Test: Denon DVD-1720
05.08.2005 (cr)
Overview
Günstige Player sind nicht eben dazu angetan, sehr ansprechende
Leistungen im Progressive-Betrieb zu bieten. Denon
möchte mit dem neuen DVD-1720 nun Abhilfe schaffen. Der DVD Video-Player ist
mit 169 € zwar kein Sonderangebot, dafür aber ist er mit hochwertigen
Baugruppen bestückt, bei den Audio-D/A-Wandlern vertraut der DVD-1720 sogar auf
Produkte aus dem Hause Burr Brown. Kann der neue Player im Test überzeugen?
Verarbeitung

Sauberes Finish an der Gerätefront
Der DVD-1720 verfügt zwar nur über eine Kunststofffrontblende,
diese ist aber akkurat eingepasst und hinterlässt auch hinsichtlich der
Materialbeschaffenheit einen guten Eindruck. Die DVD-Lade ist
preisklassengemäß ausgeführt, was man vom arg mickrigen Display nicht
behaupten kann. Dafür sind die Bedienelemente auf der Gerätefront hochwertig
ausgeführt.

Gute Verarbeitung auch bei der DVD-Lade

Standby-Schalter mit Leuchtring
Leider gibt es nur einen Standby- und keinen richtigen
Netzschalter zusätzlich, die schicke Beleuchtung sorgt aber für einen
hochwertigen Eindruck dieser Bedieneinheit. Die Geräterückseite ist sauber
verarbeitet, das Innere des DVD-1720 birgt optisch keine Überraschungen, hier
herrscht die Schlichtheit günstiger Preisklassen. Die Gerätestandfüße sind
ebenfalls sehr einfach, dafür gefällt die qualitativ ordentliche
Fernbedienung.

Typisch für günstige DVD-Player: Teilweise gähnende Leere
im Gehäuse
Kurzfazit:
Pro:
-
Gute Verarbeitung der Gerätefront
-
Optisch und haptisch überzeugende Bedienelemente am Gerät
selber
-
Fernbedienung mit tadelloser Qualität
Contra:
Bewertung      
Ausstattung/Anschlüsse
Die Ausstattung des DVD-1720 umfasst sehr hochwertige 192
kHz/24-Bit Audio-D/A-Wandler von Burr Brown - so gute Digital-Analog-Konverter
finden sich in diesen Preisregionen selten. Auch der Video-DAC ist absolut
zeitgemäß, Denon verbaut hier ein 108 MHz-Bauteil. Des Weiteren offeriert der
1720 einen fest einstellbaren Video-Modus fürs De-Interlacing sowie einen
kleinen Video-D/A-Konverter. Ein kleiner Video-EQ, der sogar eine Gammakorrektur
enthält, vervollständigt das visuelle Angebot.
Komplettes Sortiment an herkömmlichen
Verbindungsmöglichkeiten, kein DVI oder HDMI
Die Anschlussbestückung ist tadellos, es gibt neben Komponente,
Scart (mit RGB), FBAS und dem 2-Kanal-Audioausgang auch einen optischen sowie
einen koaxialen Digitalausgang. Eine S-Video-Hosidenbuchse fehlt auch
nicht.
Kurzfazit:
Pro:
Contra:
Bewertung      
Multimedia/Laufwerk

Hinter dieser Lade verbirgt sich ein Laufwerk mit sehr guter
Fehlerkorrektur
Insgesamt bietet der DVD-1720 gute, aber nicht überragende Multimedia-Qualitäten - die Übersicht:
-
DVD+R, DVD-R und DVD-RW (Video Mode) kein Problem. Auch Wiedergabe von DVD-RWs im VR
Mode. Sehr gut!
-
DVD-Rs mit MP3-Dateien spielt der DVD-1720 leider nicht
ab.
-
CDs mit jpeg-Dateien und MP3-Inhalten: Die Wiedergabe von kombinierten
jpeg/MP3-CD-Rs ist nicht möglich. Nur der MP3-Teil wird erkannt, die Bilder
werden ingoriert. Die Klangqualität
im MP3-Betrieb ist ausgezeichnet, es gibt praktisch keine Aussetzer.
-
Auch CD-Rs mit MP3-Dateien, die in mehreren Sitzungen
gebrannt wurden (Multisession) nimmt der DVD-1720 entgegen.
-
JPEG-CD: Laufwerk wird, wie übrigens auch im SVCD-Betrieb,
recht gut hörbar, Bildaufbau erfolgt schnell. Die Bildqualität ist
erstaunlich gut.
-
SVCDs nimmt der DVD-1720 problemlos entgegen.
-
DVD-Video/Audio-CD: Durchschnittliche Einlesezeit, Laufwerk
auch im Spielbetrieb gut hörbar, wenn man sich in der Nähe des Geräts
aufhält

