TEST: Harman Kardon AVR-247 - die Video-Überraschung
04.10.2007 (th/cr)

Einführung
Für 699 EUR bietet Harman Kardon seit kurzem den AVR-247 an - und neu für
HK-AV-Receiver ist, dass das Siebenkanal-Modell nun auch mit einer umfangreich
ausgestatteten Videosektion an den Start geht: Das Gerät kann sogar bis auf
720p skalieren (digitale und analoge Eingangssignale), das heißt, es sind ein
De-Interlacer und ein Scaler mit an Bord. Signale bis 720p können nicht nur
über HDMI, sondern auch über Komponente (analog) ausgegeben werden.

Elegantes, Harman Kardon-typisches Design
Zusammen mit dem Video-EQ für die wichtigsten Grundparameter und dem neu
entwickelten OSD hat Harman Kardon hier ein sehr interessantes Package mit zwei
HDMI-Eingängen und einem HDMI-Ausgang geschnürt. Kritikpunkt am Rande ist
allerdings, dass HDMI 1.2a (nicht, wie in der Einführung der
Bedienungsanleitung erwähnt, HDMI 1.1) Terminals und keine aktuellen
1.3a-Interfaces verbaut sind. Natürlich kommt auch die Audiosektion nicht zu
kurz. HKs automatisches Einmesssystem EzSet ist ebenso vorhanden wie die
Harman-typischen hochstromfähigen Endstufen (+/- 35 A). Mit 7 x 65 Watt Sinus
(8 Ohm, 20 Hz bis 20 kHz, 0,07 % Klirr) im Stereobetrieb und 7 x 50 Watt Sinus
(8 Ohm, 20 Hz bis 20 kHz, 0,07 % Klirr) fallen die Leistungsangaben glaubwürdig
aus - ob auch tatsächlich genug Watt zur Verfügung stehen, um im Testraum für
Furore zu sorgen, klärt sich später in der Klangwertung. Wichtig ist noch,
dass der HK über Harmans Eigenentwicklung Logic 7 als dritten
Surroundaufpolierer verfügt. Decoder für DTS-HD Master Audio und für Dolby
TrueHD sind nicht mit an Bord. Wir haben nun überprüft, was der AVR-247 als
Audio- und Videoschaltzentrale leistet.
Verarbeitung
Die Verarbeitung des AVR-247 ist bilanzierend ordentlich. Der AV-Receiver
punktet mit hinlänglich bekannten Harman Kardon-Tugenden: Das elegante,
zweifarbige Design kann hier ebenso aufgeführt werden wie das gut auflösende,
zweizeilige Punktmatrixdisplay. Der blau beleuchtete Lautstärkedrehregler sieht
gut aus, ist aber nicht sonderlich griffig. Auch die Haptik ist nur als
durchschnittlich zu bezeichnen. Sehr gut, bis auf minimale Differenzen an der
Geräteoberseite, ist die Passqualität der Frontplatte. Auch die Bedienelemente
sind gut eingefügt. Der Front AV-Eingang ist, damit die optische Linie des
AVR-247 nicht gestört wird, von einer akkurat sitzenden Klappe abgedeckt. Die
Gerätestandfüße hinterlassen einen tadellosen Eindruck, das Gleiche gilt für
die Verarbeitung der Geräterückseite. Die mitgelieferte Fernbedienung ist
bereits seit einigen Generationen her bekannt und ist voll befriedigend
verarbeitet. Einen hochwertigen und eleganten Eindruck hinterlässt das
mitgelieferte Einmessmikrofon.

