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TEST: Infinity "Cascade" 5.2-Set (3/3)

22.08.2006 (cr/hsh)

Klang

Unser Testequipment:

Fürs Bild haben sich wieder jede Menge am Test beteiligte Komponenten eingefunden

Design und Klang auf beachtlichem Level miteinander zu verbinden, dies ist eine Anforderung, die immer mehr potentielle Kunden an ihr zukünftiges Mehrkanal-Lautsprechersystem stellen. Und es gibt auch immer mehr Hersteller, die sehr gelungene Synthesen aus hochwertiger Optik und intensiver Akustik anbieten. Von daher wäre es falsch, das sehr schicke Cascade-System als einzigartig anzusehen. Dies zumindest ist vor den Hörtestreihen die Ausgangsposition. 

Idealbesetzung: Zwei Cascade 12-Subwoofer sorgen für bleibende Bas-Ein-DRÜCKE

Allerdings stellte sich bereits recht schnell heraus, dass unser Test-Setup tatsächlich außergewöhnliche Talente mitbringt, und diese zeigen sich schon bei der Bewertung der Pegelfestigkeit. Hier macht dem Infinity-System so schnell kein Konkurrent etwas vor. Gerade die beiden Sub 12 stellen ein außerordentlich leistungsfähiges Team für die Wiedergabe niedriger Frequenzen dar. So managen diese beiden Basslautsprecher selbst die Eröffnungs-Raumschlacht von Star Wars Episode III ausgezeichnet - sogar die bereits sehr pegelfest agierenden Klipsch Synergy Sub 10 müssen sich hier hinten anstellen. Die ohne störende Nebengeräusche und Verzerrungen erzielbaren Pegel, die die beiden Cascade-Woofer realisieren, liegen deutlich höher. Durch die beiden Passivmembranen herrscht in Punkto Störgeräuschen Ruhe - nur satter, klarer Bass ist hörbar. Die vorbildlich steifen Gehäuse lassen ebenfalls nichts von sich hören. Mit diesen Premiumleistungen lassen die beiden Infinitys im Team sogar den brillanten SVS PB12-Plus hinter sich, wenn es  um Faktoren wie Homogenität und in der Praxis nutzbare Maximalpegel geht. Nur bezüglich des Tiefgangs setzt sich der SVS nochmals besser in Szene.

Die aktive Membran des Subwoofers strahlt nach unten ab

Doch auch die schlanken restlichen Lautsprecher überzeugen durch ihre sehr gute Pegelfestigkeit. Souverän und ausdrucksstark - diese beiden Begriffe  umschreiben am besten die Qualitäten der Infinity Cascade-Serie. Wir wollen als Beispiel zunächst wiederum Star Wars EpIII anführen. Hier gehen selbst bei sehr lautstarkem Treiben (z.B. auch in der eindrucksvollen Schlusssequenz beim alles entscheidenden Fight zwischen Obi Wan und Anakin) keine Details unter. Das hohe Maß an Differenzierung, welches hier aufgeboten wird, ist für nicht nur für ein Lautsprechersystem mit dem Fokus Optik ausgezeichnet. Hier agiert das Cascade System auf einem Level mit unserem Nubert nuWave 125, CS-65 und AW-75 -Set! Bei "Sahara" brilliert das 5.2-Set erneut und bietet bei sehr hoher Lautstärke echten Kinospaß - die Bassfront, die die beiden aktiven Subwoofer aufbauen, ist gleichermaßen raumfüllend wie präzise. Damit mutieren die Infinity-Subs zu absoluten Geheimtipps für enorme Bass-Performance, und diese wird noch zu einem enorm fairen Preis geboten. 

