TEST: Smartphone Nokia N93i - finnisches Multimedia-Ass ?
Zu den einzelnen Eindrücken
Verarbeitung
Der Klappmechanismus ist solide, obwohl man aufgrund der
einseitigen Aufhängung spontan eher skeptisch ist
Das Nokia N93i ist ein ausgesprochen kostspieliges Smartphone - aus diesem
Blickwinkel betrachtet, stellt der Anwender verständlicherweise nicht nur an
die Ausstattung, sondern auch an die Verarbeitung entsprechend hohe Ansprüche.
Diesen wird das finnische Smartphone zum Teil auch gerecht. Überragend und in
dieser Qualität sonst kaum zu finden präsentiert sich das glasklar
darstellende, scharfe und farbechte 16,7 Millionen Farben-Hauptdisplay. Hier
wird wirklich beste Qualität geboten. Punkten kann auch die hochwertige
Acryloberfläche, die sich als sehr kratzfest erwiesen hat.
Das Display mit 16,7 Millionen darstellbaren Farben ist
brillant
Das Material, aus dem der Akkufachdeckel gefertigt ist, weiß
hingegen weniger zu begeistern
Gute Passung aller Gehäuseteile
Formschön und praktisch zugleich ist der große, gut
zugängliche Aufnahmeknopf zum Starten einer Videoaufzeichnung oder einer
Fotografie
Das kleine, in ausgeschaltetem Zustand unsichtbare OLED-Display auf der
Frontseite gefällt ebenfalls sehr gut. Nicht unsere Zustimmung findet das
billig anmutende Hartplastik der dünnen und leicht labil wirkenden
Akkuabdeckung der Handyunterseite. Hier wäre eine hochwertigere
Materialauswahl, wie z.B. eine gummierte Oberfläche wie beim Sony Ericsson Walkman-Handy W880
angebracht. Die Passungen sind alle als sehr gut zu bezeichnen, auch die
Abdeckklappen, die das USD-/Ladegerät-Kombianschluss unter sich beherbergen,
sind ordentlich eingepasst. Der Klappmechanismus ist solide, am Ende der
Testreihen "überlebte" das N93i sogar eine Sturz, als der Druckknopf
einer speziell für dieses Handy vorgesehenen Gürteltasche in den Streik trat
und das Handy so freien Zugang zum asphaltierten Boden fand. Bis auf leichte
Kratzer konnte man keine Schäden, weder aus technischer Sicht noch am Gehäuse,
feststellen. Dies ist erstaunlich, bei einem unfreiwilligen
"Sturzflug" eines so schweren Handys hätten wir massivere Schäden
erwartet.
Der Anschlussstecker fürs Daten- und Ladekabel befindet sich
hinter einer gut schließenden Plastikabdeckung
Die Tastatur schließt bündig mit der restlichen
Gehäuseoberfläche ab und vermittelt einen noblen und stilsicheren Eindruck
Die silbernen Gehäuseelemente bestehen aus Kunststoff - das muss bei einem
Handy dieser Preisliga wahrhaftig nicht sein. Aluminium wäre hier als Werkstoff
die eindeutig noblere und standesgemäßer wirkende Alternative. Die Tastatur
sieht gut aus und ist ordentlich verarbeitet, dass sie nicht sonderlich
praktisch im täglichen Handling ist, liegt daran, dass hier die Funktion wohl
der Form folgt. Das mitgelieferte Zubehör ist von ordentlicher Qualität. In
Schwarz gehaltene und mit einem relativ dezenten Muster versehene Tasche für
die Unterbringung des N93i ist prima verarbeitet, wenngleich ihr Nutzen eher in
den Sternen steht. Fürs elegante Damenhandtäschchen ist das N93i sowieso zu
groß, hinzu kommt, dass es relativ unpraktikabel ist, wenn man bei einem
wichtigen ankommenden Gespräch das Handy erst aus seiner
"Stoff-Garage" fummeln muss. Und kaum ein männlicher Anwender wird
das Nokia schon aus Gründen eines stilsicheren Auftretens zusammen mit der
mitgelieferten Unterbringungsmöglichkeit in die Sakkoinnentasche integrieren.
Viel besser wäre eine schmucke Gürteltasche, die allerdings nur optional
erhältlich ist. Das kabelgebundene Headset geht aus qualitativer Sicht in
Ordnung und offeriert darüber hinaus auch eine gute Sprach- und
Musikqualität.
Die Ersteinrichtung
Im Auslieferungszustand war unser Nokia N93i nahezu unbrauchbar - mehrmals am
Tag schaltete sich das Gerät, ganz gleich, in welchem Betriebszustand es sich
befand, einfach ab. Ein unhaltbarer Zustand - natürlich ist es gut, wenn immer
wieder neue Firmware mit besserer Betriebssicherheit und erweitertem
Funktionsumfang mittels Internet-Download aufs Handy installiert werden kann,
die bei Auslieferung aufgespielte Version sollte aber zumindest eine brauchbare
Betriebssicherheit aufweisen. Und automatisch davon auszugehen, dass
N93i-Käufer sowieso technisch versiert sind und daher als erstes überprüfen,
ob im Internet eine aktuellere Firmwareversion zur Verfügung steht, ist auch
alles andere als ein überzeugender Kundenservice.