Gut auflösendes, zweizeiliges Punktmatrixdisplay, elegant
beleuchteter, aber nicht wirklich griffiger Lautstärke-Drehregler - hier folgt
die Funktion der Form

Ordentliche Materialqualität

Design wie aus einem Guss

An der Gehäuseoberseite wirken die Passungen nicht optimal

Einfache, aber ordentliche Verarbeitung an der
Geräterückseite

Tadellos eingepasste Bedienelemente, Abdeckung über dem Front
AV-Eingang

Schon seit Generationen bekannte, voll befriedigend
verarbeitete programmierbare Fernbedienung

Elegant und hochwertig: Das mitgelieferte Einmessmikrofon

Recht fest sitzende Buchsen, extra verschraubte HDMI-Terminals
- die Geräterückseite bietet wenig Kritikpunkte

Preisklassengemäße Lautsprecherkabel-Schraubterminals,
farblich codiert
Das Geräteinnenleben zeigt deutlich, dass auch AV-Receiver
günstigerer Preisklassen mittlerweile gut gefüllt sind mit unterschiedlichen
Baugruppen. Dies liegt darin begründet, dass die AV-Maschinen mehr und mehr
nicht nur zu einer Audio-, sondern auch zu einer Videoschaltzentrale werden. Im
Detail zeigt sich beim 247 noch Verbesserungspotential. Der Kühlkörper besteht
aus Blech und nicht aus Aluminium. Zudem wäre eine komplett passive Kühlung
besser als eine, die sich aus einem Kühlkörper (passiv) und einem Lüfter
(aktiv) zusammensetzt - der Lüfter springt recht bald an. Er läuft zwar recht
leise, empfindsame Naturen könnten sich aber, wenn sie in unmittelbarer Nähe
zum AV-Receiver sitzen, dadurch etwas gestört fühlen. Die Verkabelung ist
befriedigend gelöst, teilweise kommen Flachbandkabel zum Einsatz. Der
Transformator wirkt recht groß dimensioniert, wie es mit der praktischen
Stromlieferfähigkeit aussieht, wird sich später in den Klangtestreihen
zeigen.

Der AVR-247 von Innen. Harman hätte dem Gerät durchaus einen
Kühlkörper aus Aluminium anstatt aus Blech spendieren können. Alu leitet
Hitze noch besser ab, zudem wirkt ein gegossener Heat Sink aus Aluminium
hochwertiger als die hier eingesetzte Blechkonstruktion

Als aktives Kühlelement setzt Harman einen Lüfter ein, den
man (leider) auch manchmal hört

Blick von schräg oben auf den Ventilator, rechts im Bild ist
der groß dimensionierte Trafo zu erkennen

Das Platinenlayout im Detail

Blick auf die Endstufen

Sicht auf die Videoplatine

Selbst in 700 EUR AV-Receivern herrscht heute schon drangvolle
Enge - Tribut an die umfangreiche Audio- und Videosignalverarbeitung
Gesamtnote Verarbeitung in Relation zur Preisklasse: Gut - sehr gut.
Technik/Features/Anschlüsse
Der AVR-247 kommt mit einer Siebenkanal-Endstufe, die im Surroundbetrieb
(Sinusleistung an 8 Ohm, 0,07 % Klirr, 20 Hz bis 20 kHz) 50 Watt pro Kanal
mobilisiert. Das klingt nicht eben nach überbordenden Leistungsreserven, aber
wenn man sich die Bedingungen anschaut, unter denen Harman Kardon die Leistung
angibt, relativiert dies den Eindruck. Denn andere Hersteller messen gern nach
praxisfernen Vorgaben (z.B. bei einer festen Frequenz von 1 kHz und nicht über
das gesamte Spektrum eines DD/DTS Vollfrequenzkanals von 20 Hz bis 20 kHz, oft
wird auch nur immer 1 Kanal ausgesteuert). In der Praxis heißt dies, dass bei
Kontrahenten, die mit Leistungen von 100 Watt und mehr pro Kanal nach den
technischen Daten auftrumpfen, unter identischen Messbedingungen wie beim
AVR-247 keinesfalls mehr, sondern garantiert oft weniger Leistung tatsächlich
zur Verfügung steht. Wir bemerken in allen Testreihen immer wieder, wie
pegelfest und leistungsfähig gerade Harman Kardon-AV-Receiver sind. Dies
beweist auch die Hochstromfähigkeit von +/- 35 Ampere im Falle des
AVR-247.
Decoding-technisch repräsentiert der AVR-247 nicht mehr den neuesten Stand.
Es fehlen Decoder für DTS-HD Master Audio/High Resolution sowie für Dolby
TrueHD/Digital Plus. Harman belässt es bei den herkömmlichen Decodern für DTS/Dolby
Digital in allen relevanten Spezifikationen (5.1- und 7.1-Decoding). Als dritten
Surroundaufpolierer neben den Standardversionen DTS Neo:6 und Dolby Pro Logic
IIx verbaut Harman die Eigenentwicklung Logic 7, dieses Programm verfügt ebenso
wie die Pendants von DTS und Dolby über ein Kino- und ein Musikprogramm.
Zusätzlich verbaut ist Dolby Virtual Speaker für ein angedeutetes
Surround-Hörvergnügen mit nur 2 Lautsprechern. Dolby Headphone ist ebenfalls
mit Bord und ermöglicht mittels normaler Stereokopfhörer Surround-Soundfeeling.
Sehr umfangreich ist die Video-Ausstattung des AVR-247, neben einem
De-Interlacer ist auch ein Scaler (für Skalierung von 576i/p-Signalen auf 720p)
eingebaut. Mehr dazu lesen Sie später in unserer ausführlichen Praxisbewertung
der Videosektion.

