Test: Onkyo TX-SR603E (2/4)
Technik/Aufbau
Wiederum haben wir den teureren TX-SR703E mit seinem
preiswerteren "Bruder" TX-SR603E
verglichen:

Schon der TX-SR603E verfügt über einen Aluminiumkühlkörper

Der Kühlkörper ist identisch beim 703. Allerdings
ist die Basisplatine für die Endstufentransistoren beim 703 aus höherwertigem
Platinenmaterial

Die Kühlung arbeitet recht effektiv beim 603 - der TX-SR603E
wird zwar verständlicherweise warm, aber nie glühend heiß. Im Detail zeigen
sich kleine Mängel beim Aufbau, was beim 603 in Bezug auf die Preisklasse aber
kein Problem darstellt. Wie man im Hintergrund erkennt, ist das
Transistorenpärchen für die 7. Endstufe auf einer kleinen eigenen Platine
oberhalb der restlichen 6 Endstufen angebracht (ganz links im Bild). Daraus
folgt, dass die sieben Endstufen thermisch nicht absolut identische
Arbeitsbedingungen haben, da vor allem die Transistoren unter der Platine für
die 7. Endstufe mit mehr Wärme zu kämpfen haben (wg. der oberhalb angebrachten
Transistoren plus Platine) als die frei stehenden Transistoren.

Das Platinenmaterial des 703 ist hochwertiger, aber der Aufbau
ist identisch mit dem des 603 - hier würden wir uns für die Zukunft wünschen,
dass alle Endstufen gleiche Arbeitsbedingungen vorfinden. Der 703, mit etwas mehr
Leistung als der 603 gesegnet, erwärmt sich auch stärker, wobei die
angegebenen 5 Watt Mehrleistung pro Kanal im Vergleich zum 603 eigentlich
keine deutlich stärkerer Erwärmung hervorbringen sollten.

Hier im Detail: Ein Transistorenpärchen ist deutlich weiter
oben auf einer separaten kleinen Platine angebracht

Gut zu erkennen: Temperatursensor am Kühlkörper (Mitte-links).
Die Leitung des Sensors führt zunächst zur Control Unit. Diese sendet bei
Bedarf dann "Kühlungsbefehle" an den vorn im Gehäuse verbauten
Ventilator:

Beim Ventilator handelt es sich zwar um einen großen
Kandidaten, der auch recht leise läuft - aber es ist auch ein sehr preiswertes
Exemplar ("Made in Vietnam"), solche kleinen Details zeigen, dass
überall gespart werden muss, um dem immensen Preisdruck des Marktes Stand zu
halten

Eine Nummer größer: Die Elektrolytkondensatoren des
TX-SR703E weisen 2 x 12.000 Microfarad auf

Die beiden Elkos des 603 mit je 10.000 Microfarad Kapazität

Großer Trafo des TX-SR703E

Der Transformator des 603 ist etwas kleiner. Hier zollt man
also dem höheren Leistungsvermögen des größeren Modells Tribut

Der Tuner (kleines silbernes Gehäuse links im Bild) ist nicht
optimal untergebracht, hier können in direkter Nachbarschaft untergebrachte
Baugruppen die Ursache kleiner Störungen sein

