SPECIAL: HDTV-Recording mit dem Kathrein UFS 910 Si
15.01.2008 Autor: Karsten Serck
Das Gerät
Bereits im Oktober stellten wir das Update für den HDTV-Sat-Receiver UFS 910 Si von
Kathrein vor, welches diesen in einen richtigen HDTV-Recorder verwandelt, der
Aufzeichnungen auf einer externen USB-Festplatte vornehmen kann. Dafür stand uns
eine Vorabversion der neuen Software zur Verfügung, die trotz einiger Bugs
bereits die grundlegenden Aufnahmefunktionen unterstützte. Seit Dezember ist die
finale Software-Version 1.04 als USB-Update auf der Internetseite von Kathrein
verfügbar und kann auch direkt via Satelliten-Update installiert werden werden. Da
es noch kleinere Veränderungen gegenüber der Vorabversion gegeben hat, haben
wir unser Special über die neuen Aufnahme-Funktionen des UFS 910 noch einmal
überarbeitet.
HDTV-Recording
Nach dem Einspielen des Updates präsentiert sich der Kathrein-Receiver zunächst optisch kaum verändert. Das
ändert sich erst, wenn man eine USB-Festplatte oder einen USB-Stick an den UFS
910 anschließt. Dann leuchtet im Display die Leuchte "USB" auf und
kurze Zeit später erscheint noch das Logo "HDD", nachdem die
Festplatte vom Linux-System des Receivers gemountet wurde.
Während die Beta-Version sich noch sehr wählerisch bei den USB-Festplatten
zeigte, lassen sich mit der endgültigen Firmware auch viele USB-Festplatten
ohne externe Stromversorgung betreiben und sogar meist im laufenden Betrieb
anschließen. Wenn es hier Probleme gibt, dann ist dies meist auf die
Stromversorgung zurück zu führen, weswegen Kathrein auch empfiehlt, nur die
hinteren zwei USB-Anschlüsse zu verwenden während der USB-Anschluss auf der
Frontseite meist nur mit USB-Sticks oder USB-Festplatten mit eigener
Stromversorgung klar kommt. Im Idealfall lassen sich aber bis zu drei
Festplatten parallel betreiben. Ist mehr als eine Festplatte angeschlossen, so
fragt der Receiver vor der Aufnahme entsprechend ab, auf welcher Festplatte die
Aufzeichnung erfolgen soll. Im Aufnahme-Archiv werden die Aufnahmen zusammen aufgelistet
und der Dateimanager erlaubt auch das Kopieren von Aufzeichnungen zwischen den
Festplatten.
Auch Aufzeichnungen auf
einem USB-Stick gelangen problemlos, ohne dass selbst beim Abspielen von
gigabytehungrigen HDTV-Aufzeichnungen Ruckeln
auftrat. Neben der Aufzeichnung von Free
TV-Programmen ist auch mit entsprechenden Modulen wie z.B. dem weit verbreiteten
"Alphacrypt" die Aufzeichnung von Pay TV möglich, welches
unverschlüsselt auf der Festplatte abgelegt wird.
Während der Aufnahme ist auch der Time Shift-Betrieb möglich. Man kann also
während der noch laufenden Aufnahme bereits in dieser Hin- und Herspulen. Der
Wechsel auf einen anderen Kanal ist während der Aufnahme aber nicht möglich,
selbst wenn dieser auf dem gleichen Transponder ausgestrahlt wird.
Für die Aufzeichnung ist eine mit FAT32 formatierte Festplatte
erforderlich. Die Aufnahmen werden im Unterverzeichnis /kathrein/video/
abgelegt, in dem für die verschiedenen Aufnahmen noch einmal weitere
Unterordner abgelegt werden. Die Aufzeichnungen selbst werden mit der Endung .trp
abgespeichert und lassen sich auch auf dem PC mit einem Media-Player abspielen,
was mit HD-Aufzeichnungen nur möglich ist, wenn ein entsprechender
H.264-Decoder zur Verfügung steht. Längere Aufzeichnungen werden in mehrere Einzel-Dateien von
jeweils 1.99 GB Größe aufgeteilt.
Aufnahmen lassen sich entweder manuell durch Druck auf die rote Aufnahmetaste
oder über die Programmierung einer Sendung via EPG starten. Bei der
EPG-Programmierung berücksichtigt der Receiver automatisch mehrere Minuten Vor-
und Nachlaufzeit, die sich aber vor der Bestätigung auch noch anpassen lässt.
Der Receiver startet im Timer-Betrieb immer etwas vorzeitig aus dem Standby, so
dass genügend Zeit zum Booten und dem Erkennen der Festplatte vorhanden ist und
ging bei unseren Tests auch anschließend wieder in den Standby-Modus zurück.
