XXL-TEST UND TECHNIK-INFO: cinemateq motion optimizer (24.01.2007)
24.01.2007 (th)

Das unscheinbare obere Gerät ist der cinemateq motion
optimizer
Einleitung
Erst kürzlich konnten wir uns von der Qualität des Videoscalers cinemateq picture optimizer plus HD + SDI überzeugen. Hierbei handelt es sich um einen klassischen Scaler/De-Interlacer, welcher diverse eingehende Bildsignale in die vom Anwender gewünschte Form wandelt. Der kurz pop benannte Scaler verrichtete diese Aufgabe auf Referenzniveau und deklassiert fast jede am Markt befindliche Videobearbeitungselektronik.
Nun haben wir von cinemateq ein weiteres kleines, optisches sehr unscheinbares Gerät zum Test erhalten. Dieses im Design dem picture optimizer plus HD + SDI gleich gehaltene Stück Technik hört auf den Namen cinemateq motion optimizer. Die schlichte, aus gebürstetem Aluminium bestehende Front verfügt ausschließlich über einen Druckschalter und eine LED. Auf der Rückseite findet man lediglich einen SDI Ein- und Bypass – Ausgang, einen YUV Eingang und einen DVI-Ausgang. Für was dieses mit 1498,- € nicht gerade günstige Kästchen sorgen soll, möchten wir ihnen im folgenden Test nahe bringen.
Der Name des cinemateq motion optimizers leitet sich von einer Technik namens Digital Natural Motion ab. Hierbei handelt es sich um eine vor einigen Jahren von Philips entwickelte und auf den Markt gebrachte Technik, welche die Bewegung in der visuellen Darstellung optimieren soll. Aufgabe der kurz DNM genannten Technik ist es, Bewegungsabläufe flüssiger und schärfer darzustellen und zudem einen dreidimensionaleren Eindruck entstehen zu lassen. Es soll ermöglicht werden, tiefer in das Bilderlebnis „einzutauchen“.
Die Technik : Digital Natural Motion
Aber wie soll dies funktionieren? Um dies zu beschreiben, ist es von Nöten, ein wenig auszuholen. In weiten Teilen Europas wird die Fernseh-Signal-Norm PAL, in den USA und Japan NTSC verwendet. Der Grundlegende unterschied beider Normen liegt in der Auflösung des Bildes und in der Frequenz (PAL=50Hz, NTSC=60Hz). Beiden Normen ist gemein, dass sie mit Halbbildern arbeiten und die Grundlage der auf DVDs verwendeten Videodaten sind. Daher möchten wir gar nicht weiter auf die genauen Spezifikationen dieser beiden Normen eingehen, da sie für das Verständnis des Funktionsprinzips von Digital Natural Motion nicht weiter von Relevanz sind. Zur Verdeutlichung der Arbeitsweise werfen wir unseren Blick nun ausschließlich auf die Bearbeitung von Quellmaterial welches in der europäischen Norm PAL vorliegt.
Grundlegend ist die Tatsache, dass Filmproduktionen mit einer Bildwiederholrate von 24Hz gedreht werden. Bei diesen 24 Bildern pro Sekunde (Frames per Second = fps) handelt es sich um Vollbilder.
In der Vergangenheit hat sich allerdings ein Signalstandard etabliert, welcher mit 50 Halbbildern arbeitet. Hieraus resultiert zum einen das Problem, dass 24 nicht vollzählig auf 50 hochgerechnet werden kann. Hier schuf ein recht einfacher Trick Abhilfe: Das Filmmaterial wird beim Abspielen um 4% auf 25 Vollbilder die Sekunde beschleunigt. Den hierbei entstehenden „PAL Speed Up Effekt“ seitens der Audiowiedergabe (Tonhöhenverschiebung) möchten wir an dieser Stelle bewusst außen vor lassen. Zum anderen sollen sämtliche Bildinformationen der nun 25 Vollbilder wiedergegeben werden. Hierzu wird ein Vollbild in zwei Halbbilder aufgeteilt. Zuerst wird ein Halbbild mit sämtlichen ungeraden Zeilen übermittelt, respektive gespeichert und dann eines mit den geraden Zeilen.
