VERGLEICH VOR-/ENDSTUFENSETS: NAD C162/C-272 vs. Rotel RC1090/RB1090 (1/3)
19.07.2006 (hsh/cr)

Manchmal sind gerade Vergleiche reizvoll, die auf den ersten
Blick nahezu unmöglich erscheinen: Wir haben uns ein wenig auf eben diesen Mut
zur Vergleichs-Lücke spezialisiert, wie wir auch in unserem Sub-Dreiertest
unter Beweis stellten. Nun haben wir wieder eine hochinteressante Paarung
zusammengestellt, diesmal allerdings aus dem erlesenen Bereich der
Stereo-Vor-/Endstufenkombinationen: Man könnte unseren Doppeltest auch schlicht
und einfach mit "David gegen Goliath" titulieren. Ganz so theatralisch
wollen wir aber nicht an das Thema herangehen und präsentieren nun die
Kandidaten. Die bereits optisch massiv auftretende Rotel-Kombination, bestehend
aus dem Stereo-Vorverstärker RC1090 und der THX Ultra-zertifizierten
Stereo-Endstufe RB1090, zusammen mit 3.998 € nicht unerhebliche Kosten
verursachend, trifft auf einen Herausforderer aus dem Hause NAD. Das Duett aus
dem Vorverstärker C162 und der Endstufe C272 kommt auf vergleichsweise humane
1.440 € - was man den beiden Komponenten optisch auch ansieht, hier verhungern
die grauen NAD-Mäuse gegen die martialisch auftretenden Rotel-Komponenten,
insbesondere die Endstufe kann den Hörraum durchaus optisch beherrschen - und
sieht ganz danach aus, als ob ihr dies auch akustisch gelänge.

Kann die NAD-Kombination (hier mit dem passenden CD-Player)
einen Überraschungscoup landen?
Warum ein solcher Vergleich? Ganz einfach: Wie wir aus der
harten Testpraxis wissen, ist nicht automatisch das Teurere des Billigeren Feind, weil es besser ist. Vor allem Lautsprecher der Direktvertreiber Teufel
und Nubert haben in vielen Vergleichstestreihen schon oft sehr viel teureren
Kontrahenten das Fürchten gelehrt. Und, sollte sich die Rotel als das technisch
und akustisch überlegene Produkt entpuppen, so stellt sich dann die nicht
minder interessante Frage: Ist sie so viel besser, dass sie den immensen
Mehrpreis Wert ist? Oder sind die Unterschiede weit weniger groß, als es die
Preisdifferenz suggeriert?

Oder weist die mächtige Rotel Kombi die NAD Produkte
nachdrücklich in die (Leistungs-) Schranken?
Die reinen Leistungsdaten der Endstufen versprechen auf dem
Papier einen komfortablen Rotel-Vorsprung: Die THX Ultra-Endstufe, von Rotel
auch liebevoll "the Tower of Power" genannt, stemmt an 4 Ohm 700 (!)
Watt - pro Kanal, versteht sich. An 8 Ohm stehen immer noch souveräne 380 Watt
bereit. Mehr geht kaum, auch nicht für noch mehr Geld. Die 2 x 150 Watt der NAD
C272, die sowohl an 4 als auch an 8 Ohm als Dauerleistung angegeben werden,
nehmen sich im Vergleich beinahe schon niedlich aus. Aber, wie eine alte
Weisheit besagt: Papier ist geduldig. Wir sind es allerdings eher weniger und
versuchen auch bei harten Pegel-Testläufen zu eruieren, ob die Rotel RB1090 der
NAD C272 tatsächlich auf und davon "läuft".
Wie Sie feststellen werden, verspricht dieser Test, einige
vielleicht auch komplett neue Erkenntnisse zu vermitteln. Natürlich fehlen auch
einige Konkurrenzanalysen nicht, und wir haben einen starken Gegner in Form des Audio Analogue
"Maestro" Vollverstärkers während den ganzen Testreihen mit
verwendet, um sorgfältig gegen zu hören. Denn der Maestro ist ein "harter
Brocken" und wird den beiden Gegnern noch einige Hürden
bereitstellen.
Nun lassen Sie sich überraschen - wer siegt im auf den ersten
Blick ungleichen Vor-/Endstufen-Duell?
Verarbeitung/Optik außen

