TEST: JBL Studio L-Serie - Neuer Maßstab in der Liga bis 3.000 € ? (1/2)
12.01.2006 (cr)

Einführung
Das klingt nach einem echten Schnäppchen: Für exakt 2.595 €
geht bei den Sound-Experten von JBL ein 5.0-Setup über die Ladentheke, das auch
ambitionierte Anwender neugierig machen dürfte, denn anstatt
unterdimensionierter Mini-Böxchen sorgen ausgewachsene Vierwege-Standboxen
nicht nur vorn, sondern auch im Surroundbereich für eine abwechslungsreiche und
fundierte Wiedergabe: Die Studio L-Serie trägt beste Gene in sich, um dem
preis-/leistungsbewussten Mehrkanal-Freund glücklich zu machen. Wir verwendeten
für unser 5.0 Test-Set die L890 (Stückpreis 599 €) als Frontlautsprecher,
den LC2 (größerer der beiden Center, Stückpreis 399 €) und die L880
Standbox (Stückpreis 499 €) für die beiden Surroundkanäle. Aufgrund der
Basskraft der vier Standboxen verzichteten wir auf einen zusätzlichen aktiven
Subwoofer, wer trotzdem auf einen passenden Bassisten zurückgreifen möchte,
auch diesen haben wir bereits getestet: Der JBL
L8400 steht für 799 € in den Startlöchern. Nun aber sind wir gespannt -
schafft es das Studio L-Ensemble, uns tief zu beeindrucken ?
Verarbeitung

Saubere Kantenverarbeitung

Fürs Geld wird ein ohne Einschränkung tadelloser
Verarbeitungsstandard geboten

Integrierte Standfüße aus Aluminium bei L880 und L890

Präzise Einpassung aller Lautsprecher-Chassis
Für die günstigen Kaufpreise sind die Studio L-Lautsprecher
routiniert und sauber verarbeitet. Alle Gehäusekanten sind exakt ausgeführt
und lassen keine Ungenauigkeiten erkennen. Die Lautsprecher-Chassis sind exakt
ins Gehäuse eingefügt. Zu loben sind ferner die integrierten Füße bei den
Standboxen L890 und L880. Die bi-wiring- und bi-amping-fähigen vergoldeten
Anschlussterminals sind von klassenüblicher Qualität.
Bewertung          
Technik, Aufbau und Ausstattung

L880 und L890 sind als Vierwege-Systeme ausgeführt
Hier können die beiden großen Standlautsprecher zunächst mit
ihrer aufwändigen Bestückung punkten. Die Vierwege-Standlautsprecher kommen
mit zwei Hochtönern, einer ist in Hornform als Super-Hochtöner ausgelegt.
Durch diese doppelte Hochttöner-Bestückung reicht der Frequenzgang bis auf 40
kHz hinauf. (untere Grenzfrequenz: L890 28 Hz, L880 30 Hz). Viel Aufwand in dieser Preisklasse, normalerweise muss man für so
aufwändig ausgeführte Boxen deutlich mehr berappen. Die Pioneer
S-H810V (799 €/Stück) hat z.B. auch einen separaten Super-Hochtöner. Bei
den Studio L-Boxen kommt ein 20 mm Superhochtöner aus Mylan in Kombination mit
einem Bi-Radial-Horn aus Aluminiumdruckguss zum Einsatz. Als normaler Hochtöner
fungiert eine 25 mm Kalotte aus reinem Titan. Als Mitteltöner verwendet JBL ein
100 mm Chassis mit PolyPlas-Membran und Gummisicke, der Korb besteht aus
Aluminium-Druckguss.

100 mm Mitteltöner

2 x 200 mm Basstreiber bei der L890, 2 x 150 mm Basstreiber
bei der L880
PolyPlas-Membranen sorgen für eine erhöhte Steifigkeit
für Mittel- und Tieftöner - trotz niedrigen Gewichts. Diese Technologie hat
JBL von seinen sündhaft teuren Profi-Beschallungssystemen entnommen. Im einzelnen
handelt es sich bei PolyPlas um eine spezielle Oberflächenbehandlung, die
Eigenresonanzen der Membran eliminiert und für eine gleichmäßige,
kolbenförmige Membranbewegung sorgt. Dadurch entsteht ein fester, straffer Bass
und ein knackiger unterer Mitteltonbereich. Als Basschassis sind bei der L890 2
x 200 mm Bauteile ebenfalls mit PolyPlas-Beschichtung (L880: 2 x 150 mm
Basschassis) verbaut. Als Korb kommt auch hier eine Variante aus Alu-Druckguss
zum Einsatz. JBL sieht gerade bei Bass-Chassis einen deutlichen Vorteil des
Aluminium-Korbes, da normale, dünnere Körbe aus Blech bei sehr kraftvollen
Bässen anfangen können, zu schwingen. Außerdem stört das Leichtmetall
Aluminium die in der Schwingspule erzeugten Magnetfelder nicht, was die exakte
Basswiedergabe weiter erleichtert.
Bei allen Lautsprecher kommt als Frequenzweiche JBLs "Straight
-Line Signal Path" (SSP)-Bauteil zum Einsatz. Vorteil der Konstruktion ist
der kurze Signalweg, um mögliche Signalbeeinflussungen gering zu halten - das
sorgt für wenig Rauschen und geringen Gesamtwiederstand der Bauteile. Die
Qualität der Signalübertragung steigern dicke Verbindungskabel. Interessant in
diesem Zusammenhang ist, dass manche Boxenhersteller auf möglichst einfach
gehaltene Frequenzweichen mit wenig Bauteilen setzen, andere verbauen höchst
aufwändige Frequenzweichen für präzise Arbeit - wir kennen Lautsprecher mit
beiden Konstruktionsprinzipien, die für ausgesprochen überzeugende akustische
Resultate sorgen.

