TEST: Quadral Platinum S 2-Wege-Regalbox
25. September 2007 (cr)

Einleitung
Für gute Regallautsprecher sind Musikliebhaber mit akuter Platznot durchaus
bereit, eine stattliche Summe an Geld auszugeben. Mit 510 EUR/Stück gehört
Quadrals Platinum S, eine 2-Wege-Bassreflex-Konstruktion, aber noch zu den eher
preisgünstigen Alternativen, die zu einem Spitzen-Schnäppchen wird, wenn man
den Straßenpreis von ca. 250 EUR pro Stück als Basis nimmt. Die mit einer
Nennbelastbarkeit von 70 und einer Musikbelastbarkeit von 120 Watt aufwartende
Box ist entweder in rotem oder schwarzem Lack erhältlich und ist mit 8,2 kg pro
Schallwandler relativ schwer. Mit Abmessungen von 360 x 205 x 289,5 mm (H x B x
T) kann sie allerdings problemlos Aufstellung auch im kleineren Hörraum
beziehen. Wir lassen uns nun überraschen: Wächst die Hannoveraner Regalbox
akustisch über sich hinaus?
Technik/Ausstattung

Die Platinum S ist ein 2-Wege-Bassreflex-Lautsprecher

25 mm Hochtonkalotte

170 mm ALTIMA Tieftöner

Bi-Wiring-Terminals
Die Platinum S präsentiert sich als konventionelle Konstruktion - aber dies
ist alles andere als ein Nachteil. Lieber solide und erprobte Technik als
komplettes Neuland - und der Kunde fungiert als Beta-Tester. Der Schallwandler
ist als 2-Wege-Bassreflexlautsprecher konzipiert und weist eine
Nennbelastbarkeit von 70 sowie eine Maximalbelastbarkeit von 120 Watt auf. Der
Wirkungsgrad (1 W @ 1 m) liegt bei 87 dB. Die Box ist für Verstärker mit einer
Impedanz von 4 bis 8 Ohm geeignet. Der Hochtöner ist eine 25 mm Kalotte, als
Tieftöner kommt ein 170 mm ALTIMA Chassis zum Einsatz. ALTIMA ist ein
ausgesprochen stabiler, resonanzfreier und klangneutraler Werkstoff. ALTIMA®
vereint die drei Leichtmetalle Aluminium, Titan und Magnesium miteinander - um
ein tadelloses Schwingungsverhalten zu erzielen. Die Hauptursache für den
unterschiedlichen Klang diverser Materialien liegt in der Tatsache, dass sich
Membranen beim Schwingen unkontrolliert verbiegen und dann nicht genau den
Vorgaben der Schwingspule folgen. Das Ausmaß dieser so genannten
"Partialschwingungen" determiniert großenteils den Eigenklang von
Membranen - den man eigentlich absolut gering halten möchte. Deshalb versuchen
die Lautsprecherhersteller, materialbedingte Eigenresonanzen möglichst effektiv
zu unterdrücken und auf verschiedene Frequenzen zu verteilen, um sie damit
bestmöglich zu kaschieren. ALTIMA® eröffnet dagegen ganz andere Möglichkeiten:
Zum einen lassen sich die Materialresonanzen damit aus dem jeweiligen
Einsatzbereich der Lautsprecher herausdrängen oder -schieben, und zum zweiten
wird es ermöglicht, die Resonanzen zu bündeln und dann per Netzwerk zu
eliminieren. Das scheint simpel, gelingt aber kaum mit anderen Materialien.
Insgesamt ist die Platinum S kein Technologie-Überflieger, sondern eine solide
Konstruktion mit hohem Nutzwert, wie später die Hörtests zeigen werden.
Gesamtnote in Relation zum Kaufpreis: Sehr gut.
Verarbeitung

