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Test: SVS PB12-Plus - Bass-Gigant für Heimkino und Musik? (3/4)

Zur Ausstattung gehört auch ein einbändiger parametrischer EQ, um gegen störendes Bass-Dröhnen anzukämpfen. Bass-Dröhnen entsteht bei sogenannten Raummoden - mit aktueller Kleidung haben diese allerdings nichts gemein, vielmehr verbergen sich dahinter sogenannte "stehende Wellen", die beim Erreichen der Eigenresonanzfrequenzen des jeweiligen Hörraums auftreten. Die Eigenfrequenzen sind abhängig von der Größe des Hörraums beziehungsweise mit dem Abstand der Wände zueinander: Es kommt bei derjenigen Frequenz, deren Wellenlänge doppelt so groß ist wie der Abstand der parallelen Wände zueinander, zur Entstehung einer stehenden Welle,  d.h., die entstehende Schallwelle wird zwischen den beiden Hörraumwänden mehrfach reflektiert - man kann bereits erahnen, was dies akustisch bedeutet: Der entstehende Ton ist im Vergleich zum akustischen Rest zu laut und lang und sorgt somit für klangliche Disharmonie - technisch ausgedrückt kommt es, wenn ein Basslautsprecher mit tief nach unten reichendem Frequenzgang den Raum zu Eigenschwingungen anregt, zu starken Überhöhungen ("Peaks") im Frequenzgang. Die erste stehende Welle, aus der sich die weiteren stehenden Wellen rechnerisch ableiten lassen, wird auch "Grundmode" genannt. Weitere stehende Wellen entstehen dann bei ganzzahligen Vielfachen der Grundmode. Üblich sind solche Überhöhungen im Frequenzgang besonders in großen Räumen und/oder in Fällen, in denen der aktive Subwoofer weit von der Hörposition entfernt aufgestellt ist. 

Unbedingt von Nöten für eine akkurate Justage des PEQ ist als Hilfswerkzeug ein Sound Pressure Level Meter (SPL Meter, Schalldruckmessgerät). Zunächst muss man das Frequenzverhalten des Hörraums ermitteln. Hierzu wählt man entweder die "klassische Alternative" mit Millimeterpapier und Bleistift oder aber man hat einen PC, auf dem entsprechend geeignetes Programm wie z.B. Microsoft Excel installiert ist. Das letzte Tool, was nun noch fehlt, ist eine Testton-Disc, die für die folgenden Messungen geeignet ist. Damit die nötigen Voraussetzungen erfüllt werden, sollte diese Disc Frequenzen von 20 bis 100 Hz enthalten. Eine preiswerte und sehr populäre Testton-Scheibe ist in den USA die Autosound 2000 CD #101. Diese Disc erlaubt es dem Anwender, 10 Hz bis 98 Hz Signale in 1 Hz Inkrementen wiederzugeben. Andere gute Beispiele für Test-Discs sind "Avia’s Guide to Home Theater" und "Digital Video Essentials" - laut SVS. 

Hier ein Beispiel für ein (theoretisches) Frequenzverhalten eines Hörraums: 

 

Wenn man das Frequenzverhalten des Raumes misst, sollte die Minimalauflösung 5 Hz betragen.  Vor der Interpretation der Ergebnisse sollte man folgendes beachten: Ein Schalldruckmesser, ganz gleich welcher, bietet nicht bei allen Frequenzen die identische Empfindlichkeit, arbeitet also nicht völlig linear. Wer den von SVS angebotenen Schalldruckmesser von Radioshack einsetzt, kann sich mit einer Kompensations-Chart auseinander setzen, die besagt, wieviel dBs bei welcher Frequenz noch zu addieren sind: Wenn also z.B. mit einem 20 Hz Ton 70 dB gemessen werden, so sind einfach noch 7,5 dB zu addieren - der wirkliche Output sind 77,5 dB. Das ist eine extrem wichtige Differenz, denn es ist grob gerechnet das Doppelte an akustischer Energie, welche das mehrfache an elektrischer Energie des Verstärkers zur sauberen Wiedergabe erfordert. Wichtig: Diese Chart gilt NUR für das Radioshack Modell aus dem SVS-Zubehörprogramm! Da das Angebot an SPL Metern sehr groß ist, muss man dann sehen, wie präzise das jeweils zum Einsatz kommende Modell arbeitet - hier gibt es große Unterschiede, wer richtig Geld in ein Schalldruckmessgerät investiert, kann auch mit einer weitaus präziseren Messung rechnen. 