Gut bestückt: Drei Komponenteneingänge, vier S-Video-/FBAS-Eingänge,
zwei S-Video/FBAS-Ausgänge, sechs Stereo-Cinch-Eingänge, zwei
Cinch-Stereo-Ausgänge, Achtkanal-Eingang

Tadellos: Zwei Komponentenausgänge, optischer und koaxialer
Digitalausgang, vier Digitaleingänge hinten. Zwei HDMI-Eingänge und ein
HDMI-Ausgang entsprechen dem Standard der Preisklasse. Auch vorhanden ist eine
RS232 Schnittstelle

Achtkanal-Vorverstärkerausgang

Sehr gut: Front AV-Eingang mit koaxialem und optischem
Digitaleingang. Das bietet kaum ein Konkurrent
Die Videoanschlüsse umfassen von den heutzutage relevanten Anschlussformen drei
Komponenteneingänge und zwei HDMI-Eingänge. Letztere entsprechen allerdings
nicht dem in der Einführung zur Bedienungsanleitung erwähnten Standard 1.1
(was auch arg altertümlich wäre), sondern dem ebenfalls nicht mehr taufrischen
Standard 1.2a. Des Weiteren sind ein HDMI 1.2a-Ausgang und ein
Komponentenausgang vorhanden. Für iPod-Freude gibt es einen speziellen
Anschluss, an dem die Harman Kardon-Dockingstation "The Bridge" Platz
findet (optional erhältlich). Dann kann die Steuerung des Apple-Players über
die Fernbedienung des HK AV-Receivers erfolgen.
Das automatische Lautsprechereinmesssystem hört bei Harman Kardon auf den
Namen EzSet/EQ. Dies deutet darauf hin, dass neben der Anpassung der
Basisparameter (Lautsprechergröße, Abstand der Lautsprecher vom Hörplatz,
Pegelangleich) auch ein Equalzing, d.h. eine Frequenzganganpassung, vorgenommen
wird. Leider misst das Harman-System nur an einer Hörposition ein, was den
Sweet Spot klein hält. Hören mehrere Personen, so muss man immer einen
Kompromiss eingehen - sinniger wäre es, wenn der AVR-247 z.B. an drei oder vier
Hörpositionen einmessen würde. Alternativ kann selbstverständlich das
manuelle Lautsprechersetup verwendet werden. Sehr erfreulich ist, dass Harman
Kardon getrennte Einstellmöglichkeiten hinsichtlich der Übernahmefrequenz für
Front L/R, Center, Surround und Surround Back offeriert. Natürlich kann die
Basssignalausgabe wahlweise nur über den aktiven Subwoofer oder aber über die
Frontlautsprecher (wenn diese als "large" eingetragen sind) und den
aktiven Subwoofer erfolgen. Ist kein aktiver Subwoofer angeschlossen, wird der
Bass ausschließlich über Front L/R ausgegeben (dies macht nur dann Sinn, wenn
die Frontlautsprecher entsprechend groß dimensioniert sind und mit Frequenzen
unterhalb der 80 Hz umgehen können). Natürlich ist - damit Audio- und
Videosignal zeitgleich eintreffen - auch eine Lip-Sync-Funktion im AVR-247
integriert.
Der HK AVR-247 ist mit einer Upsampling-Funktion ausgestattet, die eingehende
akustische 48 kHz-Signale intern auf die doppelte Samplingfrequenz von 96 kHz
umrechnet (nur anwählbar in den Betriebsarten Dolby Pro Logic II Music/Movie,
Dolby Pro Logic, Dolby 3 Stereo). Gesamtnote
Technik/Anschlüsse/Ausstattung in Relation zur Preisklasse: Ausgezeichnet.
Bedienung
Nette optische Anmutung der OSDs
Übersichtliches Eingangs-Setup
Einfach und übersichtlich gestaltet sich die Umbenennung der
Eingänge
Nicht mehr taufrisch: Die mitgelieferte Fernbedienung
