sind, diese Souveränität, diese Kontrolle und diese nachhaltige Effektivität bei sehr hoher Lautstärke, die der AVR-435 aufbietet, kann von beiden Kontrahenten nicht realisiert werden. Damit rechtfertigt der AVR-435 seinen doch recht hohen Aufpreis gegenüber den günstigeren Alternativen voll und ganz.  Es gelingt ihm auch, dem AVR-335 davonzuziehen. Dieser muss sich eher mit dem Pioneer VSX-1015, dessen Vorgänger VSX-1014 und dem für sein Geld einfach hervorragenden Yamaha RX-V757 herumschlagen. Der AVR-435 hingegen orientiert sich klar nach oben: Er schafft es, nicht nur den Onkyo TX-SR702E  auf Distanz zu halten, sondern er überflügelt auch deutlich teurere Konkurrenten: Ein Denon AVR-3805 ist immer nochein sehr pegelfestes, empfehlenswertes Gerät, gerät jedoch gegenüber dem 435 ins Hintertreffen. Selbst der "alte" Harman Kardon AVR-630 kann nicht mehr bieten, wenn es um Spitzenpegel geht. Auch der Harman Kardon Digitalreceiver Harman Kardon DPR-2005, extrem pegelfest und klanglich im vergleich zur Digitalverstärkerkonkurrenz sehr gut, hat hier beinahe seinen Meister gefunden - beinahe deshalb, weil man hier zwischen objektiver und subjektiv empfundener Pegelfestigkeit differenzieren muss. Die Digitalendstufe wirkt einfach synthetischer, gibt ihre Leistung absolut gleichmäßig ab und entfacht nicht so viel emotionales Feuer beim Zuhörer im hochpegeligen Bereich. Ein Marantz SR-7500 kommt ebenfalls nicht an den AVR-435 heran. Der Bass-Wucht bei großen Lautstärken hat der 7500 nichts entgegenzusetzen. Mit seiner Ausnahmeleistung schließt der HK schon beinahe in die Liga des Marantz SR-8500 und des Onkyo TX-NR801E auf, beides Geräte, die mit 1.500 bzw. 1-.700 € sehr viel teurer sind als der AVR-435. 

Setzt neue Maßstäbe bei der Pegelfestigkeit in der 1.000 €-Liga: Harmans AVR-435

Bilanz: Ein erstklassiges Zeugnis für den AVR-435. Ein 1.000 €-AV-Receiver, der für eine effekt- und bassstarke Darbietung bei hohen Pegeln und im großen Hörraum noch nicht einmal auf die Unterstützung eines aktiven Subwoofers benötigt, verdient ohne Zweifel ein Extralob. Das ist eine sensationelle Leistung und ein exzellenter Auftakt für unsere Klangtestreihen.

Mehrkanalton Film/Musik 

Doch einen insgesamt überragenden AV-Receiver macht nicht nur eine hervorragende Pegelfestigkeit aus. Daher kommen wir gleich zum nächsten großen HK-Vorteil: Bereits bei moderaten Pegeln schafft es der 435, einen weitläufigen, voluminösen Raumeindruck zu schaffen. Daher kann man auch bei Pegeln, die keinen Nachbarn ernsthaft belästigen dürften, schon ein enormes akustisches Aroma genießen, denn man ist mitten im Geschehen integriert. Dieses Gefühl bieten ansonsten nur teurere Alternativen. Die Mischung aus exzellenter Räumlichkeit und mitreißender Dynamik beginnt, uns noch deutlicher klarzumachen, dass der AVR-435 der neue akustische Maßstab seiner Preisklasse wird. 

