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XXL-TEST: AV-Receiver Denon AVR-4306 (2/7)
Technik/Aufbau

Leider ist selbst bei teuren AV-Receivern längst nicht alles Gold, was glänzt. Selbst Kandidaten, die von außen als respektheischende "Boliden-Schwergewichtler" monumentale Qualität signalisieren, entpuppen sich beim Betrachten des Innenlebens nicht selten als zahnlose Papiertiger. Genau dies jedoch traf auf Modelle von Denon nie zu. Hier wurde selbst bei günstigen Modellen eine hocherfreuliche Qualität in Bezug auf das innere Layout geboten. So ist es zum Beispiel ein Kennzeichen aller Denon AV-Verstärker und -Receiver, dass man auf eine komplett passive Kühlung vertraut, was sich in der Praxis als nicht zu unterschätzender Vorteil zeigt. Denn während andere AV-Receiver, die zusätzlich zu den passiven Kühlelementen noch einen Ventilator einsetzen, für Unruhe beim Filmgenuss sorgen können (wenn z.B. nach einer Serie hochpegeliger Explosionen eine ruhige Szene einstellt, in der sich dann kurz der Ventilator zuschaltet, um den AV-Receiver wieder auf verträgliche Temperaturen herunterzukühlen), herrscht bei den Denon-Modellen stets absolute Ruhe. Die groß dimensionierten Alu-Profilkühlkörper sind so üppig ausgefallen, dass Denon-Testkandidaten trotz des fehlenden zusätzlichen Ventilators sich nie extrem erwärmen. Dies spricht für ein ausgeklügeltes Temperaturmanagement - und die Wichtigkeit eines solchen ist nicht zu unterschätzen. Aufgrund des analogen Arbeitsprinzips der Endstufen ist eine gewisse Erwärmung zwar vollkommen normal (weil sich ein beträchtlicher Teil der Energie in Form von Restwärme verflüchtigt), eine große Erhitzung jedoch kann fatale und für den Anwender teure Folgen haben: Die Kondensatoren können austrocknen, wenn es regelmäßig zu übermäßiger Hitzeentwicklung kommt. Und genau deshalb verdient das ausgezeichnete Temperaturmanagement, das auch Kennzeichen des AVR-4306 ist, besondere Erwähnung.

Als Kennzeichen der Denon AV-Receiver gilt die komplett passive Kühlung. Ein zusätzlicher Ventilator wird nicht eingebaut

Doch die Vorzüge des AVR-4306 erschöpfen sich nicht in der rein passiven Kühlung. Wie schon der AVR-3806 verfügt auch der AVR-4306 über neue Transistoren in der Vorstufe. Diese sind nicht unerheblich am im Vergleich zu früheren Denon-Modellen veränderten Klangbild beteiligt. Der Sound wirkt offener, frischer und im Hochtonbereich brillanter. Als Kurzzeit-Leistungsspeicher bringt Denon auch beim 4306 hochwertige Elkos zum Einsatz, die bei kurzzeitig auftretenden Leistungsspitzen (z.B. urplötzlich fliegt mit Wucht ein Auto im Actionfilm in die Luft) genug Reserven haben, um mit einer spontanen Entladung diese Explosion meistern zu können. 

Hochwertige Transistoren in der Vorstufe sollen für ein frisches, natürliches Klangbild sorgen

Haupt-Elkos des AVR-4306

Gutes Endstufenlayout beim AVR-3806. Als Transistoren kommen Bauteile mit interner Arbeitspunktstabilisierung zum Einsatz. Die eingebaute Temperaturkontrolle des Schaltkreises stabilisiert den Arbeitspunkt des Transistors, was sehr wichtig ist in Bezug auf eine verzerrungsfreie Wiedergabe, da ein Abdriften des Arbeitspunktes das Auftreten von Verzerrungen nach sich zieht

Eben bei der Bewertung der äußeren Verarbeitungsqualität haben wir mit der Lupe nach Differenzen zum AVR-3806 gesucht und ein wenig Kritik geübt, dass sich praktisch nichts finden ließ. Nun aber zeigt der optisch bescheidene AVR-4306 sein wahres Gesicht, denn er ist ca. 3 kg schwerer als der AVR-3806, dies ist zum Teil auf die größere Dimensionierung des Trafos zurückzuführen. Dies lässt auf eine noch stabilere Stromversorgung der im Vergleich zum 3806 pro Kanal um 10 Watt stärkeren Endstufen hoffen, so dass Dauer-Hochpegeleinsätze mit dem 4306 noch souveräner zu lösen sein dürften.  Der 4306 verfügt ferner über insgesamt vier Trafos, zum Haupttrafo kommt noch der (verborgene) Standby-Trafo (den auch noch der 3806 hat), zusätzlich jedoch gibt es beim 4306 zwei kleinere Trafos, die unabhängig vom Haupttrafo die Versorgung der zahlreichen Zusatzfunktionen (Videoprocessing, Networking) übernehmen. 

