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Auslaufmodell/Evergreen: Ältere AV-Komponenten in großer Form

26.04.2006 (cr)

Natürlich schreitet die Entwicklung gerade auf dem Gebiet der Heimkinotechnik rasant voran - ganz besonders bei AV-Receivern, DVD-Playern und Flachbildschirmen. Daraus könnte man nun vorschnell schließen, dass nur eine aktuelle Komponente, die erst seit wenigen Wochen oder Monaten auf dem Markt ist, eine besondere Kaufempfehlung darstellt - doch die Wirklichkeit sieht etwas anders aus. Selbstverständlich sind viele gerade erschienene Modelle aufgrund der stimmigen Umsetzung hochmoderner Technik besonders gut gelungen, aber es gibt auch hervorragende Evergreens oder Auslaufmodelle, die man neu oder gebraucht erwerben kann. Diese Komponenten beweisen, dass sie  immer noch in vielen Disziplinen voll auf der Höhe sind. Wir haben für Sie eine Lust-Liste mit besonders "rüstigen" Gerätschaften zusammengestellt:

Schön glänzen sie in der fränkischen Abendsonne, aber ihren Lebensabend haben diese beiden leistungsfähigen Komponenten noch lange nicht erreicht: Der Pioneer DV-868AVi ist zwar inzwischen durch den Pioneer DV-989AVi-S abgelöst worden, und es ist auch nicht zu bestreiten, dass die neue Konstruktion einiges noch besser kann - aber wer die Möglichkeit hat, günstig an einen DV-868AVi-S zu kommen, kann bedenkenlos zuschlagen, wenn das Gerät neu ist oder sich in einem gepflegten Zustand befindet. Das sehr scharfe Bild, der umfangreiche Video-EQ, der immer noch Vorbildcharakter hat, die tiefe Schwarzwiedergabe und der tadellose Kontrast können sich nach wie vor sehen lassen. Nicht mehr ganz frisch ist der De-Interlacer, er arbeitet zwar immer noch relativ präzise, das Chroma Upsampling jedoch bekommen moderne Alternativen sichtbar besser hin. Akustisch überzeugt der 868 mit sehr hoher Dynamik und kraftvollem Bass, der Nachfolger detailliert jedoch besser, ohne in anderen Teildisziplinen abzufallen. Abgesehen von der fehlenden jpeg-Wiedergabemöglichkeit und dem schlechten Layerwechsel ist der 868 jedoch nach wie vor ein toller DVD-Universalplayer. Wer einen Boliden sucht, der massiv zupacken und auch erfahrenen Hörern durch seine Urgewalt das Fürchten lehren kann, ist immer noch beim Pioneer VSA-AX10Ai-S sehr gut aufgehoben, der in allen Details beweist, dass er ein würdiges Spitzenmodell ist: Eine außerordentlich hochwertige Verarbeitung, die in liebevollen Details außen und innen gipfelt, eines der aufwändigsten Chassis sowie die Extraklasse-Fernbedienung beweisen deutlich mehr Format, als bei vielen neueren Alternativen geboten wird. Das automatische Einmesssystem mit vielfältigen Konfigurationsmöglichkeiten ist zwar nur noch das Zweit-Aktuellste im Pioneer-Programm, das ändert aber nichts an den sehr stimmigen Ergebnissen, die gerade bei der Filmtonwiedergabe zu erzielen sind. I.link-Anschlüsse bringt der große Pioneer mit, jedoch, da er schon geraume Zeit im Programm ist, keine HDMI-Schnittstellen. 

Auch wenn die Ausstattung mittlerweile veraltet ist: Marantz DV-12S2 und  Marantz SR-12S1 sind immer noch ein Premium-Dreamteam. Dafür gibt es viele Gründe, denn abseits dem aktuell grassierenden Featurewahn bieten beide Modelle unvergängliche Werte: Die Optik ist ein Traum, ein so hochwertiges, stimmiges, elegantes und zeitloses Industriedesign ist nur ganz selten anzutreffen. Jedes Detail, sei es auf der Vorderseite, der Rückseite oder der Unterseite, zeugt von liebevoller Optimierungsarbeit.Auch im Geräteinneren wartet keine böse Überraschung, sondern eine ansehnliche Ansammlung edler Baugruppen. Das scharfe und angenehme Bild des DV-12S2, das er insbesondere über Analaog-Komponente bereitstellt, muss den Vergleich selbst mit HDMI-Signalen, die aus manch modernerem Kontrahenten herausgeführt werden, nicht scheuen. Der SR-12S1 verzichtet auf eine umfassende Videoausstattung und setzt voll auf klangliche Reize: Gerade im Zusammenspiel mit dem DV-12S2 wird ein einfach prächtiges Klangbild geboten. Für Liebhaber eines eher kargen, analytischen Klangs ist der Marantz keine Alternative, auch für ausgesprochene Dynamikfreunde ist die Marantz-Kombi nicht das richtige Equipment. Mit der üppigen Surround-Ausschmückung, dem samtigen, charismatischen Gesamtklangbild und der hohen Belastbarkeit der Endstufen des SR-12S1 ist die Marantz-Kombi aber gerade für Klassik- und Opern-Liebhaber, die gern auch mal in hoher Lautstärke einen Film anschauen, eine besondere Empfehlung Wert. 