Der Center überragt viele Kontrahenten

Doch auch bei niedrigeren Pegeln erzielen die Cascade-Lautsprecher herausragende Leistungen, die sie ohne Zweifel zum neuen Maßstab für derartige designorientierte Lautsprechersysteme machen. Gut, das Boxensystem befindet  auch preislich in sehr hohen Sphären, aber sie liegen in Bezug auf die Leistungsfähigkeit so weit oben, dass andere Alternativen, für sich betrachtet sehr lobenswert, schlichtweg deklassiert werden. Es trifft neben dem Verarbeitungs-Champion Jamo A775HCS4 auch die Preisklassen-Referenz Infinity TSS-4000 sehr hart, aber bei Filmen wie "Sahara", Gladiator" oder "Star Wars EpIII" hat dieses deutlich preiswertere System schlichtweg keine Chance, wobei der Vergleich auch in sofern unfair ist, das das Cascade gleich mit zwei Subwoofern antritt. Dass die Leistungen so enorm überlegen sind, war jedoch trotzdem nicht zu erwarten, und diese Überlegenheit zeigt sich auch in Sequenzen, in denen die Basskraft der Subwoofer aus dem Fokus rückt und  beispielsweise die Qualitäten des Centers stark gefragt sind. So z.B. in den Dialogsequenzen zwischen Anakin und Kanzler Palpatine im Opernhaus in "EpIII": Hier baut der Cascade 3C ein enorm vielschichtiges, charismatisches Klangbild auf, während der TSS-4000 Center im direkten Vergleich einfach nur flach klingt. Er befindet sich jedoch in bester Gesellschaft, denn selbst der überzeugende  Polk Audio LSi-Center muss sich der Cascade-Power beugen. Er klingt zwar auch angenehm rund und baut ein erstaunliches Fundament, aber diese sensible, absolut stimmige Betonung, die den Cascade 3C auszeichnet, kann er nicht aufbieten. Hier muss man schon einen absoluten Könner wie den  Nubert nuLine CS-70 angeschlossen haben, der sich gegen den Cascade-Center letztendlich mit noch mehr Fundament bei gleichzeitig identischem Detailreichtum durchsetzen kann. 

Sehr gute Performance der beiden Cascade 3V Surroundlautsprecher

Doch auch die beiden Surroundlautsprecher vom Typ 3V haben erstaunliche Talente - sie bringen viel akustische Farbe ins Geschehen, welches sich hinter dem Rücken der Zuhörer abspielt, und bieten neben dem ausgezeichneten Raumgefühl auch eine ausgezeichnete Präzision - die mit verblüffender Schnelligkeit gekoppelt ist. Dies führt dazu, dass auch Effekte, die sich in rasender Schnelle über alle Boxen nach und nach ausbreiten, exzellent dargestellt werden. Die Ankopplung der Surrounds an die Frontlautsprecher Cascade 9 und an den Center 3C ist eine weitere herausragende Eigenschaft des Cascade-Setups. Praktisch nahtlose Übergänge sorgen z.B. bei Ludwig van Beethovens "Pastorale" in DTS 5.1 für Freude beim Auditorium. So entsteht ein dreidimensionaler Gesamteindruck, der besonders beim plötzlichen Einsatz des gesamten Orchesters spür- und erlebbar wird. Die beiden aktiven Subwoofer gefallen auch im Mehrkanal-Musikbetrieb - sie greifen kräftig zu, ohne aber zu dick aufzutragen - der Bass ist einfach da, aber er dominiert nie das akustische Geschehen. Sehr schön modelliert das Cascade-Team auch schwierige Passagen wie instrumentale Solis heraus. Der klare, vielschichtige Hochtonbereich sorgt hier dafür, dass sich auch Liebhaber klassischer Musik, die nicht auf vordergründig-pompöses, lautstarkes Treiben stehen, sehr für das Cascade-System interessieren dürften.  

Natürlich waren wir auch gespannt, wie unsere Test-Lautsprecher mit SACDs zurecht kommen, daher haben wir einige Discs mit Inhalten von Mozart (Klarinettenkonzert A-dur Köchelverzeichnis 622), Wagner (Berühmte Ouvertüren) und Dvorak (Symphonie Nr.9/"Aus der neuen Welt") ausgiebig getestet und waren bass erstaunt: Mit überragender Zeichnung im Hochtonbereich sorgte das Cascade-Ensemble für eine Leistungsfähigkeit, die wir dem designorientierten Boxen-Set nie zugetraut hätten. Die Lautsprecher spielen sehr frei auf und verbreiten viel Spielfreude und Lebendigkeit. Keine angestrengte, undifferenzierte Darbietung wird geboten, sondern eine tief gehende, klar strukturierte und mitreißende Vorstellung. Mit diesen Ergebnissen schießt sich das Cascade endgültig auf den Thron aller bislang getesteten Design-Boxensets, und auch "ausgewachsene" Standboxensysteme müssen sich massiv anstrengen, um dem Cascade folgen zu können.  Gerade beim SACD-Betrieb wird auch der hausinterne Konkurrent, das JBL Studio L-System, in die Schranken - der Preisunterschied zwischen Cascade und Studio L liegt also bei weitem nicht nur in der hochwertigeren Verarbeitung und der extravaganten Optik des Cascade begründet, sondern auch in der verbesserten akustischen Performance - die vor allem dann wahrzunehmen sind, wenn es um Feinheiten geht, die die SACD-Wiedergabe ja maßgeblich beeinflussen. Hier lässt unser Infinity-System auch das Polk Audio LSi-Set hinter sich, das zwar sehr kraftvoll agiert, es aber etwas an Feinschliff und Kultiviertheit missen lässt. Genau hier jedoch liegen die Stärken des Cascade-Systems, das, was eine harmonische, angenehme Wiedergabecharakteristik mit Feingefühl angeht, schon in die Sphären des Canton Karat 5.1-Sets vordringt. Doch, dies zeigt dann die Grenzen der designorientierten Auslegung auf, ganz so homogen wie das Karat-Set agiert das Cascade-Setup dann doch nicht. Dafür ist die Hochtonauflösung beinahe auf identischem Level - höchst beeindruckend, was Infinity hier auf die schlanken Beine gestellt hat! 

