Test: Nubert nuLine 30 mit ATM-Modul (1/2)
07.10.2005 (cr)

Vor einiger Zeit kündigten wir an, auch verstärkt
Stereo-Equipment unter die Lupe zu nehmen. Allerdings sollte diese Erweiterung
unseres Testprogramms nicht so aufgenommen werden, dass sich von Zeit zu Zeit
sündhaft teure Highend-Stereokomponenten in unseren Testräumen einfinden,
sondern dass wir auch einen breiteren Interessentenkreis durch preislich
wohlfeile und besonders interessante Offerten für den Bereich Zweikanal-Tests
begeistert möchten. Genau dies bezwecken wir mit einem genauen Check eines
schon beinahe einzigartigen Ensembles: Zu den in besonders edler Ausführung
angetretenen Nubert nuLine 30 Exklusiv (Stückpreis 485 €) gesellt sich ein
bass- und spaßförderndes ATM-Modul (Stückpreis 249 €), welches den
Bass-Übertragungsbereich des klein bauenden Regallautsprechers auf beinahe
unglaubliche 42 Hz untere Grenzfrequenz erweitert - das sind Werte, die mancher
aktive Subwoofer, der einem Sub-/Sat-Set beigefügt ist, nicht erreichen kann.
Ob das Nubert-Set für anspruchsvolle Hörer mit Sinn für Raumökonomie und
für ein gutes Preis-/Leistungsverhältnis eine verheißungsvolle Alternative
ist, klärt unser Test.
Verarbeitung
Die nuLine 30 ist in drei "Exklusiv"-Farben lieferbar.
Neben Nuss und Weiß ist auch der "Klassiker" Klavierlack-Schwarz
vertreten. Genau in dieser zeitlos schönen Ausführung trafen die beiden
kompakten Regallautsprecher in unserem Testraum ein. Das absolut saubere Finish
kommt durch den extrem aufwändigen Lackierprozess zustande. Zunächst wird ein Grundlack aufgetragen, der die Saugfähigkeit des Holzes reduziert und feine Unebenheiten ausgleicht. Danach erfolgt eine Zwischenschliff. Der eigentliche Klavierlack wird nun in acht bis zehn Arbeitsgängen aufgetragen und auf den Gehäuseflächen mit einem Bandschleifer in vier Stufen immer feiner geschliffen; bei den Gehäusekanten muss dieser Arbeitsvorgang sogar von Hand erfolgen.

Viel Handarbeit erforderlich: Eine so penible
Oberflächenverarbeitung ist arbeits- und zeitintensiv
Eine Politur mit einem Filzband verleiht der Box anschließend ihren ersten Glanz, während das endgültige, spiegelglatte Oberflächenfinish mit Hilfe von rotierenden Leinenstoffwalzen erzielt wird. Dass hier mit höchster Konzentration zu Werke gegangen werden muss, versteht sich von selbst: Der kleinste Einschluss im Lack, die minimalste Unebenheit, ein Augenblick Unaufmerksamkeit beim Polieren, und die Arbeit vieler Stunden ist zunichte gemacht.
Im Vergleich zu ebenfalls "hochglänzenden" Konkurrenzprodukten
überzeugt die nuLine 30 Exklusiv durch die ohne jede Einschränkung
handwerklich erstklassige Ausführung - hier lohnt es sich, dieses kleine
Kunstwerk mit aller Vorsicht anzufassen und auch öfters Fingerabdrücke und
Staub zu entfernen. Die steife MDF-Basis der nuLine 30 ist in dieser massiven,
soliden Ausführung in günstigeren Preisklassen sonst kaum zu finden.
Statt des Abdeck-Gitters für die gesamte Schallwand ist ein kleines, abnehmbares Schutzgitter für die Hochtöner-Membran montiert, das magnetisch gehalten wird, keinerlei hörbare Klangveränderungen zur Folge hat und auch messtechnisch kaum mehr nachweisbar ist.
Beide Membranen sind präzise ins Gehäuse eingepasst, bereits dieser kleine
Lautsprecher verfügt über ein doppelt ausgeführtes
Lautsprecherkabel-Anschlussterminal, das auch tadellos verarbeitet und vergoldet
ist. Die nuLine 30 exklusiv ist zwar 209 € teurer als die normale nuLine
30 (276 € pro Stück), was zunächst sehr happig klingt. In Anbetracht der
selten edlen Ausführung und im Hinblick auf etwaige Kontrahenten jedoch ist der
Preis als fair zu bezeichnen. Eine noch aufwändigere Oberflächenbearbeitung
findet man wirklich nicht mehr oft.