Der AVR-4306 kommt mit aufwändiger Stromversorgung mit insgesamt vier Trafos. Drei davon sind auf dem Bild zu sehen, der große Haupttrafo ist oben im Bild zu sehen, darunter sind zwei kleinere Trafos für die vielen Zusatzfunktionen des 4306ers. Nicht sichtbar ist der separate Standby-Trafo (Nummer 4).

Hier nochmals die Zusatz-Trafos im Detail

Der Hauptrafo ist mit soliden Kupferschrauben fest am Boden verankert

Ordentliche Verkabelung im Geräteinneren

Der AVR-4306 überzeugt auch durch die hochwertige Wandlerbestückung. 24-Bit/192 kHz BurrBrown D/A-Wandler (4 x PCM1791A) in Differentialanordnung für alle Kanäle und 24-Bit/192 kHz BurrBrown A/D-Wandler (PCM1804) stellen ein präzise Signalwandlungseinheit dar, ganz gleich, ob von der analogen in die digitale oder von der digitalen in die analoge Ebene gewandelt wird. 
Der AVR-4306 besitzt daher die Möglichkeit zu einer vollständigen 192 kHz Signalverarbeitung und hat Denons AL24 Plus Processing für alle Kanäle mit an Bord. Denons AL24 Processing Plus ist eine weitere Evolutionsstufe von Denons AL24-Prozessor, der jetzt in der Lage ist, Digitalsignale mit einer Samplingrate von bis zu 192 kHz zu verarbeiten. Dies ist besonders bei hochauflösenden DVD-Audio-Aufnahmen von Vorteil. Der Alpha-Prozessor unterdrückt störende Quantisierungsverzerrungen und gibt feinste musikalische Nuancen, selbst in extrem leisen Musikpassagen, wieder. So lassen sich beispielsweise auch herkömmliche 16-Bit CDs in 24-Bit-Qualität genießen. In der Praxis ist diese Funktion gerade für audiophil veranlagte Hörer ein durchaus erwähnenswerter Vorteil. In diesem Zusammenhang von Interesse sein dürfte die Pure Audio Funktion, die der 4306 ebenfalls mitbringt. Übrigens: Dolby PLIIx plus DTS kann bei diesem Denon ebenso wie beim AVR-3806 problemlos angewählt werden.  Dies hat den Vorteil, dass man anstatt einer 6.1 Wiedergabe (bei DTS das derzeitige Maximum) auch DTS-Quellen in echtem 7.1 genießen kann (PLIIx ist ein 7.1-System).  Ein hochauflösender 32-Bit Fließkomma-DSP (ADSP-21366, 2 GFLOPS) ist auch Standard beim 4306.

Wie sieht es nun mit der Konkurrenz-Einordnung aus? Nun, zunächst muss man festhalten, dass der AVR-4306 auf dem 600 € günstigeren AVR-3806 basiert, und nach dessen preislicher Liga richtet sich auch die Konsequenz beim kompletten inneren Layout. Das heißt, hier ist eine deutliche Abweichung zum im Vergleich zum AVR-4306 1.500 € teureren Denon AVC-A11XV sichtbar:

Dass der AVC-A11XV (3.499 €) in Bezug auf das Innenleben der Bolidenliga angehört, verdeutlicht der vorbildliche innere Aufbau. Besonders die symmetrischen Endstufenblöcke links und rechts mit jeweils eigenem Kühlkörper, die großen Elkos und der überdimensionierte Ringkerntrafo deuten an, dass der AVC-A11XV in einer anderen Liga spielt. Da kann mancher Konkurrent - als Beispiel sei der Marantz SR-9600 genannt - trotz gleichem Kaufpreis nicht mithalten

Im direkten Vergleich merkt man, dass der AVR-4306 (im Bild) auf dem AVR-3806 (Bild unten) basiert und nicht auf einer Boliden-Plattform

Kleinerer Trafo, keine Zusatztrafos für erweiterte Funktionen, aber sonst identischer Aufbau: Der AVR-3806 von Innen