Anstatt eines festen Netzkabels wünschen wir uns einen
Anschluss für ein Kaltgeräte-Netzkabel - bei einem 1.000 €-AV-Receiver ist
eine solche Lösung eigentlich obligatorisch
Was man nicht direkt sieht, sind zwei Onkyo-typische Merkmale:
VLSC: Konventionelle D/A-Wandlermethoden reduzieren zwar
Impulsgeräusche bei der Wandlung, können diese jedoch nicht komplett
verhindern. Digital-/Analog-Wandler und die sie umgebende Peripherietechnik
tangieren das analoge Signal daher mit unschönem Impulsrauschen. Dieses
Impulsrauschen wird zusammen mit dem analogen Signal übertragen und sorgt für
eine verminderte Klangreinheit bei der Ausgabe über Ihre Lautsprecher. Die VLSC
(Vector Linear Shaping Circuitry) Technologie arbeitet dagegen mit einer laut
Onkyo besonderen Wandlungstechnik, die dieses Problem in den Griff bekommt. Die
durch die Intervalle zwischen den Abtastpunkten auftretenden Verzerrungen werden
durch analoge Echtzeit-Vektoren ausgeglichen. Diese Vektorverbindungen glätten
das Ausgangssignal und sorgen für einen ebenmäßigen, wellenförmigen Verlauf.
Das Ergebnis sind nahezu fehlerfreie, originalgetreue analoge Signale von
digitalen Quellen.
W.R.A.T.: Dieses Verstärkerlayout bringt, so Onkyo, in der täglichen
Hörpraxis entscheidende 3 Vorteile:
Vorteil 1: Aufbau mit ungewöhnlich geringer negativer Rückkopplung
– damit die Spitzenpegel der Signalquelle mit einem klareren Klang genossen
werden können. Obwohl der Einsatz von NFB (= negatives Feed Back) die
einfachste Möglichkeit darstellt, das Rauschen im Bereich der niedrigen
Frequenzen zu verringern, muss man doch hinsichtlich des Klangs einen hohen
Preis dafür zahlen: Ein beträchtliches Maß an NFB schränkt das
Kurzimpuls-Ansprechverhalten eines Verstärkers – also die Fähigkeit, auf
hohe Signalamplituden (Explosionen im Film, Dynamiksprünge und Orchestereinsätze
in der Musik) schnell zu reagieren – stark ein und führt im Bereich der hohen
Frequenzen sogar zu Verzerrungen. Daher setzt Onkyo auf eine spezielle
Schaltungstechnologie, auf einen Aufbau, der auf ein geringes Maß an NFB
ausgelegt ist und der an den entscheidenden Punkten im Signalweg Bauteile mit
niedrigen Toleranzwerten und von hohem Standard vorsieht. So erhält der
Anwender einen linearen Frequenzgang bis hin zu 100 kHz, was eine sehr gute
Eignung für die Wiedergabe von DVD-Audio und SACD beinhaltet.
Vorteil 2: Massekonzept mit in sich geschlossenen Schaltkreisen – Mit dieser
Konfiguration ist es möglich, eine größere Maximallautstärke ohne
Verzerrungen zu genießen.
Wenn das Massepotential (Spannung) eines Verstärkers während der Wiedergabe
von Film-Soundtracks oder Musikstücken schwankt, hört man ein unangenehmes
Rauschen. Bei einem offenen Schaltungsaufbau sind alle Schaltungen über eine
Schleife mit dem Netzteil verbunden. Aufgrund von Kurzzeitimpulsen und anderen
Faktoren des Energieflusses kann sich unweigerlich in jeder Schaltung ein
geringes Maß an Rauschen aufbauen. Bei der von Onkyo eingesetzten
fortschrittlichen Konfiguration mit in sich geschlossenen Schaltkreisen hat jede
Schaltung sowohl ihren Anfangs- als auch Endpunkt direkt am Netzteil. Hierdurch
wird das Rauschen der einzelnen Schaltungen aufgehoben, und das Massepotential
bleibt frei von Schwankungen – daraus resultiert eine besonders klare-
facettenreiche und saubere Wiedergabe.
Vorteil 3: Fähigkeit, kurzzeitig hohe Spitzenströme zu liefern, damit auch in
extrem effektgewaltigen Sequenzen die Dynamik und die Kraft in vollem Maße
erhalten bleiben. Audio-Signale sind extrem komplex und bestehen aus
vielen verschiedenen Frequenzen und Amplitudenspitzen. Wenn ein Verstärker
solch ein Signal an einen Lautsprecher abgibt, akkumuliert die
Lautsprechermembran Energie. Wenn die Membran zurückschwingt, wird Energie zum
Verstärker zurück gesendet. Der Verstärker muss in der Lage sein, einen
Augenblicksstrom mit großer Stromstärke zu liefern, um diese vom Lautsprecher
zurückgesendete Energie auszugleichen, und sofort das nächste Signal zu
senden. Die Lautsprecherimpedanz kann für sehr kurze Zeiträume auch sehr
niedrig werden, was ebenfalls dazu führt, dass der Verstärker hohe Stromstärken
liefern muss – bis zum Vier- bis Sechsfachen der üblichen Lastströme. Die Fähigkeit
der WRAT Receiver von Onkyo, kurzzeitig hohe Spitzenströme zu liefern, ist
besonders groß. Insgesamt ist der TX-SR703E technisch
gut aufgebaut. Punktabzüge gibt es für die nicht ideale
Endstufenkonfiguration. Auch der Tuner ist nicht optimal untergebracht, anstatt
des festen Netzkabels sähen wir lieber einen Anschluss für ein
Kaltgeräte-Netzkabel.
Bewertung          
Ausstattung
Dass der TX-SR703E über alle relevanten Decoder verfügt, ist
in der 1.000 €-Liga eine Selbstverständlichkeit. Zusätzlich jedoch bringt
der 7 x 130 Watt starke AV-Receiver ein THX Select 2-Zertifikat mit, inklusive
den THX Select 2-Betriebsarten Music, Cinema und Game sowie dem Decoder für THX
Surround EX. Dies bringt zusätzliche Punkte. Ansonsten jedoch birgt die
DSP-Sektion kein besonders großes Ausstattungspotential. Onkyo hat zwar einige
selbst entwickelte DSPs integriert (Mono Movie, Orchestra, Unplugged,
Studio-Mix, TV Logic, All Channel Stereo, Full Mono), bis auf das
Orchestra-Programm und die für Partyfreunde interessante All Channel
Stereo-Betriebsart sind die Programme aber zu vernachlässigen. Denkt man an die
DSP-Power eines Yamaha RX-V2600 oder
selbst eines Yamaha RX-V757, dann
sollte sich bei der Konkurrenz doch mal etwas tun, zumal Onkyo es sehr gut kann
- wie der selige Onkyo TX-DS989 Upgrade 2
eindrucksvoll unter Beweis stellte. Was die Bestückung der DSP-Sektion
betrifft, hat aber auch Denon Nachholbedarf. Die Harman Kardon AV-Receiver
machen die dürfte Ausstattung mit DSP-Progammen zu einem beträchtlichen Teil
wieder wett, weil hier Logic 7 als dritter und klanglich ausgezeichneter
Aufpolierer mit an Bord ist.

