Test: DVD-Player Arcam DV-27
05.12.2001 (cr)
Für denjenigen, der auch beim Kauf eines DVD-Players Wert auf ein wenig Extravaganz
legt und sich ein schon von den produzierten Stückzahlen her exklusives Modell
zulegen möchte, bietet Arcam mit dem DVD Video-Player DV-27
(laut Arcam kann der DV-27 durch den Austausch einer Platine auch DVD
Audio-technisch aufgerüstet werden) eine
interessante Offerte an. Mit 5500 DM ist der reine DVD Video-Player eine recht
kostspielige Investition - da kann man einiges erwarten, und so kommt der
DV-27 sehr massiv verarbeitet daher, das Chassis besteht aus einem
äußerst teuren und widerstandsfähigen Material namens "Sontech",
das, so die Arcam-Website, aufgrund seiner vibrationshemmenden Wirkung und
seiner hohen Qualität auch in
"High Performance Cars" Verwendung findet.
Viel Filmfreude versprechen die inneren Werte, denn der DV-27 ist
selbstverständlich für die progressive Bildausgabe via YUV gerüstet. Für die
Progressive Scan-Bildausgabe ist ein Chip von Silicon Image zuständig,
zweifellos einer der besten am Markt. Ausgezeichnet verarbeitet präsentiert
sich auch das hochwertige Innenleben mit einer aufwändigen
Netzteil-/Trafo-Sektion, die zeigt, dass der Kunde auch einen sichtbaren
Gegenwert bekommt für den beträchlichten Kaufpreis, der zu entrichten
war.
Wenig leider nur bekommt er bezüglich Display und Fernbedienung. Das in Giftgrün gehaltene Display
missfällt mit seiner zu groben Auflösung, die klapprige Fernbedienung mit
ihrer mangelhaften optischen Anmutung. Windige Detaillösungen auch auf der
Geräterückseite: Eine billige Kunststoffabdeckung über nicht belegte
Anschlussbuchsen (für Upgrades vorgesehen wäre selbst eines Gerät der 1000 DM-Preisklasse nicht
würdig - es gibt auch solider anmutende Lösungen. Nimmt
man den Arcam in Betrieb, stechen weitere Unzulänglichkeiten ins Auge: Das
billige Hintergrundbild und die grafisch zu schlichte Menügestaltung sind zu
bemängeln, die kaum den Glauben beim Käufer festigen helfen, ein DVD-Player
sei ein Hightech-Gerät - eher fühlt man sich an seinen ersten Personal
Computer erinnert.
An Anschlüssen gibt es zwei YUV-Ausgänge, eine RGB-beschaltete Scartbuchse
sowie einmal S-Video Hosiden, dazu kommen zwei Analog-Stereoausgänge und ein
optischer und ein koaxialer Digitalausgang. Die sonstige Ausstattung ist
spartanisch, kein Videoequalizer ist vorhanden. Auch wenn Puristen die
Auffassung vertreten, dass ein DVD-Player mit einem sowieso guten Bild dies
nicht braucht, ist es nicht unbedingt als Vorteil zu vermerken - denn
verschiedene Anpassungsmöglichkeiten an das Bildausgabegerät können schon von
Vorteil sein. Das Laufwerk des Arcam erfreut mit einer qualitativ sehr
guten SVCD-Wiedergabe und einer recht schnellen Einlesezeit. Selbst mit MP3-CDs
hat der Arcam keine Probleme - zwar gibt es kein Menü, dafür aber eine
qualitativ überzeugende Wiedergabe. Weniger gefällt
allerdings die gut hörbare Geräuschentwicklung des Laufwerks. Wenn man bedenkt, wie leise
Player es schon für einen Bruchteil des Kaufpreises des Arcam gibt, es ist nur
schwer nachvollziehbar, wieso es Arcam bei einem solch teuren Gerät nicht
gelingt, ein extrem leises Laufgeräusch zu realisieren. Bis Track 22 unserer
Fehlerkorrektur-Test-DVD
kam der DV-27, und erst ab Track 20 waren kleine Aussetzer zu beobachten.
