TEST: Focal Chorus 816V (2/2)
Klang

Die Focal musste sich wie üblich gegenüber starker
Konkurrenz behaupten
Akustisch waren wir ebenfalls sehr angetan von der
Leistungsfähigkeit der Focal-Box - gerade für denjenigen Anwender, der viel
Freude an einer reichhaltigen, nachdrücklichen und raumfüllenden Wiedergabe
hat, ist dieser Standlautsprecher sehr empfehlenswert. Man kann mit der Chorus
816 V problemlos alle Musikrichtungen genießen - dank des für die Preisklasse
hervorragenden Hochtöners kommen auch Klassik-Hörer auf ihre Kosten, denn
Strahlkraft und Klarheit, ansonsten oft Fremdworte in dieser Preisklasse,
gehören sehr wohl zum Repertoire der Focal. Sie verbindet die sehr gute
Filigranarbeit im oberen Frequenzbereich mit einem nahezu nahtlos angebundenen,
durch akustische Fülle und beachtlichen Detailreichtum stimmigen
Mitteltonbereich und einem runden, kraftvoll antretenden Bass. Bereits bei
Zimmerlautstärke klingt die Chorus angenehm komplett, man hört auch bei
klassischer Musik schon viele Feinheiten heraus. Durch den günstigen
Wirkungsgrad eignet sich die 816V auch sehr gut zur Kombination mit normal
leistungsfähigen Verstärkern - man muss keinen Watt-Primus an diesen
Lautsprecher hängen, um auf hohem Level Musik genießen zu können.
Bei verschiedenen Stücken Andrea Bocellis (Sentimento-CD)
erfüllte die Focal-Box erstaunlich hohe Erwartungen: So war der Bühnenaufbau
überraschend gut, man konnte die Präsenz von Bocellis Stimme sehr gut spüren,
für einen Lautsprecher dieser Preisliga waren Stimmauflösung und Tonalität
ausgezeichnet. Die Trennung zwischen Stimmen und Instrumenten gelang der 816
ebenfalls außergewöhnlich gut. Präzise ertönten auch einzelne Instrumente,
lediglich im Bassbereich war zwar das Volumen beeindruckend, die Detaillierung
kleiner tieffrequenter Einzelheiten kann man jedoch noch präziser erledigen.
Hier merkt man letztendlich doch, dass man, gerade in solchen Preisklassen, doch
bereit sein muss, Kompromisse einzugehen, auch wenn diese bei der Focal absolut
vertretbar sind.
Bei verschiedenen Walzern von Johann Strauß bewies die Chorus
ebenfalls ihre Talente - sie schaffte einen sehr guten Kompromiss aus
reichhaltiger Wiedergabecharakteristik mit üppigem Bass und echter, erlebter
Dynamik. Es mag hier Boxen geben, die noch mehr das Gebotene analysieren,
sezieren: Die Freude, die die Chorus bereitet, erreicht kaum ein anderer
Lautsprecher dieser Preisregionen. Es geht einfach voran, man beginnt, sich auf
angenehme Weise in die Musik hineinzuversetzen. Die Chorus fordert nicht, sie
überzeugt von Innen heraus durch ihre gelassene, gleichzeitig runde und
mitreißende Spielweise. Sie strengt nicht an, sondern spricht durch
reichhaltige Gefälligkeit für sich.
Bei Club- und Techno-Stücken brilliert die französische Box
ebenfalls. Bei unseren "Sunshine Live Classics" bot sie ein
eindrucksvolles Effektspektakel und schleuderte vor allem tieffrequente Passagen
gekonnt durch den Hörraum. Durch die gekonnte, nie aggressive Gesamtauslegung
können ohne Schwierigkeiten auch derartige Musikrichtungen über mehrere
Stunden in beträchtlicher Lautstärke konsumiert werden.