Als angemessen hochwertig zeigt sich das doppelt ausgeführte
Anschlussterminal auf der Gehäuserückseite der nuLine 30

Nett verpackt: Im Koffer, zusammen mit Netzteil und 2
Cinchkabeln für die Integration, kommt das ATM-Modul zum Kunden
Solide verarbeitet ist auch das ATM-Modul, welches nebst
Zubehör (Netzteil, Cinch-Stereokabel) in einem adretten Köfferchen
ausgeliefert wird. Das gesamte Gehäuse besteht aus Metall und hinterlässt
ebenso wie das Anschlussfeld auf der Rück- und die Drehregler auf der
Vorderseite einen langlebigen Eindruck. Alle Drehregler liegen tadellos in der
Hand und können daher auch haptisch gefallen.

Saubere Verarbeitung kennzeichnet auch das ATM-Modul
Technik
Wenden
wir uns zunächst der nuLine 30 zu. Oft gibt es gerade in Bezug auf die
Belastungswerte Probleme bei kompakten Regallautsprechern, denn die
Belastungswerte sind unterdurchschnittlich. Nubert jedoch wäre nicht Nubert,
wenn man nicht für ein beruhigendes Polster auch bei der kleinen 2-Wege-Box
nuLine 30 gesorgt hätte, denn mit einer Nennbelastbarkeit von 150 und einer
Musikbelastbarkeit von 210 Watt sind genug Reserven eingebaut. Das reicht, um in
Hörräumen zwischen 10 und knapp über 25 Quadratmetern für akustische Furore
zu sorgen. Wer es mal übertreiben sollte, der muss nicht gleich um das Leben
seines Lautsprechers fürchten, denn Hoch- und Tieftöner sowie die
Frequenzweiche sind durch entsprechende selbstrückstellende Sicherungen gegen
Überlastung geschützt. Die Impedanz der nuLine 30 beträgt 4 Ohm, der
Frequenzgang reicht von 68-22.000 Hz (+ 2 / - 3 dB), mit ATM-Modul
(Aktives Tuning Modul) von 42-22.000 Hz (+ 2 / - 3 dB). Das Brutto-Volumen des
Boxengehäuses liegt bei 20 Litern, der Schallwandler ist beachtliche 8,9 kg
schwer, was auf eine aufwändige Konstruktion schließen lässt. Allein die
Frequenzweiche mit 32 Bauteilen (seit Feb. 2005) dokumentiert schon den hohen
konstruktiven und entwicklerischen Aufwand. Die Bassreflexöffnung
befindet sich bei der Regalbox auf der Rückseite, was eine extrem wandnahe
Aufstellung vereitelt. Nubert rät zu einer Entfernung von mindestens 25 cm zur
Wand, wir würden lieber mit 40 cm Mindestabstand arbeiten. Mit Abmessungen von 35 x 21 x 25,7 cm
(H x B x T) lässt sich die nuLine 30 prima auch im Wohnzimmer
integrieren.
Der Schalter zwischen den Anschlussklemmen (Bild links) erlaubt die Umschaltung des Hochtonbereichs von "brillant" über "linear" bis
"sanft". Das
speziell für diesen Lautsprecher konstruierte ATM-Modul erweitert den
Frequenzbereich deutlich weiter nach unten. Anstatt 68 stehen nun 42 Hz als
untere Grenzfrequenz in den Datenblättern. Durch einen besonderen technischen
Kniff wird dies möglich. Im Bereich zwischen 40 und 100 Hz bekommt der
Verstärker exakt den spiegelbildlichen Frequenzgang des Lautsprechers
zugeführt. Normalerweise agiert die nuLine 30 als kompakte Regalbox mit einer
gewollten 2,5 dB Anhebung im Bassbereich ca. bei 100 Hz. Damit möchte Nubert
der Problematik entgegen treten, dass kleine Gehäusevolumina und andere
konstruktive Gegebenheiten kleiner Lautsprecher einen dünnen Sound in der Nähe
der unteren Grenzfrequenz haben. Durch die Verschiebung der unteren
Grenzfrequenz nach unten, die das ATM-Modul ermöglicht, kann diese 2,5 dB
Überhöhung nun wegfallen. Darum kompensiert das Modul diesen leichten
Neutralitätsverlust der nuLine 30 ohne ATM und linearisiert somit den
Frequenzgang im Bassbereich zwischen 90 und 200 Hz. Durch die niedrige untere
Grenzfrequenz von 42 Hz ist keine Anhebung mehr nötig. Sinn macht eine solche
Bassanhebung bei Lautsprechern, deren untere Grenzfrequenz bei über 50 Hz
liegt.