In dieser soeben beschriebenen Form werden Filme auf der DVD gespeichert und im Fernsehen übertragen. Das Zeilensprungverfahren, wie diese Signalform im Deutschen auch tituliert wird, im Englischen interlaced, bedingt allerdings gewisse Probleme.
Das erste Problem stellt die Bildwiederholfrequenz dar. Bei einer nativen Darstellung dieser Signale sehen wir pro Sekunde 25 mal den Wechsel von erstem zu zweitem Halbbild, von geraden zu ungeraden Zeilen. Die nicht enthaltenen Zeilen waren bei alten Röhren-TVs auch nicht ausgeleuchtet. Das Resultat dieses ständigen Wechsels war ein deutlich zu sehendes Flimmern.
Heutzutage stellt sich ein anderes Problem. Nahezu sämtliche digitale Wiedergabegeräte, egal ob Plasma- oder LCD-TV, DLP- oder LCD-Beamer, verlangen eine Vollbildansteuerung. Sie können keine Halbbilder darstellen. Aus diesem Grunde müssen aus den vorliegenden 50 Halbbildern 50 Vollbilder generiert werden. Dieser Prozess wird gemeinhin als De-Interlacing bezeichnet. Prinzipiell stellt dieser Vorgang auch kein unlösbares Problem dar. Denn ganz einfach ausgedrückt, müssen nur die jeweils passenden Halbbilder wieder zusammengesetzt und dann jeweils zweimal hintereinander ausgegeben, bzw. wiedergegeben werden.
An dieser Stelle schlagen wir nun so langsam den Bogen hin zu Digital Natural Motion. Die progressive Darstellung, sprich die Darstellung von 50 aus Halbbildern gewonnenen Vollbildern eliminiert zwar deutlich sichtbares Flimmern, ist aber immer noch keine perfekte Darstellung. Der Grund liegt in uns selber, dem Betrachter, dem Menschen und seinen Augen. Das menschliche Auge ist von der Natur her besonders auf die Auflösung und Wahrnehmung von Bewegungen spezialisiert. Der menschliche Sehapparat ist in der Lage, bis zu 70Hz in Bewegungen wahrzunehmen. Ein progressiv gespielter Film hingegen verfügt zwar über 50 Vollbilder, diese enthalten aber nur 25 einzelne Bewegt-Phasen auf Grund der Doppelung der einzelnen Bilder. So erscheinen uns selbst progressiv dargebotene Bewegt-Bilder als ruckelig und auch unscharf.
Denn wo eine Filmkamera ursprünglich nur 25 Bewegt-Phasen aufgenommen hat, kommen auch keine weiteren durch das De-Interlacing hinzu. Verstärkt wird der unscharfe Eindruck in schnellen Sequenzen durch die in engen Tolleranzen liegende Belichtungszeit bei der Verwendung von Filmkameras. In Korrelation zu den zu belichtenden 24 Frames kann die Belichtungszeit auch nicht unter einen gewissen Schwellenwert herabgesetzt werden. Das Ergebnis ist mitunter ein divergierendes Schärfeverhalten in verschiedenen Bildebenen.
Und hier setzt nun Digital Natural Motion an. Die erstmals von cinemateq als Stand-Alone-Gerät herausgebrachte Technik nimmt ausschließlich Halbbilder entgegen. Sie akzeptiert nur unbearbeitete Kost. Kein skaliertes oder de-interlactes Material wird von ihr verarbeitet, sondern schlicht das ursprüngliche Material, welches nach dem Auslesen einer DVD oder dem Empfangen eines TV-Senders vorliegt.