Somit erreicht der Arcam bis auf das zu laute Laufgeräusch ein ordentliches
Ergebnis in der Laufwerkswertung.
Bewertung Fehlerkorrektur/Laufwerk     
Mit der kargen Ausstattung, dem extrem hohen Preis, der
qualitativ unbefriedigenden Fernbedienung und dem Display mit schlechter
Auflösung gelingt dem DV-27 in der Finish/Features-Disziplin trotz des soliden
Gehäuses und der zukunftsorientierten Upgrade-Fähigkeiten kein überzeugendes Ergebnis.
Bewertung Finish/Features     
Bedienung
Ein durchweg dunkles Kapitel für den Arcam - im wahrsten Sinne des Wortes,
denn der unaufgeräumten und unhandlichen Fernbedienung fehlt eine Beleuchtung,
mit deren Hilfe man sich in der Dunkelheit wenigstens etwas schneller
zurechtfinden könnte. Dass die Enter-Taste in die Mitte der Navigationseinheit
gehört, hat sich bei Arcam anscheinend ebenso wenig herumgesprochen wie die
Vorteile eines exakt definierten Druckpunkts der Tasten und einer ausreichenden
Reichweite des IR-Controllers. Die Menüs sind vom Umfang her karg, kaum etwas
kann eingestellt werden, was wenigstens eine schnelle Justage zulässt. Das
giftgrüne Display hat zwar eine große Leuchtkraft, dafür ist es
entschieden zu klein und die Auflösung überzeugt auch nicht. Kleiner Trost:
Die Tasten auf der Gerätefront sind tadellos zu bedienen.
Bewertung     
Bild
Ein exzellentes Bild, ganz gleich,
ob via progressiver Bildausgabe oder im Interlaced-Verfahren
(Test-Bildausgabegeräte: Sony Projektor VPH-1258QM, Sony Studiomonitor
PVM-2950QM), hat der DV-27
auf jeden Fall zu bieten. Bei den Real-Testbildern der Referenz-DVD
zeigt der Arcam eine überragende Bildschärfe (Beispiel: Testbild
Skyscraper, Früchte-Stilleben), die mit einer
unglaublichen Detailtreue und einer schlicht perfekten Bildruhe einher geht. Dazu
kommt die angenehm neutrale, reine und saubere Farbwiedergabe mit exakt
gezeichneten Farbverläufen (Beispiel: Testbild Heißluftballon) und eine sehr hoch
angesiedelte Bildplastizität. Referenzwerte erreicht der Arcam auch bei der
Schwarzdarstellung, die mit der Erzeugung einer hohen räumlichen Tiefe auch zur
hervorragenden Bildplastizität beiträgt. Visuell, da besteht kein Zweifel, leistet sich der DV-27
nirgendwo Schwächen, sondern brilliert mit hervorragenden Werten - doch
bedauerlicherweise gibt es auch andere DVD-Player, die ebenfalls mit
Top-Bildqualitäten aufwarten können, nur verbinden es diese Player mit einem
weitaus besseren Preis-/Leistungsverhältnis: Der Denon
DVD-2800 (der ebenfalls PAL Progressive ausgeben kann) kommt zwar in den
Punkten Schwarzwiedergabe und Bildplastizität nicht ganz an den Arcam heran,
die Unterschiede jedoch rechtfertigen nicht den deutlich mehr als doppelt so
hohen Preis des DV-27. Der Marantz DV-17
beherrscht zwar kein Progressive Scan, kostet dafür aber auch deutlich
