Test: Denon AVR-1603
24.09.2002 (cr)

Wachablösung bei den Einstiegs-AV-Receivern bei Denon: Seit kurzer Zeit ersetzt der neue AVR-1603, ein reines 5.1-Gerät (Dolby Digital 5.1/DTS
5.1-Decoder) für 449 EUR, auf dem deutschen Markt den AVR-1602, der sich
bei qualitätsbewussten Heimkino-Einsteigern großer Beliebtheit erfreute. Grund
genug für uns, rechtzeitig zur Markteinführung das Nachfolgemodell unter die
Lupe zu nehmen und nun die Resultate zu präsentieren. Keine Überraschung nach
dem Auspacken: Das Gerät ist, wie gewohnt, im klassischen Denon-Design gehalten.
Im Gegensatz zu den größeren Modellen ist der AVR-1603 nur in schwarzer
Ausführung erhältlich. Die Verarbeitungsqualität ist tadellos, auch die
Geräterückseite kann überzeugen: Für alle Lautsprecherkabel gibt es solide
anmutende Schraubverschlüsse. Trotz der auf den ersten Blick bekannten Optik
des Gerätes selber werden rasch die verschiedenen Verbesserungen sichtbar, wenn
man sich den IR-Commander ansieht: Das eigentlich
einzige größere Manko des AVR-1602 gehört nun endlich der Vergangenheit
an, denn die nicht sehr hochwertige, zu kleine und zudem unübersichtliche Fernbedienung musste einer
kompletten Neuentwicklung weichen, die sehr ordentlich verarbeitet ist und eine
angenehme Größe aufweist.

Am AV-Receiver wurde ebenfalls die Bedienbarkeit verbessert: Durch eine direkte
Taste für 1. Stereo, 2. 5-Kanal-Stereo und 3. DD/DTS Dolby ProLogic II (je nach
Signal) wird der Umgang mit dem AV-Receiver nochmals einfacher, gerade diese
Funktion hat sich in der Praxis sehr gut bewährt. Erweitert wurde auch die
Anschlussbestückung: So stehen im Vergleich zum Vorgänger zwei zusätzliche
optische Digitaleingänge zur Verfügung, einer befindet sich auf der
Frontplatte des AVR-1603. Auch ein Analog-Eingang ist hinzugekommen, als
wichtigste Neuerung bezüglich der Anschlussbestückung wären aber die S-Video-
Ein- und Ausgänge zu nennen. Auch ansonsten gibt es wichtige Änderungen im
Vergleich zum Vorgänger: So tut ein neuer Analog Devices "Melody"-32-Bit-DSP
seinen Dienst, auch gibt es nun eine variable Subwoofer-Übernahmefrequenz (80,
100 oder 120 Hz auswählbar). Insgesamt gefällt der AVR-1603 mit seiner
praxisgerechten Ausstattung und seiner guten Verarbeitung.
Bewertung      
Bedienung
Was
die Höhe des Bedienkomforts angeht, hat neue AVR-1603 im Vergleich zum
Vorgänger spürbar gewonnen. Einen großen Anteil an dieser Steigerung hat die neu entwickelte
Fernbedienung, die auch dem nächsthöheren Modell AVR-1803
beliegt. Der neue IR-Signalgeber ist mit phosphoreszierenden
Tasten für wichtige Grundfunktionen ausgestattet - und recht
übersichtlich ist er ebenfalls geraten: Obwohl sehr viele Tasten auf dem IR-Commander zu finden
sind, entsteht durch die sinnvolle Abgrenzung kein unnötiges Wirrwarr. Zudem
sind die Tastengruppen auch noch durch unterschiedliche Farben gekennzeichnet,
die einzelnen Knöpfe haben einen gut definierten Druckpunkt. Sehr
schön auch bei diesem Denon AV-Receiver: Wer schon einmal einen AV-Receiver hatte, wird den
AVR-1603 praktisch ohne Studium der Bedienungsanleitung konfigurieren können.
Dazu kommt als weitere Steigerung des Bedienkomforts das Denon-eigene "Personal Memory Plus"-Funktion, die schon
von verschiedenen anderen Denon-Modellen her bekannt ist: Diese merkt sich automatisch für jede
Programmquelle den zuletzt gewählten Hörmodus, die Lautsprecherpegel und die
Verzögerungszeiten. Somit übernimmt Personal Memory Plus eine ganze Reihe von
notwendigen Einstellungen, wenn die Programmquelle gewechselt wird und trägt
damit zum sehr guten Bedienkomfort bei. Das Display ist zwar nicht ganz so
groß, erfreut dafür mit schöner, klarer DOT Matrix Auflösung und einem guten
Kontrast. Selbstverständlich sind die Abstände zu den Lautsprechergruppen vom
Hörplatz in Metern einstellbar, die Surround-Lautsprecher und die beiden
Frontboxen sind aber jeweils nur zusammen und nicht getrennt zu justieren (also
nur Surround und nicht Surround links und Surround rechts einzeln bzw. nur
Front/Subwoofer zusammen und nicht Front links und Front rechts sowie Subwoofer
einzeln), was angesichts des Preises und der Ausstattung aber in Ordnung geht.