Das optisch schlichte Einmessmikrophon leistet offensichtlich
gute Arbeit - nur im Bassbereich passen die Ergebnisse nicht ganz

Wie üblich: Während des Auto Setups heißt es, ruhig zu
sein, damit möglichst präzise gemessen werden kann

Auto Setup hat bei unserem 5.0-System, welches wir unter
anderem einsetzten, alles korrekt erkannt

Wahlweise kann man die Lautsprecher auch entsprechend den
THX-Empfehlungen manuell einstellen. Dies ist dann ratsam, wenn man ein THX
Select-zertifiziertes System wie das Teufel
System 5 einsetzt

Der TX-SR703E verfügt auch über einen manuell nutzbaren EQ.
Leider aber ist es nicht möglich, eine automatisch ermittelte Kurve in den
manuellen Equalizer zu kopieren, um sie weiter zu bearbeiten. Hier bieten z.B.
Pioneer und Denon bessere Lösungen an
Kommen wir zurück zum Onkyo TX-SR703E, der auch über ein
automatisches Lautsprecher-Einmesssystem inklusive Equalizing verfügt. Das
System arbeitet zuverlässig und bringt gute Ergebnisse zustande, wenngleich im
Bassbereich viel zu zurückhaltend eingemessen wird. Betreibt man den TX-SR703E
in der automatisch ermittelten Einstellung, ist kaum Bass vorhanden, was den
Hörspaß einschränkt. Also muss man manuell nachoptimieren, doch hier zeigt
sich eine Schwäche des 703ers. Denn es ist nicht möglich, die automatisch vom
EQ ermittelte Kurve in den manuellen EQ hineinzukopieren. Der Anwender hat nur
die Wahl, zwischen 3 Optionen mittels OSD und Fernbedienung zu wählen: 1)
Automatisch ermittelte Einstellungen aktiv, 2) manuelle Einstellungen aktiv, 3)
Equalizer ausgeschaltet. Der automatische EQ bearbeitet nicht grundsätzlich die
identischen Frequenzen bei allen Lautsprechern, sondern agiert individuell. Nur
die Gesamtanzahl der optimierten Frequenzen ist identisch. Der manuelle EQ hat
für jeden Lautsprecher die gleichen Frequenzen, an denen der Klang an Raum,
Equipment und Gusto angeglichen werden kann. Insgesamt hat dieses Lösung
den Nachteil, dass man beim
manuellen EQ immer wieder von vorn anfangen muss, was sich in der Praxis als nicht
die beste Lösung entpuppt, da die Frequenzabstimmungen bis auf den Bassbereich sehr gut gelungen
sind in der automatischen Kalibrierung. Hätte man die gesamte Kurve kopiert
und manuell nur an den nicht ganz passenden Punkten optimiert, wäre man schnell
zum gewünschten Ziel gekommen. Da wir gerade beim Kritisieren sind: Z.B. Pioneer
macht es auch bei günstigeren Modellen vor - sehr sinnvoll sind 2 oder 3
User-Speicher, in denen für verschiedene Einsatzzwecke, z.B. für Musik,
Filmton und den Einsatz bei sehr hohem Pegel jeweils individuelle EQ-Settings
abgelegt und auf Knopfdruck aufgerufen werden können. Das könnten sich auch
die Onkyo-Entwickler einmal abschauen.