weniger und begeistert im Interlaced-Verfahren mit einem ebenbürtigen Bild, die
Farbwiedergabe wirkt beim Marantz sogar noch minimal harmonischer. Der Sony DVP-S9000ES
(ehemaliger Listenpreis 4499 DM), zur Zeit recht günstig zu bekommen, kann,
wenn man seinen Top-Video-Equalizer richtig zu bedienen weiß, sowohl im
Interlaced- als auch im Progressive-Modus (beim Sony nur NTSC) mit einem
Referenzbild glänzen, das in keiner Disziplin gegenüber dem Arcam abfällt,
sondern, je nach Bildausgabegerät, sogar nochmals einen Tick stimmiger wirkt:
Die Bildschärfe, die Detailtreue, der sehr feine Kontrastumfang und die extrem
hohe Bildruhe bietet auch der Sony in Perfektion - das Einzige, was man dem Sony
anlasten kann, ist die fehlende PAL-Progressive-Option, was für manche ein
Kaufgrund für den Arcam sein dürfte, wenn der Denon DVD-2800 nicht schon
ausreichen sollte. Und, so traurig dies für den High End Fan sein mag, der
momentan ebenfalls sehr günstig erhältliche Pioneer
DV-737 (ehemaliger Listenpreis 2199 DM, erzielbarer Straßenpreis rund die
Hälfte des ehemaligen Neupreises), kann dem Arcam mit seinem immer noch
überragenden Bild ebenfalls Paroli bieten. Die minimalen Einbußen bezüglich
der Detailtreue und der Plastizität sind schnell vergessen, wenn man zum einen
den gesparten Geldbetrag und zum anderen die sonstigen Vorzüge des Pioneer mit
in Betracht zieht. Im NTSC Progressive Mode sah man übrigens keinerlei Vorteile für
den Arcam im A/B-Vergleich zu einem frisch zum Test eingetroffenen DVD
Audio/Video 5-fach-Wechsler Kenwood DVF-R9050D (Preis rund 3100 DM) mit Faroudja
Progressive Scan-Schaltkreis, der in den Punkten Detailtreue und
Bildplastizität sogar leichte Vorteile verbuchen konnte. Der Layerwechsel des
Arcam ist wenig überzeugend, gut sichtbar bleibt das Bild stehen, der Ton setzt
aus. Auch hier also nutzt der High End Player nicht die Chance, die Konkurrenz zu
übertreffen.
Bewertung     
Ton
Akustisch bietet der DVD-Player Eigenschaften auf Top-Niveau. Als gäbe es
nichts leichteres, spielt der DV-27 mit seiner aufwändigen D/A-Wandler-Sektion
analog angeschlossen viele Oberklasse-CD-Player locker an die Wand -
selbstverständlich auch nicht wenige hochklassige DVD-Player, schließlich soll
dies laut Arcam auch ein wichtiges Ziel bei der Entwicklung des DV-27 gewesen
sein. Ein
glasklares, transparentes Klangbild mit einer tadellosen Auflösung im
Hochtonbereich sowie einer als sehr natürlich empfundenen Räumlichkeit sorgen für brillante
Wiedergabequalitäten, die vor allem beim Anhören hochwertiger Klassik-CDs für
einen ungetrübten Musikgenuss sorgen. Gleiches lässt sich
auch vom perfekten Digitalton sagen. Hier macht sich die aufwändige Auswahl der
Bauteile also auf jeden Fall bemerkbar - und die strenge Separierung der Audio-
und Videosektion.
