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Test: Sherwood P-965/A-965 - Was kann die 7.1 Vor-End-Kombi für 3500 Euro ? (2/5)

28.11.2005 (lm) 

Technischer Aufbau

Getrau dem Motto "erst die Arbeit, dann das Vergnügen", befassen wir uns zuerst mit der 32kg Endstufe, wobei sich hierbei sehr schnell herausstellt, dass sich beides nicht ausschließen muss, denn wer den schwergewichtigen Koloss aufschraubt, erlebt eine faustdicke (positive) Überraschung:

Zur Erinnerung: Wir reden hier von einer 1899 €-Endstufe - und nicht von Preisen oberhalb der 3000 €-Marke! In Anbetracht dieser Tatsache ist es fast schon sensationell, dass Sherwood einen Großteil des Aufbaus in einer Mono-Architektur umgesetzt hat. Der Vorteil durch eine solche Bauweise liegt darin, dass das sogenannte "Übersprechen", also Beeinflussungen der Kanäle untereinander, größtmöglich ausgeschlossen wird. Außerdem wird dadurch die Service- bzw. Reparaturfreundlichkeit erhöht, wenngleich wir bei der demonstrierten Qualität und Zuverlässigkeit des Systems während des gesamten Tests nicht davon ausgehen, dass dieser Faktor in der Praxis eine große Relevanz bekommen sollte. Doch zurück zu den klanglichen Aspekten dieses Aufbaus: Wir sind überrascht, dass es weder Vincent noch Rotel in deutlich teureren Geräten (jeweils um die 3000 €) und trotz der geringeren Anzahl an Kanälen (5 bzw. 6) es geschafft haben, eine technisch ebenbürtige Umsetzung anzubieten. Erst der Audionet Amp7 würde technisch überholen, und jedem Kanal sogar noch seinen eigenen Ringkerntrafo mitsamt Kondensator zur Verfügung stellen. Allerdings liegt dieser in einer vergleichbaren 7-Kanal-Ausstattung bei über 9000 €, so dass hier jeder ernsthafte Vergleich obsolet ist. 

Zwei zentrale Ringkerntrafos sowie zwei mächtige Kondensatoren (auf der Vorderseite zwischen den Trafos) versorgen die 7 separaten Stromkreise der Endstufen. Insgesamt leistet der A-965 damit (laut Hersteller) echte 150 Watt an 4Ohm - bei gleichzeitiger Vollbelastung aller Kanäle. Stereo-Fans freuen sich über eine Zweikanal- Performance in Höhe von je 300 Watt bei 4 Ohm, wobei der Hersteller auch das Betreiben von noch niederohmigeren Lasten als unproblematisch deklariert. Durch die leistungsfähige Netzteil-Sektion bringt der A-965 jedenfalls alles mit, um modernes Heimkino mit beeindruckender Dynamik war werden zu lassen - besonders in Anbetracht des Preises. Dank der großflächigen Kühlfläche, bedarf der A-965 selbst bei hohen Pegeln keiner aktiven Kühlung, so dass kein Lüfter-Geräusch das Musik Vergnügen trüben kann. Trotzdem an dieser Stelle der Hinweis, dass besonders bei diesen Kühlkonzepten auf ausreichende Luftzirkulation geachtet werden muss und daher ein zu enger Einbau in ein AV-Rack vermieden werden sollte.