"Bass-Magier": Das ATM-Modul kümmert sich um eine
"Tieferlegung" der unteren Grenzfrequenz
Einziger Nachteil: Wird der Tiefbass bei Lautsprechern, die
klein oder schlank sind (also ein relativ geringes Gehäusevolumen und wenig
Membranfläche mitbringen) linearisiert, entsteht ein höherer Leistungsbedarf
im Bereich zwischen 40 und 60 Hz. Daher darf man die Verstärkereinheit nicht
unterdimensionieren und die Rolle potenter Endstufen nicht aufgrund der
eigentlich "harmlosen" Eckdaten der nuLine 30 unterschätzen.
Verwendet man eine starke Leistungsendstufe, wird man dafür mit erfreulichen
Tiefbasseigenschaften belohnt. Wie auch unsere Hörtestreihen später zeigen
werden, legt die nuLine 30 im Bassbereich so enorm zu, dass bei normalen Pegeln
und in nicht allzu extensiven Lokalitäten ein Basseindruck erreicht wird, der
schon in der Nähe guter kleiner Standlautsprecher liegt. Voraussetzung für ein
optimales Wirken des ATM-Moduls ist ein akkurat konstruiertes
Lautsprechergehäuse mit sorgfältig versteiften Wänden. Die kräftige
Versteifung ist nötig, damit die Boxenwände kein Eigenleben entwickeln, was
gerade bei der Wiedergabe tiefer Frequenzen sonst vorkommen würde.
Damit das ATM-Modul bei niedrigem bis mittlerem Pegel perfekt
arbeiten kann und einen nicht nur kräftigen, sondern zugleich präzisen Bass
liefert, müssen die für die Linearisierung zuständigen Schaltungen besonders
überlegt konstruiert sein. Unterhalb von 39 Hz wird der Pegel mit zusätzlichen
Filtern 4. Ordnung (24 dB/Oktave) weiter abgesenkt. Dies sorgt dafür, dass die
Impulsverarbeitung im Bassbereich praktisch keine hörbaren Beeinträchtigungen
mit sich bringt. Durch diese Technik kann die nuLine 30 wirklich mit deutlich
größeren Boxen, auch aus dem Hause Nubert, mithalten. Nur viel musikalische
Dynamik und hohe Pegel zeigen Grenzen auf. Wir setzten zwei dicke Restek
Monoblöcke als Verstärker ein, dadurch trugen wir dem bereits
vorgebrachte Argument, dass die nuLine 30 im Bereich zwischen 40 und 60 Hz nach
besonders viel Kraft von den Endstufen verlangt, Rechnung. Die "Extract"
Endstufen aus dem Hause Restek liefern unter praktisch allen Bedingungen Power
satt und stellte so eine effektive Energieversorgung sicher. Man merkte
bei hoher Lautstärke eher, dass die Membranauslenkung und die kleinen
Membranflächen doch für einen Einbruch an akustischer Souveränität
sorgten.
Immer wieder erstaunlich - aber absolut reproduzierbar - ist
außerdem die eindeutige Verbesserung des Räumlichkeits-Eindrucks, obwohl man als Techniker geneigt ist, keine Querverbindung von Räumlichkeits-Eindruck und Tiefbass-Wiedergabe zuzulassen.
Das ATM-Modul bietet noch verschiedene Einstellmöglichkeiten,
die wir im folgenden Text vorstellen werden.
Die Wirkungsweise des BASS/EQ-Reglers: Die messtechnisch optimale Einstellung des EQ-Reglers liegt knapp unter der Stellung „LINEAR" (11 Uhr 30). Wenn man doch einmal sehr hohe Lautstärken erzielen will, kann man den Drehknopf nach links drehen. Dann ist die Bass-Erweiterung deaktiviert, die Absenkung der Signale unterhalb ca. 40 Hz bleibt jedoch erhalten. Damit werden dann alle
Leistungsreserven des Verstärkers zum Erzielen großer Schallpegel mobilisiert, die nu-Line 30 benötigt für gleiche Lautstärke dann sogar geringfügig weniger Leistung als bei Betrieb ohne Modul.
In unseren Testreihen konnten wir feststellen, dass eine leichte Bewegung des
BASS/EQ Reglers (zwischen LINEAR und MAX) über die 12 Uhr Stellung hinaus auch
bei Klassik, sogar bei Kammermusik, einen Vorteil erbrachte, da das gesamte
Klangbild mehr Fundament zeigte und so eine hörbar komplettere Akustik die
Folge war. Wie bereits erwähnt, ist dieser Effekt besonders bei Pegeln um die
viel zitierte Zimmerlautstärke oder aber etwas darüber gut zu bemerken. Wer
sehr gern HipHop oder Techno/House/Trance hört, kann den Regler auch in die 15
Uhr-Position bewegen, sollte dann aber darauf achten, diese Einstellung nicht
mit deutlich erhöhter Lautstärke zu kombinieren. Interessant ist das Aufdrehen
des Bassreglers für diejenigen Anwender, die traurig darüber sind, dass ihr
Verstärker keine Loudness-Schaltung mehr hat: Diese sorgte früher in vielen,
heute noch in einigen Modellen für eine Bassanhebung (kombiniert mit einer
Höhenanhebung) im niedrigpegeligen Bereich, um so einem dünnen, faden
Klangbild bei Zimmerlautstärke entgegen zu wirken.
Die Wirkungsweise des „MID/HIGH“-Reglers: Dieser neu entwickelte Höhen-Regler
kann ein bei verschiedenen Hörern stark nachgefragtes sanfteres Klangbild
erzeugen. Er hat in Stellung LINEAR keine Funktion. Beim Drehen nach links kann je nach Hörgeschmack und
Raumakustik ein gleichmäßig zu den Höhen abfallender Frequenzgang eingestellt werden. Wenn die nuLine 30 in akustisch „harten“ Räumen
aufgestellt ist, oder die Musik-Aufnahme zu hell abgemischt ist, wirkt dieser Regler auf den Klang angenehmer als übliche Höhenregler an Verstärkern. In Stellung „10 Uhr“ beträgt die Absenkung ca. 3 dB bei 20 kHz; - in Stellung „MIN“ 7 dB. Es galt bisher als kaum möglich, mit vertretbarem Aufwand von 30 Hz bis 20 kHz den Frequenzgang „linealgerade“ zu den Höhen hin gleichmäßig zu „drehen“.
Die Anhebungsmöglichkeit der hohen Frequenzen im Bereich zwischen „LINEAR“ und „MAX“ ist ein Zugeständnis an die Wünsche einiger
weniger Kunden, die ein „sehr helles Klangbild“ lieben (was sich manchmal
bei verschiedenen Trance-Tracks in einem erheblich - gewollt -
aggressiveren Klangbild widerspiegelt. Für Klassik und Jazz ist dieser
Regelbereich praktisch uninteressant.