DNM speichert mehrere eingehende Halbbilder bis zu mehreren Frames und unterwirft diese einer aufwändigen Analyse. Als erstes wird untersucht, ob es sich wirklich um Filmmaterial oder um sogenanntes Videomaterial handelt. Unter Videomaterial versteht man Bildsignale, welche tatsächlich 50 unterschiedliche Halbbilder pro Sekunde aufweisen im Gegensatz zu den zwei mal 25 Halbbildern bei Filmmaterial. Reine TV-Produktionen wie Sportübertragungen sind typische Beispiele für Videomaterial. Jedes der 50 Halbbilder weist einen anderen Inhalt auf.
Unscheinbare, aber hochleistungsfähige Platine
Interne Stromversorgung
Externes Netzteil
Wurde das eingehende Material als Film klassifiziert, greift der Bildkomperator ein. Dieser analysiert die einzelnen Halbbilder gemäß ihrer genauen Zugehörigkeit. Denn das Ziel von DNM stellt, ähnlich wie bei einem „normalen“ De-Interlacer, die Ausgabe von 50 Vollbildern pro Sekunde dar. Allerdings sollen 50 unterschiedliche Bilder ausgegeben werden. Dazu werden Zwischenbilder errechnet. Das im DNM-Chip verwendete Verfahren stellt einen hochgradig rechenintensiven Prozess da. Die eingehenden Bilder werden in ihrer zeitlichen Folge bezüglich der Bildinhalte analysiert. Gegenüber klassischen De-Interlacern wird bei DNM aber nicht Pixel für Pixel betrachtet, sondern die Bildinhalte werden in eine Vektorberechnung transferiert.
Zu vergleichen ist dieser Prozess eher mit der 3D-Berechnung innerhalb eines Computers als mit der Bearbeitung eines klassischen Videoprozessors. Durch die Umwandlung in eine vektorbasierte Berechnung kann der DNM-Prozess in der Zeitachse zusammengehörige Objekte getrennt voneinander erkennen und aufbereiten. Konkret bedeutet die, dann ein sich im Bildvordergrund bewegendes Objekt separiert vom Hintergrund berechnet wird. Die immense Rechenleistung in Verbindung mit den äußerst ausgefeilten Algorithmen des DNM-Chips ermöglichen es, zahlreiche Objekte in verschiedenen Ebenen des Bildes einzeln zu berechnen, und zwar Bild für Bild. Auf diese Weise werden komplett neue Bilder, welche in dieser Art gar nicht von der Filmkamera gedreht wurden, errechnet und in die bereits existenten eingefügt. Der klare Fokus der Ingenieure liegt ausschließlich auf der Bewegungsdarstellung, weshalb es auch nicht wirklich möglich ist, die Effektivität von DNM in Standbildern zu beurteilen.
Dieser Berechnungsprozess beinhaltet neben einer vektorbasierten Betrachtung einzelner Objekte zudem noch eine Anschärfung des Bildes. Dadurch, dass alle Bildinhalte nun 50 mal pro Sekunde eine eigene Position innehaben, erscheinen sie auch wesentlich schärfer. Die Kombination aus wesentlich gesteigerter Schärfe in der Bewegung und dem dedizierten Berechnen einzelner Objekte in ihrer Bewegung schaffen ein wesentlich dreidimensionaleres wie auch grundsätzlich schärferes Bild mit flüssigem Ablauf.
