TEST: Audio Analogue Verstärker/CD-Player "Primo" (1/2)
26. September 2006 (cr)

Einführung
Erstes Beispiel: Viele Hörer mit gehobenem Anspruch, aber normalen
finanziellen Möglichkeiten sind bitter enttäuscht. Da möchten sie für eine
Kombination aus CD-Player und Stereo-Vollverstärker rund 1.700 € ausgeben -
und müssen sich dann von selbst ernannten High-Endern sagen lassen, dass man
für diesen Betrag höchstens durchschnittliche Leistungen erwarten kann.
Zweites Beispiel: Der erfahrene Stereo-Listener möchte viel hören, aber wenig
sehen - das heißt, er ist auf der Suche nach kleinen, kompakten, edlen und
leistungsfähigen Komponenten. Auch nach längere Suche konnte er nichts Probates
für seinen Verwendungszweck entdecken. Entweder akustisch untauglich, zu wenig nobel und zu
schlicht gestrickt, oder aber klanglich zwar ordentlich, aber fürs Gebotene
viel zu teuer. Zwei Probleme, eine Lösung: Für 990 € liefert der
italienische Anbieter Audio Analogue einen schmucken, kompakten
Stereo-Vollverstärker mit kraftvollen 2 x 100 Watt (an 8 Ohm bei 0,75 %
Klirrfaktor, bei 1 % Klirrfaktor 127 Watt/Kanal), der als Hybrid ausgelegt ist
(Röhrenvorstufe, Transistorendstufe), dazu passend ist für 700 € ein ebenso
attraktiver CD-Player (700 €) im identischen Rastermaß im Angebot. Für 990
€ findet sich neu in der Primo-Serie nun auch ein Hybrid-CD-Player mit Röhrenmimik.
Wir werden dieses Modell später ebenfalls unter die Lupe nehmen, bei diesem
Test aber haben wir das günstigere Modell verwendet. Insgesamt kommt unser
Test-Duo so auf rund 1.700 €, und wie wir bereits aus der Vergangenheit wissen
(siehe Test der Audio Analogue
"Maestro"-Serie), baut Audio Analogue sehr hochwertige Komponenten
zum fairen Preis. Nun gehen wir der Frage nach: Schaffen es die italienischen
HiFi-Komponenten, eine gepflegte Akustik mit kompakter Optik, hochwertiger
Verarbeitung und gutem Preis-/Leistungsverhältnis zu kombinieren?
Verarbeitung außen

Hochwertig ausgeführt ist der Lautstärkedrehregler am
Verstärker. Er wird nicht im herkömmlichen Sinne gedreht, sondern ist eine
Mischung aus Drehregler und Wipptaste

Minimalistisches Design, hochwertige Materialien

Von hinten sehr gut sichtbar: Die dicke, tadellos verarbeitete
Alu-Platte. Die Schraubanschlüsse fürs Lautsprecherkabel sind leichtgängig
und solide. Nicht perfekt ist das bei beiden Komponenten feste Netzkabel

Das Display des CD-Spielers ist ein wenig klein, die
Auflösung gibt aber keinen Anlass zur Klage

Die Lade des CD-Players ist nicht überdurchschnittlich
aufwändig gelagert - dafür überzeugt das Alu-Vorderteil

Die Lade schließt sehr passgenau mit der Vorderfront ab

Wer unter die Primo-Komponenten schaut, kann sich ebenfalls
über eine hochwertige Verarbeitung freuen. Nur die Gerätestandfüße sind ein
wenig mickrig geraten

Sehr gute Passung der Alu-Profile, tadellose Verschraubung

Von oben betrachtet, punktet die hochwertige
Inbusverschraubung durch ihren festen Sitz, das verhindert sonst störende
Vibrationen. Die Passgenauigkeit ist nicht nur für einen Kleinserienhersteller
wie Audio Analogue enorm - sondern auch Volumenhersteller könnten sich
glücklich schätzen, eine solche Qualität offerieren zu können

Die Schrauben sind beinahe nahtlos in den Gehäusedeckel
eingepasst und sind leicht herauszudrehen, trotz des festen Sitzes

Auch aus diesem Blickwinkel ist die sehr akkurate Verarbeitung
gut zu erkennen. Die Spaltmaße zwischen den Seitenprofilstücken und dem
Gehäusedeckel sind sehr gleichmäßig, alles ist exakt eingepasst

Der Gehäusedeckel ist steif und hochwertig

Auf diesem Bild sieht man, dass das gesamte Chassis
außerordentlich solide bezüglich des Finish ist