Sehr gut haben uns die neu entwickelten, übersichtlichen On
Screen Menüs gefallen, die informativ, aber trotzdem nicht zu umfangreich sind.
Weniger überzeugte uns die vom Handling her veraltete Fernbedienung. Was
früher gut war, entspricht mittlerweile nicht mehr dem Stand der Technik - und
HK verwendet das beigelegte Teil bereits seit Generationen von AV-Receivern.
Zudem war beim diesmal untersuchten Exemplar der Tastendruckpunkt nicht optimal.
Weitere Punktabzüge bringt der nicht perfekt in der Hand liegende
Lautstärke-Drehregler. Am AVR-247 selber befinden sich nicht zu viele
Bedienelemente, was der Übersichtlichkeit zuträglich ist. Das
Punktmatrixdisplay gibt sich informativ und ist sehr gut ablesbar. Gesamtnote
Bedienung: Gut.
Test-Setup
Klang
Klanglich geht der AVR-247 einen komplett eigenen Weg und setzt
spezielle Schwerpunkte, die sich, unabhängig ob Musik- oder Filmmaterial
gehört wird, generell ausfindig machen lassen. Fokussiert bei der Auslegung des
AVR-247 wird der Käufer, der größten Wert auf eine hohe klangliche Harmonie
legt. Der Harman Kardon stört nie - wir haben die Probe aufs Exempel gemacht:
Erst "Fantastic Four" (Blu-ray), anschließend "Casino Royale"
(Blu-ray), darauf "Shrek II (DVD) und dann "Apollo 13" (HD DVD) sowie
"King Kong" (HD DVD). Der AVR-247 bestach durch eine gleichmäßige,
raumfüllende und kräftige Wiedergabe - unabhängig vom verwendeten
Lautsprechersystem, dies ist sehr erstaunlich, waren diese Merkmale immer
herauszuhören. Dies beweist, wie schwer ist es, echte
"Charakterköpfe" zu verbiegen, und es zeigt, dass es nicht immer die
Lautsprecher sind, die die gesamte Akustik massiv beeinflussen. Es zeigt aber
auch, dass der AVR-247 sich nicht als hochpräzises Analysetool für akustische
Neutralitätsapostel eignet. Eine filigrane, feindynamisch penible
Wiedergabecharakteristik ist nicht sein Ding.
Natürlich, einen hohen Reifegrad bezüglich derartiger
Fähigkeiten kann man bei einem 700 EUR AV-Receiver ohnehin nicht erwarten. Aber
z.B. der Onkyo TX-SR605 oder auch der Denon
AVR-2307 durchzeichnen brillanter. Dafür können die beiden genannten
Konkurrenten dem kraftvollen HK beim Thema Pegelfestigkeit nicht das Wasser
reichen: Hören Sie sich z.B. die Verfolgungsjagd-Szene auf Madagaskar in
"Casino Royale" an, das Pod Race in Star Wars Episode 1 oder die
Lebensäußerungen von "King Kong", und das in hoher Lautstärke:
Obwohl Denon und Onkyo alles andere als schwach auf der Brust sind, erzielen sie
nicht diese Souveränität, diesen Druck bei hohem Pegel. Stimmen - sehr wichtig
z.B. bei den vielen Dialogen in "Apollo 13" - gibt der HK voluminös wieder, was sehr gut gefällt, aber nicht 100 % natürlich wirkt. Wer
Heimkino als hochpenible Messstrecke für akustischen Realitätssinn ansieht,
wird enttäuscht sein, wer hingegen in sein Heimkino geht, um etwas
Unvergessliches, Emotionales und Nachdrückliches zu erleben, liegt beim 247
goldrichtig. Am besten ist es im Übrigen, das Gerät sorgfältig manuell
einzustellen und nicht EzSet zu verwenden. Der Klang erscheint dann besser
gestaffelt und detaillierter.
Gerade bei Blockbustern kann sich der AVR-247 mit seiner zwar