Abschließend stellen wir noch einen Vergleich zum Marantz SR-9600 an, um zu zeigen, wo nicht nur der Vorteil der Sherwood-Endstufe, sondern auch der großen Mehrkanalendstufen im Allgemeinen zu finden ist. Der gesamte A-965 dient nur dem Zweck, eingehende Signale zu verstärken und kann hierfür das komplette Gehäuse füllen. Das Ergebnis ist ein Mono-Aufbau mitsamt zentralem, massiven Netzteil sowie den beiden imposanten Kondensatoren. Der Marantz SR-9600 hingegen basiert auf einem vollkommen anderem Konzept. Er hat als klassischer "Bolide" nicht nur die Endstufen, sondern auch alle anderen Baugruppen in einem Gehäuse zu vereinen, was besonders in Hinsicht auf die Platzverhältnisse nach trickreichen Lösungen verlangt. Herausgekommen ist hierbei eine quer eingebaute Endstufen-Sektion, die um einen zentralen Kühltunnel angebracht ist (rot markiert).  Obwohl dieser Aufwand und auch die verwendete Netzteil-Sektion den Marantz nicht nur in seiner Klasse sehr gut positionieren, distanziert der A-965 diesen Boliden sehr deutlich: Weiter optimierte klangliche Grundvoraussetzungen aufgrund des Mono-Aufbaus und auch ebenfalls eine noch großzügigere Netzteil-Sektion machen klar, dass den Boliden generell bauliche Grenzen gesetzt sind - der Sherwood A-965 packt obendrauf noch eine technische Überlegenheit. Soviel nehmen wir vorweg - was die Endstufe betrifft, darf sich Sherwood über eine äußerst souverän eingefahrene Höchstwertung in diesem Kapitel freuen, wobei wir selbstverständlich wissen, dass technische Überlegenheit nicht automatisch auch klanglich im gleichen Maß vorhanden sein muss, so dass wir beim späteren Klangtest ganz besonders auf die akustische Güte des A-965 achten werden.



Auch der zweite Blick fördert nur Positives zu Tage: kurze Signalwege, großflächige Aluminiumkühlkörper und nicht zuletzt eine blitzsaubere Verarbeitung kennzeichnen das Innenleben des Sherwood  A-965.

Widmen wir uns nun dem anderen Part unseres Sherwood-Duos. Der P-965 ist genau die Vorstufe, die viele Heimkino-Freunde immer gefordert haben: Keine exotische Kleinmengenanfertigung mit wenig Features zum großen Preis, sondern abgeleitet von einem "normalen" Receiver mit allen modernen Segnungen der Technik ausgestattet , und dabei mit 1599 € deutlich unterhalb der sonst üblichen Preisgefilde vergleichbarer Geräte. Werfen wir einen Blick unter die Haube, um zu sehen, was genau Sherwood anzubieten hat:

Unseren technikaffinen Lesern dürfte recht schnell auffallen, dass Sherwood bei dieser Vorstufe fast schon zu konsequent vorgegangen ist: Basis des P-965 ist der Receiver R-965, der sich nämlich nur durch die zusätzlichen Endstufen von seinem Vorverstärker-Pendant unterscheidet. Wenn nun die leeren Stellen des P-965 links und rechts im Gehäuse mit Endstufen bestückt würden, hätten wir einen R-965. An und für sich nicht besonders schlimm, aber wir würden uns wenigstens wünschen, dass Sherwood dann auch die Vorstufe günstiger anbietet - und nicht zum exakt selben Preis wie den Receiver, da ansonsten weder in Hinsicht auf die Schirmung, noch in Bezug auf andere Baugruppen Änderungen vorgenommen wurden. Was die Schirmung betrifft, übrigens ein weiterer Kritikpunkt: Wo der Marantz SR-9600 bei den Endstufen dem Sherwood A-965 den Vortritt überlassen musste, müssen wir nun attestieren, dass bei Herstellern wie Marantz noch etwas mehr zur Abschirmung der Baugruppen getan wird. Augenscheinlichste Unterschiede besteht in dem kupfergelagerten Chassis sowie einer doppelten Bodenplatte. Wer nun denkt, es sei unfair, eine 1600 €-Vorstufe mit einem 3500 €-AV-Boliden zu vergleichen, der irrt: zum Einen kostet die Sherwood Vor-/Endkombi in der Summe ebenfalls 3500 € , und zum anderen bietet Marantz die soeben genannten Features im Modell SR-8500 auch schon in der 1500 € AV-Receiver Klasse.

Doch nun - genug der Kritik, denn es gibt überwiegend sehr gute Aspekte, was den Geräteaufbau des P-965 betrifft. Besonders Folgendes ist uns hier positiv aufgefallen: Die Blechwand im Inneren das Gehäuses ermöglicht eine vorbildliche Trennung der Netzteilsektion von den restlichen Baugruppen. Dazu kommt noch, dass das Layout mit vorne untergebrachten Trafos weitgehend das Problem löst, dass viele Kabelverbindungen diese Sektion passieren müssen. Mit Ausnahme der Frontplatten-Anschlüsse bleiben somit alle signalbezogenen Verarbeitungen im hinteren Bereich der Vorstufe. 