Richtig überzeugen können weder Materialauswahl noch Optik
der NAD Komponenten

Die sehr deutlich teurere Rotel Vorstufe kommt optisch
wesentlich nobler daher. Brillant ist das Finish aber auch hier nicht, das
Aluminium der Gerätefront könnte durchaus noch hochwertiger sein. Sehr gut
gefallen haben uns das Display und der griffgünstige, haptisch angenehme
Lautstärkeregler aus Alu

Mit "nüchtern und pragmatisch" könnte man die
außergewöhnlich unauffällige Optik der C272 umschreiben

Wer die RB1090 aus dem Hause Rotel kauft, kann sich über eine
ungemein imposante, technisch-martialische Optik freuen

Sehr praktisch sind die Rollen, die Rotel in die 38 kg (!)
schwere Zweikanalendstufe auf der Unterseite eingelassen hat

Kein wahres Vergnügen sind die
Lautsprecherkabel-Anschlussterminals an der NAD C272. Zwar haben wir die sehr
schlichten und allzu hochwertigen Buchsen durch sehr edles Kimber Kabel fürs
Foto "aufgepeppt", Fakt ist aber, dass NAD hier besser hochwertigere
Anschlüsse einsetzen sollte. Viele preiswerte Teufel-Boxen haben bessere
Anschlussterminals als die NAD Endstufe

Genau das Gegenteil stellen die ausgesprochen edlen und
leichtgängigen Anschlussterminals der RB1090 dar. Sie gehören zum Besten, was
der gesamte Markt bietet

Leider noch ein Minuspunkt für NAD: Das fest integrierte
Nerzkabel der Vorstufe. Die Endstufe hat einen Anschluss für ein
Kaltgeräte-Netzkabel

Sehr hochwertige, fest sitzende symmetrische XLR-Ausgänge mit
hoher Kontaktsicherheit prägen die RB1090 von hinten
Diese Teilwertung müssen wir leider mit einigen bedauerlichen
Erkenntnissen beginnen, denn beide Kombinationen bieten hier keine rundherum
überzeugende Qualität. Es gibt AV-Receiver der 600 bis 800 €-Liga, die ein
deutlich besseres Verarbeitungsniveau aufweisen als diese beiden Kandidaten.
Aber gehen wir in die Details und beginnen wir mit dem günstigeren NAD System.
Der Vorverstärker C162 kann bereits mit seiner Kunststoff-Gehäusefront
keinerlei Akzente setzen. Minimalistisches Industriedesign hin oder her - diese
Optik wirkt einfach nur billig und vermittelt keinen Stil. Schaut man sich an,
was andere Firmen wie z.B. Marantz oder Audio Analogue an optischer Klasse
realisieren, dann ist das hier Gebotene einfach zu wenig. Die Spaltmaße sind
befriedigend, die Bedienelemente auf der Gerätefront sind einfach zu handhaben
und recht ordentlich verarbeitet. Nachteil ist das fest eingepasste Netzkabel.
Hier sollte eine Buchse für ein Kaltgeräte-Kabel vorhanden sein.
Kommen wir zur NAD C272 Endstufe. Der Blick auf die
Geräterückseite löst trotz der sauber eingepassten und vergoldeten
Cinchbuchsen keine Begeisterungsstürme aus. Die Terminals zur Aufnahme des
Lautsprecherkabels bzw. der Bananenstecker sind in keinster Weise
preisklassengerecht, bei so manchem 300 € AV-Receiver finden sich durchaus
qualitativ vergleichbare Anschlussbuchsen. Ansonsten sieht die Endstufe einfach
schlicht aus, auch sie bringt eine Kunststofffrontblende mit. Verschraubung und
Spaltmaße sind durchschnittlich, solide ist der Gehäusedeckel.
Die Rotel Vorstufe RC1090 ist aus verarbeitungstechnischer Sicht
ebenfalls nicht perfekt. Zwar schmückt Aluminium die Gerätefront, dieses macht
aber keinen außerordentlich edlen Eindruck, wie man es eigentlich erwarten
würde bei einem solchen Upperclass-Produkt. Auch die Bedienelemente sind nicht
von erlesener Güte, die Qualität ist ordentlich, Maßstäbe werden jedoch
keine gesetzt. Wenigstens ist das Chassis steif, und auch die Verschraubung
birgt keine wahren Schwächen. Das Display der Vorstufe verdient sich
ausgezeichnete Zensuren und ist sehr gut ablesbar.
Die Rotel Endstufe RB1090 ist optisch ein Koloss und erzeugt
einen professionellen Eindruck. Die Verarbeitung im Detail ist aber auch hier
nicht überdurchschnittlich, sondern bewegt sich auf eher normalem Level. Das
verwendete Aluminium wirkt auch hier nicht extrem hochwertig, und alle
Spaltmaße sind zwar nicht auffällig groß, aber auch nicht so perfekt eng
anliegend, wie wir es von einigen teuren AV-Receivern und -Verstärkern kennen.
Ein mit 1.299 € im Vergleich zur Rotel-Kombi geradezu lächerlich
preiswerter Yamaha RX-V2600 wirkt
insgesamt edler als das Rotel-Duo, von der NAD-Kombination, die allerdings auch
preislich viel näher am Yamaha rangiert, ganz zu schweigen. Schlichtweg
optimal sind die Lautsprecherkabel-Buchsen der RB1090. Etwas Besseres als die
WBT-Terminals bietet der Markt kaum. Auch die perfekt integrierten XLR
symmetrischen Eingänge begeistern.