Hier der Überblick über die Werte, die hinzuaddiert werden müssen, verwendet man das Radioshack SPL, das von SVS als Zubehör offeriert wird:

  • 10Hz plus 20dBs
    12Hz plus 16.5dB
    16Hz plus 11.5dB
    20Hz plus 7.5dB
    25Hz plus 5dB
    31.5Hz plus 3dB
    40Hz plus 2.5dB
    50Hz plus 1.5dB
    63Hz plus 1.5dB
    80Hz plus 1.5dB
    100Hz plus 2dB
    125Hz plus 0.5dB

Erklärung der Bedienelemente

Parametrischer EQ auf der Rückseite des PB12-Plus

Nun ist geklärt, wie das Frequenzverhalten des Raumes zu messen ist. Der nächste Schritt ist nun, die problembehafteten Zonen mit dem parametischen Equalizer zu entschärfen. Daher ist es nun an der Zeit, die einzelnen Bedienelemente zu erklären. 

Der "Q"-Regler hat nichts mit James Bond und dem MI6 zu tun - dieser Regler legt fest, in welcher Frequenzbreite die Korrektur erfolgen soll. Jede Markierung am Regler auf der Rückseite des Subwoofers repräsentiert einen Sprung von 0,1 Oktave. Die "Hi"-Position entspricht 0,1 Oktave (nah) und die "LO"-Marke entspricht 0,9 Oktave (weit). In unserem Beispiel oben ist die größte Frequenzüberhöhung bei 40 Hz festzustellen und wird bei 50 Hz (der höchsten Frequenz des Peaks) wieder flach.  Um nun Q festzulegen, muss man die folgende Formel zur Rate ziehen:

Höchste Frequenz [X] – Frequenz-Mittelpunkt (Center Point) [Y])
-------------------------------------------------------------
Frequenz-Mittelpunkt (Center Point) (Y)

Die "Level"-Kontrolle ist der Betrag der Abschwächung des Signals, der bei der Center-Frequenz lokalisiert wird. Die Einstellung "MIN" ist identisch mit 0 dB und die Einstellung "MAX" entspricht einer - 12 dB-Abschwächung. Jede Markierung auf dem Regler reduziert den höchsten Punkt der Überhöhung um 1,5 dB. Die "FREQ" ( = Frequenz)-Justage ist die Einstellmöglichkeit für den höchsten Punkt der Abschwächung und sollte die höchste Peak-Frequenz im Frequenzverhalten des Hörraums treffen. Jede Markierung auf dem Drehregler bewegt in einem Bereich zwischen 20 und 80 Hz die gewünschte Abschwächung um 5 Hz. 

Die Einstellungen für den parametrischen Equalizer:

  • Zuerst wird der "Center Point", der Mittelpunkt der Abschwächung eingestellt.

  • Wenn man den Mittelpunkt festlegt, kann man eine Basislinie festlegen, die für weitere Einstellungen dienlich ist.

  • In unserem Beispiel (siehe Grafik weiter oben) liegt die Spitzen-Frequenz bei 40 Hz.  Bei diesem Schritt schätzt man den Beginn (niedrigste Frequenz) und das Ende (höchste Frequenz) der Spitze/Überhöhnung.  In der Beispielgrafik liegt der Anfang in der Nähe von 25 Hz und das Ende, oder die höchste Frequenz, bei ca. 50 Hz. Dies entspricht einer Bandbreite von 25 Hz, über die der EQ wirksam ist und einem Mittelpunkt von 37, 5 Hz (die Mitte zwischen 25 und 50 Hz). Zu beachten ist, dass der ermittelte Center-Punkt nicht absolut identisch ist mit der größten Überhöhnung im gewählten Beispiel, die bei 40 Hz anliegt. Warum? Würde man 40 Hz als Centerfrequenz nehmen und 50 Hz als höchsten Frequenzpunkt der Abschwächung, dann würde man nur die Kurve bis auf 30 Hz hinab, aber nicht bis auf die gewünschten 25 Hz hinab abschwächen. Die Folge: Es bliebe eine kleine hörbare Lücke in der Abschwächung, exakt zwischen 25 und 30 Hz. 