Bewertung     
Fazit
Der Arcam DV-27 kann mit einem überragenden Bild und einem aufwändigen
Aufbau des Innenlebens gefallen. Als Audio-CD-Player begeistert er mit einem
lebendigen und detailreichen Klang. Doch dies allein genügt nicht, um den
immensen Preis zu rechtfertigen. Einen Player für 5500 DM anzubieten, der mit
Menüs ausgeliefert wird, die auf dem Niveau eines Cyberhome oder Yamakawa
liegen, zeugt von einem nicht unbeträchtlichen Selbstbewusstsein. Gleiches gilt
in Bezug auf die schlecht verarbeitete und unaufgeräumte Fernbedienung. Das
giftgrüne Display entspricht ebenfalls nicht den Anforderungen der Preisklasse
des DV-27. Dass die
Ausstattung eher karg ausfällt, mag man einem Gerät für High End Puristen
noch verzeihen, die anderen genannten Nachteile sind allerdings nur eins - einen
so teueren Gerät nicht angemessen. Dies lässt sich auch vom zu lauten Laufgeräusch
des Laufwerks sagen, das noch nicht einmal durch einen perfekten Layerwechsel
auffällt. So bleibt als Fazit: Sicher ist der DV-27 ein sehr guter DVD-Player -
aber andere sind besser, vor allem wenn man das Preis-/Leistungsverhältnis mit
in Betracht zieht: So bekommt man für gerade einmal 500 DM mehr ein
echtes Referenzgerät in jeder Beziehung: Den Onkyo
DV-S939, der nur kein PAL Progressive ausgeben kann, im NTSC-Progressive-
oder im Interlaced-Modus aber ein mindestens ebenso gutes Bild bereitstellt und
dazu noch ein Referenz-DVD Audio-Player ist. Zudem wird der Onkyo mit
vernünftigen Menüs, einer nochmals besseren Wertanmutung des
Geräteinnenlebens und des Chassis sowie einem der Preisklasse gemäßen Display
und einer tadellosen Fernbedienung ausgeliefert. Auch der Marantz DV-17
ist dem Arcam DV-27 überlegen: So bietet er ebenfalls einen ausgezeichneten
Klang
als Audio-CD-Player, eine bessere Verarbeitung, eine
State-Of-The-Art-Fernbedienung und ein im Interlaced-Verfahren (Progressive Scan
beherrscht der Marantz nicht) ebenbürtiges Bild. Konkurrenz droht auch aus
weiter unten angesiedelten Preisklassen: So ist der Bildunterschied zum
ebenfalls PAL-Progressive-fähigen Denon
DVD-2800 (Listenpreis 2398 DM, Straßenpreis um 1800 bis 1900 DM, er greift
wie der Arcam auch auf den Silicon Image Progressive Scan Chip zurück) minimal
und auf keinen Fall so groß, dass er den mehr als doppelt so hohen Preis des
Arcam, der mit einer etwas besseren Schwarzwiedergabe und einer etwas besseren
Bildplastizität punkten kann,
rechtfertigt. Auch wenn man einen Vergleich zum Pioneer
DV-737 zieht und sich beide Gerät im Vergleich sehr gründlich anschaut,
wird man nicht einfach ohne weiteres den großen finanziellen Mehraufwand für
den Arcam einsehen. So steht als
Testprädikat lediglich ein "Gut" im Protokoll, da die
Preisgestaltung wirklich noch einmal überdacht werden sollte. Wenn man den
Anspruch hat, eine High End Marke für die zahlungskräftige Kundschaft zu sein,
für die bezüglich Sound & Vision, Verabreitung & Bedienung das Beste gerade gut genug ist, sollte
man dies auch durch ein stimmiges Gesamtkonzept eines jeden Geräts zum Ausdruck
bringen. Nur einzelne Highlights in Kombination mit deftigen Kaufpreisen sind zu
wenig - auch wenn der Arcam upgradefähig ist.
Der deutlich zu hohe Preis in Kombination mit
vermeidbaren Mängeln verhindert ein besseres Testergebnis

High End-Klasse
Pro:
Contra:
Technische Daten
-
DVD-Video-Player, aufrüstbar auf DVD Audio-Wiedergabe
-
PAL- und NTSC-Progressive
-
Spielt SVCDs und MP3-CDs ab
-
Anschlüsse Video: 2 x YUV ( 1 x für Progressive Scan, 1 x
für Interlaced), 1 x Scart mit RGB, 1 x S-Video Hosiden, 1 x FBAS
-
Anschlüsse Audio: 2 x Zweikanal-analog, 1 x digital
optisch, 1 x digital koaxial
-
Abmessungen B x H x T 430mm
x 85mm x 280mm
-
Gewicht
6,8 kg
Test: Carsten Rampacher
14. Dezember 2001
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