nicht extrem schnellen, dafür aber enorm druckvollen Effektwiedergabe in Szene
setzen. Schon bei einem 5.1-Setup schafft er eine sehr üppige
Surround-Klangkulisse, um bei einem 7.1-Setup richtig zuzuschlagen: Mit viel
Volumen und Kraft erfährt der Zuhörer, was neben ihm und hinter seinem Rücken
gerade passiert. Dabei treten praktisch keine akustischen Lücken auf - überall
macht sich "Sound satt" breit (sehr gut beim Pod Race in Ep. 1, bei
der Jagd Boden-Luft-Rakete - Kampfjet zu Beginn von "Im Fadenkreuz",
im Verlauf der "Bourne Verschwörung" oder bei der Verfolgungsjagd
zwischen dem Porsche 911 Cabrio und dem Audi TT Roadster in MI 2
nachvollziehbar). Es lohnt sich, beim HK in ein bezüglich der Leistungswerte
(nicht unbedingt der Abmessungen) groß dimensioniertes Lautsprecherset zu
investieren. Wir haben mit zwei Systemen sehr gute Erfahrungen gemacht: Mit dem
sehr preiswerten Teufel System 6 lässt sich
eine vorzügliche Homogenität bei der Mehrkanalwiedergabe verwirklichen.
Besonders bei der Darstellung von Filmton wird eine in sich
geschlossene, sehr gut ausbalancierte Front- und Surroundklangkulisse geboten.
Die sehr zackig agierenden Teufel-Boxen nehmen dem AVR-247 zudem etwas von
seiner Trägheit gerade bei der Darstellung feinerer tonaler Gefüge. Der hoch
belastbare Aktivsubwoofer des Systems 6 rundet das Ganze ausgezeichnet ab. Wer
deutlich mehr Geld investieren und die Endstufen des HK richtig fordern möchte,
kann sich das Quadral Platinum Ultra 5.1 Surround-Set
zulegen. Die nun im Vergleich zu früheren Generationen etwas härter
aufgehängten Membranen des Platinum-Ensembles setzen alle Impulse des HK sehr
rasch um, somit wirkt, ebenso wie beim System 6,
das Gebotene nicht zu langsam. Wenn man sehr ruhig und harmonisch agierende
Boxen mit dem 247 kombiniert, wirkt der Klangeindruck zu träge und
lethargisch, gefragt sind also Schallwander, die sich mit einer gehörigen
Portion Dynamik ins Zeug legen, zugleich aber nicht zu hart und aggressiv
ausgelegt sind. Gerade mehrkanalige Musik-DVDs wie "Jarré in China"
oder die "Pastorale" von Ludwig van Beethoven ertönen in Verbindung
mit dem Platinum Ultra-Set sehr
gefällig und klar. Der ganze Raum wird von einem harmonischen Klangteppich
durchzogen, der aber, hier kommt der Grundcharakter des 247 wieder deutlich
durch, Gefälligkeit vor extreme Detailtreue und Brillanz setzt. Diese Auslegung
merkt man auch, wenn das Harman-eigene Logic 7 als Surround-Aufpolierer
aktiviert wird. Dieses System hat uns sowohl bei der Wiedergabe von Filmton als
auch bei der Wiedergabe von Musik überzeugt. Ältere Film-Tonspuren hören sich
erstaunlich kräftig und räumlich an, und auch aus musikalischer Sicht ist das
ausgeglichen klingende, räumlich akkurat und ohne störende Halleffekte
arbeitende Logic 7 sehr empfehlenswert. DTS:Neo 6 und Dolby Pro Logic IIx
klingen im direkten Vergleich weniger ausgewogen, auch die Front-/Surroundbalance
erscheint nicht ganz so stimmig.
Im Stereobetrieb punktet der AVR-247 mit typischen Tugenden, die
wir auch aus anderen Betriebsarten von ihm kennen: Kräftig und homogen geht er