Bei der Beta-Version wurde eine laufende Aufnahme noch ohne Warnung beendet,
sobald ein Druck auf die Power-Taste erfolgte und der Receiver ausgeschaltet
wurde. Dies ist in der endgültigen Firmware nicht mehr so: Der Receiver
wird zwar ausgeschaltet, die Aufnahme läuft aber bis zum Ende weiter.
Den Zugriff auf das Aufnahme-Archiv erhält man über die Tasten
"Play", "0" oder "Blau". Für die Aufnahme
übernimmt der Receiver die Daten aus dem EPG (sofern vorhanden). Bei
Probeaufzeichungen fielen keine Störungen bei der Aufnahme auf und auch das
Abspielen erfolgte ruckelfrei. Wer Aufzeichnungen längerfristig archivieren möchte,
sollte beachten, dass die Start- und Endzeiten bei der Timer-Programmierung
richtig gesetzt werden, da noch keine Editierfunktionen vorhanden sind.
Im Unterschied zur Vorab-Version ist mit der finalen Recording-Firmware auch
die Aufzeichnung von mehreren Tonspuren möglich, was gerade für Ausstrahlungen
mit verschiedenen Sprachfassungen wichtig ist. Der Dolby Digital
5.1-Mehrkanalton wird auch über den HDMI-Ausgang übertragen. Stellt man den
Receiver auf Bitstream-Ausgabe ein und wurde zuvor im Live TV-Modus eine Dolby
Digital-Tonspur ausgewählt, so kann es bei der Wiedergabe dazu kommen, dass bei
MPEG2-Audio-Tonspuren der Ton still bleibt, weil am Ausgang weiterhin Dolby
Digital signalisiert wird, der Receiver aber kein entsprechendes Signal erhält.
Bildqualität
Ein erfreulicher Nebeneffekt der neuen Software ist auch eine gleichzeitig
verbesserte Bildqualität. Bot der Kathrein bereits im Frühjahr das beste Bild
der bis dahin getesteten HDTV-Sat-Receiver für Free TV, so bietet er mit der
neuen Software eine HDTV-Bildschärfe auf Referenz-Niveau, wie man sie von guten
Blu-ray Discs und HD DVDs gewohnt ist. Schriften und Senderlogos stellt der
Kathrein-Receiver absolut scharf auf dem Bildschirm dar. Dadurch werden auch die
Qualitätsunterschiede zwischen unterschiedlichen HDTV-Sendern und -Sendungen
deutlicher sichtbar. So ließen sich z.B. Live-Fußball auf Anixe HD häufiger
Artefakte erkennen und auch das ansonsten meist referenzverdächtig wirkende BBC
HD-Programm wirkt bei einigen Programmen etwas unruhig. Das ist aber nicht dem
Receiver selbst anzulasten, denn beim genauen Hinsehen erkennt man sehr schnell,
dass in der Tat die etwas unsaubere Kompression die Ursache ist, was der
Kathrein schonungslos offen legt.
Die Hochskalierung von normalem PAL-Material auf 1080i sorgt für eine
verbesserte Bildschärfe. Allerdings zeigt das 1080i-Bild immer wieder
Treppenmuster im Bereich von Konturen. Das etwas unschärfere 576p/720p-Bild
weist diese Probleme nicht auf, allerdings ist hier das De-Interlacing nicht
perfekt, so dass Kanten stellenweise Flimmern zeigen.
Fazit
Mit der Firmware 1.04 sind Besitzer des Kathrein UFS 910 endlich in
der Lage, HDTV nicht nur live zu sehen, sondern auch aufzuzeichnen. Bei
einem Preis von rund 300 EUR wird der Kathrein damit zum richtigen Schnäppchen.
Durch die Verwendung externer USB-Festplatten lassen sich selbst größere
Aufnahmearchive erstellen, die sich beliebig um weitere Festplatten erweitern
lassen. Zudem bietet der Kathrein-Receiver mit der neuen Software noch einmal
ein deutliches Plus an Bildschärfe bei HDTV-Programmen. Verbesserungsbedarf
besteht hingegen noch bei der normalen PAL-Wiedergabe.
Die LAN-Schnittstelle ist auch nach dem Update bislang noch nicht nutzbar.
Hier wäre es wünschenswert, wenn diese zukünftig wenigstens für
Firmware-Updates verwendet werden könnte. Ebenso fehlt die Möglichkeit,
Aufnahmen auch nachträglich schneiden zu können. Wer mehr als nur vier
Satelliten empfängt, dürfte sich über eine erweiterte DiSEqC
1.1-Unterstützung freuen und zumindest die Unterstützung von
Multimedia-Dateien in den Formaten MP3 und MPEG2-Video sollte technisch machbar
sein.
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