Vom Aufbau her ist beim für seine Preisklasse exzellent aufgebaute, aber mit gänzlich anderen Baugruppen versehene AVR-2106 sogar eine Verwandtschaft zum  4306 auszumachen. Natürlich - alles, was der 4306 an Bord hat, ist um ein vielfaches edler und teurer, hervorragende DSPs, hochpräzise D/A- und A/D-Wandler, Top-Videoelektronik - aber vom prinzipiellen Aufbau her finden sich Parallelen. Der Denon AVC-A11XV hingegen ist ganz anders und viel kompromissloser konzipiert, sozusagen aus dem Vollen gefräst.

Den mit Abstand besten Aufbau in der Liga zwischen 1.500 und 2.500 € bietet der Harman Kardon AVR-7300. Bereits für 2.399 € gibt es hier mit Kühlkörpern links und rechts, extrem großem Ringkerntrafo /vorn halb verdeckt im Bild sowie überdimensionierten Kondensatoren pure Bolidentechnik. Wer also Upperclass-Flair zum fairen Tarif haben möchte, liegt hier richtig

Bewertung 

Bemerkung: Erneut eine sehr erfreuliche Bewertung für den AVR-4306. Er punktet mit durchweg hochwertigen Baugruppen und kann sich damit von preiswerteren, aber auch von manchen teureren Kontrahenten absetzen. Was man aber bei aller berechtigten Euphorie berücksichtigen muss: Der AVR-4306 basiert auf dem AVR-3806 und nicht auf einer Boliden-Konstruktion. Das ist für den Kaufpreis des 4306 auch alles andere als eine Schande - harte Konkurrenten wie der Harman Kardon AVR-7300 aber bieten  für einen maßvollen Aufpreis (2.399 €) einen extrem konsequenten Innenaufbau.

Ausstattung

Die Ausstattungswertung des AVR-4306 unterteilen wir in:

  1. Ausstattung Audio

  2. Ausstattung Video

  3. Weitere Ausstattungsmerkmale (z.B. Networking)

Ausstattung Audio

Kaum noch der Erwähnung Wert - ein 2.000 €-AV-Receiver wie der AVR-4306 verfügt natürlich über alle gängigen Decoder. Dolby Digital EX, DTS-ES Discrete/Matrix 6.1, DTS 96/24, DTS Neo:6 (Cinema / Music) und Dolby Pro Logic IIx (Cinema, Music mit Einstelloptionen, Game) sind mit an Bord. Wie beim Harman Kardon AVR-7300 fehlt eine THX-Lizenz, wobei THX-Zertifizierungen bei diesen beiden Herstellern generell nicht hoch im Kurs stehen. Während bei Harman nur der längst ausgelaufene AVR-8500 das inzwischen durch THX Ultra 2 ersetzte "alte" THX Ultra-Prädikat Decode mitbrachte, liefert Denon nur bei den Toplinern AVC-A11XV und AVC-A1XV eine THX-Lizenz, dann aber in der hochwertigen Ultra II-Form, mit. Die THX Select 2 Norm wird völlig ignoriert, während Firmen wie Onkyo, Pioneer und Kenwood diese in ihre Geräte, bereits in Preisklassen ab 599 € (Kenwood KRF-X9090D) implementieren. 

Doch der vielleicht kleine Nachteil des Nicht-Vorhandenseins eines THX-Prädikats wird deutlich aufgewogen durch die flexiblen Zuweisungsmöglichkeiten für die Surround Back-Endstufen:

  • Front Lautsprecherpaar B (z.B. separate Standboxen für Stereo)

  • Bi-Amping (jeweils zwei Endstufen mit getrennter Ansteuerung für Hochton-/Mittelton- sowie Tieftonbereich) für Front-LS (macht Sinn bei großvolumigen Front-Standlautsprechern)

  • Zweite Hörzone (Multiroom)

Die Zuweisung erfolgt komfortabel über OSD. 

Da gerade das Thema Multiroom angesprochen wurde: Ein eigenes Volume Setup (Einschaltpegel, Gesamtlautstärke, Mutingpegel, Spitzenpegel) ist für jede Hörzone individuell festlegbar. 