ans Werk. Allerdings wirkt er nicht enorm spontan, sondern agiert mit leichtem
Zeitversatz, dann aber mit ordentlichem Druck. Er schafft eine sehr weite
Bühne, die es aber etwas an Tiefe missen lässt - da Gebotene könnte in noch
vielschichtigerem Gewand daherkommen. Stimmen platziert der AVR-247 ordentlich
im Raum, nur das letzte Bisschen an Ausmodellierung bei den stimmtypischen
Merkmalen fehlt. Mit seiner hohen Leistungsfähigkeit kann der HK auch 1.000
EUR-Standboxen (UVP) wie die Canton Karat
709DC problemlos versorgen.
Gesamtnote Klang im Verhältnis zur Preisklasse: Sehr gut -
ausgezeichnet.
Videosektion
Video-EQ des AVR-247 mit verschiedenen Presets
Auch wenn der Harman Kardon AVR-247 nicht in der Lage ist die neuen Tonformate zu decodieren, verfügt seine Videosektion über eine in Anbetracht der Preisklasse interessante
Ausstattung. Neben den an Bedeutung verlierenden FBAS- und S-Video-Eingängen
befinden sich auf der Rückseite des A/V-Receivers drei Komponenten- und zwei HDMI-Eingänge. Zur Weiterreichung der Videosignale steht je ein Ausgang pro Signalformat bereit. Die Anzahl der Anschlüsse liegt auf durchschnittlichem Klassenniveau – was man von der eingebauten Videoelektronik nicht sagen kann, denn diese stellt das Highlight des AVR-247 dar.
Klassenüblich ist eine analoge Signalkonvertierung und in gut ausgerüsteten Geräten eine Wandlung auf die digitale Ebene mit Ausgabe über den HDMI-Ausgang. Der Harman
Kardon – Receiver verfügt zusätzlich über einen Videoprozessor aus dem Hause Faroudja, einem renommierten Hersteller leistungsfähiger Videochips. Der hier verbaute bietet einen zugleich weiten wie leicht eingeschränkten Funktionsumfang. Es besteht die Option, für jede Signalquelle fix den Film- oder den Video-Mode anzuwählen. Global bietet der Harman
Kardon AVR-247 vier Bild-Presets (CINEMA, SPORT, NATURE, VIVID) sowie die Möglichkeit der individuellen Justage der Bildparameter Schärfe, Helligkeit, Kontrast und Farbsättigung. Analoge Signale können untereinander gewandelt und für die HDMI-Ausgabe digitalisiert werden.
Neben der reinen Wandlung kann der A/V-Receiver Halbbilder in Vollbilder umrechnen und obendrein skalieren. Hier ist die kleine Einschränkung der Fähigkeiten zu finden: Analoge Videokost wird nur bis 1080i entgegengenommen und in der gewählten Ausgangsauflösung ausgegeben. Die wählbaren Ausgangsauflösungen halten allerdings nur die drei Varianten 576i, 576p und 720p bereit, was bedeutet, dass HD-Signale einer xBox heruntergerechnet werden. In diesem Fall empfiehlt sich die direkte Verbindung mit dem Display oder Projektor oder die Ausgangsausgabe der xBox auf 720p zu stellen. Was die bessere Wahl ist hängt vom individuellen Setup und der Fähigkeiten der einzelnen Komponenten ab, wodurch sich ein pauschale Empfehlung verbietet.
Bemerkenswert an dieser Stelle ist Skalierungsfähigkeit bei analoger Ausgabe
mittels Komponente / YUV auf 720, welche nur sehr selten zu finden ist. Ähnlich verhält sich der AVR-247 bei digitalen Signalen, denn hier gibt er Signale nur in den beiden Formaten 576p oder 720p aus. Im Gegensatz zur analogen Seite der Videosektion schleift er aber höher aufgelöste entgegen genommene Signale durch. Konkret bedeutet dies, dass analoge Signale maximal in 720p ausgegeben werden, egal ob das YUV-Terminal oder der HDMI-Ausgang benutzt wird und digital, per HDMI eingehende Signale, entweder bis hin zu 720p hochgerechnet oder, wenn höher
