KABEL-SPECIAL: Offen für Ungewöhnliches - Lautsprecherkabel
„ARABESQUE LS“ - die Cable Brothers zeigen Charakter
05.08.2009 (th)

Hi-Fi
und Heimkino – wenig andere Sujets in den eigenen vier Wänden bieten eine ähnliche
Symbiose aus technischer Finesse und emotionaler Faszination gleichermaßen.
Eine Hi-Fi- wie eine Heimkinoanlage besteht aus elektrotechnischen Geräten,
deren Aufgabe es ist gespeicherte Daten audiovisuell dem Konsumenten vorzuführen.
Der Inhalt dieser Daten kann ungemein faszinierend, fesselnd und emotional berührend
sein, Leidenschaft wecken und Wohlgefühl auslösen. Aber nicht nur der Inhalt -
sondern auch die Art der Vorführung.
Betrachtet
man die Art der Vorführung, stößt man leicht und schnell auf einen
vermeintlich simplen Anspruch: Die Wiedergabekette, die eigene Hi-Fi- und/oder
Heimkinoanlage soll die konsumierten Daten derart präsentieren, wie sie
gespeichert sind. Vermeintlich simpel – und dennoch so schwer.

Die
aktuell erhältliche Unterhaltungselektronik hat ein technisch sehr ausgefeiltes
wie ausgereiftes Niveau erreicht. Dennoch handelt es sich um Technik mit ihren
immanenten Eigenschaften, die je nach Gerätegattung und Einsatzzweck variieren.
Jede technische Bearbeitung, jeder technische Transport der Daten, die wir zu
konsumieren wünschen, birgt die Gefahr, das Risiko eines unerwünschten
Eingriffes in das Signal – seien es unterschiedlich programmierte Decoder für
digitale Bild- und Tondatenströme, sei es die Güte analoger,
stromdurchflossener Bauteile oder sei es die Konstruktion einer Frequenzweiche.
Im Sinne des Ideals einer reinen, unbearbeiteten, neutralen Wiedergabe kann nur
davon gesprochen werden die Einflussfaktoren und -größen auf die Daten so
klein als möglich zu halten. Eben dies sind aus rein technischer Sicht auch die
Anforderungen an signalführende Kabel. In unserem SPECIAL „Vorstellung und
Check der Cable Brothers „Arabesque“-Kollektion“ konnten wir uns davon überzeugen,
dass diese Kabel obiger Anforderung entsprechen: Sie bieten eine Übertragung
der Daten ohne sicht- oder hörbaren Einfluss auf die Wiedergabegüte.
Neben
dem technischen Aspekt dieses wunderbaren Hobbys steht der der Emotion. Film und
Musik transportieren Spannung, Erregung, Berührung, Sentimentalität und
Begeisterung. Für viele Anhänger der heimischen Reproduktion ist die Art und
Weise dieser Auslöser für Freude und Begeisterung. Dabei ist als Erkenntnis
aus dem Geschehen am Markt festzuhalten, dass es eine zweite Wahrheit neben der
technischen Perfektion gibt: Zahlreiche Konsumenten verlangen nicht nach einer
reinen und neutralen Wiedergabe, sondern erfahren ihren Spaß durch Eigenheiten,
durch Noblesse und Ausgefallenheit wie auch durch spezielle Auslegungen und
Eigenschaften in der Reproduktion, kurz Individualität. Es wird nicht das
gekauft was technisch richtig ist, sondern das was gefällt. AREA DVD steht es
nicht zu dies zu bewerten – wir alle sind Menschen, gänzlich individuelle
Wesen mit unseren eigenen Zielen, Geschmäckern und Wünschen.
Unser
Wunsch und Ziel, der Redaktion von AREA DVD, ist es Ihnen, werter Leser,
umfassende und objektive Informationen und Testberichte über Apparaturen
aus der Unterhaltungselektronik zu bieten. Hierbei spielt allerdings der
Geschmack der Testredakteure keine Rolle, hierbei stehen wir in Ihren Diensten
und nicht in dem der Auslebung unserer eigenen Individualität. Aus diesem Grund
stützen wir uns in unserer alltäglichen Arbeit auf rein und neutral übertragende
Kabel – wir wollen Geräte bewerten und sie hierfür unverfälscht mit
Signalen füttern.
Mitunter
können wir Neugierde jedoch nicht von der Hand fegen. Nach unseren sehr
positiven, sprich neutralen Erfahrungen mit den Arabesque HDMI und
RCA-Cinch-Kabeln von Cable Brothers wurde uns angeboten ein Kabel mit
„Charakter“ zu testen. Nein, nicht testen im üblichen Sinne unserer Arbeit
– AREA DVD hat bisher nicht mehr als die mechanische Güte und die Reinheit
der Übertragung begutachtet und wird auch in Zukunft nicht mehr machen; Sie
werden keine Empfehlung von uns bekommen, dass Kabel X besser klänge als Kabel
Y. Das Wissen um individuelle Abstimmungen elektrotechnischer Geräte, was Sie
auch immer wieder in unseren Berichten nachlesen können, machte uns nun also
neugierig – ein Lautsprecherkabel, dass von seinem Macher bewusst und wissend
um den polarisierenden Umstand der Materie, als individuell, als charakterhaft
tituliert wird. Ein Produkt, welches nicht vermeintlich datentechnischer
Perfektion hinterher rennt, sondern das Menschen gefallen möchten, die zu einem
eigenen Geschmack stehen und diesen in ihrer Anlage umsetzen möchten. Wie mag
sich ein derartiges Produkt auszeichnen, wie mag es klingen, hat das ARABESQUE
LS Charakter?
Betrachten
wir zuerst die objektiven Fakten. Das Cable Brothers ARABESQUE LS verfügt über
einen Innenleiter aus OCC, einem mit lediglich 0,0004 Prozent Sauerstoff
versehenen, sehr reinem Kupfer. Das Produktionsverfahren wird als sehr aufwändig
beschrieben: Entgegen wohl üblicher Praxis wird das Kupfer zur Optimierung der
Struktur gegossen und nicht gezogen. Zur Isolation und Schirmung wird LDPE,
Polymerketten-Polyethylen, verwendet. Die im Übergang zu den massiven
Vollmetallsteckern befindlichen Lötstellen sind im Sinne einer mechanischen
Zugentlastung vergossen. Die Stecker, welchen einen sehr guten Sitz in den
Terminals bieten, sind vergoldet und massiv ausgeführt. Die Leiter selber sind
eingebettet in Vlies und Baumwolle. Der hierdurch resultierende hohe Querschnitt
ist ummantelt von einem robusten, weißen Nylon. Dieses gibt dem Kabel ein
ansprechendes, exklusives Design, welches allein dem einen oder anderen die üppige
Investition von 499,-€ für ein 3
Meter-Paar wert sein wird (Cable Brothers bieten auch die Längen 1 x 1,5 Meter
für Center und Mono-Endstufen für 149,--€
und 2 x 5 Meter für 699,--€). Das Auge isst bekanntlich auch mit –
und wenn bedenkt, dass es genügend Hersteller von ambitionierten
Lautsprecherkabeln gibt, die für diese Längen gerne mal 1500 Euro und mehr
aufrufen, relativiert sich der Preis ein wenig.