Der Onkyo TX-SR702E ist auch sehr dynamisch, kann aber im Bassbereich nicht die unglaubliche Durchsetzungskraft des HK erreichen. Des Weiteren ist festzustellen, dass auch kleine, hochfrequente Effekte ungeheuer sauber und klar dargestellt werden. Da wir gerade beim Thema "Sauberkeit und Klarheit" sind:  Auch im Bassbereich setzt der HK Maßstäbe. Denn, bei allem Bassdruck, der vorhanden ist, legt der HK auch eine genauso große Gewichtung auf eine klare, präzise, akkurate Wiedergabe. Auch bei heftigen Effektsequenzen mit hohem tieffrequentem Anteil ist der 435 stets Herr der Lage und entlässt keine unkontrollierten Nebeneffekte wie Bass-Dröhnen oder Überlastung andeutende Verzerrungsanteile in den Hörraum.  Der alte Spruch aus der Pirelli-Reifenwerbung "Power is nothing without Control" bekommt hier seine heimcineastische Unterfütterung. Der HK wirkt stets kontrolliert und souverän, wie sich bei Star Wars Episode 2 und bei "Master and Commander" zeigte. Was beim "Angriff der Klonkrieger" sehr bemerkenswert war, war die Tatsache, dass die Anfangssequenz, in der Senatorin Amidalas Doppelgängerin einem Anschlag zum Opfer fällt, nicht nur sehr druckvoll, sondern auch sehr klar und facettenreich übertragen wird, so dass der Zuhörer das Aufschlagen selbst kleinster Trümmerteilchen wahrnimmt.  Als nachher die Überlebenden durch die Trümmerteile waten, stellt der HK seine Klasse wiederum unter Beweis: Das Auftreten auf die Trümmerteile, das Knirschen von Glas und Metall, wird im höchsten Maße plastisch und feinfühlig herausgearbeitet.  Als Anakin und Obi-Wan einige Szenen weiter der Killerin hinterher jagen, nachdem diese diesmal versuchte, Amidala mittels widerlicher, hochgiftiger Viecher den Garaus zu machen, hinterlässt der 435 wiederum einen herausragenden Eindruck.

Hier ist es vor allem das unglaublich schnelle Ansprechen im Bassbereich, das den HK auszeichnet. Auch kurze, schnell aufeinander folgende Bassanteile gibt er präzise und klar wieder. Sofort ist er zur Stelle und sorgt so für ein direktes Klangerlebnis.

Kommen wir nun zur Musikwiedergabe. Bei Ludwig van Beethoves "Pastorale" (Dolby Digital 5.1) beeindruckt der AVR-435 mit seiner Fähigkeit, eine akustische Kulisse darzustellen, die in allen Belangen eindrucksvoll demonstriert, wieso der HK aktueller Maßstab seiner Preisklasse ist. So übertrifft er den superben Onkyo TX-SR702E nicht in der Fähigkeit zur exzellenten Detaileinarbeitung, liegt aber auf dem identischen Level. Der Harman jedoch bietet bei plötzlichen Dynamiksprüngen, wenn nach instrumentalen Soli plötzlich das gesamte Orchester einsetzt, noch mehr Potential und beeindruckt mit einem sehr fundierten, kräftigen Bass, ohne, dass der Bass Klanganteile zudeckt. Im Vergleich wirkt der Onkyo hier etwas weniger nachdrücklich, etwas weniger entschlossen. Der Yamaha RX-V2500 legt viel Wert auf einen harmonischen, homogenen Klang, der Harman klingt fast ebenso harmonisch, kann aber wiederum seine noch schwungvollere, noch lebendigere Gesamtwiedergabe in die Waagschale werfen. Der Denon AVR-2805, in Bezug auf die Detaileinarbeitung durchaus auf Onkyo-Niveau, agiert insgesamt merklich zurückhaltender und bietet daher nicht diese unvermittelte, filterlose direkte Art des AVR-435. 

