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Test: Nubert nuLine 30 mit ATM-Modul (2/2)
Testequipment:
Klang

Im Rampenlicht: Die nuLine 30 präsentiert sich spielfreudig und gekonnt abgestimmt

Gerade Ästheten mit akustischem Anspruch haben es nicht leicht, die richtige Box zu finden, vor allem dann nicht, wenn der Fokus auf einer stimmigen Stereowiedergabe liegt. Ein optisch schöner Lautsprecher ohne gigantische, die Harmonie des Wohnraums oder Musikzimmers störende Abmessungen soll es sein, mit edler Verarbeitung und tadellosem Klang. Dass die nuLine 30 Exklusiv mit zeitloser Noblesse auftritt, kompakt ist und mit ausgezeichneter Verarbeitung glänzt, haben wir bereits festgestellt. Auch beschrieben wurden von uns die laut Datenblatt beeindruckende Wirkung des ATM-Moduls, doch das Wichtigste fehlte noch: Die praktisch-akustische Einschätzung des Systems aus zwei Regalboxen und dem "energiefördernden" Modul.

Geschliffene Manieren: Der tadellos klare Hochtonbereich unterstreicht die ausgezeichnete Performance der nuLine 30. Der Hochtöner ist, wie gut auf dem Bild zu sehen, asymmetrisch ausgelegt, was laut Nubert Kantendispersionen und Interferenzen, die zu akustischen Einschränkungen führen könnten, wirkungsvoll bekämpft

Zunächst haben wir die nuLine 30 an unserer Restek-Kombi ohne ATM-Modul betrieben. Es war eine große Herausforderung für die kleine Regalbox, an einer höchst anspruchsvollen Stereolösung wie dem Restek-Ensemble aufzuspielen, und wir waren sehr auf die Ergebnisse gespannt - und wurden nicht enttäuscht. Gerade die Klarheit im Hochtonbereich hat uns zutiefst verwundert. Auch sehr diffizil darstellbare Instrumente wie z.B. eine Violine oder ein Cembalo wurden facettenreich wiedergegeben. Der Violine fehlte der unangenehm gepresste, fast schon gequälte Klang, den gerade preisgünstigere Regallautsprecher leider des Öfteren bei der Wiedergabe hoher Frequenzen an den Tag legen. Verschiedene Violinensoli, die wir hörten, klangen angenehm locker und frisch, zudem überzeugte die tadellose Detaillierung. Ein besonders angenehmer, feiner, sanfter, zugleich aber trotzdem präziser Klang war beim Umlegen des Kippschalters auf der Rückseite der nuLine 30 zu vernehmen. Dieser Kippschalter kommt, wie auf Seite 1 bereits beschrieben, dem Wunsch nach einem sanfteren, weniger harten und aggressiven Klangbild nach.

Prima schaffen es die schwäbischen Schallwandler, verschiedene Instrumente auseinander zu differenzieren, selbst bei einem plötzlichen orchestralen Einsatz ertönt kein konturloses Einerlei, sondern das Ohr des Hörers wird vom tadellosen Aufbau angenehm überrascht. Obwohl nur ein 2-Wege-System, klingt die kleine nuLine 30 im Präsenztonbereich nicht langweilig und fade, sondern kokettiert auch hier mit ihren Reizen, will heißen: Klare Stimmverständlichkeit, angenehme, akkurat betonte Wiedergabecharakteristik. Die akustische Gewichtung im Hoch- und Mitteltonbereich stimmt, so ergibt das Klangbild eine realistisch klingende, natürliche Balance. Nicht viel erwarten sollte man im Normalzustand ohne tatkräftige ATM-Unterstützung allerdings vom Bassbereich, was in Anbetracht der technischen Voraussetzungen (kleines Gehäuse, wenig Membranfläche) auch nicht wirklich verwunderlich ist. Nicht, dass die kleine Box bei der Basswiedergabe enttäuscht, aber richtiger Nachdruck kann nicht aufgebaut werden, obwohl die nuLine 30 mit einer 2,5 dB Überhöhnung im Bassbereich operiert, um nicht allzu dünn zu klingen. 