Tief unten überzeugend: Mit ihrem vollen, nachdrücklichen
Bassbereich sammelt die Chorus 816V viele Punkte
Die Raumwirkung im Bassbereich ist ohne Zweifel für einen
Lautsprecher mit diesen Gehäuseabmessungen herausragend. Dies ist Verdienst der
Auslegung mit zwei Bassreflexrohren: Die Downfire-Lösung sorgt zusätzlich für
ein 360 Grad-Basspanorama, während die normale Bassreflexöffnung für gute
Staffelung und ordentliche Präzision verantwortlich zeichnet. Mit diesen
Merkmalen kann die Focal auch sehr effektreiche Musik wie Dance- oder
Trance-Stücke ausgezeichnet darstellen. Allerdings hat auch dieser
Schallwandler, wie üblich, ein entsprechendes Hörerprofil: Wer es gern
reichhaltig, rund und kraftvoll mag, ist hier bestens bedient. Es ist kein
Lautsprecher für den analytischen Minimalisten, dafür liefert die Chorus
einfach zu viel Nachdruck und Fülle. Sie präsentiert alles üppig - aber nie
oberflächlich. Daher ist es auch völlig falsch, der Focal den Status einer
für viel Action und Wirbel sorgenden Disco-Box zuzusprechen, die sich auf jeder
Privatparty einen neuen Freundeskreis schafft. Dafür wäre eher eine JBL Northridge
E100 zuständig. Diese ist nochmals deutlich preiswerter als die Focal,
bietet dafür aber auch nur ein einfaches Finish.
Akustisch meistert die E100 auch massive Bassattacken souverän,
ist aber kein Lautsprecher, mit der man Klassikhörer oder auch Liebhaber
modernerer Orchestermusik ansprechen könnte. Ein typischer Schallwandler also,
der sich im Jugendzimmer mit hohem HipHop- oder Hardstyle-Anteil gut macht.
Konkurrenz für die Focal nähert sich in Form der Nubert nuWave
85, die mit 445 € deutlich günstiger ist. Dies merkt man allerdings auch,
denn die Nubert-Box wirkt optisch weitaus schlichter. Gleichfalls ist die
Verarbeitung sehr solide. Akustisch spielt die Nubert locker in der 600 €-Liga
- ein großes Lob für die kleine schwäbische Standbox. Es reicht aber nicht,
um die Chorus zu schlagen - das liegt daran, dass die Focal-Box ihrerseits ihrer
Preisklasse enteilt ist. Direkter akustischer Vergleich mit der nuWave: Die
Chorus 816V liefert den druckvolleren Bass und erfreut den Hörer mit sehr gut
dosierter Brillanz im Hochtonbereich. Die Nubert nuWave 85 klingt nüchterner
und im Hochtonbereich nicht ganz so frei. Für 445 € ist die recht neutrale
Box aber nach wie vor eine exzellente Okkasion.
Der nächste, sehr harte Konkurrent für die Chorus kommt aus
dem Hause Monitor Audio. Die Silver RS-8
ist ein bärenstarkes Paket ohne Schwächen, dynamisch, zupackend im Bassbereich
und mit für die Preisklasse ausgezeichneter Detaillierungsarbeit. Gleichzeitig
ist die Box, ebenso wie die Focal, von exzellenter Verarbeitungsgüte. Sogar
einen ähnlichen Sockel, auf dem der Lautsprecher ruht, bringt die Silver RS-8
mit. Und: Die Lautsprecherkabel-Anschlussterminals der Monitor
Audio-Konstruktion sind deutlich besser als diejenigen der Chorus 816V - hat
also unser Testkandidat überhaupt eine Chance gegen den britischen
Überflieger? Die klare Antwort: Der Lautsprecher aus dem Land des "laissez-faire"
besteht sogar ausgezeichnet gegen die Monitor Audio, beide können sich als
gleichwertige Alternativen an der Klassenspitze behaupten. Die Focal macht
optisch mit ihrem ausgefeilteren Gehäusedesign noch mehr mehr - die ebenso
hochwertig verarbeitete Monitor Audio-Box gibt da eher den
konservativ-klassischen Lautsprecher und weniger den eleganten
Einrichtungsgegenstand ab. Akustisch bietet die Focal nochmals mehr
Weitläufigkeit. Der Bassbereich ist noch druckvoller, die Höhenwiedergabe
wirkt eine Idee lässiger, souveräner. Die Pegelfestigkeit liegt minimal
höher. Die Monitor Audio klingt dafür etwas zurückhaltender, ohne aber je
langweilig zu werden, und detailliert im tieffrequenten Bereich besser. Zudem
ist sie insgesamt noch ausgewogener, nicht so üppig im tieffrequenten Bereich.