Das Tuningmodul von hinten. Es sind drei Cinch-Eingänge und
ein Ausgang verfügbar. Wir haben das ATM zwischen Vor- und Endstufe
eingeschliffen
Das ATM Modul lässt sich an HiFi- oder Surround-Verstärker anschließen
(pro Boxenpaar wird ein ATM-Modul benötigt). Bei Vollverstärkern mit auftrennbarer Vor- und Endstufe sowie Vorverstärker/Endverstärker-Kombinationen schleift man das ATM Modul einfach zwischen die beiden Verstärkerstufen ein, der Anschluss und die Umschaltung der Signalquellen erfolgt weiterhin über den Verstärker. Ebenso bleibt der Verstärker auch die Schaltzentrale bei der Eingangswahl, wenn das ATM Modul über die "Tape-Monitor-Anschlüsse" in den Verstärker eingeschleift wird. Doch auch Besitzer von Vollverstärkern ohne auftrennbare Vor- und Endstufe und ohne Tape-Monitor-Möglichkeit können das ATM Modul problemlos mit drei Hochpegelquellen betreiben. Diese werden dann aber nicht mehr am Verstärker, sondern an den LINE Eingängen des ATM Moduls angeschlossen und über den Quellwahlschalter auf der Frontseite umgeschaltet.
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