Insgesamt macht dieser Test wieder klar: Jeder Hersteller verfolgt mit seiner AV-Receiver-Produktpalette gewisse akustische Ziele, die sich in einer speziellen Auslegung wiederfinden. Harman bevorzugt bei den aktuellen Geräten klar eine klangliche Vorstellung, deren Hauptaugenmerk in einer hervorragenden Dynamik, gepaart mit sehr kräftigem, aber stets kontrolliertem Nachdruck im tieffrequenten Bereich liegt. Der AVR-435 ist im Vergleich zu früheren Modellen kaum wiederzuerkennen, er klingt viel nachdrücklicher, eindringlicher, aber nie aufdringlicher. Er entfacht ein deutlich gesteigertes Emotionspotential durch seine ungeheuer spontane, direkte Art, die trotzdem frei von jeglicher brutalen Härte ist, sondern stets auf Verbindlichkeit und akustische Harmonie setzt. Damit ist Harman zwar mit den neuen Produkten weiter weg vom einstigen HiFi-Ideal, passt sich aber in unseren Augen mit großem Erfolg dem Verlangen einer breiten Hörerschaft im Surroundzeitalter an, welche nach kräftiger, intensiver, erlebbarer Wiedergabe sucht, um nicht auf dem Wege der technisch-analytischen Basis Zugang zum Klang zu finden, sondern durch die emotional-mitreißende Ebene. Daher ist der Harman Kardon genau für diese Klientel das richtige Gerät. Wer HiFi-Ideale im Heimkinobereich verwirklicht haben möchte, muss hingegen weitersuchen - und er wird es nicht leicht haben, denn völlig linear abgestimmte AV-Receiver sind kaum zu finden. Jeder setzt auf sein eigenes Konzept und kein AV-Receiver ist dazu angetan, es jedem Anwenderprofil recht zu machen. 

Natürlich, in einem Testbericht müssen Stärken und Schwächen möglichst objektiv zusammen getragen werden (echte, 100 % Objektivität kann aber kein Test für sich beanspruchen), das heißt, die Summe der herausgehörten Qualitäten muss im Fokus der Bewertungen stehen. Dies heißt aber nicht, dass sich jeder Anwender dann unsere aktuelle Preisklassenreferenz automatisch zulegen muss, sucht er einen AV-Receiver z.B. wie hier in der 1.000 €-Liga. Vielmehr ist das das Allerwichtigste, dass die Summe der akustischen Eigenschaften zur Prioritätensetzung des jeweiligen Hörers möglichst (100 % sind auch hier ein unerreichbarer Traumwert) exakt passt. Hier unsere Einschätzungen: Filigrane Feingeister, die aber trotzdem eine gehörige Dosis Dynamik möchten, greifen zum Onkyo TX-SR702E, der nach wie vor sehr transparent im Hochtonbereich klingt und am feinfühligsten ist. Auch der Bass des Onkyo ist kräftig, hat aber, was die feinsinnige Klientel wünscht, weniger maximale Durchschlagskraft als beim AVR-435. Wer es lieber etwas zurückhaltend mag und keinen in irgendeiner Hinsicht auffälligen Klang schätzt, jedoch sehr genau hinhört und einen sauberen Aufbau für unerlässlich hält, greift zum Denon AVR-2805 mit sehr guter Stimmwiedergabe und sehr gleichmäßigem Klangbild. Bei Marantz empfiehlt sich gleich der Griff zum SR-8500, der ebenfalls mächtig Dampf hat, sehr dynamisch spielt und daher dem AVR-435 mit seiner Nachdrücklichkeit und der Brillanz sehr ähnlich ist. Seine DVI-Ports zusammen mit der nobleren Optik (die außerdem deutlich weniger polarisiert und zeitlose Eleganz ausstrahlt) rechtfertigen den Aufpreis gegenüber dem Harman zumindest teilweise. Auch das Innenleben des SR-8500 wirkt nochmals wertiger, der Aufbau ist hervorragend. Der Marantz verpasst die Referenzwertung der Liga bis 1.500 € jedoch durch die nur durchschnittliche Ausstattung, zudem ist seine Klangqualität zwar ausgezeichnet, aber nicht deutlich besser als die des Harman, es ist sogar äußerst schwierig, hier wirkliche, verwertbare Vorteile für den SR-8500 herauszuziehen. Der Yamaha RX-V2500 ist die erste Wahl für DSP-Liebhaber, die aber zudem Wert auf wirklich effektive digitale Sound-Programme legen. Mehr Optimierungsmöglichkeiten im Detail als der Yamaha bietet keiner. Zudem klingt er sehr homogen und zeigt sich bei der Wahl des passenden LS-Systems alles andere als zickig. Der Yamaha verfügt zudem über das beste automatische Lautsprecher-Einmesssystem, es arbeitet sehr zuverlässig, umfangreich, schnell und präzise, ohne es an manuellen Konfigurationsmöglichkeiten missen zu lassen. Wer ein Super-Schnäppchen mit zukunftsweisenden i.link-Terminals sucht, auf eine hochwertige Bolidenoptik steht und klanglich einen Dynamiker, der dem HK AVR-435 gar nicht so viel nachsteht, möchte, greift zum sehr günstig erhältlichen Pioneer VSX-2014