Problematisch wird es dann, wenn die beiden Surroundlautsprecher bei
ungünstiger Raumaufteilung einen stark voneinander abweichenden Abstand
voneinander haben, wenn also z.B. der rechte Surroundlautsprecher weitaus näher
am Hörplatz angebracht ist als der linke. Gleiches gilt für die Hauptboxen.
Hier sollte man daher darauf achten, in etwa einen gleichen Abstand beider
Hauptlautsprecher bzw. beider Surroundlautsprecher zum Hörplatz zu
berücksichtigen, damit der Ton auch bei allen Lautsprechern gleichzeitig
ankommt. Nicht ganz gelungen sind die wenigen Funktionstasten, die sich auf
dem mit dunkel getönter Plexiglasapplikation eigentlich elegant verkleideten
Teil des Geräts befinden: Diese sind, soll eine Bedienung am Gerät selber und
nicht über die Fernbedienung erfolgen, bei Dunkelheit nicht zu erkennen. Dies
sind schon alle Kritikpunkte, ansonsten überzeugt das Bedienkonzept des AVR-1603
komplett: Sechs Sterne.
Bewertung      
Testequipment:
Film
Die prinzipielle Auslegung des AVR-1603 ist ähnlich der des bereits
getesteten AVR-1803: Bei "Gladiator"
überzeugt die sehr klare, sehr feinfühlige Übertragung des Music Score und
die sehr hohe Natürlichkeit bei der Interpretation der Stimmen der Akteure -
hier gibt sich der kleinste Denon AV-Receiver betont kultiviert und akkurat.
Wenn aber, wie ziemlich zu Beginn des Films, Antrittskraft gefragt ist,
enttäuscht der AVR-1603 nicht: Sehr exakt zu orten, fliegen die Brandkugeln und
-pfeile quer durch den Hörraum, die Basskulisse ist solide, ohne aber die
Durchschlagskraft zu bieten, die der Konkurrent von Yamaha, der RX-V530,
mitbringt. Der Yamaha bietet zudem auch ohne aktiven Subwoofer ein beachtliches Leistungspotential
im Bassbereich. Hier muss man auch den Denon loben: Zwar tritt er nicht so wuchtig im
Bassbereich an wie der Yamaha, dies aber ist Folge einer anderen Auslegung. Beachtlich
jedenfalls ist, welche Pegel auch beim AVR-1603 ohne den Anschluss eines aktiven
Subwoofers möglich sind - von Dynamikkompression oder gequält klingender
Wiedergabe keine Spur. Hier zeigen beide Geräte eindrucksvoll, dass man
durchaus ohne aktiven Sub auskommen kann. Trotzdem, dies sollte man nie
vergessen, steigt mit Aktivsubwoofer natürlich die Pegelfestigkeit, das Volumen
und der Druck im Bassbereich gleichermaßen deutlich hörbar an, was sich
gerade an einem Beispiel wie "Gladiator" sehr gut belegen lässt. Auf
der 5. DTS Demo-DVD kommt der AVR-1803 mit allen Beispielen sehr gut zurecht,
die feinfühlige Wiedergabe der kleinen Geräusche an Bord des U-Boots bei der
Sequenz aus "U-571" gefällt sehr - oft wird hier nur auf die großen
Explosionen und Effektsalven geachtet, aber die knisternde Spannung, die an Bord
des U-Boots herrscht, wird auch durch die kleinen Effekte übertragen. Bei
den großen Explosionen ist es dann doch erst richtig beeindruckend, gerade in
größeren Räumen (20 bis 30 Quadratmeter), einen Aktivsubwoofer mit genug
Leistung unterstützend mit einzusetzen. Gleiches gilt für die wild trampelnden
Dinosaurier, die den Auszug aus "The Lost World" akustisch bereichern.
Aber wie gesagt: Durch die hochwertigen Endstufen des AVR-1603 kann man
wenigstens für eine Übergangszeit ohne aktiven "Bassisten"
auskommen. Bei der Dolby Digital 5.1 EX DVD von "Star Wars Episode I - The
Phantom Menace" fehlt zwar etwas der Effektkraft und Volumen bringende
zusätzliche Effektkanal, trotzdem erzeugt der AVR-1603 eine erstaunlich
komplette, gut aufgebaute Surround-Klangkulisse. Mit seinen
"Standard-Tugenden", der sehr guten Stimmwiedergabe und der tadellosen
Einarbeitung kleinerer Effekte, kann sich der AV-Receiver auch bei diesem
Testbeispiel sehr gut in Szene setzen. Fazit: Im Heimkinobetrieb liefert der
Denon eine sehr kultivierte Leistung ab, die Endstufen überzeugen durch ihre
hochwertiger Auslegung. Der Heimkinofreund, der aber mittelfristig ein
EX-Heimkino plant, sollte zum AVR-1803
greifen, der zudem mit gerade bei höheren Pegeln nochmals kräftiger agierenden
Endstufen aufwarten kann.