Doch betrachten wir nun das vor uns stehende kleine, unscheinbare Kästchen von cinemateq, beginnend mit der Verarbeitung
Verarbeitung
Massive Aluminiumfront
Der motion optimizer ist bezüglich der Gehäuseverarbeitung
als tadellos zu bezeichnen
Nicht überdurchschnittlich hochwertig wirken die vorderen
Standfüße
Solider Netzschalter, aber keine überzeugenden
Gerätestandfüße hinten
Recht leer geht es im Inneren des motion optimizers zu -
allerdings erfüllt das unscheinbare Gerät, wie sich später herausstellen
wird, hohe visuelle Ansprüche
Besonders ins Auge fällt die massive, gebürstete Alu-Frontplatte. Diese weiß zu gefallen und ist identisch zu anderen cinemateq-Produkte ausgeführt. Der Gehäusekorpus besteht aus festem, sehr sauber gestanztem und gefaltetem Blech. Keine scharfen Grate stören den soliden Eindruck. Tatsächlich ist der gesamte Korpus zusammen mit der massiven Frontplatte für das überraschend hohe Gewicht von 4 kg verantwortlich. Die Anschlussterminals präsentieren sich in akzeptabler Qualität, könnten allerdings wie auch schon beim picture optimizer plus HD durchaus hochwertiger und fester ausgeführt werden. In dieses gemischte Bild fügen sich nahtlos die Standfüße ein. Mit Verlaub, hier darf cinemateq durchaus nach hochwertigeren Alternativen suchen. Die innere Verarbeitung ist am besten mit dem Begriff solide beschrieben. Im Inneren findet sich zwar nur eine große Platine, aber dafür ist diese fest verschraubt, klar aufgebaut und ansprechend verarbeitet. Seitens der Bedienelemente kann man die Einpassung des einen Druckknopfes als angemessen beschreiben. Gesamtnote: Gut - sehr gut.
Ausstattung und Bedienung
Der motion optimizer könnte noch mehr Ein- und Ausgänge
vertragen
DVI-Ausgang und Video Bypass-SDI-Ausgang
Der cinemateq motion optimizer verfügt über einen SDI- und einen YUV-Eingang sowie über einen DVI-Ausgang. Zusätzlich verfügt das Gerät über einen SDI – ByPass – Ausgang, welcher die eingehenden SDI – Signale unbearbeitet durchschleift.
Die Bedienung ist sehr einfach zu beschreiben. Man schaltet an der einen Drucktaste zwischen den beiden Eingängen um oder schaltet das Gerät ein, bzw. aus. Das war es dann auch schon.
Da es keine einzustellenden Optionen gibt, verfügt der motion optimizer auch über kein Display oder On-Screen-Display.
Um ein bisschen Kritik kommen wir an dieser Stelle nicht vorbei. In Zeiten, in denen ein hochwertiger Gerätefuhrpark durchaus aus mehr als zwei Signallieferanten besteht, wären mehr als zwei Eingänge durchaus zu begrüßen, zumal der SDI-Eingang nicht zu den gängigen gehört. Zudem würde dem motion optimizer auch ein HDMI-Eingang sehr gut zu Gesicht stehen. Die Zahl der DVD-Player, die per HDMI 576i ausgeben ist zwar beschränkt, würde dem Anwender aber dennoch mehr Optionen bieten. Ebenso verhält es sich mit dem Ausgang. Sicherlich, DVI ist der solidere Stecker, aber HDMI stellt nun mal die heutzutage gängige Norm da und sollte bei einem zeitgemäßen Gerät geboten sein. Gesamtnote: Gut – sehr gut.
Bildbewertung
Der motion optimizer und der begeisternde cinemateq
picture optimizer HD plus SDI
Ein wenig skeptisch waren wir am Anfang dann doch, denn immerhin haben wir alle noch die Bilder älterer Philips-TVs vor Augen. Seinerzeit war Digital Natural Motion ein sehr kontrovers diskutiertes Thema und sehr häufig waren rund um bewegende Objekte sogenannte Pixelwolken zu beobachten.
Hier konnte uns cinemateq-Chefentwickler Udo Ratai allerdings schnell beruhigen. Der verwendete Chip im motion optimizer ist der aktuellste der stetig fortentwickelten DNM-Prozessoren. Auch erklärte er uns von Anfang gänzlich ohne Scheu, dass dieses Gerät sehr polarisierendend wirken wird.
In wochenlangen intensiven Begutachtungen haben wir, um es vorweg zu nehmen, dieses Kistchen sehr zu schätzen gelernt. Denn der von DNM angestrebte Effekt funktioniert verblüffend gut.