Dass diese Erfahrungen kein Einzelfall sind, bestätigt das von uns ebenfalls
unter die Lupe genommene N93 (Vorgängermodell): Auch hier war die
Betriebsstabilität unzumutbar schlecht. Da hilft es nur, sich den Nokia
Firmware-Updater auf dem PC zu installieren, nach der neuesten Firmware zu
suchen und diese anschließend aufs Handy zu übertragen. Ganz wichtig:
Datensicherung (auf SD-Karte oder, wer mittels Outlook synchronisiert, auf dem
PC) nicht vergessen - ansonsten ist alles nach der Firmware-Aktualisierung weg.
Die Aktualisierung selber verläuft reibungslos. Nachdem wir die neueste
verfügbare Firmware-Version installiert hatten, wurde auch die
Betriebsstabilität merklich erhöht. Einige Male verabschiedete sich das N93i
trotzdem noch - hier sei ein Vergleich erlaubt: Das mit mindestens ebenso viel
Hightech ausgerüstete HTC Advantage 7500 leistete
sich im Testbetrieb gerade mal einen Absturz! Von dieser Zuverlässigkeit ist
das N93i auch nach dem Update der Firmware leider noch ein Stück
entfernt.
Ins Mitteilungs-Menü ist auch der E-Mail-Client integriert
Fernab dieser Problematik gestaltet sich die Ersteinrichtung sehr einfach.
Der E-Mail-Client ist schnell konfiguriert und bietet alle relevanten
Einstellmöglichkeiten. So ist ein getrenntes Kennwort und ein getrennter
Benutzername für Postein- und Postausgang verfügbar, und man kann sich auch
gleich eine eigene Signatur erstellen. Nach der etwas langwierigen Installation
der Nokia PC-Suite klappt die Synchronisation mit MS Outlook vorzüglich - das
N93i speichert nahezu alle Outlook-Datensätze und nicht nur Basisdaten wie etwa
Mobilfunk- und Festnetznummer des betreffenden Kontaktes. Als nicht sonderlich
benutzerfreundlich empfinden wir nach wie vor, dass Nokia, Sony Ericsson,
Samsung etc. immer noch einen speziellen Systemanschluss verwenden - wenn das
Datenkabel verschwindet, muss somit teurer Ersatz geordert werden. Viel
einfacher wäre es, die Handys gleich mit einer Mini USB-Buchse auszustatten, so
dass ein handelsübliches USB-Kabel für den Ladevorgang und den Datenverkehr
zum Einsatz käme.
Sehr schnell liest das N93i eine Kingston 2 GB-Speicherkarte ein - sehr gut.
Auch das übersichtliche Dateimanagement ist schön und leicht zu durchschauen.
Einfach lässt sich das Smartphone in WLAN-Netze integrieren, nur die geringe
Sende- und Empfangsleistung des eingebauten WLAN-Moduls ist recht gering.
Nutzen der Office-Funktionen
Die Office-Programme des N93i umfassen auch einen Reader für
Word-Dokumente
Gute Lesbarkeit bei der Darstellung der Word-Dokumente
Auch ungewöhnliche Ausstattungsmerkmale wie einen
Barcode-Scanner bringt das Nokia-Handy mit
Als Office-Handy taugt das N93i nur bedingt - es ist aber auch nicht in
erster Linie für den Business-Einsatz vorgesehen. Als Hemmschuh erweist sich
schon die Tatsache, dass keine komplette Tastatur integriert ist. Damit
entfällt schon einmal das Schreiben längerer Texte. An Software wird der Adobe
Acrobat Reader und eine Lesemöglichkeit für Word-Excel- und
Powerpoint-Dokumente (Quick Office) mitgeliefert. Die Darstellung des Quick Word
Readers ist sehr gut gelungen, trotz des kleinen Bildschirms können Dokumente
tadellos gelesen werden. Um große Dateien für den E-Mail-Versand zu
verkleinern, ist ein Datei-Zip-Programm ebenfalls mit an Bord. Ein
Taschenrechner und ein sehr umfangreich ausgestatteter Umrechner erweitern das
Angebot. Der Umrechner beherrscht das Umrechnen von Währungen, Flächenmaßen,
Energieeinheiten, Längeneinheiten, Masseneinheiten, Leistungs- und
Druckeinheiten sowie von Uhrzeit und Temperatur. Dieses Tool ist ausgesprochen
praktisch und hilfreich. Eingebaut ins N93i ist des Weiteren ein Barcodescanner,
mit dessen Hilfe sich verborgene Informationen z.B. in Barcodes in Zeitschriften
entschlüsseln und speichern lassen. Der praktische Nutzen dieser Einrichtung
ist aber als eher gering einzustufen.