Musik
Genau wie der AVR-1803 kann auch der
AVR-1603 mit seiner gelungenen Stimmwiedergabe punkten: Er schafft es
außergewöhnlich gut, bei der Scorpions-DVD "Acoustica" (Tonspur
DTS 5.1) die Charakteristik, die der Stimme des Sängers eigen ist, klar und
sauber herauszuarbeiten. Die Einarbeitung der Instrumente lässt, wie auch schon
beim AVR-1803, ebenfalls in dieser Klasse
keine Wünsche offen. Und selbst Mahlers 2. Symphonie, schwerer
"Prüfstein" auf der 3. DTS Demo DVD, wird sehr gut vom kleinsten
Denon in den Hörraum getragen. Auffällig ist auch hier wieder die erfolgreiche
Feinarbeit, die selbst den schwer darstellbaren Choralstimmen den richtigen
Charakter verleiht. Mozarts 40. Symphonie auf einer "Naxos Musical
Journey"-DVD begeistert, wenn der Denon am Werk ist: besonders die
Einarbeitung der Streicher ist sehr gut gelungen, ebenso aber schafft der
AVR-1803 eine tadellose Meisterung der Dynamiksprünge. Homogen und mit
differenziertem Aufbau spielt das ganze Orchester auf.
Bei Felix Mendelssohn-Bartholdys 1. Symphonie beweist der AVR-1603 ebenso wie
der AVR-1803 im Pro
Logic II-Music-Betrieb seine Talente: Mit seiner Klarheit und dem
differenzierten Herausarbeiten kleiner Nuancen im Hochtonbereich
beweist der AV-Receiver sehr gut, dass auch mit einem Surround-Aufpolierer
inzwischen eine recht feinfühlige Wiedergabe möglich ist: Hier spielt sich der AVR-1603
wie auch schon der AVR-1803, an die Klassenspitze Was den Bassbereich betrifft, liefert der
AVR-1603 eine gute
Leistung ab, das Volumen ist natürlich, so entsteht der Eindruck einer hohen
klanglichen Homogenität. Damit ist der AVR-1603 genau das
richtige Gerät für den kostenbewussten Klassik- und Jazzfreund, der mit zuviel
Bassdruck nicht allzu viel anfangen kann und der lieber einen sehr natürlich
und kultiviert agierenden AV-Receiver sein Eigen nennen möchte. Bei Toni
Braxtons "Un-Break My Heart" agiert der AVR-1603 im Dolby PLII
Music-Mode wiederum sehr stimmig: Es gibt zwar sicherlich AV-Receiver, die im
Bassbereich das Volumen dieses Stücks noch besser zur Geltung bringen, dafür
will dem Denon aber die exakte Stimmeinarbeitung besonders gut gelingen. Wer
mehr "Basskick" sucht, ist beim ebenfalls sehr gelungenen, preislich
praktisch identischen Yamaha RX-V530 besser
aufgehoben. Das Modell des japanischen Konkurrenten beweist zwar nicht das
Feingefühl im Hochtonbereich, das dem AVR-1603 eigen ist, dafür aber bietet
der RX-V530 einen sehr voluminösen
Klang. Der teurere Kenwood KRF-V7060D
bleibt der Dynamikmeister - sein Antritt ist nach wie vor unerreicht, der
Bassdruck ist noch minimal größer als beim Yamaha, der dafür besonders
homogen auch bei hohen Pegeln klingt, selbst dann, wenn - das ist typisch Yamaha
- die Software nicht ganz so gut ist. Denon und Kenwood arbeiten die Schwächen
schlechterer CDs auch im PLII Music-Betrieb deutlicher heraus.
Was die Stereowiedergabe anbetrifft, bietet der AVR-1603 überraschend
erwachsene Leistungen
und erreicht hier problemlos das Niveau des AVR-1803 - lediglich, dass der
"größere Bruder" ein wenig mehr Kraft hat, wird bei höheren Pegeln durch
die souveränere Handhabung des 1803ers deutlich. Bei den Stücken der CD "Königin der Nacht - Cheryl Studer singt
Mozart" beweist der Denon sein Können mit einer differenzierten, genau
richtig akzentuierten Stimmwiedergabe und einem insgesamt frischen und
lebendigen Klangbild. Hier ist ein neuer Klassenprimus entstanden, denn so klar,
differenziert und akzentuiert klingt in dieser Preisliga sonst niemand. Da muss
sich selbst der im Stereobereich auch durchaus gute Yamaha RX-V530
geschlagen geben, in erster Linie eine Folge der hervorragenden Feinarbeit des
Denon.