Übersichtliches
MP3-Menü
-
Was uns noch auffiel: MP3-Menü übersichtlich, aber ohne
ID3-Tags.
-
Schon die exzellente Fehlerkorrektur bei stark zerkratzten
DVDs und CDs deutete es an: ALLE 30 Tracks unserer Fehlerkorrektur-DVD hat der
DVD-1720 ohne jedes Problem
erkannt, selbst bei Track 30 konnten wir keine Pixelbildung und keinen Aussetzer
ausfindig machen. Die Fehler
zum Check der Laufwerksfehlerkorrektur sind durch einen größer werden Keil auf
unserer Test-DVD (Burosch Professional
Test-DVD) simuliert. Bei Track 2 startet
es mit 0 mm und endet bei Track 30 mit 4,5 mm (ungefähr 0,16 mm-Schritte).
Kurzfazit:
Pro:
-
Exzellente Fehlerkorrektur
-
DVD-RW im VR Mode wird eingelesen
-
Sehr gute MP3-Klangqualität
-
Schneller jpeg Bildaufbau
-
Gute jpeg Bildqualität
-
Multisession MP-Wiedergabe
Contra:
-
Sichtbarer Layerwechsel
-
Keine Wiedergabe von DVD-Rs mit MP3-Dateien
-
Keine kombinierte Wiedergabe von jpeg/MP3-CDs
-
Laufgeräusch des Laufwerks gerade in Gerätenähe etwas zu
gut hörbar
Bewertung      
Bedienung

Sehr übersichtlich und flott: Die wichtigsten Einstellungen
finden sich im Schnell-Setup

Über "Anzeige" lassen sich die Videooptionen
einstellen. Beim Videoausgang ist "Scart", "Komponente Interlaced"
oder "Komponente Progressive" anwählbar. Der DVD-1720 verfügt über
2 automatische Progressive-Modi inklusive Erkennungsmöglichkeit für falsche
Flags, zusätzlich gibt es einen separaten Videomodus für die korrekte
Darstellung von Videomaterial
Die Bedienung des DVD-1720 ist auch für Neueinsteiger sehr
leicht zu durchschauen: Die grafische Benutzeroberfläche ist einfach zu
bedienen, die Fernbedienung überzeugt durch sinnvolle Tastenanordnung und liegt
gut in der Hand. Auch die Bedienelemente am Gerät selber sind tadellos
ausgeführt. Beim Kapitel springen zeigt der 1720 das gerade aktuelle Kapitel
an, das Springen an sich funktioniert aber eher etwas behäbig. Einziger
richtiger Kritikpunkt ist das zu kleine und zu grob auflösendes
Gerätedisplay.