Saubere Einpassungen bei den Chassis

Sauber gearbeitete Gehäuseecken

Hochwertige, verschraubte Plexiglasabdeckung über den
vergoldeten Bi-Wiring-Terminals
Die Verarbeitung der Platinum S ist für die Preisklasse
hervorragend. Die Lackierung weiß ebenso zu überzeugen wie die sehr gut
gearbeiteten Gehäusekanten. Die vergoldeten Bi-Amping-Terminals auf der
Gehäuserückseite überzeugen durch ihr Finish und sind sogar mit einer
Plexiglasabdeckung, die mit einer goldfarbenen Schraube gesichert ist, versehen.
Praktisch ist diese Abdeckung zwar nicht - zum Verkabeln muss sie abgeschraubt
werden - schön anzusehen sind solche Details jedoch allemal. Die
Lautsprecherchassis sind sorgfältig eingepasst. Die mitgelieferten
Stoff-Abdeckungen verbreiten ein etwas zu nostalgisches Flair, wir würden die
gut verarbeiteten Schutzutensilien lieber in die Ecke stellen. Gesamtnote
Verarbeitung in Anbetracht der Preisklasse: Ausgezeichnet - hervorragend.
Testequipment:
Klang
Für den schmalen Marktpreis offeriert die Platinum S hervorragende
akustische Eigenschaften. Bei den "James Bond Themes", gespielt vom
Royal Philharmonic Orchestra, kann sie mit mannigfaltigen Tugenden aufwarten.
Bei "Goldfinger" begeistert die überraschend sensible Einarbeitung
von Details, zugleich überrascht die Nachdrücklichkeit, mit der der kompakte
Lautsprecher aufwarten kann. Bei ""Live and let die" wird die
E-Gitarre zu Beginn mit sehr viel Esprit und Lebendigkeit herausgestellt, so
dass die gesamte Wiedergabecharakteristik als sehr mitreißend und emotional
empfunden wird. Immer sind die Platinum S gleich zur Stelle, gönnen sich nie
Bedenkzeit. Das wird auch bei "Golden Eye" deutlich , die
raumfüllende, dynamische Gesamt-Klangkulisse lässt den Hörer immer voller
Verblüffung nach deutlich größeren Schallwandlern im Hörraum suchen.
Das enorme Volumen, das die beiden 2-Wege-Boxen entfalten, wird auch bei den
beiden Titeln "Welcome to Paradise" und "Angel" auf der
L'amour toujours II-CD von Gigi d'Agostino deutlich: Der Bass beginnt auch bei
größerem Pegel nicht zu flattern, sondern wird ruhig und souverän übertragen
- beispielhaft für einen Lautsprecher dieser Preisklasse und mit diesem
Gehäusevolumen. Die Bassreflexkonstruktion scheint sehr durchdacht zu sein,
denn die Quadral-Box produziert kaum Strömungsgeräusche, auch dann nicht, wenn
die gespielten Stücke sehr basslastig sind. Doch nicht nur die voluminöse
Wiedergabe, auch der Tiefgang ist beachtlich. Natürlich sind einem
Schallwandler in diesem Gehäuseformat Grenzen bezüglich des maximalen
Tiefgangs gesetzt - wie hoch oder besser tief diese allerdings liegen können,
demonstriert die Platinum S eindrucksvoll. Bei "Wellfare" (L'amour
toujours II) sorgen Nachdruck und Lebendigkeit für einen bleibenden Eindruck
beim Auditorium. Beim Beginn von "Together in a Dream" (L'amour
toujours II) brilliert der Anfang des Stücks durch die hervorragende
Auflösung.
Was man allerdings erwähnen muss: Die Platinum S ist ein Lautsprecher, der
klar die Freude am Hören fokussiert. Der eher nüchterne, auf eine absolut
gleichmäßige Wiedergabe achtende Analytiker wird in dieser Konstruktion nicht
seine akustischen Träume verwirklicht sehen. Der Hannoveraner Schallwandler
bietet sehr klare, brillante Höhen, einen druckvollen Bass -
"erkauft" wird dieser von Nachdruck und Elan geprägte Gesamteindruck
aber durch etwas zurückgenommene Mitten. Was viele Hörer als sehr angenehm
empfinden - sind die Mitten sehr prägnant und akzentuiert herausgearbeitet,
wird der Sound gerade bei stark gehobener Lautstärke gern blechern (was bei
sehr hochwertigem Equipment natürlich nicht der Fall ist), dies wusste man
offensichtlich bei Quadral und hat die Platinum S mit leichter
"Badewannencharakteristik" erschaffen. Für den Autor dieser Zeilen
kein Verbrechen - im Gegenteil. Man kann problemlos und stundenlang laut mit der
Platinum S hören, aber ein Beispiel für Neutralität bezüglich der Auslegung
über den gesamten Frequenzbereich ist dieser Lautsprecher nicht.
Was er kann, beweist er erneut bei "The Power of Bhangra" von Snap:
Schnell, kraftvoll und fetzig geht die Platinum S die Aufgabe der akustischen
Darstellung an. Auch mit Kickbässen ist diese Box nicht überfordert, wie sich
bei der "Sunshine Live"-Compilation Volume 5 nachvollziehen lässt.
Die CD 2 ist sehr hart gemixt, mit treibenden, effektgeladenen Beats und
schnellen Kickbässen. Für die Platinum S ist es überhaupt keine
Schwierigkeit, die ganze CD in hoher Lautstärke wiederzugeben. Klar, schnell,
kräftig - so macht die Sunshine Live Techno-CD Freude. Auch "Your
Live" von "The Prodigy" macht viel Freude in Verbindung mit der
Platinum S, ihre Schnelligkeit und Spielfreude sind für diese Preisklasse als
erstklassig einzustufen. Wer lieber soliden 80er Jahre Rock-/Pop hört als die
Breakbeat-/Crossover-Ergüsse der britischen "Wilden" von "The
Prodigy", ist mit der Platinum S auch sehr gut bedient: Bei John Parrs
"St. Elom's Fire" kommt die Quadral-Box ohne Umschweife gleich zur
Sache und bedient die Zuhörerschaft mit viel Emotionalität und Ausdruckskraft
bei der Wiedergabe. Die erzielte Bühne ist sowohl bezüglich der Breite als
auch der Tiefe beachtlich.
Die Konkurrenz hat diesem Spaß-Talent schon etwas entgegen zu setzen - aber
mit anderen Schwerpunkten: Eine Canton
Ergo 602 agiert zurückhaltender, nicht so forsch wie die Quadral. Für
sensible Hörer ist diese Box sicher die bessere Wahl, zumal auch die Mitten von
der Ergo sehr treffsicher und wohl abgewogen umgesetzt werden. Der Hörer, der
auf viel Nachdruck, Kraft und pure Lebendigkeit Wert legt, ist hingegen mit der
Platinum S besser bedient. Die Nubert nuWave
35 agiert ebenfalls neutraler als die Platinum S, wirkt aber nüchterner als
die Quadral und auch als die Canton-Box. Die extreme Pegelfestigkeit spricht
aber ebenso für die Schwaben-Box wie das optional lieferbare ATM-Modul für
einen weiter nach unten reichenden Frequenzgang. Die Focal
Chorus 806V wäre, gäbe es einen Schönheitspreis für Regallautsprecher,
ein heißer Anwärter aufs Podest. Und auch klanglich begeistert der französische
Schallwandler mit viel Harmonie und Volumen im Sound. Die Platinum S agiert im
Vergleich allerdings noch dynamischer und kraftvoller, unmittelbarer.
Gesamtnote Klang in Relation zum Marktpreis: Hervorragend
Fazit