Doch von vorne: Wir sind inzwischen sehr anspruchsvoll geworden, seitdem wir auch den cinemateq picture optimizer plus HD + SDI fest in unseren Testgerätefuhrpark aufgenommen haben. Dieser besticht besonders durch das beste uns bekannte De-Interlacing. Demnach waren die Erwartungen sehr hoch. Fangen wir mit einer unserer Standardszenen an: Der Eröffnungsschlacht in Star Wars EP. III. Diese Szene bietet für jeden De-Interlacer einiges an Kniffligem. Der motion optimizer bewältigte diese erste Hürde in beachtlicher Manier. Denn man darf nicht vergessen, dass er ja kein klassisches Vollbild errechnet, vielmehr berechnet er in Echtzeit komplett neue Zwischenbilder. Dennoch waren die Kanten der Raumkreuzer sehr ruhig. Sie standen zwar nicht derart in Stein gemeißelt, wie wir es schon gesehen haben, dafür waren die Bewegungen im Raum wesentlich flüssiger. Als kurze Zeit später die beiden Fighter ins Geschehen eingriffen, wurde erstmals deutlich, was und wofür DNM eigentlich steht. Besonders nach dem Abkippen über den großen Kreuzer, hinunter auf Coruscant, hinein in die Schlacht, löste Erstaunen aus. Der motion optimizer modellierte eine derartige Tiefe ins Bild, wie sie bis dato schlicht noch nicht zu sehen war. Die einzelnen Raumschiffe scheinen nicht einfach auf der Bildfläche existent zu sein, nein, sie fliegen wirklich plastisch in unterschiedlichen Höhen über dem Planeten. Und mitten hindurch steigen die beiden Fighter ab. Auch im weiteren Verlauf der Schlacht ist es verblüffend, wie die einzelnen Objekte separat voneinander durch die Tiefe des Raums steuern.
Nach dem Betrachten der Funktionsweise von DNM erscheint dies nachvollziehbar. Interessant war für uns nun, wie denn mit feinsten Details umgegangen wird. Dies zu beurteilen, erlauben uns die Gesichter der Protagonisten in ihren Steuerkanzeln wie auch die herumfliegenden Trümmerteile inklusive dem sporadisch auftretenden Rauch explodierter Kampfteilnehmer. Aber auch hier macht der motion optimizer einen verblüffend guten Job. In statischen Szenen ist kein wirklicher Unterschied zu einer klassischen Bildaufbereitung zu beobachten. Und sobald auch nur die kleinste Bewegung ins Spiel kommt, wirkt das Bild wesentlich ruhiger, ohne dass die im Ruhigen zu sehenden Details verloren gehen. Man kann nun die Hautporen von
Annakin auch bei seinen Kopfschwenks weiter im Fokus behalten.
Weiter geht es mit einer weiteren Standard-Test-DVD: Gladiator. Diese DVD war seinerzeit absolute Referenz in der Bildgüte und weiß auch heute noch immer zu begeistern. Schwierig wird die Bildaufbereitung durch die Körnigkeit des Filmmasters. Weiter wird es fürs Equipment besonders am Anfang durch die sehr dunkle Lichtsituation mit sehr blaulastiger Gestaltung sehr schwer. Viele kleine Details im zertrampelten, braun-grauen Boden werden sehr gerne von der Elektronik verschluckt. Ebenso die Rinde an den Bäumen oder Feinheiten der unzähligen Rüstungen. Aber auch hier arbeitet der motion optimizer tadellos. Sämtliche Details waren zu erkennen, ohne dass große Verschiebungen in der Farb- oder Kontrastdarstellung wahrzunehmen waren. Doch die Betrachtung dieser Einzelaspekte wird der Wirkung des motion opimizers nicht gerecht. Denn hier stellte Digital Natural Motion abermals seine Funktionalität deutlich unter Beweis. Das Vormarschieren der Legion, das Reiten der Kohorte durch den Wald wie auch nahezu sämtliche andere Bewegungen ist unglaublich flüssig. Erstaunen ruft auch der dreidimensionale Eindruck hervor. Der Wald ist nicht einfach eine Nebeneinanderstellung verschiedener, dunkler Bildelemente mit dem Verdacht auf Rinde. Nein, der Wald wird greifbar, klar und mit Tiefe dargestellt. Auch in der Bewegung sind die einzelnen Details in der Maserung der Bäume im Kameraschwenk weiter erkennbar. Und selbst die schwierige Häuserszene in Rom wird sauber dargestellt. Zwar nicht auf dem Niveau eines Referenz-De-Interlacers, dafür aber mit dem Gefühl, wirklich selbst über Rom zu fliegen.