Die Fernbedienung wirkt nicht sonderlich wertvoll
Die äußere Verarbeitung der Primo Komponenten sichert sich
bilanzierend sehr gute Zensuren. Hier wird eindrucksvoll unter Beweis gestellt,
dass auch Kleinserienhersteller ein hohes Qualitätsniveau anbieten können -
ohne bezüglich der Preisgestaltung ins Uferlose abzudriften, wie es einige
Unternehmen praktizieren. Sie liefern ohne Zweifel eine Top-Qualität, verlangen
dafür aber enorm hohe Preise. Kommen wir zurück zu den Primo-Modellen, die
durch die reichliche und sorgfältige Verwendung gebürsteten Aluminiums auf
sich aufmerksam machen. Die dicken Frontplatten sind ebenso hervorzuheben wie
die massive seitlichen Paneele. Und auch beim Thema Gehäusedeckel, wo wir
selbst bei sehr teuren Modellen aus dem Stereo- und AV-Bereich oftmals
Nachbesserungsbedarf sehen, leisten sich die italienischen "Bella Macchinas"
keinen Fauxpas: Die Deckel sind fest und verwindungssteif und sammeln durch die
tadellose Passung viele Punkte. Auch die Verschraubung ist für die Preisklasse
auf sehr hohem Level. Hier kommen Inbusschrauben zum Einsatz, die einerseits
festen Halt garantieren, andererseits aber leicht herauszudrehen sind. Auch nach
mehrmaligem Entfernen waren noch keine "Alterungsspuren"
festzustellen. Kommen wir zu weiteren positiven Aspekten - diese betreffen den
edlen Lautstärkeregler am Verstärker. Dieser ist eine Mischung aus Drehregler
und Wippschalter, das heißt, man dreht immer wieder das identische Stück am
Regler (setzt also nach jedem "Dreh" neu an), dann erhöht sich die
Lautstärke, was ganz elegant mittels kleiner LEDs symbolisiert wird. Insgesamt
finden sich nur wenige Punkte, die Verbesserungspotential bergen. Hierzu
gehören die etwas mickrigen Gerätefüße, die an der sonst makellos
verarbeiteten Unterseite montiert sind und in Form einfacher Gummistopper
angebracht sind. Zweiter Punkt sind die fest eingebauten Netzkabel, hier wären
Kaltgerätestecker-Buchsen schöner. Dritter Punkt: Die mitgelieferte
Vollkunststoff-Fernbedienung passt nicht zum hohen Anspruch der beiden Hauptgeräte. Gesamtnote, auch in Anbetracht des Preises:
Ausgezeichnet - hervorragend.
Verarbeitung innen

Das sehr schöne innere Setup des Primo-Verstärkers. Gut zu
erkennen ist der Aufbau als Hybrid, rechts im Bild ist die Röhre der
Vorverstärkersektion montiert

Hier nochmals eine Detailaufnahme der Röhre - sie soll für
einen angenehm runden, vollen und warmen Klang sorgen

Eine weitere Detailaufnahme zeigt, dass das Layout auch in
Details sehr ordentlich ist

Sauberes Platinenlayout, wenig Kabel, die die Signalqualität
unnötig verschlechtern würden

Der CD-Player von innen. Die komplette rechte Hälfe auf dem
Bild wird von einem von TEAC stammenden PC-Laufwerk eingenommen

Das Laufwerk ist sehr sauber eingepasst

Auf diesem Bild sieht man gut, dass der Kunde für sein Geld
auch einen ausgesprochen hochwertigen Aufbau geboten bekommt

Detailaufnahme des Innenlebens des CD-Players

Auf diesem Bild sieht man den Ringkerntrafo, der als typisches
Element für Produkte aus dem Hause Audio Analogue auch den CD-Player schmückt

Hier der CD-Player ohne Seitenpaneel. Der konsequent-einfache
Innenaufbau sichert kurze Signalwege
Die Audio Analogue-Komponenten sind keine Blender - sie
täuschen nicht mit einer edlen äußeren Optik über einen unzureichenden
inneren Aufbau hinweg. Vielmehr begeistert der innere Aufbau des kleinen
Hybridverstärkers voll und ganz. Ein hochwertiger Ringkerntrafo kennzeichnet
das Innenleben gleich auf den ersten Blick. Zweites, sofort sichtbares Merkmal
ist die Röhre für die Vorstufe. Als Kühlelemente setzt Audio Analogue auf
Aluminium-Profilkühlkörper, die zur besseren Wärmeabfuhr zusätzlich schwarz
lackiert sind. Das verwendete Platinenmaterial ist hochwertig, es wurden nur
wenig Kabel verlegt, gleichzeitig sind die Signalwege kurz, was die
Signalqualität erhöht. Auch der CD-Player bringt einen Ringkerntrafo mit. Die
Laufwerkseinheit ist hier keine Eigenentwicklung - dies ist üblich bei
Kleinserienherstellern, sie bedienen sich bei OEM-Zulieferern. Es gibt weltweit
nur wenige Anbieter, die ihre Laufwerke selbst herstellen. Die Einheit im
Primo-CD-Player ist eigentlich ein PC-Laufwerk und kommt aus dem Hause TEAC.
Obgleich man sich für ein qualitativ gutes PC-CD-Laufwerk entschieden hat -
"reinrassige" Audio-CD-Laufwerke wären hier die bessere Wahl, weil
sie hinsichtlich ihrer gesamten Eigenschaftsstruktur genau auf die Bedürfnisse
eines CD-Spielers angepasst sind. Die Einpassung des Laufwerks hingegen
überzeugt auf der ganzen Linie, ebenso die Befestigung mit soliden Schrauben.
So entstehen nicht durch lockere Befestigungselemente unschöne Vibrationen.
Auch im Inneren des CD-Players wurde der Verkablungsaufwand möglichst gering
gehalten. Das verwendete Platinenmaterial überzeugt ebenfalls komplett.
Bilanzierend bleibt festzuhalten, dass es beinahe schon zu schade ist, diese
hochwertigen Komponenten nur in geschlossener Form zu kennen - hier wäre schon
beinahe ein durchsichtiger Acrylglasdeckel eine willkommene Alternative, denn
einen so schönen, hochwertigen technischen Aufbau findet man sonst nur bei
deutlich teureren Komponenten. Kompliment an Audio Analogue - so viel innere
Qualitäten belohnen wir mit der Note "hervorragend" für den
Verstärker, der CD-Player kommt auf ein "ausgezeichnet".
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