R.A.B.O.S. vereitelt deutliche akustische Disharmonien, die durch Raummoden entstehen können

Nun wollen wir uns noch weiteren, die gesamte Akustik betreffenden Aspekten widmen. So verfügt der Subwoofer über Infinity R.A.B.O.S. (Room Adaptive Bass Optimization System), welches sich störendem Bassdröhnen widmet, das durch Raummoden verursacht wird. Hinter dem Begriff „Raummoden“ verbergen sich sogenannte "stehende Wellen", die beim Erreichen der Eigenresonanzfrequenzen des jeweiligen Hörraums auftreten. Die Eigenfrequenzen sind abhängig von der Größe des Hörraums beziehungsweise mit dem Abstand der Wände zueinander: Es kommt bei derjenigen Frequenz, deren Wellenlänge doppelt so groß ist wie der Abstand der parallelen Wände zueinander, zur Entstehung einer stehenden Welle, d.h., die entstehende Schallwelle wird zwischen den beiden Hörraumwänden mehrfach reflektiert. Wie das System zu kalibrieren ist, erfahren Sie ausführlich im Test des Infinity Sub/Sat-Set TSS-4000, hier nur kurz verschiedene Kurz-Eindrücke: Das mitgelieferte Pegelmessgerät ist nett gemeint, aber für ernste Zwecke nicht unbedingt zu empfehlen, da zu ungenau. Wir raten daher: Lieber ein wenig Geld in die Hand nehmen und sich gleich noch ein vernünftiges SPL (Sound Pressure Level Meter) kaufen. 

Das mitgelieferte Schalldruckmessgerät für die R.A.B.O.S.-Messreihen arbeitet nicht überdurchschnittlich präzise

Dann kann der Spaß beginnen - mit verblüffenden Erkenntnissen. Zum einen haben die Infinity Woofer bereits bei deaktiviertem R.A.B.O.S. einen sehr unkritischen, weil ausgeglichenen Frequenzgang - aber selbstverständlich ist die Abhängigkeit Sub - Hörraum nicht wegzudiskutieren, d.h., die Raumantwort führt zu Peaks, die Dröhneffekte hervorrufen können. Und genau diese kann man mit R.A.B.O.S. effektiv bekämpfen. Wenn man zwei aktive Subwoofer einsetzt, sind die raumakustischen Verhältnisse anders, aber R.A.B.O.S. ist trotzdem zu empfehlen, wenngleich dann die korrekte Justage sehr aufwändig wird und man am besten beide Subwoofer einzeln und dann beide Woofer zusammen misst, damit man genügend Messergebisse hat, um die R.A.B.O.S. Regler optimal zu kalibrieren. Die korrekte Einstellung muss hier durch Experimentierfreudigkeit seitens des Anwenders gefunden werden. Zwar wirken zwei Subwoofer zusammen wesentlich anders als ein einzelner, um aber die speziellen Punkte einer Messung zu interpretieren, ist es sehr hilfreich, auch eine einzelne Messung jedes Subs durchzuführen.  Wer übrigens die Chance hat, Hörposition und Subs optimal aneinander anzupassen, wird R.A.B.O.S. nicht benötigen, auch dies haben wir in unseren umfangreichen Feldversuchen herausgearbeitet. Diese Möglichkeit wird aber nur ein sehr kleiner Teil aller potentiellen Anwender haben, daher ist R.A.B.O.S. ein wertvolles Ausstattungsmerkmal. 