Von uns immer gern verwendet sind auch diverse Szenen aus Herr der Ringe. Gleich die Anfangssequenz im Auenland, als Frodo unter den Bäumen sitzt, lässt deutlich werden, wie es mit dem Differenzierungsvermögen aussieht. Hier schuf der motion optimizer ein unglaublich tiefes Bild, ohne auch nur ein Detail zu verschlucken. Die einzelnen Grashalme sind deutlich von einander zu unterscheiden und der lichte Baumbestand vermittelt authentische Tiefe. Eine weitere hochgradig interessante Szene ist der Überflug über ein im Gebirge angezündetes Leuchtfeuer. Hier stehen mehrere Bergreihen hintereinander und haben beim Rundflug der Kamera unterschiedliche Bewegungsgeschwindigkeiten. Die Szene ist sehr gut geeignet, um zu verdeutlichen, warum eine klassische progressive Wiedergabe an den Grenzen ihrer Bewegungsdarstellung ist. Nicht aber so mit dem motion otimizer. Auch hier kann man ihm nachsagen, dass er nicht perfekt de-interlaced. Dafür erscheinen aber sämtliche Bergkämme unglaublich flüssig und zudem mit einer Tiefenschärfe, wie wir sie bis dato nicht betrachten konnten.
Aber nicht nur imposante und schnelle Szenen sind es, denen der motion optimizer einen gänzlich ungewohnten Look gibt. Auch kleine, ruhige Bewegungen werden sehr scharf und dreidimensional dargestellt. Gerade diese omnipräsente Schärfe mag für viele auch ein sehr ungewohnter, wenn nicht sogar störender Eindruck sein. Der Auslegung von DNM im motion optimizer zielt klar auf scharfes, flüssiges und tiefes Bild. Sie ist diesen Tugenden zugunsten auch klar konträr zu einem immer perfekten De-Interling. Es gibt einige Szenen, in denen ein guter De-Interlacer eine sauberere Objektdarstellung im Sinne von Artefaktfreiheit errechnet. Dafür wurden Bewegungen aber in ihrem Verlauf auch unschärfer wiedergegeben.
Zwei Punkte sind noch zu erwähnen: Der motion optimizer scheint in seiner Berechnung der Zwischenbilder mitunter Kontraste, Helligkeit und Verläufe leicht zu verändern. Dies fällt allerdings nicht negativ auf, sondern eher sogar positiv. Konturen gewinnen so an Klarheit und Objekte grenzen sich deutlicher voneinander ab. In Anbetracht der vektorbasierten Berechnung erscheint dies dann aber auch nicht sonderlich verwunderlich, sondern fast logisch. Verstehen sie diese Aussage daher als Feststellung und nicht als Wertung.
Des Weiteren ist der motion optimizer in der Lage, auch normales Kameramaterial zu bearbeiten. Hierbei wird allerdings DNM ausgeschaltet. In diesem Mode arbeitet der motion optimizer als Line-Doubler-De-Interlacer mit standardisierter Interpolation. Der Schwerpunkt der hier verwendeten Algorithmen liegt ebenfalls auf einer sauberen Bewegtbilder-Darstellung unter Zuhilfenahme von Kantenglättung. Ein leichtes Flimmern wird bewusst in Kauf genommen.
