TEST: Focal Chorus 816V (2/2)
Klang

Die Chorus 836V harmoniert exzellent mit unserer NAD C162/C272
Kombination, die wir aufgrund ihrer mitreißenden Akustik sehr gern im
Testraum betreiben
Das Leben kann so hart sein: Stress, Enttäuschungen,
Rückschläge - da muss man sich selber einmal etwas Gutes tun, um in eine
andere Welt entführt zu werden, und als sehr bekömmliche und effiziente
Rezeptur gegen die Hektik und Ungerechtigkeit des Alltags können wir die Chorus
836V nur wärmstens empfehlen. Genauso wie wir es bereits bei der kleineren Chorus 816V
analysiert haben, liegt der Fokus des französischen Schallwandlers auch diesmal
wieder im atmosphärisch dichten Übertragen musikalischer Emotion. Als Beispiel
wären einmal die Titelmelodien aus allen 007-Filmen erwähnt (nur die ganz
aktuelle aus "Casino Royale" mit "Blond-Bond" Craig fehlt
noch) anzuführen, diesmal vom Royal Philharmonic Orchestra sehr vielschichtig
interpretiert. Bei "Goldfinger" oder "Live and let die"
sammelt die große Chorus-Standbox erfolgreich alle Energie, die die orchestrale
Musik versprüht, und transportiert sie nahtlos zum Publikum. Dabei kommt ein
Frequenzbereich gewiss nicht zu kurz: Mit sehr kraftvollem, raumfüllenden Bass
legt die Focal ein solides Fundament für ihr weiteres Tun. Hier müssen wir
allerdings gleich kommentierend eingreifen, denn man darf nicht unterschätzen,
dass ein Lautsprecher ein "Charakterdarsteller" ist und der Charakter
des Hörers auch zu dem der Box passen muss. So begeistert das Testteam auch von
der Performance der Chorus war und ist, so klar ist auch, dass nicht jeder mit
dieser Box glücklich wird, was eigentlich immer der Fall ist. Trotz der
Tatsache, dass viele Listener, die dem HiFi-Ideal von der 1:1 Wiedergabe des
Quellmaterials durch den Lautsprecher anhängen, die "perfekte" Box
einfach in einem neutralen Wiedergabeapparat sehen, zeigt uns die tagtägliche
Marktpraxis andere Wege auf. Auch, wenn nahezu jeder Hersteller in den
Pressemitteilungen zum jeweiligen Lautsprecher immer wieder versichert, dass
eine möglichst neutrale, "echte" Reproduktion im Vordergrund aller
Entwicklungsaktivitäten stand, so werden die gleichen Hersteller nicht müde,
trotzdem die jeweils unterschiedliche Firmenphilosophie nach allen Regeln der
Kunst zu pflegen und durch Produktentwicklungen mit spezieller Auslegung die
Persönlichkeit der betreffenden Lautsprecherserie zu betonen. Genau daher
rührt der Umstand, dass - genauso, wie sich Hund und Herrchen finden
müssen - auch Hörer und Schallwandler finden müssen. Nach diesem kleinen
Ausflug konkretisieren wir nun, für welche Hörerschaft sich die 836V eignet
und für welche nicht. Wer auf eine sehr analytische, bis in den letzten Winkel
durchleuchtende Wiedergabe mit eher zurückhaltendem Bassbereich Wert legt, wird
hier bestimmt nicht glücklich. Wer jedoch eine minimal warme, gleichzeitig sehr
mitreißende, nach vorn strebende Darbietung schätzt, wird sich wundern, ein
welch hohes Maß dieser Qualitäten die Focal für den fairen Kaufpreis
mitbringt.
Bezüglich der Musikrichtung ist die Chorus nicht wählerisch.
Ganz gleich, ob Klassik, Pop/Rock, Metal-Ballade oder Trance/Techno, bei jedem
dieser unterschiedlichen Musikstile entfaltet die 836V ihr ganzes Potential und
eröffnet dem Zuhörer einen sehr intensiven Zugang zum jeweiligen Interpreten.
Dies beweist der Standlautsprecher auch bei den bekannten Titeln
"Relax" und "Rage Hard" der 80er Jahre Band "Frankie
goes to Hollywood": Mit viel Ausdruckskraft, Nachdruck und Schwung
präsentiert die 836V eine Sound-Kulisse, die das Auditorium völlig einhüllt
und sonstige, fernab der musikalischen Darbietung stattfindende Ereignisse
vergessen macht. Die tadellose Trennung von Stimmen und Instrumenten ist
ebenfalls mit verantwortlich für diesen Eindruck, aber eine andere Eigenschaft
zeichnet die 836V ganz besonders aus: Sie schafft es für eine doch
vergleichsweise preisgünstige Standbox erstaunlich gut, den Klang vom
Lautsprecher zu lösen. Genau dieses ganzheitliche Auftreten des Klangbildes im
Hörraum sorgt für die Möglichkeit, die Zuhörerschaft komplett einzunehmen.
Das stellt die Focal zum Beispiel bei Gigi d' Agostinos "Welcome to
Paradise" unter Beweis. Für die 836V spricht ferner, dass sie durch den
guten Wirkungsgrad auch zum Zusammenspiel mit Elektronik aus
"bürgerlichen" Preisklassen geeignet ist.
Vergleicht man die 836V mit der 816V,
so ist der Mehrpreis vollauf gerechtfertigt. Dies soll allerdings keinesfalls
eine Abwertung der 816V bedeuten. Vielmehr ist diese kleinere Standbox gerade in
Hörräumen bis 30 Quadratmetern oder auch als Basis für eine 5.0-, 5.1- oder
7.1-Kombination eine exzellente Wahl. Mit ihren kompakten Abmessungen geht eine
Bassgewalt und eine Dynamik einher, die immer noch verblüffend ist. Aber mehr
Struktur im Bass bietet die 836V, gleichzeitig ist der Übergang vom Bass- in
den Mitteltonbereich noch sanfter, harmonischer. Gleichzeitig ist die 836V
problemlos in der Lage, auch in Hörräumen über 40 Quadratmeter noch
aufspielen zu können. In Verbindung mit unserer preislich sehr fairen NAD C162/C272
Kombination erzielt die 836V auch bei sehr hoher Lautstärke einen
souveränen, klaren Klangeindruck, mit dem mächtigen Bass werden sehr
empfindliche Zeitgenossen nicht klar kommen, wer aber auf üppiges
Sound-Vergnügen steht, wird restlos begeistert sein. Außerdem opfert Focals
Schallwandler nicht den Mitteltonbereich, eine übertriebene
"Badewannencharakteristik" ist dem Akustik-Könner aus dem Land von
Lavendel und Eiffelturm fremd. Vielmehr gibt die 836V, wie sich bei Eros
Ramazzottis "Musica é" zeigt, auch Stimmen ein eindrucksvolles Profil
mit auf den Weg. Dier Hochtonbereich verbindet auf treffliche Art und Weise
einen spritzigen Antritt und eine hohe Gesamtharmonie miteinander. Selbst bei
den uns bekannten deutlich teureren Schallwandlern gibt es nicht viele Modelle,
die diesen Spagat so gekonnt aufs Parkett legen. Gehen wir die Liste der
Kontrahenten einmal durch. Ein knallharter Konkurrent für einen Stückpreis von
1.040 € ist die Nubert nuLine 120.
Allerdings werden sich beide Boxen kaum gegenseitig Kunden streitig machen. Hier
die allseits kontrollierte, auch bei exorbitant hohem Pegel knallharte, mit dem
Charm nüchterner technischer Hochleistungsfähigkeit kokettierende Ostalb-Box,
dort der leicht warm klingende, sehr emotionale Focal-Schallwandler. Auch der
Vergleich mit der Canton Karat 709CD (1.000
€/Stück) endet damit, dass hier zwei grundsätzlich verschiedene Lautsprecher
aufeinander treffen. Der Canton-Lautsprecher ist und bleibt der
"Gentleman" in seiner Leistungsklasse, denn er verbindet ein
vielschichtiges Klangbild enorm gekonnt mit einem gewissen Maß an
Zurückhaltung, welches gerade der erfahrene, reifere Hörer sehr schätzt. Und
noch etwas begeistert bei der Karat: Die absolut lupenreine Verarbeitung. Auch
Nubert und Focal bieten ein überzeugendes Finish, aber der "Audi unter den
Boxen" ist definitiv die Canton, die in jedem Punkt überzeugen kann.
Fazit