ATM in Aktion: Ein verblüffender Anstieg an Basskraft konnte bei den nuLine 30 festgestellt werden

Daher schlossen wir in einem zweiten Schritt nun das ATM-Modul an, indem wir es zwischen Vorstufe und den beiden Mono-Endstufenblöcken des Restek-Systems einschliffen.  Für erste Tests brachten wir den Bassregler in die 11.30 Uhr Position (links knapp vor der 12 Uhr Mittelstellung des Reglers), bei weiteren Testreihen ca. in die 2 Uhr Position zwischen "LINEAR" und "MAX". Besonders dann, wenn wir den Bassbereich noch leicht mittels EQ erhöhten, staunten wir nicht schlecht: Plötzlich hat das Klangbild ein hörbares Fundament, die ganze Akustik präsentiert sich besser von den Boxen gelöst, und gerade bei großen Konzerten wird dem Zuhörer nun prima vor Augen oder besser vor die Ohren geführt, dass die Musiker sich auf einer großen Bühne präsentieren und nicht ein ausgewachsenes Orchester in einen 15 Quadratmeter-Raum hineingepfercht wurde. Die Weite des Klangraums, die Souveränität bei der Gesamtdarbietung nimmt nun deutlich hörbar zu.

Allerdings darf der Kaufinteressent auch die physikalischen Grenzen nicht außer Acht lassen. Ebenso wie es in einem PKW ein selbst sehr gut gemachter Benzin-Turbomotor es nicht schafft, genauso zu wirken wie ein Saugmotor mit großer Zylinderzahl und großem Hubraum, genauso wenig kann selbst ein hervorragend gemachtes ATM-Modul eine große Standbox mit viel Gehäusevolumen und großer Membranfläche ersetzen. Auch Nubert kann nicht zaubern, das heißt, dem Bass-Vergnügen mit nuLine 30 plus ATM-Modul sind schon auch Grenzen gesetzt: Die Lautstärken, mit denen man hört, sollten sich im moderaten Bereich bewegen, hört man zu laut, wirkt die nuLine 30 dann doch etwas gequält und kann nicht mehr angemessen das Geschehen kontrollieren. Auch die Hörraumgröße sollte ausreichend Berücksichtigung finden. Hörräume bis knapp über 25 Quadratmeter können noch tadellos beschallt werden, danach reicht der Zusatz-Druck des ATM-Moduls nicht mehr ganz aus, um für einen raumfüllenden Bass zu sorgen. 

ATM-"gedopt", gibt der Tieftöner bei Bedarf kräftig Gas

Wer jedoch mit nachbarnkompatibler Lautstärke im maximal mittelgroßen Hörraum seiner Lieblingsmusik folgen möchte, der liegt mit unserem Test-Set genau richtig, gerade auch dann, wenn er einen durchaus variierenden Musikgeschmack hat. Das ist ein großer Vorteil der nuLine 30: Sie wirkt trotz ihres fairen Kaufpreises bei keiner Art von Musik deplaziert, weil sie in ihrer Grundabstimmung bis auf die leichte, gewollte und bestens verträgliche Erhöhung im Bassbereich (ohne ATM-Modul) recht neutral gehalten ist. Mittels des ATM-Moduls kann man dann den Bassbereich wirkungsvoll erweitern und zusätzlich je nach Musik, Raumakustik und eigenem Geschmack mit den EQ-Reglern individuell Akzente setzen. Der Regelbereich der EQ-Regler des ATM-Moduls erwies sich in allen Testreihen, die über mehrere Wochen andauerten, als praxisgerecht. Bereits nach kurzer Zeit hat man so die jeweils passende Einstellung gefunden. Oben auf unserem Beispiel-Bild präsentiert sich das ATM-Kästchen gerade im Einsatz bei der Klangverstärkung energiegeladener Trance-Titel, daher auch die ziemlich extremen Einstellwerte. Auch von solcher Musik lässt sich das Nubert-"Team" nicht verschrecken, sondern stellt, hält man sich an die bereits beschriebenen Grundvoraussetzungen (Hörraumgröße, Pegelverhalten), eine kräftige Klangkulisse bereit.