Die MA ist ein Lautsprecher, der einfach jedem gefällt, was ihrer Verbreitung
sicherlich zuträglich ist.

Die Focal spricht den Hörer an, der auf relaxte Art und Weise
beim Hören etwas erleben möchte
Also ein klares Patt, und die Erkenntnis, dass es immer von
Nöten ist, ausgiebig Probe hören - denn je nach Hörertyp haben beide
Boxen große Reize und sind trotzdem, das ist das Schöne, finanzierbar. Sogar,
das muss klar gesagt werden, bieten sowohl Focal als auch MA eine deutlich
höhere "Alltagstauglichkeit" als viele teurere Schallwandler, die
vielleicht noch kristallklarer im Hochtonbereich klingen und noch mehr Details
ans Tageslicht holen - allerdings verlangt diese Art Lautsprecher auch mehr vom
Hörer. Er muss bereit sein, sich der Box hinzugeben, auf die Suche nach
akustischen Einzelheiten zu gehen, und muss begeisterungsfähig sein bezüglich
manchmal schon zu prägnanter Hochton-Spielarten - so entspannt zu hören, wie
es mit der Focal und der Monitor Audio über Stunden funktioniert, ist dann kaum
möglich. Es gibt allerdings einige wenige besonders imposante
Edel-Lautsprecher, die beinahe alles können: Feinst detaillieren, entspannt
spielen, eine weitläufige Kulisse aufbauen und grandios aussehen - wichtig für
den Optik-Gourmet.
Die Eintrittskarte in den Kreis der absoluten Champions ist
allerdings nicht eben günstig: Die Mordaunt-Short Performance 6
kommt auf 2.500 €, in Anbetracht ihrer Elite-Qualitäten ist dies aber
absolut fair. Wer die Performance kauft, spielt bereits in einer
außerordentlich hohen Liga, allerdings sind auch schon für günstigere
Beträge hörbare Steigerungen möglich. Nochmals einen deutlichen qualitativen
Sprung gegenüber MA Silver RS-8 und Focal Chorus 816V ermöglicht die Quadral Aurum 970,
die in der Liga bis 1.500 € (Stückpreis) mit ihrem satten, gleichzeitig
aber feinfühligen und mitreißenden Klang auf exzellentem Level operiert. Zudem
ist die Aurum auch noch enorm pegelfest. In dieser Disziplin hat sie trotz der
überzeugenden Einzelleistung allerdings keine Chance gegen die Nubert
nuLine 120, die mit ihrem ausgewogenen Sound auch bei größter Lautstärke
imponiert und sich somit hervorragend als leistungsstabile Basis für Home
Theatre-Anwendungen eignet. Hier tun sich Welten zwischen Chorus sowie der knapp
dahinter folgenden Silver, die beide für ihre Klasse wirklich pegelfest sind,
und der nuLine 120 auf: Im 30 Quadratmeter-Hörraum sind sowohl Chorus 816V als
auch Silver RS8 noch bei hohem Pegel sehr gelassen, wenn der Hörraum aber
größer wird, schlägt die nuLine 120 zu und pegelt die günstigeren Boxen
gnadenlos nieder. Auch die Aurum 970 hat hier wenig Chancen. Sie überflügelt
zwar die beiden Kontrahenten von MA und Focal, hält aber einen Respektabstand
zur nuLine 120. Mit einem sehr lebendigen, dynamischen Klang ist auch die KEF
XQ5 (Stückpreis 1.499 €) eine sehr verheißungsvolle Alternative, die
besonders Klassik- und Jazzliebhaber anspricht. Dafür sind kleine Abstriche
bezüglich Bassdruck und Pegelfestigkeit zu machen. Mit ihrer sehr edlen Optik,
den kompakten Abmessungen und der langlebigen Verarbeitung ist die XQ5 für
HiFi-Liebhaber aber eine brillante Alternative.