Focal on Top: Die große Standbox 836V holt das zweite
Referenz-Prädikat in Folge für die Chorus-Serie
Wiederum beweist Focal bei einem Lautsprecher aus der
Chorus-Serie ein glückliches Händchen: Die 836V ist preislich fair kalkuliert,
sieht richtig edel aus und bringt hervorragende akustische Qualitäten mit. Für
uns besonders hervorstechend: Wie kaum ein zweiter Schallwandler dieser
Preisgefilde vermittelt die französische Box richtigen Spaß am Hören. Durch
die mitreißende, fundierte und dynamische Auslegung kann sich das Auditorium
richtig ins musikalische Geschehen hineinversetzen. Durch den tadellosen
Wirkungsgrad ist die Focal auch zum Zusammenspiel mit Mittelklasse-Elektronik
geeignet und benötigt keine enorm kostspielige Elektronik-Partner. Insgesamt
kann man diesen Lautsprecher jedem nur ans Herz legen, der mit Enthusiasmus
Musik nicht nur hören, sondern auch erleben möchte und gediegene Design-Kultur
bezüglich der optischen Anmutung schätzt. Die Belohnung für einen weit
überdurchschnittlichen Auftritt folgt mit unserem
Preisklassen-Referenz-Prädikat.
Erstklassiger akustischer Spaßmacher mit attraktiver Optik
und fairem Preis

Standlautsprecher bis 1.500 €
Test 17. November 2006
Preis-/Leistungsverhältnis          
+ Außerordentlich kräftiger Bassbereich
+ Überragende Pegelfestigkeit
+ Sehr dichter räumlicher Aufbau
+ Für die Preisklasse herausragende Lösung des Klangs vom Lautsprecher
+ Für viele Musikrichtungen hervorragend geeignet
+ Stellt keine hohen Anforderungen an die Elektronik
+ Hochwertige, zeitgemäße Optik
+ Sehr aufwändiger Standfuß im Lieferumfang
- Nur zwei Gehäusefarben lieferbar
- Lautsprecherkabel-Anschlussterminals unter Klassenniveau
Test: Carsten Rampacher
17. November 2006
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