Das Einmess-Mikrophon (hier im Bild die Unterseite) kann auf einem handelsüblichen Stativ montiert werden

Zu Beginn des Auto Setups kann man mittels OSD die Surround Back Endstufen zuweisen

Schnell und präzise ermittelt Audyssey, welche Lautsprecher angeschlossen sind

Realistische Pegelwerte bei automatischer Ermittlung

An bis zu 6 verschiedenen Hörpositionen kann eine Einmessung vorgenommen werden. Hier im Bild sind wir gerade bei Position 5 angelangt. Möchte man nicht mehr mehr Positionen einmessen, kann man sich bereits ab der 1. Position auch gleich das Ergebnis ("Calculate") berechnen lassen. 

Nachdem man 6 Hörpositionen eingemessen hat, dauert die Berechnung einige Minuten

Alle automatisch ermittelten Parameter können vom Anwender überprüft werden

Der AV-Receiver verfügt über Audyssey Mult EQ XT als automatisches Lautsprecher-Einmesssystem mit Equalizing-Funktion, im Vergleich zu AVC-A11XV und AVC-A1XV ist Audyssey etwas abgespeckt worden. Anstatt maximal 8 sind nun maximal 6 unterschiedliche Hörpositionen möglich, was in den Preisgefilden, in denen sich der 4306 bewegt, aber immer noch einzigartig ist. Auch braucht der 4306 (ebenso wie der AVR-3806 mit identischem System)  länger zur Datenerfassung als die großen Modelle, da ein geringerer Speicher vorhanden ist und zwischendurch bereits angefangen werden muss, die Datenmenge zu berechnen. Die großen Modelle hingegen nehmen erst alle Daten im größeren Speicher auf und berechnen alles erst zum Schluss. Insgesamt ist die Audyssey Prozedur bei den XV-Flaggschiffen und beim 4306 etwa gleich lang. Die Datenerfassung dauert länger bei kleineren Modellen,  die Komplettberechnung zum Schluss dauert dafür bei den zwei Flaggschiffen länger.

In der Praxis hat Audyssey große Vorteile. Audyssey berücksichtigt nicht nur Frequenzgangkorrektur, sondern arbeitet auch im Zeitbereich. Daher erfolgt die Korrektur mehrerer Hörpositionen ohne unangenehme Nebeneffekte im Zeitbereich. Des weiteren arbeitet Audyssey bis 20 Hz und bietet damit auch bei tiefen Frequenzen eine wirksame Korrekturmöglichkeit. Und, nicht zu vergessen: Audyssey korrigiert auch Subwooferfrequenzen. 

Auch verfügt das System über drei Referenzkurven: Audyssey/ermittelt von den Audyssey-"Chefs" Tomlinson Holman (war maßgeblich an der THX-Norm beteiligt) und von  Chris Kyriakakis (beide "Co-Founders" sind Professoren) nach ihren großen empirischen Erfahrungen) sowie die Kurven  "Flat" und "Front" (hier dienen die Frontlautsprecher als Referenz. Zusätzlich hat der Anwender die Möglichkeit, die Flat Kurve in den manuellen 9-Band EQ zu kopieren und den eigenen Wünschen entsprechend zu bearbeiten. Bei allen Optimierungskurven ist die Audyssey Mehrpunkt-Einmessung aktiv. Alle Kurven werden auf einmal während der Einmessung ermittelt.

Keine Vorteile ohne Nachteile: Audyssey erfordert eine extrem hohe DSP Rechenleistung, was dazu führt, dass nur entsprechend schnelle und entsprechend teure DSPs geeignet sind, diese Rechenprozesse umzusetzen. Denon hat es letztendlich geschafft, selbst im 1400 €-Modell AVR-3806 einen solchen hochwertigen DSP an den Start zu bringen, und somit kann der teurere AVR-4306 natürlich auch auf die geballte Rechenpower setzen. 

Drei speicherbare User Modi finden sich bei beiden Modellen

Sehr praktisch sind auch die drei User Mode-Speicherplätze. Hier lassen sich drei individuell konfigurierte Settings abspeichern und aufrufen. 

Insgesamt ist die Audio-Ausstattung ansprechend, Pluspunkte bringen das aufwändige Einmesssystem, das keine Wünsche mehr offen lässt, und die konfigurierbaren Endstufen. Was wir vermissen, sind aufwändige DSP-Programme sowie zumindest ein THX Select II-Zertifikat. Zwar hat der Denon einige DSPs (Super Stadium, Rock Arena, Widescreen, Jazz Club und Classic Concert sowie Matrix, Video Game und Mono Movie) mit an Bord, doch fehlt hier die letzte Konsequenz bei Entwicklung und Integration. Dies belegen auch später die Klangtestreihen. 

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