Fazit
Der cinemateq motion optimizer entpuppte sich als Meister der
dreidimensionalen Visualisierung
Und damit wären auch schon an einem sehr schwierigen Punkt angelangt. Wie ist nun der motion optimizer zu bewerten? Er wird polarisieren, das ist sicher. Er profitiert ungemein von einer hochwertigen Zuspielung und von hochwertigen Ausgangsmaterial. Im Gegensatz zu den alten DNM-Vertretern hat sich die Neigung zur Pixelwolkenbildung erheblich reduziert. Vorhanden ist sie aber dennoch. Je besser das Mastering der Vorlage ist, desto geringer die Pixelwolke. Der dreidimensionale Look des Bildes erinnert mitunter mehr an eine Computeranimation als an einen Kinofilm. Dieser Punkt ist ganz klar eine Frage des Geschmacks. Hier steht cinemateq allerdings auch ganz klar zu seiner Philosophie. Chefentwickler Ratai erklärte ganz klar, dass es sich hierbei um ein High-End-Viedoprozessor handelt, welcher nicht den Anspruch eines jeden trifft. Er soll der Versuch sein, einem experimentierfreudigen Kreis von Video-High-Endern ein neues Erleben der DVD-Sammlung zu ermöglichen. Dem können und wollen wir uns ganz deutlich anschließen. Der motion optimizer bietet eine nie erreichte Dreidimensionalität, die man so aus dem Kino nicht kennt. Videopuristen werden hier ganz sicher anecken, andere werden den Eindruck bekommen, dass das Bild zu scharf ist. Dies muss und wird auch nicht jedem gefallen.
Zieht man nun aber den Vergleich zu einer HD-Wiedergabe ist klar festzuhalten, dass der Effekt der motion optimizers mit dem ersten Betrachten der HD-DVD von King Kong gleichzusetzen ist. Der motion optimizer verarbeitet zwar nur interlaced Standard-TV zu 576p, aber die Wirkung gerade in der Bewegung kommt der unglaublichen Räumlichkeit von King Kong nahezu gleich. Details können nicht hinzu erfunden werden, das ist klar. Aber die Art der Berechnung sorgt für eine Bewegungsschärfe und Bildtiefe, die nur HD in guter Qualität vermitteln kann.
Für wen eignet sich der motion optimizer nun also? Kann man damit rechnen, dass er sich als Standard auf breiter Front etabliert?
Der cinemateq motion optimizer kann in der Anschlussbestückung einige Mängel auch durch seine sonstige Leistungsfähigkeit nicht gänzlich unvergessen machen. Hier sollte cinemateq nachbessern. Der Preis ist sehr hoch, in Anbetracht der Kleinserienproduktion der Münchner High-End-Schmiede allerdings auch verständlich. Das Gebotene ist auf einem enormen Level. Somit ist der Preis für den ambitionierten Filmfan also auch akzeptabel. Letztendlich bleibt einfach die Frage, ob einem die Art der Darstellung gefällt und hier können wir keine allgemeingültige Aussage
treffen, dies sollte jeder individuell entscheiden. Wir können nur bilanzierend
festhalten, dass der motion optimizer für uns eine höchst gelungene
Bereicherung unseres Testgeräte-Equipments dargestellt hat.
Meister der Dreidimensionalität: cinemateqs motion optimizer bietet eine bislang nicht für möglich
gehaltene visuelle Räumlichkeit und Bewegungsschärfe des Bildes

Externe Bildwiedergabegeräte Oberklasse
Preis-/Leistungsverhältnis          
Test 24. Januar 2007
+ Nie gesehene Plastizität bei der Bildwiedergabe
+ Sehr flüssige Bewegungsabläufe
+ Herausragende Bildschärfe
+ Extrem schnelle interne Berechungsvorgänge
- im Vergleich zum picture optimizer nicht perfekt bezüglich des De-Interlacings
Test: Thomas Hermsen
Redaktion: Carsten Rampacher
Datum: 24. Januar 2007
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