Spezielles Bassreflexsystem für wenig Luftwirbel
Wie sich später im Test zeigen wird, überzeugen die großen,
27,3 kg schweren Frontlautsprecher L890 und die ebenfalls noch ausladenden, 24,5
kg wiegenden Surroundlautsprecher
L880 mit einem besonders nachdrücklichen, kräftigen Bassbereich. Das ist auch
Verdienst des "Free Flow"-Bassreflexrohres", welches den
Wirkungsgrad im Bassbereich verbessert. Ein am Computer berechnetes
Verbindungsrohr befördert Luftschwingungen nach außen. Aufgrund der speziellen
Konstruktion des Bassreflexrohres entstehen praktisch keine hörbaren
Luftverwirbelungen an der Gehäuseöffnung. Beide Standlautsprecher sind
mit einer Empfindlichkeit von 91 dB auch für die Kombination mit normal
leistungsfähiger Elektronik ausgelegt - hier beweisen die JBL-Boxen, dass der
faire Kaufpreis der Schallwandler nicht durch überdurchschnittliche
Anforderungen an die Elektronik, was dann hohe Investitionen erfordert, wieder
egalisiert wird. Bereits ab 600 € gibt es AV-Receiver wie den Denon AVR-2106
oder den Kenwood KRF-X9090D,
die prima mit den JBLs zurecht kommen dürften. Akustisch anbieten für
unser 5.0 Setup tut sich der grandios klingende und mit 1.000 € nicht zu teure
Harman Kardon AVR-435. Prima passt
auch der dynamische Yamaha RX-V2600 zu
diesem Boxen-Setup. Wer wissen möchte, was diese Lautsprecher wirklich können,
muss nicht zögern und kann auch einen Harman Kardon AVR-7300
zusammen mit den Studio L-Boxen betreiben. Für eine stimmige
akustische Abkopplung vom Boden sorgen die Alu-Standfüße zusammen mit 8 mm
Spikes, alles wird bereits mitgeliefert - sehr lobenswert. Als Belastungswerte
gibt JBL 125 Watt als Dauer- und 500 Watt als Kurzzeit-Maximalbelastung im Falle
der L890 an. Bei der L880 sind es 100 und 400 Watt. Die empfohlene maximale
Verstärkerleistung liegt bei 250 Watt (L890) beziehungsweise 200 Watt (L880)
Der Center ist auch als 4-Wege-Modell konzipiert und eignet sich
mit seiner geringen Tiefe optimal für die Wandmontage. Für die Aufstellung
z.B. auf einem Regal o.ä. ist er weniger geeignet, hier besteht
"Kippgefahr". Hoch- und Mitteltöner sind mit den Bauteilen von L880
und L890 identisch. Als Bestückung im Tieftonbereich dienen, wie bei der L880,
2 x 150 mm Chassis. Anders als bei den Standboxen-Kollegen fallen die
Belastungswerte aus: 75 Watt Dauerbelastbarkeit ist etwas wenig, wie später die
Testreihen zeigen, hält der Center jedoch stets genug Reserven in der
Hinterhand, um auch bei hohem Pegel akustisch zu beeindrucken. Der Frequenzgang
reicht hier v0n 50 Hz bis hinauf auf 40 kHz - auch der Center setzt auf den
Superhochtöner. Mit einer Empfindlichkeit von 92 dB wird ein ausgesprochen
guter Wert erreicht, der dafür sorgt, dass man den LC2 auch in Verbindung mit
nicht allzu leistungsfähiger Elektronik einsetzen kann. Die maximale
Kurzzeit-Belastung liegt bei 300, die maximale Dauerbelastung bei 75 Watt. Als
größte Verstärkerleistung empfiehlt JBL beim 13,2 kg schweren Center 150
Watt.
Insgesamt verdient sich die Studio L Serie ausgezeichnete
Zensuren. Die aufwändige Chassisbestückung mit eigenem Superhochtöner stellt
eine Wiedergabemöglichkeit für die Lautsprecher auch beim Anhören von DVD-A-
und SACD-Tonträgern sicher. Die Bauteile sind hochwertig ausgeführt. Durch den
hohen Wirkungsgrad können die Studio L-Komponenten auch mit normaler Elektronik
bestens angesteuert werden, durch die ausgezeichnete technische Basis sind die
preisgünstigen Boxen aber auch im Zusammenspiel mit teuren Verstärkern und
Receivern problemlos zu betreiben.
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