Universalgenie: Die Platinum S erwischt man nicht auf dem
"falschen Fuß"
Für einen Straßenpreis von 250 EUR pro Lautsprecher dürfte es schwierig
sein, einen Regallautsprecher ausfindig zu machen, der in der Summe seiner
Qualitäten die Platinum S schlägt. Besonders der erstaunlich vehemente,
nachdrückliche und raumfüllende Bassbereich begeistert. Die Souveränität,
die die Platinum S auch bei hohen Pegeln noch an den Tag legt, ist ebenfalls
beispielhaft. Uns ist kaum eine andere Regalbox mit vergleichbarer Größe
bekannt, die auch bei großer Lautstärke noch so dynamisch und homogen
darstellt. Eines muss aber gesagt werden: Die akustische Auslegung ist ein Fall
für Anwender, bei denen der Spaß am Hören an erster Stelle steht. Ein absolut
neutraler Analytiker ist die Platinum S nicht, dazu müsste der Umriss bei der
Mitteltonwiedergabe noch eine Idee prägnanter sein. Die Mitten sind sehr schön
eingearbeitet, und die Stimmdarstellung ist über jeden Zweifel erhaben - aber
durch die leichte Rücknahme gehen dem analytisch veranlagten Hörer
Informationen verloren. Ansonsten zeigt der Lautsprecher praktisch
ausschließlich Stärken: Der brillante Hochtonbereich ist eine weitere Tugend
der Hannoveraner Box. Mit Esprit und sehr guter Durchzeichnung nimmt sich der
kompakte Schallwandler allen Herausforderungen an. Sehr zu loben ist auch die
überragende Verarbeitung, die bis ins Detail Hochwertigkeit ausstrahlt.
Kraftvoll, fein auflösend, hervorragend verarbeitet: Die
Platinum S setzt zu einem Straßenpreis von 250 EUR pro Stück Maßstäbe

Stereo-Regallautsprecher Mittelklasse
Preis-/Leistungsverhältnis         
(Basis: Marktpreis)
Test 25. September 2007
+ Ausgesprochen spritzige und zugleich angenehme
Wiedergabecharakteristik
+ Glaubhafter Bühnenaufbau
+ Erstaunlich nachdrücklicher Bassbereich
+ Sehr gute Pegelfestigkeit
+ Gepflegte Verarbeitung
+ Enorm günstiger Marktpreis
- Sehr konservative Stoffabdeckungen
Test: Carsten Rampacher
Datum: 28. August 2007
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