Kommen wir zur wandnahen Aufstellung der passiven Lautsprecher. Diese ist wichtig für den Grundtonbereich, denn bei wandnaher Aufstellung wirkt der Grundtonbereich voller, was für eine erhöhte Räumlichkeit beim Klangbild sorgt. Ansonsten sind die Cascade Boxen wenig aufstellungskritisch, eine leichte Anwinklung in Richtung des Auditoriums ist zu empfehlen. 

Die geeigneten Zuspieler sind aufgrund der angenehmen, ausgeglichenen Gesamtakustik des Cascade-Setups nicht schwer aufzutreiben. Sehr gut eignet sich beispielsweise der Denon AVR-4306, aber es geht auch deutlich kostengünstiger: Der brandneue Onkyo TX-SR674E ist eine Alternative, die für preis-/leistungsbewusste Heimkinoliebhaber sehr empfehlenswert ist. Auch der Harman Kardon AVR-635 spielt sehr schön mit den Infinitys zusammen, dann wirkt der Auftritt besonders kraftvoll und nachdrücklich. Mittels seiner herausragenden DSP-Programme kann sich der Yamaha RX-V2600 auch an den Cascades exzellent in Szene setzen - also viel Auswahl in allen Preisklassen.

Fazit

Souverän zum Referenz-Prädikat: Die Cascade-Lautsprecher ließen zu keinem Punkt Zweifel an den Ambitionen, Höchstleistungen zu erbringen, aufkommen

Unser Cascade Test-Set setzt für designorientierte Lautsprecher-Setups gerade in der hier vorgestellten Konfiguration neue Maßstäbe. Diese Feststellung fußt auf vielen Einzeleindrücken. So ist die Bass-Performance beim Einsatz von zwei "kleinen" Cascade-Aktivsubwoofern extrem hoch und erfüllt nahezu ohne Einschränkung auch die Wünsche anspruchsvoller Home Theatre-Fans. Der Grundtonbereich ist bei korrekter Aufstellung erstaunlich gut gelungen, hinzu kommt die saubere Differenzierung im Mitteltonbereich. Im höchsten Maße überrascht waren wir von den Talenten der Cascade in Bezug auf eine lebendige Hochtonwiedergabe. So klar und brillant, wie die Cascade im hohen Frequenzbereich agiert, können viele ausgewachsene Standlautsprecher nicht mithalten. Durch diese sensible, feinfühlige Darstellung ist es auch kein Problem für unser Cascade-System, die Vorzüge von DVD-Audio und SACD klar zum Ausdruck zu bringen. Bilanzierend lässt sich formulieren, dass man dieses Cascade-Ensemble kaum auf dem "falschen Fuß" erwischen kann. Für hochwertigen Genuss von Mehrkanal-Filmton und Mehrkanal-Musik ist das Set daher ausgesprochen gut geeignet. Und es kann auch ruhig sehr lautstark zugehen: Die erzielbaren Pegel sind sehr hoch, die Akustik bleibt trotzdem immer souverän und ausgewogen. Abgesehen vom begeisternden Klang besticht auch die sorgfältige Verarbeitung, zusätzlich kann man mittels R.A.B.O.S bei ungünstigen Hörraumbedingungen effektiv Resonanzspitzen entfernen. In Anbetracht eines solchen Leistungsprofils stellt auch der zunächst sehr gesalzen anmutende Kaufpreis keine Hürde dar - fürs Geld wird eine exzellente Synthese aus hervorragendem Klang und extravaganter, eleganter Optik geboten.

Meisterleistung von Infinity: Das Cascade 5.2 Set legt die Meßlatte für designorientierte Mehrkanal-Lautsprechersysteme ein gutes Stück höher

Lautsprecher-Systeme Oberklasse
Test 22. August 2006
Preis-/Leistungsverhältnis

+ Enorme Pegelfestigkeit vor allem der aktiven Subwoofer
+ Hervorragende räumliche Darstellung
+ Außergewöhnlich homogene, gleichzeitig jedoch nachdrückliche Basswiedergabe
+ Center mit sehr differenzierter Wiedergabe von Stimmen und Effekten
+ Sauberer, vielschichtig vorgetragener Mitteltonbereich
+ Moderne, elegante Optik und sehr gute Verarbeitung

- Etwas empfindliche Lautsprecher-Schutzbespannung
- Sub ohne stufenlosen Phasenregler

Test: Thomas "High-Speed" Hermsen und Carsten Rampacher
22. August 2006

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