Ordentliche NAD-Fernbedienung

Die Rotel-Fernbedienung wirkt etwas altbacken
Wenden wir uns nun den beiden Fernbedienungen zu. Hier bietet
die NAD-Remote erstaunlicherweise kaum Anlass zur Kritik, man kann sie als
preisklassengemäß umschreiben. Die etwas klapprige Rotel-Fernbedienung bietet
zwar lobenswerterweise ein LC-Display, brilliert aber sonst mit keinen
hervorstechenden Reizen.
Übersicht
Noten: Ungenügend, mangelhaft, ausreichend, befriedigend, gut,
sehr gut, ausgezeichnet, hervorragend, perfekt plus alle Zwischennoten
| Verarbeitungsmerkmal |
NAD C162/C272 |
Rotel RC1090/RB1090 |
| Optische Qualität der Frontplatte |
befriedigend |
gut |
| Anfassqualität Frontplatte |
ausreichend |
gut |
| Passungen/Spaltmaße |
befriedigend |
gut - sehr gut |
| Qualität Gehäusedeckel |
gut |
befriedigend |
| Qualität/Anschlussausführung Cinch
Geräterückseite |
sehr gut - ausgezeichnet |
gut - sehr gut |
| Qualität/Anschlussausführung XLR
Geräterückseite |
nicht vorhanden |
hervorragend |
| Qualität/Anschlussausführung LS-Buchsen
Geräterückseite |
ausreichend |
perfekt |
| Qualität Display |
nicht vorhanden |
ausgezeichnet |
| Qualität Bedienelemente Frontplatte |
gut |
gut |
| Qualität Gerätestandfüße |
gut |
ausgezeichnet |
| Qualität der gesamten Verschraubung |
befriedigend |
befriedigend |
| Qualität der Fernbedienung |
gut |
befriedigend |
| Fazit: |
Kein Ruhmesblatt für die NAD-Kombination: Mit
der Gesamtnote befriedigend - gut gibt es noch viel Spielraum. |
Teuer und gut, aber an manchen Details muss Rotel
noch feilen. Gesamtnote: Sehr gut - ausgezeichnet |
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