Hier das Grundmenü für die Lautsprechereinstellung, sollen
diese manuell erfolgen

Per OSD einstellbare Lautsprecherimpedanz - sehr komfortabel.
Bei Yamaha muss man dafür in ein
spezielles Setup, das ist der weniger komfortable Weg
Verschiedene Details hingegen sind lobend zu erwähnen. So verfügt der
Onkyo über eine Impedanzumschaltung (4 oder 6 Ohm) im Speaker-Setup, noch
besser wäre diese Funktion, wenn zwischen 4, 6 und 8 Ohm gewählt werden
könnte. Eine Audio Delay-Funktion (diese sorgt für ein synchrones Eintreffen
des per De-Interlacing und Upscaling nachbearbeiteten Videosignals und des sonst
zu früh eintreffenden Audiosignals) gehört inzwischen auch bei Onkyo zum guten
Ton. Für Freunde des reinen Audiogenusses bringt der TX-SR703E eine "Pure
Audio"-Schaltung mit. Wird diese aktiviert, können nur noch mittels HDMI
Bildsignale transferiert werden, zudem wird das Display ausgeschaltet. Sehr gut gefallen uns auch die präzise einstellbare
Subwoofer-Übernahmefrequenz (40/60/70/80/90/110/120/150/200
Hz) und der hochwertige Videosignalwandler, der auch einen Time Base Corrector
mitbringt, um etwaige Zeitlauffehler des Videosignals aufzufangen. Ansonsten
finden sich keine weiteren Video-Optionen, der Signalwandler macht, wie wir
später sehen werden, seine Sache aber ausgesprochen gut. Kein Ruhmesblatt ist
die Disziplin "Multiroom". Hier findet sich lediglich ein Paar
Cinchbuchsen, möchte man einen externen Verstärker anschließen. Nutzt man die
Back Surround-Endstufen des TX-SR703E, kann man die Zone 2 Stereolautsprecher
hinten an die Lautsprecherschraubverschlüsse anschließen. Hier wäre ein
Videoausgang zusätzlich eine Erweiterung der Ausstattung.

Sehr präzise einstellbare A/V-Verzögerung
Insgesamt schneidet der Onkyo TX-SR703E voll befriedigend bei
der Bewertung der Ausstattung ab. Er bringt alles mit, was in der Preisklasse
üblich ist, also ein Auto Room Setup mit EQ, einen Videonormwandler, eine Audio
Delay-Funktion, ein sehr gutes manuelles Speaker- und Bassmanagement und als
"Benefit" noch ein THX Select 2-Zertifikat. Verbesserungspotential
findet sich dennoch. So kann die DSP-Sektion ein Upgrade vertragen, cie
DSP-Programme, die Onkyo bereits beim TX-SR989 auf den Markt brachte, waren
wirklich gut, das technische Know-How ist also vorhanden. Die Multiroom-Optionen
sind recht dürftig, und auch das Equalizing könnte noch feingetunt werden: Die
automatisch ermittelte Kurve sollte in den manuellen EQ übertragbar sein. Zudem
wären drei Speicherplätze für verschiedene EQ-Settings wünschenswert. Dass
der Vorgänger TX-SR702E besser
abgeschnitten hat, liegt daran, dass inzwischen einfach ein höhere
Ausstattungsstandard herrscht - aber nicht nur in der Liga um 1.000 €: Selbst
der deutlich preiswertere Konkurrent aus dem eigenen Hause, der TX-SR603E
, hat effektiv kaum weniger Features mit an Bord. Selbst die
Endstufenleistung liegt mit 7 x 125 gegenüber 7 x 130 Watt beim 703 kaum
niedriger. Videonormwandler und Auto Room Setup hat auch der kleine Onkyo
bereits mit an Bord.
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