Surround-Aufpolierer

Geht es um die Surround-Darstellung von CD-Material, sind ebenfalls erstaunliche Ergebnisse feststellbar. Hier kristallisiert sich zunächst Harman Kardons Surroundaufpolierer Logic 7 als die beste Alternative im Sortiment heraus. Das natürliches Gesamt-Klangbild, die feinste Detaileinarbeitung und der am besten gestaffelte, dabei doch sehr druckvolle Bass sorgen für diesen deutlichen Sieg.  Der Bass ist nicht zu dick aufgetragen, gleichzeitig aber auch nicht zu schmal, sondern satt, klar, und gelassen.  Genauso hat eine qualitativ überzeugende Basswiedergabe auszusehen. Dies zeigte sich z.B. bei den Snap-Musikstücken "Rhythm is a Dancer", "Mary had a little Boy", "The Power" und "Colour of love". Gerade bei "Mary had a little Boy", welches (auch wenn audiophile Hörer nun aufschreien) nach einem hochwertigen AV-Receiuver verlangt, schaffte es der HK, die verschiedenen Bass-Arten klar differenziert und in vollem Umfang wiederzugeben, was vielen Konkurrenten nicht gelingt.  Auch die Dynamik dieses Stückes konnte der HK voll und ganz zum Zuhörer transportieren. Die exzellente Kickbasswiedergabe bei "The Power" ist ein weiteres Anzeichen für die HK-Glanzvorstellung, und auch der bei diesem Hit aus dem Ende der 80er Jahre bewusst aggressive Stimmwiedergabe bringt der AVR-435 hervorragend zur Geltung. Hervorragend agiert Logic 7 auch bei Stücken von Gigi D'Agostinos aktueller CD "L' Amour Toujours II". Hier haben wir bewusst langsamere Stücke (Track 1 und 2 von CD 1) ausgewählt, um zu überprüfen, ob Logic 7 auch beim sorgfältigen Aufbau einer Klangkulisse, also unter Bedingungen, wo es nicht um extreme Schnelligkeit und Spritzigkeit geht, überzeugen kann.  Der genaue Aufbau und das dichte, weitläufige Klangpanorama im Front- und Surroundbereich zeigen hier zwei Dinge: Zum einen die Güte von Logic 7 Music, zum anderen das überzeugende Gesamtkonzept des 435ers. Die Bühnen-Aufbauarbeit des HK ist nur mit der Note "sehr gut" zum umschreiben. Klar ist der Standort des Sängers ausfindig zu machen, sehr feinfühlig erfolgt die Trennung von Stimmen und Instrumenten, sehr deutlich schafft der Harman die Abtrennung verschiedener Höhen-, Mitten- und Basseffekte voneinander, integriert aber dennoch jede Einzelheit in ein harmonisches, klares Gesamtklangbild.  Im direkten Hörvergleich wirkt Neo:6 ebenfalls gut gelungen, ist im Bassbereich aber zu wenig nachdrücklich, was für eine schmalere Gesamtakustik sorgt. Um die Präzision ist es aber auch bei Neo:6 sehr gut bestellt. Dolby PLIIx wirkt im Direktvergleich zu aufgesetzt, alles wirkt sehr dick aufgetragen, lässt jedoch das nötige Feingefühl und die nötige akustische Tiefe vermissen. Bei der Wiedergabe von Filmton ändert sich dann die Reihenfolge, PLIIx mit der dichten, voluminösen Surround-Klangkulisse und der gelungenen Effektdarstellung rangiert hier vor dem zurückhaltenderen Logic 7 und dem etwas schmal wirkenden Neo:6. 

