TEST: Jamo A775HCS4 (3/3)
Test-Equipment:

Testaufbau fürs Foto
- AV-Receiver/Verstärker: Harman Kardon AVR-340, Onkyo
TX-SR803E
- DVD-Player: Denon DVD-2910, Marantz
DV-7600
- Bildwiedergabegerät: Toshiba 47WLG66P
Klang
Das Jamo Set ist bildschön, exzellent verarbeitet und weist auf
dem Papier sehr löbliche Leistungsdaten auf- nun sind wir aber gespannt, wie
sich das A775HCS4 in der Klangwertung schlägt. Bei der Wiedergabe von
Mehrkanal-Musik- und Filmtonmaterial gefällt das dänische Boxenensemble mit
seinem ruhig aufgebauten, dennoch klaren, harmonischen Charakter. Hier agiert
ein grundsolides System, das bestens dazu geeignet ist, als Home Entertainment
Lösung im anspruchsvollen Wohnambiente zu dienen. Keine Aggressivität, keine
Misstöne - das A775HCS4 sorgt für entspanntes Hören, auch noch nach Stunden.
Bei "Behind Enemy Lines" bot der aktive Subwoofer A7SUB viel Basskraft
und schafft einen intensiven räumlichen Eindruck. Nie allerdings brachte er
sich übertrieben ins gesamte Klangbild ein, der Bass brachte vielmehr ein
authentisches Erscheinungsbild mit. Erst bei sehr hohem Pegel dann war das 25 cm
Basschassis am Ende, die Membran schlug an.

Der aktive Subwoofer gefällt mit ordentlichen Kraftreserven
Bei bereits deutlich erhöhtem Pegel - dies zeigte auch die
"Behind Enemy Lines"-Testsequenz auf der 7. DTS Demo-DVD - verhält sich der
kompakte Subwoofer noch erstaunlich ruhig und erzeugt weder Strömungs- noch
Dröhngeräusche. Dank der stattlichen Ausgangsleistung kann er durchaus auch in
größeren Hörräumen zwischen 30 und 40 Quadratmeter eingesetzt werden, ohne
dass er deplatziert wirkt. Das Volumen, welches der Basslautsprecher erzeugt,
ist selbst in Räumen um die 40 Quadratmeter tadellos. Damit der aktive
Basslautsprecher nicht vom menschlichen Ohr exakt geortet werden kann, empfehlen
wir, eine Übernahmefrequenz von ca. 100 bis maximal 120 Hz (Grenzfall)
einzustellen.
Überfordert zeigte sich das A775HCS4 nur bei der Sequenz aus
"the Fast and the Furious", ebenfalls auf der 7. DTS-Demo-DVD. Der
gesamte Aufbau der von durchschlagenden Effekten gezeichneten Szene war bei
hohem Pegel nicht mehr differenziert, die gesamte Akustik neigte zum Dröhnen. Für
eine akkurate Wiedergabe dieser Sequenz braucht man, dies muss man der Fairness halber erwähnen, aber auch ein
außergewöhnlich leistungsfähiges Ensemble. Am besten von den
design-orientierten Boxensets kommt das Infinity
"Cascade" mit dieser Sequenz zurecht. Und: Überragend schlägt
sich das Canton Movie CD-201, das
natürlich nicht an das preislich in anderen Regionen auftretende Cascade-System
herankommt, aber für den Preis von 1.450 € sind die Leistungen schlichtweg
sensationell. So offen, so kraftvoll, so direkt und vor allem im Hochtonbereich
so brillant agiert auch das Jamo-Ensemble nicht. Überhaupt, das wird in allen
Testreihen deutlich, wendet sich das Jamo A775HCS4 klar an den Hörer, dem ein
relaxtes Hörerlebnis besonders am Herzen liegt. Klassische Musik kann mit
diesem 5.1 Set auch "nebenher" gehört werden, also schön im
Hintergrund laufen, während man z.B. liest. So kann man völlig abschalten,
denn das A775HCS4 drängt sich nie unangenehm auf. Prima gefiel uns, dass der
aktive Subwoofer schon unter Zimmerlautstärke eine runde, gefällige
Bass-Kulisse aufbaut.