Im Vergleich zur Konkurrenz steht ein ATM-bestücktes Paar nuLine 30 sehr gut da. So werden die Polk Audio LSi 7 in Bezug auf die Bassperformance und die Substanz des gesamten Klangbildes problemlos in die Schranken gewiesen. Die klare Wiedergabe in der Gegend der unteren Grenzfrequenz, die für ein angenehmes Gefühl tadellosen Tiefgangs sorgt, zeigt die Ausnahmestellung der nuLine 30 plus ATM. Erst die größere und teurere LSi-9 kommt gegen den Bassdruck und den Tiefgang der nuLine 30 mit ATM-Power an. Bei geringen Lautstärken bieten manche schlanken Standlautsprecher wie die Quadral Ascent 860 oder die Pioneer S-H810V nicht mehr, sondern eher weniger Bassfülle. Bei solchen Vergleichen wird deutlich, dass der Hauptgewinn des Aktiven Tuning Moduls gerade bei niedrigeren und somit alltagsrelevanten Lautstärken spürbar ist. Dann greifen auch die weiteren Vorzüge, gegeben durch die EQ-Regelmöglichkeiten, am besten.  Bei kleiner Lautstärke schon einen gepflegten Raumeindruck schafft die exzellente Monitor Audio Silver RS-8 Standbox. Nicht umsonst ist sie unsere Referenz in ihrer Preisklasse. Mit etwas weniger Dynamik und einer weniger intensiven Raumwirkung kann sich die kompakte nuLine 30 plus ATM aber selbst hier gut in Szene setzen. Mit ATM-Modul produziert sie einen erstaunlich kompletten Bassbereich. Mit gekonnter Anhebung durch den EQ-Regler schlägt sie die penibel abgestimmte Onkyo D-302E. Natürlich man kann den Onkyo Boxen durch eine entsprechende Justage an der Loudness- oder der Bassreglungstaste des Verstärkers auf die Sprünge helfen. Da das ATM-Modul jedoch speziell auf die nuLine 30 abgestimmt ist, ergibt sich insgesamt eine besonders stimmige Wiedergabe. Die größeren Onkyo Lautsprecher kontern mit ihrer linearen Abstimmung dann mit mehr Bassdruck bei hohen Pegeln, wo die selbst in edler Exklusivausführung sehr viel preiswertere nuLine 30 mit ATM an ihre Grenzen stößt. Die Naturgesetze kann auch Nubert nicht außer Kraft setzen. 

Fazit

Klein, aber gerade mit ATM-Modul praktisch vollwertig: Die nuLine 30 läuft fast schon außer Konkurrenz

Nubert hat mit der nuLine 30 Exklusiv inklusive ATM-Modul ein hochinteressantes Produkt für eine Klientel geschaffen, die kompakte, extrem hochwertig verarbeitete Lautsprecher suchen, bei der Basswiedergabe gerade bei moderaten Lautstärken aber trotzdem gewisse Anforderungen stellen. Natürlich, ebenso wenig wie sich selbst ein gut gemachter Turbomotor exakt wie ein Sauger mit großem Hubraum fährt, so kann auch das clever gemachte ATM-Modul nicht eine voluminöse Standbox mit großer Membranfläche ersetzen. Aber gerade in kleineren Hörräumen bis knapp über 35 Quadratmeter und bei Lautstärken, die noch nachbarnkompatibel sind, sorgt das kleine silbern-schwarze ATM-Kästchen für einen sehr deutlichen akustischen Zugewinn. Sehr gelungen sind die Regelungsmöglichkeiten, die eine individuelle, effektive Justage ermöglichen. Bereits ohne ATM-Modul präsentiert sich die nuLine 30 als akkurat konstruierte, sauber und präzise aufspielende Lautsprecherbox, mit ATM-Modul kommt eine wohlklingende, Substanz schaffende Fülle im Bassbereich dazu. Insgesamt stellt die Nubert-Offerte auch preislich wieder ein faires Angebot dar, wenngleich der ATM-Aufpreis schon recht deftig ist.  

Nubert zeigt wieder einmal, wie es geht: Optisch edler, kompakter und mit ATM-Modul nahezu vollwertiger Regallautsprecher mit hervorragender Performance

Stereo-Lautsprecher Mittelklasse
Test 07. Oktober 2005
Preis-/Leistungsverhältnis
Pro:
  • Mit ATM-Modul überraschend fülliger, nachdrücklicher Bassbereich

  • Sehr angenehme, klare und präzise Hochtonwiedergabe

  • Ausgezeichnete Pegelfestigkeit

  • Gerade in Exklusivausführung erstklassige handwerkliche Verarbeitung

  • nuLine 30 Exklusiv mit fairer Preisgestaltung

Contra:
  • Recht kräftiger Aufpreis für ATM-Modul

 

Technische Daten nuLine 30 Exklusiv (Preis 485 €/Stück): 

  • Kompaktlautsprecher · 2-Weg Bassreflex
    Nennbelastbarkeit 150 Watt
    (nach DIN EN 60268-5,
    300-Std.-Test)
    Musikbelastbarkeit 210 Watt
    Absicherung Hoch-, Tieftöner und Weiche
    gegen Überlastung geschützt
    (selbstrückstellende Sicherungen)
    Impedanz 4 Ohm
    Frequenzgang 68–22 000 Hz +2 –3 dB
    – mit ATM/ABL-Modul 42–22 000 Hz +2 –3 dB
    Übertragungsbereich 32–30000 Hz
    (nach DIN 45500)
    Wirkungsgrad 85 dB (1 Watt / 1m)
    Gesamt-Abmessungen 34.7 x 21 x 27.4 cm
    H x B x T (mit Gitter)
    Brutto-Volumen 20 Liter (ohne Gitter)
    Gewicht 8.9 kg

Test: Carsten Rampacher
07. Oktober 2005

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