Das zu grob auflösende Display überzeugt nicht

Sehr übersichtliche Fernbedienung

Leichte Bedienbarkeit auch an der Gerätefront
Kurzfazit:
Pro:
Contra:
Bewertung      
Testequipment
Bild
In der Bildwertung überraschte uns der DVD-1720 durch seine
hohe Ausgewogenheit. Besonders die De-Interlacing-Eigenschaften des DVD-1720 überzeugen. Unsere speziell
angefertigte DVD mit berüchtigten Szenen aus "Titanic" oder "Star Wars Episode II", in denen mancher Progressive-Player
ohne fest einrastbaren Video-Modus ins Schwitzen gerät, gab der kleinste Denon DVD-Player fehlerfrei wieder. Auch
bekannte Szenen aus "Gladiator" managt der DVD-1720 ohne
Schwierigkeiten bei sehr guter Bildqualität bei Anwahl des "Video"-Modus
im Menü.
Auch den Progressive-Test auf der Professional Test DVD zur Überprüfung der Progressive-Qualität managt
der DVD-1720 souverän. Was der DVD-1720 kann, beweist auch der Test des
Video-Modus beim Videomaterial auf der Peter Finzel Test-DVD:
Während in Position "Auto 1" und "Auto 2" in der
Videomaterial-Testsequenz auf der Peter Finzel DVD noch ein Bildflimmern im
linken Auflösungsrahmen von nicht perfekter Arbeit kündete, ist dieses Problem
bei "Video" Schnee von Gestern. Mit stoischer Gelassenheit managt der
DVD-1720 alle Hürden. Hervorragend. Für richtig gekennzeichnetes Filmmaterial ist "Auto 1"
oder "Auto 2" ansonsten zu empfehlen, die sich nicht in Bezug auf die
interne Verarbeitung von Filmmaterial unterscheiden, jedoch bei der
automatischen Erkennung von Videomaterial anders vorgehen. Bei Videomaterial
oder DVDs mit falscher Kennzeichnung ist aber immer die Festeinstellung
"Video" im Menü ratsam. Darüber hinaus begeistern bei Toy Story I
und II die klare, flüssige
Bewegungsdarstellung und die hohe, aber stets Natürlichkeit ausstrahlende
Bildschärfe.
Überhaupt leistet sich der 1720 keinen Schnitzer in der
gesamten Bildwertung. Ganz gleich, ob "Gladiator" oder "Master
and Commander", der DVD-Player gefällt mit hoher Bildschärfe und einem
ruhigen, Gelassenheit ausstrahlenden Bild. Auch für den DVD-1720 spricht, dass
es kaum unschönes Bildrauschen gibt. Nur bei schlechtem Quellmaterial fällt
natürlich das Bildrauschen auf, da DVD-Player in diesen Preisregionen entweder,
wie der DVD-1720, gar nicht über Rauschfilter oder aber über schlecht
arbeitende Rauschunterdrückungssysteme verfügen. Hier muss man sich dann ein
preislich höher angesiedeltes Modell kaufen, um wirksame Rauschfilter zu
erhalten. Aber zurück zu unseren beiden Test-DVDs. Hier war eine sehr gute
Bewegungsdarstellung in allen Sequenzen zu erkennen. Bei "Gladiator"
gefiel die Schlachtszene am Anfang durch die dynamische Bewegungswiedergabe, die
nur durch minimale Nachzieheffekte beeinträchtigt wurde. Zu unschönen
Pixelbildungen ließ sich der DVD-1720 nie hinreißen.
Auch bei "Master and Commander" kann man mit der
gebotenen Bildqualität sehr zufrieden sein. Besonders der Angriff des
gegnerischen Schiffes aus der Nebelbank heraus wird vom 1720 sehr gut
wiedergegeben, hier sieht man erneut, dass der 1720 Nebel nicht mit Rauschen
verwechselt: Die Nebelschwaden wirken sehr authentisch. Auch die Gesichter der
Akteure gefallen in Bezug auf Farbgebung und Plastizität. In den dunklen
Sequenzen, in denen das Schiff unter Deck gezeigt wird, beweist der Denon, wie
gut sein Kontrastverhältnis ist. Die Jean-Michel Jarré-DVD "Jarré in
China" verfügt nicht nur über einen exquisiten Ton, sondern auch über
ein exzellentes Bild. Beeindruckend ist, wie viel der kleine Denon aus der
Vorlage herausholt, so sind auch Einzelheiten wie z.B. die Tasten der Keyboards
oder Jarrés Finger sehr detailliert dargestellt. Dass der 1720 auch im
Hintergrund liegende Gebäude (Konzert in der Verbotenen Stadt) komplett
darstellt, obwohl sie teilweise in der Dunkelheit verborgen sind, beweist erneut
den ausgezeichneten Kontrast.
Ein kleiner Video-EQ ist ebenfalls mit an Bord. Der DVD-1720
verfügt über Einstellmöglichkeiten für Bildschärfe, Helligkeit, Kontrast
und Farbe. Auch eine Gammakorrektur ist enthalten. Anwählbar ist der Video-EQ
über die "Mode"-Taste ganz oben auf der Fernbedienung. Nach Drücken
der "Mode" Taste landet man gleich beim Video-EQ. Durch drücken des
Cursor-Tasten Oben/unten im Navigationskreuz kann man dann die einzelnen
Optionen des Video-EQs anwählen und mit der linken/rechten Cursortaste nach
eigenem Gusto einstellen. Die Wirksamkeit des Video EQ ist bemerkenswert,
im Gegensatz zu anderen Konkurrenzmodellen bewirkt eine veränderte Einstellung
auch eine tatsächliche visuelle Veränderung.
Bewertung     
Ton
Der DVD-1720 macht durch seine reifen Audioeigenschaften sogar
die Anschaffung hochwertiger Kabel zu einem sinnvollen Projekt
Der Denon DVD-1720 gefällt aber nicht nur durch sein
ausgewogenes, qualitativ tadelloses Bild, sondern auch mit seinen akustischen
Eigenschaften. Zunächst gilt es, den klaren, sehr sauber darstellenden
Digitalton zu loben. Der 1720 kann daher problemlos an ausgezeichnete
AV-Receiver angeschlossen werden, so auch an den Denon AVR-2106:
Gerade bei hochwertigen Musik-DVDs (wieder als Beispiel eingelegt: "Jarré
in China") zeigt sich, dass der DVD-1720 mit hoher Brillanz und einer
feinen Struktur verwöhnt. Daher lohnt es sich auch durchaus, den DVD-1720
hochwertig zu verkabeln. Dies macht übrigens auch bei analogem Anschluss Sinn,
denn wer den für günstigere DVD-Spieler üblichen, trüben Sound erwartet,
wird angenehm überrascht sein: Der DVD-1720 klingt nicht lethargisch, sondern
lebendig, und die Höhen muffeln nicht gelangweilt durch den Hörraum, sondern
kommen ausdrucksvoll und klar zur Geltung. Der Bassbereich ist nicht matschig
und ohne erkennbare Form, sondern prima strukturiert. Keine Frage, sowohl bei
der analogen als auch bei der digitalen Klangwiedergabe stellt der 1720 den
beinahe doppelt so teuren Denon DVD-1910 in
den Schatten, und selbst der exzellente Harman Kardon DVD-22,
anerkannt akustisch gut, vermag dem DVD-1720 nicht zu enteilen, zu natürlich
und so facettenreich stellt der preisgünstige DVD-Player dar.
Bewertung     
Fazit
Eines steht fest: Über einen so gelungenen, weil visuell und
akustisch erwachsenen und erstaunlich starken Basis-DVD-Player verfügte das
Denon Portfolio noch nie. Auch der kleine 1720 beweist nach den beeindruckenden
Testergebnissen von Denon AVR-2106 und
Denon AVC-A11XV, dass Denon momentan auf der Überholspur ist. Als Nachteile
kann man dem 1720 nur das unbefriedigende Display und das zu laute Laufwerk, das
keinen unsichtbaren Layerwechsel produziert, ankreiden. Ansonsten passt alles:
Die Bedienung ist einfach, die mitgelieferte Fernbedienung tadellos, die
Fehlerkorrektur ist beispielhaft, und die MP3-Wiedergabequalität exzellent.
Kurzum, der DVD-1720 ist das richtige Gerät für qualitätsbewusste Ein- und
Aufsteiger, die auf analoge Videoübertragung setzen. Aufgrund der sehr
lobenswerten Bild- und Tonqualität wird der 1720 bereits der Mittelklasse
zugeordnet.
Mission erfüllt: Der DVD-1720 ist rundherum gelungen und
überzeugt durch erstaunlich reife audiovisuelle Eigenschaften