Wie schnell selbst im Boxen-Business Highlights kommen und
gehen, zeigt ein Vergleich mit der Pioneer
S-H810V: Diese 799 € (Stück) kostende Standbox kann sich gegen Focal
Chorus 816V und Monitor Audio Silver RS-8 nicht mehr behaupten. Zwar klingt sie
noch klarer im Hochtonbereich, wirkt aber weniger ausgewogen und besitzt nicht
die nötige Durchsetzungskraft im Bassbereich. Auch die KEF
IQ9 ist für sich betrachtet eine angenehm klingende Box ohne gravierende
Schwächen, aber die Focal geht schlicht und einfach vorbei - mit mehr
Bassdruck, höherer Kontrolle, größerer Pegelfestigkeit und mehr Brillanz im
Hochtonbereich. Auch die Monitor Audio mit ihrer präzisen Hochtonabbildung
schlägt die IQ9 - was allerdings keine Schande ist, denn die Focal und die
Monitor Audio sind schon Ausnahmeerscheinungen. Unter Miteinbeziehung ihrer
Preisklasse können wir der gelungenen Focal Box ein "ausgezeichnet -
hervorragend" als Zensur mit auf den Heimweg nach Frankreich geben -
verbunden mit einer schlichten Bilanz: Voilá - so baut man Lautsprecher.
Elegant, preiswert, universell talentiert und echten Hörspaß bringend.
Fazit

So sehen Siegertypen aus: Mit attraktiver Optik und
begeisterndem Klang sichert sich die Chorus 816 V einen großen Testerfolg
Ein äußerst gelungenes Gesamtpaket: Mit sehr fundierter
Basswiedergabe, einem erstaunlich vielschichtigen und brillanten Hochtonbereich
und klarer Mitteltonwiedergabe wird die Focal Chorus 816V sehr viele Käufer
finden. Sie tischt üppig, aber gleichzeitig sehr gefällig auf - die richtige
Box für denjenigen Hörer, der beim Hören etwas erleben möchte, was bleibend
in Erinnerung bleibt, ohne aber sich während des Hörprozesses extrem
anstrengen zu müssen. Die tadellose Pegelfestigkeit und die edle, deutlich
über Preisklassenniveau liegende Optik tragen ebenfalls ihren Teil zum
Testurteil bei: Die rundherum begeisternde Chorus 816V wird zusammen mit der Monitor Audio Silver RS-8
Preisklassenreferenz!
Mit ihrem kräftigen Bass und der sehr guten Dynamik macht
die Chorus 816V richtig Spaß - dank des feinfühlig-brillanten Hochtonbereichs
kommen auch anspruchsvolle Hörer voll auf ihre Kosten

Standlautsprecher bis 800 €
Test 18. September 2006
Preis-/Leistungsverhältnis          
+ Sehr nachdrücklicher und raumfüllender Bass
+ Bereits bei Zimmerlautstärke imposante Klangkulisse
+ Hochtöner mit Leistungsprofil deutlich über Klassenniveau
+ Hohe Pegelfestigkeit
+ Sehr guter Wirkungsgrad ermöglicht vielfältige Kombinationsmöglichkeiten
- Nicht allzu viel Auswahl bei den Gehäusefarben
- Sehr einfache Anschlussterminals ohne Bi-Amping-Möglichkeit
Test: Thomas Hermsen, Carsten Rampacher
18. September 2006
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