Sind nur die Endstufen gefragt, dann kann der AVR-435 ebenfalls begeistern, wie sich bei der SACD "Frankie goes to Hollywood, the Sonic Collection" zeigte. Der satte, klare, Bass, der frische, lebendige und klare Hochtonbereich sowie der sauber akzentuierte, entschlossene Mitteltonbereich sorgten dafür, dass der HK hier wiederum an die Klassenspitze setzen kann, denn die Geschmeidigkeit, das unvermittelte Antrittsvermögen und diese Klarheit bieten die anderen Endstufeneinheiten nicht in dieser Ausprägung. Sehr nahe kommt dem HK der Onkyo TX-SR702E, der im direkten Vergleich aber etwas verhaltener wirkt.

Klang Stereo

Die Qualität der Stereowiedergabe sorgt für sehr zufriedene Gesichter im Testraum. Auch hier überzeugt der  Harman mit sehr gutem, differenzierten Bühnenaufbau, einer leicht warmen, sehr angenehmen, dabei aber nie langweiligen Gesamt-Klangcharakteristik und der tadellosen Detaillierung. Er spielt schwungvoll, homogen und in sich schlüssig, basskräftig, aber nicht unpassend basslastig.  Auch hier zieht der HK an der Konkurrenz vorbei, da er mehr Emotionen beim Publikum zu wecken weiß und tiefer in das jeweilige Musikstück hineinzublicken scheint, will heißen: Er agiert facettenreicher, arbeitet den Charakter des betreffenden Titels mit stärkeren Konturen heraus und bietet zudem eine besonders saubere Staffelung in allen Frequenzbereichen. 

Bewertung Pegelfestigkeit
Bewertung Klang Film
Bewertung Klang Mehrkanal-Musik
Bewertung Klang Surround-Aufpolierer
Bewertung Klang Stereo
Fazit

Der AVR-435 hat durchaus Schwachpunkte. Die nach wie vor nicht begeisternde optische Anmutung sowie das nicht ganz ausgegorene Einmesssystem sind Nachteile, die Erwähnung finden müssen. Auch hätte sich Harman dazu durchringen sollen, für Innovationskraft in der 1.000 € Liga zu sorgen und den 435 mit HDMI-Interfaces auszustatten, inklusive der Möglichkeit zur digital-analogen bzw. analog-digitalen Videosignalwandlung. Diese Chance wurde verpasst. Doch der Harman Kardon machte durch seine restlos begeisternden akustischen Eigenschaften die Defizite mehr als wett. In allen Disziplinen lässt er die Konkurrenz hinter sich und setzt daher neue Maßstäbe. Er ist extrem pegelfest, verfügt über einen bärenstarken Bass, der aber auch in Extremsituationen stets kontrolliert agiert, und brilliert mit herausragenden Werten bei Dynamik und Brillanz. Der Harman klingt einfach aufgrund seines kompletten,  geschmeidigen, kontrollierten Klangbildes edel - ein größeres Kompliment kann man einem Gerät dieser Preisliga kaum machen. Er strahlt eine Gelassenheit und eine Souveränität aus, die eines klar macht: Auch, wenn Harman AV-Receiver nicht im Fokus der Öffentlichkeit liegen, so ist die oft betriebene Unterschätzung dieser Komponenten ein fataler Fehler, denn wer strikt nach Gesichtspunkten der klanglichen Performance seine Prioritäten setzt, kommt am AVR-435 in der Preisklasse bis momentan nicht vorbei - vor allem dann, wenn man noch das Preis-/Leistungsverhältnis mit einbezieht, welches wie zuvor beim Onkyo TX-SR702E bestechend gut ist. 