Mittelklasse
Test 05. August 2005
Preis-/Leistungsverhältnis:      
Pro:
-
Sehr gutes Progressive-Bild bei allen Arten von
Ausgangsmaterial
-
Natürliche Farbwiedergabe und ausgezeichneter Kontrast
-
Angenehme Bildschärfe
-
Kleiner Video-EQ
-
Sehr guter Klang bei analogem Anschluss
-
Transparenter Digitalton
-
Praktisch aussetzerlose MP3-Wiedergabe
-
Sehr einfache Bedienung
-
Tadellose Fernbedienung
Contra:
Grunddaten:
-
DVD-Video-Player
abspielbare Disc-Typen und Formate: DVD-Video, Audio-CD, CD-R, CD-RW, DVD-R, DVD-RW(Video- und VR-Mode), (DVD)+R, (DVD)+RW, VCD, SVCD MP3/WMA/jpeg, DivX (Version 3.11, 4.xx, 5.xx, VOD), Kodak Picture CD, Fujicolor CD
Ausstattung: PAL/NTSC-Progressive, Video-EQ mit Gammakorrektur, 108 MHz/10-Bit Video-D/A-Wandler, 192 kHz/24-Bit Audio-D/A-Wandler
Ausgänge Video: YUV, Scart, S-Video, FBAS-Cinch
Ausgänge Audio: koaxialer Digitalausgang, optischer Digitalausgang, Zweikanal-Audioausgang
Maße (B x H x T): 435x75x310 mm
Gewicht: 2,3 kg
erhältl. Farben: Silbern oder Schwarz
Preis: € 169,-
05. August 2005
Test: Carsten Rampacher
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