Bewertung Klang Film      
Bewertung Klang Mehrkanal-Musik      
Bewertung Klang Dolby PLII      
Bewertung Klang Stereo      
Fazit
Nicht jeder benötigt Extended Surround - viele Heimkino-Freunde schwören
nach wie vor auf eine 5.1-Konfiguration. Daher ist das Denon-Einstiegsmodell ein
reines 5.1-Gerät, das vor allem durch seinen lebendigen Musikklang viel Spaß
bereitet. Sauber, facettenreich und ausdrucksstark agiert der AVR-1603 bei
Mehrkanal-Musikstücken, die Integration von Dolby PLII ist ebenfalls geglückt:
Hier hört man besonders den sehr gut gelungenen, weil angenehm klaren
Hochtonbereich heraus. Dazu kommt eine sehr erfreuliche, homogene Stereo-Wiedergabe. Im
Heimkino-Betrieb zeigt sich der AVR-1603 von seiner kultivierten Seite: Gerade
die Einarbeitung feiner Umgebungsgeräusche liegt ihm. Genau wie beim AVR-1803
kann die harmonische, differenzierte Stimmwiedergabe überzeugen. Doch auch,
wenn es auf der Tonspur einmal richtig kracht, ist der AVR-1603 nicht mit seinem
Latein am Ende: Mit guter Dynamik und einer sehr präzisen Effektortbarkeit
befördert der AV-Receiver die Effekte durch den Hörraum. Nur bei hohen Pegeln
wirkt der AVR-1803 noch kraftvoller und
zupackender. Dass dieser ein besonders gutes Angebot ist - daran kann auch der
AVR-1603 nichts ändern. Mehr Kraft, eine Endstufe für den Back Surround
Bereich, die auch noch auf 2 Lautsprecher aufteilbar ist, eine edle
Metallfrontplatte mit hervorragend verarbeiteten Reglern, dazu DTS ES Discrete/Matrix
6.1 und Dolby Digital EX - wer heimkinotechnisch auf dem neuesten Stand sein
will und dazu noch ein qualitativ überzeugendes Gerät sucht, kommt am AVR-1803
kaum vorbei. Für denjenigen, für den der Aufbau einer Extended Surround-Anlage
aufgrund platztechnischer Probleme oder aus Überzeugung nicht in Frage kommt, finden aber im AVR-1603
eine wohlklingende Alternative: Im Mehrkanal-Musikklang und auch im
Stereobetrieb kann der AVR-1603 ebenso viele potentielle Kunden ansprechen wie als kultivierter
"Filmdarsteller" im 5.1-Einsatz.
Der neue "kleine" Denon präsentiert
sich als sehr gute Alternative für den 5.1-Liebhaber
Gesamturteil:

Mittelklasse
Test 24.09 2002
Preis-/Leistungsverhältnis:      
Pro:
-
Überragende Detaileinarbeitung im Heimkino- und Musikbetrieb
-
Sehr feinfühliger Mehrkanal-Musikklang
-
Vollwertige Stereowiedergabe
-
Endstufen mit dynamischem Antritt
-
Gute Verarbeitung
-
Überzeugendes Bedienkonzept
Contra:
Wichtige Daten:
- AV-Receiver mit DD 5.1/DTS 5.1
- 5 x 100 Watt (an 6 Ohm, 1 kHz, Klirrfaktor 0,7 %)
- Dolby ProLogic II
- 32 Bit-Melody-DSP von AD
- 96 kHz/24-Bit D/A-Wandler
- 5-Kanal-Stereo-Modus
- Verschiedene DSP-Programme
- Cinema Equalizer
- Personal Memory Plus
- Einstellbare Subwoofer-Übernahmefrequenz (80/100/120 Hz)
- Anschlüsse Audio: 3 optische Digitaleingänge, 1 koaxialer
Digitaleingang, 1 optischer Digitalausgang, 7 Analogeingänge, 2 Analog REC
Ausgänge, 1 Sechskanal-Eingang
- Anschlüsse Video: 3 S-Video-Eingänge, 2 S-Video-Ausgänge, 4 FBAS-Eingänge,
2 FBAS-Ausgänge
- Neue Fernbedienung mit phosphoreszierenden Funktionselementen
- Abmessungen (B x H x T in mm) 434 x 147 x 417
- Gewicht 10,4 kg
- Lieferbare Farben: Schwarz
- Preis 449 EUR
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