Die Optik mag polarisieren, akustisch jedoch setzt der AVR-435 mit überraschender Deutlichkeit neue Maßstäbe in der Liga bis 1.500 €

Preisklasse bis 1.500 €
Test 15.06.2005
Preis-/Leistungsverhältnis
Pro:
  • Pegelfestigkeit setzt neue Maßstäbe

  • Überdurchschnittlich brillanter, dynamischer Klang

  • Hervorragende Detaillierung

  • Sehr starker, aber gleichzeitig kontrollierter, klarer Bass

  • Ausgezeichnete Trennung von Stimmen und Instrumenten

  • Logic 7 mit überdurchschnittlich gelungener Leistung im Musikbetrieb

  • Getrennte Stromversorgung für Front/Surround und Center/Back Surround

  • Sehr gutes Bassmanagement mit vielen Einstelloptionen

  • Umfangreich bestückter Front AV-Eingang

  • Gute Baugruppen im Geräteinneren

  • Sehr hochwertige Fernbedienung und edles Messsmikrophon

  • Schönes, bestens ablesbares Gerätedisplay

Contra:
  • Nur durchschnittliche optische Anmutung

  • Haptisch verbesserungswürdiger Lautstärkedrehregler

  • Umständliches Einmesssystem mit zu verbessernder Fehlertoleranz

  • Keine HDMI-Interfaces

Datenblatt:
  • A/V-Receiver Harman Kardon AVR-435
    Leistung: 7 x 65 W (20 bis 20.000 Hz, < 0,07% Klirr, 8 Ohm
    Ausstattung: Decoder für: Dolby Digital EX, dts ES Matrix/Discrete 6.1, dts 96/24, Pro Logic IIx, dts Neo:6, Logic 7, Dolby Virtual Speaker, Dolby Headphone, VMax Surround/Surround Headphone, MP3, Upsamplingfunktion 48 auf 96 kHz, EzSet Plus automatische Lautsprechereinmessung, getrennte Stromversorgung, umfangreiche Bassmanagement-Optionen 
    Eingänge Audio: 7.1-Kanal-Eingang, 8 x Digital (4 x optisch, 4 x koaxial, inkl. Front), 7 Stereo-Cinch (inkl. Front)
    Eingänge Video: 3 x YUV (HDTV-ready), 5 x S-Video/Composite, inkl. Front)
    Ausgänge Audio: 1 x Digital optisch, 1 x Digital koaxial, 7.1-Preout, 4 x Stereo Cinch (inkl. Multiroom)
    Ausgänge Video: YUV (HDTV-ready), 2 x S-Video/FBAS, Monitor (S-Video/FBAS)
    Sonstige Anschlüsse: 2 x ABus (RJ45-Stecker), RS232-Schnittstelle, geschaltete und nicht geschaltete Netzbuchse
    Maße (B x H x T) 440 x 165 x 435 mm
    Gewicht: 17,7 kg
    erhältl. Farbe: Silbern-Schwarz kombiniert 
    Preis: € 999,–

Test: Karl-Heinz Pöppl, Carsten Rampacher
Technischer Support: Roland Klinke
Redaktion: Carsten Rampacher

15. Juni 2005

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