Die kleinen Jamo A702 Satelliten geben Effekte präzise wieder
Bei verschiedenen Stücken von Andrea Bocelli zeigt unser
Test-Set erneut, dass ein harmonisches, angenehmes Hören offensichtlich im
Lastenheft der Entwickler ganz weit oben stand. Die Stimme Bocellis ertönt
nicht extrem direkt, sondern etwas distanziert, gleichzeitig jedoch baut das
Jamo-Ensemble eine weitläufige Front-Klangkulisse auf, die absolut nicht
ärmlich und dünn, sondern gut strukturiert und dicht auftritt, was auch
Verdienst des relativ breit abstrahlenden Centers ist. Diese
Homogenität und atmosphärische Dichte kann im Surroundbereich nicht ganz
aufgeboten werden. Das ist allerdings auch nicht außerordentlich
verwunderlich, denn die beiden A702 Rearlautsprecher sind äußerst kompakt und
benötigen nur sehr wenig Platz. Wunder in Bezug auf eine breite, dichte
Surround-Klangkulisse kann man insofern nicht erwarten. Was uns positiv auffiel,
ist allerdings die tadellose Präzision der kleinen Surround-Schallwandler. Auch
kleinere Effekte werden prima eingearbeitet und wirken nicht aufgesetzt
und hölzern, sondern fließend und stimmig integriert. Da vorn doch recht
ausladende LS-Säulen und ein gar nicht mal so kleiner Center zum Einsatz kommen
und hinten, wie bereits erwähnt, Satelliten mit relativ geringem Volumen
stehen, ist die Front-Surround-Balance nicht optimal.
Dies liegt aber nicht im
Unvermögen der Jamo-Ingenieure, sondern in den stark unterschiedlichen Volumina
von Front- und Surroundlautsprechern begründet. Wer nur wenig Stellfläche
für die Surroundlautsprecher zur Verfügung hat, kann durch eine geschickte
Einpegelung aber trotzdem eine für den Praxisbetrieb absolut brauchbare Balance
sicherstellen - solche designorientierten LS-Ensembles wie das Jamo sind auch
nicht dazu angetan, dem extrem high-endigen Hörer Beifallsstürme zu entlocken.
Wer außerordentlich hohe Ansprüche stellt, sollte sich lieber nach einem
entweder streng nach heimcineastischen Performance-Richtlinien oder aber nach
streng musikalischen Prinzipien aufgebauten Lautsprecherset umschauen. Dann darf
man sich jedoch nicht beklagen, dass das Mehrkanal-Set optisch weniger reizvoll
auftritt als das außergewöhnlich schöne Jamo-Ensemble.
Was die Aufstellung angeht, kann man einige Ratschläge
erteilen. Alle Jamo Boxen sollten eher wandnah Aufstellung beziehen, dann
erklingt der Grundtonbereich deutlich fülliger und bietet dann kaum Anlass zur
Kritik. Mitten im Raum sollte man die dänischen Design-Schallwandler nicht
unbedingt platzieren. Durch die cleveren Wandhalterungen ist es problemlos
möglich, die Satelliten leicht zum Auditorium hin anzuwinkeln, hier hat man bei
Jamo vorbildlich mitgedacht. Der aktive Subwoofer ist absolut nicht
aufstellungskritisch, er liefert stets einen nachdrücklichen und kräftigen
Bass. Nicht vollkommen überzeugt hat uns der Wirkungsgrad - wer einen
Einsteiger-AV-Receiver oder ein Modell der unteren Mittelklasse an das A775-Set
anschließt, wird unter Umständen kein allzu souveränes Klangbild erleben.
Daher ist es ratsam, eher einen AV-Receiver der 1.000 bis 1.300 €-Klasse als
Spielpartner einzusetzen. Hier können wir den Onkyo TX-SR803E
oder den Yamaha RX-V2600
empfehlen.
Akustische Bewertung:
(Noten: Ungenügend, mangelhaft, ausreichend, befriedigend, gut, sehr gut,
ausgezeichnet, hervorragend, perfekt plus alle Zwischennoten)
| System |
Jamo A775HCS4 |
| Pegelfestigkeit |
gut - sehr gut |
| Dynamik |
befriedigend - gut |
| Detaillierungsvermögen/Auflösung |
gut |
| Akustische Ausgeglichenheit/klangliche Harmonie |
sehr gut |
| Räumlichkeit Front-Klangkulisse |
ausgezeichnet |
| Räumlichkeit Surround-Klangkulisse |
gut |
| Zur Verfügung stehende Basskraft |
sehr gut - ausgezeichnet |
| Flexibilität in Bezug auf potentielle Zuspieler |
gut |
| Gesamte Klanggüte in Anbetracht des Kaufpreises |
gut - sehr gut |
| Gesamtnote |
Das Jamo-System sichert sich insgesamt die
tadellose Zensur "sehr gut". Besonders überzeugt hat uns
der sehr angenehme, harmonische Klang des A775HCS4. |
Fazit:

Perfekte Verarbeitung, angenehmer Klang: So lautet das
Kurzfazit zum Jamo 775HCS4
Das Jamo A775HCS4 beeindruckt mit absolut erstklassiger Verarbeitung und
außergewöhnlich hochwertiger Optik - was diese Faktoren angeht, kann sich das
Jamo System an die Spitze setzen und verweist die gesamte Preisklassenkonkurrenz
auf die Plätze. Auch der aktive Subwoofer schert nicht nach unten aus, sondern
kann sich die gleichen Top-Bewertungen sichern wie der Rest des Ensembles.
Akustisch erbringt das A775HCS4 solide Leistungen: Der aktive Subwoofer agiert
kräftig und raumfüllend, gleichzeitig aber dickt er nicht künstlich auf,
sondern integriert sich gut. Nur bei großem Pegel ist er im Hörraum ausfindig
zu machen. Die beiden A775 vorn und der A7CEN Centerlautsprecher schaffen eine
realistische, angenehm breite und sauber aufgebaute Bühne. Für ihre sehr
geringe Baugröße gefallen die A702 hinten mit tadelloser Pegelfestigkeit und
geben Effekte präzise wieder. Die gesamte Klangcharakteristik des
Jamo-Ensembles ist mehr auf Harmonie als auf außerordentliche Brillanz und
Dynamik ausgelegt. Damit ist das dänische Ensemble sehr gut als Home
Entertainment Set fürs heimische Wohnzimmer geeignet, denn auch nach
stundenlangem Zuhören werden die Nerven des Auditoriums nicht durch akustische
Eigenarten strapaziert - der angenehme, leicht zurückhaltende, aber
weitläufige Sound des A775HCS4 sorgt für große Zufriedenheit. Insgesamt
ergänzen sich die tadellosen Noten - in der Verarbeitungsdisziplin setzt das
Jamo sogar Maßstäbe - zu einem "Ausgezeichnet" als Testurteil.

Das Jamo A775HCS4 brilliert mit perfekter Verarbeitung und
eleganter Optik - klanglich besitzt das System einen angenehmen, entspannenden
Charakter
Obere Mittelklasse
Test 31. Juli 2006
Preis-/Leistungsverhältnis           
Pro:
-
Praktisch perfekte Verarbeitung
-
Elegante, zeitlose Optik
-
Sehr angenehmer Klang
-
Sehr gut aufgebaute, weitläufige Bühne
-
Subwoofer mit kraftvollem Bass
-
Subwoofer ist wenig aufstellungskritisch
-
Ordentliche Pegelfestigkeit aller Komponenten
Contra:
-
Subwoofer mit wenig Einstellmöglichkeiten
-
Etwas zurückhaltender Hochtonbereich
-
nur durchschnittlicher Wirkungsgrad
Zurück zu Seite 2
Test: Carsten Rampacher, Thomas "High-Speed"
Hermsen
Redaktion/Text: Carsten Rampacher
Technikberatung und Pegeltest-Supervisor: "Master of Sub and Bass" Roland Klinke
Software-Koordinator: Karsten Serck
31. Juli 2006
HOME
> HARDWARE-TESTS > ZURÜCK
<
|