auflösend daherkommend, durchgeschleift werden. Eine Einschränkung ist in der Flexibilität der Ausgabe festzustellen. Sobald am HDMI-Ausgang ein aktives Gerät erkannt wird schaltet sich der analoge Componenten-Ausgang ab. Erfreulich hingegen ist die Darstellung des OSD, On Screen Menus, über alle Videoausgänge.
Die Videosektion des AVR 247 geht sorgsam mit FBAS- und S-Video-Signalen um,
ganz gleich, ob sie für die analoge YUV- oder die digitale HDMI-Ausgabe gewandelt werden. In Abhängigkeit der Qualität des Quellmaterials sind signaltypische Schwächen auszumachen. Diese können aber nicht dem
Harman Kardon angelastet werden, denn dieser Wandelt selbst FBAS-Signale erstaunlich sauber und gekonnt in andere Formate. Hier besticht er gleich durch mehrere Punkte: Der wählbare Video-De-Interlacing-Mode
(Video Mode A:Film, Video Mode B: Video) arbeitet bei TV-Kost genauso gekonnt wie der Filmmode im Kinobetrieb. In Anbetracht der Preisklasse hebt sich die Qualität der Vollbildaufbereitung aus der Masse hervor und gefällt mit ruhigen, nur sehr selten ausfransenden Kanten und Bewegungen. Selbst die schwierige Berechnung von Sportereignissen wie einem Fußballspiel gelingt in verblüffender Qualität. Dies bezieht sich nicht nur auf die Bewegungsdarstellung, sondern auch auf den Umgang mit Farbinformationen und deren feine Abstufung.
Insgesamt ist festzustellen, dass Harman bei der Abstimmung der Videosektion im Gegensatz zur Audiosektion eine sehr neutrale und natürliche Gangart gewählt hat. Die Bilder wirken im Ganzen ausgewogen und harmonisch ohne erkennbare Verfremdungen. In genau dieser Weise wirkt auch der sehr effektive wie feinfühlig zu justierende Video-Equalizer, dessen Parameter deutlich sichtbar und dennoch gezielt einstellbar ihre Wirkung zeigen. Mit der Qualität des
Video-EQs hebt Harman / Kardon den AVR 247 deutlich über das üblicherweise in diesen Preisgefilden
Gebotene hinaus.
Ebenso wie das De-Interlacing und die Bildparameterjustage gefällt das Skalieren. Ohne sichtbare Artefakte und Treppenstufen oder Schlieren wie Bewegungsunschärfen wandelt der A/V-Receiver die Bildauflösungen um. Hier befindet sich die gebotene Leistung auf einem außerordentlich hohem Niveau und kann mit höherwertigen Playern oder Displays durchaus mithalten.
Nutzt man den AVR 247 als Switch für zwei HDMI-Quellen, gefällt die unverfälschte Weitergabe der Signale. Dies gesondert zu erwähnen ist nötig, da mehrere Geräte die eine HDMI-Repeater-Funktion haben mit eingriffen in den Datenstrom auffallen, was sich meist in einem leicht gehobenen Schwarzpegel, einem leichten Schleier und verringerter Farbdynamik bemerkbar macht. Nicht so der Harman, der die Bildsignale nahezu unverändert weiterreicht, obwohl er sie zur Entnahme der Toninformationen analysieren muss und das Ganze in Unabhängigkeit der eingehenden Auflösung.