Er darf in dieser Aufzählung auf keinen Fall fehlen: Der Harman Kardon AVR-7300 ist nach wie vor die preisgünstigste Möglichkeit, einen richtigen Boliden zu erwerben, der klanglich kaum Wünsche offen lässt. O.k., die Ausstattung ist nicht mehr "up to date", es fehlt an HDMI- oder DVI-Ein-/Ausgängen ebenso wie an einem modernen Lautsprechereinmesssystem, aber seine großen Kraftreserven lassen ihn auch im 50 Quadratmeter-Hörraum hervorragend aussehen. Wer den 7300 öffnet, wird sich nicht mehr wundern, denn der riesige Ringkerntrafo nebst den beinahe Coladosen-großen Kondensatoren stünde auch mancher Endstufe gut zu Gesicht. Für die Bearbeitung analoger Interlaced-Signale empfiehlt sich der interne Faroudja-De-Interlacer, der ruckelfrei und sauber arbeitet. 

Der Onkyo TX-SR702E ist zwar längst durch den Onkyo TX-SR703E ersetzt, aber eben dieser 702er war aufgrund seiner hohen klanglichen Harmonie ein besonders guter Wurf. Er ist mit seinem kraftvollen, aber nie vordergründigen Bass, seiner ausgezeichneten Pegelfestigkeit und der hervorragenden Räumlichkeit sehr gut für die Filmtonwiedergabe geeignet, macht mit seiner Kombination aus Feinfühligkeit und Präzision aber auch bei der Musikwiedergabe in Mehrkanal oder in Stereo eine prima Figur. Positiv hinzu kommt die vorbildliche Verarbeitung, das gilt auch für die mitgelieferte Fernbedienung. Vergessen sollte man das Lautsprecher-Einmesssystem, das nicht mehr up to date ist. HDMI-Schnittstellen sucht man vergeblich. Fazit: Klangstarke Alternative, die mittlerweile für wenig Geld zu haben ist und viel Freude bereitet. 

Auch er ist schon eine ganze Weile aus dem offiziellen Programm genommen, und trotzdem stellt der Pioneer VSX-1014 noch eine ausgezeichnete Wahl dar, sollte man ihn als Gebrauchtgerät oder noch als Restposten ausfindig machen. Er tritt nachdrücklich an und wirkt daher sehr lebendig-spontan. Er versteht es trefflich, in atmosphärisch dichten Filmszenen Spannung aufzubauen, wenn sich dann alles in einer großen Effektsequenz löst, ist der VSX-1014 sofort zur Stelle. Der Nachfolger VSX-1015 ist weniger direkt, er wirkt synthetischer. Sein Hochtonbereich ist ausgeprägter, der des VSX-1014 jedoch durch die angenehmere Auslegung, die nie aggressiv wird, praxisgerechter. Zusammen mit der bolidenartigen Optik und der tadellosen Verarbeitung ist der VSX-1014 eine sehr gute Wahl, so kommt man preiswert an einen richtigen Heimkinoreceiver, der auch noch in einigen Jahren Freude bereiten wird. 

HDMI-Interface und Scaler für rund 100 €? Das ist kein Traum, denn der Toshiba SD-350, UVP 199 €, ist überall günstig zu haben. Auch, wenn sicherlich dieses Jahr ein Nachfolger kommt (noch haben wir keine offiziellen Informationen), ist der 350er ein rundes Angebot: Er sieht schick aus und überzeugt mit einem sehr scharfen Bild sowie mit prima Upscaling. Der De-Interlacer kommt mit Filmmaterial prima zurecht und schwächelt nur leicht bei Videomaterial. Insgesamt kann man hier getrost zugreifen, denn mehr DVD-Player für weniger Geld lässt sich kaum realisieren. 

Bevor man sich ein  aktuelles 1.800 € Billigplasma kauft, welches nachher im Hinblick auf die Bildqualität nicht überzeugt, sollte man lieber zu einem Pioneer 5 G Modell wie dem Pioneer PDP-435FDE greifen, welches zwar nicht den Schwarzwert und die Farbbrillanz der aktuellen 6 G-Modelle bietet, dafür aber ist es gebraucht oder als Restposten günstig zu haben. Und mit seinem homogenen Bild, der tadellosen Schärfe, dem guten De-Interlacing und dem ausgezeichneten Upscaling ist es preisgleichen, chronologisch "jüngeren" Artgenossen immer noch deutlich  überlegen. Selbstverständlich ist auch ein HDMI-Interface mit an Bord. 

Auch der Panasonic TH-42PV500E stellt nach wie vor eine ausgesprochen verlockende Alternative dar. Vor allem die makellose Farbwiedergabe und der erstaunlich gute Schwarzwert fallen immer noch positiv auf. An Bildschärfe und Detailtreue gibt es ebenfalls nichts zu kritisieren, der Kontrast überzeugt auch in kritischen Sequenzen: Der TH-PV500E verschluckt kaum Details in der Dunkelheit. Die Anschlussauswahl ist reichhaltig, zudem ist der 42 Zoll-Plasma sehr sauber verarbeitet, wenngleich er optisch nicht so edel und grazil daherkommt wie die Konkurrenz von Pioneer.  

Text: Carsten Rampacher
26. April 2006

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