Telefonieren mit dem N93i und Akkulaufzeit
Das Telefonieren mit dem N93i geht ausgesprochen einfach und komfortabel
vonstatten. Die Empfangseigenschaften sind überzeugend, zudem punktet die
Bluetooth-Stabilität: Mit der ab Werk verbauten Bluetooth-Freisprecheinrichtung unseres BMW 335i Coupé kommunizierte das
Handy problemlos, auch bei einem ca. 1-stündigen Telefonat gab es nicht einen
Absturz. Unsere Erfahrungen mit einem MDA Vario 2 (T-Mobile gebrandetes Gerät
aus dem Hause HTC) waren da deutlich unerfreulicher, immer wieder kam es zu
Problemen während längerer Gespräche. Mangelhaft ist allerdings, dass das
N93i bei eingeschaltetem Bluetooth übermäßig viel Strom aus dem sowieso nicht
eben üppig dimensionierten Akku saugt: Eine Stunde telefonieren, dazu über 2,5
Stunden Bluetooth aktiv - und der Akku war nahezu leer. Sowieso sind die 3,3
Stunden, die Nokia in UMTS-Netzen als maximale Sprechzeit angibt, graue Theorie:
Nach gut 1,5 Stunden Dauertelefonat war der Akku regelmäßig am Ende. Selbst
dann, wenn man nur wenig telefoniert, einige Male am Tag Mails abruft und ein
paar SMS versendet, kann nach zwei Tagen erneut geladen werden.
Kommen wir zurück zum Telefonieren mit dem N93i. Die Sprachqualität ist
gerade noch befriedigend - ein bei zwei unterschiedlichen Geräten
festgestelltes, hochfrequentes leises Pfeifen legt sich über das Gespräch, was
weniger gut gefällt. Unsere Gesprächspartner zeigten sich von den
Sendeeigenschaften des N93i durchweg beeindruckt, die Stimme des N93i-Anwenders
wurde als natürlich klingend und sehr klar verständlich gelobt. Die ins Handy
integrierte Freisprecheinrichtung bietet eine durchschnittliche Qualität, bei
höherer Lautstärke wird der Klang etwas blechern und durch kräftige
Verzerrungen unharmonisch.
Sehr gut ist die Auswahl an Profilen: Allgemein, Lautlos, Besprechung,
Draußen, Pager und Offline (wichtig z.B. im Flugzeug) werden geboten. Jedes
Profil kann nach eigenen Vorstellungen bearbeitet werden (Klingelton,
Videoanrufsignal, Anrufernamen ansagen, Ruftonart, Ruftonlautstärke,
Kurzmitteilungssignal, E-Mail-Signal, Vibrationsalarm, Lautstärke der
Tastentöne, Warntöne). Die werksseitig mitgegebenen Klingeltöne können unter
musikalischen Aspekten nur als sehr dürftig bezeichnet werden. Zu stark
vertreten sind vor allem simple Varianten aus der Handy-Steinzeit. Da nutzt auch
die prinzipielle 64-stimmige polyphone Wiedergabe nichts.
Die Bedienung
Jede Menge Menüpunkte im Hauptmenü erschweren die
Übersichtlichkeit bei der Bedienung
Das Handling der Menüs des N93i hinkt der Übersichtlichkeit, welche
Nokia-Modelle früher auszeichnete, leider deutlich hinterher. So sind im
Hauptmenü viel zu viele unterschiedliche Menüpunkte aufgeführt - dies allein
wäre noch nicht so schlimm, aber in den dazugehörigen Submenüs geht es
weiter, und nicht immer ist die Zuordnung eines Submenüs zur darüber liegenden
Menüebene logisch nachvollziehbar. Warum z.B. der Kalender nicht ins "Office"-Menü
integriert wurde, können wir nicht nachvollziehen. Was trotz aller Vielfalt
fehlt, ist ein schnell zugänglicher Dateimanager. Gut sind die beiden
konfigurierbaren Schnellzugriffstasten, die direkt vom Startbildschirm aus einen
Start der jeweiligen Anwendung ermöglichen.
Griffgünstig untergebrachte Navigationseinheit
Die Navigationseinheit ist griffgünstig untergebracht und reagiert meistens
relativ schnell. Durch den Dreh- und Schwenkmechanismus des N93i ist es ein
ebenso einfaches wie komfortables Unterfangen, Fotos zu schießen oder eine
Videoaufnahme anzufertigen. Das Smartphone liegt sehr gut in der Hand und
ermöglicht gleichzeitig einen schnellen Zugriff auf alle betriebsrelevanten
Funktionen - an der Geräteseite ist nochmals eine Navigationseinheit
eingelassen. Punktabzug gibt es für den verzögerten Bildschirmaufbau, nachdem
das Handy-Hauptdisplay von einer Position in die andere gedreht wurde.
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