Abschließend lässt sich resümieren, dass die Videosektion trotz der etwas umständlichen Bedienung aus Sicht der Performance das Highlight dieses A/V-Receivers ist. Im Vergleich zu Multitalenten a la
Onkyo TX-SR875 ist ein eingeschränkter Funktionsumfang bezüglich der
Scalingfähigkeiten festzustellen, der aber in Anbetracht von einem 60 prozentigem Abschlag im Kaufpreis nicht weiter in Gewicht fällt. In seiner eigenen Preisklasse verglichen nimmt der AVR-247 mit seiner Videosektion momentan eine Sonderstellung ein
- daher: Gesamtnote Videosektion im Verhältnis zum Kaufpreis - Hervorragend!
Fazit
Harman Kardons AVR-247 ist ein harmonisch klingender
AV-Receiver mit hervorragender Videosektion
Der Harman Kardon AVR-247 hebt sich insbesondere mit seiner
hervorragenden Videosektion vom Klassenstandard ab. Sowohl, was den
Funktionsumfang als auch die Qualität des Gebotenen betrifft, kann sich der
Siebenkanal-Receiver ausgezeichnet in Szene setzen. TV-Signale von lediglich
durchschnittlicher Qualität werden überraschend gut hochskaliert und
de-interlaced. Akustisch gefällt der Harman Kardon mit dem runden, sehr
angenehmen und kraftvollen Sound. Man kann dem AVR-237 problemlos einen ganzen
Tag lang zuhören, ohne dass er je stören oder Missfallen erzeugen würde. Die
Pegelfestigkeit auch im Verbund mit Lautsprechersystemen der 3.000 bis 4.500
EUR-Klasse überzeugt vollauf. Hohe Lautstärken meistert der AV-Receiver
so souverän, als würde er der 1.000 EUR-Liga angehören. Extreme
feindynamische Qualitäten darf der Käufer allerdings nicht erwarten. Bei der
Detaillierungsarbeit wirkt der AVR-247 etwas träge. Nicht, dass man ihm einen
nur auf Gefälligkeit getrimmten, konturenlosen Klang vorwerfen könnte - der
Harman Kardon nimmt sich Einzelheiten schon sorgfältig an und bringt diese ins
Gesamtklangbild ein. Nur lässt er es etwas an Esprit und Spontaneität missen.
Er gleicht dies mit einer sehr guten Räumlichkeit und einem hohen Klangvolumen
aus. Ausgestattet ist der 247 fernab der bereits gelobten Videosektion
durchschnittlich. Die neuen Tonformate DTS-HD und Dolby TrueHD werden nicht
decodiert, die HDMI-Terminals entsprechen dem bereits etwas älteren Standard
HDMI 1.2a. Das Lautsprechereinmesssystem misst nur an einer und nicht wie z.B.
beim Onkyo TX-SR605, an drei
Hörpositionen ein. Gut gefallen hat uns das neu entwickelte und grafisch
deutlich ausgefeilter wirkende OSD. Die Verarbeitungsqualität des AVR-247 ist
insgesamt gut bis sehr gut. Der Bedienkomfort wird durch die veraltete
Fernbedienung eingeschränkt.
Der sehr kräftig und harmonisch klingende AVR-247 ist eine
ernstzunehmende Video-Schaltzentrale zum günstigen Kaufpreis

AV-Receiver Mittelklasse
Test 04. Oktober 2007
Preis-/Leistungsverhältnis         
+ Harmonischer, kräftiger Klang
+ Sehr pegelfest, auch in Verbindung mit großen Boxensets
+ Hervorragende Videosektion mit tadellosem Upscaling und De-Interlacing
+ Attraktive OSDs
- Veraltete Fernbedienung
- Kein Decoding der neuen Tonformate DTS-HD und Dolby TrueHD
Test: Thomas Hermsen, Carsten Rampacher
04. Oktober 2007
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