Ähnlich wie schon bei der Endstufe, besticht auf die Vorstufe mit einem konsequent umgesetzten modularem Aufbau. Basierend auf der Hauptplatine, bekommt fast jede einzelne Baugruppe ihre eigene Platine und kann somit störungsfrei ihre Arbeit verrichten. Dieser Aufbau erinnert uns in den Grundzügen an die Rotel RSP-1098 - die zwar nochmals aufwändigere Schirmungen innerhalb der Baugruppen aufweist, aber vom Prinzip recht ähnlich ist und mit 3500 € mehr als das Doppelte der P-965 kostet. Die Vincent SAV-C2 und auch der Audionet MapV2 zeigen mit ihrer Architektur, dass sie aus Firmen stammen, die hauptsächlich auf hochwertigen Analag-Stereo Klang fixiert sind, und letztendlich "nur" ein DSP-Board hinzugefügt haben (selbstverständlich mit unterschiedlichen Aufwand). Der Sherwood P-965 zeigt sich daher als typischer Digital-AV-Receiver mit beispielhaftem Layout.

Ebenfalls sehr durchdacht gestalten sich die Kabelverbindungen innerhalb des Gerätes. Über eine zentrale Brücke (grüne Platinen rechts im Vordergrund) verlaufen die wichtigsten Kabeln und werden ohne große Störeinwirkungen durch das Gehäuse gelegt. Außerdem fällt auf, dass Sherwood (wie schon bei der Endstufe) großen Wert auf kurze Kabelwege legt.

Eine kleine Sicherung für die beiden internen 220V Anschlüsse.

Bei dem fast baugleichen Reveicer R-965 versorgt dieser große Ringerkerntrafo neben allen Vorstufenfunktionen auch die 7 Endstufen. Besitzer des P-965 freuen sich, dass Sherwood denselben Trafo auch in der Vorstufe arbeiten lässt und er sich dort ausschließlich um die Signalaufbereitung kümmern muss. In Anbetracht der vergleichbaren anderen Vorstufen eine sehr potente Lösung. Außerdem sehr erfreulich: der große Schirmungstopf, der für eine möglichst geringe Einwirkung auf andere Baugruppen sorgt.


Unter dem passiven Kühlelement verbirgt sich der 24-bit CS-49400 Crstal DSP Prozessor, der unter anderem das Dekodieren der Tonformate übernimmt. Über die (leider unscharf abgebildeten) Kabelverbindungen im Vordergrund werden die einzelnen fertig ausgerechneten Kanäle zur weiteren Verarbeitung bzw. zur Signal-Ausgabe übergeben.

Fazit Technischer Aufbau:

Unterm Strich bleibt also festzuhalten, dass beide Geräte nicht nur von Außen ihre Reize haben, sondern auch durch einen sauberen, inneren Aufbau zu überzeugen wissen. Zum Wunschlos-Glücklich-Paket fehlt uns jedoch bei der Vorstufe eine bessere Schirmung des Gehäuses sowie eine bessere Ausnutzung des freien Platzes. Da Sherwood aber in vielen anderen Bereichen mustergültige Lösungen präsentiert, reicht es dennoch zu beachtlichen 5,5 Punkten. Die Endstufe hätte sogar noch einen Bonus-Punkt verdient und kommt souverän auf die Höchstwertung von 6 Punkten.

P-965:

+ großzügig dimensionierter Trafo mit guter Abschirmung

+ vorbildliches Gehäuselayout inkl. Separierung der Baugruppen

+ kurze Kabelverbindungen im Gehäuse, außerdem sehr ordentlich verlegt

- Das Gehäuse selber könnte besser geschirmt sein 

A-965:  

+ Mono-Aufbau in dieser Preisklasse, noch dazu mit 7 Endstufen, mustergültig

+ kraftvolle Netzteilsektion inkl. 2 Netzteile und groß dimensionierten Kondensatoren 

+ Kühlungskonzept bedarf dank großer Kühlflächen keine aktiven Elemente

+ kurze Signalwege kennzeichnen das durchdachte Layout


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