Objektiv
betrachtet handelt es sich bei dem Cable Brothers ARABESQUE LS um ein
Lautsprecherkabel von hoher mechanischer Güte, Robustheit, exzellenter
Verarbeitung und klasse Sitz in den Terminals. Es bleibt immer noch die Frage
nach den klanglichen Eigenschaften offen. Da es sich um ein diffiziles Thema,
eher im Bereich der Nuancen angesiedelt, handelt, entschließt sich der Autor
dieser Zeilen kurzerhand zwei Redaktionskollegen in ihrer Arbeit zu unterbrechen
und sie ohne jegliche Aufklärung einem Blindtest zu unterziehen. In Anbetracht
der sehr bescheidenen Erwartungshaltung verblüfft die Trefferquote der beiden
Kollegen und ihre anschließenden Schilderungen massiv: Ohne zu wissen was,
haben sie in jedem einzelnen Versuch das ARABESQUE LS herausgehört. Der
Umstand, dass jedem Anwesenden die Ketten und genutzten Medien gut bekannt sind
macht einen derartigen Blindtest mit Sicherheit einfacher – beeindruckend ist
es dennoch.
Dem
Cable Brothers ARABESQUE LS ist ein Charakter zuzusprechen, das können wir nun
festhalten und dem Konstrukteur bestätigen. Dieses Lautsprecherkabel wurde gemäß
seiner Aussage derart designet, dass der Bereich der Mitten hin zu den Höhen
hin an Strahlkraft, an Präsenz und Auflösung gewinnt, ohne den Bass schlaff
erscheinen zu lassen. Diesen Eindruck können wir uneingeschränkt bestätigen
– das ARABESQUE LS ist ein Kabel, dass nach unten hin sanft an Pegel verliert
ohne dabei schwammig zu werden. In Relation zu dem ungebremsten Hochtonbereich
wirkt der sehr straffe Bass lediglich etwas zurück genommen.

Dazu
befragt sagte Cable Brothers Chef Wolf Tauer: „Das ist genau, was wir gewollt
haben. Immer mehr Endverbraucher benutzen heute einen aktiven Subwoofer, mit dem
sie die untersten Frequenzlagen abdecken. Dadurch fehlt im Gesamt-Klangbild
oftmals die Frische und Strahlkraft – und dem wirken wir mit diesem Kabel
entgegen. Wir wissen natürlich genau, dass dieses Kabel polarisieren wird –
und das ist auch gut so.“

Unsere Neugier haben wir befriedigt und einen überraschenden Eindruck
gewonnen. Wem an der Optik seiner Verkabelung gelegen ist, kann
empfohlen werden einen Blick auf das ARABESQUE LS zu werfen. Es ist chic und
macht optisch viel her. Wer Kabel nicht als technisch absolut neutrale Leiter
ohne jeden Einfluss auf die Wiedergabekette, sondern als eine weitere
Stellschraube betrachtet, um den gewünschten Sound der Gesamtkette zu erzielen,
kann sich mit diesem Kabel näher befassen – es ist einfach „anders“.
Text: Thomas Hermsen
Datum: 05. August 2009
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