  • Nachdem nun die Center-Frequenz festgelegt wurde, kann man den Frequenzregler auf 37,5 Hz einstellen (zwischen der vierten und der fünften Markierung).

  • Der nächste Schritt ist die Justage des "Q"-Reglers. Wir ziehen hier wiederum die Formel zur Rate:

Höchste Frequenz [X] – Mittelpunkt [Y])
----------------------------------------
Mittelpunkt (Y)

Unsere Werte darin eingesetzt ergeben:

50 Hz – 37,5 Hz [Y])
---------------------------------------- = 0,33
37,5 Hz

0,33 Q, das entspricht einer Einstellung vor der dritten Markierung auf dem Regler. 

  • Nun können wir als letzten Schritt den "Level"-Regler einstellen. In unserem Beispiel sollte die Einstellung irgendwo zwischen - 10 dB bis - 11 dB liegen, oder am achten Markierungsstrich von links aus gesehen. 

Was bringt nun das Ganze in der Praxis? Gerade dann, wenn man den aktiven Subwoofer z.B. im Wohnzimmer aufstellen möchte, kann man nicht jeden x-beliebigen Ort wählen. Der Punkt, der vielleicht in Bezug auf Raummoden sich als unkritisch erweisen könnte, wird vom Rest der Familie nicht toleriert, denn ein doch sehr ausladender Bass-Bolide wie der PB12-Plus direkt im Eingangsbereich zum liebevoll gestalteten Wohnraum kann doch auf zartbesaitete Gäste, vor allem weiblichen Geschlechts, etwas abschreckend wirken. Und ein Spitzendeckchen mit Blumenvase als "Tarnung" obendrauf ist wiederum für den stolzen Mehrkanal-Fan keine gangbare Lösung. Daher hat der PEQ durchaus seine Daseinsberechtigung, denn mit dessen Hilfe kann man auch an einem akustisch prinzipiell nicht perfekten Aufstellungsort störende Überhöhnung abschwächen, was übrigens in der Praxis auch gut funktioniert. 

Interessant für PB12-Plus-Interessenten ist, dass das günstigste Modell in schwarzem Strukturlack ohne den PEQ ausgeliefert wird. Wer auf diesen also Wert legt, muss mindestens 1.400 € anlegen, was aber in Anbetracht der Leistung wahrhaftig nicht zu viel ist. Schon eher Kritik verdient die Tatsache, dass sich alle Einstellregler auf der Rückseite des aktiven Subwoofers befinden. Hier wäre eine Anbringung der wichtigsten Bedienelemente (Lautstärke, Übernahmefrequenz) auf der Frontseite sehr viel praxisgerechter, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass auch eine Fernbedienung, mit der man bequem vom Sessel aus steuern könnte, nicht im Lieferumfang enthalten ist. Wie es deutlich besser geht, zeigt Nubert.

Kennzeichen der Nubert Aktivsubwoofer ist das sehr gut verarbeitete Bedienpanel auf der Gerätefront mit zwei großen, leicht bedienbaren Drehreglern für Übernahmefrequenz und Lautstärke

Steuerung bequem vom Sofa aus: Auch eine Fernbedienung packt Nubert noch dazu. Da kann die Konkurrenz lernen!

Insgesamt überzeugt der PB12-Plus mit seinen durchdachten Ausstattungsmerkmalen, die für flexible Einsatzmöglichkeiten sorgen. Der PEQ ist ein besonders wichtiges Detail, während der variable subsonische Filter nebst der Bassreflex-Rohrstopfen auch sehr erfahrene Anwender mit speziellen Ansprüchen befriedigen dürfte.  Technisch bietet der Basslautsprecher mit sehr hochwertigem Chassis und extrem leistungsstarker Premium-Endstufe überproportional viel. Nicht optimal gelöst ist, dass sich alle Bedienelemente auf der Geräterückseite befinden. Eine Fernbedienung liefert SVS nicht mit.

Bewertung Technik/Aufbau/Ausstattung

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